SonstigesPersönlichesMusik
In teilweise eigener Sache: Bssssssss!

Woran zumin­d­est ich merke, dass es täglich wärmer wird:
Die Zahl der Fliegen, die durch das Wohnz­im­mer schwär­men, steigt kon­tinuier­lich.

Früher waren es wenig­stens noch Schmetter­linge, die durch das Haus flat­terten und fröh­lich drein­schaut­en. Die summten mir nicht ständig um den Kopf herum und kack­ten mir auf die Glied­maßen, die störten nicht und sahen zudem noch gut aus, ein wenig wie ich.

Aber in Zeit­en der Rezes­sion resp. der “Rezes­sion­sevo­lu­tion” (Kafkas, schon ein paar Jahre her) kön­nen wir uns keine Schmetter­linge mehr leis­ten, da reicht es nicht mal für ein paar anständi­ge Bienen, nur lang­weilige, unbunte Fau­na, und die Regierung schaut taten­los zu (Die Ärzte, eben­falls schon ein paar Jahre her).
Her­rje.

(Und um meinen poli­tis­chen Forderun­gen Nach­druck zu ver­lei­hen, ertönt auf dieser Inter­net­präsenz, wie auch auf manch anderen Ange­boten, nun­mehr der her­rliche Klang ein­er Vuvuzela; so lange, bis die deutsche Fußball­na­tional­mannschaft endlich aus dem laufend­en Turnier aus­geschieden ist, damit endlich Ruhe ist, Him­mel­her­rgot­tnocheins!
Alter­na­tiv natür­lich, bis mir die Besuch­er aus­bleiben. Allerd­ings: Ein Klick auf die Tröte oder ein Pro­gramm wie etwa der Devu­vuze­la­tor genügt, damit sie ver­s­tummt.)

In den NachrichtenNerdkrams
Optimierte Feuerfüchse

Da seit kurzem Fire­fox 3.6.4 ver­füg­bar ist, halte ich es für gut und richtig, neben­bei mal wieder ein wenig die Gelüste mein­er com­put­er­af­finen Leser zu befriedi­gen, und ich erwähne also dies:

Seit eini­gen Monat­en ver­wende ich, jeden­falls unter Win­dows, auss­chließlich opti­mierte Fire­fox-Ver­sio­nen.

“Opti­miert” bedeutet hier: Fire­fox wurde mit ein­er besseren Spe­icherver­wal­tung und ein­er Anpas­sung an mod­erne Prozes­so­rar­chitek­turen (meist speziell für die SSE- oder SSE2-Befehlssätze) aus­ges­tat­tet, startet und ren­dert also spür­bar schneller und Ressourcen scho­nen­der. Das beste­hende Fire­fox-Pro­fil kann hier­bei über­nom­men wer­den, Inkom­pat­i­bil­itäten treten nach mein­er Erfahrung nicht auf. Eine völ­lige Neuin­stal­la­tion mit vorherigem Löschen der alten Ver­sion ist eben­falls nicht erforder­lich, es genügt, den opti­mierten Fuchs in das Fire­fox-Verze­ich­nis zu ent­pack­en und eventuell vorhan­dene Dateien zu über­schreiben.

Unter Lin­ux ist Swift­fox eine gute Wahl, unter Win­dows ver­wende ich derzeit die aktuellen Ver­sio­nen von tete009 (auf dem Lap­top) und pig­foot (auf dem PC), wobei let­ztere ein deut­lich hüb­scheres Icon besitzt; aber das sollte ja nicht das Auss­chlag gebende Kri­teri­um sein. Welche opti­mierten Ver­sio­nen für euer Sys­tem geeignet sind (also eben SSE, SSE2 oder noch andere), ver­rät bspw. CPU‑Z (Win­dows) oder CPU‑G (Lin­ux). Im Zweifels­fall sind auf halb­wegs aktuellen Rech­n­ern die SSE2-Ver­sio­nen immer die richtige Wahl.

Abhängig von der Kon­fig­u­ra­tion der jew­eili­gen Ver­sion kann es übri­gens sein, dass sich der opti­mierte Fire­fox nach dem Start als “Namoro­ka” meldet und zunächst nur Englisch spricht. Bei­des ist ein­fach zu beseit­i­gen, indem man die deutsche Sprach­datei ein­stellt:

Unter about:config (die Warn­mel­dung ggf. beacht­en, dann wegk­lick­en) sollte via Dop­pelk­lick zunächst der Wert general.useragent.locale in “de” geän­dert, dann diese (Win­dows) oder diese (Lin­ux) Erweiterung instal­liert wer­den; und da man ohne­hin ger­ade in der Kon­fig­u­ra­tion herum­spielt, ist es empfehlenswert, bei dieser Gele­gen­heit auch noch ein paar andere Ein­stel­lun­gen zu opti­mieren, aber muss ja nicht.

Nun den Fuchs neu starten, und er sollte in neuem Glanz erstrahlen. :)

MusikKaufbefehleSpaß mit Spam
Spam? Dorthin, wo die Sonne nicht scheint!

Zwar habe ich schon seit län­ger­er Zeit keine Mel­dung von ero­tisierten Russin­nen erhal­ten (ich mache mir doch allmäh­lich ein wenig Sor­gen um meine Aura), aber heute hat eine andere Mail meinen Spam­fil­ter erstaunlicher­weise passiert:

Sie erin­nern sich sicher­lich noch an Ihre Teil­nahme am Inter­net­gewinn­spiel.

Am Inter­net­gewinn­spiel. Sich­er. An welchem?
Egal, irgen­deins im Inter­net oder über das Inter­net oder so was.

Zur Förderung des türkischen Frem­den­verkehrs und der deutschen Touris­mus­branche wur­den unter allen Ein­sendun­gen mit richtigem Lösungswort aus der Region 8 Traum­reisen für 2 Per­so­n­en ver­lost …

Und welch­es Lösungswort dieses eine, ganz bes­timmte, doch namen­lose Inter­net­gewinn­spiel genau erwartet hat oder wie die Frage lautete, bleibt offen… vielle­icht stand das ja in dem Teil, der hier wegge­lassen wurde… das halte ich für… und über­haupt…

Her­zlichen Glück­wun­sch, Sie gehören zu den Pre­mi­um-Gewin­nern!

Was zeich­net eigentlich einen “Pre­mi­um-Gewin­ner”, ver­glichen mit nor­malen Gewin­nern, aus? Und fühlen sich die Nicht-Pre­mi­um-Gewin­ner nicht dann auch ziem­lich verk­lapst, wenn sie eben nur zweitrangige Gewin­ner sind? (Und was genau haben die eigentlich gewon­nen? Jeden­falls ver­mut­lich nicht …

Sie fliegen 1 Woche in die Sonne an der Türkischen Riv­iera!

… das Schick­sal des Ikarus. Ich stelle mir eine Woche auf dem Weg in die Sonne jeden­falls nicht sehr ein­ladend vor. Möchte vielle­icht ein Nicht-Pre­mi­um-Gewin­ner mit mir tauschen?)

Unsere Leis­tun­gen inklu­sive für Sie:


— Info­cock­tail im Hotel für 2 Per­so­n­en

Mjam, püri­erte Prospek­te!


— während der Fahrten im Bus hal­ten wir kosten­los Wass­er zum Trinken für Sie bere­it

Das dürfte auch drin­gend nötig sein, in der Sonne ist es doch recht warm. :mrgreen:

- Reisepreis­sicherungss­chein für 2 Per­so­n­en

Reise-was?

- Reise­führer Türkei des Rei­sev­er­anstal­ters pro Buchung

Die große Frage bis hier­hin lautet dann auch: Wer genau ist denn der Rei­sev­er­anstal­ter? Klingt bis­lang nicht nach jeman­dem, der das beru­flich macht.

Sie und eine Begleit­per­son erhal­ten diese Leis­tun­gen exk­lu­siv der Ser­vi­cepauschale und Kerosinzuschlag/PaxTax für 0,00 Euro!

Äh, ja. Sich­er.

Für alle organ­isatorischen Arbeit­en und den Tele­fon- und Schriftverkehr wurde das Reise­büro M.e.i.e.r. Reisen beauf­tragt.

M.e.i.e.r.? Haben die irgend­was mit dem bekan­nten Kred­it- und Scheck­karten­be­trüger Max Muster­mann zu tun?

Ihre Gewinnnum­mer: sw010589

Ich nehme an, jede andere “Num­mer” wäre auch akzept­abel; aber diese Zahl sieht mal ziem­lich erstaunlich aus. 01.05.89; mein Geburt­stag jeden­falls ist das nicht. Immer dieses spam­mende Jungvolk!

Zur Gewinnbestä­ti­gung und weit­eren Infor­ma­tio­nen zur Reise geht es hier: …/tracker.php?id=166

Mir dünkt, das Einzige, was mir diese Mail beschert, ist diese Adresse, die den Absender brav darüber informiert, dass die Mail über­haupt gele­sen wurde.
Zu der­lei Wer­be­post jeden­falls fällt mir nur noch eins ein:

Gute Reise!

(Und während ich dies schreibe, läuft zum wieder­holten Male Their Names Escape Me von Spock’s Beard, genauer: Von deren neuem Album “X”. Ich beginne mich nun ern­sthaft für die Geschicke dieser Musik­gruppe zu inter­essieren. Eine unge­fähre Rezen­sion gibt’s auf den Baby­blauen Seit­en. Hört beizeit­en mal hinein!)

KaufbefehleMusikkritik
Musik 06/2010 — Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 5 von 29 der Serie Jahres­rück­blick

Das ging schnell; schon wieder ist das erste halbe Jahr beina­he vor­bei. Zeit also wird es, die sehn­süchti­gen Gedanken ein­mal bei­seite zu wis­chen und stattdessen einen Blick auf die prächtig­sten Musikveröf­fentlichun­gen der let­zten sechs Monate zu wer­fen, ob Rock oder Pop, ob gratis oder teuer, ob Kauf­be­fehl oder völ­liger Rein­fall.

Auf eine sep­a­rate Liste für deutschsprachige Alben habe ich dies­mal verzichtet, die dreiein­halb Exem­plare habe ich stattdessen in der Hauptliste unterge­bracht. Das hat einen ganz ein­fachen Grund: Ich habe zu spät daran gedacht. Selb­stver­ständlich tut mir dieser Faux­pas unglaublich Leid, für die Rückschau 12/2010 gelobe ich Besserung. (Nach­trag vom 13. Dezem­ber 2010: Lei­der gab das Jahr keinen Anlass, eine solche Liste anzule­gen.)

Wie üblich jeden­falls wird diese Liste auch dieses Mal wieder gekrönt von ein­er Rückschau auf 40 Jahre wech­sel­nden Zeit­geists in der Musik. Vielle­icht find­et ja jemand von euch, meine geschätzten Leser, wieder einen kleinen Schatz darunter, der nur darauf wartet, von euch gehoben zu wer­den.

Viel Spaß beim Erforschen!

‘Musik 06/2010 — Favoriten und Analyse’ weit­er­lesen »

Netzfundstücke
Kurz verlinkt XVIII: Herr Vodafone ist unbeliebt

Und da mich der Nachtwächter für meinen vorigen Beitrag mit einem Link belohnt hat, revanchiere ich mich direkt, zumal seine sub­tile Mis­an­thropie, gepaart mit der grund­sät­zlichen Aver­sion gegen Beläs­ti­gung durch Wer­be­hei­nis, die uns immer­hin seel­isch verbindet, mitunter zu wahrlich beein­druck­enden Tex­ten führt, in diesem Fall zu diesem:

Und dann blieb ich ste­hen, so ruckar­tig, wie ich das kann, wenn ich es will, und mit ein­er eher mech­a­nis­chen bewe­gung wandte ich mich ihm zu, den lächel­nden gesicht­saus­druck bewusst ver­stein­ert. Es ist so leicht, einen irren zu spie­len, wenn man vom irrsinn umgeben ist! Herr voda­fone spulte sein pro­gramm ab und reichte mir ger­ade diesen bun­ten fet­zen papi­er, und ich ließ mein gesicht umschla­gen und schaute diesem scher­gen der arschlöch­er mit star­rem blick in seine kalten augen, mit zit­tern­den lip­pen. Und der merk­te es immer noch nicht. Da sagte ich in absoluter ruhe, mit sehr deut­lich­er aussprache und etwas über­trieben­er inton­azjon des „r“ nur: „Ich ver­achte sie dafür, dass sie für ein unternehmen arbeit­en, dass so gern dabei mit­ge­holfen hat, die inter­net­zen­sur in deutsch­land einzuführen.“ Es war unglaublich, der rede­fluss dieses arschloches hat­te wirk­lich aufge­hört, und in seinen augen zeigte sich so etwas wie angst. Ich mag das ja nicht, wenn jemand angst hat, aber wer keinen respekt vor anderen men­schen empfind­et und sie für ein biss­chen reklamescheiße aus einem schö­nen tag reißen will, der muss eben angst fühlen. Und ich set­zte fort, in genau dem gle­ichen mon­to­nen ton­fall, aber mit zunehmenden zit­tern am kör­p­er: „Gehen sie bitte ster­ben! Wenn ihnen das mit der frei­heit nicht gefällt, kön­nen sie ja nicht mehr nach drüben gehen. Also ster­ben sie! Schnell, wenn es geht.“ Ich rotzte diesem bas­tard noch ein­mal vor die füße, freute mich inner­lich darüber, dass er richtig schiss um sein über­flüs­siges, aufge­bläht­es, maden­haftes dasein hat­te und ging ganz ruhig weit­er, ohne diesem typen noch einen einzi­gen blick zu schenken. Ich hoffe, dass der das den ganzen tag lang nicht vergessen hat.

Und die Moral von der Geschichte gibt’s nach Klick auf den Ver­weis zu lesen.
Bitte durch­führen!

(Und da ich ger­ade stu­pide am Ver­linken bin, ist jet­zt wom­öglich auch der richtige Zeit­punkt, um auf Vuvuzela-Time, das nun mehrfach an mir vor­beis­crollte, hinzuweisen. Jede Web­seite ein kul­tureller Hochgenuss. Mit­ten­drin statt nur dabei! Her­rlich.)

Nerdkrams
PC-Hunde leben gefährlich

Ach, apro­pos selt­same Wer­bung, habt ihr auch alle schon her­zlich über die aktuelle Wer­bekam­pagne für den Inter­net Explor­er 8 gelacht, deren Beiträge stets damit enden, dass der jew­eilige Pro­tag­o­nist selt­same Dinge wie etwa “Ich bin ein PC-Hund” verkün­det?

Stets geht es darum, dass ebendieser Pro­tag­o­nist ziem­lich dumme Dinge tut, die der Inter­net Explor­er 8 abzuwehren weiß. In ein­er Episode etwa erzählt ein­er der Beteiligten in ein­er ziem­lich hek­tis­chen Sprech­weise, er habe eine E‑Mail erhal­ten, die er für von sein­er Bank stam­mend hielt, und erst ein­mal wild darin herumgek­lickt, und nur dem Inter­net Explor­er 8 (und nicht etwa sein­er eige­nen Idi­otie) sei es zu ver­danken, dass hier­durch kein bleiben­der Schaden an seinem PC ent­standen sei, so weit es ersichtlich sei.

Böse Zun­gen wür­den nun behaupten, wer den Inter­net Explor­er 8 ver­wen­det, trage schon genug Schaden davon, aber so ein­fach mache ich es mir nicht; das Prob­lem an dieser Wer­bung liegt doch viel tiefer. Wer in blin­dem Glauben an die Authen­z­ität ein­er E‑Mail in sel­biger herumk­lickt, nur weil sie vorgibt, von ein­er Bank oder einem anderen renom­mierten Insti­tut zu stam­men, der wird schnell zur Spam­schleud­er oder zumin­d­est arm, weil man sein Kon­to leer­räumt.

“Ich bin ’n PC-Hund, kein­er legt mich rein!” behauptet die Pro­tag­o­nistin ein­er anderen Episode dieser furcht­baren Wer­bekam­pagne, und das ist ein ziem­lich fataler Trugschluss, denn man wird nicht weniger herein­gelegt, wenn eine Soft­ware die Kon­se­quen­zen lin­dert, weshalb es auch keine gute Idee ist, sein Sicher­heit­skonzept kom­plett von Drit­tan­bi­etern regeln zu lassen; und wer mit dem Wort “Sicher­heit­skonzept” nichts anfan­gen kann, der möge an dieser Stelle bitte zur Ken­nt­nis nehmen, dass ich mit ihm kün­ftig kein­er­lei elek­tro­n­is­che Kom­mu­nika­tion wün­sche, schon aus Eigen­in­ter­esse, nicht eben­falls von Spam heimge­sucht zu wer­den. Spam pflegt sich nicht sel­ten über Mail-Adress­büch­er fortzupflanzen. Das, was Mag­a­zine wie die unsägliche Com­put­er-BILD gern als Sicher­heit­skonzept verkaufen möcht­en, also die Instal­la­tion divers­er, zum Großteil über­flüs­siger Pro­gramme wie etwa “Per­son­al Fire­walls”, kann und wird nie die gebotene Vor­sicht beim Herumk­lick­en erset­zen. Wer­bung wie die für den Inter­net Explor­er 8 leis­tet an den Nutzern dieser Pro­gramme einen Bären­di­enst, indem sie sug­geriert, es sei vol­lkom­men unnötig, beim Bedi­enen des Inter­nets Vor­sicht wal­ten zu lassen, so lange es (übri­gens eben­falls poten­ziell fehler­an­fäl­lige) Pro­gramme gibt, die nach dem fraglichen Klick über­prüft, ob es klug war, ihn zu täti­gen.

Der Rat sollte also nicht laut­en, den Inter­net Explor­er 8 zu ver­wen­den, um im Inter­net sicher­er unter­wegs zu sein, son­dern sein Hirn einzuschal­ten, bevor man auf alles klickt, was anklick­bar aussieht, und es hin­ter­her und somit zu spät bereut.

(Und warum eigentlich “PC-Hund”? Mit einem Hund würde ich nun spon­tan so manch­es assozi­ieren, aber keine irgend­wie qual­i­fizierte Ahnung von Com­put­er­sicher­heit. Selt­sam!)

Sonstiges
Alter Schwede!

Ich wun­derte mich schon, wieso es im deutschsprachi­gen Inter­net ger­ade so ruhig ist; dann schaute ich zufäl­lig kurz ins 2DF und ver­stand sofort:

Die schwedis­che Kro­n­prinzessin Vic­to­ria heiratete heute stun­den­lang, eisig lächel­nd, ihren langjähri­gen Ver­lobten, und neben dem Fußvolk, das applaudierend und johlend die Straßen Schwe­dens säumte, durften auch “Mil­lio­nen” an Fernse­hzuschauern weltweit die Zer­e­monie ver­fol­gen, also zuse­hen, wie eine Adlige einen Reichen heiratet, und all dies scheint min­destens so aufre­gend zu sein wie die offen­bar immer noch laufende Fußball-Welt­meis­ter­schaft.

“Mäd­chen”, dies ver­sicherte mir eine liebe Fre­undin, als ich nach dem Hin­ter­grund für das Pub­likum­sin­ter­esse fragte, “lieben pom­pöse Hochzeit­en”. Ja, sich­er, bei der eige­nen leuchtet mir dies auch noch einiger­maßen ein, ist sie doch let­ztlich der Beginn des, so zu hof­fen, schön­sten und läng­sten Lebens­ab­schnittes bzw. zumin­d­est als solch­er gedacht. Warum dann aber die Pro­jek­tion der eige­nen Sehn­süchte auf glück­liche Paare, sich wohl dur­chaus dessen bewusst, dass das eigene Leben nie auch nur ansatzweise so ausse­hen wird wie das der Kro­n­prinzessin Vic­to­ria?

“Wenn ich groß bin, will ich Prinzessin wer­den, Mama”; das hört man nicht sel­ten von Mäd­chen noch gerin­gen Alters, und, auch, wenn die Frauen­be­we­gung das nicht so gern hört, so wer­den sie noch immer erzo­gen. “Mamas kleine Prinzessin” dient Prinzessins großer Mama als Ersatz für die eigene Kind­heit und Jugend (“mein Kind soll es ein­mal bess­er haben als ich”, dies ist der Grund­satz viel­er Eltern, und das ist auch gut und richtig so!), und es ist, auch, wenn die Frauen­be­we­gung das nicht so gern hört, das Wesen manch­er Frau, sich selb­st als schmusiges, engels­gle­ich­es Wesen zu betra­cht­en, das doch bitte­sehr hofiert wer­den soll, weil auch ihr das von Kindes­beinen an so beige­bracht wurde, noch resul­tierend aus ural­ten Gegeben­heit­en; der Mann näm­lich zieht durch die Wälder und jagt, während die Frau zu Hause am wär­menden Feuer sitzt und den Nach­wuchs pflegt. Zugegeben, so span­nend wie das Leben als Prinzessin, die den ganzen Tag durch das Land reist, gezwun­gen fröh­lich winkt und anson­sten in ihrem gold­e­nen Luftschloss dahin­veg­etiert, ist das augen­schein­lich nicht, aber let­ztlich hat sich an dieser Rol­len­verteilung trotz aller Gle­ich­stel­lungs­maß­nah­men und Sta­tis­tiken bis heute nur wenig geän­dert.

Dass man selb­st, wenn man diese klas­sis­chen Rol­len­bilder zu über­winden ver­mag, indes jemals glück­lich wer­den kann, wenn man fortwährend die Sehn­sucht hegt, ein Leben wie die Reichen und Schö­nen zu führen, bezwei­fle ich. (Sollte man das wollen?) Woher dieser Masochis­mus, dieses gepflegte Wis­sen um die eigene Unvol­lkom­men­heit und rel­a­tive Armut? Weshalb möchte sich manch­er Men­sch ständig darauf besin­nen, eben kein Thron­fol­ger mit Mil­lio­nen auf dem Kon­to, einem eige­nen Palast, einem Äffchen und einem Pferd zu sein, son­dern schreck­lich gewöhn­lich, wenn doch jeden­falls mir und sich­er auch vie­len anderen Men­schen das Gewöhn­liche weit näher liegt als das Extrav­a­gante, sofern es nur Anmut und Würde sein Eigen nen­nt? Wahres Glück braucht keine jubel­nden Massen, es bedarf nur zweier Lieben­der und ein­er gemein­samen Rich­tung.

Auch in dem Wis­sen, dass nur wenige Frauen, die diesen Text hier jemals lesen, sich um meine Ratschläge scheren wer­den, so meine ich den­noch: Die schön­ste Hochzeit im ganzen Leben sollte stets die eigene bleiben. Wer immer nur nach frem­den Träu­men greift, dem wird der eigene nie erfüllt wer­den.

(Und selb­st dann nicht unbe­d­ingt; ach.)

In den NachrichtenNetzfundstücke
Gestörter Konzertgenuss

Und da ich ger­ade der deutschen Gurken­truppe beim bere­its sehn­süchtig erwarteten Ver­sagen zuschaue, sendet man mir diesen Ver­weis, der mich Trä­nen lachen machte und den ich somit für kopierenswert hielt:

Mem­bers of the South Africa Vuvuzela Phil­har­mon­ic Orches­tra, wide­ly con­sid­ered to be among the best large-scale monot­o­n­ic wind instru­ment ensem­bles in the world, told reporters Fri­day they were furi­ous over the recent out­breaks of inter­na­tion­al soc­cer match­es dur­ing their tra­di­tion­al out­door con­certs.

Es ist aber auch furcht­bar; da geht man als kul­turell inter­essiertes Indi­vidu­um auf ein klas­sis­ches Freiluftkonz­ert und wird dann von schändlichen so genan­nten “Sportlern” und ihren grölen­den Anhängern am Musik­genuss gehin­dert. Ein weit­er­er Grund, warum es eine ein­ladende Vorstel­lung ist, dass dieser Fir­lefanz hierzu­lande bald ein Ende find­et; die armen Musik­er!

(Und während die Masse mit Brot und Spie­len bei Laune gehal­ten wird, stellt man ander­swo schon mal den tollen neuen elek­tro­n­is­chen Per­son­alausweis vor; ein paar Flaschen, die über den Ball stolpern, sind ja auch erwäh­nenswert­er als die trüben Aus­sicht­en für unsere eigene Zukun­ft, so sieht’s doch aus.)

Ist doch wahr.

MusikSonstiges
Medienkritik XXX: Abgeschüttelt.

Was mir dieser Tage auch ab und zu begeg­net, ist die wun­der­bare Ariel-Wer­bung. Ihr ken­nt sie sich­er: Da ste­ht ein schmutziger Typ rum, schüt­telt sich kurz und schon fall­en alle Fleck­en von ihm ab, und all dies — ihr ahnt es bere­its — dank Ariel.

Kaum habe ich geglaubt, es könne noch Jahre dauern, bis mir wieder eine ähn­lich däm­liche Reklame wie die für actimel vor die Augen kommt, wurde ich eines Besseren belehrt. Auf die Wer­be­hei­nis ist immer noch Ver­lass.

Jeden­falls bin ich mir noch nicht sich­er, ob es tat­säch­lich verkaufs­fördernd ist, wenn ein Waschmit­tel dazu beiträgt, dass man bei jed­er schnelleren Bewe­gung Schmutz ver­liert. Ich meine, mit einem Men­schen, der ständig Dreck in der Gegend verteilt, möchte ich per­sön­lich nur ungern befre­un­det sein, vielmehr würde ich ver­mut­lich einen großen Bogen um ihn machen wie son­st nur um die BILD. Allerd­ings scheint die Eigen­schaft, Eigen­schmutz in die Umwelt zu schleud­ern, der einzige Kau­fan­reiz zu sein, da auf son­stige Infor­ma­tio­nen zu den sig­nifikan­ten Vorteilen des “neuen” Pro­duk­tes weit­ge­hend verzichtet wird; allein wäscht es natür­lich wieder ein­mal noch viel weißer als alle anderen Ariels, will sagen: “Kaufen Sie nur noch das neue, extra­teure Schmutzschleud­er-Ariel, unser altes Ariel ist Mist”, aber das sagt man natür­lich lieber nicht so.

Klopfer stellte es schon 2003 richtig fest:

Wieso wird Waschmit­tel immer als total verbessert ange­priesen, wenn die Wer­bung schon in den 80er Jahren behauptete, dass man damit alles klin­isch rein kriegt? Wieso ist der Ton prinzip­iell um einige Phon lauter als die Sendung, die unter­brochen wurde? (Wenn mir ein­er ins Ohr brüllt, hab ich ganz wenig Lust, ihm was abzukaufen.)

Ist doch wahr.


Apro­pos alt und gut dann auch:

I don’t want to say good­bye,
don’t want to walk you to the door;
I’ve spent a lit­tle time with you,
I want a lit­tle more.

– Edie Brick­ell: Good Times, Bad Times von der guten, alten Win­dows-95-CD. Jawoll­ja.
Alle mit­sum­men!

Fotografie
Zum Beispiel ein Beispiel.

Was ich inmit­ten einiger ander­er Fotoauf­nah­men auch ganz vergessen hat­te, hier zu erwäh­nen, ist übri­gens dieser Schnapp­schuss aus ein­er süd­deutschen Region­al­bahn:

Von dem Kom­mafehler fange ich jet­zt mal nicht an, ganz so arg möchte ich dann doch nicht den Besser­wiss­er geben; aber “z.B. Beispiel” gefällt mir ehrlich so gut, dass ich es für unbe­d­ingt der Doku­men­ta­tion würdig hielt.

Dies ist hier­mit dann auch geschehen.

Sonstiges
Hulk Ballack

Was eigentlich gedenkt die Wer­be­abteilung von Pep­si Co. Inc. …

… mit diesem Wer­beauf­druck mitzuteilen?

Pep­si macht Kon­sumenten zu bun­ten Hulken?
Wer Pep­si trinkt, fährt nicht mit nach Südafri­ka?
Wenn Michael Bal­lack wütend wird, wird er mehr­far­big?

Wirr.

MusikSonstiges
Medienkritik XXIX: Der Saft ist schuld.

Das auch son­st einiger­maßen wun­der­liche Mag­a­zin NEON, seines Zeichens eine Art BRAVO für den geisti­gen Mit­tel­stand, hat in sein­er neuen Aus­gabe für den Juli 2010 eine Titelgeschichte, die mich tat­säch­lich kurzzeit­ig über­legen ließ, ob sich zur Belus­ti­gung die Investi­tion in ein Exem­plar lohnen würde:

Es ist ja wohl kein Prob­lem, wenn man nach ein paar Jahren in ein­er Beziehung nicht mehr so oft Sex hat. Denkt man.
Doch das ist Quatsch. Die Wahrheit ist: Nichts läuft gut, wenn es im Bett nicht gut läuft. Wer sich berühren mag, der liebt sich noch. Das bestäti­gen auch Forsch­er. Beim Sex wird zum Beispiel das Hor­mon Oxy­tocin aus­geschüt­tet, das emo­tion­al bindet. So kann Sex dabei helfen, Beziehungskrisen zu lösen. Also los!

“Das bestäti­gen auch Forsch­er” ist ohne­hin immer eine Phrase, die zur Vor­sicht rät; “das ist so, ganz dolle in echt” hätte einen ähn­lichen Effekt auf den Wahrheits­ge­halt des Satzes. Forsch­er meinen, genau zu wis­sen, welchem seel­is­chen Trieb ein Men­sch fol­gt; weil Men­schen let­z­tendlich auch nur Tiere sind und somit die ural­ten Instink­te immer siegen. Ja, der Men­sch ist grund­sät­zlich triebges­teuert, so weit stimmt’s.

Was aber nicht stimmt, ist dieser Zusam­men­hang zwis­chen Sex und Beziehun­gen. Ja, Sex ist oft ein wichtiger Bestandteil ein­er Beziehung, weil der Akt nicht allein der kör­per­lichen Befriedi­gung dient, son­dern auch und vor allem das höch­ste gemein­same Gefühl darstellt, die gemein­same Intim­ität gle­ich­sam nicht nur als bloßer Liebes­be­weis, son­dern qua­si als Superla­tiv des “Ich liebe dich”-Sagens; voraus­ge­set­zt natür­lich immer, man schläft nicht nur des Beis­chlafs wegen miteinan­der. Bevor man nun allerd­ings allzu vorschnell Schlüsse zieht, gilt es, sich selb­st zu fra­gen, was man denn über­haupt von ein­er Beziehung erwartet. Beziehun­gen funk­tion­ieren eben­so gut ohne Sex wie Sex ohne eine Beziehung funk­tion­iert; und einen Men­schen, den man wirk­lich liebt, kann und wird man wohl kaum auf seinen Kör­p­er reduzieren wollen, weil das immer die Gefahr birgt, dass das Herz for­t­an dem Trieb fol­gt statt, wie es eigentlich sein sollte, ander­sherum.

So gese­hen ist dann auch die Leg­ende von der durch Sex “geretteten” Beziehung Unsinn; weil man sie eben so nicht ret­ten, son­dern nur umwan­deln kann, weg vom Seel­is­chen hin zum bloßen Kör­per­lichen. (Was dann, ander­sherum, auch nicht immer schlecht sein muss, allein mir wär’s wohl zu müßig.)

Zwei Sätze aus dem ein­lei­t­en­den Text sind fol­glich als beson­ders hanebüchen her­vorzuheben, also mache ich das mal; hier sind sie noch mal:
“Beim Sex wird zum Beispiel das Hor­mon Oxy­tocin aus­geschüt­tet, das emo­tion­al bindet. So kann Sex dabei helfen, Beziehungskrisen zu lösen.”

Hor­mone schüt­tet der Kör­p­er ständig aus, nicht nur beim Sex oder beim Küssen, son­dern auch bei vie­len anderen Tätigkeit­en. Gegen die The­o­rie der emo­tionalen Bindung spricht auch der kom­merzielle Erfolg der Pros­ti­tu­tion, will heißen: Geht man zu ein­er Nutte, kehrt man nicht allzu wahrschein­lich ver­liebt nach Hause zurück. Und mit Sex löst man keine Beziehungskrisen, son­dern ignori­ert sie, lässt sie gar sich auf­s­tauen, bis sie sich ent­laden. “Du, Schatz, ich liebe dich nicht mehr; lass uns fick­en, dann merken wir es wenig­stens nicht so schnell.” Her­rje.

Also: Aus gutem Sex kön­nen gute Sexbeziehun­gen entste­hen. In ein­er guten Beziehung kann man guten Sex haben. All dies bed­ingt einan­der jedoch keines­falls; und spätestens, wenn eine ver­meintliche Beziehung trotz all des hochqual­i­ta­tiv­en Beis­chlafs unver­mei­dlich in die Brüche geht, merkt man dies. Ich bin nun kein Forsch­er mit irgendwelchen Ref­eren­zen oder Titeln, aber ich möchte auch ein­mal eine These wagen: Wenn man sich nicht mehr liebt (Gegen­seit­igkeit voraus­ge­set­zt), qua­si nur noch sex­uell miteinan­der klarkommt, das jedoch einiger­maßen pri­ma, ist es vielle­icht keine üble Idee, die Beziehung einzig darauf zu reduzieren. (Andere sagen: Lieber ganz been­den. Ich frage: Warum?)

Kein Wun­der ist es jeden­falls, dass Beziehun­gen nur sel­ten Bestand haben, so lange irgendwelche Forsch­er irgend­was her­aus­find­en. Ich habe mir dann doch lieber einen Garfield-Sam­mel­band gekauft.

LyrikPersönliches
Versteckte Botschaften? Aber nicht doch.

Chao­tisch die Essenz des Denkens,
Invalid auch sein Resul­tat.
Not­dürftig auf Papi­er geschmiert
Dies Werk, auf Englisch ver­fasst:

Yet anoth­er day goes by,
Depress­ing times, an emp­ty heart,
Until the sky will clear one day,
For I will find out how to start.

Eine Wand aus Papp­maché
Hin­dert jeden Denkprozess.
Lüge gar ist Vers Num­mer 8.
(Schade: Das Y an erster Stelle.)

Tat­säch­lich wahr ist hinge­gen:
Mir fehlt der Traum, den ich erlebte.
In allem, was mir blieb, allein; das
Reimen kam mir selb­st abhan­den.

PersönlichesSonstiges
Hitzewallungen

Apro­pos ÖPNV, weil schon wieder viel zu lange nichts Bericht­enswertes geschehen ist:

Da fuhr ich gestern Nach­mit­tag durch die brü­tende Hitze, als eine sichtlich gen­ervte Mut­ter mit Sohn mit Fahrrad ein­stieg und sich erst ein­mal geschätzte fünf Minuten lang mit dem Bus­fahrer über den Fahrpreis stritt. Sie stampfte dann den Bus­flur ent­lang, kon­tinuier­lich über den Fahrpreis schimpfend, und ver­brachte die Fahrzeit damit, sich über den Bus­fahrer aufzure­gen, der “wie ein Anfänger” fahre, natür­lich nicht, ohne sich hin und wieder umzuse­hen, ob irgen­dein Pas­sagi­er zus­tim­mend nicke, und darüber, was das für unver­schämte Preise wären, ein Taxi wäre weit bil­liger, da stinke es auch nicht so; und über­haupt, der Fahrer fährt wie ein Anfänger!

Während des schön­sten Wutschwalls, den ich grin­send zur Ken­nt­nis nahm, da er sich qua­si direkt neben mir abspielte, rief der Fahrer die Frau zu sich nach vorn; die Frau hat­te das Fahrrad des Kindes bis dahin ver­schwiegen und somit natür­lich keine Fahrrad­karte gelöst, was sie gemäß ihrer Gestik und Mimik dur­chaus wusste. Zu den Beschw­er­den über die Fahrkün­ste des Buslenkers und die all­ge­meinen Fahrtum­stände gesellte sich nun­mehr ein wieder­holtes Satzge­füge, dessen Inhalt darauf schließen ließ, dass es nicht in Ord­nung sei, dass Kinder­fahrräder Beförderungs­ge­bühr kosten, und über­haupt werde sie näch­stes Mal auch deswe­gen wieder ein Taxi benutzen; “das freut mich, Sie gehen mir näm­lich auf die Ner­ven, gnä’ Frau” habe ich dann natür­lich nicht gesagt.

An der diesem let­zten Zwis­chen­fall fol­gen­den Hal­testelle stieg die Frau, noch immer schimpfend, samt Sohn und Fahrrad aus, obwohl sie bere­its bis zum Ziel­halt bezahlt hat­te; keine Sekunde länger bleibe sie in diesem Verkehrsmit­tel.

Diese Geschichte hielt ich für der Doku­men­ta­tion würdig; zeigt sie doch ein­drucksvoll, was für ein angenehmer Zeitgenosse ich eigentlich bin.