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Ver­dien­ste auf dem Feld der Ehre

Wenn man übri­gens als Fuß­ball-Bun­des­trai­ner mit sei­ner Mann­schaft auf einen fer­nen Kon­ti­nent reist, ein gan­zes Land schon vor dem Eröff­nungs­spiel „Fina­le, Fina­le“ zu brül­len scheint, man dann wie bereits zwei Jah­re zuvor gegen einen tak­tisch bes­se­ren Geg­ner spielt, der nach der glei­chen Metho­de wie zwei Jah­re zuvor eben­so 1:0 gewinnt wie zwei Jah­re zuvor, und dann in einem Spiel um „Platz 3“, also in einem, in dem es nicht ein­mal mehr um irgend­ei­nen Titel geht, es nur knapp schafft, gegen den deut­lich unter­le­ge­nen Geg­ner Uru­gu­ay zu gewin­nen (wir erin­nern uns: zwei Gegen­to­re, weil die Abwehr lie­ber ganz woan­ders her­um­ge­lau­fen ist), bekommt man dafür nicht etwa Teer und Federn über den Kopf und/oder sei­ne Ent­las­sungs­pa­pie­re aus­ge­hän­digt, son­dern im Gegen­teil fei­er­lich Leicht­me­tall ange­pappt.

Wulff lob­te beson­ders den Team­geist der Mann­schaft und ihren Umgang mit Rück­schlä­gen. „Wenn sich da der ein oder ande­re etwas abguckt, wie hier jeder an sei­nem Platz das Opti­ma­le bringt und als Team über­zeugt, dann kann das der Poli­tik Deutsch­lands in kein­ster Wei­se scha­den“, sag­te der Prä­si­dent.

Das trifft zu, aber wel­chen Mehr­wert hat die „Poli­tik Deutsch­lands“ nun von der Vize-Vize­welt­mei­ster­schaft? Nun, die Spie­le selbst lie­ßen ihr aus­rei­chend Zeit, um ein paar unan­ge­neh­me Geset­ze zu ver­ab­schie­den (wäh­rend der Pöbel noch „Schland“ skan­dier­te, wur­de SWIFT ver­ab­schie­det), Joa­chim Löw hat ihr qua­si das Volk vom Leib gehal­ten. Wie umsich­tig von ihm. (Ein­mal ganz abge­se­hen davon, dass „Team­geist“ und ein pri­ma Umgang mit „Rück­schlä­gen“ auch in ganz ande­ren Milieus zu fin­den sind; Wehr­macht, anyo­ne?)

Ja, Herr Löw hat sich um die deut­sche Poli­tik wahr­lich ver­dient gemacht. Er hat die Mann­schaft lan­ge genug im Tur­nier gehal­ten, so dass nie­mand bewusst gemerkt hat, wie sei­ne Bür­ger­rech­te wie­der ein Stück weit ver­hö­kert wur­den. Applaus für Schlaa­and. Zucker­brot und Spie­le für das Volk!

Dies wirft natür­lich vor allem eine Fra­ge auf:
Wenn es für den drit­ten Platz das Bun­des­ver­dienst­kreuz gibt, was wäre ihm ange­tan wor­den, hät­te es gar für einen Titel genügt?

Ande­rer­seits möch­te ich das lie­ber nicht so genau wis­sen.