Hallo und willkommen zurück, liebe Tagesordnung!
Heute früh hielt mich eine anregende Diskussion vom Schlafen ab. Sujet war das Liedschreiben im Allgemeinen und das Betexten der Resultate im Speziellen.
Warum nämlich greifen auch nur leidlich angloglotte Musiker oft auf die englische Sprache zurück, wenn es darum geht, das Produkt der eigenen Geistesarbeit in Worte zu fassen? Eine Antwort des Mitdiskutanten und der Auslöser für den eigentlichen Zwist war, weil die deutsche Sprache sich nicht zum Singen eigne, weil sie gleichsam weniger melodisch sei als die englische und ein auf Deutsch verfasstes Lied meist Schlagerassoziationen wecke.
Nun klingen Rammstein und Die Toten Hosen wahrlich nicht nach den Wildecker Herzbuben, weshalb zumindest letzteres Argument bedenkenlos in das Reich der Fiktion abgeschoben werden darf und hier nicht weiter von Belang ist, also kehre ich erst einmal vor der Tür des ersteren Arguments:
Die englische Sprache mag melodischer klingen, weil Konsonanten bei der Aussprache meist verschwimmen, aber ist dies ein Zeichen dafür, dass ihr Wortschatz auch besser zu singen ist? Beim Gesang ist vor allem der Vortragsstil von Bedeutung, anschaulich wird das klar, wenn man abwechselnd zum Beispiel Peter Hammill und Lena Ohnenachnamen lauscht, was auf Dauer zwar gleichermaßen ermüdet, aber bis dahin sollte man verstanden haben, dass die Sprache, der der Text entstammt, nur so melodiös und singbar ist wie das Talent des Interpreten es zulässt.
Sicher denkt mancher beim Thema “deutsche Liedtexte” primär an Schlager, aber wohl kaum jemand vermag mir stimmig zu erklären, was nun ein Lied, dessen Refrain “Ich liebe dich, komm zurück zu mich mir” lautet, signifikant von “I love you, come back to me” unterscheidet. Warum mir gerade dieses Beispiel eingefallen ist? Ehrlich — ich weiß es nicht. Aber hier haben wir doch auch schon den nächsten wichtigen Punkt: Liedtexte haben nicht selten etwas mit Gefühlen zu tun, ob fiktiv oder wahrhaftig, bleibt hierbei der Absicht des Verfassers überlassen. In zumindest zweiterem Fall wäre es indes reichlich töricht, das, was die Seele sprach, zuerst in eine andere Sprache zu transkribieren und dabei womöglich noch in ein Reim- und Versschema zu pressen. Dass dies im Englischen oft leichter fällt, spricht jedenfalls in meinen Augen nicht für den geistigen Anspruch dieser Sprache. (Wer starke Nerven hat und noch zweifelt, der möge bitte den Liedtext von “Satellite” konsumieren und mir anschließend erläutern, wo der Unterschied zu dem besteht, was beispielsweise im Musikantenstadl aufgeführt wird.)
Wer Musik betreibt, um Kohle zu scheffeln, der ist mit der Anglophonie vermutlich gut bedient; Texte, die das primäre Zielpublikum und oft auch man selbst nicht versteht, behindern den Verkauf bekanntlich nicht. Das Publikum will unterhalten werden. Scooters Frontmann “H.P.Baxxter” äußerte einmal, er verstehe selbst nicht so genau, was er da ins Mikrofon brüllt. Seltsames wie “Hyper Hyper”, “Fuck The Millennium” und “How Much Is The Fish?” jedenfalls verkaufte sich im deutschsprachigen Raum bislang nicht übel.
Wer Musik jedoch allein der Musik wegen betreibt, die Texte als Produkt seiner grauen Zellen und nicht als bloßen Zierrat begreift, gar eine Botschaft (nicht unbedingt auf das Politische beschränkt) vermitteln will, der sollte sich darüber im Klaren sein, dass von dem, was er schuf, nach der Translation ins Englische nur mehr wenig erhalten bleibt, etwaige Metaphorik und feinsinnige Ironie inbegriffen. Das Herz spricht nur die Muttersprache.
Eigentlich schade, dass es mit meiner Musikerkarriere bislang nicht geklappt hat.

Ich habe mal einen Südamerikaner gefragt, wie die deutsche Sprache für ihn klinge. Er antwortete: “Tschkrfzschlmkrfsch”.
Ich habe bewusst nur die englische Sprache zum Vergleich herangezogen. Spanisch und Portugiesisch klingen tatsächlich schöner.
Das ändert aber nichts daran, dass die deutsche total sch.…. klingt.
Weshalb zensiertest du den Fluch? Nein, die deutsche Sprache klingt wunderbar, wenn man sie richtig nutzt. Lesetipp: Max Goldt.
Ich verlasse mich da lieber auf Außenstehende. Wir Deutsche selbst können das kaum beurteilen, da wir den ganzen Tag fast nichts Anderes hören.
Die Selbstzensur ist Selbstschutz…sonst lande ich im Spam-Filter.
Ach, ich würde dich herausfischen. In meinem Spamfilter ist ansonsten kein Fluch enthalten, so weit mir bekannt.
Ich wünschte, ich WÜRDE den ganzen Tag fast nichts anderes als Deutsch hören, Alter!