Nerdkrams
Til­ing Win­dow Mana­gers: awe­so­me für Win­dows

Ich las­se mich bekannt­lich gern begei­stern von wun­der­li­chen, pro­duk­ti­vi­täts­stei­gern­den Com­pu­ter­pro­gram­men aller Art. So ist es dann auch nur wenig erstaun­lich, dass ich frü­her oder spä­ter awe­so­me ken­nen und schät­zen ler­nen muss­te.

awe­so­me ist ein so genann­ter Til­ing Win­dow Mana­ger, der im Gegen­satz zum Bei­spiel zu Win­dows, das seit Ver­si­on 2.0 einen „Stack­ing“, also einen „sta­peln­den“, Fen­ster­ver­wal­ter besitzt (bedeu­tet: man schiebt die Fen­ster kreuz und quer durch die Gegend, lässt sie sich über­lap­pen u.a.), die Arbeits­ober­flä­che qua­si kachelt, also Fen­ster neben- und über­ein­an­der anord­net. Damit es nicht zu voll auf dem Bild­schirm wird, stellt awe­so­me zudem ins­ge­samt 9 „workspaces“, also Arbeits­be­rei­che, bereit, zwi­schen denen per Tasten­kom­bi­na­ti­on umge­schal­tet wer­den kann, ähn­lich dem auch unter Win­dows inzwi­schen geschätz­ten Prin­zip der „vir­tu­el­len Desk­tops“.

Die nun­mehr über­flüs­si­gen Fen­ster-Titel­lei­sten wer­den eben­falls aus­ge­blen­det. Die gesam­te Fen­ster­ver­wal­tung erfolgt fort­an mit Tasten­kür­zeln, was nach ein wenig Ein­ge­wöh­nungs­zeit, gera­de, wenn man mit meh­re­ren Anwen­dun­gen gleich­zei­tig arbei­tet (etwa Chat­pro­gramm und Brow­ser, Text­edi­tor und IDE, …), eine deut­li­che Zeit­er­spar­nis und ggf. Arbeits­er­leich­te­rung bedeu­tet. Unter Linux sieht die­ses Kon­zept etwa so aus:

Nun hat Micro­soft Win­dows eine Fen­ster­ver­wal­tung beschert, die das Aus­füh­ren alter­na­ti­ver Fen­ster­ma­na­ger deut­lich erschwert, soll hei­ßen: gar nicht erst unter­stützt. Möch­te man also die­se hüb­sche Til­ing-Funk­ti­on auch unter Win­dows nach­bil­den, blei­ben im Wesent­li­chen nur drei Mög­lich­kei­ten offen:

Erstens: Man instal­liert eine alter­na­ti­ve Shell, die den Explo­rer mit­samt Desk­top und Start­me­nü ersetzt. Aller­dings erschwert dies zunächst das Auf­fin­den von Datei­en und Pro­gram­men, man muss sich in eine völ­lig neue Umge­bung ein­ar­bei­ten, und führt auch nicht zwangs­läu­fig zum Ziel; ob es über­haupt eine Alter­na­ti­ve gibt, die nach dem Kachel­prin­zip arbei­tet, ist mir gera­de nicht bekannt.

Zwei­tens: Man arran­giert sich irgend­wie mit dem in Win­dows 7 ein­ge­führ­ten Aero Snap oder ver­gleich­ba­ren Anwen­dun­gen, etwa AeroS­nap oder (ein­ge­schränkt) ac’ti­vAid, die das Prin­zip aber nur unzu­rei­chend simu­lie­ren kön­nen.

Drit­tens: Man greift zu einer der weni­gen Anwen­dun­gen, die den Explo­rer um eine Til­ing-Funk­ti­on erwei­tern.

Ich möch­te hier letz­te­re Lösung genau­er erläu­tern, da sie am ein­fach­sten anzu­wen­den ist und das Resul­tat awe­so­me, tech­nisch gese­hen, am ehe­sten gleicht.

Neben dwm-win32, das eine blo­ße Win­dows-Por­tie­rung von dwm, der Grund­la­ge für awe­so­me, und gera­de für Ein­stei­ger eher schwie­rig zu kon­fi­gu­rie­ren ist, stel­len Hash­TWM und bug.n her­vor­ra­gen­de Alter­na­ti­ven dar.

Hash­TWM ent­hält eben­so wie das ähn­li­che, aber anschei­nend nicht mehr wei­ter ent­wickel­te Tiler ledig­lich die Til­ing-Funk­tio­nen, nicht aber eine „workspace“-Unterstützung, die­se kann bspw. mit Dex­pot nach­ge­rü­stet wer­den. Mit Hash­TWM wer­den alle Fen­ster auto­ma­tisch ange­ord­net, es ste­hen neben Kacheln auch gleich­för­mi­ge Git­ter, Sta­pel und ein Voll­bild­mo­dus zur Ver­fü­gung. Zum Umschal­ten und Bedie­nen von Hash­TWM die­nen Tasten­kür­zel, es wird daher emp­foh­len, sich vor dem Star­ten der Anwen­dung mit der Doku­men­ta­ti­on – der Datei readme.txt – zu befas­sen. Die Bedie­nung basiert auf Kom­bi­na­tio­nen mit Strg-Alt (in der Doku­men­ta­ti­on „Mod“, „Modi­fi­ka­tor“, genannt), Hash­TWM lässt sich etwa mit Strg-Alt-Esc been­den.

Etwas umfang­rei­cher ist bug.n, der­zeit die ent­spre­chen­de Anwen­dung mei­ner Wahl. Ich bezie­he mich im Fol­gen­den auf die Ver­si­on 3.6 Alpha, die, wie mir der Ent­wick­ler per Mail mit­teil­te, für die­sen Zweck eher geeig­net ist als die „neue“ Ver­si­on 7.0, aller­dings ein instal­lier­tes Auto­Hot­key vor­aus­setzt. Die Instal­la­ti­on die­ses Pro­gramms soll­te indes kein Pro­blem dar­stel­len.

Ist dies geschafft, ist bug.n ein­satz­be­reit; zum Star­ten ist die Datei bugn.ahk, ein Auto­Hot­key-Skript, zu öff­nen. In der Regel genügt hier­zu ein Dop­pel­klick auf sie.

bug.n bie­tet neben neun Arbeits­flä­chen, hier wie auch in eini­gen Vor­bil­dern aus der Linux­welt „Tags“ genannt, deren Sta­tus stan­dard­mä­ßig am obe­ren Bild­schirm­rand ange­zeigt wird (dies, wie auch vie­les ande­re, kann man mit einem Text­edi­tor in der Datei config.ahk anpas­sen), vie­le wei­te­re Funk­tio­nen, etwa das auto­ma­ti­sche Zuwei­sen von „Tags“ zu bestimm­ten Pro­gram­men. Als „Modi­fi­ka­tor“ dient in bug.n die Win­dows-Taste, das Skript erzeugt aber außer­dem ein Sym­bol im Benach­rich­ti­gungs­feld neben der Uhr, über des­sen Kon­text­me­nü eini­ge Funk­tio­nen zur Ver­fü­gung ste­hen.

Nach dem Star­ten von bug.n wird am obe­ren Bild­schirm­rand die Sta­tus­lei­ste ein- und, je nach Kon­fi­gu­ra­ti­on in der bereits erwähn­ten Datei config.ahk, die Win­dows-Task­lei­ste aus­ge­blen­det. Der Bild­schirm ist – bei der vor­ein­ge­stell­ten Hori­zon­tal­an­sicht – zwei­ge­teilt: Links befin­det sich die „master area“, also der Bereich, in dem das Fen­ster, mit dem man pri­mär arbei­ten möch­te, mit vol­ler Höhe ange­zeigt wird, rechts wer­den die übri­gen Fen­ster gesta­pelt. bug.n unter­stützt wie Hash­TWM auch ande­re Dar­stel­lun­gen, etwa „floa­ting“, also die in Win­dows übli­chen frei schwe­ben­den Fen­ster, und „grid“, also ein gleich­för­mi­ges Git­ter.

Stan­dard­mä­ßig haben alle Fen­ster alle neun ver­füg­ba­ren „Tags“, sind also auf jeder Arbeits­flä­che sicht­bar. Die wich­tig­sten Befeh­le in Kurz­form („Win“ bedeu­tet „Win­dows-Taste“, „Umsc“ „Umschalt­ta­ste“):

  • Win+[1–9]: Zei­ge nur Fen­ster mit dem Tag 1..9
  • Win+Umsc+[1–9]: Wei­se dem akti­ven Fen­ster den Tag 1..9 zu (das Fen­ster ist fort­an nur noch dort sicht­bar)
  • Win+Umsc+Leer: Aktiviere/deaktiviere die Fen­ster­ver­wal­tung für das akti­ve Fen­ster (wenn deak­ti­viert, ver­hält sich das Fen­ster wie ohne bug.n)
  • Win+Links: Ver­klei­ne­re die „master area“
  • Win+Rechts: Ver­grö­ße­re die „master area“
  • Win+T: Zeige/Verstecke die Win­dows-Task­lei­ste
  • Win+Return: Schie­be akti­ves Fen­ster in die/aus der „master area“
  • Win+Umsc+Q: Been­de bug.n

Auch hier emp­fiehlt es sich, zunächst die Doku­men­ta­ti­on (docs/help.txt) zu lesen.

Fra­gen? Anre­gun­gen? Kom­men­ta­re? Gern!
Anson­sten bit­te ich alle Leser, die Häu­fung von Com­pu­ter­the­men in letz­ter Zeit zu ver­zei­hen; ist erst mal der letz­te Bei­trag die­ser Art. Ich möch­te ja nie­man­den unnö­tig lang­wei­len.


Nach­trag vom 21. Juli 2015: Ich habe eini­ge Links ange­passt.

Senfecke:

  1. Mit die­sen vir­tu­el­len Desk­tops habe ich nur schlech­te Erfah­run­gen gemacht. Ich zie­he einen ein­zi­gen auf­ge­räum­ten Desk­top vor. Den W‑Explorer nut­ze ich schon lan­ge nicht mehr.

  2. Es han­delt sich nicht um vir­tu­el­le Desk­tops. Til­ing kannst du auch ohne das Auf­tei­len dei­nes Desk­tops betrei­ben.

  3. Wo kann man denn die 3.6‑Alpha-Version von bug.n erhal­ten? Auf Ber­li­OS sehe ich nur bugn_130128.zip und bugn_8*.zip, wel­che bei mir sehr insta­bil lie­fen, sodass eine rich­ti­ge Nut­zung kaum mög­lich war.

    • Schreib‘ dem Ent­wick­ler doch eine E‑Mail. Er ent­wickelt meist pri­vat auf sei­nem Rech­ner und ver­öf­fent­licht nur sehr sel­ten.

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