Sonstiges
Alter Schwede!

Ich wun­derte mich schon, wieso es im deutschsprachi­gen Inter­net ger­ade so ruhig ist; dann schaute ich zufäl­lig kurz ins 2DF und ver­stand sofort:

Die schwedis­che Kro­n­prinzessin Vic­to­ria heiratete heute stun­den­lang, eisig lächel­nd, ihren langjähri­gen Ver­lobten, und neben dem Fußvolk, das applaudierend und johlend die Straßen Schwe­dens säumte, durften auch “Mil­lio­nen” an Fernse­hzuschauern weltweit die Zer­e­monie ver­fol­gen, also zuse­hen, wie eine Adlige einen Reichen heiratet, und all dies scheint min­destens so aufre­gend zu sein wie die offen­bar immer noch laufende Fußball-Welt­meis­ter­schaft.

“Mäd­chen”, dies ver­sicherte mir eine liebe Fre­undin, als ich nach dem Hin­ter­grund für das Pub­likum­sin­ter­esse fragte, “lieben pom­pöse Hochzeit­en”. Ja, sich­er, bei der eige­nen leuchtet mir dies auch noch einiger­maßen ein, ist sie doch let­ztlich der Beginn des, so zu hof­fen, schön­sten und läng­sten Lebens­ab­schnittes bzw. zumin­d­est als solch­er gedacht. Warum dann aber die Pro­jek­tion der eige­nen Sehn­süchte auf glück­liche Paare, sich wohl dur­chaus dessen bewusst, dass das eigene Leben nie auch nur ansatzweise so ausse­hen wird wie das der Kro­n­prinzessin Vic­to­ria?

“Wenn ich groß bin, will ich Prinzessin wer­den, Mama”; das hört man nicht sel­ten von Mäd­chen noch gerin­gen Alters, und, auch, wenn die Frauen­be­we­gung das nicht so gern hört, so wer­den sie noch immer erzo­gen. “Mamas kleine Prinzessin” dient Prinzessins großer Mama als Ersatz für die eigene Kind­heit und Jugend (“mein Kind soll es ein­mal bess­er haben als ich”, dies ist der Grund­satz viel­er Eltern, und das ist auch gut und richtig so!), und es ist, auch, wenn die Frauen­be­we­gung das nicht so gern hört, das Wesen manch­er Frau, sich selb­st als schmusiges, engels­gle­ich­es Wesen zu betra­cht­en, das doch bitte­sehr hofiert wer­den soll, weil auch ihr das von Kindes­beinen an so beige­bracht wurde, noch resul­tierend aus ural­ten Gegeben­heit­en; der Mann näm­lich zieht durch die Wälder und jagt, während die Frau zu Hause am wär­menden Feuer sitzt und den Nach­wuchs pflegt. Zugegeben, so span­nend wie das Leben als Prinzessin, die den ganzen Tag durch das Land reist, gezwun­gen fröh­lich winkt und anson­sten in ihrem gold­e­nen Luftschloss dahin­veg­etiert, ist das augen­schein­lich nicht, aber let­ztlich hat sich an dieser Rol­len­verteilung trotz aller Gle­ich­stel­lungs­maß­nah­men und Sta­tis­tiken bis heute nur wenig geän­dert.

Dass man selb­st, wenn man diese klas­sis­chen Rol­len­bilder zu über­winden ver­mag, indes jemals glück­lich wer­den kann, wenn man fortwährend die Sehn­sucht hegt, ein Leben wie die Reichen und Schö­nen zu führen, bezwei­fle ich. (Sollte man das wollen?) Woher dieser Masochis­mus, dieses gepflegte Wis­sen um die eigene Unvol­lkom­men­heit und rel­a­tive Armut? Weshalb möchte sich manch­er Men­sch ständig darauf besin­nen, eben kein Thron­fol­ger mit Mil­lio­nen auf dem Kon­to, einem eige­nen Palast, einem Äffchen und einem Pferd zu sein, son­dern schreck­lich gewöhn­lich, wenn doch jeden­falls mir und sich­er auch vie­len anderen Men­schen das Gewöhn­liche weit näher liegt als das Extrav­a­gante, sofern es nur Anmut und Würde sein Eigen nen­nt? Wahres Glück braucht keine jubel­nden Massen, es bedarf nur zweier Lieben­der und ein­er gemein­samen Rich­tung.

Auch in dem Wis­sen, dass nur wenige Frauen, die diesen Text hier jemals lesen, sich um meine Ratschläge scheren wer­den, so meine ich den­noch: Die schön­ste Hochzeit im ganzen Leben sollte stets die eigene bleiben. Wer immer nur nach frem­den Träu­men greift, dem wird der eigene nie erfüllt wer­den.

(Und selb­st dann nicht unbe­d­ingt; ach.)

Senfecke:

  1. Ah. Ich habe ger­ade zum ersten Mal in meinem Leben etwas aus der Geset­zge­bung gel­ernt. Bedanke mich her­zlich.

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