Apropos ÖPNV, weil schon wieder viel zu lange nichts Berichtenswertes geschehen ist:
Da fuhr ich gestern Nachmittag durch die brütende Hitze, als eine sichtlich genervte Mutter mit Sohn mit Fahrrad einstieg und sich erst einmal geschätzte fünf Minuten lang mit dem Busfahrer über den Fahrpreis stritt. Sie stampfte dann den Busflur entlang, kontinuierlich über den Fahrpreis schimpfend, und verbrachte die Fahrzeit damit, sich über den Busfahrer aufzuregen, der “wie ein Anfänger” fahre, natürlich nicht, ohne sich hin und wieder umzusehen, ob irgendein Passagier zustimmend nicke, und darüber, was das für unverschämte Preise wären, ein Taxi wäre weit billiger, da stinke es auch nicht so; und überhaupt, der Fahrer fährt wie ein Anfänger!
Während des schönsten Wutschwalls, den ich grinsend zur Kenntnis nahm, da er sich quasi direkt neben mir abspielte, rief der Fahrer die Frau zu sich nach vorn; die Frau hatte das Fahrrad des Kindes bis dahin verschwiegen und somit natürlich keine Fahrradkarte gelöst, was sie gemäß ihrer Gestik und Mimik durchaus wusste. Zu den Beschwerden über die Fahrkünste des Buslenkers und die allgemeinen Fahrtumstände gesellte sich nunmehr ein wiederholtes Satzgefüge, dessen Inhalt darauf schließen ließ, dass es nicht in Ordnung sei, dass Kinderfahrräder Beförderungsgebühr kosten, und überhaupt werde sie nächstes Mal auch deswegen wieder ein Taxi benutzen; “das freut mich, Sie gehen mir nämlich auf die Nerven, gnä’ Frau” habe ich dann natürlich nicht gesagt.
An der diesem letzten Zwischenfall folgenden Haltestelle stieg die Frau, noch immer schimpfend, samt Sohn und Fahrrad aus, obwohl sie bereits bis zum Zielhalt bezahlt hatte; keine Sekunde länger bleibe sie in diesem Verkehrsmittel.
Diese Geschichte hielt ich für der Dokumentation würdig; zeigt sie doch eindrucksvoll, was für ein angenehmer Zeitgenosse ich eigentlich bin.


Boah ay, welche Selbstironie.
Gut, wa?