In den NachrichtenMusik
Ich distan­zie­re mich von uns.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, lie­be Leser: Könnt ihr, wie ich, die­se gan­ze Manie um Lena Ohnenachnamen („[i]ch hal­te mich selbst nicht für eine gro­ße Sängerin“, haz.de) nicht mehr sehen und hören, allein heu­te schon wie­der hier und hier und sicher noch dut­zend­fach anders­wo? Es lohnt sich nicht mehr, die­ser Tage Schlagzeilen zu kon­su­mie­ren, es scheint kein wich­ti­ge­res Thema zu geben als ein belang­lo­ses, eng­lisch­spra­chi­ges Dutzendliedchen, mit dem eine jun­ge Frau, die jeden­falls ich nicht gewählt habe, für uns alle einen Sieg errin­gen soll, der kei­ne wei­te­ren Auswirkungen auf unser aller Wohlbefinden haben wird.

Lasst es mich, lie­be Pressekanaillen, die mir stän­dig aufs Neue ein­re­den wol­len, es sei auch in mei­nem Interesse, dass Deutschland bei die­ser öden Trällerveranstaltung gefäl­ligst eine gute Platzierung bekom­men soll, so aus­drücken: Wenn die deut­sche Teilnehmerin Lena Ohnenachnamen für mich singt, dann ver­tre­ten die deut­schen Soldaten in Afghanistan und im Irak auch eure Freiheit mit ange­mes­se­nen Mitteln. Krieg und die­se Stimme, dies kann man nicht ver­glei­chen, sagt ihr? Mitnichten! Wenn jeden­falls ich die Wahl hät­te zwi­schen einer hal­ben Stunde My Cassette Player und einer hal­ben Stunde Kriegslärm, müss­te ich nicht lan­ge überlegen.

(Warum eigent­lich kriegt es die­ses kul­tu­rell nicht eben unbe­darf­te Land nicht end­lich mal auf die Reihe, sei­ne am wenig­sten unta­len­tier­ten Sänger zu einem euro­päi­schen Gesangswettbewerb mit einem doch wenig­stens deutsch­spra­chi­gen Liedchen zu schicken? Guildo Horn hat’s vor­ge­macht: Es funktioniert!)

Und kaum ist der Wettkampf der Punkteschieber vor­über, steht schon das näch­ste natio­na­le Großereignis bevor; Deutschland wird ver­su­chen, mit einer Mannschaft aus hoch­qua­li­fi­zier­ten Profisportlern den Sieg in einem inter­na­tio­na­len Sportwettkampf zu errin­gen, und wie­der wird man ver­su­chen, mir zu erklä­ren, dass die erbärm­li­che Darbietung, die die­se Mannschaft lie­fert, auch in mei­nem Namen statt­fin­de. Was soll das hei­ßen? Ich pfle­ge allein mei­ner favo­ri­sier­ten Mannschaft den Sieg zu wün­schen, und die­se suche ich allein nach der Leistung aus. Es ist ja sehr löb­lich, dass ver­sucht wird, ein gewis­ses Gefühl der Zusammengehörigkeit zu schaf­fen; aber wer sich vor inter­na­tio­na­lem Publikum in mei­nem Namen zum Affen macht, wür­de ich gern selbst bestim­men dürfen.

Ist das denn zu viel verlangt?

Senfecke:

  1. Let’s get rea­dy to rrrr­ruuuuuuuuuublllll­leeee! Heute gibt es Vitali und sonst gar nichts. Lena? Wer ist das? Ich habe den Müll noch nicht ein­mal voll­stän­dig gehört. Ich ken­ne nur einen ein­zi­gen Song eines ehe­ma­li­gen Wettkampfes. Das Lied Dittsches (weiß nicht mehr, wie das heißt). Aber nur, weil ich Dittsche und Ingo so ger­ne sehe.

  2. Wenn die dem­nächst alle vor der Großleinwand deut­schen Fußball glot­zen, gehe ich mal hin und sin­ge „Nieder mit dem Bayernpack!“ und laß mich dann tothauen.

  3. Mit Verlaub, Guido Horn war ja wohl einer der Tiefpunkte die­ser Veranstaltung (wenn man denn über­haupt noch von Tiefpunkten reden kann).

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