In den NachrichtenPiratenpartei
Zum Abschied von Jörg Tauss

Was heute außer dem kün­stlichen Getue um die gestrige Musikver­anstal­tung übri­gens auch die Medi­en bewegt:

Jörg Tauss ist aus der Piraten­partei aus­ge­treten, aus freien Stück­en zwar, aber doch unter dem Ein­druck der erfol­gten Verurteilung auf immer­hin Bewährung wegen Besitzes von Kinder­pornografie; wie Fefe der­weil bemerk­te, übri­gens, weil er offen­bar schlicht zu wenig Kinder­pornografie besaß.

Ich halte seinen Aus­tritt trotz des damit ver­bun­de­nen Image­wan­dels — die absurde Diskus­sion um den “Schutz poten­ziell Pädophiler” dürfte damit endlich ein Ende find­en — für falsch. Jörg Tauss war schon Pirat, bevor irgend­je­mand auch nur an die Grün­dung dieser Partei gedacht hat. Pirat ist nicht, wer sich mit irgendwelchen Num­mern schmückt; Pirat ist, wer sich als Pirat fühlt. Nur wenige Men­schen haben die Werte der Piraten­partei jemals so verin­ner­licht wie es Jörg Tauss getan hat. Mit ihm ver­liert die Partei eine große Iden­ti­fika­tions­fig­ur; unvergessen bleibt seine Rede auf dem Pots­damer Platz.

Ein Pädophiler war er sich­er nie, geschweige denn ein Kinder­schän­der. Allein die Macht der Medi­en, die Stim­mung im Volk nach eigen­em Gus­to zu verkehren, hat die sach­liche Diskus­sion über Für und Wider im Keim erstickt. Dass jet­zt, da Jörg Tauss weg ist, plöt­zlich einige Leute darüber nach­denken, in die Partei einzutreten, zeigt, dass sie noch immer nicht ver­standen haben, was einen Pirat­en aus­macht. Es ist schäbig, der­lei als Begrün­dung vorzuschieben. Ganz richtig merkt auch Anony­mus “Black flag” an: “Mit so ner Ein­stel­lung kannst du bleiben wo du bist.”

Mit der gebote­nen jour­nal­is­tis­chen Dis­tanz und wert­neu­tral berichtet immer­hin heise.de über den Parteiaus­tritt und nimmt eine Über­schrift vor­weg, die so nahe liegt, dass ich mich wun­dere, sie noch nicht in einem der üblichen Pirat­en-Ver­riss­blogs oder wenig­stens in meinem eige­nen Hirn­port­fo­lio ent­deckt zu haben:

“Aus der Tauss”.