Nerdkrams
Datensicherung mit rsync unter Windows

Da Didis RSS-Feed mir ständig Berichte über irgendwelche verquas­ten Daten­sicherungslö­sun­gen auf den Bild­schirm schmiert, ein Bericht über das gute Pro­gramm rsync, das in nahezu allen Belan­gen die Konkur­renten auf die Plätze zu ver­weisen ver­mag, jedoch bis heute aus­ge­blieben ist, mache ich das jet­zt selb­st.

rsync sollte jedem Lin­uxnutzer bekan­nt sein; andern­falls sind auch sie natür­lich her­zlich dazu ein­ge­laden, diesen Artikel aufmerk­sam zur Ken­nt­nis zu nehmen. Der Unter­schied in der Bedi­enung liegt lediglich in den in den Beispie­len genan­nten Pfadangaben; /cygdrive/c/ antspricht unter Lin­ux etwa /.

Das Pro­gramm rsync ist eine Kom­man­dozeile­nan­wen­dung für die inkre­mentelle oder voll­ständi­ge Sicherung auf lokale oder Net­zw­erk­da­ten­träger. Es beherrscht auch das Kopieren von sym­bol­is­chen Verknüp­fun­gen, ohne ihre Funk­tions­fähigkeit einzuschränken, und kann Dat­en unter anderem auch über SSH oder eine spezielle Client-Serv­er-Kon­fig­u­ra­tion (dazu — auf Englisch — hier mehr) auf irgend­wo auf der Welt herum­ste­hende Serv­er sich­ern. Das Hüb­sche ist zudem: Es lässt sich voll­ständig über Batch­dateien, Win­dows-Kon­solen­skripte also, steuern und somit ohne großen Aufwand zur Zusam­me­nar­beit mit der Win­dows-Auf­gaben­ver­wal­tung bewe­gen.

Stan­dard­mäßig arbeit­et rsync inkre­mentell, find­et es also im Zielverze­ich­nis Dateien, die es aus dem Quel­lverze­ich­nis kopieren soll, so kopiert es nur etwaige Unter­schiede zwis­chen diesen Dateien und überträgt nicht die voll­ständi­ge Datei erneut.

Der Ein­fach­heit dieser Anleitung wegen beschränke ich mich hier auf die für Endan­wen­der wohl primär bedeut­same inkre­mentelle Sicherung auf ein anderes Laufw­erk, in meinem Fall eine externe Fest­plat­te (“G:\”).

Zunächst ist es empfehlenswert, rsync herun­terzu­laden. Ich nutze hier­bei cwr­sync, eine spezielle Win­dows-Ver­sion von rsync, die das Cyg­win-Sys­tem nutzt. Aktuell ist derzeit Ver­sion 4.0.5, die Anleitung sollte aber so auch für kün­ftige Ver­sio­nen funk­tion­ieren. Die Instal­la­tion ist übri­gens porta­bel, der Instal­la­tion­sp­fad ist somit beliebig wählbar.

Nun kann es sich­er nicht schaden, sich ein­mal mit den Optio­nen von rsync zu befassen. Zwar gibt es mit­tler­weile grafis­che Ober­flächen für rsync, aber für die Wartung von Kon­fig­u­ra­tionsskripten und die Automa­tisierung der Sicherung sind Batch­dateien eher zu empfehlen, siehe auch meine kleine Ein­führung in das ExifTool.

Im Instal­la­tion­sor­d­ner von cwr­sync liegt bere­its eine Datei namens cwrsync.cmd. Diese bein­hal­tet bere­its alle notwendi­gen Optio­nen und ist, für die Neugieri­gen unter euch, (auf Englisch) umfassend doku­men­tiert. Kopiert sie irgend­wohin, zum Beispiel auf euren Desk­top, und öffnet sie von dort (um das Orig­i­nal jed­erzeit wieder­her­stellen zu kön­nen) mit einem Texte­d­i­tor eur­er Wahl. Bei Inter­esse lest die Kom­mentare, anson­sten scrollt ganz ans Ende der Datei.

Grund­sät­zlich sieht ein rsync-Befehl so aus:

rsync [Optionen] [Quelle] [Ziel]

Quelle und Ziel stellen jew­eils Pfadangaben dar und soll­ten, sofern sie Leerze­ichen bein­hal­ten, mit Anführungsstrichen umschlossen wer­den. Da rsync in ein­er simulierten Lin­ux­u­mge­bung läuft, muss den Laufw­erken allerd­ings /cygdrive/ vor­angestellt wer­den. Möchte man etwa den Ord­ner C:\Windows sich­ern, so lautet die Pfadangabe /cygdrive/c/Windows.

Die wichtig­sten Optio­nen laut­en:

  • -r: ver­ar­beit­et die Quelle rekur­siv, das heißt, kopiert alle Unter­verze­ich­nisse und enthal­te­nen Dateien ins Zielverze­ich­nis
  • -c: erstellt Prüf­sum­men der über­tra­ge­nen Dateien, um etwaige Über­tra­gungs­fehler zu erken­nen
  • -n: simuliert den Vor­gang (empfehlenswert zum Fein­justieren der Ein­stel­lun­gen)
  • -u: über­springt Dateien, die im Zielverze­ich­nis in ein­er neueren Ver­sion vor­liegen
  • -v: gibt detail­lierte Infor­ma­tio­nen über den aktuellen Vor­gang aus
  • –delete: löscht Dateien aus dem Zielverze­ich­nis, die im Quel­lverze­ich­nis nicht mehr vorhan­den sind
  • –exclude=…: schließt die Dateien oder Ord­ner “…” aus

Eine voll­ständi­ge Liste aller möglichen Optio­nen ist auf der englis­chsprachi­gen man­page zu rsync zu find­en.

Zum besseren Ver­ständ­nis fol­gt eine Beispielzeile aus meinem eige­nen Back­up-Skript. Ich möchte meine “Eige­nen Dateien” (“C:\Users\admin\Documents”) mit Aus­nahme des Verze­ich­niss­es “FH” voll­ständig auf meine externe Fest­plat­te sich­ern. Sym­bol­is­che Verknüp­fun­gen, wie sie ab Win­dows Vista fes­ter Bestandteil des Sys­tems gewor­den sind (der Ord­ner “Pro­gramme” ist etwa eine sym­bol­is­che Verknüp­fung auf “Pro­gram Files”), sollen beibehal­ten bleiben. Die Zeile sieht so aus:

rsync -urzvp --delete --exclude=/FH --copy-links "/cygdrive/c/Users/admin/Documents/" "/cygdrive/g/backup/Eigene Dateien"

Alle Inhal­ten der von mir gewün­scht­en Ord­ner wer­den so rekur­siv in das Back­upverze­ich­nis “Eigene Dateien” gesichert. Was ich im Quel­lverze­ich­nis nicht mehr benötigte, wird auch im Zielverze­ich­nis gelöscht.

Ich empfehle mein­er hof­fentlich inter­essierten Leser­schaft, ein­fach mal ein wenig mit rsync herumzus­pie­len (nicht die Option -n vergessen!). Die meis­ten von euch wer­den bald erken­nen, dass es völ­lig über­flüs­sig ist, hart ergaunertes Geld den Her­stellern pro­pri­etär­er Sicherung­spro­gramme in den Rachen zu wer­fen.

Eine let­zte Anmerkung: rsync arbeit­et uni­di­rek­tion­al, das bedeutet, dass es nur Dateien von A nach B oder von B nach A kopieren, nicht aber zwei Verze­ich­nisse miteinan­der abgle­ichen (“syn­chro­nisieren”) kann. Für diesen Zweck ist das tech­nisch ähn­liche uni­son einen Blick wert.

PersönlichesMusikNetzfundstückeNerdkrams
Android is good (for porn).

Huch, schon Fre­itag!
Ich wollte eigentlich erst über etwas ganz anderes schreiben, dann kam etwas anderes dazwis­chen und dauerte länger als erwartet, und jet­zt hat Horst, der Frech­dachs, mir das The­ma ein­fach weggenom­men. Sehr unhöflich.

Er schloss seinen Artikel mit der (gram­matikalisch sog­ar mehrfach fehler­haften) Frage:

Welche Handy habt Ihr eigentlich?

Abge­se­hen davon, dass ich es aus ästhetis­chen Grün­den ver­mei­de, meine Mobil­tele­fone “Häään­di” zu nen­nen, nehme ich das mal zum Anlass, meine Leser­schaft (also euch) mit einem weit­eren Ein­trag zum The­ma “Was macht der Typ hier eigentlich außer­halb des Inter­nets so?” zu quälen.

Ich besitze neben meinem in irgen­deinem Regal vor sich hin­schim­mel­nden Ein­stiegsmod­ell Nokia 5130 zurzeit drei mehr oder weniger aktive Mobil­tele­fone. Das erste, ein Sam­sung SGH-C260, wird mit ein­er T‑D1-pre­paid-Karte betrieben, die auch schon einiges erlebt hat; aber das ist eine andere Geschichte. Für die gewün­schte nahezu ständi­ge Erre­ich­barkeit genügt es vol­lkom­men.

Mein Zweit­gerät, ein Nokia X3, leis­tete gute Dien­ste für meine Kom­mu­nika­tion nach außen; die Beto­nung auf “nach außen” ist auch deshalb wichtig, weil ich mir partout die Num­mer nicht merken kann. Der Bild­schirm hat wegen unsachgemäßer Behand­lung schon zwei unhüb­sche Kratzer davonge­tra­gen, die nicht allzu störend ins Auge fall­en, mich den­noch dazu bracht­en, dem Gerät eine schützende Hülle zu spendieren, bevor noch schlim­meres geschehen kon­nte:

Nun bin ich aber arbeits­be­d­ingt derzeit in der misslichen Lage, dass eine elek­tro­n­is­che Notiz- und am besten Ter­min­ver­wal­tung für unter­wegs ziem­lich nüt­zlich wäre, nicht ein­mal notwendi­ger­weise mit Syn­chro­nisierungs­funk­tion, wie sie zum Beispiel von den Her­stellern aktueller Taschen­com­put­er ange­priesen wird. Ein Witzbold riet mir dazu, es doch mal mit einem iPhone zu ver­suchen. Nun, Steve Jobs selb­st hat­te mir indi­rekt bere­its vor Monat­en davon abger­at­en, indem er sich über die Ziel­gruppe seines Lifestyle-Fir­lefanzes wie fol­gt äußerte:

(…) we do believe we have a moral respon­si­bil­i­ty to keep porn off the iPhone. Folks who want porn can buy and (sic!) Android phone.

Das ist gut; denn I want porn. Horst, der auch mal so ein tolles elek­tro­n­is­ches Spielzeug haben wollte, entsch­ied sich, wie er in o.g. Artikel erwäh­nt, für das HTC Tat­too, eben­falls ein Gerät, das mit dem Betrieb­ssys­tem Android läuft. (Über die Motive für diese Wahl mag ein jed­er, obiges voraus­ge­set­zt, selb­st räsonieren.)

Gemäß Steve Jobs sollte das elek­tro­n­is­che Notizbuch mein­er Wahl also eben­falls ein Android-Gerät sein. Android, oft inko­r­rekt und zu meinem per­sön­lichen Miss­fall­en als “Google Android” beze­ich­net, ist ein auf dem Lin­ux-Ker­nel basiertes Betrieb­ssys­tem für mobile Endgeräte wie etwa Net­books und Mobil­tele­fone. Kan­nte ich noch nicht, klang ver­lock­end und endete damit, dass ich das Nokia X3 vor­erst in den (unbezahlten) Urlaub schick­te:

Auch, wenn es schon ein wenig schmerzt, spon­tan Aus­gaben in der­ar­tiger Höhe zu täti­gen: Män­ner seien wie Kinder, befand Jür­gen von der Lippe ein­mal, und man kann es als unum­stößliche Wahrheit deklar­i­eren. Ich erfülle tat­säch­lich nur beschränkt irgendwelche typ­is­chen Klis­cheevorstel­lun­gen von Ange­höri­gen des männlichen Gepri­mas (Geschlecht ist schon ander­weit­ig belegt), aber in diesem einen Fall geste­he ich, dass mich tech­nis­ches Spielzeug jed­welch­er Art von Kinde­salter an zu faszinieren ver­mochte und noch immer ver­mag, und ger­ade das Sam­sung Galaxy S i9000 ist dafür bekan­nt, für Spiel­ereien ger­adezu prädes­tiniert zu sein.

Ich werde das Gefühl noch nicht vol­lends los, dass dieses Gerät (derzeit laut übere­in­stim­menden Bericht­en auch unter Berück­sich­ti­gung der vor weni­gen Tagen vorgestell­ten neuen HTC-Mod­elle das tech­nis­che Flag­gschiff der Android-Mobil­tele­fone) eine Num­mer zu groß für mich ist. Aber es macht einen Hei­denspaß, damit herumzus­pie­len. Ob ich von meinem Rück­gaberecht Gebrauch machen werde, weiß ich daher noch nicht.

Schade wäre es allerd­ings schon. :-)

(Wie wahr übri­gens auch: Wer den Unter­schied zwis­chen Musik­lieb­haberei und iPod-Affinität nicht ken­nt, sollte das mit der Musik lieber lassen.)

PolitikIn den NachrichtenMusik
Dulce et decorum est.

Und dann war da noch die IG Met­all, die Deutsch­land gern aus der Krise (Cri­sis? What cri­sis?) führen würde und schon eine total tolle Idee hat, wie man das umset­zen kön­nte, näm­lich, indem man das mit der Reduzierung des Kriegs­di­en­stes ein­fach mal sein lässt:

Die IG Met­all fürchtet wegen der Bun­deswehrreform um Zehn­tausende Arbeit­splätze in der Rüs­tungsin­dus­trie. Die Kürzungspläne von Vertei­di­gungsmin­is­ter zu Gut­ten­berg dro­ht­en so die mil­itärische Luft­fahrtin­dus­trie “kaputt zu machen”. Die Gew­erkschaft kündigte Wider­stand an.

Klar; die Mit­glieder der IG Far­ben Met­all müssen ja auch von etwas leben, und sei’s vom Krieg.

So gese­hen hil­ft uns das ori­en­tierungslose Met­zeln gle­ich zweier­lei beim Ver­min­dern der Arbeit­slosen­zahlen:

Die in der IG Met­all zusam­mengeschlosse­nen Arbeit­er lan­den nicht auf der Straße, son­dern kön­nen weit­er­hin neues Kriegs­gerät zusam­men­schrauben, und die Sol­dat­en lassen sich, statt zu Hause zu bleiben und um Hartz IV bet­teln zu müssen, ein­fach weit­er­hin staatskassen­fre­undlich und preis­be­wusst abknallen.

Wo wären wir nur heute ohne die mah­nen­den Ratschläge der deutschen Rüs­tungsin­dus­trie?
Ich behaupte: Arm dran!

Und wo ich ger­ade bei Idioten war: Der Paul McCart­ney, ehem. Ele­fant im Porzel­lan­laden bei den Bea­t­les, haut in der kom­menden Aus­gabe 10/10 der Musikzeitschrift eclipsed auch einen echt­en Kracher aus der Hüfte. Das The­ma lautete “Jimi Hen­drix”, und so erbrach sich Sir Paul sin­ngemäß in fol­gen­der Weise:

“Sgt. Pep­per” wurde an einem Don­ner­stag veröf­fentlicht. Als ich am Son­ntag ins Sav­ille The­atre ging, eröffnete Jimi Hen­drix die Show mit dem Titel­song. Er hat­te nur diese paar Tage Zeit gehabt, um das Stück zu ler­nen — das war für mich das größte Lob.

Paule, alter Wemser, ich möchte jet­zt gar nicht auf die umstrit­tene Diskus­sion darüber einge­hen, welch­er “Bea­t­le” eigentlich mehr zu dem Album beige­tra­gen hat, du oder John (Lennon, du erin­nerst dich?), aber setz dich doch, wenn du das “Lob” eines Tages fer­tig genossen hast, mal beizeit­en ein paar Minütchen in deinen Denkses­sel und nimm fol­gende Frage mit:

Wenn ich ein Lied schreibe, das auf Plat­te reißerischen Absatz find­et, ein gle­ich­falls erfol­gre­ich­er, anson­sten völ­lig ander­er Musik­er aber nur drei Tage benötigt, um dieses Lied mit allen Akko­r­den, Har­monien und Stro­phen auswendig zu ler­nen: Spricht das tat­säch­lich für mich und nicht vielmehr dafür, dass das beza­ubernde Lied­chen ein wenig unin­spiri­ert, um nicht zu sagen: von besten­falls beein­druck­ender Schlichtheit ist?

Mein­ja­nur.

NetzfundstückeSonstiges
Frosch Frosch Frosch Frosch Frosch Frosch Frosch

Was mir übri­gens heute auch nicht aus dem Kopf geht, ist ein­er dieser so genan­nten “Stre­iche”, die das Micky-Maus-Mag­a­zin (ehe­dem nur “Micky Maus”, mit­tler­weile aber seines Micky-Maus-Anteils größ­ten­teils beraubt) vor über einem Jahrzehnt ihrer jun­gen Leser­schar emp­fahl. Welch­es Ereig­nis diesen “Stre­ich” in meine unmit­tel­bare Erin­nerung zurück­rief, ist lei­der nicht zurück­ver­fol­gbar, aber dass es ger­ade dieser “Stre­ich” ist, ist wun­der­lich, ist er doch nicht ein­mal son­der­lich gut, son­dern eher einiger­maßen blöde.

Der “Stre­ich”, im Inter­net dank unzäh­liger so genan­nter “sozialer Net­ze” inzwis­chen sich­er hun­dert­fach repliziert, geht unge­fähr wie fol­gt, unzure­ichend inter­punk­tiert, aber unver­fälscht zitiert:

Dieses Spiel geht so, lies rechte Spalte laut runter,
Linke Spalte laut runter, linke laut hoch und rechte laut hoch!

Frosch — sagen
Frosch — zu
Frosch — Frosch
Frosch — habe
Frosch — gebracht
Frosch — dazu
Frosch — dep­pen
Frosch — den
Frosch — ich
Frosch — oft
Frosch — wie
Frosch — mal
Frosch — schau

Abge­se­hen davon, dass ich mir sich­er bin, dass die Zeitschrift einst “guck”, “diesen” und “Trot­tel” ver­wen­dete, wird der “Stre­ich” an sich bis heute weit­ge­hend iden­tisch tran­skri­biert. Als ich sein­er erst­mals gewahr wurde, war ich noch ein junges, naives Bürschlein, aber ich fand ihn damals schon wenig spaßig. Bis heute hat sich das nicht geän­dert; ich nehme indes an, die Pointe beste­ht darin, dass der Bestrich­ene als “Trot­tel” respek­tive “Depp” beze­ich­net wird. Dieser Stre­ich, der sich bis heute offen­bar ein­er nicht gerin­gen Beliebtheit erfreut, lässt sich ohne Weit­eres in einen her­beifan­tasierten Zusam­men­hang mit dem Auf­stieg junger so genan­nter Komik­er brin­gen, die ihren größten Erfolg dann ern­ten, wenn sie Mit­men­schen jed­welch­er Couleur als “Dep­pen” (Michael Mit­ter­meier) beze­ich­nen, als Beispiel sei ein­mal die — außer­halb ihrer Kurz­filme — furcht­bare Car­olin Kebekus genan­nt. (Ich hoffe inständig, die junge Dame ger­ade nicht verse­hentlich zu ver­wech­seln; andern­falls bitte ich, wie immer, um höfliche Nach­sicht.)

Allerd­ings sind inzwis­chen die mit der­lei “Stre­ichen” gequäl­ten Mit­bürg­er der Stre­ich­fre­unde (zu mein­er Zeit hieß das noch “Maler” übri­gens) geistig gefes­tigt und lassen sich von solch sub­tilen Späßen nicht mehr aus der Fas­sung brin­gen. Nicht untyp­isch also auch die Antwort von Anony­ma “FantasyGirl85”: haha­ha.. du meinst ja net im ernst das ich das etz mache ? ? ?; nur ein mit einem Augen­roll-Emoti­con verse­henes “Aaaaaaalt!” hätte diese lockere Reak­tion noch übertrof­fen.

Na, beim näch­sten Mal vielle­icht.

Spaß mit Spam
Wer anderen eine Grube wünscht …

Und dann war da noch die rus­sis­chrus­sis­che Russin mit ange­hängtem Bild­nis, die mal wieder per Mail auf der Suche nach prick­el­nder Erotik war, sich aber irgend­wie in der Adresse geir­rt hat und so stattdessen mir soeben, wohl als Teil der derzeit­i­gen Spamwelle, fol­gen­des schrieb:

Good­night!!!

Schlafen Sie gut!!111einself

Mocht­en Sie mit sta­bilen Beziehun­gen.

Mochte ich in der Tat; bevor man mir ein­drucksvoll mehrfach demon­stri­erte, dass es sich nicht lohnt, aber das ist eine andere Geschichte.

Ich bin inter­essiert, Sie ken­nen­zuler­nen. Ich sah Ihr Pro­fil auf der Web­seite der Bekan­ntschaft.

Ach ja; auf der Web­seite. Ich hat­te ganz vergessen, dass ich da angemeldet bin.
Und der Betreiber also ist eine Bekan­ntschaft von Ihnen? Cha­peau; ein vorzüglich­er und wahrlich benei­denswert­er Fre­un­deskreis, die Dame!

Ich wollte Sie ken­nen­ler­nen und, Sie erken­nen es ist bess­er.

Ein gemäß der Fotografie (man­gels Genehmi­gung hier nicht ver­linkt) dur­chaus nicht unat­trak­tives weib­lich­es Wesen mit Brüsten, auf denen man Nüsse knack­en kann (c/o Jür­gen von der Lippe), das mein Pro­fil auf der Web­seite der Bekan­ntschaft fand und sofort einen enor­men Appetit auf meine offen­bar selb­st in Rus­s­land leg­endäre Potenz entwick­eln kon­nte, würde mich gern ken­nen­ler­nen? Ich erkenne, es ist bess­er! (Und Gott sah, dass es gut war. Lobet den Her­rn.)

Wir kon­nten von den Fotografien wech­seln. Wie Sie diesen Vorschlag sehen?

Sie kön­nen, einem Chamäleon gle­ich, Ihre Fotografie wech­seln? Bril­lant! Bedeutet dies, ich bekomme noch mehr hüb­sche Bild­chen zu sehen?
(Oder bedeutet es gar, dass die ange­hängte Fotografie, hop­pla!, gar nicht zu Ihnen gehört?)

Und Sie kon­nen mir den Brief schreiben und, mir auch Ihre Fotografie schick­en. Und ich werde mit dem Vergnu­gen Ihnen antworten und, die neuen Fotografien zu schick­en.

Warum dann erst der Umstand über E‑Mail?
Ich würde, lieb­ste Unbekan­nte, diesem Wun­sch tat­säch­lich nachkom­men, hat mir doch die Aus­sicht auf weit­ere Fotografien wortwörtlich die Kotze das Ver­dau­ungssekret im Munde zusam­men­laufen lassen! Nur gibt es ein Prob­lem: Ich habe Ihre Adresse nie erhal­ten.
Wenn Sie dies also lesen, so senden Sie mir doch bitte eine weit­ere E‑Mail über die Web­seite der Bekan­ntschaft, aus der ich diese drin­gend benötigte Infor­ma­tion ent­nehmen kann. Besten Dank im Voraus!

Meinen Namen Diana. Ich aus Rus­s­lan­dRuss­ian!!!

Ach so — das hil­ft schon ein wenig.
Ich werde den Brief also wie fol­gt adressieren:

An Diana
Russlandrussisch!!111einself

Ich hoffe, die Sch­neck­en­post ist zuver­läs­sig!

Mit der Ungeduld werde ich auf Ihre Antwort warten.

Ich stecke alle Hoff­nung in die Post, lieb­ste Diana!

Hoffe wir wir kon­nen und, wie die guten Fre­unde min­destens zu wer­den ken­nen­ler­nen. Aber ich werde auf die ern­steren Beziehun­gen hof­fen!!!

Bedeutet das, dass Sie, schnüff, unser­er Liebe keine Chance geben? Tun Sie mir das nicht an! :(
Möge die Knospe unser­er jun­gen Beziehung zu ein­er stat­tlichen Pflanze erblühen!
(Zu einem Kak­tus oder so.)

Mit den her­zlichen Gruben Diana!

Ach, Grübchen sind so aller­lieb­st!
Mein Herz gehört ganz Ihnen, Diana. Auf dass die Post mir bald eine Antwort zustellen möge.

Innig­ste Grube,
.tux

PolitikSonstigesNetzfundstückeIn den Nachrichten
Kurz verlinkt XXVI: Es lebe hoch die Toleranz!

(Als Vor­war­nung für meine poli­tal­ler­ge­nen Leser: Es fol­gt ein weit­er­er ein­schläfer­n­der semi­poli­tis­ch­er Beitrag für’s Woch­enende.)

Dass der 11. Sep­tem­ber auch in diesem Jahr wieder ein schön­er, son­niger Tag war, ist eigentlich schon nicht mehr erwäh­nenswert; seit Jahren ist dieser Tag für seine Wärme bekan­nt. (Böse Men­schen wür­den sagen: Das ist der Lohn der guten Tat.) Und wie in jedem Jahr haben die Mei­n­ungs­mach­er, die sie das The­ma nicht endlich ruhen lassen wollen, wieder irgen­deine islamis­che Kul­tur her­beifan­tasiert, die Gewalt und Unter­drück­ung der Frau voll doof find­et; Geschwafel des Friedens und der Ver­söh­nung, während in Afghanistan und im Irak das unschuldig ter­ror­isierte Volk der US-Amerikan­er alles in die Steinzeit zurück­ballert, nichts anderes erwarten die Men­schen an diesem Tag. Ver­ständ­nis und Tol­er­anz für eine ver­meintliche Kul­tur, die so nicht existiert; bzw. ist eine “islamis­che Kul­tur” unge­fähr so prä­gend wie eine “christliche Kul­tur”, Reli­gion ist eben keine län­derüber­greifende Kul­tur­sache. Was soll’s — die Men­schheit mag schlichte Erk­lärun­gen, vor allem, wenn sie sie schon fer­tig serviert bekommt. Da wird dann auch nicht mehr nachge­fragt.

Zumal doch die Zeit des obschon meist gekün­stel­ten Miteinan­ders schon wieder vor der Tür ste­ht. Mir wurde allerd­ings schon ein wenig mul­mig, als ich durch die Fil­iale ein­er bekan­nten deutschen Waren­haus­kette schlen­derte und die ersten Lebkuchen auf Käufer warteten. Nicht etwa nur, weil das kalen­darisch ver­früht erschien, denn im Vor­jahr begann die Vor­wei­h­nacht­szeit in näm­lich­er Waren­haus­kette schon im August bei etwa 30 Grad im Schat­ten, somit sind sie in diesem Jahr schon beina­he spät dran; vielmehr zeigte es, wie furcht­bar lieb­los das Fest der Liebe (jeden­falls für solche Leute, die für den Rest des Jahres grim­mig drein­schauen, denen ich aber auch an Wei­h­nacht­en sich­er nichts schenken würde) inzwis­chen abgekanzelt wird. Die Palet­ten mit dem Gebäck wirk­ten inmit­ten von Fed­er­weißer, Tee und Dessous zumin­d­est deplatziert, beina­he unauf­fäl­lig ver­steckt, und nicht nur zur Ver­mei­dung von Sod­bren­nen mein­er­seits hätte es den Ver­ant­wortlichen sich­er auch keinen unerträglichen Ver­lust bere­it­et, hät­ten sie den kalo­rien­re­ichen Fir­lefanz noch für weit­ere zwei Monate in ihrem Lager vergam­meln lassen. Vergam­melter Lebkuchen schmeckt bekan­ntlich auch nicht ungewöhn­lich anders als “frisch­er”. Zu mein­er Freude indes hat die Fil­iale bis­lang in diesem Jahr darauf verzichtet, “Last Christ­mas” als Beschal­lung dieser Groteske zu wählen. Aber ich befürchte, das wird sich bald ändern.

(Und dann war da noch der Reißer der Woche in der deutschsprachi­gen Nachricht­en­welt, ein Schild mit Hin­weisen zum Umgang mit islamis­chen Patien­ten aus ein­er Arzt­prax­is, und alle so “das ist voll intol­er­ant”; vielle­icht hät­ten sie’s mal tat­säch­lich lesen sollen, dann hät­ten sie was zu lachen gehabt und müssten sich nicht nur unnötig ärg­ern: Wer näm­lich Ken­nt­nisse von deutsch­er Sprache “vor-raus­set­zt”, den sollte man auch mal irgend­wohin raus­set­zen, wo er sich get­rost an seinen Riechkol­ben fassen kann. Warum stellen sich die Islamskep­tik­er in diesem Land bloß immer so däm­lich an?)

Spaß mit Spam
Nicht ich beunruhigt.

Da traf doch ger­ade wieder eine Spam­mail, aus­nahm­sweise ohne Betr­e­ff, ein; schade, jet­zt musste ich mir selb­st einen Betr­e­ff aus­denken.

Hal­lo! ich denke, was nicht beun­ruhigt dich.

Mahlzeit. Ich bin in der Tat nicht beun­ruhigt, eher belustigt.

Mich rufen Valya.

Dann folge dem Ruf, junger Padawan! Lauf, sie warten schon auf dich!

Mein Alter, 31 Jahr.

Dein Alter 31, dann du so 20 Jahr jünger? Würde deine Gram­matik erk­lären.

Meine das Ziel der Anrede zu dir, die Bekan­ntschaft. Was Du daran denken?

“Was, du denkst daran? Ern­sthaft? Doof oder was?”
Bish­er, ich geste­he, habe ich nur sel­ten daran gedacht, nähere Bekan­ntschaft mit Men­schen zu machen, die mir, Frech­heit!, nicht mal ’n Bild mitschick­en. Ich kaufe/miete/lease doch nicht die Katze im Sack!

Ich Hoffe, dass Sie Sie wer­den gegen nicht ken­nen­ler­nen Mit mir!

Ich hoffe auch, dass ich ich werde die Gegend nicht ken­nen­ler­nen mit dir.
Äh, Ihnen. Warum so ver­traulich; doch noch bemerkt, dass wir uns nicht ken­nen?

Mich inter­essieren Die Lan­gen die Beziehun­gen.

(Ich glaube ja, die “Schreiberin” hat mit­ten im Satz bemerkt, dass man das nicht so offen zugibt, und sich dann einen anderen Schluss über­legt.)

Und was muss Dich?

Ah, doch wieder beim Du. Das ist ziem­lich ver­wirrend, wis­sen Sie?
Nun, um zur Frage zurück­zukom­men: Ich halte es da mit dem alten Swinger­mot­to. “Alles kann, nichts muss”. Mich muss nichts, aber mich kann so manch­er.

Wir kann wir erken­nen es ist einan­der bess­er, wenn wir den Verkehr fort­set­zen wer­den?

Diese Frage habe ich allerd­ings auch schon mal gehört. :mrgreen:

Was Sie daru­ber uber­legen?

Ich uber­lege ger­ade, wo der Hak­en ist und wieso ich plöt­zlich wieder gesiezt werde.

Wenn Dich Hat int­rigiert meinen Vorschlag, so ich sehr werde Dich der Antwort a…@r.…com !

Der Vorschlag erscheint mir tat­säch­lich wie eine Intrige, weil ich partout den Hak­en nicht find­en kann, außer, dass du ein elf- bis ein­und­dreißigjähriger Zeitgenosse ohne brauch­bare Deutschken­nt­nisse bist. (Warum ich die Antwort­mail nicht ein­fach an deine/Ihre auf Hotmail.com liegende Mailadresse senden soll, ver­schweigst du/verschweigen Sie mir lei­der.)

Valentin

Ach, da ist der Hak­en: Du bist nicht nur ein elf- bis ein­und­dreißigjähriger Zeitgenosse ohne brauch­bare Deutschken­nt­nisse, son­dern außer­dem ein Mann; ein­er, der sich “Valya” nen­nt, immer­hin. (Ein ähn­lich­er Zeitgenosse kommt, wenn ich mich recht entsinne, in Lars Niedere­ich­holz’ Roman “unknorke” vor; dies nur als Zusatz­in­for­ma­tion.)

Und schon erscheint der Text in einem anderen Licht; einem eher roten, unan­genehm kühlen.
Ein Gutes hat’s: Ich bedau­re es nicht, dass “Valya” branche­nun­typ­isch auf das Versenden ein­er Fotografie verzichtet hat.

(Woher “Valya” meine Mailadresse wohl bekom­men hat, ist ungewiss; etwa auch von ein­er Tage­sagen­tur? Ich sollte ihn vielle­icht doch fra­gen.)

PolitikIn den NachrichtenPiratenpartei
Medienkritik XXXVI: Hauptsache, aufs Maul.

(Pro­log: Ich bin unverän­dert Pirat und wün­sche jeglich­er radikaler Strö­mung poli­tis­ch­er und/oder religiös­er Natur min­destens Mar­cell d’Avis an den Hals.)

Nor­maler­weise verzichte ich dank­end darauf, dem gefährlichen Pop­ulis­mus der bei­den ein­schlägig bekan­nten Autoren von FickM­BR (ich weigere mich kon­se­quent, den Namen nicht zu ver­ball­hor­nen) mit­tels Ver­linkung weit­ere Klien­tel zu ver­schaf­fen, aber in diesem Fall kann, nein, muss er gar als Beispiel dienen, nach­dem selb­st Politblogger.eu allzu zahm berichtet:

Aaron König, ehem. Bun­desvor­standsmit­glied der Piraten­partei Deutsch­land, hat nun, passend zu all dem Aufhebens um Thi­lo Sar­razin, dessen Buch offen­bar auch noch nie­mand, der sich über seine Inhalte beschw­ert, über­haupt gele­sen hat, gemein­sam mit zwei anderen Men­schen eine neue kon­ser­v­a­tive Partei gegrün­det. Ihr Name ist “Die Frei­heit” und ihre poli­tis­chen Ziele sehen unter anderem so aus:

Wir set­zen uns für eine Gesellschaft ein, deren Mit­glieder ein Höch­st­maß an Frei­heit genießen kön­nen. Darunter ver­ste­hen wir unter anderem die Mei­n­ungs­frei­heit, die Frei­heit der Presse, die Ver­samm­lungs­frei­heit, die Frei­heit vor Krim­i­nal­ität und Gewalt, die Frei­heit der Part­ner­wahl und die Reli­gions­frei­heit (die auch die Frei­heit ein­schließt, keine Reli­gion zu haben).

Diese Frei­heit­en gel­ten für alle Men­schen, unab­hängig von Herkun­ft, Haut­farbe, Geschlecht oder sex­ueller Ori­en­tierung.

Das sollte eigentlich alles eine Selb­stver­ständlichkeit sein, ist es aber nicht; Frei­heit ist in diesem Land die Frei­heit der Mehrheit. Da wer­den auch schon mal legit­ime Ver­anstal­tun­gen von so genan­nten “Wahrern der Demokratie” behin­dert, die sich hin­ter­her gegen­seit­ig dazu beglück­wün­schen, wie sehr sie heute wieder die Demokratie gewahrt haben, jeden­falls die eigene. Es wäre ja noch schön­er, wenn die Grun­drechte auch für die blö­den Neon­azis gäl­ten; wo kämen wir da hin?!

Und die Forderun­gen der Partei “Die Frei­heit” haben inhaltlich vielle­icht — in den Augen der Mach­er von FickM­BR (s.o.) — das Prob­lem, dass sie Frei­heit für rig­oros alle bein­hal­ten, Mei­n­ungs­frei­heit für Thi­lo Sar­razin und Eva Her­man eingeschlossen, und dass die drei Parteigrün­der dem recht­en poli­tis­chen Spek­trum nahe ste­hen. Autor Chris­t­ian Sick­endieck dumm­sülzt in seinem triefend­en Pam­phlet gle­ich mehrfach:

Die Nazi-Scher­gen haben eine neue Heimat.

Und weit­er:

Anders sieht es auf den Pub­lika­tio­nen aus, die fast über­wiegend vom Ver­fas­sungss­chutz beobachtet wer­den. Egal, wie sie heißen, Polit­i­cal­ly Incor­rect oder auch Gesamtrechts – über­all über­schla­gen sich die freudi­gen Artikel. Man kann förm­lich spüren, wie die Kom­men­ta­toren auf die Tas­tatur onanieren.

FickM­BR sollte man allerd­ings auch mal vom Ver­fas­sungss­chutz beobacht­en lassen, denn jemand, der so kon­se­quent mit der Nazikeule um sich schlägt, scheint von eini­gen Grun­dregeln unser­er Demokratie auch nicht viel zu hal­ten, Respekt vor der Mei­n­ung ander­er ein­mal eingeschlossen. Als Aaron König noch in der Piraten­partei war, verun­stal­teten die bei­den Komik­er eine Flagge des Drit­ten Reich­es, indem sie anstelle der Swasti­ka das Piratensegel platzierten. Sehr lustig — und von Volksver­het­zung nicht weit ent­fer­nt.

Und man kon­nte im Kom­men­tar­bere­ich förm­lich spüren, wie die Haush­er­ren, arro­gant wie üblich, auf die Tas­tatur onanieren.

Ach, Piraten­partei; ohne kann er’s echt nicht:

Ste­fan Aaron König hat die Katze aus dem Sack gelassen, die Piraten­partei muss sich die Frage gefall­en lassen, wie sie so eine Type jemals in den Vor­stand hat wählen kön­nen.

Auch, wenn ich auf eine Antwort ver­mut­lich vergebens warten darf: Nein, muss sie nicht — warum?
Aaron König, ehe­mals gegen wed­er das Grundge­setz noch die Satzung der Piraten­partei ver­stoßen­des Vor­standsmit­glied, hat eine neue Partei gegrün­det, die Frei­heit auch für islamkri­tis­che Äußerun­gen zulässt. Was für eine “Type” ist er nun?

Ach ja, richtig: Ein “Nazi-Scherge”. Hat­te ich über­lesen; aber du, Chris, schrieb­st es ja nicht nur mehrfach, son­dern zudem auch noch in Fettdruck, wie es die BILD eben auch macht, wenn sie irgendwelchen verquas­ten Müll als ganz beson­ders wichtig her­vorheben will.

(Abge­se­hen davon ist der Begriff ohne­hin unsin­nig; um ein “Nazi-Scherge”, ein Erfül­lungs­ge­hil­fe der Nation­al­sozial­is­ten also, zu wer­den, wäre Herr König ein paar Dekaden zu spät dran.)

Weit­er unten in den Forderun­gen der “Frei­heit” ist übri­gens zu lesen:

gegen die Aus­bre­itung total­itär­er Ide­olo­gien, ins­beson­dere den poli­tis­chen Islam

Herr Sick­endieck macht daraus:

Ärg­er­lich ist, dass wieder ein­mal der Begriff Frei­heit von ein­er poli­tis­chen Split­ter­gruppe miss­braucht wird. Wann immer in der Geschichte total­itäre Sys­teme Men­schen unter­drückt haben, geschah es im Namen der Frei­heit. So auch offen­sichtlich auch in diesem Fall. Frei­heit hört beim islamis­chen Glauben auf. Die bish­eri­gen Aus­sagen von Stadtke­witz, Doll und König sind als Bull­shit zu bew­erten. Es geht einzig und allein gegen den Islam.

So weit ist’s in diesem Land gekom­men mit dem selb­ster­nan­nten Jour­nal­is­mus; man hat eine unge­fähre Ahnung, wo man recher­chieren muss, lässt es aber sein und bew­ertet ein Unter­fan­gen anhand sein­er Teil­nehmer. Es geht “gegen den Islam”, weil ein­er der Grün­der neben­bei im islamkri­tis­chen Weblog “Polit­i­cal­ly Incor­rect” mit­tippt und das allein entschei­dend ist; wie halt die Piraten­partei auch eine doofe Nazi­partei war, weil Aaron König in seinem pri­vat­en Weblog den schweiz­erischen Volk­sentscheid gegen den Bau von Minaret­ten als demokratis­chen Akt gut­ge­heißen hat, und wie Eva Her­man ver­mut­lich in ihrer Freizeit Aus­län­der­jun­gen erwürgt, lies: gar nicht.

Die Partei “Die Frei­heit” hat klare Aus­sagen zu ihren Forderun­gen gemacht. Sie pauschal als Mumpitz abzu­tun, weil sie nicht so schön in das eigene wirre Welt­bild passen, ist genau das, näm­lich Mumpitz. Aber Haupt­sache, der Anfänge wehren; Haupt­sache, “Nazis aufs Maul”, weil eben alles, was man nicht ver­ste­ht, schon ziem­lich naz­i­haft ist und es nicht sein kann, dass aus­gerech­net jet­zt ger­ade eine Partei aufs Par­kett geführt wird, die Reli­gion­skri­tik nicht mit Frem­den­feindlichkeit ver­wech­selt.

“Gegen den Islam” wäre in der Tat nicht allzu pri­ma; aber das haben die “Freiheit“ler auch nie gefordert. Dazwis­chen ste­ht noch ein Wort und davor ste­hen noch mehrere. “[G]egen die Aus­bre­itung total­itär­er Ide­olo­gien” mag man bei FickM­BR als direk­te Kamp­fansage ver­ste­hen, ist man doch seit Jahren ein­er der Vor­re­it­er total­itär­er Pro­pa­gan­da in der deutschsprachi­gen Blo­gosphäre, aber dann sollte man mal darüber nach­denken, ob der Fehler tat­säch­lich bei der “Frei­heit” zu suchen ist. “Nazi-Scher­gen­tum” jeden­falls ist in ein­er Partei, die sich gegen total­itäre Ide­olo­gien ausspricht, nicht drin.

Die For­mulierung ist, zugegeben, etwas schwach; “poli­tis­ch­er Islam” existiert so nur in der öffentlichen Wahrnehmung. Erset­zen wir es ein­mal mit dem Gemein­ten, näm­lich “Islamis­mus”. Schon sieht das anders aus. Die Partei “Die Frei­heit” spricht sich (eben­so wie übri­gens Thi­lo Sar­razin) dage­gen aus, dass die Vertreter der “Reli­gion des Friedens” sich mit Gewalt Gehör zu ver­schaf­fen ver­suchen und die Vertreter des tol­er­an­ten West­ens das als “religiöse Mei­n­ungs­frei­heit” missver­ste­hen. Leute aus religiösen Grün­den mit ein­er Axt ermor­den oder mit einem Mess­er auf­schlitzen zu wollen ist nicht akzept­abel, auch wenn sie Gott, Jesus, Mohammed oder die eigene Mut­ter als Karikatur in irgendwelchen Zeitun­gen abdruck­en lassen.

Vielle­icht, Chris, ver­stehst du es bess­er, wenn man es dir mit einem Zitat von Rosa Lux­em­burg ver­sucht zu erk­lären:
“Frei­heit ist immer Frei­heit der Ander­s­denk­enden.”

(Und ich freue mich schon sehr darauf, dass du mich ob dieses Textes nun wieder als niveaulosen Sym­pa­thisan­ten beze­ichnest; was du, wie ich ver­mute, nicht hier, son­dern auf deinem Blog tun wirst, wo du unge­hin­dert Gift und Galle spuck­en kannst und deine Jünger klatschend im Kreis um dich ver­sam­melt sitzen, wenn du ihre Mei­n­ung BILDest. Wom­it sich der Kreis dann auch schon schließt.)

MusikIn den NachrichtenNerdkrams
Blöde Propheten

Als ich als noch junger Zeitgenosse ein­mal einen Dia­log mit dem damals beliebten Pop-Schön­ling Gil Ofarim (was macht der eigentlich jet­zt so?) sah, während dessen er unter anderem bekan­nt­gab, an neuen — lies: zukün­fti­gen — weib­lichen Bekan­ntschaften für was auch immer inter­essiere ihn nicht zulet­zt die Kör­bchen­größe (seit­dem habe ich dieses Wort im Fernse­hen übri­gens nie wieder gehört). schämte ich mich, denn genau deshalb, so glaubte ich damals, seien Män­ner grund­sät­zlich als Machos ver­schrien. Ich war aber auch entset­zt, denn trotz (oder wegen?) dieser offen erzählten Ober­fläch­lichkeit schien Gil Ofarim in der Damen­welt nicht unbe­liebt zu sein.

Von einem ähn­lichen Entset­zen befall­en und tüchtig durchgeschüt­telt wurde ich gestern, als sich diese Mel­dung zu Googles neuem Fir­lefanz über den Bild­schirm erstreck­te:

Aber sowie die Mas­chine mir, noch während ich tippe, im Eingabefeld nicht nur das Wort, son­dern einen sin­nvollen Kon­text in weit­eren Begrif­f­en vorschlägt, und ich zugle­ich unmit­tel­bar unter dem Such­feld die entsprechen­den Resul­tate sehe, werde ich anfan­gen meine Abfrage kom­plex­er auszugestal­ten – ohne dazu etwas tip­pen oder anklick­en zu müssen, allein mit Hil­fe der Vorschläge, aber auch gegen sie.

Google will also, vere­in­facht aus­ge­drückt, seine Benutzer behut­sam dazu brin­gen, das zu tun, was es gern hätte, statt das zu tun, was man üblicher­weise von ein­er Such­mas­chine erwartet, näm­lich nach (!) der Eingabe eines Such­be­griffes Suchergeb­nisse zu liefern; und wenn sie, die Such­be­griffe, doof sind, dann bekommt der Nutzer eben auch nur doofe Ergeb­nisse zu sehen. So lernt er, dass er Suchan­fra­gen stets mit Bedacht for­mulieren sollte, um möglichst tre­f­fende Ergeb­nisse zu erhal­ten. Der Benutzer wird also in die Lage ver­set­zt, im Umgang mit dem Inter­net ein wenig schlauer, mithin an Erfahrun­gen reich­er zu wer­den, was nicht zulet­zt auch bei der Ver­mei­dung von Mal­ware­be­fall von Bedeu­tung ist.

Googles “Instant Search” — ich muss da immer an Tee denken — aber, das, neben­bei sei’s ange­merkt, die automa­tis­che Ver­voll­ständi­gung von Such­be­grif­f­en dahinge­hend kon­terkari­ert, dass es genau das Gegen­teil, näm­lich kürzere Suchter­mi­ni, fördert, läuft diesem Konzept zuwider, indem es den Benutzer bewusst dumm hält. Zurück­lehnen und dem Suchan­bi­eter das Denken über­lassen; Google sagt mir, was ich suchen soll, nicht umgekehrt. Ich glaube, das Stich­wort hier heißt Medi­enkom­pe­tenz.

Zumal die Sofort­suche nicht ein­mal unbe­d­ingt etwas zur Suchgeschwindigkeit beiträgt, son­dern, im Gegen­teil, mit allzu langsamer Inter­ne­tan­bindung die Mitar­beit ver­weigert, wo doch ger­ade bei dieser eine wie auch immer geart­ete Beschle­u­ni­gung von immenser Wichtigkeit wäre; indes: Wenn sich mit jedem Zeichen, das ich tippe, die Suchergeb­nisse völ­lig ändern, bekomme ich davon besten­falls Kopf­schmerzen. Eine Such­mas­chine rufe ich meist auf, wenn ich bere­its unge­fähr min­destens ein Wort, nach dem ich zu suchen beab­sichtige, kenne. Es ist nicht sin­nvoll, jeden Buch­staben dieses Wortes als Such­be­griff zu werten; wenn ich nach “Pin­guinen” suche, dann weiß ich das, dann möchte ich aber auch nicht im Ver­lauf des Eingabevor­gangs automa­tisch über die Kreiszahl Pi und die Farbe Knall­rosa informiert wer­den.

Sin­nvoll wäre zweier­lei:

Zum Einen zwar eine der­ar­tige Sofort­suche, die jedoch erst nach Kom­ma oder Leerze­ichen aktiv wer­den sollte, um unnöti­gen Verkehr und vor allem die für Epilep­tik­er ver­mut­lich nicht son­der­lich angenehme Dauer­ak­tu­al­isierung zu ver­mei­den; zum Anderen wäre das qua­si genau das, was wirk­lich gute Such­maschi­nen wie etwa Clusty, inzwis­chen Yip­py, bere­its seit Jahren anbi­eten, näm­lich das Clus­ter­ing von Suchergeb­nis­sen. Wer nach Pin­guinen sucht, sucht sel­ten auch nach Pi und Ping­pong, aber möglicher­weise nach Pin­guinen UND Antark­tis. “Mein­ten Sie: Pin­guine Antark­tis?”

So etwas, liebe Such­maschine­nen­twick­ler, wäre ein Schritt in die richtige Rich­tung. Google als Berg, der sich Propheten, die ihn bish­er absichtlich gemieden haben, ger­adezu aufzu­drän­gen ver­sucht, macht es noch schneller, noch bunter, noch flack­ern­der, noch Webzwein­uller; und somit genau falsch.
Wie immer eben.

MusikSonstigesKaufbefehle
“Not if I wrap myself in nylon …”

Ich hätte ja wirk­lich furcht­bar gern etwas über das wun­der­bare Album “Made Flesh” von Extra Life, derzeit Tipp des Monats auf den Baby­blauen Seit­en, geschrieben, das mich heute in der Post erwartete. Beim ungeduldigen Aus­pack­en jedoch bekam ich plöt­zlich Lust, über etwas anderes zu referieren, näm­lich über die Ver­pack­ung selb­st.

Ich meine, dass optis­che Ton­träger eines gewis­sen Schutzes gegen äußere Ein­flüsse dur­chaus bedür­fen; wenn aber eine fil­igrane, beina­he selb­st zum Kunst­werk taugliche CD-Hülle (dazu auch hier mehr) der­maßen in eine durch­sichtige Plas­tikum­man­telung eingeschweißt wird, dass man sie als Men­sch ohne speziell hier­für gepflegte Fin­gernägel nur noch unter Zuhil­fe­nahme extern­er Hil­f­s­mit­tel (Schere, Mess­er, Gabel­sta­pler) und somit unter der Gefahr, bleibende Schä­den zu hin­ter­lassen, so mir etwa geschehen bei dem Album “Ele­gies to Lessons Learnt” von iLiKE­TRAiNS, ihres Schutzes zu entreißen ver­mag, dann treibt das auch ein­er san­ft­müti­gen Krea­tur, etwa mir, die Zor­nes­röte in die Fresse.

Warum müssen der­lei Ton­träger immer sozusagen feuer­fest ver­siegelt wer­den, bevor sie in den freien Han­del gelan­gen, auf dass man sie unbeschadet nur noch an die Wand tack­ern und anstar­ren möge? Staub­schutz ist ja wahrlich ein nobles Unter­fan­gen, aber so etwas, ich erin­nere mich, hat­ten meine Spielzeu­gau­tos in jun­gen Jahren eben­falls. Es war, zugegeben, etwas bre­it­for­matiger, ließ sich aber mit einem san­ften Druck prob­lem­los öff­nen. Herrscht Platz­man­gel in den Lagern der großen Han­del­sun­ternehmen?

Vor­bildlich macht es übri­gens die Musik­gruppe Wive; deren Album PVLL erwarb ich in einem Sat­urn-Markt in Düs­sel­dorf. Es war eben­falls mit ein­er Plas­tikum­man­telung verse­hen, und es befind­et sich noch heute darin. Der Unter­schied beste­ht lediglich darin, dass ebendiese Plas­tikum­man­telung oben mit ein­er selb­st kleben­den Lasche verse­hen ist, so dass man das Album bei Bedarf jed­erzeit ent­nehmen und wieder der schützen­den Hülle übergeben kann.

Möge dieses Beispiel endlich Schule machen!

(Und jet­zt muss ich erst ein­mal die Plas­tikreste zwis­chen den Zäh­nen ent­fer­nen.)

Projekte
TinyTodo build 20100905 (für Ungeduldige)

Auch, wenn es derzeit nicht danach aussieht: Die Arbeit an TinyTo­do wird unverän­dert fort­ge­set­zt.

Die neue Ver­sion 20100905, zu find­en nach einem Klick auf das Bild unten, hat immer noch keine schönere Bedienober­fläche, aber immer­hin schon mal eine Edi­tieren-Funk­tion für Auf­gaben und Kat­e­gorien zu bieten; hier­für genügt ein Dop­pelk­lick auf eine Kat­e­gorie oder eine Auf­gabe. (Der Ein­fach­heit hal­ber wer­den geän­derte Auf­gaben derzeit noch kom­plett neu angelegt, weil das nach meinem derzeit­i­gen Ken­nt­nis­stand weniger SQLite-Anweisun­gen benötigt als das direk­te Ändern. Eventuell wird das später noch verbessert.)

Da mir seit Tagen die Neuigkeit­en rund um ähn­liche Pro­jek­te wie Remem­ber The Milk im Feedleser auf die Ner­ven gehen, hat­te ich gestern oben­drein die Idee, TinyTo­do eine Art Webober­fläche zu spendieren, dass man qua­si seine Auf­gaben via Inter­net mit jed­er anderen TinyTo­do-Instal­la­tion der Welt abgle­ichen kann, Benutzer­name und Pass­wort voraus­ge­set­zt. Hier­für bräuchte ich vor allem Serverka­paz­ität und viel Langeweile, und da bei­des knapp ist, frage ich mal direkt drau­f­los:

Bestünde über­haupt ein Inter­esse an der­lei Spiel­ereien, oder soll ich mich darauf konzen­tri­eren, die Kern­funk­tio­nen in den Griff zu bekom­men?

Ich bedanke mich schon mal für jede Rück­mel­dung. :)

Nach­trag von 18:17 Uhr:
Aus Test­grün­den hat die hier ver­link­te Ver­sion anders als die vorige Ver­sion vom 11. August bere­its die oben angezeigten Ein­träge in der Daten­bank. Ihr dürft sie natür­lich gern löschen und/oder edi­tieren. (Ob eine Mit­nahme der beste­hen­den Dat­en funk­tion­iert, habe ich bish­er nicht getestet, da Kom­pat­i­bil­ität mit Vorver­sio­nen noch keine Pri­or­ität hat. Die Struk­tur der Daten­bank wird voraus­sichtlich ohne­hin in Bälde nochmals geän­dert.)

PolitikNetzfundstücke
Respekt mit 361 Grad (mindestens)

Wie mir im Ver­lauf der ver­gan­genen Nacht zuge­tra­gen wurde, hat unsere knuf­fige Fam­i­lien­min­is­terin da wieder was total Tolles zum Fördern gefun­den:

Wie sieht eure Welt mit 361° Grad Respekt aus? Was bewegt euch und was möchtet ihr den Men­schen in unserem Land mit eurem Video mit­teilen? Was kön­nen und soll­ten wir für ein tol­er­antes und respek­tvolles Miteinan­der tun? Zeigt uns, was 361° Respekt für euch bedeutet.

Im Vor­jahr habe diese Aktion “361° Tol­er­anz” geheißen, sal­badert man im YouTube-Kanal, und das sei “weniger wert” als Respekt; und, mal abge­se­hen davon, dass “Tol­er­anz” immer auch Aus­gren­zung bedeutet (was man “toleriert”, betra­chtet man den­noch als fremd), viel bess­er ist auch “361° Respekt” nicht.

Dass die Erfind­er dieses däm­lichen Namens von math­e­ma­tis­chen, nicht von Tem­per­atur­graden (einen beliebi­gen Witz über Kre­ma­to­rien mag jed­er Leser hier selb­st erdicht­en) rede­ten, kann sich ein schlauer Men­sch ger­ade noch denken. “Prozen­tangaben wären ja auch lang­weilig, also nehmen wir halt irgend­was anderes.”

Math­e­ma­tis­che Grade lassen sich am besten in Kre­is­form darstellen. Kreis ken­n­ta:

Jet­zt stelle man sich vor, man stünde dort, wo die bei­den Ger­aden sich kreuzen, in der Mitte des Kreis­es also, und drehte sich.
Nach etwa der Hälfte sind 180 Grad geschafft; wenn man sich immer weit­er dreht, bis man wieder die Aus­gangsstel­lung ein­genom­men hat, so hat man sich dann um 360 Grad, einen vollen Kreis, gedreht.

Anders aus­ge­drückt: 360 Grad bewirken in dem Zus­tand des Gedreht­en keine Änderung. Mit 180 Grad Respekt hätte man ver­mut­lich das gewün­schte Ziel erre­icht, näm­lich eine Kehrtwende; mit 360 Grad Respekt hat man aber nichts gewon­nen, sich nur unnötig angestrengt und einen Drehwurm bekom­men.

Aber es geht noch weit­er: So viel math­e­ma­tis­che Ken­nt­nis, um zu bemerken, dass 360 Grad in diesem Kon­text einiger­maßen sinn­los sind, haben die Förder­er dann offen­bar auch noch ger­ade so. Statt aber 180 Grad anzu­peilen, macht­en sie’s noch schlim­mer. Kann sich jed­er von euch, liebe Leser, 361 Grad (was, wie wir oben gel­ernt haben, wiederum 1 Grad entspricht) unge­fähr bildlich vorstellen? Ich mir auch nicht, und darum illus­triere ich es im Fol­gen­den mal:

Das ist gut; denn so viel Respekt habe ich ger­ade noch übrig.
Müh­sam nährt es sich, das Eich­hörnchen; auf dass es irgend­wann vielle­icht 362° wer­den mögen.

MusikSonstigesNetzfundstücke
Kurz verlinkt XXV: Ein Leben im Schnelldurchlauf (und zwischendurch: Sex)

Ein feines Fress­chen für die Fre­unde selt­samer Sta­tis­tiken kre­den­zt derzeit unter anderem die HAZ:

Ver­glichen mit der let­zten Erhe­bung von 2005 sank bei den 14-jähri­gen Mäd­chen der Anteil der­er, die bere­its Geschlechtsverkehr hat­ten, deut­lich von zwölf auf sieben Prozent, bei den gle­ichal­tri­gen Jun­gen sog­ar von zehn auf vier Prozent. Bei den 17-jähri­gen Mäd­chen reduzierte sich der Anteil der­jeni­gen mit Sex-Erfahrun­gen von 73 auf 66 Prozent, bei den Jun­gen dieser Alters­gruppe blieb er mit 65 Prozent nahezu kon­stant. Das bedeutet, dass bis zu einem Alter von 17 Jahren mehr als ein Drit­tel der jun­gen Frauen und Män­ner noch keinen Geschlechtsverkehr hat­ten.

Angesichts der fehlen­den Zahlen, wie viele der Befragten nun genau männlichen und wie viele weib­lichen Geschlechts waren, kann ich über die genaue Aus­sage dieser Werte nur spekulieren; aber ich ver­mute, die sieben Prozent der Mäd­chen sind deut­lich größer als die vier Prozent der Jun­gen, ähn­lich, wie auch die 65 Prozent der Jun­gen die 66 Prozent der Mäd­chen nicht ansatzweise erre­ichen dürfte.

Damit zeigt sich zwar eine Änderung, aber die Ver­hält­nisse bleiben den­noch erhal­ten: Mäd­chen wer­den im Durch­schnitt früher entjungfert, bevorzugt von älteren Knaben, die zu diesem Zeit­punkt schon zwei oder drei Beziehun­gen hin­ter sich haben, und die Aus­nah­men von der Regel wer­den für ihre Stand­haftigkeit bewun­dert. Ist man hinge­gen als Junge von 17 oder 18 Jahren noch uner­fahren, wird man gemein­hin als Schlapp­schwanz gebrand­markt; fick­en is’ eben cool und Gefüh­le sind was für Mäd­chen und Milch­bu­bis. Und da wun­dert man sich noch darüber, dass sich immer mehr Leute ger­ade in jungem Alter für beziehung­sun­fähig hal­ten?

Übri­gens kann man sich nun nach seinem Tod auch zur Schallplat­te pressen lassen. Meine Lied­wahl ste­ht weit­ge­hend fest. Weltweit­er Ver­trieb inbe­grif­f­en; vielle­icht als Bonus­track dann noch irgen­deinen obskuren Lärm, um die Leute noch ein biss­chen zu ärg­ern. Hihi.

Nerdkrams
Drei Listenverwaltungen für YouTube im Test

Seit einiger Zeit nutzte ich die Fire­fox-Erweiterung You­Play­er, um der Vielzahl der von mir zur späteren Ver­wen­dung vorge­merk­ten YouTube-Videos Herr zu bleiben, gle­ich­sam als playlist-Ver­wal­tung. Nun jedoch wird diese Erweiterung seit Jahren nicht mehr aktiv gepflegt und besitzt dur­chaus einige Eck­en und Kan­ten; so ist es zum Beispiel nicht möglich, mehrere Abspiel­lis­ten anzule­gen.

Gestern nun stellte ich betrübt fest, dass einige mein­er Lieblingsvideos von YouTube gelöscht wor­den waren, ohne dass der You­Play­er dies bemerkt hätte, und andere wiederum sich mehrfach in der Liste tum­melten. Ich beschloss also, den You­Play­er auf das Altenteil zu schick­en, legte in meinem not­dürftig anonymisierten YouTube-Kon­to mehrere Playlis­ten an, auf die ich die noch nicht gelöscht­en Videos verteilte, und begab mich auf die Suche nach ein­er alter­na­tiv­en Ver­wal­tungssoft­ware, die zumin­d­est unter Win­dows lauf­fähig sein sollte; denn die Lis­ten­ver­wal­tung von YouTube ist schreck­lich zu bedi­enen.

Ich schränk­te meine Suche nicht darauf ein, ob eine Anwen­dung als Fire­fox-Erweiterung oder als sep­a­rates Pro­gramm ver­füg­bar war, denn ich bedi­ene YouTube ohne­hin via Fire­fox. Was mir allerd­ings wichtig war, war eine über­sichtliche Lis­ten­ver­wal­tung, opti­maler­weise mit Anbindung an das eigene YouTube-Kon­to, um nicht wieder sep­a­rate, schnell ver­al­tete Lis­ten pfle­gen zu müssen. Von zweit­erem Wun­sch musste ich mich allerd­ings schnell ver­ab­schieden; keine der von mir getesteten Lösun­gen kon­nte damit aufwarten.

Nach dem Durch­forsten schi­er end­los erscheinen­der Auflis­tun­gen möglich­er Alter­na­tiv­en kamen drei kosten­lose Anwen­dun­gen in die engere Auswahl; und zwar diese:


1. Muzi­ic

Muzi­ic ist, das muss ich zugeben, eine dur­chaus inter­es­sante Soft­ware mit Unter­stützung von Skins und Wieder­ga­belis­ten. Man kann YouTube durch­suchen, hat diverse “soziale” Funk­tio­nen zur Ver­fü­gung und bekommt die Wieder­ga­belis­ten direkt unter dem Video angezeigt, sofern angelegt. Eigentlich fehlte diesem Pro­gramm nur noch eine Anbindung an das eigene YouTube-Kon­to zur Per­fek­tion, wären da nicht die kleinen Unschön­heit­en:

Die Ski­n­un­ter­stützung bringt es näm­lich mit sich, dass das Haupt­fen­ster von Muzi­ic sich mitunter selt­sam ver­hält. Ein leeres Fen­ster, nicht aktivier­bare Menüs und ähn­liche Dinge trüben lei­der den Genuss ein wenig; zumal das Haupt­fen­ster direkt nach dem Start verdächtig nach Wer­bung aussieht:

Auf einen umfassenderen Test habe ich daher aus­nahm­sweise ein­mal verzichtet. Sollte sich allerd­ings an meinen Kri­tikpunk­ten etwas ändern, so bitte ich diejeni­gen von euch, liebe Leser, die Muzi­ic bere­its ein­set­zen, um einen kurzen Hin­weis; denn eigentlich ist es, wie bere­its erwäh­nt, eine pri­ma konzip­ierte Anwen­dung.


2. Web­Musix

Web­Musix ist ein hüb­sches deutschsprachiges Pro­gramm mit ein­er hüb­schen deutschsprachi­gen Web­site, das, anders als Muzi­ic, nicht ver­sucht, vor allem mit sein­er uni­versellen Ver­wend­barkeit auf sich aufmerk­sam zu machen, son­dern das seine aufgeräumte, ger­adezu min­i­mal­is­tis­che Ober­fläche für sich sprechen lässt. Vor allem für Viel­nutzer inter­es­sant ist sich­er die Möglichkeit, Videos aus der selb­st zusam­mengestell­ten Wieder­ga­beliste — unten rechts im Pro­gramm­fen­ster — einzeln oder ins­ge­samt als Audio- oder Video­datei herun­terzu­laden.

Als nettes Extra kann man bei der Suche auch zwis­chen Vorschaubildern und ein­er reinen Textliste umschal­ten.

In meinem Test stürzte Web­Musix übri­gens ein­mal ab, als ich die Ein­stel­lun­gen für die Suche während des Abspie­lens änderte. Ein Klick auf “Weit­er” ließ die Fehler­mel­dung jedoch ver­schwinden; ich gebe dem .net-Frame­work, auf dem Web­Musix basiert, die Schuld, da dies auch in anderen Anwen­dun­gen oft ähn­lich auftritt.
Auch Web­Musix bietet übri­gens keine Anbindung an das eigene YouTube-Kon­to an, der Entwick­ler teilte mir allerd­ings auf Anfrage mit, dass dies geplant sei, die Imple­men­tierung allerd­ings in abse­hbar­er Zeit voraus­sichtlich nicht stat­tfind­en werde. Den­noch empfehle ich jedem Leser, der eben­falls auf der Suche nach einem geeigneten Pro­gramm ist, die Entwick­lung von Web­Musix hin und wieder aufmerk­sam zu ver­fol­gen.


3. Youtube Music Play­er

Als einzige Fire­fox­er­weiterung im bre­it­en Test­spek­trum schaffte es der Youtube Music Play­er (YMP) in die Final­runde. Er inte­gri­ert sich voll­ständig in den Brows­er, blendet etwa in der Sta­tusleiste Wieder­gabe­in­for­ma­tio­nen ein, unter­stützt allerd­ings nur eine einzige Wieder­ga­beliste. Für den Ein­steiger wichtig ist das deutschsprachige Tuto­ri­um zum YMP, das die nicht immer intu­itive Bedi­enung erk­lärt.

Als Beson­der­heit kann der YMP sowohl mit Last.fm kom­mu­nizieren (“scrob­blen”) als auch für die Wieder­gabe automa­tisch auf die beste ver­füg­bare Video­qual­ität (“High Qual­i­ty”) umschal­ten. Die Wieder­ga­belis­ten lassen sich via Seit­en-Kon­textmenü auch direkt aus YouTube her­aus befüllen.

Eine Verbindung mit dem eige­nen YouTube-Kon­to und damit den eige­nen Abspiel­lis­ten ist laut Entwick­ler eben­falls für eine zukün­ftige Ver­sion geplant. Auf dem SVN-Serv­er für YMP ist bere­its ein Verze­ich­nis für Ver­sion 5.0 beta angelegt, das unter anderem eine Auf­gaben­liste enthält, die ein “Main rewrite”, eine völ­lige Über­ar­beitung also, ankündigt. Ich bin ges­pan­nt, was diese Über­ar­beitung mit sich brin­gen wird. Für diejeni­gen mein­er Leser, die ihren Brows­er als Medien­zen­trale ein­set­zen möcht­en und etwa auch mit ihm twit­tern, flick­rn, bloggen und ähn­lich­es tun, ist der YMP bere­its jet­zt eine gute Wahl.


Für Ergänzun­gen und kon­struk­tive Kri­tik bin ich immer offen; wer ken­nt weit­ere Alter­na­tiv­en, auf die ich ein­mal einen Blick wer­fen sollte? :)

LyrikSonstigesNetzfundstücke
Von Bloggern, Blogs und Gurus. (Eines wie jedes.)

(Da sich die Blog­ger derzeit in gegen­seit­iger Huldigung üben, dazu weit­er unten mehr, halte ich als Nicht­blog­ger es für fäl­lig, dass jemand auch mal anmerkt, dass die deutschsprachige Blo­gosphäre nicht nur aus bedenken­los Lesenswertem beste­ht. Dieser Jemand will gern ich sein.)

Mitunter ver­bringe ich ein wenig Zeit damit, mir auf­grund irgendwelch­er Twit­ter­beiträge, Ver­linkun­gen in Ver­linkun­gen von Ver­linkun­gen oder auch nur irgend­wie anders aufge­fal­l­ene, bis­lang unbeachtete Weblogs und Nichtwe­blogs heimzusuchen. Die meis­ten ver­lasse ich wegen groben Unfugs, schlecht geschrieben­er Nichtigkeit­en oder bloßer Inhalt­sleere ratz­fatz, hol­ter­dipolter und vor allem fol­gen­los wieder, nur einige wenige schaf­fen es, sich in mein­er Abon­nementliste wiederzufind­en.

Zu erster­er Gruppe gehört unter anderem auch die Inter­net­präsenz der anson­sten eigentlich beachtlichen und unter anderem von Her­rn haekelschwein bere­its gewürdigten Twit­ter­dame eine_wie_keine. Beste­hen ihre Tweets nicht sel­ten aus hüb­schen Scherzchen, die man gern in Lang­form lesen würde, ist ihr Blog im direk­ten Ver­gle­ich so richtig blöd.

Ich nehme mal den ersten Absatz aus einem befriedi­gend aktuellen Beitrag hier­aus als Grund­lage für das fol­gende Gemeck­er und blende aus Grün­den bloßer Sub­jek­tiv­ität den Rest aus:

Gefüh­le ken­nen wir alle, haben wir alle und fühlen sie alle. Denn Gefühl kommt von fühlen.

Gram­matikinkon­sis­tenz im ersten Satz, unvoll­ständi­ge Ety­molo­gie im zweit­en Satz, dem oben­drein der Anschluss fehlt; da hat man doch jet­zt schon eigentlich keine Lust mehr, sich des Textes anzunehmen. Und tat­säch­lich beste­ht er in Gänze aus der­ar­ti­gen Plat­titü­den und Papier­ro­man­tik. Die Gute ist, wie sich unschw­er recher­chieren lässt, derzeit so unge­fähr 17 Jahre alt. Nun bitte ich den geneigten Leser, sich ein­mal vorzustellen, wie ein Blog ein­er schw­er roman­tis­chen Jung­dame unge­fähr aussieht. So — jet­zt habe ich euch einen unnöti­gen Klick erspart. Gern geschehen.

(Bevor das nun wieder falsch aufge­fasst wird: Meinethal­ben darf jed­er ins Inter­net rein­schreiben, was er möchte; ich gehe dieser Tätigkeit ja gle­ich­falls nach. Und man muss ja nun auch nicht alles gut find­en, was andere gut find­en (das viel ver­link­te Nerd­core bspw. halte ich per­sön­lich für wahnsin­nig ein­fall­s­los). Aber im Inter­net geht es auch nicht viel anders zu als in der Welt der Büch­er: Wer zu viel Unsinn schreibt, provoziert die Igno­ran­ten. (Das, immer­hin, verbindet eine_wie_keine und mich.))

Zumal es ja mit dem Insin­ter­ne­trein­schreiben ohne­hin manch­mal nicht ganz leicht ist. Der Nachtwächter hat es tre­f­fend zusam­menge­fasst: Qual­ität ist irrel­e­vant, der Pöbel will bloß unter­hal­ten wer­den; und, wohl die wichtig­ste Regel, legt man es langfristig auf Erfolg an: Sex geht immer. (Der mit Bedeu­tungsebe­nen beina­he über­sät­tigte Titel dieser mein­er Inter­net­präsenz jeden­falls lädt Besuch­er von Such­maschi­nen, deren Betreiber Dek­li­na­tion und Kon­ju­ga­tion für uner­lässlich hal­ten, zu, wie ich an den Such­be­grif­f­en erken­nen kann, völ­lig falschen Prämis­sen ein; die meis­ten von ihnen bleiben zum Glück nicht lange.) Die Aufmerk­samkeit eines Lesers wird nicht durch wohldosierten Humor oder Elo­quenz gefördert, son­dern durch möglichst pen­e­trante Ver­linkung möglichst viel­er möglichst qui­etschbunter so genan­nter Blogs so genan­nter A‑Blogger untere­inan­der. “Auf Nerd­core ste­ht …!”

Ja, der­lei Blog­ger machen es “richtig”: Sie betreiben eine Plat­tform, auf der sie unregelmäßig Net­z­fund­stücke kom­men­tieren, num­meriertes Erbroch­enes als “Man­i­fest” veröf­fentlichen und sich anson­sten lüstern in der Vielzahl ihrer Fol­low­er wälzen. Sie ver­di­enen ihr Geld nicht mit Schreiben, son­dern mit belan­glosem Unfug wie etwa Wer­bung für scheußliche Telekom­mu­nika­tion­sun­ternehmen, oder wan­deln ihre Schreib­plat­tform direkt in eine KG um und grün­den gemein­sam mit ersteren Blog­gern Unternehmen, deren Geschäftsmod­ell es ist, das Inter­net der anderen Leute eben mit Wer­bung vol­lzuk­leis­tern. Nicht etwa als blöde Nervdep­pen, son­dern als “Social Media Gurus” beschimpft man der­lei Leute dann und lädt sie auf Kon­feren­zen ein, auf denen die anderen Ein­ge­lade­nen im Kreis sitzen und an den Lip­pen des Gurus hän­gen, der dann ein wenig über das “Inter­net der Zukun­ft” redet und dafür viel Geld, Applaus, Blu­men und ver­mut­lich Sex erhält. “Guru” bedeutet etwa “geistiger Führer”; und nicht nur deswe­gen kann ich mich des Ein­druck­es beim besten Willen nicht erwehren, dass dieser Posten wie zum Spott stets von denen belegt wird, deren gesam­melte geistige Ergüsse selb­st nicht ein­mal zum Blu­mengießen genü­gen wür­den.

Und sie glauben allen Ern­stes, dass das nie­mand merkt. ‘Von Blog­gern, Blogs und Gurus. (Eines wie jedes.)’ weit­er­lesen »