PersönlichesPiratenpartei
#pptnds10 II (außerdem: Düsteres Halle)

Der lei­der etablierte Sender RTL berichtet über den zweit­en Tag des PPTNDS10; Grund genug, noch ein paar Zeilen darob niederzuschreiben:

Es war noch recht ertra­gre­ich, alle Anträge wur­den bis Son­ntag kurz nach 16 Uhr umfassend behan­delt. Die in der Nacht zwis­chen Sonnabend und Son­ntag angeregte Verkürzung der Redezeit bzw., genauer gesagt, die Beschränkung der Red­nerliste pro Antrag, um die tra­di­tionell ausufer­n­den Diskus­sio­nen in einem gewis­sen Rah­men zu hal­ten, mag ihren Teil dazu beige­tra­gen haben, dass es beina­he gesit­tet zug­ing, auch, dass die für 15 Uhr ange­set­zte Pressekon­ferenz wegen aus Grün­den nicht anwe­sender Presse ent­fiel. Aber was wäre die Piraten­partei ohne die ihr eigene Nonkon­for­mität? Sie wäre über­flüs­sig, meine ich.

Auf­se­hen erregte die bere­its am späten Sonnabend beschlossene Forderung nach ein­er Reform der Dro­gen­poli­tik, die auf, hihi, bre­ite Zus­tim­mung stieß. Die Piraten­partei Nieder­sach­sen ist nun­mehr im Besitz nicht nur ein­er derzeit einzi­gar­ti­gen basis­demokratis­chen Struk­tur, son­dern auch eines umfassenden Pro­gramms. An dieser Stelle auch nochmals ein Dank neb­st Applaus (stellt ihn euch ggf. vor) und Cha­peau an die Organ­isatoren und alle Anwe­senden! (Ich hoffe, mit mein­er teils minu­tiösen Berichter­stat­tung via Twit­ter nicht allzu viele Abon­nen­ten ver­schreckt zu haben.)

Heute indes trieb ich mich arbeits­be­d­ingt in Halle, der selt­samen Stadt in einem Teil Deutsch­lands, über den man den Man­tel des Schweigens sel­ten schnell genug zu bre­it­en ver­mag, herum. War mir in mein­er Kind­heit nicht bekan­nt, warum man jenen Teil auch “Dunkeldeutsch­land” nan­nte, so wurde es uns, die wir uns viel­sagend ansa­hen, heute klar; Touris­ten in dieser Stadt erken­nt man am Lächeln. Sich­er trägt eine Stadt, deren Fas­saden in einem hüb­schen ein­heitlichen Grau gefärbt sind, nicht zu einem heit­eren Lebensstil ihrer Bewohn­er bei, aber auf­fäl­lig war’s dann doch.

(Auch nicht gän­zlich unamüsantes Detail: Die Bedi­enung in der Wirtschaft, in die wir einkehrten, war nicht überzeugt davon, dass wir das oblig­a­torische “Ja” auf die Frage, ob es gemu­ndet habe, ehrlich mein­ten. Vielle­icht hät­ten wir nicht lächeln sollen; das macht in Halle offen­bar keinen guten Ein­druck.)

So blieb das Erfreulich­ste an der Reise dann auch, dass ich das Lied “Kids” von MGMT mal wieder im Radio hören kon­nte. Eigentlich ein hüb­sches Stück Musik (apro­pos hüb­sch). Con­trol your­self, take only what you need from it. Wenn das nur immer so ein­fach wäre!

FotografiePiratenpartei
#pptnds10

An diesem Woch­enende übri­gens find­et in Wolfen­büt­tel der PPTNDS10, der diesjährige Pro­gramm­parteitag der Piraten­partei, statt; und wer immer noch nicht glaubt, dass das mit der Basis­demokratie nicht zwangsläu­fig zu heil­losem Chaos führen wird, der hat während der gesamten Dauer die Möglichkeit, über den Video-Livestream einen Blick auf das heil­lose Chaos Geschehen zu wer­fen. (Außer­dem gibt es dort pri­ma Kaf­fee.)

Ich bin eben­falls anwe­send. Wer mich also auch mal dabei erleben möchte, wie ich von den tra­di­tionell zahlre­ichen Geschäft­sor­d­nungsanträ­gen Kopfweh bekomme, der möge während der Ver­anstal­tung ein­mal hinein­schauen.

Impres­sio­nen vom ersten Tag:

(Was einen Piraten­parteitag übri­gens von ein­er Vere­inssitzung eines eigentlich beliebi­gen Sportvere­ins unter­schei­det, ist das Ergeb­nis.)

Bei Inter­esse fol­gt mor­gen ein etwas län­ger­er Text — ich nehme an, es wird sich noch einiges ergeben.
Das Wiki zum Piraten­parteitag ist bis dahin hier zu find­en; Ergeb­nisse inklu­sive.

Klar zum Ändern!

Nerdkrams
Twitter entdeckt das Web 1.0

Apro­pos über­fäl­lige Erfind­un­gen dann auch: Der Microblog-Dienst Twit­ter, seines Zeichens wohl einzige “soziale Plat­tform” ohne jegliche auf­dringliche soziale Inter­ak­tion, sieht man ein­mal von dem pen­e­tran­ten “Retweet­en”, also Nach­plap­pern, und dem “Fol­lowen”, also dem jedes Ges­tam­mel eines einzel­nen anderen Benutzers unge­fragt Ver­fol­gen, also eigentlich dem Stalken, ab, hat wieder ein­mal in seinen dun­klen Denkkam­mern eine total tolle Idee ersin­nen lassen, die, wie schon die Vorschlags­funk­tion, bes­timmt viele Fre­unde gewin­nen wird:

Als Alter­na­tive zu nur der bish­eri­gen “Time­line” näm­lich, der händisch oder hal­bau­toma­tisch zu aktu­al­isieren­den Über­sicht über das aktuelle Geplap­per der unge­fragt Gestalk­ten, gibt es nun auch “User Streams”, Benutzer­flüsse, und während die “Time­line”, indeed, fast nichts mit einem Zeit­strahl gemein hat, ist das mit dem Benutzer­fluss schon anschaulich­er.

Statt die Twit­ter­dat­en, wie derzeit noch üblich, etwa mit einem Twit­ter­client stück­weise in regelmäßi­gen Inter­vallen abzu­holen, kann ein Twit­ter­nutzer kün­ftig sofort sehen, wenn ein von ihm Gestalk­ter etwas durch die Leitun­gen schiebt, ein kon­tinuier­lich­er Fluss von Nachricht­en eben. (“Echtzeit”, allein das Wort schon!)

Presse und Rund­funk sind begeis­tert:

  • techcrunch.com: “I’m not sure I can use any oth­er Twit­ter app again with­out this real­time data stream.”
  • netzwertig.com: “Schnallt euch an für einen Echtzeit­stream, der seinen Namen wirk­lich ver­di­ent.”
  • blog.tweetdeck.com: “Tri­alling Twit­ter At The Speed Of ‘Wow!’ ”
  • bwana.org: “Seems cool right?”

Aber, Moment ein­mal: Ein fort­laufend­er Schwall in der Länge stark begren­zter Nachricht­en beliebig viel­er Teil­nehmer mit Antwort- und Zitat­funk­tion; so etwas habe ich, wenn ich mich recht entsinne, bere­its im Jahr 2001 genutzt. Es war in Java imple­men­tiert, beherrschte grafis­che Emoti­cons eben­so wie far­bliche Nuan­cen im eige­nen Geschriebe­nen und trug einen ein­prägsamen, kurzen, noch heute ver­bre­it­eten Namen:

Chat.

Inklu­sive “Flüster”- und PLONK-Funk­tio­nen, ver­ste­ht sich.

Com­ments, clich­es, com­men­tary, con­tro­ver­sy,
Chat­ter, chit-chat, chit-chat, chit-chat,
Con­ver­sa­tion, con­tra­dic­tion, crit­i­cism
It’s only talk, cheap talk

— King Crim­son: Ele­phant Talk

PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Kurz verlinkt XXIV: The Oatmeal

Zur Erheiterung ver­weise ich euch, liebe Leser, während meine Kreativ­ität derzeit ein hof­fentlich nur noch kurzes Nick­erchen macht, heute mal auf eine mein­er Lieblings-Bild­witz­seit­en:

Das, wie ich meine, zum Brüllen komis­che, wenn auch englis­chsprachige Archiv The Oat­meal hält neben sprach­lichen Finessen (beispiel­sweise Apos­trophregeln) viel­er­lei Amuse­ment parat, unter anderem die ver­mut­lich blödesten Witze der Welt (mit Tusch!) und eine Verdeut­lichung, wie sehr sich ver­meintlich kleine Unter­schiede auswirken.

Ein Auszug zum The­ma “Großbuch­staben im Inter­net”:

Hihi!

(Apro­pos “hihi”, noch ein­er für zwis­chen­durch: petite girl takes on two mon­ster cocks at once. Danke an S.!)


Übri­gens: Thi­lo Sar­razin habe wieder etwas gesagt, poltert es durch Fernse­hen und Inter­net. Thi­lo Sar­razin könne es, das Sagen also, nicht lassen, poltert es durch Fernse­hen und Inter­net. Thi­lo Sar­razin sei ein Het­zer, ein Ras­sist oder jeden­falls ein Sym­pa­thisant, poltert es durch Fernse­hen und Inter­net.

Nun, wed­er habe ich mir detail­liert notiert, was genau er von sich gab, noch wage ich es, Ver­mu­tun­gen darüber anzustellen, warum er es äußerte; aber eins frage ich mich dann doch:

Habt ihr alle nichts besseres zu tun?

NetzfundstückeNerdkrams
Medienkritik XXXV: Kostenlose Gratisgeschenke für alle!

Mitunter tre­ffe ich auf meinen Reisen durch das WWW und das IRC auf Hin­weise auf das Com­put­er­magazin “PC-WELT”, zu dessen Lesern, ich gebe es zu, auch ich ein­mal gehörte.

Nun ist es recht zeitaufwändig und Ner­ven raubend, jedes Mal wieder eine höfliche Antwort auf die Frage, weshalb ich von dem fort­ge­set­zten Genuss dieses Print­pro­duk­ts absah, zu for­mulieren, darum bitte ich diesen Beitrag als Ref­erenz zur späteren Erwäh­nung zu betra­cht­en.

Meine Abkehr vom PC-WELT-Leser­tum hat­te drei Ursachen.

Zunächst ein­mal war ich irgend­wann zu erfahren, um noch zu deren Klien­tel zu gehören. Sich­er gab es ab und zu ein­mal wirk­lich gute Tipps, aber sie neigten dazu, sich ermü­dend zu wieder­holen. Meine aktuell­ste PC-WELT-Aus­gabe ist dem­nach nun auch bald zehn Jahre alt.

Wieder­hol­un­gen sind eine gute Über­leitung zur zweit­en Ursache: Die meis­ten aktuellen Com­put­er­magazine erstre­it­en die Gun­st neuer Leser­schaft, indem sie zumin­d­est im Ansatz ver­suchen, bere­its auf den Titel­seit­en darauf hinzuweisen, dass sich die beteiligten Schreiber­linge beim Recher­chieren neuer The­men auch ein wenig angestrengt und etwa neue Entwick­lun­gen ent­deckt haben. Nicht so die PC-WELT, die im Zeitschriften­re­gal auf ihrem total aufwändig gestal­teten weißen Titel­blatt ständig mark­tschreierisch die “geheim­sten Hacker­be­fehle” (“Hack­er-Befehle”) anpreist, “jet­zt noch geheimer, ille­galer und ver­boten­er”, weil legal zwar sach­lich richtiger wäre, sich aber auch weniger toll verkaufen ließe.

Und drit­tens hat die Redak­tion der PC-WELT in ihre Artikel selb­st außer Mark­tschreierei auch nicht viel Gehirn­schmalz gesteckt. Soeben fand ich, mehr zufäl­lig, auf ihrer Inter­net­seite einen so genan­nten Pro­duk­ttest, der einen Grafik­be­tra­chter für Win­dows zum The­ma hat­te. Ich mag Tests von Anwen­dun­gen, die ich noch nicht auswendig beherrsche, zwar dur­chaus, aber in diesem Fall blieb mein Blick weniger auf dem Test selb­st als vielmehr auf sein­er For­mulierung haften; ich erlaube mir, um keine Zitate aus dem Zusam­men­hang zu reißen, den Test in Orig­i­nalschreib­weise und ‑zeichenset­zung anzufü­gen:

Die Free­ware Fast­Stone Image View­er ist ein Bild­be­tra­chter, mit dem Sie ihre Bilder auch bear­beit­en kön­nen.

Der Gratis Fast­Stone Image View­er kann mit den gängig­sten For­mat­en wie BMP, JPEG, JPEG 2000, GIF, PNG, PCX, TIFF, WMF, ICO, TGA und auch mit RAW For­mat­en (CRW, CR2, NEF, PEF, RAF, MRW, ORF, SRF und DNG) umge­hen.
Das kosten­lose Bild­bear­beitung­spro­gramm Fast­Stone Image View­er ist kann ohne Ein­schränkun­gen im Funk­tion­sum­fang run­terge­laden wer­den kann. Wir stellen Ihnen dieses Pro­gramm und einige andere Bild­be­tra­chter hier aus­führlich vor. In der aktuellen Ver­sion des Fast­Stone Image View­ers wurde u.a. die Ober­fläche in 15 neue Sprachen über­set­zt. Weit­ere Neuerun­gen find­en Sie hier. Um einen Test des kosten­losen Fast­Stone Image View­ers zu lesen, klick­en Sie ein­fach hier.

Wer es schafft, beim ersten Lesen — den Ver­weis auf die Klick­strecke unter dem Test zäh­le ich nicht mit — alle Hin­weise auf den Preis des kosten­losen Free­ware-Pro­gramms (gratis) zu find­en, bekommt ein Fleiß­bi­enchen.
Dem IDG-Ver­lag stünde, glaube ich, ein Lek­tor gut zu Gesicht.

PersönlichesNetzfundstückeFotografie
Impressionen: Romantische Betrachtung eines Nachmittags im Spätsommer (Versuch 4)

Man schlen­dert eines Nach­mit­tags durch die rege belebte Einkauf­sstraße der Stadt. Lem­min­gen gle­ich wuseln Men­schen um einen herum. Die Sonne kann sich nicht recht entschei­den, ob sie ihrer Kraft Aus­druck ver­lei­hen möchte. Die Män­tel und die Eltern sind zu dick, die Shirts und die Mäd­chen sind zu dünn.

Ungewiss wie das Wet­ter ist auch die Szene. Men­schen kom­men aus dem Nichts und gehen ins Nir­gend­wo. Gle­ich­sam als Kon­tra­punkt summt der kleine Mann im Ohr Edie Brick­ells “Good Times”. Spär­lich beleuchtete Häuser­fas­saden scheinen wie im Traum im Takt dazu zu wip­pen. Über­wältigt von den Ein­drück­en muss man sich erst ein­mal set­zen und ver­gisst, was man eigentlich mit der freien Zeit anfan­gen wollte; stattdessen stiert man wort­los auf das Schaus­piel der Emo­tio­nen und ver­säumt es tat­säch­lich, mitzuschreiben.

You don’t even have to try, here comes easy for you.

Draußen wer­den die Jack­en wieder länger, drin­nen indes bre­it­et sich eine selt­same Wärme aus.
Das Leben kann so schön sein, wenn man nicht darüber nach­denkt.

(Fast vom Stuhl gekippt wäre ich übri­gens auch, als ich diese Schlagzeile las: “Hor­ror-Schock”, na, aber min­destens; drunter machen sie’s nicht mehr. Neben­bei bemerkt und weil ich noch ein wenig Platz in der Klam­mer habe: Willkom­men auf dem neuen Serv­er, liebe Leser!)

Internes
In eigener Sache: Seitenausfälle (Analyse und Ausblick)

Hochverehrtes Pub­likum,

in den let­zten Tagen war diese Inter­net­präsenz erst­mals seit über einem Jahr zunächst nur ein wenig träge, schließlich aber auch mehrfach nicht erre­ich­bar, bevorzugt nachts entschloss sie sich dazu, ihre Mitar­beit kurzzeit­ig zu ver­weigern, was vor allem unan­genehm deshalb ist, weil der Beitrag über Eliza Orvind, in Foren und Blogs vielfach ver­linkt und bis­lang etwa vier­hun­dert­mal gele­sen, ihr erst­mals eine nicht geringe Bekan­ntheit einge­bracht hat.

Statt der gewohn­ten gram­matikalis­chen Finessen und aus­ge­feil­ten Spitzen erwartete den geneigten Leser jedoch mitunter nur ein Lade­balken und dann eine leere (“weiße”) Seite, wie mir, der ich natür­lich nicht ständig selb­st alles auf kor­rek­tes Funk­tion­ieren prüfe, mehrmals zuge­tra­gen wurde.

Unfreudig schrieb ich zunächst eine E‑Mail an den (übri­gens über­aus fre­undlichen und kom­pe­ten­ten) Kun­den­di­enst des für diese Seite zuständi­gen Server­be­treibers, der mir unter anderem den Tipp gab, mit­tels fol­gen­den Ein­trags in der Datei .htac­cess eine Fehler­analyse vorzunehmen (den Dateip­fad habe ich wohlweis­lich aus dem Code ent­fer­nt):

php_flag log_errors on
php_value error_log "/www/htdocs/.../errorlog.txt"

Die erzeugte Datei sammelte in den nächsten Tagen einige Informationen, anhand derer ich unter anderem vorläufig das offenbar inkorrekt arbeitende Plugin deaktivierte, das hier bislang für die Anzeige ähnlicher Beiträge zuständig war. Vorhin nun tauchte in der Datei errorlog.txt schließlich die eigentliche Ursache für die Ausfälle auf:

[22-Aug-2010 00:17:40] WordPress-Datenbank-Fehler MySQL server has gone away für Abfrage (...)
Nun ist "... has gone away" natürlich eine Meldung, die mich zum Lächeln zu bringen vermochte; im IRC witzelte ich, der Datenbankserver sei vermutlich kurz einkaufen gegangen, kontaktierte aber auch erneut den Serverbetreiber. Nach einem kurzen Dialog kann ich euch, liebe Leser, nun die erhoffte Lösung präsentieren: In der kommenden Nacht ab 2 Uhr wird diese Internetpräsenz auf einen anderen Server innerhalb des Rechenzentrums umgezogen (in dieser Zeit, vermutlich wird es wenige Stunden dauern, wird die Seite erneut nicht erreichbar sein), um dem bisherigen Server ein wenig Entlastung zu verschaffen. Sollte dies keinen dauerhaften Erfolg haben, so werde ich auf lange Sicht wohl ein wenig Geld für die Miete eines eigenen Servers - bislang verließ ich mich auf Shared-Hosting-Lösungen - beiseite legen müssen. Es ist furchtbar. Ich bedanke mich bei meinen aufmerksamen Lesern für die Hinweise. :)

Sonstiges
Drei Jahre sind eine Ewigkeit. In Hannover.

Drei Jahre ist es jet­zt etwa her, dass das bis dahin sich reger Beliebtheit erfreuende, weil nicht auf Nachricht­en rund um Han­nover beschränk­te Forum der Han­nover­schen All­ge­meinen Zeitung, das HAZ-Forum (hier eine archivierte Fas­sung kurz vor der Abschal­tung), geschlossen und durch eine Funk­tion erset­zt wurde, die Nachricht­en auf der Inter­net­seite der Zeitung bloß zu kom­men­tieren.

Was hat­ten wir für einen Spaß in “unserem” Forum; selb­st ich als Nicht-Han­nover­an­er beteiligte mich begeis­tert an dem einem Fam­i­lien­leben nicht unähn­lichen Zusam­men­spiel von humor­voller Mod­er­a­tion, ern­sten Gesprächen über Leben und Poli­tik und vor allem vie­len zu Späßen aufgelegten Schreibern.

Vielle­icht war es aber zu viel ver­langt, dem Schwall an oft ausufer­n­den, aber nächte­lang belusti­gen­den Off-Top­ic-Diskus­sio­nen und Mehrfachan­mel­dun­gen eigentlich auf Leben­szeit ges­per­rter Mit­disku­tan­ten Ein­halt zu gebi­eten. Vielle­icht hat die Ver­lags­gruppe Mad­sack, eine deutsche Gesellschaft zu ihrem Glück, sich gedacht, HAZ.de wäre eine ernst zu nehmende Alter­na­tive zu SPIEGEL.de, wenn man den Benutzern eben­so wie dort jede Möglichkeit, unmod­eriert auch über abseit­ige The­men zu disku­tieren, nimmt. Vielle­icht woll­ten sie sich auch ein­fach nur das Gehalt für die Mod­er­a­toren (damals homo­faber und Tai) sparen; jeden­falls erschien eines Tages eine Ankündi­gung, das Forum werde in Bälde geschlossen und durch einen Kom­men­tar­bere­ich erset­zt. Zucker­brot ist aus, Peitschen haben wir aber noch.

Nun, die Benutzer fan­den es weniger lustig und zogen sich pikiert zurück; ver­ständlich, denn wenn man der Sug­ges­tion gewahr wird, dass kein Inter­esse an der über mehrere Jahre gepflegten Diskus­sion­skul­tur beste­ht, dann hat man selb­st eben­falls kein großes Inter­esse mehr daran, ihr in allzu eingeschränk­ter Form weit­er­hin zu frö­nen.

Nach fast drei Jahren darf das Exper­i­ment nun also get­rost als gescheit­ert ange­se­hen wer­den, da es eben der Diskus­sion­skul­tur (es fehlte gemäß Twit­ter “etwas Diszi­plin”) nicht auf die Sprünge half, den Off-Top­ic-Bere­ich zu stre­ichen. Die entsprechen­den Diskus­sio­nen wur­den stattdessen eben im Artikel­bere­ich geführt.

Insofern ist es trotz aller Unken­rufe als Fortschritt zu sehen, dass die Mad­sack-Gruppe inzwis­chen vergessen (oder ver­drängt?) hat, dass sie sich vor eini­gen Jahren durch die Schließung und Ver­nich­tung des Forums qua­si selb­st ins Bein geschossen hat­te, und mit großem Tam­tam ein neues Forum ins Leben rief, das zwar in Bezug auf die Aufteilung und das design noch in den Kinder­schuhen steckt, in dem sich aber schon einige der alten Reck­en wieder angemeldet haben, um es mit neuem Leben zu befüllen.

It’s a place where the past and the good things will last.
— Julie Andrews: The Val­ley That Time For­got

Nun denn:
Auf ein Neues!

In den Nachrichten
Mopsfidele Diebestour

Fol­gende dpa-Mel­dung (der­weil auf diversen Nachricht­en­seit­en zu find­en) wurde mir heute zuge­spielt:

Mit ent­blößtem Busen hat eine 14-Jährige in Paris ihr Opfer wehr­los gemacht und ihm 300 Euro gestohlen. Das Mäd­chen habe gemein­sam mit ein­er Fre­undin und einem zwölf Jahre alten Jun­gen mehrfach auf diese Weise Kun­den an Gel­dau­to­mat­en über­rumpelt, berichtete die Zeitung “Le Parisien”. Einem der Opfer soll sie auch zwis­chen die Beine gefasst haben, um ihn abzu­lenken. Die bei­den Mäd­chen wur­den einem Jugen­drichter vorge­führt, dann aber freige­lassen. Der Zwölfjährige kam in ein Heim.

Dass viele Mäd­chen bere­its mit 14 ein selb­st mir als eher pro­gres­siv-lib­eralem Unkon­ser­v­a­tiv­en egozen­trisch und ver­quer anmu­ten­des Ver­hält­nis zur eige­nen Sex­u­al­ität entwick­elt haben und freudig pfle­gen, ist alt­bekan­nt und an sich nicht zu verurteilen; eigentlich sind hier indes mehrere andere Aspek­te beson­ders bemerkenswert.

Erstens:
Anhand der Eigen­schaft, einen Gel­dau­to­mat­en bedi­ent zu haben, als erwach­sen bekan­nte Män­ner wur­den “mit ent­blößtem Busen … wehr­los gemacht”, und zwar nicht etwa nur ein­er (Mann, nicht Busen), son­dern gle­ich mehrere (immer­hin offen­bar nacheinan­der); wie genau hat man sich das vorzustellen, also das mit der Wehrlosigkeit, nicht den Busen? Ich meine, jeman­den, der sich allein durch den Anblick von Kinder­busen der­maßen aus der Fas­sung brin­gen lässt, dass man ihm unge­hin­dert sein sauer ergaunertes Geld abnehmen kann, habe jeden­falls ich noch nicht per­sön­lich ken­nen­gel­ernt, und aus der jün­geren Lit­er­aturgeschichte ist zumin­d­est mir da auch nur Pro­fes­sor Hum­bert Hum­bert bekan­nt (der, neben­bei wer­tungs­frei ange­merkt, übri­gens auch Fran­zose war).

Zweit­ens:
Zwei Mäd­chen, eines von ihnen unklaren Alters, bestehlen rou­tinemäßig lüsterne Geld­ab­he­ber, indem sie sie sex­uell belästi­gen, und kom­men ungeschoren davon. Ein Junge, der ihnen auf irgen­deine Weise assistiert hat, wobei ich bezweifeln möchte, dass seine Hand­lun­gen auch nur annäh­ernd ein der­art tiefes Niveau erre­icht haben, wird ver­gle­ich­sweise hart bestraft. Da all dies in Frankre­ich stattge­fun­den hat, geht die Sub­til­ität des fol­gen­den Satzes lei­der zu einem großen Teil flöten, aber ich möchte ihn den­noch (oder ger­ade deswe­gen) nicht ungeschrieben lassen: Der Jugen­drichter ist bes­timmt Fran­zose!

(Zweipunk­teins: Andere Län­der, andere Sit­ten! Geschähe ein Vor­fall dieser Art in Deutsch­land, kämen die Täter zwar eben­falls nahezu straf­frei davon, die Beraubten indes müssten sich den Vor­wurf der Pädophilie gefall­en lassen, son­st hät­ten sie ja Anzeige erstat­tet und/oder weggeguckt. Und wer trüge wieder die Schuld? Das Inter­net!)

Elle les fascine, les hyp­no­tise, ses yeux sont mag­iques,
ils hal­lu­ci­nent, puis ils dépri­ment; quels fan­tasmes trag­iques!

— Stereo Total: Loli­ta Fan­tôme

In den NachrichtenPolitik
Diskutantenaufstand

Da freue ich mich doch ger­ade wie ein Erd­fer­kel, dass ich vorhin keinen Kaf­fee trank, denn ich hätte ihn ver­mut­lich vor Schreck ver­schüt­tet. Denn was wurde da von ein­er nicht näher benan­nten Sendeanstalt in die Emp­fangs­geräte geschallt?

Die vor etwa einem Jahr auf sämtlichen Kanälen the­ma­tisierte Bom­bardierung zweier Tan­klaster in Afghanistan, der ziem­lich viele Tote fol­gten, habe “in Deutsch­land Diskus­sio­nen … aus­gelöst”, mit der Beto­nung auf “Diskus­sio­nen”, als seien Diskus­sio­nen hierzu­lande präg­nan­ter als jede nur denkbare Rev­o­lu­tion; “Gefahr, Herr König, sie disku­tieren bere­its!”

In der Hoff­nung, dass dies eine pein­liche For­mulierungspanne sein sollte, vergewis­serte ich mich im Inter­net, dass dies nicht so ist. Allen­thal­ben war in den Tagen und Wochen nach dem Bom­barde­ment von “Diskus­sio­nen” die Rede, die jet­zt total plöt­zlich ent­standen waren und nicht etwa schon seit dem Marschbe­fehl existiert hat­ten, unter anderem in diesem Artikel (sehr lobenswerte Über­schrift auch, Herr Blum!).

Nein, keines­falls hat die zweck­freie, völk­er­rechtlich ver­mut­lich auch nicht unbe­d­ingt als total pri­ma einzustufende Tötung von Zivilis­ten irgendwelche “Diskus­sio­nen” um Sinn und Unsinn des Kampfein­satzes “aus­gelöst”. Man hat­te sich zu diesem Zeit­punkt bere­its seit Jahren darauf geeinigt, dass eine deutsche Armee da unten nichts ver­loren hat. Allein: Hätte das deutsche Volk nicht längst das Wis­sen um und die Bere­itschaft zu die und der Durch­führung eines anständi­gen Auf­s­tandes, wie er in Frankre­ich noch immer als hohes Kul­turgut gepflegt wird, ver­loren, so gälte die Diskus­sion nicht als aggres­sivstes Protestmedi­um. Was die Men­schen, bei denen man “Diskus­sio­nen aus­gelöst” hat, woll­ten, war der Rück­tritt dieses bek­loppten Kriegstreiber­haufens. Da gab es gar nichts zu disku­tieren.

Andern­falls hat der 2. Weltkrieg eben­falls “Diskus­sio­nen aus­gelöst”, aber lustiger­weise wird das in den Geschichts­büch­ern nie erwäh­nt.

(Da wir ger­ade bei Poli­tik waren, noch zwei Kurze: Das Innen­min­is­teri­um von Rhein­land-Pfalz hat nicht nur beschlossen, den Bun­de­stro­jan­er einzuführen (via Fefe), son­dern kann auch ganz offen­sichtlich “dass” und “das” nicht auseinan­der­hal­ten. Wie lautet eigentlich noch mal der Fach­be­griff für die Herrschaft der Blö­den?)

NetzfundstückeNerdkrams
“It’s magic.”

Ach, was hat Apple denn da wieder für pri­ma Spielzeug im Ange­bot?

Ein “Mag­ic Track­pad”, eine magis­che Spu­rau­flage also, als furcht­bar inno­v­a­tiv­en Mauser­satz.

Wahrlich ein aufre­gen­der Name, der vor Geheimnisvol­lität nur so leuchtet!
Und was kann man damit so alles machen?

Kauft man sich ein Mag­ic Track­pad, kann man die eige­nen Fin­ger benutzen, um durch Seit­en zu scrollen und zu klick­en.
Boah, ey.

Als hätte man eine richtige Maus!
Danke, Apple! Darauf hat die Welt gewartet.

Spaß mit Spam
Ich will dich besser kennen zu lernen, ich bin von OAE.

Unter diesem Betr­e­ff traf gegen 18 Uhr eine Spam­mail in einem mein­er Post­fäch­er ein, und er machte mich lachen; spon­tan musste ich an “ich komme in Frieden” und “keine Sorge, ich bin Arzt” denken. Was genau ein OAE ist, wusste ich allerd­ings nicht, also beschloss ich, mich wieder ein­mal inhaltlich mit der Mail auseinan­derzuset­zen. Dies fol­gt:

Hal­lo mein lieber Fre­und.

Guten Tag, Men­sch mit mis­er­abler Zeichenset­zung.

Mein Name ist Eliza Orvind. Ich komme aus Dubai, Vere­inigte Ara­bis­che Emi­rate.

Das sagt ja der Name schon; klingt wahrlich sehr ara­bisch. Wohnen in den VAE (ach so: Oere­inigte Ara­bis­che Emi­rate! Natür­lich!) nicht eigentlich vor­wiegend Mus­lim­in­nen, die, sofern sie über­haupt ins Inter­net dür­fen, sich­er besseres zu tun haben als sich dort Ker­le aus Deutsch­land zu angeln?

Zunachst ein­mal mochte ich sagen, wenn ich Ihre Mail-Adresse hat.

Ja?

Nun bin ich auf meinem Weg zu einem guten Mann fur mich zu find­en, meinen zukun­fti­gen Ehe­mann. Um ehrlich zu sein kann ich nicht find­en Such­man hier in Dubai, weil es fast alle Mus­lime sind und sie haben eine andere Def­i­n­i­tion von Fam­i­lie und Frau.

(Sag ich doch!)

Such­man klingt allerd­ings auch eher nach einem türkischen Vor­na­men, da würde ich auch nicht unbe­d­ingt in Dubai anfan­gen zu suchen. Eher in Berlin-Kreuzberg. “Guten Tag, wo kann ich Such­man find­en?” — “Ey, was will­stu oder was?”

Übri­gens mag ich sub­tilen Ras­sis­mus, dass er mir allerd­ings in ein­er Spam­mail begeg­net, ist dann doch mal ein erfrischen­des Erleb­nis.

Ich habe nichts dage­gen, aber es ist nicht meine Art, wenn sie viele Frauen zu haben.

Muss es ja auch nicht, Mädel; ist deren Prob­lem, das sie sich da aufhalsen, nicht deines!

Also beschloss ich, hier ver­wen­den Sie eine inter­na­tionale Tagung Agen­tur und sie bieten mir dein Pro­fil, das Ich mag sehr viel, und beschlossen, Ihnen zu schreiben. Sie nah­men alle sicht­bar, wie ich aus ver­schiede­nen Inter­net-Sitzung zu ver­ste­hen ange­siedelt, wo sie ihren Man­agern.
Und von einem solchen Seit­en Ihres Pro­fils abgenom­men wurde.

Hä? Ähm, ich meinte natür­lich: Wie bitte?

Der erste Satz ist noch halb­wegs ein­fach zu enträt­seln: Eine inter­na­tionale Tagungsagen­tur (was genau ver­mit­teln die eigentlich — Tagun­gen?) hat mein “Pro­fil” (eine von der Seite geschossene Fotografie oder doch eher eine Art “Steck­brief”?) durch die Gegend gesendet und neben­bei noch meine Mailadresse (nicht ein­mal meine primäre übri­gens) dazugeschrieben. Aber was bedeutet der zweite? Kann mir jemand helfen? Und was sind das für eige­nar­tige Man­ag­er, die anscheinend ihr Geld damit ver­di­enen, anderen Leuten ihr Pro­fil abzunehmen oder so ähn­lich? (Und wo kann man sich für die Stelle bewer­ben? Das klingt nach einem inter­es­san­ten Auf­gaben­feld.)

Ursprunglich bin ich in Schwe­den, als ich 4 Jahre alt war, zog ich hier in Dubai mit meinen Eltern.
Jet­zt arbeit­en sie hier, und ich arbeite auch hier.

Boah. Das nenne ich mal eine aufre­gende Lebens­geschichte. Sind die Film­rechte schon verkauft?

Und jet­zt bitte jeglich­es Getränk weg­stellen, liebe Leser; ich möchte nicht für Bild­schirm­schaden ver­ant­wortlich sein. Der fol­gende Satz ist ein Kracher. Nicht wegen der Worte, son­dern wegen der wohlweis­lich geset­zten Emoti­cons. Achtung, hier kommt er:

Ich bin 28 Jahre alt. Also meine Eltern und ich ver­ste­he, da? ich ein guter Ehe­mann bere­its zu find­en, um gluck­lich zu leben und Fam­i­lie:) new­phes machen:)

“Ich such Mann :) für Stammhal­terzeu­gen :) so mit Sex :) und so.”

(Also jet­zt mal ganz langsam: “new­phes”, ver­mut­lich “nephews”, zu zeu­gen, also “Nef­fen” auf gut Deutsch, soll die Auf­gabe des zu suchen­den Mannes sein. Eigentlich wäre die sin­nvoll­ste Frage hier, wie das gehen solle, aber ander­er­seits bin ich über die Fam­i­lien­ver­hält­nisse in Dubai nicht son­der­lich gut informiert und bin auch auf fast nüchternem Magen nicht erpicht darauf, Details in Erfahrung zu brin­gen.)

Aber wie ich schon sagte, gibt es viele Mus­lime hier und ich kann nicht find­en, guter Mann fur mich.

Nazi!!1!11!elf

Also, wenn ich nicht storen, und Sie sind an mir inter­essiert.
By the way Ich bin sehr nettes Mad­chen, 172 cm, 55 kg Gewicht.

Nein, ich bin füh­le mich nicht gestört, eher belustigt. Allerd­ings habe ich auch kein­er­lei Inter­esse daran, Clowns zu heirat­en.

Ich kann nicht her­aus­find­en, wie ich mein Foto hier anhangen, also werde ich es Ihnen schick­en, wenn du mich wieder zu beant­worten, mit meinem Email-Pro­gramm zu Hause.

Bitte schreiben Sie mir wieder hier, dies ist mein Werk Mail-Adresse …@y.…com , also werde ich es bald wieder zu uber­prufen.

Dieser ras­ante Wech­sel zwis­chen förm­lich und ver­traulich bere­it­et mir Schwindel. (Ach, so ver­bringt man in Dubai also einen Arbeit­stag: Hun­dert­fach Mails an deutsche Män­ner schick­en. Und damit kann man Geld ver­di­enen? Ander­er­seits: So eine Tagungsagen­tur scheint ja auch genug Geld einzunehmen, um beste­hen zu kön­nen.)
Neben­bei bemerkt kommt die Mail ursprünglich von ein­er ital­ienis­chen Mailadresse. Dubai, das flo­ri­erende Weltwirtschaft­szen­trum!

Ich hätte die Mail ja beina­he beant­wortet, aber da Eliza es nicht für nötig hielt, sich anständig zu ver­ab­schieden (nicht ein­mal für “Liebe Grüße” hat es gere­icht! Pah!), bin ich jet­zt eingeschnappt. Doofe Stof­fe­lin.

(Sollte ein­er von euch, liebe Leser, Inter­esse an dieser Dame haben und glaubt, ihren Ansprüchen zu genü­gen, meldet euch ein­fach. Ich lasse euch die Dat­en gegen ein kleines Ent­gelt zukom­men; ich habe gehört, das Geschäftsmod­ell sei in Dubai ger­ade erfol­gre­ich.)

MusikPersönliches
Mein Musikfaschismus

“Ich würde mich als einen Musik­faschis­ten beze­ich­nen.”

Dies ist meine Antwort, wenn in gesel­liger Runde das eigentlich unver­mei­dliche The­ma der musikalis­chen Vor­lieben aufs Tapet kommt. Und obgle­ich nie­mand bis­lang diese Antwort zum Anlass nahm, mir einen gefährlichen Hang zu Größen­wahn, Weltkriegen und Völk­er­mord zu unter­stellen, möchte ich dem doch an dieser Stelle ein wenig Erläuterung zuteil wer­den lassen.

Meine musikalis­che Sozial­isierung fand über viele Umwege statt. Ich wuchs auf in ein­er Welt zwis­chen NDR 1 Radio Nieder­sach­sen, das im Auto meines Opas lief, wenn ich dort mit­fuhr, und das war recht oft der Fall, und NDR 2, das die mor­gendliche Früh­stücks­beschal­lung bildete, lange, bevor es das anfangs lobenswerte Radio 21 und ähn­liche Konkur­renz gab. So gern ich auch als Kind schräg mit­sang (“Palo­so­ma Geier, oh oh oh oh oh”), so wenig würde ich die Akzep­tanz dieser Beschal­lung als “Musikgeschmack” beze­ich­nen. Die Titelmelodie des Sand­män­nchens ist ja eben­falls sel­ten Bestandteil irgen­deines “Musikgeschmacks”.

Im Alter von etwa 13 Jahren ent­deck­te ich, mehr durch Zufall, dass es noch mehr Sender gibt. Das, was man gemein­hin als “Jugend­kul­tur” beze­ich­net, drang in Form von N‑Joy Radio an mein Ohr. Dass die Mod­er­a­toren sich selb­st für unglaublich lustig hiel­ten, erschien mir damals zwar auch schon eher bizarr, aber hat kaum gestört; der Musikan­teil war aus­re­ichend groß, und es wurde nicht stündlich der gle­iche Unrat gespielt. (Im Ver­lauf mein­er späteren Jugend schaffte es nur noch BFBS 1, als Radiosender von mir für hörenswert befun­den zu wer­den.) Von N‑Joy Radio zu dum­men Ideen ver­leit­et kaufte ich mir etwa zu dieser Zeit auch meine ersten bei­den Ton­träger, die Sin­gle “It’s Like That” von Run‑D.M.C. “vs” Jason Nevins — das “vs” ver­ste­he ich bis heute nicht — und eine der “Just The Best”-Kompilationen, gle­ich­sam mein Ein­stieg in die Welt der BRA­VO-Hits-CDs. Hätte man mich zu dieser Zeit nach meinem “Musikgeschmack” befragt, ich hätte ver­mut­lich “Radio” geant­wortet. In dem Alter war ich so schreck­lich leicht zu beein­druck­en. Ich wurde tat­säch­lich eines Tages, einige Jahre später, nach meinen Lieblingsmusik­ern gefragt. Meine Antwort “Otto und Jür­gen von der Lippe”, über deren von der Gitarre begleit­ete Blödeleien ich mich noch scheck­ig lachen kon­nte, wurde mit einem Blick, der mich sichtlich als Spin­ner tit­ulierte, und Kopf­schüt­teln bedacht. Obwohl ich also dur­chaus schon für Musik im weit­eren Sinne zu begeis­tern war, fehlte mir noch immer ein eigentlich­er Musikgeschmack. Ich “mochte” vieles, hat­te auch schon mancher­lei schreck­liche Ton­träger im Regal ste­hen, jedoch war der “Aha”-Moment bis dahin aus­ge­blieben.

Dieser Moment kam mit mein­er ersten Lebens­ab­schnittspart­ner­in, die nicht nur vergebens ver­suchte, mich zu einem halb­wegs nor­malen Men­schen zu machen, son­dern mir auch die Welt der Musik jen­seits stu­pid­er Unter­hal­tungsmusik erschloss. Am Tele­fon spielte sie mir “Venus in Furs” oder “Hero­in” — ich weiß es nicht mehr so genau — von The Vel­vet Under­ground vor, was mich schaud­ern ließ, weil die, wie der ver­sierte Musik­fre­und längst weiß, Weg weisenden Klänge am Tele­fon wahrlich nicht nach Musik klan­gen. Über mein Miss­fall­en war sie recht ent­täuscht. Nun war es die Zeit von KaZaA und Audio­galaxy, und so gewährte ich The Vel­vet Under­ground später eine zweite Chance, die dann auch zum gewün­scht­en Erfolg führte; das Debü­tal­bum der Band war der Ein­stieg in die Welt der wirk­lich guten Musik. Aber war es ein “Musikgeschmack”? Siouxsie and the Ban­shees finde ich nach wie vor öde, Son­ic Youth nur in eini­gen Momenten wirk­lich grandios (etwa auf ihrem Album “Goo”), und auch all die anderen Grup­pen, die The Vel­vet Under­ground als ihre Vor­bilder beze­ich­nen und mitunter immer­hin ähn­lich klin­gen wollen, haben mich bis­lang, anders als diese, nicht in blind­en Kaufrausch ver­set­zen kön­nen.

Von The Vel­vet Under­ground führte der Weg durch das Inter­net mich über die späten Bea­t­les zum Pro­gres­sive Rock; The Vel­vet Under­ground waren ja auch bere­its pro­gres­siv, nur eben anders, da sind die Verbindun­gen trotz des doch recht anderen musikalis­chen Prinzips erstaunlich schnell geknüpft. Erst stieß ich auf die eigentlich unver­mei­dlichen Yes, dann alles, was wie Yes klang (Yez­da Urfa, Star­cas­tle, …), dann Gen­tle Giant und Van der Graaf Gen­er­a­tor, King Crim­son fol­gte schließlich mit einiger Verzögerung. Nur Gen­e­sis fand ich immer schon ein wenig nervig. Ist Pro­gres­sive Rock ein “Musikgeschmack”? Als Sam­mel­be­griff nur schw­er­lich tauglich, zumal mir viele Pro­tag­o­nis­ten des Pro­gres­sive Rock (The Flower Kings, The Mars Vol­ta, …) bis heute schlichtweg auf die Ner­ven gehen. Also blieb mir auch in der Yes-Sam­mel­phase ein eigen­er Musikgeschmack ver­wehrt. Was sich stattdessen entwick­elte, war eine Aver­sion gegen die Helden mein­er Jugend. Die neue Klang­welt, in die ich täglich ein­tauchte und die mich mit­nahm auf eine Reise durch sur­reale Land­schaften (immer­hin habe ich so let­ztlich viel Geld für hal­luzino­gene Dro­gen ges­part), hielt mich der­maßen gefan­gen, dass mich der Gruselpop etwa eines Elton John und eines Meat Loaf tat­säch­lich zu schmerzen begann. Ich hielt gewöhn­liche Massen­musik nicht mehr aus. Irgen­dein Quatschblatt hat ein­mal sin­ngemäß gefragt: Kann Musik eine Droge sein? Nun: Sie kann.

(Da Musik mehr ist als Melodie und Kon­gruenz, soll an dieser Stelle nicht uner­wäh­nt bleiben, dass ich trotz der wun­der­baren Gefühlswelt, die sich mir mit den Klang­wel­ten erschloss, auch weit­er­hin Nebenpfade beschritt, etwa in Gesellschaft von Damen, die nicht immer offen waren für meine skur­rilen musikalis­chen Vor­lieben. Dien­ten diese von Beginn an der Erkun­dung neuer Pfade, so blieb noch Platz für Musik zur Bewäl­ti­gung eher weltlich­er Gefüh­le. Mit dem “Sound­track meines Lebens” — so etwas sollte eigentlich jed­er Men­sch besitzen — untrennbar ver­bun­den sind und bleiben so die Texte der Ärzte, der Toten Hosen und der Fan­tastis­chen Vier. Aber das ist eine andere Geschichte.)

Der näch­ste und bis­lang let­zte Schritt auf dem Weg durch pro­gres­sive Traumwel­ten führte mich zum Postrock von Mog­wai, Ocean­size und Dear John Let­ter, qua­si als Ergänzungs­droge: Sind The Vel­vet Under­grounds und Yes’ Stu­diow­erke für den schnellen Schuss auf dem Sofa geeignet, so muss es bei den Postrock­ern ein Konz­ert oder min­destens eine Liveauf­nahme sein. Es ist weniger ein Trip, mehr eine inten­sive Trance; doch auch diese Dro­gen­meta­pher soll nicht davon ablenken, dass es let­ztlich auch nur Musik bleibt. Ist nun also Postrock endlich ein “Musikgeschmack”, mit dem ich mich iden­ti­fizieren kann? Wiederum muss ich diese Frage verneinen; zu vielschichtig ist der Postrock, zu sel­ten weiß mich eine bis dahin unge­hörte Musik­gruppe aus dem Genre zu begeis­tern.

Die Suche nach einem Musikgeschmack blieb somit bis­lang erfol­g­los, brachte aber einen neuen Wesen­szug mit sich: Der Spaß an einem gemütlichen Beisam­men­sein stellte sich bei mir nicht mehr ein, wenn schreck­liche Musik lief. Vor ein paar Jahren nahm ich an ein­er Abschlussfeier teil. Es war eine her­rliche Ver­anstal­tung, bis ein Teil­nehmer beschloss, es sei eine gute Idee, uns alle mit Rap­musik (keines­falls die oben erwäh­n­ten Fan­tastis­chen Vier, vielmehr stand ein­er der niveaulosen Vertreter zur Diskus­sion) zu erfreuen. Ich hörte mich sagen: “Mach das an und ich bin weg.” Sich­er, ich war zu vorg­erück­ter Stunde bere­its nicht mehr uneingeschränkt nüchtern und somit noch weniger anständig als dies üblicher­weise der Fall ist, aber diese Erin­nerung wirft die Frage nach dem eigentlichen Beweg­grund auf. Inzwis­chen meine ich eine wenig absurde Erk­lärung gefun­den zu haben: Wer ein­mal die Bedeu­tung der Musik erkan­nt hat, der sieht die Lärm­beläs­ti­gung durch die so genan­nte “Jugend­kul­tur” for­t­an mit anderen Augen bzw. hört sie mit anderen Ohren. Eine qua­si­mil­i­tante Ablehnung von Klän­gen, die nicht dem eige­nen Qual­itäts­stan­dard entsprechen: Ich würde dies als Musik­faschis­mus beze­ich­nen.

“Ich übergebe dem Feuer die Klänge von Bushi­do, DJ Motte und Han­nah Mon­tana!”

Meine Geschwis­ter haben inzwis­chen ein Alter erre­icht, in dem auch sie auf der Suche sind nach dem “Aha”-Moment, dem Ohrgas­mus sozusagen. Derzeit irren sie zwis­chen BRA­VO-Titelfig­uren und Deutschrock herum und lassen mich mitunter daran teil­haben. Ich bin zwar darob nur sel­ten unge­hal­ten, stelle aber doch fest, dass eben der Musik­faschis­mus keine zeitweilige Erschei­n­ung blieb. Im Grunde ist er die Kon­se­quenz aus meinen Erleb­nis­sen während mein­er ersten Gehver­suche mit The Vel­vet Under­ground, aus der von dem Gruselpop etwa eines Elton John und eines Meat Loaf erlit­te­nen Pein. So neu war der Wesen­szug also nicht ein­mal; er hat­te sich nur gefes­tigt.

Ich habe noch immer keinen “Musikgeschmack”. Es wäre mitunter angenehm und ver­mut­lich deut­lich preiswert­er, hätte ich einen.
So aber bleiben mir die gesunde Aver­sion gegenüber mancher­lei Tonauf­nah­men und der ständi­ge Durst nach Neuem. Derzeit im Zen­trum meines Inter­ess­es ste­hen Liveauf­nah­men von Bob Dylan aus der Zeit um 1966.

Fort­set­zung fol­gt.

PersönlichesPolitikIn den Nachrichten
Warum nicht gleich eine Bettel-Card?

Ich kön­nte mich jet­zt nach der CDU auch mal wieder über die SPD aus­lassen, aber alles, was es zu diesem lächer­lichen, ehe­mals wenig­stens noch in Ansätzen zur Partei tauglichen Haufen noch zu schreiben gibt, hat Fefe fre­undlicher­weise schon über­nom­men.

Also erwähne ich doch noch mal eben die CDU. (Ich hoffe in eigen­em Inter­esse, dass das in näch­ster Zeit nicht mehr so oft vorkommt.) Ihre Vor­denkerin (nen­nt man das bei der CDU noch so, “Denken”?) U.v.d.L., vom Fam­i­lien- ins Arbeitsmin­is­teri­um straf­ver­set­zt, kann von ihrem ehe­mals bevorzugten Arbeits­bere­ich, den Kindern, ein­fach nicht die Fin­ger lassen:

Kindern aus finanziell nicht allzu gut situ­ierten Fam­i­lien solle kün­ftig eine Bil­dungs-Card (als wäre nicht der Name allein schon blöd genug) zuteil wer­den, fan­tasierte sie pressewirk­sam, mit denen sie, die Kinder, dann kün­ftig Zugang zu Bil­dungs­maß­nah­men haben soll­ten; eine Art Essens­marke für Bil­dung, ein Bil­dungsgutschein qua­si.

Außer­dem solle den Kindern kün­ftig auch die Arbeit­sagen­tur belästi­gend zur Seite ste­hen, um darauf zu acht­en, dass die Kinder gefäl­ligst nach der Grun­daus­bil­dung nicht noch unnötig auf ein teures Studi­um hinar­beit­en, wie etwa auf SPIEGEL Online doku­men­tiert. U.v.d.L. schwadronierte weit­er­hin näm­lich wie fol­gt:

Die Job­cen­ter sollen diese Hil­fen sich­er­stellen. “Dazu wird kün­ftig ein Fam­i­lien­lotse im Job­cen­ter die Auf­gabe übernehmen, das Amt mit allen Sozial‑, Kul­tur- und Betreu­ung­sein­rich­tun­gen vor Ort zu ver­net­zen”, sagte von der Leyen dem Nachricht­en­magazin.

Es ist sich­er nicht verkehrt, dass sich die Regierung zur Abwech­slung auch mal um die sozialen Prob­leme dieses Lan­des schert (auch, wenn mir nicht so recht ein­leucht­en mag, was das Arbeitsmin­is­teri­um mit dem Bil­dungswe­sen zu tun hat); indes werfe ich dann ander­er­seits aber auch die Frage in den Raum: Warum bedarf es für halb­wegs akzept­able Lösungsan­sätze für einige der Prob­leme sozial eher schwach­er Fam­i­lien ein­er ominösen “Card”, auf der Dat­en unklar­er Natur gespe­ichert wer­den? Warum ist es auch der inzwis­chen zweit­en Regierung nach der Schreck­en­sh­errschaft der ehe­mals sozialdemokratis­chen SPD noch nicht möglich, den alten Krem­pel (aber nicht nur, haha, sich selb­st) ein­fach per Dekret zu entsor­gen und eine brauch­bare soziale Struk­tur zu erricht­en? (Und warum heißt das Ding “Card” und nicht “Karte”?)

(Apro­pos Karte, ken­nt ihr den schon? Kommt eine Mut­ter mit ihrer im Erstick­en begrif­f­e­nen Tochter — etwa neun oder zehn Jahre alt — in die Arzt­prax­is, guckt die Emp­fangs­dame die Tochter an, die allmäh­lich begin­nt, im Gesicht eine unan­genehme Farbe anzunehmen, und sagt zur Mut­ter sin­ngemäß dies: “Ja, nun, haben Sie die Krankenkassenkarte dabei? Andern­falls müssen Sie lei­der unver­richteter Dinge wieder gehen.” Das ist so tat­säch­lich passiert. Angesichts solch­er Erleb­nisse freue ich mich immer noch, im Super­markt auch ohne “Deutsch­land-Card”, “Pay­back-Card” (“pay­back” heißt auf Deutsch übri­gens “Rache”, siehe hierzu etwa auch den entsprechen­den Auftritt von Hennes Ben­der) und son­sti­gen Unfug nahezu unbe­hel­ligt zur Kasse vorge­lassen zu wer­den; auch, wenn die blöde Fragerei unnötig Zeit kostet.)

Nun, ich schweife ab. Das ist auch gut so, denn so hat­te ich ein wenig Zeit, tief Luft zu holen. Tat­säch­lich ist mir während des Atemvor­gangs noch eine weit­ere Frage einge­fall­en: Diese “Card” wird mit Geld bestückt, das aus dem Nichts appari­ert oder irgend­wie anders existiert, zumin­d­est ist dem Artikel nicht mehr über die genauen Umstände zu ent­nehmen. Was aber soll passieren, wenn das imag­inäre Geld auf der “aufge­lade­nen” Karte ver­braucht ist? Wer­den die Kinder, die sie anzuwen­den ver­suchen, dann von den entsprechen­den Auto­mat­en als Kinder “besserver­di­enen­der” Eltern erkan­nt oder, ander­sherum, als “zu arm für Armen­förderung”?

Wie auch immer die Antworten auf die Fra­gen laut­en mögen: Die Dreistigkeit, mit der die jew­eils amtierende Regierung raten­weise den Sozial­staat ver­hök­ert, ist alt­bekan­nt, aber dass das Volk das nicht nur ein­fach hin­nimmt, son­dern sich oben­drein mit bloßem Plas­tik als Ersatz für eine tat­säch­liche Verbesserung der Leben­squal­ität abspeisen lässt, ver­schlägt mir dann doch die Sprache. So ungern ich mich auch vul­gär aus­drücke: Ich glaube, dieses Land kann gar nicht so tief in der Scheiße steck­en, dass seine Bürg­er nicht lächel­nd den Kopf­s­tand macht­en.

What in the world has hap­pened to the world?
— King Crim­son: Cage


Und da ich ger­ade so schön in Rage war, habe ich mich daran erin­nert, dass ich einst als Neustu­dent an der Hochschule eines Frauen- und Gle­ich­stel­lungs­büros gewahr wurde, dessen Per­son­al aus fünf Frauen und null Män­nern bestand und noch immer beste­ht, und mir ist einge­fall­en, dass ich es bis­lang ver­säumt habe, die Exis­ten­z­grund­lage dieses Büros dort anzuzweifeln, wo es über­haupt Notiz davon nehmen kann. Dies holte ich nun mit fol­gen­der, hier aus Daten­schutz­grün­den teil­weise zen­siert­er E‑Mail nach:

Schö­nen guten Abend, Frau Unle­ser­lich,

als Stu­dent männlichen Geschlechts — somit als Ange­höriger der schändlichen Män­ner­welt — nahm ich soeben eher zufäl­lig zur Ken­nt­nis, dass meine Rechte als Mann an der Hochschule O. offen­bar auss­chließlich von fünf Frauen vertreten wer­den.

Wie passt das zu Ihrem Anspruch als “Gle­ich­stel­lungs­büro”, bei­den Geschlechtern eine adäquate Behand­lung zukom­men zu lassen? Ich sehe Sie in der Pflicht, zumin­d­est annäh­ernd 50% Ihrer Arbeit auch der Gle­ich­be­hand­lung von Män­nern zukom­men zu lassen, was sich auch in Ihrem Per­son­al äußern sollte; “Gle­ich­stel­lung” bedeutet nicht “sys­tem­a­tis­che Bevorzu­gung des total unter­drück­ten Geschlechts und so”.

Ich hoffe, dass sich in abse­hbar­er Zeit dieses Bild wan­delt. Ich füh­le mich als Mann so keines­falls vertreten!

Sollte sich die Empfän­gerin von dem zu erwartenden Lachan­fall erholt haben und sich zu ein­er Antwort-E-Mail her­ablassen, werde ich dies hier selb­stver­ständlich fröh­lich in die Gegend trompe­ten.

PersönlichesPolitikNetzfundstückePiratenpartei
Kurz verlinkt XXIII: Der moderne Konservativismus

Ein­er der ful­mi­nan­testen Kom­mentare zur bun­desweit­en Ein­führung von Liq­uid Feed­back war aus­gerech­net eine Satire:

Poli­tik sollte man bess­er den echt­en studierten Profis mit langer Parteier­fahrung über­lassen und nicht Hinz und Kunz die ohne Sinn und Ver­stand ein­fach irgend­was abstim­men. Genau deshalb wäh­le ich auch die CDU, denn dort wer­den alle Entschei­dun­gen von ein­er Kom­pe­ten­ten Parteispitze getrof­fen die sich nicht von den Pop­ulis­tis­chen wün­schen der Mehrheits­bevölkerung unter Druck set­zen lässt.

Schließlich müssen Entschei­dun­gen im Inter­esse des Volkes getrof­fen wer­den, das ein­fache Volk mit siener oft­mals schlecht­en Bil­dung weis aber nicht welche Entschei­dun­gen die besten sind. Deshalb sollte man dies ganz ein­fach der Führung der jew­eils regieren­den Partei über­lassen.

Es scheint dies, so bewusst blödel­nd es zunächst auch klin­gen mag, tat­säch­lich mit dem Selb­stver­ständ­nis der CDU als “Partei des mod­er­nen Kon­ser­v­a­tivis­mus’ ” ein­herzuge­hen. Lion Edler schreibt zu diesem The­ma unter anderem:

Nicht bewährt hat sich die Benutzung des Gehirns. Nach dem Schul-Amok­lauf von Win­nen­den fragte die CDU-“Integrationsbeauftragte” der Bun­desregierung besorgt bei den Behör­den in Baden-Würt­tem­berg an, ob der Täter etwa gezielt auf Kinder aus “Migranten”-Familien geschossen habe. Die ehe­ma­lige Berlin­er CDU-Aus­län­der­beauf­tragte Bar­bara John wirft Thi­lo Sar­razin “Ras­sis­mus” vor und beze­ich­net ihn als “ver­balen Triebtäter”. Die Ham­burg­er CDU-Poli­tik­erin Viviane Speth­mann wün­scht sich einen Luxus-Knast mit Com­put­er, Garten und eigen­er Küche für Schw­erver­brech­er. Man denkt bei solchen Äußerun­gen an den Buch-Titel von Man­fred Lütz: “Irre – wir behan­deln die Falschen.”

Dieser Artikel, liebe Leser, ist die wohl beste Abhand­lung über die ver­quere Denkweise der CDU (“Was für ein verkommen­er, arm­seliger, jäm­mer­lich­er Haufen. Abscheu, Ekel, Schaud­er.”), die jeden­falls mir in den let­zten Jahren untergekom­men ist. Ich empfehle, Lion Edler den näch­st­besten Poli­tikpreis auf Leben­szeit ans Revers zu heften, und wün­sche, bis das entsprechende Gremi­um sich hier­für zusam­menge­fun­den hat, eine belustigte Woch­enendlek­türe! ‘Kurz ver­linkt XXIII: Der mod­erne Kon­ser­v­a­tivis­mus’ weit­er­lesen »