PersönlichesSonstigesNetzfundstücke
Vom Schenken und von Superhelden

Ich gehe ja manch­mal gern auf diese so genan­nten “Wei­h­nachtsmärk­te”. Die besinnliche Stim­mung dort lässt mich immer wieder erschaud­ern.

Man sieht gen­ervte Müt­ter mit quen­gel­nden Kindern, deren Väter oder jeden­falls deren Müt­ter ihre Begleit­er sich der­weil mit Hil­fe von Feuerzan­gen­bowle und Glüh­wein mit der eisi­gen Kälte — und ich meine nicht die Außen­tem­per­atur — zu arrang­ieren ver­suchen. Zwis­chen den Müt­tern laufen außer ihrer Leibesfrucht auch Pärchen herum, oft räum­lich voneinan­der getren­nt, um sich gegen­seit­ig mit Nippes über­raschen zu kön­nen, woraufhin der jew­eilige Part­ner rote Back­en Wan­gen bekommt, ein Lächeln auf­set­zt, Freude über das scheußliche Geschenk heuchelt und es, wenn aus­re­ichend Zeit ver­strichen ist, in ein­er Schublade ver­stauben lässt, bis es die verse­hentlichen oder beab­sichtigten Nach­fahren irgend­wann find­en und denken: So ein hässlich­es Ding will der uns vererben? Natür­lich sagen sie das nicht, son­dern treten das Erbe pietätsvoll an, lassen das zum Erb­tag entstaubte Ererbte dann ihrer­seits ver­stauben, und so wird der Nippes von Gen­er­a­tion zu Gen­er­a­tion weit­er­ge­tra­gen und ‑ver­staubt, denn so ein altes Fam­i­lienerb­stück schmeißt man ja nicht ein­fach weg.

Anschaulich wird das Dilem­ma der sich beschenk­enden Fam­i­lien zum Beispiel heute auf belauscht.de:

Er: “Schatz, meinst du nicht, dass die ein biss­chen teuer ist?! Wir brauchen ja auch noch Geschenke für die Kinder…”
Sie: “DU woll­test die Kinder!”

Schenken um des Schenkens Willen ist sel­ten eine weise Idee; ich mein­er­seits verzichte auf Geschenke, die allein aus kalen­darischen Grün­den gemacht wer­den, nur allzu gern. Beliebt ist der skan­di­navis­che Brauch des julk­lapp in deutschen Schulen gewor­den: Die Schüler wer­den unter Andro­hung neg­a­tiv­er Kon­se­quen­zen im Falle der Zuwider­hand­lung dazu überre­det, einem nach dem Losver­fahren augewählten Mitschüler ein Geschenk für einen fest­ge­set­zten Höch­st­be­trag zu machen, dür­fen den Namen aber natür­lich nicht ver­rat­en oder sich gar mit dem Gelosten — wer angesichts dieses Wortes zunächst an den anglo­pho­nen “Ver­lier­er” denkt, erlebt selb­st ein­mal den Ver­fall der deutschen Sprache, Glück­wun­sch hierzu!, also bitte nicht “Gelu­usten” lesen — bezüglich eines möglichen Geschenkes absprechen, und jeman­dem, den man kaum bis gar nicht ken­nt, ein Geschenk machen zu müssen, dessen Preis von Belang ist und über das sich der zu Beschenk­ende natür­lich opti­maler­weise auch noch freuen sollte, ist eine recht undankbare Auf­gabe, und ich frage mich, welchen moralis­chen Mehrw­ert die Delin­quenten von einem solchen Brauch­tum davon­tra­gen, wenn es schon nicht zu ihrer unmit­tel­baren Bil­dung beiträgt. (Daher bin ich stel­lvertre­tend den Betreibern des Sport­fachgeschäftes dankbar, an dessen Fas­sade ich heute ent­langspazierte, das den verzweifel­nden oder bere­its verzweifel­ten zum Schenken Verurteil­ten den ret­ten­den Vorschlag förm­lich ent­ge­gen­schleud­erte, Warengutscheine für eben­jene Fil­iale seien stets ein willkommenes Geschenk. Meine an den Roll­stuhl gebun­de­nen Bekan­nten wer­den sich sich­er sehr freuen!)

Bei kleinen Kindern ist das mit dem Errat­en von Wün­schen noch ziem­lich ein­fach, jeden­falls, wenn es sich um Knaben han­delt, denn die wären gern Super­helden. Ich selb­st war da nicht anders. Aber was genau ist ein “Super­held”?

Ein Held ist jemand wie Her­ak­les, über den man vielfach Geschicht­en und Gedichte schrieb, in denen seine Helden­tat­en, sein Edel­mut und sein Ein­fall­sre­ich­tum gelobt wur­den, die im Nach­hinein nie­mand mehr ver­i­fizieren oder fal­si­fizieren kann, was dem Ruf des Her­ak­les indes keinen Schaden zufügt. In ein­er Zeit der Superla­tive genügt ein Held aber nicht mehr, es muss schon ein Super­held sein.

Wer­fen wir einen Blick nach Enten­hausen. Die Zahl an Super­helden ist in sein­er ital­ienis­chen Vari­ante für mich unüber­schaubar, weshalb ich mich hier auf die in Deutsch­land bekan­nte Prä­gung beschränke. Außer dem auch in Ital­ien pop­ulären Phan­to­mias, Don­ald Duck mit absur­den Strahlern und Fangnet­zen aus dem Hause Düsen­trieb bewaffnet, tritt immer wieder auch Goofy, der durch den Verzehr von eigens gezüchteten “Supernüssen” für jew­eils kurze Zeit zu Super­goof, nicht nur äußer­lich eine der der Sesam­straße entstam­menden Fig­ur Super­gro­bi nicht unähn­liche Fig­ur, wird, als Super­held auf. Bei Super­goof, der mit Rönt­gen­blick, erhöhter kör­per­lich­er Stärke und Flugfähigkeit die Beze­ich­nung “Super­held” ana­log zu Super- und Spi­der-Man, die ja eben­falls über ähn­liche “Superkräfte” ver­fü­gen, wohl tat­säch­lich ver­di­ent hat, ist der Unter­schied zu nicht mutierten Helden klar zu sehen. Was aber macht Phan­to­mias, dessen Eigen­schaft als “Super­held” sich allein auf die Tat­sache stützt, dass er mit eige­nar­ti­gen Geräten aus­ges­tat­tet ist und Bösewichte zur Strecke bringt, zu einem größeren Helden als jeden Polizis­ten auf diesem Plan­eten oder zumin­d­est in Enten­hausen? Ist nicht der­jenige Held, der seine Auf­gaben allein mit seinem Ver­stand und seinem Kör­p­er löst, viel beacht­enswert­er als jemand, der mit Strahlen­pis­tolen schießend durch nächtliche Straßen hüpft? (Die Schuss­waf­fen sind ver­mut­lich der Grund, warum man als Knabe gern Phan­to­mias oder jeden­falls Bat­man wäre. Super­man ist blöde, der hat keine Knarre.)

Wie ich darauf kam, weiß ich nicht mehr, aber ich hielt die Frage für des Gestelltwer­dens bedürftig.
Wer ken­nt eine Antwort?

SonstigesNetzfundstücke
Niwolimbo

Als ich gestern Abend meinen Postein­gang auf rel­e­vante Neuigkeit­en über­prüfte, war “Huch!” mein erster Gedanke und “Oje!” mein zweit­er.

“Huch!” dachte ich, als ich plakatähn­liche Infor­ma­tion­s­grafiken sah, die sich einen Ast darauf freuten, dass von nicht näher benan­nten Wirrköpfen das “Jugend­wort des Jahres 2010” gewählt wor­den sei. “Oje!” dachte ich, als ich es las: “Niveaulim­bo”, das “ständi­ge Absinken des Niveaus”, trägt nun­mehr diesen Titel.

Sich­er ist in Tagen wie diesen das all­ge­meine Niveau kon­stant im Sinken begrif­f­en: “Tatort Inter­net” ist ver­glichen mit dem, was son­st so auf Pri­vat­sendern läuft, schon beina­he eine Bas­tion des Bil­dungs­bürg­er­tums; die ehe­mals zumin­d­est bürg­er­na­hen Grü­nen treten einen Schritt nach rechts, um den Fet­tnapf nicht zu ver­fehlen; die gren­zde­bile Kuh Daniela Katzen­berg­er feiert Erfolge und kann froh sein, dass ich bish­er noch keinen ihrer Auftritte lück­en­los ver­fol­gen musste; ein Großteil der deutschen Nachricht­en­guck­er kann anscheinend Wik­ileaks nicht von der Wikipedia unter­schei­den; und vor allem aber: Die Jugend redet einen ziem­lichen Brei daher.

“Niveaulim­bo” klingt lustig, aber die bit­tere Ironie bemerken sie nicht; dass sie für das sink­ende Niveau auf­grund ihres Kon­sumver­hal­tens näm­lich selb­st ver­ant­wortlich sind.
Ander­er­seits trifft es das nicht ganz, denn wer stellt die Juroren?

Es sind derzeit drei nicht näher bekan­nte Jugendliche von 14 bis 17 Jahren, zu ihnen gesellen sich aber auch vier (das ist, liebe Jugendliche, eins mehr als drei) Gestal­ten, die ihre Jugend schon vor ein­er Weile hin­ter sich gelassen haben, die älteste von ihnen ist im Jahr 1955 geboren. Somit ist das “Jugend­wort des Jahres 2010” eher eine “Phrase des Jahres 2010, die auch ein paar Jugendliche lustig find­en”.

Die Wahl war allerd­ings auch nicht ger­ade leicht, denn der Jury standen eigentlich nur trötige Murk­swörter zur Ver­fü­gung, unter denen sie das am wenig­sten trötige Murkswort auszusuchen die zweifel­hafte Ehre hat­te. Wer allerd­ings glaubt, der Begriff “n1” als Kurz­form für “nice one”, in der Spiel­er­szene längst ein alter Hut, ver­staubt und in ein­er wurm­stichi­gen Kiste auf dem Dachbo­den gelagert, sei schon ein ziem­lich blöder Vorschlag, der hat noch nicht dort ins Forum gese­hen, wo unter anderem auch über “Beef” (für “Stress, Alter?”) und “Mopped” (für “Dings­da”) als mögliche Kan­di­dat­en disku­tiert wurde.

Für die Wahl im näch­sten Jahr schlage ich schon jet­zt “fsmaul?” vor.
Vielle­icht wird es sich durch­set­zen; die Konkur­renz wird, wie ich erwarte, lächer­lich sein.

PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Freigegeben ab Geburt

(Danke an Didi für die Anre­gung.)

Zum 1.1.2011 tritt der nov­el­lierte Jugendme­di­en­staatsver­trag, von den Popel­grü­nen (ihr wisst schon, das sind die Knall­grü­nen mit dem gelb-dun­klen Flair) auf­grund par­la­men­tarisch­er Zwänge doch noch eben schnell für gut befun­den, in Kraft. Dieses Schreck­ge­spenst führt zu zahlre­ichen übereil­ten Blogschließun­gen und Inhalt­slöschun­gen, etwa auf Klopfers Web, da juris­tis­che Fein­heit­en eben nicht für jeden offen­sichtlich sind.

Nun bin ich ja in den Augen der Weltöf­fentlichkeit vor­rangig Pub­lizist, also jemand, der sein Geschmi­er öffentlich ver­füg­bar macht. Gehe ich dieser Tätigkeit nach, so über­lege ich in der Regel nicht vorher, ob sich von den von mir ver­fassten Inhal­ten ein jugendlich­er Leser zu erhöhter Sex­u­al­ität oder Gewalt aufgerufen zu fühlen bemüßigt, jedoch ist mir aus den ver­gan­genen fünf Jahren kein Beitrag mein­er­seits bekan­nt, der die kör­per­liche und/oder geistige Entwick­lung eines poten­ziellen Lesers — dass sich Mit­men­schen unter 16 Jahren über­haupt für mein Geschwurbel inter­essieren, ist meines Eracht­ens aus­geschlossen — ärg­er zu beein­trächti­gen ver­mag als jede Satire­sendung oder ‑zeitschrift (oder gar als die BILD). Ich per­sön­lich als gemäß dem neuen JMStV zur Ein­stu­fung verpflichteter Jugend­schutzbeauf­tragter für diese Pub­lika­tion stufe sie geset­zeskon­form und fol­gerichtig als “freigegeben ab 0 Jahren” ein, denn wer geistig aus­re­ichend gereift ist, sich aus freien Stück­en mit den von mir aus­gewählten The­men zu befassen, den gefährdet nicht ein­mal der Titel der Pub­lika­tion.

In meinem Fall greift übri­gens nicht nur die all­ge­meine Regelung, son­dern auch eine Aus­nah­meregelung, denn wie ich meinen anonymisierten Zugriff­ssta­tis­tiken ent­nehmen kann, bin ich offen­bar in mein­er Rolle als Schreiber­ling zudem ein Anbi­eter von Nachricht­en von all­ge­meinem Inter­esse. Das Gesetz schreibt keine konkreten Zugriff­szahlen vor, somit muss ich davon aus­ge­hen, dass die meinen aus­re­ichen.

Ohne­hin bezwei­fle ich, dass jemand ein berechtigtes Inter­esse daran hätte, einen Anwalt damit zu beauf­tra­gen, mein Text- und Bil­darchiv nach Pornografie, Dro­gen- und Gewal­texzessen zu durch­forsten und mich her­nach man­gels weit­er­er Funde frus­tri­ert zumin­d­est dazu zu verpflicht­en zu ver­suchen, etwa den Beitrag über Kop­u­la­tion for­t­an nur noch nach 22 Uhr zugänglich zu machen. An der tech­nis­chen Umset­zbarkeit eines solchen Anliegens gilt es jeden­falls derzeit zu zweifeln.

Auch über den näch­sten Jahreswech­sel hin­aus gilt weit­er­hin:
Sollte sich ein­er mein­er Leser von einem mein­er hier veröf­fentlicht­en Beiträge in sein­er Entwick­lung zu einem voll­w­er­ti­gen Mit­glied der Gesellschaft, so er diese denn anstrebt, beein­trächtigt fühlen, so lade ich ihn her­zlich dazu ein, mir dies via Kom­men­tar­funk­tion mitzuteilen. Das spart uns bei­den viel Zeit, Geld und Ner­ven. Besten Dank.


Nach­trag vom 2. Dezem­ber:
Udo Vet­ter erk­lärt, wieso der “neue” JMStV keinen Anlass liefert, wie aufgescheuchte Hüh­n­er durch die Gegend zu ren­nen, gal­ten die meis­ten Gebote doch bere­its seit Jahren ohne nen­nenswerte Ken­nt­nis­nahme. Lesenswert!

Sonstiges
Die Paarung des Jahres

Fast richtig macht es übri­gens der Stern, der in der Aus­gabe 48/2010, derzeit im Zeitschriften­han­del zu erwer­ben, offen­bar über die Ver­lobung von William Arthur Philip Louis Mount­bat­ten-Wind­sor zu bericht­en beab­sichtigte:

Aber eben nur fast.

(Sehr schön gefällt mir übri­gens auch der Auf­mach­er: “Die heili­gen Schriften — Wie sie Mil­liar­den Men­schen beglück­en und ver­führen”. Mit Bildern, wie ich hoffe.)

In den NachrichtenPersönliches
Noch ein Kurzer: 1 + 1 = 3? (Events für Studierende)

Von der unglaublichen tech­nis­chen und sozialen Kom­pe­tenz der von mir besucht­en Hochschule berichtete ich an dieser Stelle nun mehrfach. Soeben fand ich in meinem Post­fach (genauer gesagt im Papierko­rb, da ich einen Fil­ter auf das Wort “Studierende” geset­zt habe) fol­gende, für die Veröf­fentlichung teil­weise anonymisierte E‑Mail:

Liebe Studierende,

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, die näch­sten Prü­fun­gen rück­en in greif­bare Nähe.
Um das Jahr gebür­tig zu ver­ab­schieden, laden wir euch zu diesen drei Events ein:

10. Dezem­ber: Solferi­no Lounge Meets Casi­no Roy­al: Die Ein­wei­hungs- und Casi­no Par­ty. Musik, Tanz, Chill­out und Pok­er­turnier!
Alle Infos unter: www…/lasvegas

16 Dezem­ber: Mer­ry Meets Christ­mas ? Die offizielle Wei­h­nachtspar­ty!
Infos in Kürze ver­füg­bar auf: www…/christmas

Für alle die bis da nicht warten kön­nen diesen Don­ner­stag im Wohn­heim eine vom AStA unter­stütze Par­ty mehr Infos auf: asta…

Euer AStA

Ich suchte eine Weile nach dem drit­ten “Event”, bis ich fest­stellte, dass damit wohl die “vom AStA unter­stütze Par­ty” gemeint sein musste. Wieso der AStA zu ein­er frem­den Ver­anstal­tung ein­lädt, weiß ich nicht, ich bekam schon beim Ver­such, die Gram­matik des let­zten Satzes zu ver­ste­hen, eine Gänse­haut. (Das kön­nte auch daran liegen, dass allmäh­lich die Zeit, ein T‑Shirt zu tra­gen, vorüber geht.) Ist euch, liebe Leser, eigentlich beim Lesen aufge­fall­en, dass der AStA das Jahr “gebür­tig” ver­ab­schieden will? Das klingt nach einem aufre­gen­den Tag.

Jeden­falls lädt “mein” AStA zu ein­er “Casi­no Par­ty” und ein­er “Par­ty” unter dem Mot­to “Mer­ry Meets Christ­mas”, also “Vergnügt Trifft Wei­h­nacht­en”, ein, und ich frage mich, wie viele Anglo­phone wohl daran teil­nehmen wer­den; ander­er­seits freue ich mich aber auch ein biss­chen darüber, dass der­lei Unfug eben­falls ein Opfer meines Bull­shit­fil­ters, wie ich ihn liebevoll nenne, wird. In ein­er Mail, die mich als “Studieren­den” beze­ich­net, kommt sel­ten eine gehaltvolle Infor­ma­tion mit Mehrw­ert vor.

Vorhin im heute-jour­nal hörte ich übri­gens auch eine sehr schöne Schlagzeile:
Irgendwelche Miss­brauch­sopfer hät­ten sich an den run­den Tisch gewandt, hieß es.

Ich hätte wirk­lich zu gern erfahren, was der Tisch so geant­wortet hat.

MusikPolitikIn den Nachrichten
Verdächtige Klänge

Das sollte auch nicht unterge­hen:

Da kauft man (er hier) in aller Ruhe ein wenig ein und macht dann den gar schröck­lichen Fehler, sich bei dieser doch ziem­lich ein­töni­gen Tätigkeit von armenis­chen Musik­ern (ihm hier) beschallen zu lassen. Eine besorgte Bürg­erin alarmiert daraufhin Sicher­heits­di­enst sowie Polizei und nationale Volk­sarmee, weil ein rosa­far­ben­er iPod, aus dem merk­würdi­ge Geräusche drin­gen, ein ein­deutiger Grund für Ter­rorver­dacht sei. Bomben, hier sind über­all Bomben, helfen Sie mir!

Fefe verkasperte das als “Ter­ror-Musik”, ich mein­er­seits beschränke mich darauf, das Lied für gar nicht mal übel zu hal­ten. Was mir hinge­gen ein wenig Sorge bere­it­et, ist zweier­lei:

  • Wenn das Hören eige­nar­tiger Musik für Pauschalver­dacht genügt, was passiert dann erst mit denen, die sich an den jew­eils neuen Werken von Lady Gaga und Bushi­do ergötzen? “Eine besorgte Bürg­erin hat uns gerufen, wir sind von der Geschmack­spolizei.” — Immer­hin hat­te die DDR mit dem Unterbinden des Genuss­es von West­musik auch keinen allzu großen Erfolg. Geschichte wieder­holt sich.
  • All­ge­mein ist die Para­noia erschreck­end und set­zt vor allem am falschen Ansatz an. Glauben die für die innere Sicher­heit zuständi­gen Knalltüten wirk­lich, jemand, der vorhat, irgend­was zu spren­gen, spaziert vorher, “Allah ist groß” vor sich hin­murmel­nd, mit ein­er Bombe im Ruck­sack in den näch­sten Super­markt und kauft sich erst mal was zu essen? Natür­lich ist das “nicht auszuschließen”, aber ein Ter­ror­ist, der sich wie ein Ter­ror­ist ben­immt, ist ein sehr, sehr schlechter Ter­ror­ist.

Immer­hin, das darf man bei all der Absur­dität nicht vergessen, deckt sich das Ver­hal­ten der Polizis­ten hier mit den wirren (und nachträglich rel­a­tivierten) Äußerun­gen des Berlin­er Innense­n­a­tors Erhart Kört­ing, der da sprach (ich erwäh­nte es an ander­er Stelle):

Wenn wir in der Nach­barschaft irgen­det­was wahrnehmen, dass da plöt­zlich drei etwas selt­sam ausse­hende Men­schen einge­zo­gen sind, die sich nie blick­en lassen oder ähn­lich, und die nur Ara­bisch oder eine Fremd­sprache sprechen, die wir nicht ver­ste­hen, dann sollte man glaube ich schon mal guck­en, dass man die Behör­den unter­richtet, was da los ist.

Jörg Tauss, lei­der aus­geschieden­er Poli­tik­er, der trotz SPD-Ver­gan­gen­heit noch mit klarem Ver­stand seine Umwelt wahrn­immt, hat das auch gele­sen, und ihn erin­nert all die geistige Umnach­tung der Sicher­heitswahrer zwar nicht an Goebbels, aber doch zumin­d­est an Göring, der da sprach:

[E]s ist immer ein­fach, die Men­schen hin­ter sich zu brin­gen (…). Alles was man ihnen zu erzählen hat ist, sie wür­den ange­grif­f­en, und man beschuldigt die Paz­i­fis­ten, dass es ihnen an Patri­o­tismus man­gele und sie das Land in Gefahr brin­gen.

Patri­o­tismus, immer­hin, ist in diesem Land ver­pönt, bloß keine Nähe zu den Ide­alen eines Adolf Hitler aufkom­men lassen, um Him­mels Willen, achjeh und achweh!, aber da enden die Unter­schiede auch schon. Und während das Volk also mit Panik bei Laune gehal­ten wird, damit es ver­gisst, dass dieses Land ger­ade ganz andere Prob­leme als irgendwelche Araber hat, sitzen seine gewählten Vertreter im Reich­stag herum, lassen sich poten­zielle Demon­stran­ten mit Maschi­nen­pis­tolen vom Hals hal­ten und disku­tieren über den total­en Ausverkauf, immer­hin brauchen drei andere Län­der so viel Geld, dass es allein die Schulden Deutsch­lands ver­dop­peln würde. Alles muss raus, mit der Demokratie fan­gen wir an. Das Volk stört.

Damals, in der guten, alten DDR, hätte es das nicht gegeben.

Musikkritik
Muss man nicht kennen: Erdmöbel — Krokus

Ein­er mein­er Leser unter­stellte mir trotz meines Beken­nt­niss­es zum Musik­faschis­mus vorhin einen massenkom­pat­i­blen Musikgeschmack, als ich das pri­ma Lied “Bleed It Out” der missver­stande­nen Musik­gruppe Linkin Park zitierte. Ich gebe allerd­ings auch zu, dass mir, musikalisch gese­hen, “Who Do You Think You Are?” von den Spice Girls weniger auf den Sack geht als dies eigentlich der Fall sein sollte.

Was hinge­gen mal so gar nicht geht, ist das Album “Krokus” der selt­samen Band Erd­mö­bel. Das Föje­tong findet’s spitze, ich find’s gähn.

Vielle­icht ver­ste­he ich dieses Album ein­fach nur nicht, ähn­lich erg­ing es mir mit Grin­der­mans “Grin­der­man 2”, jeden­falls aber scheinen mir jegliche Ver­gle­iche, die das Föje­tong so anstellt, weit herge­holt zu sein. Lukas Heinser, der anson­sten einzige Pop­kul­tur­blog­ger, den ich auf Dauer ertra­gen kann, ver­glich Erd­mö­bel let­zten Monat textlich mit irgend­was zwis­chen Tocotron­ic und Peter­Licht, und irgend­wie sind die Texte hier auch der einzig nen­nenswerte Aspekt, die Melo­di­en wer­den in den mir bekan­nten Rezen­sio­nen nur als Nebenbe­merkun­gen erwäh­nt, das liest sich dann etwa so:

Erd­mö­bel sind zu vielschichtig, als das man sie ein­er bes­timmten Gat­tung zuord­nen kön­nte. Pop, Rock, Jazz, Easy-Lis­ten­ing, Bossa Nova, ja sog­ar etwas schlager­haftes trans­portieren die Melo­di­en der Band.

Man sieht förm­lich den Kopf des Schreibers rauchen. Oh nein, hat er sich ver­mut­lich gedacht, das ist ja gar nicht der übliche Indiemist, den ich hier son­st hören muss, hm, aber ist deutsch und eingängig, na gut, nen­nen wir es mal Pop und Schlager, dop­pelt hält bess­er. (“Sog­ar Schlager”, weil das näm­lich etwas total Her­aus­ra­gen­des ist.) Ach, Irene, rief er dann ins Neben­z­im­mer zu sein­er gelang­weil­ten Sekretärin, was ist denn ger­ade so ein guter Musik­stil? Irene, die alle Plat­ten von Fleet­wood Mac im Plat­ten­schrank (wo son­st?) ste­hen hat, antwortete spon­tan: Rock!, denn sie hat mal irgend­wo gele­sen, dass Fleet­wood Mac irgend­was mit Rock machen, also muss das gut sein. (Apro­pos: Heute wird John McVie 65 Jahre alt. Sollte mal erwäh­nt wer­den.) Der Musikjour­nal­ist fragte noch ein biss­chen herum, und irgend­wann hat­te er befriedi­gend viele Antworten beisam­men, lis­tete sie auf und fuhr zufrieden mit so viel Pro­duk­tiv­ität in sein kleines Woch­enend­häuschen, wo er gemein­sam mit Irene The Moody Blues und Elton John hörte, bis die Nacht über sie here­in­brach. Den Rest möchte ich euch ers­paren. Nur so viel noch: Eine solche Auflis­tung an Gen­res ist besten­falls kon­trapro­duk­tiv. Ein Beispiel, das ich mir jet­zt mal spon­tan aus­denke: Pink Floyd. Pop, Rock, Beat, Psy­che­del­ic, Jazz, sog­ar etwas schlager­haftes. Und was sagt das jet­zt über Pink Floyd aus? Vielle­icht, dass sie irgend­was mit Musik gemacht haben. Und wenn man schon mal keinen Bock hat, sich mit einem Album zu befassen, dann macht man es doch gle­ich richtig falsch, damit es wenig­stens so aussieht, als wäre das nicht ganz ernst gemeint, damit sich kein­er, der weniger keinen Bock hat­te, hin­ter­her beschw­ert:

Die Worte sind deutsch (zumin­d­est die meis­ten), aber die Sätze, die daraus entste­hen, tra­gen sieben Siegel. Doch es ist eine ver­spielte Peter­Licht-Rät­sel­haftigkeit, kein “Oh mein Gott, ich bin zu dumm!”-Gefühl wie bei Tocotron­ic.

Auszüge wie dieser demon­stri­eren das Dilem­ma von Musikjour­nal­is­ten, die ein Album beru­flich nicht ein­fach mal hören kön­nen, son­dern da irgendwelche Inter­pre­ta­tio­nen draufk­latschen müssen, “Bezahlung nach Wörtern”, ihr ken­nt das ja. Peter­Licht (ehe­mals das “Phan­tom der Pop­kul­tur”) ist nicht rät­sel­haft und Tocotron­ic lassen den Hör­er nicht dumm zurück. Es kann doch nicht so schw­er sein, einen Text ein­fach mal unin­ter­pretiert ste­hen zu lassen, vor­in­ter­pretierte Texte sind lang­weilig.

Peter­Licht schreibt Texte wie “Das ist das Ende, das Ende vom Kap­i­tal­is­mus, jet­zt iss­er endlich vor­bei”, “Wenn ich nicht hier bin, bin ich auf’m Son­nen­deck” oder auch “Und die Sonne kocht auch nur mit Wass­er, die soll sich nicht so auf­spie­len, die gelbe Sau!”. Wer das “rät­sel­haft” nen­nt, der würde ver­mut­lich auch Helge Schnei­der attestieren, er, Schnei­der, sei ein “Blödel­barde”. Tocotron­ic hat­ten es auch nie mit ver­schwurbel­ten Tex­ten. Das textlich Selt­sam­ste, was ich von ihnen je gehört habe, ist “Vier Geschicht­en von dir” (“Und ein­mal hab ich dich getrof­fen — ich glaube fast, es war irgend­wann im Mai; du zeigtest dich betrof­fen von der Zeitver­fluggeschwindigkeit”). Per­so­n­en, die darob “Ich bin zu dumm” denken, sind als Musikjour­nal­is­ten ungeeignet und soll­ten, so meine ich, lieber irgend­was machen, wo man nicht unre­flek­tiert lesen kön­nen muss, vielle­icht Juris­terei oder Blog­ger auf FickM­BR.

Im Kon­trast dazu: Erd­mö­bel.
“Ich hör nicht auf zu fra­gen, Maria oder so, Polar­licht von Paler­mo” (“Wort ist das falsche Wort”, laut YouTube-Nutzern das “trau­rig­ste Lied” auf dem Album), “Danke­sehr, mein Akko­rdeon wird mir schw­er, jet­zt ist End­sta­tion” (“Das Leben ist schön”, ein belan­glos­es Pop­stück mit dem Stampf-Fick­beat, den seit Ende der 80-er Jahre schon kein­er mehr hören kann), all das darge­bracht von einem Sänger, der so unfass­bar schlecht singt, dass man fast meint, er hätte früher, als sie noch weniger mit­telgut waren, bei den Sport­fre­un­den Stiller mit­ge­summt.
Und alle anderen Texte sind auch unge­fähr so.

Scusi, aber: Hä?

Ein Album wird nicht dadurch gut, dass es kein­er ver­ste­ht, schon gar nicht die, die ihr Geld damit ver­di­enen, ein Album zu ver­ste­hen. Selb­st La Monte Young hat irgend­wann wohl jed­er ver­standen, Tocotron­ic und Peter­Licht sowieso. Erd­mö­bel sind besten­falls sym­pa­thisch schlecht.

Inter­pre­ta­tion­shil­fe zu diesem Album würde jeden­falls mein­er­seits fre­undlich begrüßt (und for­t­an unbeachtet in der Ecke ste­hen gelassen, wie man das mit nicht expliz­it ein­ge­lade­nen Gästen eben so macht, bis sie frei­willig wieder geht).

PolitikIn den NachrichtenKaufbefehle
BRAVO!

Euer, BRAVO, Treiben unter­hält seit Jahrzehn­ten die her­anwach­senden Gen­er­a­tio­nen auf eine Art, die so vielle­icht eher sub­til, aber doch tat­säch­lich ver­mit­telt wird:
Unter dem Pseu­do­nym “Dr. Som­mer” unter­hält eine Vielzahl an nicht bekan­nten Aufk­lär­ern in eurem Heftchen all­wöchentlich eine Dop­pel­seite, in der die Kop­u­la­tion junger Men­schen ab etwa elf Jahren the­ma­tisiert wird. Nicht sel­ten sind Nackt- und angedeutete Schnack­sel­bild­chen von Per­so­n­en ab, wenn mich meine Erin­nerung nicht trügt, 15 Jahren enthal­ten. So weit, so harm­los; Pädophilie endet mit ein­set­zen­der kör­per­lich­er Reife eines Kindes.

Da aber euer, BRAVO, Treiben zu Über­sex­u­al­isierung und mithin zu allzu häu­fi­gen Abtrei­bun­gen in jugendlichen Kreisen führt, hat die EU, wahrlich ein Parade­beispiel für mod­erne, an den Men­schen aus­gerichtete Demokratie, nun­mehr angeregt, jegliche freizügige Darstel­lung von Per­so­n­en, die augen­schein­lich noch nicht ein­deutig das 18. Leben­s­jahr vol­len­det haben, mit Aus­peitschen und/oder Anspuck­en zu bestrafen oder so. RA Dr. Hel­mut Graup­n­er erk­lärt in für Öster­re­ich­er typ­is­chem schauder­haftem Deutsch:

[D]ie Alters­gren­ze für abso­lut ver­botene “Kinder“pornografie wurde mit diesem Rah­menbeschluss auf 18 Jahre fest­ge­set­zt, ohne zwis­chen Kindern und Jugendlichen zu unter­schei­den. Mündi­ge und heirats­fähige 17jährige Jugendliche wur­den gle­ich behan­delt wie 5jährige Kinder. In das Ver­bot ein­be­zo­gen wurde auch Pornografie mit Darstel­lerIn­nen, die wie unter 18 Jahre ausse­hen.

Und weit­er, und jet­zt wird für euch, BRAVO, inter­es­sant:

Die neue Richtlin­ie stre­icht auch den Pornografiebe­griff. Die Mit­glied­staat­en müssen kün­ftig Darstel­lun­gen sex­ueller Hand­lun­gen (oder auch nur der Gen­i­tal­ien und der weib­lichen Brust) krim­i­nal­isieren, gle­ichgültig, ob sie “pornografisch” sind oder nicht. Es muss auch nicht tat­säch­lich zu sex­uellen Hand­lun­gen gekom­men sein. Auch simulierte sex­uelle Hand­lun­gen von unter 18jährigen (bzw. Erwach­se­nen, die wie unter 18 ausse­hen) müssen straf­bar sein.

Voraus­set­zung sei eine Darstel­lung mit sex­uellem Hin­ter­grund, aber der, BRAVO, ist auf euren “Aufk­lärungs­seit­en” (“Wie lief dein erstes Mal?”, “Mein Penis tut weh nach der Autostim­u­la­tion!” und so weit­er und so fort) zweifels­frei gegeben. Das ver­leit­et nicht nur zu sex­uellen Hand­lun­gen mit Min­der­jähri­gen, es hat oben­drein eine ras­sis­tis­che Kom­po­nente, denn nicht erst seit Thi­lo Sar­razin wis­sen wir: Je mehr die Deutschen sich ver­mehren, desto mehr wer­den die islamis­chen Ein­wan­der­er unter­drückt. Dies lässt sich langfristig nur erre­ichen, indem deutsche Jugendliche sich ent­sex­u­al­isieren oder ent­sex­u­al­isieren lassen, um eine Ver­mehrung der, genetisch bed­ingt, bek­loppten Unter­schicht best­möglich einzudäm­men. (Als Ref­erenz empfehle ich das Buch “Deutsch­land schafft sich ab” von Thi­lo Sar­razin, derzeit in der 15. oder bere­its 16. Auflage ver­füg­bar.)

Zwar muss das Europäis­che Par­la­ment der Richtlin­ie eben­falls zus­tim­men, damit sie in Kraft treten kann, aber ich bin zuver­sichtlich, dass das passieren wird.
Auf eine saubere Zukun­ft ohne Glüh­lam­p­en und ohne Kinder­schän­derei! Auf Europa! Auf uns!

PolitikIn den Nachrichten
Medienkritik XLII: Niedliche Krieger

Dum­mer­weise fiel mein Blick mit­tler­weile auf die heutige Aus­gabe der Braun­schweiger Zeitung, bezüglich jour­nal­is­tis­ch­er Qual­ität nicht weit von einem nieder­säch­sis­chen BILD-Äquiv­a­lent ent­fer­nt, und ich hielt zwei Texte für so furcht­bar, dass ich mir vor­nahm, sie hier zu ver­wursten, was ich nun­mehr mit Freude tun werde.

Der erste der bei­den Texte zierte die Front­seite der Zeitung und han­delte von den begin­nen­den Schneefällen im Harz. An promi­nen­ter Stelle wurde hierzu Miri­am Fusch oder Fuchs — lei­der kon­nte sich die Redak­tion nicht auf einen Namen eini­gen — vom Harz­er Touris­musver­band (“Harz-Touris­mus”) zitiert, die also, wie es heißt, sprach:

Für eine Schnee­ballschlacht sollte es im Harz schon reichen.

Alter­na­tiv übri­gens auch:

Aber (…) für eine Schnee­ballschlacht reicht es schon.

Nein, liebe Braun­schweigerzeitungsredak­teure, die Ver­bkon­struk­te “sollte reichen” und “reicht” bedeuten keines­falls das­selbe, und das wüsstet ihr, wenn ihr schon ein­mal auf “das Eis müsste dick genug sein” hereinge­fall­en wärt; seid ihr aber anscheinend nicht.

Nun ist die Aus­sage der Frau Fusch oder Fuchs noch in ander­er Hin­sicht bemerkenswert, denn sie scheint eine Schnee­ballschlacht als kle­in­sten Nen­nwert für Spaß im Schnee zu ver­ste­hen. Ob der Win­ter mit all seinem Glat­teis und sein­er für uns nur mehr dezent befellte Neuzeit­men­schen ungenü­gend niedri­gen Durch­schnittstem­per­atur sich irgend­wie zu dauer­haftem Spaß eignet, über­lasse ich jedem selb­st, ich mein­er­seits bezwei­fle es. (Nicht so jeden­falls die Super­mark­tket­ten, die es schon im Sep­tem­ber nicht abwarten kon­nten, endlich min­derqual­i­ta­tiv­en Schoko- und Zimt­matsch an Freizeitchris­ten zu vertick­en, und die dieser Tage nun auch, wieso auch immer, die üblichen besinnlichen Plas­tik­tan­nen der zumin­d­est the­o­retis­chen Kund­schaft vor die Füße stellen, auf dass sie stolpern und sich bäuch­lings der nun­mehr auf­steigen­den wei­h­nachtlichen Stim­mung erfreuen möge; aber ich schweife ab.) Wer sich hinge­gen das Wort “Schnee­ballschlacht” ein­mal genauer anschaut, der wird bald fest­stellen, dass es auf “-schlacht” endet. Sym­bol­is­ches Kriegsspiel — “abw­er­fen”, so lustig es klingt, ist auch nur in Nuan­cen von “abknallen” ver­schieden — als Ein­stieg in die Rodel- und Hin­fall-Sai­son; schön, dass es dafür “auch schon reicht”. Den kriegslüster­nen Nach­wuchs wird es freuen.

Ander­er­seits sagt man dieser Sai­son nach, sie würde Fam­i­lien zusam­men­führen und Kinder glück­lich machen. Natür­lich freut sich ein Kind darüber, trotz unan­genehmer Zwis­chen­fälle in den vorigen Monat­en im Dezem­ber das neueste Plas­tik­spielzeug zu bekom­men, “weil Wei­h­nacht­en ist”, und ich hat­te mir, katholisch ver­zo­gen, den Geist der Wei­h­nacht immer irgend­wie anders vorgestellt. Das kann natür­lich auch mit meinem Alter zu tun haben, denn ab einem gewis­sen Alter ist ein Men­sch nicht mehr inter­es­sant. Die Braun­schweiger Zeitung veröf­fentlichte näm­lich neben oben zitiertem Artikel auch eine Kurzmel­dung im Innen­teil, die ich aus­nahm­sweise fast voll­ständig wiedergeben möchte:

Bei einem Unfall (…) ist eine 13-Jährige schw­er ver­let­zt wor­den. Ihr 18-jähriger Brud­er war mit dem Auto von der Fahrbahn abgekom­men.

Nur was ist mit dem Brud­er geschehen? Lebt er noch? Ist er wohlauf? Wurde er zer­schmettert und endete als blutiger Matsch in irgendwelchen Grü­nan­la­gen? Nein, das inter­essiert das Jour­nal­is­ten­pack nicht, 13-jährige Mäd­chen sind nun mal meist niedlich­er als 18-jährige Knaben, zumin­d­est behaupten das jene Per­so­n­en, die nie eine 13-jährige Schwest­er hat­ten, und das Schick­sal eines 18-jähri­gen Knaben berührt keinen “Jour­nal­is­ten”, dem es nur darum geht, irgend­wie ein drit­tk­las­siges Lokalblatt vol­lzurülpsen. Leser, das glauben diese Men­schen, wollen von ihrer Tageszeitung emo­tion­al berührt, nicht informiert wer­den. Leser, das glauben diese Men­schen, wollen nicht wis­sen, was mit Leuten passiert, die nicht niedlich oder stinkre­ich oder bei­des sind. Leser, das glauben diese Men­schen, geben sich mit der Infor­ma­tion zufrieden, der Brud­er sei 18 Jahre alt gewe­sen, und sagen dann: Ach, er ist 18 Jahre alt und außer­dem ein lang­weiliger Junge, na, dann juckt es uns nicht, was mit ihm passiert ist, aber erzählt doch mal mehr von dem niedlichen Mäd­chen!

Sie irren sich, diese Men­schen.

(Aus diesen Zeilen mag Ver­bit­terung sprechen, Ver­bit­terung jeden­falls auch über ein Volk, das sich von stink­en­dem Gam­melob­st und piek­senden Bäu­men davon ablenken lässt, wie tief es eigentlich im Elend versinkt. Irland bekommt, nach­dem Griechen­land vor­erst befriedigt ist, von Deutsch­land ein wenig finanzielle Zuwen­dung [“bailout”], hörte ich rumoren. Vielle­icht sollte Deutsch­land sich auch ein­mal in die Rei­he der Bittsteller begeben, denn dass Deutsch­land ein Land sei, das vor lauter Geld gar nicht mehr weiß, was es damit tun solle, lässt sich ohne bleiben­den Hirn- oder jeden­falls Organ­schaden nur schw­er­lich glaub­haft ver­sich­ern.)


Nach­trag:
Habt ihr übri­gens das schon mit­bekom­men, dass ein CDU-Par­la­men­tari­er (Vor­sitzen­der des Recht­sauss­chuss­es, hierzu ein dreifach­es *batsch* an die Stirn) gern zum Schutz vor Ter­ror die Presse­frei­heit, das höch­ste Gut der Demokratie, ein­schränken würde?

Ich bin lei­der juris­tisch nicht bewan­dert, aber ich bin ver­sucht, eine passende Reak­tion im Strafge­set­zbuch zu find­en. Siegfried Kaud­er, CDU, ist ein brandge­fährlich­er Mann und sollte zum Schutz der öffentlichen Ord­nung und der Demokratie in diesem Land für ein paar Jahre wegges­per­rt wer­den. Ich bezwei­fle allerd­ings, dass es so weit kom­men wird.

PersönlichesSonstiges
Besser machen!

Man ken­nt ihn, den Spruch: “Mach’s bess­er!”.

Wann immer ein Fußballer meter­weit daneben­schießt und man sich über den pein­lichen Anblick beöm­melt, wann immer Microsoft wieder ein­mal Schrott fab­riziert, wann immer die Poli­tik fatale Fehlentschei­dun­gen trifft: “Mach’s bess­er!”.

Nun bin ich aber kein Fußballer, Microsoft-Entwick­ler oder Poli­tik­er und kann daher nicht ihre Auf­gaben ver­suchen bess­er zu machen, ohne einen anderen Lebensweg einzuschla­gen. (Microsoft-Entwick­ler wäre eventuell mach­bar, wider­strebt mir aber aus ähn­lichen Grün­den wie eine Bewer­bung bei Google Deutsch­land oder der BILD-Redak­tion, wen­ngle­ich Microsoft sich­er noch die am wenig­sten scheußliche Wahl wäre, würde ich vor sie gestellt.)

Wenn ich einen Handw­erk­er ins Haus kom­men ließe, der mir, statt das Klo zu repari­eren, den Keller unter Wass­er set­zte, dann würde ich ihn eben­so wie schlechte Fußballer, Microsoft-Entwick­ler und Poli­tik­er einen Trot­tel nen­nen. Würde er mir “Machen Sie es halt bess­er!” ent­ge­gen­schleud­ern, so würde ich dies mit einem “Pfff!” quit­tieren und seinem Vorge­set­zten einen wortre­ichen, doch sichtlich erbost ver­fassten Brief schick­en, in dem ich ihm mit­teilen würde, was ich von der­lei Gestal­ten halte, näm­lich nicht viel. Ver­mut­lich würde mir aber auch nie­mand in solch einem Fall sagen, ich solle es halt bess­er machen, denn man weiß: Ich bin handw­erk­lich nicht son­der­lich geschickt.

Hinge­gen traut man seinen Mit­men­schen dieser Tage anscheinend zumin­d­est zu, bessere Fußballer als die Nation­al­spiel­er, bessere Pro­gram­mier­er als die Mitar­beit­er der Win­dows-Entwick­ler­a­bteilung, bessere Poli­tik­er als Gui­do West­er­welle zu sein. Let­zteres ist, zugegeben, nicht der Rede wert; noch immer bleiben die übri­gen Punk­te in der Aufzäh­lung. Der Ein­fach­heit und Über­sichtlichkeit wegen beschränke ich mich im Fol­gen­den auf ersteren Punkt:

Hätte ich ein besser­er Fußballer wer­den wollen, hätte ich meine Jugend daran aus­gerichtet. Jedoch hat­te ich nie son­der­lich viel Inter­esse an aktivem Sport, und so über­lasse ich ihn denen, die man “Profis”, Pro­fes­sionelle also, nen­nt. Wenn diese Pro­fes­sionellen nun im Namen “meines” Lan­des oder auch nur von meinem Geld ama­teurhaft zu Werke gehen und so das Anse­hen “meines” Lan­des nach­haltig schädi­gen oder alter­na­tiv beziehungsweise außer­dem mein Geld sinn­los ver­prassen, dann betra­chte ich es als meine ver­dammte Bürg­erpflicht, diese Pro­fes­sionellen für diese Chuzpe gebührend zu beschimpfen, hege jedoch nicht zugle­ich den Anspruch, es weniger schlecht hinzubekom­men, denn ich ver­di­ene meine paar Kröten nicht damit, weniger schlecht Fußball zu spie­len. Das fände ich auch beschä­mend.

Ich klage an, ich klage an, ich klage an.
— Tocotron­ic: Har­monie ist eine Strate­gie

Netzfundstücke
Küchenlatein

Als Klugscheißer gehoben­er Natur gibt sich Ste­fan Sicher­mann vom BILD­blog dieser Tage, indem er den gle­ich­falls klug scheißen­den Her­rn Wag­n­er von der BILD kor­rigiert, der da ange­blich (ich werde es aus moralis­chen Grün­den nicht selb­st über­prüfen) geschrieben habe:

His­torik­er über­set­zen ter­rere auch mit: “die aus dem Unter­grund kom­men”.
Ter­ra – die Erde.
2000 Jahre später ist Deutsch­land in Ter­ror-Angst. Irgen­det­was kommt unsicht­bar aus der Erde.

Und der Ste­fan Sicher­mann dann so:

(…) Denn die Begriffe “Ter­ror” und “Ter­ra” haben ety­mol­o­gisch soviel miteinan­der gemein wie die deutschen Begriffe “Wurst” und “Durst” — näm­lich vier Buch­staben.

Während die Wurzeln von “ter­rere” im altindis­chen “trásati” (zit­tern) und im griechis­chen “tréo” bzw. “tre­so” zu suchen sind, bedeutet “ter­ra” in etwa “das Trock­ene” (siehe griech. “teraino” bzw. lat. tor­rere “dör­ren, trock­nen”)*.

(Aus tech­nis­chen Grün­den habe ich die griechis­che Schreib­weise hier ein­mal her­ausedi­tiert.)

Und der Ste­fan Sicher­mann kann also ver­mut­lich Latein bess­er als der Franz Josef Wag­n­er, aber mit seinem, dem Ste­fan Sicher­mann seinem, Alt­griechisch ist es nicht weit her; denn, ana­log zu dem (kor­rek­ten) lateinis­chen Infini­tiv “ter­rere”, die Infini­tive zum griechis­chen Verb heißen natür­lich “tréein” bzw. “tre­sein”. Will man indes die erste Per­son Sin­gu­lar Indika­tiv Aktiv (“tréo” bzw. “tre­so”) ver­wen­den, so müsste es gle­ich­sam “ter­ro”, “ich erschrecke”, heißen. Die indis­che Form kenne ich lei­der nicht.

Vielle­icht hätte hier nicht nur das “aus­führliche lateinisch-deutsche Hand­wörter­buch, aus­gear­beit­et von Karl Ernst Georges”, seinen Dienst getan, son­dern zudem wäre ein Blick in ein Gram­matik­lexikon des Griechis­chen sicher­lich keine schlechte Idee gewe­sen. (Übri­gens laut­en die For­men im Neu­griechis­chen noch immer nicht viel anders.)

Na, vielle­icht beim näch­sten Mal.

(Ich habe den Autor der Fre­undlichkeit hal­ber via Mail auf seinen Faux­pas aufmerk­sam gemacht. So viel fair­ness muss dann doch sein.)

Nach­trag:
Ste­fan Sicher­mann schrieb mir, er habe, wie im Griechis­chen üblich, absichtlich die 1. Per­son Sin­gu­lar Indika­tiv Aktiv als Grund­form ver­wen­det. Nun, dann bleibt zumin­d­est die Über­set­zung missver­ständlich. Aber das ist in den alten Sprachen ja so manch­es.

Persönliches
Studiengebühren bei der Arbeit

Das, was ich an nieder­säch­sis­chen Hochschulen so sehr mag, ist ja unter anderem auch ihre tech­nis­che Ausstat­tung.
An der Hochschule, die ich trotz allem nach wie vor besuche (und tat­säch­lich bin ich eher ein Besuch­er als ein Stu­dent, auf Latein also ein sich Mühen­der), ist es beispiel­sweise nicht leicht, dauer­haft, also ohne ständi­ge Inter­ne­taus­fälle, Freude an dem (nicht unbe­d­ingt flinken) WLAN zu haben. Tat­säch­lich erfreuen kann man sich an der Unileitung nur, wenn man das Glück hat, in der Nähe ein­er LAN-Buchse zu sein. Und davon gibt es nicht viele.

Zwar ste­ht schon seit einiger Zeit neue Ausstat­tung bere­it, aber um diese ins Netz einzu­binden, müsste ein Ver­ant­wortlich­er seinen Hin­tern von seinem Sitzmö­bel tren­nen und ein Kabel ein­steck­en. (Nein, viel mehr wäre das nicht.) Und wie das so läuft in ein­er öffentlichen Ein­rich­tung, kann das noch eine Weile dauern.

Dafür traf heute eine E‑Mail ein:

Der Radiusserv­er der Hochschule übern­immt die Über­prü­fung von Benutzer­na­men und Ken­nwörtern für das WLAN. Er ist inzwis­chen ca. 10 Jahre alt und wird daher am Mittwoch, den 24.11.2010 aus­ge­tauscht. Im Zuge der Umstel­lung wird nicht nur eine neue Hard­ware zum Ein­satz kom­men, son­dern auch der Name des Servers wird (…) geän­dert.
Die Arbeit­en wer­den am Mittwoch in der Zeit von 11:30 Uhr bis 13:30 Uhr erfol­gen. Aus diesem Grund ist an allen Hochschul­stan­dorten im genan­nten Zeitraum kein WLAN-Zugriff möglich.

’s ist ja schön, dass endlich etwas passiert. Nicht, dass ich bish­er Prob­leme damit gehabt hätte, mich im Uni-WLAN anzumelden, son­dern nur damit, dauer­haft drin zu bleiben, aber immer­hin: Neue Hard­ware! Neuer Name! Und das Ganze direkt vor der Mit­tagspause, die etwa um 13:30 begin­nt!

Gut, let­zteres ist nun kein pos­i­tives Argu­ment und lässt mich beim Gedanken daran, dass sich am 24.11. gegen “halb zwei”, wie der Volksmund auch sagt, mal eben Stu­den­ten vier­er Cam­pus gle­ichzeit­ig ver­suchen ins Hochschul­netz einzuwählen (sagt man das noch so?), erschaud­ern. Warum man so etwas nicht vor Beginn oder nach Ende der Vor­lesun­gen macht? Klar: Im öffentlichen Dienst arbeit­et man ungern zu der­art unmen­schlichen Zeit­en.

Ich habe mich das bish­er nicht gefragt, aber jet­zt ger­ade kann ich der Frage nicht mehr auswe­ichen:
Was genau passiert eigentlich mit unseren Semes­terge­bühren?

(Das kön­nte ich wahrschein­lich irgend­wo nachguck­en, aber ich fand die Frage in rhetorisch­er Gestalt viel bess­er.)

In den NachrichtenPolitikProjekteSonstiges
Terror: Keine Überraschung!

Wir wer­den übri­gens alle­samt in Bälde eines grausi­gen Todes ster­ben, weil verdächtig ausse­hende Men­schen wie dieser hier nur wegen der aus­ge­set­zten Vor­rats­daten­spe­icherung in Deutsch­land Anschläge bege­hen wer­den kön­nen, zumin­d­est höchst­wahrschein­lich, denn:

Dafür, dass Kash­miri im Moment an Anschlagsplä­nen für Europa feilt, gibt es zwar keine Bestä­ti­gung. (…) Sicher­heits­be­hör­den wären jedoch keineswegs über­rascht, sollte sich her­ausstellen, dass der Pak­istan­er solche Oper­a­tio­nen plant.

Gle­ich in die Luft spren­gen, das ganze Ter­ror­land!
(Also Pak­istan jet­zt, nicht die USA.)


In eigen­er Sache (1): Während ich gemein­sam mit Mike® daran arbeit­ete, das hier ver­wen­dete theme ein biss­chen bess­er weniger schlecht zu gestal­ten, fiel mir auf, dass anstelle der blauen Hin­ter­grund­fläche das Ein­fü­gen eines Hin­ter­grund­bildes wom­öglich eine sin­nvolle Änderung wäre.

Hier­für nehme ich gern Anre­gun­gen ent­ge­gen. :)


In eigen­er Sache (2): Heute vor 10 Jahren wurde die erste Ver­sion von Gamers.IRC veröf­fentlicht, mehr dazu kann der geneigte Leser auf gamersirc.net erfahren. Obwohl ich selb­st erst seit 2003 Mit­glied der Entwick­lerge­mein­schaft bin, so möchte ich dieses Pro­jekt doch jedem Win­dows­nutzer ans Herz leg­en. Im IRC selb­st empfehle ich den Kanal #La-Famil­ia im Quak­eNet, dessen her­rlich absurde Diskus­sio­nen mich in den ver­gan­genen Jahren nicht sel­ten lachen macht­en.

NetzfundstückeNerdkrams
blekko

Was seit Anfang dieses Monats und somit noch nicht allzu lange, zu meinem per­sön­lichen Erstaunen zuerst auf dem son­st nicht unbe­d­ingt für seine Aktu­al­ität bekan­nten Por­tal WinFuture.de, für Wirbel sorgt, ist die neue Such­mas­chine blekko, und als ich den Namen zum ersten Mal las, dachte ich zunächst an den Clown Bep­po aus den NICHTLUSTIG-Bild­witzen und an die des Öfteren in der Serie Ren & Stimpy zu sehende Wer­bung für Holzk­lötze von Blam­mo.

Wie man auf einen so blö­den Namen kommt, habe ich mich bei Such­maschi­nen nicht erst seit “Guu­ugl” nicht mehr gefragt. Je blöder der Name, desto bess­er kann man ihn sich merken. (Eigentlich ist das schade, dass man diese Regel nicht auch auf andere Lebens­bere­iche anwen­den kann, denn so bleibt die Musik­gruppe Ejwu­usl Wes­sahqqan wohl auch weit­er­hin nahezu unbekan­nt.) Blekkos Stärke liegt jeden­falls, wie ein erster Test mein­er­seits ergab, nicht darin, beson­ders viele beson­ders tolle Ergeb­nisse zu find­en, son­dern vielmehr darin, die Ergeb­nisse auch vernün­ftig zu fil­tern.

Nach­dem Clusty (inzwis­chen Yip­py, da haben wir es wieder) vor eini­gen Jahren der Vor­re­it­er in manuell gefiltertem Suchen war, indem es erlaubte, die Suchergeb­nisse nachträglich anhand von Stich­wortlis­ten zu verbessern, indem zum Beispiel eine Suche nach “Antark­tis” in der Spalte “Clouds” links dahin gehend eingeschränkt wer­den kon­nte, dass nur Tre­f­fer aufge­führt wur­den, die zusät­zlich den Term “Pin­guine” bein­hal­teten, was die Rel­e­vanz der Suchergeb­nisse ins­ge­samt doch deut­lich zu verbessern ver­mag (Google, wir erin­nern uns, wollte das unlängst semi-automa­tisieren), und diese Tech­nik allmäh­lich auch in andere Such­maschi­nen inte­gri­ert wurde und wird, set­zt blekko auf einen anderen Ansatz.

Benan­nt hat man diesen Ansatz “slash­tags”, auf gut Denglisch also “Schrägstrich-Tags”, er dient der Spam­bekämp­fung und er funk­tion­iert unge­fähr so:

Statt, wie bei anderen Such­maschi­nen üblich, einzelne Inter­net­seit­en mit Para­me­tern wie etwa “inurl” expliz­it aus der Suchan­frage auszuschließen, falls man beispiel­sweise Infor­ma­tio­nen über ein Pro­dukt auss­chließlich außer­halb von eBay und Ama­zon suchen möchte, fasst blekko Grup­pen von Web­seit­en in “Tags” zusam­men. Viele Tags gibt es schon, weit­ere kann der Benutzer selb­st definieren. Falls man also etwa nach “s:flo2 /techblogs” sucht, so wer­den nur Suchergeb­nisse angezeigt, die auf Seit­en ver­weisen, die in diesem Slash­tag gespe­ichert sind. Natür­lich sind diese Tags noch alles andere als voll­ständig, ger­ade deutschsprachige Ange­bote sind derzeit nur wenig vertreten, aber jed­er Benutzer kann seine eige­nen Slash­tags frei definieren und anderen zur Ver­fü­gung stellen, so dass sich grobe Lück­en in Bälde geschlossen haben dürften. (Ich habe da schon einige Ideen.) Das deutsche Blog netzwertig.com etwa hat kür­zlich eine Liste deutschsprachiger Tech­nolo­gie-Blogs als eben­falls für jeden Nutzer frei nutzbaren Slash­tag bere­it­gestellt.

Ein, wie ich meine, dur­chaus gutes und gut durch­dacht­es Konzept, das zu ver­fol­gen ich jedem mein­er Leser vor­erst ans Herz leg­en möchte.

Nach­trag vom 7. Feb­ru­ar 2011: Die Such­mas­chine Duck­Duck­Go hat einen eben­falls ziem­lich blö­den Namen, unter­stützt aber auch so etwas wie Slash­tags (hier !Bang genan­nt).

NetzfundstückeNerdkrams
Bewertungen aus dem Pott

Schlau gewählt ist der Name für Googles “neues” Bew­er­tungssys­tem für Hotels, Gast­stät­ten und ver­gle­ich­bare Ein­rich­tun­gen, auf das ich bei Caschy (der schon wieder!) gestoßen bin, nicht unbe­d­ingt: Bei einem “Hot­pot” muss ich entwed­er an einen Schreibfehler (das South-Park-Plane’ar­i­um lässt grüßen, ihm geht’s gut, danke der Nach­frage) oder an einen Pott denken, mithin also auch an das mitunter so beze­ich­nete, nun ja, Scheißhaus.

Und irgend­wie hat es auch mit einem Scheißhaus zu tun, denn mit Hot­pot soll man, so die Ankündi­gung, in der Lage sein, via Mobil­tele­fon, qua­si unter­wegs, ein ger­ade besucht­es Etab­lisse­ment zu bew­erten, unter anderem eben als “Scheißhaus!”.

Und was die Pot­tbe­w­er­tun­gen von den diversen frei erfun­de­nen “Kun­den­be­w­er­tun­gen” bei Ama­zon (da war doch was?) unter­schei­den soll, glaubt Caschy auch zu wis­sen:

Die Sache ist natür­lich klar. Wer glaubt schon irgendwelchem Bull­shit-Bin­go auf Web­seit­en. Da sprechen Bars und Restau­rants von tollem Ambi­ente in gepflegter Atmo­sphäre, was mich natür­lich wenig inter­essiert. Mich inter­essieren Mei­n­un­gen echter Men­schen, der Men­schen in meinem Net­zw­erk.

Schön und gut, nur trifft das (“Mei­n­un­gen echter Men­schen”) auch auf jede mir bekan­nte Ama­zon-Rezen­sion zu. Wer aus­re­ichend skru­pel­los ist, sein eigenes Unternehmen unter falschem Namen als her­aus­ra­gend pri­ma darzustellen, den hält auch die Notwendigkeit, sich hier­für geson­dert eines Smart­phones bedi­enen zu müssen, wohl kaum davon ab.

Somit ist Hot­pot let­ztlich auch ein miss­lun­ge­nes Konzept und bietet im Ver­gle­ich mit dem bere­its seit Län­gerem ver­füg­baren Google Places und ähn­lichen Dien­sten keinen wirk­lichen Mehrw­ert, wie auch Caschy schreibt:

Google Hot­pot ist nichts ganz neues, son­dern greift auf Google Places zu.

Dafür also brauchte es nun einen neuen (furcht­baren) Namen, der, gewollt oder nicht, nicht exis­tente Eigen­ständigkeit sym­bol­isiert? Her­rje! Und mal im Ernst, Caschy, der du diesen Beitrag hier ohne­hin als Ping­back ref­eren­ziert bekom­men wirst, so wichtig ist das mit den Kneipen­be­w­er­tun­gen doch wohl kaum, dass …

Es ist schon komisch. Man kommt irgend­wie als sozial verknüpfter Net­zw­erk­er kaum noch um Google und Android herum.

… man sie als Beleg dafür hernehmen kann, dass man “als sozial verknüpfter Net­zw­erk­er” (das haben Net­zw­erke so an sich) qua­si unver­mei­dlich auch zum Googler wird, “die meis­ten haben eh ein Google-Kon­to”, wis­sen die meis­ten das?

Caschy hat es schon erfasst:

Wer glaubt schon irgendwelchem Bull­shit-Bin­go auf Web­seit­en.

Um der­lei zu ver­mei­den, hil­ft also auch keine Android-Äpp. Aber vielle­icht wäre es ein guter Ansatz, ein­fach weniger Blogs zu lesen.