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Real­sa­ti­re in Han­no­ver

Vogelspuren im Schnee
Vogelspuren im Schnee
Hier war gestern, was immer­hin min­de­stens eine wei­te­re Per­son bemerkt hat, statt der gewohn­ten unpro­fes­sio­nell wir­ken­den Text­wü­ste nur eine schlich­te Text­sei­te zu sehen, die in schwar­zer Schrift einen War­tungs­mo­dus impli­zier­te.

Was war kaputt?

Nun, ich war wie­der ein­mal eif­rig dabei, die­ser Inter­net­prä­senz einen aktua­li­sier­ten Word­Press-Unter­bau zu ver­pas­sen, als ein übler Feh­ler auf­trat, indem die Aktua­li­sie­rung der Daten­bank die­ses Systems, manch­mal immer­hin mit irre füh­ren­der Feh­ler­mel­dung, schlicht fehl­schlug. Eine Anfra­ge im deutsch­spra­chi­gen Hil­fe­fo­rum brach­te mich der Lösung des Pro­blems lei­der nicht näher, so dass ich als Not­fall­lö­sung erst ein­mal eine kur­ze Infor­ma­ti­on hin­ter­ließ und mich zu mei­ner sonn­abend­li­chen Unter­neh­mung auf­mach­te, die aus einem Besuch auf dem Han­nö­ver­schen Weih­nachts­markt (will sagen: gemein­schaft­li­chem Warm­ge­trän­ke­kon­sum mit Niveau und einem mög­lichst gries­grä­mi­gen Gesichts­aus­druck wegen der Musik [Last Christ­mas! Argh!] und wegen des Wet­ters und wegen Weih­nach­ten all­ge­mein) bestehen soll­te.

Vor mei­ner Abfahrt hat­te ich mich noch gewun­dert, wie­so auf bahn.de seit kur­zem „pünkt­lich“ neben man­chen Zug­ver­bin­dun­gen zu lesen ist. Inzwi­schen habe ich es her­aus­ge­fun­den: „Pünkt­lich“ bedeu­tet „die plan­mä­ßi­ge Abfahrts­zeit wird unge­fähr ein­ge­hal­ten“, alles ande­re bedeu­tet auch wirk­lich alles ande­re. Soll­te hier jemals der zustän­di­ge Finanz­hei­ni der Deut­schen Bahn vor­bei­schau­en: Ihr könn­tet eine Men­ge Geld spa­ren, wenn ihr das mit den Fahr­plä­nen ein­fach ganz sein lie­ßet und lie­ber in ein paar zusätz­li­che digi­ta­le Infor­ma­ti­ons­ta­feln inve­stier­tet. Gera­de der­zeit, da tech­ni­sche Schwie­rig­kei­ten auf ver­ei­sten Strecken offen­bar der Regel­fall sind, ist es doch ein ziem­li­cher Unsinn, von „plan­mä­ßi­gen Abfahrts­zei­ten“ zu reden, die sich dann, je nach wei­te­rem Strecken­zu­stand, immer wie­der ändern. Immer­hin bewei­sen eure Durch­sa­ger trotz ent­fal­le­ner Ruhe­pau­se zwi­schen Hin- und Rück­fahrt noch Humor: „Wenn Sie wol­len, dass die­ser ver­damm­te Zug end­lich wei­ter­fährt, machen Sie bit­te die Türen frei!“. Das hat dann auch funk­tio­niert.

Außer dem nicht mal, wie sonst üblich, nach bil­li­gem Fusel schmecken­den Glüh­wein und der Selt­sam­keit, dass der Weih­nachts­markt der nie­der­säch­si­schen Lan­des­haupt­stadt (was ja dann doch irgend­wie gegen Nie­der­sach­sen spricht) sich mehr­tei­lig in der Innen­stadt aus­brei­tet und teil­wei­se „fin­ni­sches Weih­nachts­dorf“ und „Mit­tel­al­ter­markt“ heißt, haben mich am Ziel­ort vor allem zwei Din­ge amü­siert:

Es gab einen Stand, der laut Beschil­de­rung „Dampf­nu­del“ (nur eine?), Schupf­nu­deln und guten Appe­tit feil­bot:

Guten Appetit mit Soße

Auf eine ande­re Art bespaßt hat mich aller­dings fol­gen­de Ent­deckung:
Etwas abseits vom Gesche­hen befand sich ein (aller­dings geschlos­se­nes) Geschäft für Waf­fen und Trach­ten­mo­de, in des­sen Schau­fen­ster neben diver­sen Amok­ge­gen­stän­den auch etwas Platz gefun­den hat­te, das ich eigent­lich aus mei­ner Kind­heit etwas anders in Erin­ne­rung hat­te:

Kindermesser

Nun, den Nach­wuchs soll man för­dern, heißt es; und so ver­ließ ich die Sze­ne­rie, um dar­über nach­zu­den­ken, ob ich in den nun­mehr eigent­lich unver­meid­li­chen Arti­kel über die­sen Fund einen Exkurs zum The­ma „Jugend und Gewalt“ ein­bau­en soll­te. Ich ent­schied mich dage­gen.

Die Rück­fahrt ver­lief dann auch ent­spre­chend der Anrei­se, näm­lich ver­spä­tet; so hat­te ich immer­hin noch genug Zeit, mich über das am wenig­sten Kauf­an­reiz bie­ten­de Zeit­schrif­ten­deck­blatt des Jah­res zu amü­sie­ren.

Nach mei­ner Rück­kehr konn­te ich dank des offi­zi­el­len eng­lisch­spra­chi­gen Hil­fe­fo­rums, in dem immer­hin schon ande­re Leu­te das glei­che Pro­blem hat­ten, den Feh­ler fin­den und behe­ben (wenn auch nicht ver­ste­hen). Und hier sit­ze ich nun, stel­le die Ver­öf­fent­li­chung die­ses Bei­trags auf einen halb­wegs akzep­ta­blen Zeit­punkt ein, ver­wei­se noch kurz auf zwei gra­tis her­un­ter­lad­ba­re Live­kon­zer­te jeweils einer fei­nen Postrock­band und gehe schla­fen. Das habt ihr jetzt alle davon.

Senfecke:

  1. Um mal auf den fin­ni­schen Teil des Weih­nachts­mark­tes zu spre­chen zu kom­men: In den ver­gan­ge­nen Jah­ren besuch­te ich bis 2007 den fin­ni­schen Stand. Nicht wegen des Glö­gis und des Lach­ses, der am offe­nen Feu­er gegart wird, son­dern viel­mehr, weil man am Stand in rau­hen Men­gen fin­ni­sche Spe­ku­la­ti­us gra­tis ver­spei­sen konn­te. Bis 2007 des­halb, weil die Fin­nen seit 2008 nunmher Geld dafür ver­lan­gen. Ver­ständ­lich: Ich den­ke, etwa 50% der kon­su­mier­ten Kek­se dürf­ten allein auf mein Kon­to gegan­gen sein. Schrieb ich fin­nisch? Mein Vater schenk­te mir zum Niko­lau­si ein Fla­sche Glö­gi (ohne Alko­hol). Toll, dach­te ich…endlich mal wie­der einen hei­ßen Glö­gi vor der Glot­ze sit­zend trin­ken. Bis ich mir das Schild der Fla­sche etwas näher ansah und den Abfül­ler betrach­te­te. Es han­del­te sich um einen Her­stel­ler aus dem Osten unse­res Lan­des (käme ich aus Ost­deutsch­land, wür­de hier jetzt „unse­rer Repu­blik“ ste­hen). Nur das Etti­ket auf der Vor­der­sei­te wies auf einen Trunk angeb­lich fin­ni­scher Her­kunft hin.

    Ich ließ mir den deut­schen Glö­gi den­noch schmecken.

    Neben­bei: Die Mes­ser wer­de für aus­wär­ti­ge Besu­cher feil­ge­hal­ten, die sch in Han­no­ver nicht so gut aus­ken­nen und die sich auf­grund ihrer man­geln­den Orts­kennt­nis vom Weih­nachts­markt aus leicht in das von Men­schen zwei­fel­haf­ter Her­kunft und von Hellsan­gels besetz­te Stein­tor­vier­tel ver­ir­ren könn­ten (obwohl man gegen die Letzt­ge­nann­ten wohl mit einem Mes­ser reich­lich unter­be­waff­net sein dürf­te).

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