Sonstiges
Der Supermarkt als Spiegel der Wirklichkeit

Wei­h­nacht­en, die Zeit, in der die meis­ten Men­schen nicht mehr alle beisam­men haben beisam­men zu sein beab­sichti­gen, ist eigentlich schon trau­rig genug, betra­chtet man ein­mal seine Verehrer, die Fam­i­lien­leben vom Kalen­der abhängig machen und Reli­gion mit bloßer Bere­itschaft zum Kon­sum gle­ich­set­zen. Die sich angesichts dieser Umstände ger­adezu auf­drän­gende Apathie wird jedoch immer wieder auf eine harte Probe gestellt, die Wirk­lichkeit ist im Dezem­ber zynis­ch­er als in den anderen elf Monat­en.

Auf meinem heuti­gen Gang durch das lokale Einkauf­szen­trum suchte ich aus Grün­den unter anderem den dor­ti­gen Super­markt auf. Dieser, ich berichtete, gibt sich wei­h­nachtlich in der meistver­bre­it­eten, aber inakzept­abel­sten Def­i­n­i­tion von “wei­h­nachtlich”, seit die Bäume sich allmäh­lich ent­blät­terten, und fährt nun­mehr richtig schw­eres Geschütz auf:

Neben Regalen mit “wei­h­nachtlichem Gebäck” (krümeligem überzuck­ertem Zimt­matsch), “wei­h­nachtlichen Spir­i­tu­osen”, “wei­h­nachtlich­er Deko­ra­tion” stand ein weit­eres Regal, mit­tels dessen der Betreiber des Super­mark­tes ein Fer­tig­gericht anpreisen ließ. Es han­delt sich um dieses offen­bar neue Fer­tig­gericht, das mir bis dato tat­säch­lich unbekan­nt war:

Miracolí Avanti

1 Portion

So kon­trastiert der Super­markt das Zer­rbild ein­er glück­lichen Fam­i­lie, wie es die Fernsehsender alle Jahre wieder als Ide­al vor­beten, sub­til mit dem nur wenig feier­lichen Heili­ga­bend ger­ade der Zuschauer, an die sich diese Zurschaustel­lung exaltiert­er Men­schlichkeit wohl wen­den soll; Einzel­gänger und Jungge­sellen inbe­grif­f­en.

Eine Por­tion genügt. Fro­hes Fest.