Netzfundstücke
Küchenlatein

Als Klugscheißer gehoben­er Natur gibt sich Ste­fan Sicher­mann vom BILD­blog dieser Tage, indem er den gle­ich­falls klug scheißen­den Her­rn Wag­n­er von der BILD kor­rigiert, der da ange­blich (ich werde es aus moralis­chen Grün­den nicht selb­st über­prüfen) geschrieben habe:

His­torik­er über­set­zen ter­rere auch mit: “die aus dem Unter­grund kom­men”.
Ter­ra – die Erde.
2000 Jahre später ist Deutsch­land in Ter­ror-Angst. Irgen­det­was kommt unsicht­bar aus der Erde.

Und der Ste­fan Sicher­mann dann so:

(…) Denn die Begriffe “Ter­ror” und “Ter­ra” haben ety­mol­o­gisch soviel miteinan­der gemein wie die deutschen Begriffe “Wurst” und “Durst” — näm­lich vier Buch­staben.

Während die Wurzeln von “ter­rere” im altindis­chen “trásati” (zit­tern) und im griechis­chen “tréo” bzw. “tre­so” zu suchen sind, bedeutet “ter­ra” in etwa “das Trock­ene” (siehe griech. “teraino” bzw. lat. tor­rere “dör­ren, trock­nen”)*.

(Aus tech­nis­chen Grün­den habe ich die griechis­che Schreib­weise hier ein­mal her­ausedi­tiert.)

Und der Ste­fan Sicher­mann kann also ver­mut­lich Latein bess­er als der Franz Josef Wag­n­er, aber mit seinem, dem Ste­fan Sicher­mann seinem, Alt­griechisch ist es nicht weit her; denn, ana­log zu dem (kor­rek­ten) lateinis­chen Infini­tiv “ter­rere”, die Infini­tive zum griechis­chen Verb heißen natür­lich “tréein” bzw. “tre­sein”. Will man indes die erste Per­son Sin­gu­lar Indika­tiv Aktiv (“tréo” bzw. “tre­so”) ver­wen­den, so müsste es gle­ich­sam “ter­ro”, “ich erschrecke”, heißen. Die indis­che Form kenne ich lei­der nicht.

Vielle­icht hätte hier nicht nur das “aus­führliche lateinisch-deutsche Hand­wörter­buch, aus­gear­beit­et von Karl Ernst Georges”, seinen Dienst getan, son­dern zudem wäre ein Blick in ein Gram­matik­lexikon des Griechis­chen sicher­lich keine schlechte Idee gewe­sen. (Übri­gens laut­en die For­men im Neu­griechis­chen noch immer nicht viel anders.)

Na, vielle­icht beim näch­sten Mal.

(Ich habe den Autor der Fre­undlichkeit hal­ber via Mail auf seinen Faux­pas aufmerk­sam gemacht. So viel fair­ness muss dann doch sein.)

Nach­trag:
Ste­fan Sicher­mann schrieb mir, er habe, wie im Griechis­chen üblich, absichtlich die 1. Per­son Sin­gu­lar Indika­tiv Aktiv als Grund­form ver­wen­det. Nun, dann bleibt zumin­d­est die Über­set­zung missver­ständlich. Aber das ist in den alten Sprachen ja so manch­es.

Senfecke:

  1. hab geho­ert “tux” kommt vom altwest­griechis­chroemis­chen “tucedere”, was so viel heisst wie “der, der auf dem klug geschissen hat”

  2. “tuc” an sich ist selb­sterk­lärend. Das sind die Kekse. “edere” hinge­gen ist wom­öglich ent­fer­nt angelehnt an das fliessen des Flusses “Eder” oder das nicht­fliessen des “Eder­sees” im Sauer­land. Zusam­menge­set­zt scheint sich daraus für mich zu ergeben, dass man Kekse in (nicht-)fliessende Gewäss­er befördern sollte. Oder im all­ge­meinen: Tux ertränken!

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