In Tagen der drohenden Internetfilterei nicht nur in Deutschland ist es empfehlenswert, sich einmal mit alternativen DNS-Servern zu beschäftigen. Damit meine ich nun übrigens nicht unbedingt das Google-DNS, das angeblich die DNS-Abfragen, also die Auflösung von Domainnamen, beschleunigt, aber eben von Google stammt und somit ohnehin mit Vorsicht zu genießen ist.
Ein DNS-Server (hat nichts mit Desoxyribonukleinsäure zu tun) wandelt beim Zugriff auf Server im Internet, etwa Web- oder Mailserver, ihre Adressen in IP-Nummern um, denn so ein Computer kann mit Adressen wie “tuxproject.de” erst mal nicht viel anfangen. Da setzen staatliche Zensurinfrastrukturen, auch das geplante “Stoppschild”, an, denn als DNS-Server wird normalerweise der des Internetzugangsanbieters, etwa der Telekom, verwendet. Wenn die Telekom nun beschließt, ihre Kunden nicht mehr auf google.de zugreifen zu lassen, so ist dies nur eine kleine Änderung in ihren DNS-Einstellungen und endlich mal ein Grund, sie zu loben, und schwupps! kommen die Telekom-Schäfchen nicht mehr ohne Umwege auf google.de.
Gegen Ungemach dieser Art helfen alternative DNS-Server, die transparent arbeiten, sich also gern in die Karten schauen lassen. Eine Vielzahl an solchen Servern, einige von ihnen auch in Deutschland stationiert, stellt das OpenNIC-Projekt zur Verfügung, das außer den gewohnten .de‑, .com- und weiteren Top-Level-Domains auch eigene TLD zur Verfügung stellt; zum Beispiel kann man sich, sofern man einen OpenNIC-DNS-Server verwendet, eine Adresse mit der Endung .geek reservieren, die fortan für alle anderen OpenNIC-Nutzer zugänglich ist.
Wenn ein DNS-Serverbetreiber dann einmal Lust bekommt, irgendwelche Zugänge zu sperren, so ist das schnell geändert. Benutzt man etwa Microsoft Windows ohne einen gesonderten Router, kann die notwendige Änderung zum Beispiel mit dem quelloffenen Dns Changer durchgeführt werden. Eine einigermaßen aktuelle Liste an funktionstüchtigen DNS-Servern liegt zum Beispiel dem Programm namebench (Achtung: Google-Programm) bei, das dabei behilflich ist, den für den eigenen Anschluss schnellsten DNS-Server zu ermitteln. (Bitte hierzu unbedingt den oben unter “angeblich” verlinkten Beitrag beachten!)
Was aber gilt es zu tun, wenn man über einen Router ins Internet gelangt, der keine Einstellungsmöglichkeit für alternative DNS-Server anbietet? Hier funktioniert zwar ebenfalls der Dns Changer, aber ein wenig unelegant ist diese Lösung doch, denn man müsste das Programm auf jedem Netzwerkgerät separat aufrufen und einstellen, außerdem sind Adressen wie etwa fritz.box nicht mehr erreichbar und man muss die entsprechenden IP-Nummern manuell in der systemeigenen HOSTS-Datei eintragen. Hat man eine FRITZ!Box, so ist dieses Problem jedoch nicht schwer zu beheben.
Die Antwort auf die implizierte Frage heißt Freetz. Freetz ist, wie die originale AVM-Firmware ebenfalls, eine Linuxdistribution, die für den Einsatz auf FRITZ!Boxen entwickelt wurde und einige Zusatzfunktionen im Lieferumfang hat, etwa einen FTP-Server und, für den hier beschriebenen Zweck besonders interessant, den DNS- und DHCP-Server dnsmasq. Es hat also durchaus mehrere Vorteile, seine FRITZ!Box mit Freetz zu bestücken.
Wie man Freetz installiert, erläutert umfangreich das dortige Wiki. Für den Einstieg sind die Seite “Erste Schritte für Anfänger” und das Freetz-Forum empfehlenswerte Lektüren. (Nein, mit einer kürzeren Erklärung, die garantiert idiotensicher ist, kann ich leider nicht dienen.)
Beim Befolgen der Anweisungen gilt es nur zu beachten, dass dnsmasq in die Paketauswahl aufgenommen werden muss, damit dieser Trick funktioniert.
Wenn die Installation von Freetz (das Flashen der FRITZ!Box also) erfolgreich verlaufen ist, so ist in der Weboberfläche des Routers ein neuer Punkt “Freetz Config” zu finden, der auf die Freetz-Bedienoberfläche verweist. (Alternativ ist es möglich, diese Oberfläche via fritz.box:81 aufzurufen.) Die Standard-Zugangsdaten (Benutzername und Passwort) lauten “admin” und “freetz”, paranoide Zeitgenossen sind jederzeit befugt, sie nach Gusto zu ändern.
In dieser Weboberfläche nun kann die Einstellung für den zu verwendenden DNS-Server grafisch vorgenommen werden, ohne mit der Shell arbeiten zu müssen: In der Navigationsleiste rechts im Menü “Pakete” wurde dnsmasq mit einem eigenen Eintrag eingerichtet.

Sollte dieser Eintrag bei euch, liebe Leser, fehlen, so habt ihr wohl etwas falsch gemacht. Bei Bedarf gebe ich Tipps im Kommentarbereich, manchmal hilft es aber auch schon, das Konfigurationsmenü, das ihr benutzt habt, um Freetz zu kompilieren, noch einmal durchzugehen. Auf der zugehörigen Konfigurationsseite lässt sich der zu verwendende DNS-Server bequem einstellen. Hierzu ist im Feld für die “Optionen” des DNS-Servers folgendes einzutragen:
-R ‑S aa.bb.cc.dd ‑S ee.ff.gg.hh
Statt der gepunkteten Buchstabenreihen sind natürlich die jeweiligen IP-Nummern der gewünschten DNS-Server einzutragen. Ihr könnt beliebig viele DNS-Server hier einrichten, zwei werden empfohlen. Die Option -R sorgt hier dafür, dass die FRITZ!Box die Einstellungen in ihren eigenen Konfigurationsdateien ignoriert, denn ansonsten wäre diese Änderung zwecklos.
Ein Klick auf “Übernehmen” am Fuß der Seite speichert die geänderten Einstellungen und startet den dnsmasq-Daemon neu. Von nun an verwendet die FRITZ!Box den eingestellten DNS-Server. Unter Windows ist es eventuell ratsam, vor dem weiteren Surfen den DNS-Cache zu leeren, etwa mit dem Befehl ipconfig /flushdns.
Um die Änderung des DNS-Servers rückgängig zu machen, genügt es, das Feld “Optionen” wieder auf den vorherigen Zustand zurückzusetzen, also zu löschen, und erneut auf “Übernehmen” zu klicken.
Bei Fragen einfach fragen — fragen kostet bekanntlich nichts.
(Das wäre auch zumindest ein fragwürdiges Geschäftsmodell.)

Nun, ich kenne da gewisse Angehörige gewisser Berufstände, die für gewisse Beratungstätigkeiten, die vor allen Dingen Antworten auf Fragen beinhalten, gerne bezahlt werden möchten. Denn sie haben nicht nur das eigene, sondern auch noch andere Mäuler zu stopfen. Ich möchte das nicht als fragwürdig, sondern als unternehmerisches Denken bezeichnen. Allenfalls die Umschreibung “Geldgier” als allgemein vorhandene Motivation hielte ich für zulässig.
Zu Sache: Die Idee ist grundsätzlich gut. Ich habe den Text zunächst nur überflogen. Leider wird mich die Tatsache, dass nach langer Zeit mein Anschluss nun ohne irgendwelche Zusammenbrüche läuft, wahrscheinlich davon abhalten, meine FRITZ!Box plattzumachen. Ich habe die Einstellungen der Software meiner FRITZ!Box mit Bordmitteln gesichert, wobei ich nicht weiß, ob die Software damit selbst gesichert worden ist. Wohl nicht, oder? Kann man die Sicherung notfalls auch dann zurückspielen, wenn man das ganze System gewechselt hat?
Geldgier halte ich für fragwürdig.
Installiert man Freetz, so bleiben die Einstellungen — inklusive des Passwortes — nachweislich erhalten. Es basiert ja auf der gleichen Firmware. Die Einstellungen verwaltet weiterhin die AVM-Software, Freetz verwendet nicht umsonst einen eigenen Einstellungsdialog.
Warum plattmachen? Es ist, mehr oder weniger, nur ein Addin, wie man auf Neudeutsch sagt.