Eigentlich auch ganz schön:
Die Abende draußen mit Cocktail der Wahl und Eatliz‘ „Teasing Nature“ verbringen.
(Und dieses eine Mal ist mir der belanglose Text dann auch mal egal.)
Eigentlich auch ganz schön:
Die Abende draußen mit Cocktail der Wahl und Eatliz‘ „Teasing Nature“ verbringen.
(Und dieses eine Mal ist mir der belanglose Text dann auch mal egal.)
Manchmal gibt es beim täglichen Internetgucken mit Firefox Situationen, die sich immer wieder wiederholen, etwa der tägliche Besuch der Lieblings-Nachrichtenseiten.
Eine einfache Lösung hierfür ist es, die Arbeit komplett dem Sitzungsmanager zu überlassen, die jeweiligen Seiten also gar nicht erst zu schließen. Alternativ könnte man, wie ich es selbst bis vor kurzem tat, Erweiterungen wie Morning Coffee verwenden, aber sie lassen es meist an Übersichtlichkeit und Flexibilität mangeln. Morning Coffee litt außerdem bis Februar unter Vernachlässigung seitens des Entwicklers, in aktuellen Versionen von Firefox war die Erweiterung nur noch sehr eingeschränkt nutzbar.
Eine mögliche Alternative ist iMacros.
Wie es der Name schon andeutet, rüstet iMacros Makrofunktionalität im Browser nach, es lassen sich also beliebige Aktionen aufzeichnen und jederzeit wiederholen. Hierfür kann man zum Einen den „Aufzeichnen“-Knopf in der iMacros-Seitenleiste verwenden, zum Anderen steht dem Anwender eine mächtige Skriptsprache zur Verfügung, die dennoch leicht zu verstehen ist.
Nehmen wir an, wir würden iMacros gern nutzen, um per einfachem Klick welt.de, spiegel.de und zeit.de aufrufen zu können. Das ist nicht allzu schwierig:
Nach der Installation der Erweiterung und dem obligatorischen Browserneustart ist zunächst die iMacros-Seitenleiste zu öffnen, die über das iMacros-Symbol erreichbar ist, das sich normalerweise bereits in der Symbolleiste eingenistet hat, aber auch nachträglich dort eingefügt werden kann (Rechtsklick – „Anpassen…“):
![]()
Die Liste an Beispielmakros kann gern ignoriert oder gelöscht werden, sie ist für unser Tun nicht von Belang. Nun nämlich ist unter „Rec“ auf „Aufnehmen“ zu klicken. Jeder weitere Schritt ist Teil des Makros. Nun einfach die gewünschten Schritte ausführen, anschließend auf „Stop“ klicken und das Ergebnis unter einem beliebigen Namen, etwa „MORNING COFFEE“, speichern. (Alle Makros werden als Dateien gesichert, sie lassen sich also später auch auf andere Geräte portieren.) Per Rechtsklick auf das neue Makro und Auswahl von „Add to bookmark“ – ja, iMacros ist mitunter etwas unvollständig übersetzt – kann das neue Makro auch in die Lesezeichenleiste gelegt werden, auf Wunsch gar mit seinem kompletten Code, was etwa auf portablen Datenträgern sicher sehr vorteilhaft ist.
Für meine eher an grauer Theorie interessierten wie auch meine programmierbegeisterten Leser ist der Code so eines Makros vielleicht interessanter als die Möglichkeit, es zu benutzen, selbst. Der funktionsfähige Code für ein Makro, das die im Beispiel gewünschten Schritte durchführt, sieht etwa so aus; ich habe zum besseren Verständnis Kommentare eingefügt:
' Öffne neuen Tab TAB OPEN ' Wähle diesen Tab als aktiven Tab aus TAB T=1 ' Wechsle im aktiven Tab zu SPIEGEL Online URL GOTO=http://www.spiegel.de ' Mach das noch zweimal: TAB OPEN TAB T=2 URL GOTO=http://www.welt.de TAB OPEN TAB T=3 URL GOTO=http://www.zeit.de
Tabnummern sind in iMacros, wie man sieht, immer relativ. Lässt man etwa das erste TAB OPEN weg, so wird im gerade aktiven Tab spiegel.de aufgerufen, egal, an welcher Stelle dieser steht. Dies ist selten gewünscht.
Vielleicht fällt bei der Befolgung obiger Schritte auf, dass iMacros standardmäßig eine Minute wartet, bis die jeweilige Seite fertig geladen ist. Bei Seitenausfällen endet das Makro, wenn die Seite nach 60 Sekunden nicht geladen wurde, vorzeitig. Um das zu verhindern, kann man das Makro etwas fehlerresistenter machen, indem man die Wartezeit auf zum Beispiel 10 Sekunden herabsetzt und den Abbruch bei Ladefehlern unterbindet. Der vollständige Code sieht dann so aus:
SET !TIMEOUT_PAGE 10 SET !ERRORIGNORE YES TAB OPEN TAB T=1 URL GOTO=http://www.spiegel.de TAB OPEN TAB T=2 URL GOTO=http://www.welt.de TAB OPEN TAB T=3 URL GOTO=http://www.zeit.de
Die beiden SET-Anweisungen gelten übrigens so lange, bis man sie wieder zurücknimmt. Dies ist an jeder Stelle im Makro möglich.
Mit iMacros ist vieles mehr umsetzbar, vom Ausfüllen eines Formulars bis hin zu komplexen Webseitentests. Natürlich hat der Funktionsumfang auch seinen Preis, denn so einfach wie etwa das eingangs erwähnte „Morning Coffee“ ist iMacros nicht immer zu bedienen. Die gebotene Flexibilität aber ist ebenso wie die Mächtigkeit der Erweiterung ein Argument, iMacros zumindest einmal auszuprobieren.
iMacros gibt es übrigens auch für den Internet Explorer. Aber lohnt sich das?
Liebe Leser,
heute wende ich mich mit einem etwas ungewöhnlichen Sujet an euch, nämlich mit einem Onlinespiel, genauer: mit einem Browserspiel. Browserspiele kennta, kennta, ihr öffnet den Webbrowser eurer Wahl und gebt auf einer Webseite irgendwelche Zahlen ein, damit irgendwelche anderen Zahlen steigen; ungefähr so aufregend wie Minecraft, aber mit menschlichen Gegnern.
Das Spiel, um das es mir hier geht, heißt Galaxy Network.
Wie der Name schon andeutet, handelt Galaxy Network von Kämpfen im Weltall. Die Geschichte, die dahinter steht, ist der von Spielen wie Planetarion und OGame nicht unähnlich: Der Spieler besitzt zu Beginn einen fast kahlen Planeten und ein paar – wie viele, weiß niemand – Bürger, die für ihn Gebäude bauen und Technologien erforschen. Diese Gebäude und Technologien kann der Spieler fortan nutzen, um mit großen, bewaffneten Raumschiffen durch die Gegend zu fliegen und anderen Planeten (lies: Spielern), vereinfacht gesagt, Ressourcen im Form von so genannten „Extraktoren“ zu klauen. Sieger ist, wer nach etwa hundert Tagen seine Gegner am allerfiesesten zusammengeballert hat. Sadisten dürfen sich während der Kampfhandlungen gern vorstellen, wie die Gegner tot aus ihren Raumschiffen fallen. Wie viele Personen an Bord eines Raumschiffes sind, erklärt das Handbuch zu ihrem Glück en detail. Galaxy Network ist also so eine Art Afghanistaneinsatz in groß, oder, wie es ein anderer Spieler ausdrückte:
„Flotte ausbauen, den nächsten Gegner aus dem Universum fegen und die Runde gewinnen.“
Nach der Anmeldung beginnt aber erst einmal die Forschungsphase, in der man 20 Gebäude bauen und 30 Technologien erforschen kann, um die Wirtschaft auf seinem Planeten in Gang zu bringen, Informationen zu beschaffen und Raumschiffe sowie Verteidigungsanlagen bauen zu können. Letztere müssen ebenfalls erforscht werden, hier stehen insgesamt 9 Schiffstypen sowie 5 Einheiten zur orbitalen Verteidigung zur Wahl. Eine Besonderheit hierbei ist, dass man ein Gebäude nur einmal baut und darüber hinaus nicht weiter aufrüsten kann oder muss, zusätzlich gibt es im Technologiebaum zwei Gabelungen, an denen der Spieler sich für eine offensive oder defensive Spielweise entscheiden muss.
Man ist auch nicht auf sich allein gestellt beim Kampf „alle gegen alle“, denn man organisiert sich in Allianzen, Galaxien und Bündniskreisen. Die Kommunikation in Galaxy Network erfolgt zu einem nennenswerten Teil im IRC, also im chat, und kann auch schon mal zu schlaflosen Nächten voller geistreicher, wahlweise auch schlichtweg bekloppter Diskussionen führen. Der soziale Aspekt, den ausgerechnet ein Browserspiel also fördert, zieht mitunter weite Kreise: Man munkelt, durch dieses Spiel sei schon so manche Ehe entstanden und/oder zerbrochen. Zumindest aber eignet es sich dazu, langjährige Freundschaften zu knüpfen oder auch einfach mal abzuschalten.
Die Forschungsphase dauert etwa sieben bis zehn Tage, bis die ersten Flottenbewegungen möglich sind. Ab diesem Zeitpunkt tritt der Teamfaktor des Spiels in den Vordergrund, indem man mit seinen Mitspielern zusammen Gegner attackiert, deren Angriffe abwehrt oder mit ihnen Handel treibt. Überhaupt steht bei Galaxy Network, anders als etwa bei OGame, die community ganz oben auf der Prioritätenliste. Spielt man als Solist, so wird man schnell merken, dass man bloßes Kanonenfutter ist, wenn man nicht geschickt seine Verteidigung aufrüstet.
Zwar ist das ausgereifte Kampfsystem, von Anfang an eine der herausragenden Stärken des Spiels, auf den ersten Blick ziemlich unübersichtlich, aber je länger man spielt, desto besser versteht man, welche Schiffstypen für welchen Zweck am besten geeignet sind. Unnötig ist es da zu erwähnen, dass es mittlerweile elektronische Hilfsmittel gibt, die die von einigen – meist neuen – Spielern als lästig empfundene Rechnerei quasi überflüssig machen.
Die erste Runde von Galaxy Network begann im Jahr 2001, einige der etwa 2.000 Spieler sind also schon seit fast zehn Jahren dabei. Obwohl die beiden Gründer, „Hiob“ und „evuel“, das Spiel vor sechs Jahren an die Spieleklitsche Bigpoint verscherbelt haben, ist der Communitygedanke doch unverändert aktiv. Galaxy Network ist das, was seine Spieler sind. Es geht längst nicht mehr darum, die Nächte vor dem Bildschirm zu verbringen, um irgendwelche Zahlen in einer Datenbank zu vergrößern, es geht darum, gemeinsam etwas zu bewegen.
Wer würde da zögern?
Es gehört zum Wesen neuer Bahn brechender Erfindungen, erst verlacht, dann von den Vertretern etablierter Techniken für grundböse Hexerei erklärt zu werden und schließlich, oft erst Jahrzehnte später, auch diese Skeptiker zu überzeugen.
In welchem dieser Zustände sich gegenwärtig das Internet befindet, ist unklar. Die Meinungen schwanken zwar, aber auch diejenigen, die nicht auf der Seite der Gegner stehen, wissen: Das Internet ist böse. Es tummeln sich dort Großkonzerne neben Casinobetrügern, deren gemeinsames Ziel das schnelle Geld ist, Rücksicht gibt’s nicht vor Ladenschluss. Die Möglichkeit, dass sich jeder frei äußert, liefert Zündstoff für Bürgerkriege. Plattformen wie Wikileaks gefährden das Bestehen der westlichen Welt. Nicht zu vergessen sind all die Kinderschänder, Raubmordkopierer und Terroristen. Hab ich schon Kinderschänder gesagt? Eins immerhin wissen wir: Osama bin Laden war nicht im Internet.
Diese schon oft gehörte Aufzählung ist natürlich ziemlich einseitig und somit fragwürdig. Auf der anderen Seite aber, dort, wo die netizens wohnen, sieht es auch nicht besser aus:
Die Zukunft läge in der Vernetzung, sagen sie, und es wäre gleichsam ein revolutionärer Akt, zu twittern und zu googeln und zu flättern und zu facebooken, hinweg über alle Grenzen und an der ungeliebten Regierung vorbei. „Wir gegen die“, die da draußen und wir hier drin oder auch andersherum. Wir haben alle Informationen in unseren Händen, offline war gestern, heute ist das neue übermorgen. Da muss man halt auch schon mal ein paar Kompromisse eingehen, aber es wird ja niemand gezwungen, sich Freunde zu suchen, die Unternehmen, deren Geschäftsgrundlage der Verkauf von Daten ist, nur allzu gern Auskunft über die eigene Person geben. Kollateralschäden im Vergleich zu all den neuen Möglichkeiten. Wir sind das Internet ist wir sind die Digitale Gesellschaft sind die anderen. Irgendwer nannte das mal Informationskrieg. Blöderweise bin ich Pazifist.
Machine, machine messiah;
the mindless search for a higher controller…“
– Yes: Machine Messiah
Eins aber möchte ich dann doch noch loswerden, bevor die Jahrzehnte vorüber sind:
Ein Staat, der ständig die Konfrontation den Dialog mit der „digitalen Elite“ zu suchen vorgibt, dessen Regierung podcastet und twittert, was das Zeug hält, und der somit das Internet beginnt als Mittel zur Selbstvermarktung zu entdecken, mag sich noch so progressiv vorkommen; so lange aber eine E‑Mail nicht für rechtskräftige Dokumente taugt, ist die Schaumschlägerei vertane Zeit.
Apropos Zivilisation:
Es ist schon seltsam, wie man sich doch in Menschen täuschen kann. Eigentlich war ich bislang nicht von der Meinung abzubringen, mein sorgfältig ausgewählter Bekanntenkreis bestehe ausschließlich aus wenigstens überwiegend zivilisierten Philanthropen mit vereinzeltem Hang zum Zynismus.
Mit bloßem Zynismus aber ist es nicht mehr zu erklären, dass zum Beispiel der ansonsten in Recht und Unrecht vorgeblich bewanderte Didi den systematischen Mord an Sektenführern („Gerechtigkeit“, Barack Obama, c/o „SPIEGEL Online“) als „Feier des Tages“ bezeichnet.
Andererseits ist er da in „guter“ Gesellschaft:
Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat die Tötung des Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden in Pakistan begrüßt.
„Hallo, Tötung! Wie geht’s?“
„Dass diesem Terroristen sein blutiges Handwerk gelegt werden konnte, ist eine gute Nachricht für alle friedliebenden und freiheitlich denkenden Menschen in der Welt“, sagte Westerwelle am Montag in Berlin.
Da freuen sich alle friedliebenden und freiheitlich denkenden Menschen in der Welt aber, dass die Streitkräfte der Vereinigten Staaten wieder einen fiesen Terroristen gemeuchelt haben. Aber er hat es ja verdient, denn:
Bin Laden sei einer der „brutalsten Terroristen der Welt“ gewesen, der das Leben von mehreren tausend Menschen auf dem Gewissen habe.
Wir folgern: Das kranke Weltbild der „westlichen Demokratie“ besagt, dass es eine angemessene Reaktion auf tausendfachen Mord ist, denjenigen, der für den Mord verantwortlich ist, mitsamt seinen Verbündeten und notfalls dem gesamten zivilen Volk in des Verantwortlichen Heimatland niederzustrecken.
Soll ich jetzt kurz zählen, wie viele tausend Menschen aufgrund des Befehls der Herren Bush Jr. und Obama bereits ihr Leben lassen mussten? Und was bedeutet das eigentlich im Umkehrschluss? Nur so als Hypothese, versteht sich.
Aber es ist prima, dass Obama Osama bin Laden nun angeblich tot ist, denn ich bin davon überzeugt, dass sich alle bösen Menschen jetzt ganz dolle fürchten und es nie wieder Krieg geben wird. Ganz ehrlich.
Die Demokratie zu verteidigen ist ein ehrenhaftes Ansinnen:
Am Sonnabend sagten Nato-Offiziere, die Allianz werde keine Gespräche führen, bevor die [libysche] Regierung aufhört, Zivilisten anzugreifen.
Weil nämlich:
[D]er libysche Diktator habe „Waffenruhe angeboten, nur um weiterhin grundlegende Menschenrechte zu verletzen.
Und statt Gesprächen machen sie dann halt so was:
Ein Nato-Luftschlag in Tripolis tötete den Sohn von Muammar al-Gaddafi, sagte ein libyscher Regierungssprecher.
Saif al-Arab und drei von Gaddafis Enkeln seien in einer Villa auf dem Bab al-Aziziya-Gelände gestorben.
Die sind ja auch selber schuld, wenn ihr Opa Menschenrechte verletzt! Da sehen sie mal, wie das ist!
Ich bin dann doch ausnahmsweise mal ein bisschen stolz, dass Deutschland sich nicht zu einer klaren Entscheidung durchringen konnte.
(Überschrift und Quelle: Fefe)
In einem spontanen, gleichwohl überraschenden Anflug von Heiterkeit geradezu pubertärer Natur dachte der Vorübergehende:
„Bei den Preisen ist es ja kein Wunder, dass die Zahl der Teenagerschwangerschaften ebenso wie die Zahl der Armen kontinuierlich steigt. Wirklich hart trifft die Preisgestaltung aber vor allem diejenigen, die trotz kleinerer Maße den vollen Preis zahlen sollen.“
Jüngst lauschte ich dem neuen Werk „A Grounding in Numbers“ der britischen Progressive-Rock-Legende Van der Graaf Generator und sah Potenzial für einen kurzen Verriss meinerseits. Er folgt:
Die Geschichte Van der Graaf Generators ist bewegt, bedenkt man, dass die Band sich seit ihrem Bestehen mehrfach aufgelöst und umbesetzt hat und zwischen zwei Studioalben („The Quiet Zone/The Pleasure Dome“, 1977, und „Present“, 2005) auch schon mal 28 Jahre vergingen. Anders als etwa King Crimson, deren Geschichte ähnlich verlief, hatten „VdGG“ aber auch mit veränderter Instrumentierung nie ihren Stil als Markenzeichen, das leicht düster-theatralische Drama in Musikform, aufgegeben, was wohl auch der Stimme Peter Hammills zu verdanken ist, dem nicht umsonst unheilvolle Beinamen wie „King of Fear“, „König der Angst“ also, angedichtet werden.
Nun also ist „A Grounding in Numbers“ das neue Album der zum Trio geschrumpften Band (Saxophonist David Jackson hatte bereits nach „Present“ zum wiederholten Mal aus unbekanntem Grund seinen Hut genommen), und es ist ein Konzeptalbum zum Thema Mathematik geworden.
Die Texte Van der Graaf Generators waren ja schon immer etwas bodenständiger als die von Genrekollegen wie Yes, sieht man von deren Popausfällen einmal ab, insofern ist das eigentlich noch keine Erwähnung wert. Was aber „A Grounding in Numbers“ anzuhören ist, ist ein beinahe schon radikaler Schnitt in allem, was die Musik der Band einst auszeichnete.
Rückblende: Nach dem drogenschwangeren Psychedelic-Rock-Debüt „The Aerosol Grey Machine“ von 1969 wandten sich „VdGG“ in neuer Besetzung dem Progressive Rock zu und veröffentlichten eine Reihe von legendären Alben wie „H to He who Am the Only One“ von 1970, deren markantestes Merkmal die Instrumentierung (Orgel/Basspedal, Schlagzeug, Saxophon, selten Gitarre) ist. Saxophonist David Jackson wurde später von einem Violinisten vertreten, wodurch die mitunter Angst einflößende Stimme von Peter Hammill noch apokalyptischer (ist das ein Wort?) wirkte.
Und jetzt also: „A Grounding in Numbers“, nach „Trisector“ das zweite Album in Triobesetzung, aber was auf „Trisector“ noch wirkte, nämlich statt des Saxophons Gitarre und Orgel als Klang bestimmende Instrumente zu verwenden, schlägt auf „A Grounding in Numbers“ fehl. In einer anderen Rezension las ich, „A Grounding in Numbers“ sei in der „VdGG“-Diskografie so etwas wie „Road Salt One“ in der von Pain of Salvation: Statt in epischer Breite Geschichten zu erzählen, konzentriert sich die Band auf kurze Lieder und geht dabei so spärlich wie möglich vor. In gewisser Weise hat „A Grounding in Numbers“ die Merkmale von Peter-Hammill-Soloalben, die auch stets eher zerbrechlich als bedrohlich wirken.
Überhaupt ist mir nach Ablauf der fast 49 Minuten – und immerhin 13 kurzen Stücke – nicht so ganz klar, was ich nun von dem Album halten soll. Wäre da nicht das überragende, leider nicht repräsentative „Mr. Sands“, ich hätte wohl bestenfalls die Achseln gezuckt. Instrumentale Ambientstücke statt extrovertierter Dramatik; habe ich versehentlich das falsche Album im Spieler? Ich schaue noch einmal nach: Nein, es stimmt.
Ja, „A Grouding in Numbers“ ist Kunst, ein Musikalbum, das sich mit der Mathematik befasst; sozusagen schon Metakunst. Ich bin kein Kunstkenner und ich gestehe jeder Kunst zu, dass sie Meisterwerke hervorbringen kann. Kunstwerke, die ich nicht verstehe, lobe ich allerdings auch nicht ehrfürchtig, sondern ich lasse sie links oder rechts liegen und warte, bis irgendwer sie wegräumt. Und genau so geht es mir mit diesem Album: Ich lasse es nun liegen und warte, bis es verstaubt.
Vielleicht werde ich es später noch einmal hervorkramen und den „Aha!“-Moment erleben, so ähnlich ging es mir vor einiger Zeit ja auch mit King Crimsons „Lizard“. Man schimpfe mich einen Banausen, aber hier und jetzt ringt es mir nur ein Gähnen ab.
Da lese ich doch gerade bei Klopfer, dass tatsächlich eine Spieleschmiede einen Bauernhofsimulator – „mit Schäfer Heinrich“ – an den Mann bringen will. Absurde Vorstellung!
Immerhin sind die Ansprüche von Computerspielen in den letzten zwei Jahrzehnten sprunghaft gestiegen, von vereinzelten „Hä?“-Ausfällen wie etwa Minecraft einmal ganz abgesehen. Es genügt eben als Spielziel nicht mehr, einen Bauernhof zum Sieg zu führen. Man betrachte nur einmal andere aktuelle Spieletitel wie zum Beispiel Portal 2 oder, äh …
…, ich hab nichts gesagt, entschuldigt die Störung.
(Mit spätem Dank auch an V.!)
Ich mag es, gesammelte Schmierereien aus mehreren Jahren Schulödnis zu lesen.
Nicht, weil mich Ästhetik oder wenigstens Wortgewandheit überzeugen würden, sondern, weil Fundstücke wie dieses bildlich Auskunft über das Leben des Schreibenden geben:
Der (vermutlich) jungen Dame ging vor Verliebtheit versehentlich ihr deutscher Wortschatz flöten.
Ich frage mich, was sie heute denkt, wenn sie ihr Kunstwerk sieht.
Vielleicht: „Jetzt ist es beinahe auf den Tag genau zwei Jahre her, dass ich diesem einen Jungen mein ganzes Herzblut widmete. Und wo ist er heute? Fort mit all unserer gemeinsamen Geschichte!“
Vielleicht auch: „Jetzt kenne ich ihn schon über zwei Jahre lang und bin immer noch so glücklich wie am ersten Tag, mein Leben mit einem so wundervollen Menschen teilen zu dürfen.“
Vielleicht aber auch: „Ich weiß selbst nicht mehr, was damals in mich gefahren ist. So toll war das alles nicht. Hat mal jemand Tipp-Ex?“.
Manchmal ist es schade, dass so ein Bus nicht sprechen kann.
Kein Mensch ist perfekt. Perfektion ist etwas, was den Menschen wie ein unerreichbares Ideal eigentlich sein Leben lang verfolgt; beziehungsweise, genau genommen, andersherum. Und gerade, wenn man sich der eigenen Unperfektion bewusst ist, ist es vermeintlich um so wichtiger, nicht im Stillstand zu verharren, sondern sich immer wieder quasi selbst neu zu erfinden.
Oft geht das aber gründlich schief. Vor Jahren gab es einen kurzen Donald-Duck-Comic, der ungefähr so ging: Donald hilft seiner Freundin Daisy dabei, ihr Haus umzugestalten, und folgt hierzu ihrer Bitte, das – natürlich – schwerste Möbelstück des Zimmers an eine andere Stelle zu rücken. Jeder neue Stellplatz aber missfällt Daisy, und schließlich, als Donald längst außer Atem ist, beschließt sie, dass er es wieder dort, wo es ursprünglich stand, hintragen solle, denn dort hatte es ihr am besten gefallen. Damit endet die Geschichte.
Manchmal erlebt ein Mensch Momente, von denen er sich wünscht, dass sie nie vergehen mögen. Sobald sie vorüber sind, erwächst in ihm der Wunsch, diesen Moment noch einmal zu erleben. Wenn diese glücklichen Momente aber Momente der Zweisamkeit sind, obliegt es nicht allein dem eigenen inneren Schweinehund, sondern dem Konsens, einen ähnlichen Zustand wieder herbeizuführen.
Wie gern ist man da geneigt, gewohnte Verhaltensweisen, wenn nötig, abzulegen! Wenn der selbst vom Lauf der Zeit gezeichnete Partner, mit dem man gemeinsam nächtelang das Leben genoss und, kaum war diese Zeit vorüber, wegen dessen man allein nächtelang am Leben zerbrach, nun als Faustpfand für die Ewigkeit erwartet, dass man sein Selbst in den Dienst der Zweisamkeit stellt, dann wirft man nur allzu gern alle lieb gewordenen Gewohnheiten über Bord, winkt doch zum Tausch gegen Altlasten die Freiheit des Herzens.
Was ist nun aber zu tun, wenn es letzten Endes doch die abgelegten Altlasten sind, die der Partner vermisst?
Wenn jeder Schritt im Bewusstsein anderer ein Schritt in die falsche Richtung ist, ist dann nicht der Stillstand der beste, weil einzig kompromissfähige aller Lebenswege?
Aus dem Leben Donald Ducks, so fiktiv es auch sein mag, kann man vieles lernen; und es besser machen.
Prolog: Im Reich der Legenden gibt es immer wieder solche, die sich darum drehen, dass elektronische Bedruckung nicht immer zu den gewünschten Ergebnissen führt, wie etwa die Internetseite The Daily WTF gern zeigt, so etwa hier.
Kommen wir zum Thema: Vor einer Weile fragte mich ein Haushalt um Rat, welcher Computerhersteller denn Geräte anbiete, deren Anschaffung sich qualitativ lohne. Arglos empfahl ich Dell und bestellte ein geeignetes Modell.
Gestern nun erreichte mich als Konsequenz dieser Tat ein Werbeprospekt des Unternehmens, der mich zu meinem Kauf beglückwünschte und inliegende Sonderangebote versprach, Gutschein inklusive. Ich blätterte nun also vorhin darin und suchte erfolglos nach dem versprochenen Gutschein.
Gutscheine in Prospekten erkennt man meist schon beim Überfliegen, sie werden meist deutlich akzentuiert gedruckt; jedoch fand ich zwar mehrfach einen Hinweis auf den Rabatt, den mir der Gutschein für künftige Anschaffungen gewähren sollte, nicht aber den Gutschein selbst.
Darob frustriert widmete ich mich also dem editorial und fand, was ich zuvor übersehen hatte:
„Wie trickreich!“, sprach ich zu mir.
Auf einen solchen Gutscheincode würde so bald niemand kommen.
Ob Dell damit versucht, subtil gegen die zahlreichen Internetseiten vorzugehen, die selbige verbreiten, weiß ich nicht; aber kreativ sind sie ja, das muss man ihnen lassen.
Was Musik wert sei, fragte Caschy und stellte sodann eine Behauptung auf:
Ich stelle mal eine Behauptung auf: vor uns liegt eine Zeit, in der wir pauschal für Kunst bezahlen. Zumindest Musik. Die großen Plattenfirmen werden Verträge mit Apple, Google, Amazon, Microsoft & Co abschließen – und über jene Firmen werden wir in irgendeiner Form unsere Mucke beziehen, bzw. beziehen wir unsere Tracks bereits daher. Aber, vielleicht wird es ja in Zukunft anders. Nicht mehr einzeln per Track – sondern das komplette Angebot kann für eine pauschale Summe gehört werden.
Das alte Thema der Musikpauschale also ist es, das Caschy bewegt. Das ist ein durchaus wichtiges Thema: Sollte die quasi gegebene Allgegenwärtigkeit von Musik nicht auch neue gesetzliche Vertriebsmöglichkeiten mit sich bringen? Die oft gescholtene „Generation Download“, die, genau genommen, generationsübergreifend ist, lädt bisher auf legalem Wege hin und wieder ein paar Stücke herunter. Wie aber die Minutentarife der Internetanbieter irgendwann flatrates wichen, so wäre ein ebensolcher Tarif auch für Musik, so argumentieren manche, nur der nächste logische Schritt. Als „Fortschritt“ wird es von diesen (technischen Entwicklungen gegenüber durchaus meist aufgeschlossenen) Leuten meist bezeichnet, den Wert von Musik nicht mehr in Tantiemen per Minute oder Kilobyte zu messen, sondern die Ware für einen wie auch immer berechneten Obulus gänzlich von ihrem individuellen finanziellen Aspekt zu befreien. (Ich lege zur weiteren Lektüre die Abhandlung „Gut kopiert ist halb gewonnen“ von Jens Seipenbusch nebst dazu gehörendem Kommentarbereich ans Herz.)
Eines steht außer Frage: Will man sich einer breiten (im Sinne einer zahlreichen) Zuhörerschaft erschließen, sind digitale Vertriebswege in jegliche Überlegungen mit einzubeziehen. Musik ist Kunst, und sei es noch so schlechte Kunst, und sie lebt von den Menschen, nicht aber die Menschen von ihrem Ausverkauf.
Es wird dem Wert der Musik also nicht gerecht, beziffert man ihn in bloßer Währung. Tatsächlich reden die Vermarkter von Wert und meinen Umsatz. Der Umsatz, den ein Produkt generiert, ist aber in der Regel um ein Vielfaches höher als der bloße (Material-)Wert. Musik wird hier also behandelt wie Kleidung und Lebensmittel. Allein: Welchen Materialwert hat so ein Musikstück? Es geht doch vielmehr um das „geistige Eigentum“, und das „geistige Eigentum“ eines Liedes liegt nicht bei Sony oder sonstigen Schattenriesen, es sei denn, der Konzern Sony hat es höchstselbst erdacht. Kann man diesen „geistigen“ Wert in Währung umrechnen? (Wie steht der Wechselkurs?)
Nun gibt es zwei Arten von Musikliebenden: Jene, die Musik als Kunstwerk verstehen, und die schon erwähnte „Generation Download“. Ersteren ist der Siegeszug der Schallplatte und inzwischen der CD zu verdanken, die den Musikvermarktern zu Villen und teuren Autos verholfen haben, und sie frönen ihrer Liebhaberei meist jahrzehntelang. Der Musikindustrie aber ist das, so scheint es mir, weitgehend hupe, sie haben sich auf die zweitere Gruppe fixiert, denn von ihr können sie zwar nicht erwarten, dass sie in großen Stückzahlen Musikalben erwerben, wohl aber, dass ihr Taschengeld für „Remixe“, Klingeltöne und vor allem einzelne Lieder in kaputtkomprimierter Bitrate draufgeht.
Ein noch nicht allzu angestaubtes Beispiel: Im Jahr 2009 erschien das Gesamtwerk der Beatles erstmals komplett neu abgemischt und – auch die ersten Alben – in Stereo. Dass es von dieser „Box“ unter anderem auch eine limitierte (und teurere) Auflage gibt, in der selbst die Tonträger, bekanntlich ein nicht unerheblicher Aspekt eines Musikalbums, einem (immerhin hübschen) USB-Stick weichen mussten, zeigt schon, wohin die Reise wohl gehen soll, aber ich möchte eigentlich auf etwas ganz anderes hinaus, nämlich auf die enthaltene Musik selbst.
In den Kommentaren auf Onlineplattformen wie etwa Amazon.de zeigt sich ein Großteil der Käufer über das ihnen Offenbarte höchst erfreut; Plattformen, die naturgemäß zum Revier der „Generation Download“ gehören. Die Spanne der positiven Anmerkungen reicht hier von „endlich muss man die Alben nicht mehr einzeln kaufen“ bis „endlich kann ich die blöden alten Beatles-Schnulzen auch mal in Stereo hören“. Interessant ist es aber zu sehen, dass keiner der Fünfbesterner sich überhaupt mit den Änderungen in puncto Qualität dieser Stereo-Abmischungen befasst zu haben scheint, denn darüber verlieren sie kein Wort. Vereinzelt melden sich dort aber auch jene zu Wort, die Musik als Kunstwerk verstehen, und ihr Fazit ist ernüchternd: Detailliert zwar, aber auch kraftlos klängen die neuen Fassungen, obendrein fehle den meisten Stücken die einst deutlich zu hörende Dynamik. Es sei, als habe man einfach alles ein wenig lauter gedreht und das Überstehende abgeschnitten.
Nur ist das keine Einbildung, sondern, Musikfreunde bitte hinsetzen, festhalten und auf einen Messergriff beißen, beabsichtigt. Die verantwortlichen Tontechniker, denen ich von Stund an ungeachtet guter und richtiger Stellungnahmen („diese dummen, kleinen Ohrstecker, die Apple, also die Computerfirma, mitliefert, sind offen gesagt völliger Schrott“) fortan keine ruhige Nacht mehr wünsche, vermeldeten:
Wir lassen die Beatles lediglich so klingen, wie man sie immer wahrgenommen hat, nur besser denn je.
Detailliert liest sich das so:
Letztlich mussten wir die neuen CD-Versionen den heutigen Hörgewohnheiten der breiten Masse anpassen, die vor allem alles unglaublich laut und weniger differenziert hören will. (…) Wir arbeiten den Erwartungen der Platten kaufenden Öffentlichkeit zu.
Meines Empfindens sind Zitate wie diese aussagekräftig genug, um zu beschreiben, welchen Wert man, geht es nach dem Dafürhalten der Rechteverwerter, der Musik, verglichen mit dem ständigen weißen Rauschen, das uns umgibt, in dieser schnelllebigen Zeit noch beimessen soll. Allein: Ich verweigere mich dem.
Es gibt zwei Arten von Musikliebenden. Ratet, welche von ihnen den Wert der Musik zu schätzen weiß.
Musik hat die Menschen zu allen Zeiten bereichert, sie durch gute und schlechte Zeiten begleitet. Musik berührt ihr Innerstes und bringt ihr Äußeres zum Tanzen. Musik reißt Brücken ein und baut dafür neue wieder auf. Musik ist die Sprache der Liebe und der Einsamkeit; Musik ist eine Sprache, die jeder versteht. Musik ist der Weg und das Ziel zugleich. Das, nichts anderes, ist der Wert der Musik.
Ein weiterer elektronischer Liebesbrief trudelte gerade in meinem Liebesbrief-Sammelpostfach ein. Warum er das tat, weiß ich nicht, denn die angegebene Adresse ist nicht meine; aber ich freue mich ja immer über etwas Zuwendung.
Eine gewisse „Natalya Small“ bittet um meine Aufmerksamkeit mit folgendem Anliegen:
Ich interessiere mich fur eine zuverlassige mannliche
Wäre ich gerade ein bisschen zynischer, würde ich ja nun fragen, ob da das Wort „Putze“ fehlt, aber es ist ja noch das Karwochenende, und da soll man nicht immer tanzen, singen und so böse sein, sagt der Papst, weil man dann in die Hölle kommt.
Aber stattdessen lese ich die Stellenbeschreibung, vielleicht spricht mich das Angebot ja an?
Hallo!
Ich bin Natalya.
Hallo!
(Erstaunlich, auf was für lustige Absender-Mailaliase (in diesem Fall „bub_weymouth“) man so kommt, wenn man Natalya heißt. Aber ich sollte mich nicht beklagen, meine Mailadressen sind auch manchmal ziemlich seltsam gewählt.)
Ich fullte ein Profil im Dating-Agentur vor Ort, und jetzt habe ich ‚ve Ihre E‑Mail.
„Vor Ort“ ist übrigens ein Terminus aus der Kriegsberichterstattung. Findet man meine Mailadresse in Flirtzentren in umkämpften Landstrichen? Ach, Natalya, ich wüsste nur zu gern, wo ich Sie verorten kann!
Womöglich auch im All; bin ich doch sicher nicht der einzige, dem „ich ‚ve“ bekannt vorkommt.
Jar-Jar Binks, du bist ertappt!
Andererseits:
Ich habe nicht dein Profil oder Bild gesehen, aber in der Agentur marrige sie Sie erzahlten mir, dass wir miteinander kompatibel sind.
„Agentur marrige“ klingt dann doch ziemlich französisch; „aschentür marriesch“. Eine possierliche Sprache eigentlich.
Sie, verehrte Natalya, irren übrigens, denn ich erzählte Ihnen, glaube ich, noch gar nichts. Als dem Nerdtum nicht grundsätzlich abgeneigter Empfänger muss ich übrigens dann doch ein bisschen kichern: Mann und Frau sind also „kompatibel“. Plug-and-Play-Unterstützung inklusive, nehme ich an.
Ach, einen Anhang hat die Gute auch mitgeschickt. Was mag das nur sein?
Es handelt sich um eine Bilddatei. Zu sehen ist eine Allerweltsblondine, Marke Nichtmeintyp. Um wen es sich handelt, kann ich nur raten, sofern ich jedoch richtig rate, legt sich meine Libido dann doch lieber noch ein paar Stunden aufs Ohr, während ich weiter begierig die Buchstaben verfolge.
Ich glaube, Sie haben meine Fotos nicht gesehen, und so bin ich Ihnen mein Bild.
Auch ich bin Ihnen mein Bild; und zwar bis auf Weiteres schuldig.
Ich habe nicht Freund, und ich hoffe, dass wir interessante Dialog haben.
Ist die Zugehörigkeit zu einem etwaigen Lebensgefährten ein Grund, dass Dialoge weniger interessant sind? Nun, je nach Neigung vermutlich schon. Aber einen interessanten Dialogbeginn habe ich mir schon überlegt: Wie kommt es eigentlich, dass eine Allerweltsblondine, Marke Nichtmeintyp, unbekannter Herkunft so wenig Aussicht auf dauerhafte Bindung in näherer Umgebung hat, dass sie sich eines solchen Mittels bedienen muss?
Dies ist meine private E‑Mail und Sie konnen mir schreiben.
Welche – die Absenderadresse oder die, die als Antwortadresse angegeben ist? Womöglich beide?
Sicherheitshalber sollte ich die Agentur danach fragen. Aber wie erreiche ich die?
Ach, es ist alles so furchtbar kompliziert!
Ich werde fur Ihre Antwort warten. Natalya Small
Das eigentlich Entspannende an dieser Mail ist ja, dass immerhin die förmliche Anrede konsequent beibehalten wird, was durchaus nicht üblich ist in den Liebesbriefen dieser Tage.
Aber ich schätze, ich werde die Dame dennoch warten lassen.
Und da wir gerade beim Verlinken waren:
Nicorola und daraufhin unter anderem der mir bis dahin völlig unbekannte Herr beetFreeQ warfen jüngst die Frage auf, warum wir ollen Musikfanatiker – auch bei den Schallgrenzen wird „gescrobbelt“ – uns eines Dienstes wie Last.fm bedienen, an den wir zwar mit fast sämtlichen Geräten, die wir so zum Musikhören nutzen, übermitteln können, was wir gerade so hören, der uns aber ansonsten keinen wirklichen Mehrwert bringt.
Das Prinzip von Last.fm ist eigentlich simpel: Man meldet sich an, gibt dann die Anmeldedaten in das Last.fm-fähige Gerät seiner Wahl ein und weiß fortan genau, was man wann gehört hat. Das sieht zum Beispiel so aus, wenn man ich ist. Vor Jahren war das eine Innovation, inzwischen kann man sich vor Nachahmern kaum mehr retten. Der oft prophezeite „Tod“ von Last.fm ist dennoch bislang ausgeblieben, und das ist gut, denn nicht jede Nische gewinnt mit Konkurrenz. Der Vorteil von Last.fm war es bisher, dass es eine gewisse Monopolstellung inne hatte. Das Modell Last.fm mit „Empfehlungen“ und „Gruppen“ funktioniert nun einmal am besten, wenn die Nutzung des Dienstes Konsens ist. Dienste mit ein paar hundert verstreuten Leuten, für die es genug Alternativen gibt, sind zwar ganz nett und zeigen eventuell neue technische Möglichkeiten auf, aber soziale Vernetzung kann so nicht funktionieren.
Tja, warum nutze ich Last.fm? Ich hatte mich dort vor vielen Jahren angemeldet, weil es mir interessant erschien; gar eine eigene Gruppe („Sgt. Pepper Fanatics“) initiiert, mit der ich mich auch heute noch identifizieren kann. Einige Leute, mit denen ich mehr oder weniger regelmäßigen Kontakt habe oder jedenfalls hatte, fanden den Weg in meine „Freundesliste“, und es war nur wenig erstaunlich, zu sehen, dass die „musikalische Übereinstimmung“ selten allzu gering war, tauscht man doch mit Freuden Musik aus, von der man glaubt, sie könnte auch dem Gegenüber gefallen.
Ansonsten allerdings interessiert mich diese „Freundesliste“ ungefähr so viel wie die mitunter als Argument angeführten „Künstlerbiografien“, die selten mehr sind als Wikipedia-Zitate. Ich werde aber nicht selten gefragt, „was für Musik“ ich denn so höre, und da bietet sich ein Verweis auf mein Last.fm-Profil an, selbst, obwohl mein heißgeliebter mobiler Musikspieler nicht mit Last.fm umzugehen weiß und ich nur wenig Freude an dem Gedanken habe, mein Mobiltelefon mit permanenter Internetverbindung und einer riesigen Musikbibliothek auszustatten und ebendieses Profil somit zwar repräsentativ, aber alles andere als vollständig ist. Zupass kommt manch einem Musikinteressierten übrigens auch das System der „Empfehlungen“, die Last.fm erteilt, denn nicht in jedem Genre, das man hört, hat man einen solchen Überblick über Artverwandtes wie die Last.fm-Datenbank.
Die vermeintliche „Konkurrenz“ von Like.fm betrachte ich übrigens nicht als solche, denn, um bei dem Beispiel zu bleiben, ich selbst nutze Like.fm. Like.fm bietet mir persönlich den Vorteil, dass ich nicht nur meine gerade gespielten Lieder bei Last.fm bekannt machen kann, sondern obendrein YouTube-Videos und ähnliche Medien erfasst und gleichfalls publiziert werden können. Es ist also vielmehr eine Ergänzung als eine Konkurrenz, immerhin ist die Anbindung an das eigene Last.fm- wie auch an ein etwaiges Facebook-Konto – wieso auch immer man das wollen sollte – bereits vorgesehen.
„Web 2.0“, so las ich einmal, bedeute die Vernetzung von Menschen, nicht mehr nur die von statischen Inhalten. Jedenfalls mir fällt gerade nur wenig ein, was einen Menschen besser beschreibt als sein Musikgeschmack.
Insofern ist Last.fm von seinem „Tod“ sicher weit entfernt, und auch, wenn er es dereinst ereilt:
Der Dienst hat einen Markt begründet, der dem ganzen Gefasel von „sozialer Vernetzung“ so nahe kommt wie kein anderer vor ihm. Möge ihm noch ein langes Leben beschieden sein!