PersönlichesLyrik
Sie. (Frag­ment 4)

… Als er wie­der in sein kal­tes, lee­res Zim­mer zurück­kehr­te, sah er sich um. An der Wand hin­gen Bil­der von ihr. Ihm war, als sei­en Jah­re ver­gan­gen, seit er allein heim­ge­kehrt war. Die Bil­der an der Wand waren das Ein­zi­ge, was er von ihr mit­ge­nom­men hat­te; er hät­te, des­sen war er sich sicher, sie nicht zurück­las­sen dür­fen. Das Wis­sen dar­um, dass er nun hier, Hun­der­te von Kilo­me­tern von ihr ent­fernt, saß und in Erin­ne­run­gen schwelg­te, statt dort zu sein, wo er sich end­lich ange­kom­men wähn­te, ließ ihn schwer­mü­tig wer­den. Jedes Mal hat­te er sich vor­ge­stellt, wie es wäre, wür­de er sie ein­fach nicht mehr los­las­sen. „Lächer­lich“, dach­te er dann jedes Mal und wuss­te, dass er es gar nicht lächer­lich fand. War es nicht immer sein Traum gewe­sen, end­lich anzu­kom­men, die Rei­se, auf der er sich fort­wäh­rend befand, end­lich been­den zu kön­nen?

Nun aber, da er allein war und in den Gedan­ken an sie zu ertrin­ken, zu ersticken glaub­te, fühl­te er wie­der den ste­chen­den Schmerz der Nar­be in sei­nem Her­zen, die ihm jeder Abschied bis­lang zuge­fügt hat­te. Es war sinn­los, es abzu­strei­ten: Er war nur noch eine Sil­hou­et­te. Alles, was er zu sein glaub­te, hat­te er bei ihr gelas­sen.

Sie beherrsch­te sei­ne Träu­me und sei­ne Gedan­ken. Immer wie­der hat­te sie ihn gefragt, war­um er sie nicht ein­fach ver­ges­sen konn­te, und er hat­te belang­lo­se, nichts sagen­de Ant­wor­ten gege­ben. Er konn­te es sich ja selbst nicht erklä­ren. Ihm fiel Xavier Naidoo ein, der gesun­gen hat­te: „Wenn sie vor­bei­geht, dann scheint es wie ein Feu­er­werk. Vor einem Him­mel ist es sie, die ich bemerk‘.“ Er lieb­te sie, weil sie ihn lieb­te; und weil er sich end­lich gebor­gen fühl­te.

Er hat­te einen Gedan­ken an „spä­ter“ immer ver­drängt; zu groß war sei­ne Angst davor, dass er sich in Wunsch­träu­me ver­lie­ren wür­de, die über sei­nem Kopf zusam­men­stür­zen wür­den. Zwar hat­te er schon ein­mal dar­an gedacht, wie es wäre, nicht mehr allein zu leben, aber vor wei­ter rei­chen­de Ent­schei­dun­gen hat­te ihn noch kei­ne der Frau­en in sei­nem Leben gestellt. Dann kam sie.

Seit damals war alles anders. Er hat­te sei­nen Weg zurück zu ihr und in ihr Herz gefun­den; sei­ne Kam­mer war unbe­rührt, sein Name stand noch an der Tür, als wäre nie etwas gewe­sen. Den­noch hat­te sich etwas ver­än­dert. Sein Leben hat­te er bis­her am Augen­blick aus­ge­rich­tet, aber er spür­te, dass er nun auf etwas gesto­ßen war, was ein­ma­lig war. War es Schick­sal, Glück oder Vor­se­hung?

Was immer in sei­nem Leben noch gesche­hen wür­de, war ihm längst egal; sein ein­zi­ger Gedan­ke galt nur mehr ihr. Er wuss­te selbst nur zu gut, dass er Träu­men all­zu oft hin­ter­her gelau­fen war, aber irgend­et­was ihm immer ein Bein gestellt hat­te. Mit die­sem Traum aber, den er nicht mehr nur träum­te, son­dern längst leb­te, soll­te es nicht so enden. In einem Som­mer, der nur mehr blas­se Erin­ne­rung war, hat­te er sich selbst geschwo­ren, er wür­de ihn ihr erfül­len. Jetzt war es an der Zeit.

Er ver­miss­te es, bei ihr zu sein, ihre Nähe zu spü­ren.
Er ver­miss­te es, in ihre Augen – „die­se Augen!“, dach­te er – zu sehen.
Er ver­miss­te sie.

Er war nicht mehr der Herr sei­ner Gedan­ken. Es war sein Herz, das sie lenk­te.
Und sein Herz wuss­te, was er woll­te.

Er blieb noch lan­ge vor ihrem Bild ste­hen. Trä­nen ran­nen sei­ne Wan­gen hin­ab. Aus dem Fern­se­her im Wohn­zim­mer erscholl Bonos Stim­me. „It’s a beau­tiful day…“. Nie zuvor hat­te er so wenig Freu­de an die­sem Lied. …

Senfecke:

  1. Ergrei­fend zu lesen. Weil einem das alles irgend­wie bekannt vor­kommt. Wenn da nicht nur die Stel­le mit Xavier Naidoo wäre.

  2. Nein, ein Anwalt mit hass­ge­präg­ten Abnei­gun­gen gegen immer glei­chen Sing­sang (um die hier ver­fehl­ten Begrif­fe „Sin­gen“ und „Spre­chen“ nicht benut­zen zu müs­sen). Ich weiß, dass Dei­ne Fra­ge sich auf etwas ande­res bezieht.
    Zum Edi­tor hat­te ich Bjoern schon eine Email gesen­det. Ich den­ke, er bezieht sich auf die Updates zu mei­nem Bericht über „Shut­ter“.

  3. Ich füh­le mich geehrt Tux… Nein ich mei­ne den Edi­tor von Tux oder habe ich den nur… kann ja sein das einer mei­ner Scrip­te auch hier ihr Werk tuen

  4. schön geschrie­ben, sehr bewe­gend, trotz­dem bleibt das War­um für alles fol­gen­de hm

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