… Als er wieder in sein kaltes, leeres Zimmer zurückkehrte, sah er sich um. An der Wand hingen Bilder von ihr. Ihm war, als seien Jahre vergangen, seit er allein heimgekehrt war. Die Bilder an der Wand waren das Einzige, was er von ihr mitgenommen hatte; er hätte, dessen war er sich sicher, sie nicht zurücklassen dürfen. Das Wissen darum, dass er nun hier, Hunderte von Kilometern von ihr entfernt, saß und in Erinnerungen schwelgte, statt dort zu sein, wo er sich endlich angekommen wähnte, ließ ihn schwermütig werden. Jedes Mal hatte er sich vorgestellt, wie es wäre, würde er sie einfach nicht mehr loslassen. “Lächerlich”, dachte er dann jedes Mal und wusste, dass er es gar nicht lächerlich fand. War es nicht immer sein Traum gewesen, endlich anzukommen, die Reise, auf der er sich fortwährend befand, endlich beenden zu können?
Nun aber, da er allein war und in den Gedanken an sie zu ertrinken, zu ersticken glaubte, fühlte er wieder den stechenden Schmerz der Narbe in seinem Herzen, die ihm jeder Abschied bislang zugefügt hatte. Es war sinnlos, es abzustreiten: Er war nur noch eine Silhouette. Alles, was er zu sein glaubte, hatte er bei ihr gelassen.
Sie beherrschte seine Träume und seine Gedanken. Immer wieder hatte sie ihn gefragt, warum er sie nicht einfach vergessen konnte, und er hatte belanglose, nichts sagende Antworten gegeben. Er konnte es sich ja selbst nicht erklären. Ihm fiel Xavier Naidoo ein, der gesungen hatte: “Wenn sie vorbeigeht, dann scheint es wie ein Feuerwerk. Vor einem Himmel ist es sie, die ich bemerk’.” Er liebte sie, weil sie ihn liebte; und weil er sich endlich geborgen fühlte.
Er hatte einen Gedanken an “später” immer verdrängt; zu groß war seine Angst davor, dass er sich in Wunschträume verlieren würde, die über seinem Kopf zusammenstürzen würden. Zwar hatte er schon einmal daran gedacht, wie es wäre, nicht mehr allein zu leben, aber vor weiter reichende Entscheidungen hatte ihn noch keine der Frauen in seinem Leben gestellt. Dann kam sie.
Seit damals war alles anders. Er hatte seinen Weg zurück zu ihr und in ihr Herz gefunden; seine Kammer war unberührt, sein Name stand noch an der Tür, als wäre nie etwas gewesen. Dennoch hatte sich etwas verändert. Sein Leben hatte er bisher am Augenblick ausgerichtet, aber er spürte, dass er nun auf etwas gestoßen war, was einmalig war. War es Schicksal, Glück oder Vorsehung?
Was immer in seinem Leben noch geschehen würde, war ihm längst egal; sein einziger Gedanke galt nur mehr ihr. Er wusste selbst nur zu gut, dass er Träumen allzu oft hinterher gelaufen war, aber irgendetwas ihm immer ein Bein gestellt hatte. Mit diesem Traum aber, den er nicht mehr nur träumte, sondern längst lebte, sollte es nicht so enden. In einem Sommer, der nur mehr blasse Erinnerung war, hatte er sich selbst geschworen, er würde ihn ihr erfüllen. Jetzt war es an der Zeit.
Er vermisste es, bei ihr zu sein, ihre Nähe zu spüren.
Er vermisste es, in ihre Augen — “diese Augen!”, dachte er — zu sehen.
Er vermisste sie.
Er war nicht mehr der Herr seiner Gedanken. Es war sein Herz, das sie lenkte.
Und sein Herz wusste, was er wollte.
Er blieb noch lange vor ihrem Bild stehen. Tränen rannen seine Wangen hinab. Aus dem Fernseher im Wohnzimmer erscholl Bonos Stimme. “It’s a beautiful day…”. Nie zuvor hatte er so wenig Freude an diesem Lied. …


Ergreifend zu lesen. Weil einem das alles irgendwie bekannt vorkommt. Wenn da nicht nur die Stelle mit Xavier Naidoo wäre.
Wusste garnicht das Du von so was weißt
Klasse!
Super Editor… wo bekommt man den?
Ich mag Xavier Naidoo auch nicht sonderlich. Ein Anwalt mit Gefühlen?
(Editor?)
Nein, ein Anwalt mit hassgeprägten Abneigungen gegen immer gleichen Singsang (um die hier verfehlten Begriffe “Singen” und “Sprechen” nicht benutzen zu müssen). Ich weiß, dass Deine Frage sich auf etwas anderes bezieht.
Zum Editor hatte ich Bjoern schon eine Email gesendet. Ich denke, er bezieht sich auf die Updates zu meinem Bericht über “Shutter”.
Ich verstehe.
Björn, du verwirrst mich.
Ich fühle mich geehrt Tux… Nein ich meine den Editor von Tux oder habe ich den nur… kann ja sein das einer meiner Scripte auch hier ihr Werk tuen
Der Kommentareditor hier hat ein Emoticon- und ein Button-Plugin. Ist ansonsten der normale.
schön geschrieben, sehr bewegend, trotzdem bleibt das Warum für alles folgende hm