NetzfundstückeIn den NachrichtenPolitik
Kurz ver­linkt XLI: Wah­re Fin­nen

„Wah­re Fin­nen“ (auch: „Basis­fin­nen“) heißt über­setzt die fin­ni­sche, ziem­lich erfolg­rei­che Par­tei, die seit Tagen die Kon­sens­freun­de in Euro­pa nicht mehr ruhig schla­fen lässt, etwa Eva-Maria vom Polar­blog:

Was tun in die­ser Stun­de, in der die Nach­barn plötz­lich gar nicht mehr so harm­los aus­se­hen, son­dern wie sini­ste­re Cha­rak­te­re? Die es rich­tig gut fän­den, wenn Finn­land so täte, als sei es allein auf der Welt? Schot­ten schlie­ßen und raus aus dem Euro und den indis­ku­ta­blen Por­tu­gie­sen und Grie­chen den Stin­ke­fin­ger zei­gen? Weil wir ach so ordent­lich sind und rich­tig rech­nen kön­nen? Ist das die Lösung?

Mit weni­ger Iro­nie, dafür einer bei­na­he schon über­trie­be­nen Beto­nung auf den Umstand, dass die „wah­ren Fin­nen“ rechts­po­pu­li­sti­sche Posi­tio­nen ver­tre­ten, ver­mut­lich, um die Gemü­ter derer, die bei dem Wort „rechts“ schon in Rase­rei ver­fal­len, ein­zu­stim­men, tönt der SPIEGEL:

Finn­lands Wahl­sie­ger dro­hen Euro­pa

Die „Dro­hung“ sieht so aus, dass man in Finn­land offen­bar nicht mehr all­zu viel Lust auf die Geld­schie­be­po­li­tik der EU hat, die das Euro­sy­stem über­haupt erst ermög­licht:

Soll­ten die „Wah­ren Fin­nen“ tat­säch­lich in der künf­ti­gen Regie­rung sit­zen und sich dort mit ihren For­de­run­gen durch­set­zen, könn­te Hel­sin­ki die EU-Ret­tungs­hil­fen blockie­ren.

„Ret­tungs­hil­fen“ ist eigent­lich ein schö­ner Euphe­mis­mus. Tat­säch­lich ist doch die EU, was wir nicht erst seit den diver­sen Staats­plei­ten der ver­gan­ge­nen Jah­re wis­sen, ein geschei­ter­tes Modell. Die Wäh­rungs­uni­on schien prak­tisch, war aber letzt­lich unnütz, gar kon­tra­pro­duk­tiv, denn die Miss­wirt­schaft der bank­rot­ten Staa­ten änder­te sich auch nach grö­ße­ren Finanz­sprit­zen der noch nicht ganz so bank­rot­ten Staa­ten nicht. (Wie auch immer man die­ses „bank­rott“ eigent­lich defi­niert, fast 2 Bil­lio­nen Euro Staats­schul­den genü­gen anschei­nend jeden­falls nicht.) Von den eigen­ar­ti­gen Ideen, die Deutsch­land der EU sonst noch so zu ver­dan­ken hat, möch­te ich in der Rubrik „Kurz ver­linkt“ gar nicht erst anfan­gen, sonst wird es eine doch recht lan­ge Ver­lin­kung.

Was an den Posi­tio­nen der „Basis­fin­nen“ nun „rechts­po­pu­li­stisch“ sein soll, weiß man beim SPIEGEL lei­der eben­so wenig zu beant­wor­ten wie Jens Ber­ger, der zwar Euro­pa­fein­de und Euro­pa­skep­ti­ker detail­liert zu unter­schei­den weiß, aber Euro­pa­skep­sis auch mit blo­ßem Popu­lis­mus aus irgend­wel­chen „Rich­tun­gen“ ver­wech­selt.

Wir soll­ten, so mei­ne ich, nicht mit dem aus­ge­streck­ten Zei­ge­fin­ger auf die Fin­nen zei­gen, die mehr Mut zu eigen­stän­di­gem Den­ken zei­gen als unse­re Wahl­be­rech­tig­ten, son­dern uns an ihnen ein Bei­spiel neh­men. Dass natio­nal­staat­li­ches Den­ken in Deutsch­land schnell Kri­ti­ker auf den Plan ruft, ist wohl auch den Jah­ren bis 1945 geschul­det, soll­te aber nicht davon ablen­ken, dass ein Staat, der zugun­sten halb­ga­rer Inte­gra­ti­on in ein kul­tu­rel­les Pot­pour­ri die natio­na­le Iden­ti­tät – pri­mär sind wir nun mal Deut­sche und damit auch Euro­pä­er, nicht aber anders­her­um – ver­nach­läs­sigt, sich selbst qua­si belie­big aus­tausch­bar und hand­lungs­un­fä­hig macht.

Ist das die Lösung?

Nerdkrams
Nach­trag zu bar­coo: Wer’s hat, der hat’s.

Vor eini­gen Wochen erwähn­te ich lobend unter ande­rem die Anwen­dung „bar­coo“ und dach­te, damit erst ein­mal genug für die Wür­di­gung des Android-Systems getan zu haben.

Soeben aller­dings sah ich geschwi­ster­be­dingt Fern­seh­wer­bung für das iPho­ne auf einem die­ser tren­di­gen Sen­der, die glau­ben, man fühl­te sich als poten­zi­el­ler Kon­su­ment eher ernst genom­men, wenn man per­ma­nent geduzt wird, und da hieß es unter ande­rem:

„Wenn du kein iPho­ne hast, dann hast du auch nicht den App Store“, stimmt, ich habe statt­des­sen den Android Mar­ket und zahl­rei­che alter­na­ti­ve mar­kets, und damit auch kei­nen Zugriff auf die „größ­te Aus­wahl an apps“, was ich ja nun mal bezweif­le, ach­tet Apple doch pein­lich genau dar­auf, was ins Töpf­chen und was ins Kröpf­chen wan­dert. Jeden­falls wur­de als kla­rer Plus­punkt für eben­je­nen App Store der Umstand genannt, dass es dort auch eine app gäbe, mit­hil­fe derer ich sehen könn­te, was „in mei­nem Essen drin ist“, und damit war, natür­lich, bar­coo gemeint.

Ich muss­te ein wenig schmun­zeln, als der Schluss­satz fiel:

Wenn du kein iPho­ne hast…, dann hast du kein iPho­ne!

Ich schät­ze, die­ser Satz wird bei mir noch eine Wei­le haf­ten blei­ben, spie­gelt er doch das gesam­te Ver­mark­tungs­kon­zept von Apple („wie­der ein­mal alles anders“) sehr schön wie­der. „Ja, es gibt Alter­na­ti­ven, aber, äh, die sind nicht von Apple!“

Dan­ke, kei­ne wei­te­ren Fra­gen.

In den Nachrichten
Min­der­hei­ten­wit­ze

Apropos Minderheiten; Eintracht Braunschweig: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.In den letz­ten Tagen ist ja eini­ges pas­siert. Ein schreck­li­cher Mode­ra­tor des scheuß­li­chen Radio­sen­ders FFN („ffn“) etwa wur­de auf­grund in sei­ner furcht­ba­ren Sen­dung erzähl­ter Ost­frie­sen­wit­ze wegen Volks­ver­het­zung ange­zeigt. Heu­te nun, dem ÖPNV sei „Dank“, hör­te ich aus­nahms­wei­se selbst die­sen Sen­der und war erschüt­tert: Die Mode­ra­to­ren dort mach­ten sich über die offen­bar als lächer­lich emp­fun­de­ne Anzei­ge lustig, die anschei­nend inzwi­schen zurück­ge­zo­gen wor­den war, erzähl­ten den bean­stan­de­ten Witz gleich noch mal und begrün­de­ten die geschmack­li­che Ent­glei­sung damit, dass der­ar­ti­ge Wit­ze im Volk ver­brei­tet sei­en. Zu Wort kam auch der fie­se Volks­ver­het­zer („ich habe mich schon auf den Knast gefreut, haha­ha“), und mir war irgend­wie mal so gar nicht danach, die­sem Sen­der wei­ter­hin mei­ne wert­vol­le Auf­merk­sam­keit zu wid­men.

Aber noch ein Aber: Wit­ze über Min­der­hei­ten sind nicht weni­ger frag­wür­dig allein dadurch, dass sie All­ge­mein­gut sind. Die qua­si belie­bi­ge Aus­tausch­bar­keit von Ost­frie­sen, Blon­di­nen und, sagen wir mal, Juden und der Umstand, dass in der Regel die Betrof­fe­nen selbst am mei­sten Spaß an der­lei Wit­zen zu haben vor­ge­ben, recht­fer­tigt sie noch nicht. (Huch, habe ich Juden geschrie­ben? Wie geschmack­los von mir!)

Ande­rer­seits fol­ge­re ich aus der Ent­wick­lung, dass Wit­ze über eth­ni­sche und son­sti­ge Min­der­hei­ten nun­mehr der poli­ti­cal cor­rect­ness, auf die die belieb­te Feman­zen­be­we­gung so gern pocht, voll ent­spre­chen, was mir als Freund des gut gemach­ten Bra­chi­al­hu­mors sehr gele­gen kommt.

ffn-Pro­gramm­di­rek­to­rin Ina Tenz meint: „Rand­grup­pen­wit­ze ecken immer an – vor allem bei den Rand­grup­pen. Mit ein biss­chen Humor erträgt sich’s leich­ter!“

Genau; nehmt mal alle euren Stock aus dem Hin­tern und wer­det mal locke­rer. Frau Tenz geht mit gutem Bei­spiel vor­an und erträgt selbst voll­kom­men niveau­lo­se, unter jede Gür­tel­li­nie gehen­de, selbst sexi­sti­sche Wit­ze über sie mit gera­de­zu stoi­scher Gelas­sen­heit, neh­me ich an, so als Rand­grup­pe („ffn-Pro­gramm­di­rek­to­rin“) ist sie ja gera­de­zu prä­de­sti­niert dafür.

Übri­gens, kann­tet ihr den schon?:
Wie vie­le „ffn-Pro­gramm­di­rek­to­rin­nen“ braucht man, um eine Glüh­bir­ne zu wech­seln? Kei­ne ein­zi­ge! Hihi.

(Na gut, war eher so mittel­lu­stig. Bes­se­re Wit­ze bit­te als Kom­men­tar hin­ter­las­sen.)

In den Nachrichten
Digi­ta­le Spieß­ge­sel­len

Nur mal so ein Gedan­ke:

Wenn ich als eini­ger­ma­ßen netz­be­flis­se­ner Nicht­blog­ger, Viel­sur­fer und Pirat, als Kli­schee­bild des digi­ta­len Men­schen also, jetzt eine Lob­by­ver­ei­ni­gung habe, die den Anspruch erhebt, bei Poli­ti­kern und ver­mut­lich auch Groß­in­du­strie in mei­nem Namen zu spre­chen, die wie­der­um sich sehr dar­über freu­en, dass sie für die bis dato abstrak­te digi­ta­le Gesell­schaft jetzt einen offi­zi­el­len Ansprech­part­ner haben:

Muss ich jetzt eigent­lich Mit­glieds­bei­trä­ge zah­len?

Netzfundstücke
Kurz ver­linkt XL: Des Kra­ken Heil

Und da wir gera­de bei frag­wür­di­gen Welt­an­schau­un­gen waren, bit­te ich mei­ne geneig­ten Leser aus­nahms­wei­se, die­ses eine Mal, bei Goog­le – den URL bei Bedarf bit­te selbst recher­chie­ren – vor­bei­zu­schau­en (Pro­xy und deak­ti­vier­te Coo­kies wärm­stens nahe gelegt) und sich mal eine hüb­sche Poin­te für den total lusti­gen Witz zu über­le­gen, den sie da gera­de machen:

Anschlie­ßend lege ich einen Besuch neben­an bei Mike nahe, der zu Recht fragt:

Hat schon ein­mal jemand von denen, die irgend­wel­che Goog­le-ser­vices (oder ande­re Dien­ste ausser­halb von Goog­le wie iwv­box, flattr, face­book, twit­ter, paypal und so wei­ter und so wei­ter) auf ihren Web­sei­ten ein­bin­den, die AGB und die Daten­schutz­be­stim­mun­gen der betref­fen­den Dien­ste gele­sen? UND ver­stan­den?

Emp­feh­lens­wert ist das alle­mal.
Schö­nes Wochen­en­de!

MusikPolitik
Nazi­ex­port

(Vor­be­mer­kung: Im fol­gen­den Text ver­ar­bei­te ich die zur­zeit wie­der gras­sie­ren­de All­ge­gen­wart von Auf­ru­fen zu Demon­stra­tio­nen „gegen Rechts“. Poli­tisch Des­in­ter­es­sier­te wer­den um höf­li­che Miss­ach­tung gebe­ten, poten­zi­el­le Kri­ti­ker ver­wei­se ich pro for­ma noch­mals auf den Umstand, dass ich momen­tan unver­än­dert pro­gres­siv-libe­ra­ler Pirat bin.)

‘Nazi­ex­port’ wei­ter­le­sen »

MusikIn den NachrichtenKaufbefehle
Luci­en Dubuis Trio, außer­dem: Neu­es von Yes!

Auf den Baby­blau­en Sei­ten fand ich heu­te Nacht das Luci­en Dubuis Trio, ein instru­men­ta­les Trio (ach was?) aus der Schweiz. Die drei Musi­zi­sten spie­len einen Jazz­rock, der dem Hörer die Gehör­gän­ge frei­pu­stet. Im Fal­le des Zweit­lings „Tovo­r­ak“ liest sich das zum Bei­spiel so:

Luci­en Dubuis ent­lockt sei­nem Instru­ment die man­nig­fal­tig­sten Töne, die zu beschrei­ben kei­ne Spra­che der Welt genü­gend Wör­ter bereit­hält. In allen Varia­tio­nen von Knur­ren, Brum­men, Trö­ten, Quiet­schen und Zwit­schern (tat­säch­lich!) wird das Saxo­fon mal­trä­tiert, und es wür­de mich nicht wun­dern, wenn es wäh­rend der Auf­nah­men geschmol­zen wäre.

Gele­gent­lich greift Luci­en Dubuis auch zur Kon­tra-Bass­kla­ri­net­te, ein Instru­ment, des­sen Aus­se­hen eher an ein Abfluss­rohr gemahnt – und das auch genau so klingt! Gera­de­zu unter­ir­disch sind die brum­men­den, knur­ren­den, knar­zen­den Töne, die er damit her­vor­bringt, und die durch­aus mal mit locker swin­gen­den oder gar Reg­gea-arti­gen Rhyth­men kom­bi­niert wer­den. Eine ori­gi­nel­le Mix­tur!

Nun ist hier kei­nes­wegs ein Musi­ker auf Ego­trip unter­wegs, Dubuis‘ Mit­strei­ter sind alles ande­re als blo­ße Rhyth­mus­ge­ber. Roman Now­ka lässt den Bass rum­peln, pum­pen, hüp­fen und pol­tern, Lio­nel Fried­li wuselt bestän­dig über die Fel­le. Dabei haben es die drei nicht per­ma­nent auf hals­bre­che­ri­sches Tem­po oder ohren­be­täu­ben­den Lärm abge­se­hen; zwar gibt es bra­chia­le Attacken wie das pun­kig-aggres­si­ve Insom­nie (dabei schläft man garan­tiert nicht ein!), das Trio hat aber auch lei­se­re und lang­sa­me­re Töne im Pro­gramm – nur dass die­se genau so kan­tig, schroff und ver­trackt aus den Boxen pur­zeln und die Trom­mel­fel­le des Hörers ver­kno­ten.

Die ersten bei­den Alben, „Sumo“ und eben „Tovo­r­ak“, sind mitt­ler­wei­le aus­ver­kauft, dafür kann man sie gra­tis und legal von der Web­site der Band oder via eMu­le her­un­ter­la­den. Wärm­stens emp­foh­len!

Und da wir gera­de bei Musik waren: Kürz­lich hat­te ich über das bis dato letz­te Stu­dio­al­bum von Yes berich­tet, jetzt, zehn Jah­re nach des­sen Ver­öf­fent­li­chung, rat­tern die Nach­rich­ten­ticker qua­si im Stun­den­takt und lie­fern Berich­te über Neu­ig­kei­ten im Yes-Uni­ver­sum.

Die Geschich­te von Yes war schon immer, King Crims­on nicht unähn­lich, von Beset­zungs­wech­seln geprägt. Ein­zig Bas­sist Chris Squi­re ist seit der Grün­dung 1968 ohne Aus­stieg dabei und drückt der Musik der Band sei­nen cha­rak­te­ri­sti­schen Stem­pel auf. Rick Wak­e­man und Jon Ander­son, bei­de Teil der „klas­si­schen Beset­zung“, sind bereits seit eini­gen Jah­ren aus gesund­heit­li­chen Grün­den nicht mehr dabei, ersetzt wur­den sie von Oli­ver Wak­e­man, Sohn des „gro­ßen Blon­den“, und Benoît David, einst – iro­ni­scher­wei­se – Sän­ger einer Yes-Cover­band.

Nun dreht sich das Beset­zungs­ka­rus­sell wie­der. Wir erin­nern uns an die Zeit nach „Tor­ma­to“, das 1978 ver­öf­fent­licht wur­de: Wegen anhal­ten­der schlech­ter Stim­mung ver­lie­ßen Rick Wak­e­man und Jon Ander­son Yes, wäh­rend die übri­gen Musi­ker an neu­en Stücken arbei­te­ten. (Ähn­li­ches pas­sier­te etwa zehn Jah­re spä­ter, als „Ander­son, Bruford, Wak­e­man & Howe“ sich von Yes trenn­ten und ein vor­züg­li­ches Album auf­nah­men.) Im glei­chen Stu­dio wie Yes musi­zier­ten auch die Bug­gles (Tre­vor Horn und Geoff Dow­nes), die gera­de mit „Video Kil­led The Radio Star“ eini­ges Auf­se­hen erregt hat­ten, und freun­de­ten sich mit ihnen an. Als offen­sicht­lich wur­de, dass eine Reuni­on in abseh­ba­rer Zeit nicht statt­fin­den wür­de, über­nah­men sie die vakan­ten Posten des Sän­gers und des Key­boar­ders. In die­ser Beset­zung nah­men sie das Album „Dra­ma“ auf, das 1980 erschien. Die Bug­gles gin­gen weni­ge Mona­te spä­ter wie­der eige­ne Wege, Yes fan­den wie­der zusam­men, damit schien das Kapi­tel abge­schlos­sen; jeden­falls für drei Jahr­zehn­te.

Wäh­rend der Auf­nah­men zu „Dra­ma“ war unter ande­rem ein Stück namens „We Can Fly From Here“ übrig geblie­ben, das zwar auf eini­gen Kon­zer­ten gespielt, aber nie für ein Stu­dio­al­bum auf­ge­nom­men wur­de. Das hat Chris Squi­re eini­ge Zeit spä­ter auch bemerkt, und so rief er Tre­vor Horn, mitt­ler­wei­le ein gefrag­ter Musik­pro­du­zent, an und bat ihn, als Pro­du­zent an einer nun end­lich geplan­ten Auf­nah­me des Stückes teil­zu­neh­men. Zusam­men mit eini­gen ande­ren Stücken, die laut Chris Squi­re alle­samt um die sechs Minu­ten lang sind, ent­stand so ein gan­zes neu­es Album namens „Fly From Here“, in des­sen Zen­trum nun das genann­te Titel­stück ste­hen soll. Der ande­re Bugg­le, Geoff Dow­nes, hat inzwi­schen ohne des­sen Wis­sen Oli­ver Wak­e­man am Key­board abge­löst, wäh­rend Jon Ander­son und Rick Wak­e­man sich mit Tre­vor Rabin, eben­falls ein Yes-Mit­strei­ter frü­he­rer Tage, ander­wei­tig betä­ti­gen. („ABWH“ lässt grü­ßen.)

Eine von Yes‘ Stär­ken ist das Zusam­men­spiel von Ste­ve Howe und Chris Squi­re. Rick Wak­e­man hat nach „Tor­ma­to“ sinn­ge­mäß gesagt, die Stim­me von Jon Ander­son sei das, was Yes aus­macht, und sei­nen Hut genom­men. Das Ergeb­nis, „Dra­ma“, ist das wohl meist­ge­lob­te Album der „spä­ten“ Yes gewor­den. Nun also sind die Instru­men­ta­li­sten von damals wie­der ver­eint, ergänzt von einem wie­der­um neu­en Sän­ger, den man auf Grup­pen­bil­dern sofort als Neu­zu­gang erkennt. Wie das Ergeb­nis klingt? „Ein biss­chen wie ‚Dra­ma‘ “, sagt Ste­ve Howe, und spä­te­stens im Juli wis­sen wir es genau­er.

KaufbefehleNerdkrams
Sub­li­me Text 2: Nicht bes­ser, son­dern anders

Auch über­zeug­te Vim-Nut­zer wie ich beschrän­ken sich ungern auf einen ein­zi­gen Edi­tor, denn es gibt immer wie­der Anwen­dungs­fäl­le, in denen ein zwei­ter Edi­tor gute Dien­ste lei­sten kann; sei es, um eine defek­te Vim-Kon­fi­gu­ra­ti­ons­da­tei zu kor­ri­gie­ren, sei es, weil man gera­de an einer schrot­ti­gen Tasta­tur sitzt und somit ein GUI für zum Her­um­klicken hilf­rei­cher ist als Vims Tasten­kür­zel, sei es aus Freu­de am Her­um­spie­len mit neu­er Soft­ware.

Die­sen Platz nahm bei mir bis­her Note­pad++ ein, das weit­hin als bester kosten­lo­ser Text­edi­tor für Win­dows-Syste­me gilt, aber abge­se­hen von sei­nem umfas­sen­den Funk­ti­ons­um­fang ein eher unauf­fäl­li­ges Pro­gramm ist, ohne Ecken und Kan­ten zwar, aber auch ohne visu­el­len Reiz. Auch bei uns Spar­ta­nern Puri­sten isst das Auge manch­mal mit, selbst dann, wenn es nicht ums Essen geht.

Dann stieß ich bei Nils auf die ersten Test­ver­sio­nen des por­ta­blen Edi­tors Sub­li­me Text 2 und bin inzwi­schen so begei­stert, dass Note­pad++, jah­re­lang treu­es Arbeits­tier, das Feld räu­men muss­te.

Dass eini­ge mei­ner Leser zwar mit Gän­gel­sy­ste­men wie Mac OS X oder Ubun­tu Linux arbei­ten (müs­sen), mei­ner Vor­lie­be für Vim aber bis­lang nichts abge­win­nen konn­ten, ist mir bekannt. Erfreu­li­cher­wei­se ist Sub­li­me Text außer unter Win­dows auch unter die­sen Syste­men ver­füg­bar. Im Fol­gen­den beschrän­ke ich mich den­noch der Ein­fach­heit hal­ber auf die Bedie­nung unter Win­dows.

Als erstes fällt dem Benut­zer ver­mut­lich die Bedien­ober­flä­che auf, die kom­plett anpass­bar ist. Ich bevor­zu­ge mini­ma­li­sti­sches Aus­se­hen ohne viel Schnick­schnack, da passt es gut, dass Sub­li­me Text mit einem Druck auf F11 wie vie­le aktu­el­le Web­brow­ser in den Voll­bild­mo­dus umge­schal­tet wer­den kann. Aber auch im Fen­ster­be­trieb ist Sub­li­me Text viel­sei­tig anpass­bar, ob es nur um das Aus­blen­den der Menü­lei­ste (mit Alt holt man sie wie­der zurück) oder um ein völ­lig ande­res Farb­sche­ma geht.

Auf die­sem Bild zu sehen sind unter ande­rem die Mög­lich­keit, meh­re­re Datei­en gleich­zei­tig (in Zei­len, Spal­ten oder als Git­ter) anzu­zei­gen, und die „Mini­map“, eine Art schnel­le Über­sicht dar­über, wo in der Datei man sich gera­de befin­det, am rech­ten Fen­ster­rand. Was optisch „fehlt“, ist die aus ande­ren Edi­to­ren bekann­te Mög­lich­keit, Code­blöcke ein­zu­klap­pen, aber da dies ohne­hin nor­ma­ler­wei­se nicht auto­ma­tisch geschieht, fällt die­ser Ver­lust nicht ins Gewicht, zumal man ihn mit einem Plug­in kom­pen­sie­ren kann. (Es exi­stiert auch eine Mög­lich­keit, für die Ein­füh­rung die­ser Funk­ti­on zu stim­men.) – Nach­trag: Mit Stand Juli 2012 ist das code fol­ding bereits seit eini­gen Mona­ten stan­dard­mä­ßig vor­han­den.

Apro­pos Plug­ins: Sub­li­me Text 2 ist in der Spra­che Python skript­bar, was den Edi­tor theo­re­tisch bei­na­he so mäch­tig und fle­xi­bel macht wie Vim. Eini­ge Plug­ins, dar­un­ter auch eine Vim-Emu­la­ti­on, sind im Sub­li­me-Text-Wiki beschrie­ben und her­un­ter­lad­bar. Dass Sub­li­me Text 2 neben­bei noch von Haus aus mit Com­pi­lern wie javac „reden“ kann, ist bei­na­he schon selbst­ver­ständ­lich, aber bei all dem Funk­ti­ons­um­fang fühlt sich das Pro­gramm oben­drein noch flink und flüs­sig an.

Ein Wer­muts­trop­fen bleibt: Sub­li­me Text ist Share­ware, eine Lizenz kostet der­zeit stol­ze 59 US-Dol­lar, also unge­fähr 40,75 Euro; Men­gen­ra­batt gibt es im Zeh­ner­pa­ket. Ent­wick­ler Jon Skin­ner betreibt jedoch eine kun­den­freund­li­che Lizenz­po­li­tik, die nicht lizen­zier­te Ver­si­on ist momen­tan („curr­ent­ly“) weder zeit­lich noch funk­tio­nal ein­ge­schränkt.

(Apro­pos hüb­sche Pro­gram­me: Unter Win­dows spie­le ich der­zeit twit­ternd mit MetroT­wit her­um. Ein wenig trä­ge, aber ein Augen­schmaus und oben­drein funk­ti­ons­reich.)

SonstigesFotografie
Erstat­ten Sie?

Neu­lich im ser­vice cen­ter:

„Ich habe hier am Auto­ma­ten die­se Fahr­kar­te für 12 Euro gekauft, kann die Fahrt aber lei­der nicht mehr antre­ten, und sie war zu teu­er, um sie ver­fal­len zu las­sen, dar­um bit­te ich um Erstat­tung.“
– „Macht drei Euro!“
– „Hier, bit­te.“
– „Dan­ke. Schö­nen Tag noch!“

(Mit Dank an den toll­sten Men­schen die­ses Pla­ne­ten, min­de­stens.)

Lyrik
Lob­ge­sang des Pop­li­te­ra­ten

Schon vie­les habe ich ver­fasst in Pro­sa und als Reim,
doch weni­ge nur lesen es; zu trocken soll es sein?!

Ich schrei­be über Emo­ti­on, Hass, Unge­rech­tig­keit,
von Lie­be, Sehn­sucht, Eifer­sucht, von Zwie­tracht und von Neid!

Das Föje­tong hat mich ent­deckt, ver­ur­teilt mei­nen Schrieb,
der „irgend­wie wie and’­re“ sei, ich also nur ein Dieb?

Nein!, sag ich, Banau­sen, schweigt! – oder, noch bes­ser, brüllt,
denn des Dich­ters Eigen­lob wird durch Miss­gunst erfüllt.

Ich schwim­me auf dem rei­ßend‘ Strom der popu­lä­ren Dich­ter,
will kochen wie einst Höl­der­lin und schreib doch bloß wie Lich­ter.

So bleib ich ohne Hin­ter­sinn und bos­haf­tes Sub­til,
ich brau­che kei­ne Wort­ge­walt und kei­nen eig’nen Stil.

Wofür denn auch? Erfolg und Ruhm erschei­nen nicht mehr weit,
ich träum vom Preis für Lit’ra­tur, wie man ihn mir ver­leiht.

(Und die Moral von der Geschicht‘:
Jaud und Lobo liest man nicht.)

MusikSonstiges
Medi­en­kri­tik L: Hand aufs Herz (oder: Tra­cy Chap­mans Bot­schaft)

Dass ich mich von schnul­zi­gem Kitsch fern­zu­hal­ten pfle­ge, ist den mei­sten Lesern mei­ner Tex­te ver­mut­lich geläu­fig, eben­so von allem, was in mir auch nur den lei­se­sten Ver­dacht erregt, dass schnul­zi­ger Kitsch nicht aus­bleibt. (Aus die­sem Grund hal­te ich mich – mit Aus­nah­men – auch von gewis­sen Musik­blogs aus Ber­lin fern.)

Inso­fern ist es eigent­lich ver­wun­der­lich, dass mir die der­zeit wochen­tags auf Sat.1 aus­ge­strahl­te Tele­no­ve­la „Hand aufs Herz“ nicht schlecht gefällt, soll hei­ßen: Ich habe erst­mals seit dem Ende der „Wochen­show“ wie­der einen Grund, mich für das zu inter­es­sie­ren, was Sat.1 so zeigt.

Die Hand­lung ist nicht immer ein­fach zu durch­schau­en; die Tele­no­ve­la spielt in einer Schu­le, es herrscht jedes Rol­len­kli­schee: Vom läs­sig gelang­weil­ten Schul­pflich­ti­gen über den Mäd­chen­schwarm bis zur intri­gan­ten Schul­zicke kann sich jeder Zuschau­er viel­leicht mit irgend­je­man­dem iden­ti­fi­zie­ren, über­haupt lebt „Hand aufs Herz“ von Intri­gen. Zusam­men gehal­ten wird die Geschich­te von einer Art Rah­men­hand­lung: Eine eini­ger­ma­ßen jun­ge Leh­re­rin, frü­her Schü­le­rin, kommt an die Schu­le und wird prompt des Mor­des an einer Schü­le­rin ver­däch­tigt, wor­auf­hin ihre Freun­de und Ver­wand­ten nach Spu­ren suchen, um sie zu ent­la­sten. Zwar erfuhr der Zuschau­er in die­ser Woche, wer der Täter wirk­lich war, aber bis sich das auch in der Serie her­um­ge­spro­chen hat, könn­te es noch eini­ge Zeit dau­ern.

So weit noch nichts all­zu unge­wöhn­li­ches; aber so rich­tig inter­es­sant (lies: sehens­wert) ist „Hand aufs Herz“ für uns Musik­ver­rück­te vor allem wegen der „S.T.AG“. Eini­ge der Schü­ler näm­lich bil­den zusam­men eine Musik­ka­pel­le, die auch im Vor­spann erscheint und somit ein tra­gen­des Ele­ment der Serie dar­stellt, und tat­säch­lich wird viel gesun­gen und sich mit­un­ter – anfangs etwas unbe­hol­fen, spä­ter etwas weni­ger unbe­hol­fen – auch ein wenig dazu bewegt. Und anders, als man es bei der augen­schein­li­chen Ziel­grup­pe erwar­ten soll­te, wird da kei­nes­falls pein­li­cher Pop­quatsch zele­briert, son­dern so rich­tig pri­mae Sachen wie „She Said“ von Plan B oder zum Bei­spiel auch mal was von den Car­di­gans und, jetzt habe ich doch end­lich mal eine Über­lei­tung gefun­den, „Tal­kin‘ ‚bout a Revo­lu­ti­on“ von Tra­cy Chap­man.

„Wer ist Tra­cy Chap­man?“, höre ich da die Leu­te fra­gen, und ich ver­wei­se sie auf die Wiki­pe­dia, gern gesche­hen.

Die­se Tra­cy Chap­man nun sang 1988 in dem erwähn­ten Lied von der Revo­lu­ti­on der Arbei­ter­klas­se, qua­si als Wider­stand gegen die unter­drücken­de Obrig­keit, und so ist es eine, wie ich mei­ne, aus­ge­zeich­ne­te Wahl, geht es dar­um, einen Schü­ler­streik anläss­lich eines unsym­pa­thi­schen neu­en Schul­lei­ters musi­ka­lisch in Sze­ne zu set­zen:

Poor peo­p­le are gon­na rise up
and get their share.
Poor peo­p­le are gon­na rise up
and take what’s theirs.

Im deut­schen Fern­se­hen kommt es lei­der viel zu sel­ten vor, dass Refe­ren­zen auf Lie­der mit inhalt­li­chem Tief­gang über­haupt beach­tet wer­den, sofern man nicht gera­de arte guckt; dass sie dann auch noch in einem pas­sen­den Kon­text und für die Jugend anspre­chend auf­be­rei­tet prä­sen­tiert wer­den, lässt mich hof­fen. Ich wün­sche den für die Lied­aus­wahl der Serie zustän­di­gen Per­so­nen viel Gesund­heit und ein noch mög­lichst lan­ges Leben, auf dass sie Nach­ah­mer fin­den und noch lan­ge in Arbeit und Brot ste­hen mögen!

Und man möge mich, um noch mal kurz auf das The­ma zurück­zu­kom­men, für den Rest mei­nes Lebens mor­gens mit Pla­ce­bo und/oder Muse wecken, wenn ich mich irre, aber ich hal­te die Cover­ver­si­on doch für ein beein­drucken­des Stück Musik, das dem Ori­gi­nal kei­nes­falls nach­steht.

(So, und jetzt zurück an die Halb­jah­res­li­ste 2011, es gibt noch viel zu tun.)

PolitikIn den NachrichtenPiratenpartei
Pro­fis mit Pro­fil

Da schau her, der Herr Wester­wel­le – ver­mut­lich der ein­zi­ge Grund, dass die Pünkt­chen­par­tei mit all ihren Lob­by­ver­tre­tern, ihrem feh­len­den Pro­fil und der hei­ßen Luft, als die sich die Wahl­ver­spre­chen auch bei der letz­ten Bun­des­tags­wahl, wie üblich, her­aus­ge­stellt haben, über­haupt noch eini­ger­ma­ßen unbe­scha­det die 5‑Pro­zent-Hür­de über­sprin­gen kann – ist nun, wie befürch­tet, abge­tre­ten.

Dass die­ser Schritt drin­gend not­wen­dig war, ist selbst­ver­ständ­lich, denn:

Die FDP habe ein mas­si­ves Glaub­wür­dig­keits­pro­blem, das nicht zuletzt dem Füh­rungs­per­so­nal geschul­det sei.

Dass die Glaub­wür­dig­keit nicht unbe­dingt steigt, wenn ein Nach­wuchs­po­li­ti­ker wie Phil­ipp Rös­ler in sei­nem Amt als Gesund­heits­mi­ni­ster sei­ne ein­zi­ge Her­aus­for­de­rung, die Gesundheits-„Reform“, erst mal gründ­lich ver­kackt, hat sich even­tu­ell noch nicht bis zur F.D.P. her­um­ge­spro­chen; eben­so­we­nig wohl der Umstand, dass sich ein Wäh­ler bei Wah­len nicht zwi­schen zwei, son­dern zwi­schen deut­lich mehr Par­tei­en ent­schei­den kann:

[D]ie Libe­ra­len müss­ten bei wei­te­ren Ver­lu­sten fürch­ten, „nicht die Grü­nen, son­dern die Pira­ten­par­tei als neu­en poli­ti­schen Geg­ner“ zu bekom­men.

Die ande­ren Par­tei­en, die Stim­men abbe­kom­men, die einst Stim­men für die F.D.P. waren, sind also kei­ne poli­ti­schen Geg­ner, son­dern qua­si im Welt­bild der F.D.P. gar nicht vor­han­den. Da weiß man, was man hat. (Dass die F.D.P. die Exi­stenz der Pira­ten­par­tei, dank derer sie die Wor­te „Bür­ger­rech­te“ und „Trans­pa­renz“ seit dem letz­ten Bun­des­tags­wahl­kampf immer­hin theo­re­tisch schon mal irgend­wo gehört hat, nun doch als ein biss­chen bedroh­lich emp­fin­det, betrach­te ich als Lob für das bis­her Gelei­ste­te.)

Wer nun Herrn Wester­wel­les Nach­fol­ge antrat, schien lan­ge – bis heu­te um kurz nach 14 Uhr – unklar, SPIEGEL Online hul­dig­te aber sicher­heits­hal­ber schon mal eben jenem Phil­ipp Rös­ler und stell­te es als Tat­sa­che hin, dass Ange­la Mer­kel künf­tig an sei­ner Sei­te regie­ren wird. Jour­na­li­sti­sche Sorg­falt sieht anders aus, aber is‘ ja auch nur der SPIEGEL.

„Pro­fi­lie­ren“ sol­le sich Phil­ipp Rös­ler, so liest man in Depe­schen wie der Ber­li­ner Mor­gen­post, indem er nicht nur den Posten des Par­tei­gui­dos über­nimmt, son­dern oben­drein des Wirt­schafts­mi­ni­sters, der dann halt statt­des­sen irgend­was ande­res macht. Das ist eine eigen­ar­ti­ge Argu­men­ta­ti­on, denn er hat­te nun schon eini­ge Jah­re Zeit, sich als Kabi­netts­mit­glied zu pro­fi­lie­ren, und in all die­sen Jah­ren hat er es ledig­lich geschafft, das Pro­fil der F.D.P. als Lob­by­isten­par­tei zu schär­fen, nicht aber sein eige­nes.

Aber kann er das eine nicht, kann er das ande­re auch nicht (Urban Pri­ol), und so war eigent­lich abzu­se­hen, dass Herr Rös­ler uns die Wester­wel­le macht. Nur wel­che der Posten er über­neh­men wird, ist noch nicht ganz klar: Par­tei­vor­sit­zen­der, Außen­mi­ni­ster und Vize­kanz­ler sind die drei Posten, die nun tat­säch­lich zu ver­ge­ben sind, womög­lich wird einer davon also durch das Wirt­schafts­mi­ni­ste­ri­um ersetzt. Dass die schwarz-gel­be Regie­rung Posten nicht nach Qua­li­fi­ka­ti­on ver­teilt, son­dern nach Anse­hen, ist dem desi­gnier­ten Egon Krenz der F.D.P. schon ein­mal zugu­te gekom­men:

In der heu­ti­gen Poli­tik reicht es schon aus, wenn man kei­ne offen­sicht­li­chen Ese­lei­en macht und eini­ger­ma­ßen freund­lich auf­tritt, um die Kar­rie­re­lei­ter hin­auf­zu­fal­len.

Eigent­lich ist es scha­de, dass die Pira­ten­par­tei als Par­tei für mehr Bür­ger­rech­te nun wohl bald allein da steht.
Gui­do, wir wer­den dich ver­mis­sen.

NetzfundstückeMusikkritik
„Tues­day, Wed­nes­day break my heart…“

Ein Inter­net­phä­no­men, vor allem in den auch sonst nicht unbe­dingt für Musik­ge­schmack bekann­ten USA von Bedeu­tung, kreuz­te in den letz­ten Tagen immer wie­der mei­ne Wege und ließ mich erschau­dern. Die Rede ist von Rebec­ca Black, 13 Jah­re alt, und ihrem „Lied“ „Fri­day“, also „Frei­tag“. Zeit­ge­nos­sen, die wie ich dem Musik­fa­schis­mus frö­nen, soll­ten sich auch in eige­nem Inter­es­se von die­sem Link fern­hal­ten.

Aber wor­um geht es über­haupt? Nun, die Wiki­pe­dia weiß mehr:

innen weni­ger Stun­den stie­gen die Zugriffs­zah­len auf über 100.000 und ARK Music erhielt Anfra­gen von Fern­seh­sen­dern nach dem Lied. Die Popu­la­ri­tät von Fri­day stieg rasant, sodass es bis zum 1. April 2011 über 73 Mil­lio­nen mal ange­se­hen wur­de. (…) Zwi­schen­zeit­lich wird das Lied als Klin­gel­ton ange­bo­ten, in den iTu­nes-Charts stand es auf Platz 13.

Text­lich geht es, wie ich vor einem spon­ta­nen Anflug von Kopf­weh erle­sen konn­te, dar­um, dass man beim Auto­fah­ren vorn und hin­ten sit­zen kann, dass Frei­ta­ge auf Don­ners­ta­ge fol­gen und dass Rebec­cas Cli­que an die­sen Frei­ta­gen zwecks Fei­erns durch die Gegend gurkt.

Der mäßi­ge Text wird mit einem mäßi­gen Gesang dar­ge­bo­ten, die dazu gehö­ren­de Melo­die ist besten­falls belang­los. Man­che Hörer des Lie­des kür­ten es gar zum schlech­te­sten Lied aller Zei­ten, und wäre da nicht Chac­ca­ron Mac­carón, wäre die­ser Titel ver­mut­lich nur noch schwer­lich antast­bar. Das Erschrecken­de ist: Die jun­ge Frau Black mein­te das Lied ernst.

Obwohl ihre Mut­ter an der Qua­li­tät des Tex­tes zwei­fel­te, gab sie dem Wil­len ihrer Toch­ter nach.

Viel­leicht bin ich auch nur nicht die Ziel­grup­pe die­ses Lie­des, aber wer ist dann die Ziel­grup­pe? Laut You­Tube-Sta­ti­sti­ken („über 1,5 Mil­lio­nen Mal nega­tiv und knapp 200.000-mal posi­tiv bewer­tet“) weiß die Ziel­grup­pe das selbst nicht oder ist auch nur zu klein. Natür­lich kann man über (Musik-)Geschmack nur schwer­lich strei­ten, das möch­te ich hier auch nicht unbe­dingt tun; bedenkt man aber, dass die deut­sche Kin­der­com­bo „Rotz­na­sen“, die augen­schein­lich einen ähn­li­chen Alters­durch­schnitt hat­te, wenig­stens Lie­der mit einer mes­sa­ge („ich bin ver­liebt, ich bin ver­liebt in dich“) sang, bin ich doch geneigt, „Fri­day“ Sinn­lo­sig­keit zu atte­stie­ren. Zwar kann man mit den Noten, die dem Men­schen zur Ver­fü­gung ste­hen, sozu­sa­gen unend­lich vie­le Melo­dien erschaf­fen, aber muss­te das wirk­lich sein?

Makes tick tock, tick tock, wan­na scream.