Ohne Worte:
Feine kleine Welt
Meinen täglichen Hihi-Moment bescherte mir heute ein Einkauf in einer Filiale einer namhaften deutschen Warenhauskette, die ich im folgenden Text mit F. (für Filiale) abkürzen werde.
Die typische Easy-Listening-Beschallung (kaufen Kunden, statistisch gesehen, wirklich mehr, wenn man sie nervt?) wurde mitten im Lied unterbrochen, und es erschallten eine aufdringliche Melodie, die offenbar einen Werbeeinschub ankündigte, und anschließend ein kurzes Hörspiel. Das Hörspiel ging etwa so: Man stelle sich einmal zwei Frauen zwischen 30 und 40 Jahren vor, die sich treffen und unterhalten, vielleicht über Pferde und Männer und Mode und so einen Firlefanz, über typischen Frauenkram eben. Inmitten der schönen Diskussionen über typischen Frauenkram platzt nun also eine der beiden Frauen mit der, ihrem hektischen Tonfall zufolge, ihr schon lange quasi unter den Nägeln beziehungsweise besser auf der Zunge brennenden Frage heraus:
„Kennst du schon F. Feine Welt?“
Ihre Gesprächspartnerin erwidert voll des Enthusiasmus‘, und man kann sich den Schlag an die Stirn bildlich vorstellen, so sehr klingt ihre Antwort danach, dass sie sich gerade an etwas Überlebenswichtiges erinnert hat:
„Na klar, das sind doch die Genussmarken für Entdecker!“
Hier endet das Hörspiel, und irgendjemand leiert einen Text über irgendwelche Preise und Speisen herunter. Das ist schade, denn ich hätte gern noch ein wenig über die beiden Frauen erfahren. Ich kann mir nämlich beim besten Willen keinen Menschenschlag vorstellen, der sich so auszudrücken pflegt. Es würde mich sogar ziemlich erschrecken, käme ein alter Bekannter auf mich zu und würde mich zur Begrüßung erst einmal fragen, ob ich schon von irgendeinem Markenprodukt gehört hätte, denn mein Bekanntenkreis setzt sich meines Wissens ausschließlich aus eigentlich recht angenehmen Zeitgenossen zusammen. (Ähnlich ist auch die derzeitige Fernsehwerbung für ein bekanntes Molkereiprodukt befremdlich: „Hey, trinkst du gerade meine letzte Meiermilch Kirsch-Banane mit extra viel Zucker und so weiter und so fort?“; wer auf dieser ganzen Erde voller wunderlicher Gestalten redet denn so?)
Schon nicht mehr bedeutsam ist es da, dass ungeklärt bleibt, inwiefern „Feine Welt“ die Eigenschaft erfüllt, mehrere Marken quasi auf einmal zu sein; auch konnte ich nicht in Erfahrung bringen, was genau es mit den erwähnten Entdeckern auf sich hat. Ich würde mich nicht als einen Entdecker bezeichnen, ich komme also nicht als ein solcher in Betracht. Vielleicht handelt es sich um Säuglingsnahrung? Es heißt, kleine Kinder seien auch „kleine Entdecker“. Dass man mit dieser Nische indes nur wenig Erfolg zu haben scheint, lässt sich daran erkennen, dass derartige Werbekampagnen nötig sind, um auf sie hinzuweisen. Ich bin kein Werbefachmann, aber ich nehme an, die fragliche Produktlinie könnte ein wenig Variation durchaus vertragen.
Ich wünsche den beteiligten Werbetextern jedenfalls, dass ihre Vorgesetzten sie eines Tages mal wieder unter richtige Menschen gehen lassen. Angenehm stelle ich mir ein Leben mit der Vorstellung, die Menschen „da draußen“ drücken sich so aus wie ihre erdachten Protagonisten, nämlich nicht vor.
Kurz verlinkt XXXVI: Justin Bieber ist ein Pony!
Drüben bei Ey Lou, der mitunter meine Kommentare vollsenft, bin ich gerade auf einen beeindruckenden leak gestoßen:
Die Argumentation ist schlüssig, wie ich meine, und erklärt die Faszination, die der „Pop-Schnuckel“ (BILD), dieser Inbegriff der Männlichkeit, der in diesem Jahr „endlich“ Deutschland bereisen wird, auf Mädchen in einem Alter, in dem man Pferde noch nicht für blöde alte Stinkeviecher hält, auszuüben pflegt. Hach, Justin.
Auch hübsch übrigens ist es, dass, während Sony (ein Unternehmen, dessen Produkte jedenfalls ich aus ethischen Gründen spätestens seit der Verbreitung von Schadsoftware konsequent zu meiden trachte) mal wieder auf Abmahntour ist, um die Verbreitung des „Private Keys“ der PlayStation 3 zu verhindern (wenn man das böse Internet schon nicht einfach abschalten kann!), ein offizieller Sony-Twitteraccount selbigen höchstselbst verbreitete. Hihi.
(via Fefe)
Npackd: aptitude für Windows
Als eigentliche Frechheit auch bezeichne ich es, dass ich die besten Ideen immer erst habe, wenn sie schon jemand vor mir hatte.
Seit einiger Zeit nutze ich, unter anderem auf meinem vServer, Debian Linux, von Ubuntu-Jüngern mitunter als altbacken verschrien. Eine der Stärken dieser wie auch aller von ihr abgeleiteten Linux-Distributionen ist das Paketverwaltungssystem apt mit den grafischen Oberflächen aptitude beziehungsweise synaptic, das die Installation und Pflege installierter Anwendungen wie auch des Systemkerns denkbar einfach macht. Möchte man etwa das Bildbearbeitungsprogramm The GIMP installieren, so geschieht dies mit der Eingabe apt-get install gimp quasi automatisch.
Unter Windows kommt man nicht an den Systemkern heran, aber im Laufe der Monate und Jahre sammelt sich meist zumindest eine ansehnliche Anzahl an regelmäßig verwendeten Programmen an. All diese Programme händisch zu pflegen ist denkbar schwierig. Mit SUMo gibt es immerhin ein beeindruckendes Programm, das bereits installierte Anwendungen per Klick in einem Rutsch auf neue Versionen überprüfen kann, die dahinter stehende Datenbank wird von den Nutzern automatisch gepflegt und aktualisiert. Das ist äquivalent zu der upgrade-Funktion von apt-get, jedoch noch kein vollständiger Ersatz für eine Paketverwaltung, die auch die Installation und Deinstallation ermöglicht.
Vor einer Weile stieß ich auf win-get, das, wie der Name schon andeutet, diese Funktionalität abbilden sollte, jedoch ist die Programmdatenbank (repository) mittlerweile veraltet und das Projekt selbst offenbar verwaist. „Wie nützlich“, sprach ich im Stillen zu mir, „wäre es doch, hätte man auch als Windowsnutzer eine Software wie apt-get, die nicht darauf angewiesen ist, dass der Entwickler alles allein macht, und etwa auch Repositorys von Drittanbietern verwenden kann.“
Und während ich mich also freute, endlich eine Idee für ein mögliches Abschlussprojekt für mein Studium zu haben, und fleißig Notizen machte, was die zu entwickelnde Lösung alles können soll, berichtete lifehacker.com über Npackd und warf so meine Planung durcheinander. Schönen Dank auch.
Npackd, in analphabetisch wirkender Schreibweise steht dieses Wort für „unpacked“ (englisches Wort für „entpackt“), ist dem Paketmanager des Windows-Nachbaus ReactOS ähnlich und erfüllt, technisch gesehen, alle Anforderungen an eine apt-get-Implementierung für Windows, unter anderem eine Möglichkeit, beliebige Repositorys im XML-Format einzubinden, und eine erträgliche grafische Oberfläche. Leider ist die Kommandozeilenversion npackdcl, aus Npackd heraus zu installieren, noch nicht allzu mächtig.
Installierte Anwendungen werden teilweise bereits erkannt, unter anderem Java-Laufzeitbibliotheken, weitere sollen folgen.
Obwohl einigen Quellen zufolge Microsoft selbst mittlerweile an einem „App Store“ für Windows arbeitet, der wohl cloudbasiert sein wird (ist ja, finde ich, auch so ein Unding, einem kommerziell orientierten Unternehmen mal eben seine Festplatte zu überlassen sozusagen, siehe auch Google Chrome OS), hoffe ich, dass Npackd, anders als win-get, nicht allzu bald nicht mehr gepflegt wird.
Ich werde das Programm jedenfalls demnächst ein wenig ausführlicher testen und den Entwickler gegebenenfalls mit Ideen nerven; wenn er mir schon Arbeit abnimmt, will ich wenigstens nicht nur bloßer Nutznießer sein.
Lanis Liebe wird nicht erwidert
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Glaub ich nicht.
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Bin ich nicht.
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Bin ich nicht.
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Glaub ich nicht:
(@neon-_-) Hallo! Mein Name ist Gwendolyn Kramer !
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Will ich nicht.
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Glaub ich nicht:

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Plenken Sie nicht.
Montagsmusik
Mir war gerade danach:
(Der grammatikalische Schnitzer am Anfang des Textes schränkt den Genuss nur wenig ein.)
Denkzettel vergessen?
Seit Ende September hat sich auf der politischen Bühne in Deutschland, so wurde vermutet, mancherlei Szenenwechsel zugetragen. Einige Zitate, die Anlass hierzu gaben, sind diese:
Oktober 2010: Schwarz-Gelb will Macht für Stuttgart 21 riskieren
Oktober 2010: Tausende fordern Mappus‘ Abwahl
Januar 2011: Atomparteien abwählen!
Januar 2011: [D]er 30.09.2010 ist unvergessen
Februar 2011: Es liegt an uns, dieser Politik den Garaus zu machen, gewaltfrei, aber effektiv.
Beeindruckt, aber nur wenig überrascht bin ich nun von den neuen Informationen des 2DF-Politbarometers:
Knapp zwei Monate vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg hat die CDU ihre Umfragewerte verbessert und könnte mit der FDP eine Mehrheit erzielen.
Das Stimmvieh läuft instinktiv immer zum gleichen Trog. So faulig kann das Fressen gar nicht sein, dass es verschmäht würde.
Vielleicht hätte es sich den geplanten Denkzettel auf einen Denkzettel schreiben sollen.
I Wanna Be The Guy
Freunde des 8‑Bit-Spiels, die noch nicht völlig bekloppt sind, lade ich übrigens herzlich ein, das zu ändern.
Dafür könnte man zum Beispiel Drogen nehmen oder RTL gucken, aber schneller und spaßiger geht es, indem man seinem Faible frönt.
„I Wanna Be The Guy“ („Ich wäre gern der Typ“, „der Typ“ ist in diesem Fall ein Ehrentitel) ist ein Spiel, das wohl vor einiger Zeit, von mir unbemerkt, in manchen Kreisen eine ansehnliche Bekanntheit errungen hat, und handelt von einem Kind („The Kid“), das gern der Typ („The Guy“) wäre und dafür durch die Gegend laufen und hüpfen muss.
Das Spiel sieht ungefähr so aus und dürfte erwähnten Freunden des 8‑Bit-Spiels ein wie auch immer geartetes „oh!“ entlocken:
Herunterzuladen ist „I Wanna Be The Guy“ in einer seit 2007 nicht mehr allzu aktiv gepflegten Betaversion auf der eigens dafür eingerichteten Downloadseite und unter anderem auf gamejolt.com. Viel Vergnügen zu wünschen wäre allerdings überaus gehässig von mir, und darum verzichte ich ausnahmsweise darauf und warte lieber gespannt auf Kommentare.
(„Danke“ an V.!)
Nachtrag anlässlich eines entsprechenden Kommentars: Außer unter Windows ist „I Wanna Be The Guy“ via Wine auch unter Linux, Mac OS X, BSD und Solaris lauffähig, heißt es seitens des Entwicklers.
Es hat sich ausgemocht.
Etwas wirklich Feines las ich da bei Didi, der ausnahmsweise mal schneller war als ich:
Nach Gugel Analytics (ich berichtete) stehen nun endlich auch die von Facebook bereitgestellten und selbst bei Leuten mit Ahnung nicht selten zu findenden „dynamischen“ Funktionen, um mal eben etwas zu mögen („Gefällt mir“), unter juristischem Beschuss.
Wer den Like-Button mittels IFrame vom Facebook-Server einbaut (oder via Javascript etc.), der lädt die Daten von dort. Wann immer jemand mit seinem Browser darauf zugreift, werden dann dessen Daten an den Facebook-Server (auch die IP-Adresse) übermittelt.
Wer jetzt (wie auch schon bei Gugel Analytics) auf eine etwaige Datenschutzerklärung verweist, missversteht das Problem; denn in der Regel hat Facebook die Daten bereits erhalten, bevor man selbige überhaupt lesen konnte oder auf sie hingewiesen wurde. Benutzer von Adblock Plus, seit einer Weile also sogar ansonsten eher nicht für ihr Datenschutzbewusstsein bekannte Chrome-Nutzer, konnten das Problem bislang mit einer speziellen Filterliste umgehen und werden das wohl auch noch eine Weile tun müssen. Ist eines dieser „sozialen widgets“ nämlich erst einmal weitgehend aus dem Internet verschwunden, ist längst ein neues entstanden und erfreut sich unangemessener Beliebtheit.
Und die Frage ist nicht einmal unbedingt, wie rücksichtslos ein Seitenbetreiber sein muss, um trotz der berechtigten Einwände seiner potenziellen Abonnenten weiterhin auf derartige Funktionen ohne tatsächlichen Mehrwert für ihn selbst zu setzen, sondern, warum er es überhaupt tut. Gerade Blogger und sonstige Internetvollschreiber, bei denen diese Frames am häufigsten zum Einsatz kommen, sind doch die, die über weit bessere, weil effizientere Methoden verfügen, einem der Ihren ihre Sympathie zu zeigen, als nur eine Zahl inmitten vieler anderer Zahlen zu sein. Was sagt denn „2389 Personen gefällt das“ aus? Was sind das für Personen? Wirre politisch engagierte Agitatoren? Werbegesellschaften, die ihrerseits aus unklarem Grund auf eine Erwiderung hoffen? Freunde, Verwandte, Familie? Man könnte das, nehme ich an, einfach nachsehen, aber wer tut das schon?
Mir gefällt ein Internetauftritt nicht deshalb, weil er von einer groß erscheinenden Anzahl an Zeitgenossen für mögenswert gehalten wird, denn womöglich sind diese Zeitgenossen allesamt Unsympathen. Ich gehe auch davon aus, dass es dem Betreiber einer Seite, die von der erwähnten Funktion Gebrauch macht, einigermaßen egal ist, ob ich sein Werk nun auf Facebook per Klick würdige oder nicht.
Wenn mir etwas wirklich gefällt, dann schreibe ich hier oder in Ausnahmefällen, wenn mir die nötige Idee für die textliche Ausschmückung fehlt, auf Twitter darüber. „Gefällt mir auf Twitter“ ist „Gefällt mir auf Facebook“ auch deshalb vorzuziehen, weil der Gefallende so im Kontext sehen kann, wer das eigentlich ist, der ihn würdigt. Eine Internetseite aber, die jemandem bloß einen Klick wert ist, ist wahrlich nicht zu beneiden, auch, wenn dieser Jemand viele andere Jemande um sich schart.
Aber Schreiben ist eher so 90er, habe ich mal gehört.
Toxic Smile – I’m your Saviour
Prima: Die deutschsprachige Musikwelt 2011 erreicht mit „I’m your Saviour“, englischsprachige Texte hin oder her, ihren ersten Höhepunkt.
Fünf Protagonisten musizieren zwischen Retroprog und Progressive Metal und klingen auf ihrem vierten Studioalbum, zählt man die beiden Versionen des Debütalbums separat, atmosphärisch so dicht wie nie zuvor.
Thoralf Koss schrieb 2006 über ein eigentlich ganz anderes Album der gleichen Musikgruppe:
TOXIC SMILE sind eine wahre Entdeckung am deutschen Himmel des ProgRocks, (…).
Tatsächlich ist es auch fünf Jahre später noch überaus beeindruckend, was man aus Leipzig zu hören bekommt. Das Musikmagazin eclipsed nennt in der Ausgabe 02/2011 unter anderem Spock’s Beard eine „artverwandte“ Band, aber Vergleiche verbieten sich hier fast, denn wie bekannt sein dürfte, beeindruckt mich vor allem Einmaliges, Unverwechselbares.
Das eröffnende „Liquid Wall“ sagt etwas mehr als neun Minuten lang eigentlich schon alles, was man über das Album wissen muss: Keyboard- und Gitarrenbretter wechseln sich mit ruhigen, beinahe balladesken Passagen ab, während Schlagzeuger Robert Eisfeldt (nicht zu verwechseln mit Jan Eißfeldt, meist Delay) wüst herumwirbelt. Sänger „Larry B.“ ergänzt das Klangbild mit seinem extrovertierten – manche mögen’s seicht nennen – Gesang zu einer Art „Dream Theater in anders“, und zwar anders-anders, nicht schlechter-anders.
Von den Socken aber, hätte ich sie nicht in den Schuhen getragen, hätte mich beinahe „The Abyss“, das dritte Stück, gehauen. Der Anfangsteil mit Gitarre, Bass und Schlagzeug lädt schon zum Kopfwackeln ein, das sich auch mit einsetzendem Gesang und zurückgefahrener Gitarre nicht zum Aufhören bewegen lässt. Nach etwa drei Minuten wird es ruhiger, ein Chor (schon wieder Dream Theater?) setzt ein und wieder aus und wird von Udo Rupkalwis abgelöst, der in der Rolle eines Nachrichtensprechers auf Deutsch von einer Selbstmordserie an einer Klippe (einem abyss eben) berichtet. Anschließend wieder Gesang: „This is my last day on Earth…“. Ganz und gar nicht schlecht. Inhaltliche Vergleiche gefällig? Ayreons „The Human Equation“ kommt mir in den Sinn.
Zwar ist „I’m your Saviour“ sicher kein Album, das man stundenlang hören könnte, ohne sich irgendwann zu langweilen; im Progressive Metal ist mancher Zauber schnell vergänglich. Wie jedes gute Musikalbum aus diesem Genre aber wirkt „I’m your Saviour“ schnell und nachdrücklich. Hörempfehlung hiermit ausgesprochen.
Interessenten können sich auf der Internetseite der Musiker einen ersten Eindruck verschaffen.
Ausstieg rechts – wohin?
Wovon ich neulich mal wieder gehört habe, ist „Ausstieg rechts“, eine Art Sammelbegriff für „antifaschistische“ Aktivitäten. Der Begriff kam, so weit mir bekannt ist, bereits vor etwa sechs Jahren auf.
Für erwähnenswert halte ich diesen krampfhaften Versuch, lustig zu sein, nicht wegen der ewigen Links-Rechts-Querelen, sondern aus Orientierungsgründen.
Ich erkläre das mal mit einer Grafik am Beispiel eines Zugwaggons:

Wenn nun einer rechts aussteigt, geht er dann nicht noch weiter nach rechts?
Nur mal so interessehalber jetzt.
Hier – blamiert – sich HSV!
„Liebe“ Anhänger des Hamburger Sportvereins, die ihr heute, da „euer“ Verein ausnahmsweise offenbar mal gewonnen hat,
- meinen Weg mehrfach kreuztet;
- „Auswärtssieg! Auswärtssieg!“ skandiertet, obwohl euch niemand danach gefragt hat;
- zwischen Biervorrat und Toiletten hin- und herpendeltet, was mit fortschreitender Zeit wörtlich zu betrachten ist;
- meinen spöttischen Blick als Sympathie missdeutetet und mit dummem Grinsen beantwortetet;
- die Umstehenden, mich eingeschlossen, in eine Bierfahne hülltet, von der es selbst mir als Freund tschechischer Braukunst recht flau im Magen wurde;
- allgemein einen weder sprach- noch stehbegabten Eindruck machtet und
- auf Aufforderungen der das Hausrecht inne habenden Personen, eure Plätze „wenigstens einigermaßen sauber“ zu hinterlassen, nur mehr „Schnauze!“ zu lallen vermochtet:
Wäre ich Anhänger einer stets an der Grenze zum Kreisliganiveau agierenden Truppe von Balltretern, dessen gelegentliche Siege, wie ihr immerhin selbst erkannt habt, erwähnenswert sind, ich würde vermutlich auch mein Seelenheil im Alkohol suchen.
Und, mal ehrlich, ohne Fußball geht’s doch auch.
Staffellauf in Afghanistan
Eben im „heute-journal“, nur echt in Kleinbuchstaben, versuchte ein Soldat sich an Metaphern und scheiterte kläglich.
Der bewaffnete Konflikt sei „wie ein Staffellauf“, man müsse gleich schnell nebeneinander laufen, um den Stab übergeben zu können.
So weit, so einfach; leider auch so verkehrt.
Ein Staffellauf, so lernte ich es als junger Schüler, funktioniert nämlich nicht, indem alle Teilnehmer gleich schnell nebeneinander laufen, denn das war eher ein beliebtes Spiel auf Schulhöfen und hieß Kettenlauf.
In einem Staffellauf indes geht es eben darum, der Schnellste zu sein; weil man eben nicht nebeneinander läuft, sondern in der Absicht, die Gegnermannschaften zu übertrumpfen, aufeinander zu. Eigentlich ist es schade, dass die Deutschen den Stab partout nicht abgeben.
Eventuell sollte ihnen jemand die Regeln erklären.
Nachtrag von 23 Uhr: In den Kommentaren erklärte mir „Ey Lou“, dass Staffellauf tatsächlich einen kurzen Moment des parallelen Laufens beinhaltet. Ich zögere mit dieser Deutung, da ich kurze Momente irgendwie anders in Erinnerung habe.
Frauenquote, Neuauflage
Da schwelt doch, gerade verloschen geglaubt, schon wieder das Thema „Frauenquote“ durch die Politik, ausgelöst von – wie so oft – Kristina Schröder. Hatte sie aber im November noch bemerkenswerte Geistesblitze, die mich beinahe meinen Glauben daran, dass man ein naturgegeben schlechter Mensch sein muss, um in der CDU zu sein, verlieren ließen, macht sie das jetzt alles wieder wett:
Bundesfrauenministerin Kristina Schröder (CDU) will mehr weibliche Führungskräfte in Wirtschaft und Verwaltung, notfalls per Gesetz. Der „Wiesbadener Kurier“ berichtete vorab, Schröders Ministerium werde prüfen, ob und inwieweit die Gesetze geändert und effektiver gestaltet werden müssen. Der Anteil von Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft und des öffentlichen Dienstes solle maßgeblich erhöht werden.
Auch Stimmen Dritter werden gehört, und für interessant halte ich außer der von Frau Inga Koster, die eine Frauenquote zu Recht Männerdiskriminierung nennt, aber, ohne etwas zu bemerken, von „der Kandidatin/dem Kandidaten“ schwafelt, vor allem diese hier:
Rita Lietzke, 53, verantwortet bei der als Personalmanagerin (sic!) bei der Deutschen Telekom den Vorstandsbereich Innovation und Technologie. Sie sagt: „Frauenquoten sind ein notwendiges Übel.“
Das ist ja mal ganz interessant zu lesen, was so eine Personalmanagerin bei der Deutschen Telekom an einem langen Tag so vor sich hinplappert, aber wieso soll eine Frauenquote denn „notwendig“ sein?
Wie groß ist der Prozentsatz der männlichen Führungskräfte in Altenpflegeheimen, wie groß der männlicher Kindergärtner oder Grundschullehrkräfte? Die Statistiken schwanken, die absoluten Zahlen aber sind eindeutig. Drei Männer, so erfuhr ich aus Fachkreisen, wären in einem Kindergarten beliebiger Größe schon ein erstaunlich großer Anteil.
Wer einen Menschen nach seinem Geschlecht statt nach seiner Qualifikation bewertet, diskriminiert ihn. „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben Eierstöcke, Sie sind eingestellt!“
Man kann auch per Gesetz nur schlecht dafür sorgen, dass sich mehr Frauen für eine qualifizierte Tätigkeit in der EDV- oder einer ähnlich gut bezahlten Branche interessieren. Die Interessen eines Menschen sind ihm in jahrtausendlanger Evolution quasi genetisch antrainiert worden. „Wir können den Unternehmen nicht verbieten, Elektrotechniker besser zu bezahlen als Germanisten.“
Alles wieder offen? Ich bin gespannt, wozu sich die bescheidene künftige Bundesmutter dann nächstes Mal bekennt.
Dopamin
Kurze Durchsage für Musikfreunde (außerhalb Ägyptens, versteht sich):
Unter Freunden erwähne ich mitunter, dass ich an ein gutes Musikalbum in der Regel positivere Erinnerungen hege als an körperliche Freuden. Meine oft folgende Erklärung, warum ich Musikfaschist bin, brachte mir vielfach fragende Blicke ein.
Bevor ich mir nun also eine weitere Erklärung abringe, um meine Erklärung zu erklären, überlasse ich das Feld lieber den Profis:
Scientists have found that the pleasurable experience of listening to music releases dopamine, a neurotransmitter in the brain important for more tangible pleasures associated with rewards such as food, drugs and sex.
Auf gut Deutsch in Kürze zusammengefasst bedeutet das, dass der Genuss eines guten Musikalbums – die Betonung ist hier auf „gut“ zu setzen, denn ein schlechtes Musikalbum verursacht schlimmstenfalls Würgereize – nicht nur ähnliche (aber in der Regel länger anhaltende) Glücksgefühle auslöst wie Geschlechtsverkehr und/oder Ecstasy, sondern die gleichen. Die Konsequenz ist klar: Statt sich Chemikalien aus dubiosen Quellen reinzupfeifen und anschließend mit einem Partner intim zu werden, der nach dem Aufwachen irgendwie ganz anders aussieht, als man ihn in Erinnerung hatte, kann man seine Nerven auch schonen, indem man sich stattdessen daran erinnert, dass auch der Geist sich nach stetiger Befriedigung sehnt. Man muss ja nicht gleich zu einem Album greifen, das „Dopamin“ oder „Ecstasy“ heißt. Einige Anregungen finden treue Leser hin und wieder auch hier.
(Hierzu ein Aufruf in eigener Sache: Um zu verhindern, dass mir wieder essenziell grandiose Musikalben entgehen, nehme ich via Kommentarfunktion schon jetzt Vorschläge für die Jahresrückschauen 06/2011 und 12/2011 entgegen. Irgendwas, was dringend mal rezensiert gehört? Immer heran mit den Ideen!)
Apropos Ägypten: Das Volk will nicht spuren? Drehen wir ihm doch mal das Internet ab, das wird die Revolution verhindern!!1!! Da hilft auch kein Notfallknopf mehr.















