Sonstiges
Durch Mark und Hirn

Micky ist klüger als wie Goofy.Noch ein Kurz­er für die Fre­unde kluger Anmerkun­gen:

Die RTL-Ausstrahlung der Serie “Dr. House” wird eben­so wie manche anderen Serien auf jen­em Sender mit Quizfra­gen unter­brochen, die irgend­was mit medi­zinis­chen oder juris­tis­chen, abhängig von der aktuell gezeigten Sendung, The­men zu tun haben. Die möglichen Antworten sind meist über­aus blöde, eine ist die einzig zutr­e­f­fende, die andere eine dem Hirn eines Wirrkopfes entstam­mend erscheinende Antwort.

Das heutige Quiz ist insofern eine Beson­der­heit, als bei­de vorgegebe­nen Antworten schlicht falsch sind. Nach ein­er Beze­ich­nung für den “men­schlichen Gedächt­nis­spe­ich­er” wurde gefragt. Ist es a) das Gebein oder b) das Gehirn?

Hihi­hi, voll blöde, das ist ja kinder­le­icht!, wer­den sich da die üblichen Teil­nehmer denken, zweit­ere Lösung vorschla­gen und unter Umstän­den 500 Euro kassieren. (Das bish­er abson­der­lich­ste mir bekan­nte Wort für “kinder­le­icht” entstammt übri­gens aus­gerech­net dem Mund eines Kindes; es lautet “pip­ig”, wohl von “pip­ile­icht”, und man sollte es sich nicht merken.)
Lei­der haben sie Unrecht.

Zwar ist das men­schliche Gedächt­nis im men­schlichen Gehirn ver­ankert, mit­nicht­en entspricht das Gehirn aber dem “Gedächt­nis­spe­ich­er”. “Beifahrersitz” ist ja auch kein anderes Wort für ein vier­rä­driges motorisiertes Fahrzeug.

Na; RTL eben.

NetzfundstückeNerdkrams
“RSS ist tot” ist tot.

Ach, wie es wieder rumort im Bienen­stock der Webzwein­uller. RSS sei tot und Face­book sei das kom­mende Ding. Die Ursachen für den RSS-Tod? Die Webzwein­uller nutzen es, immer auf der Suche nach dem neuesten Trend, selb­st nicht mehr, Google Chrome hat keine RSS-Lese­funk­tion, vielle­icht ist auch ein­fach nur das Wet­ter schuld, dass jedes Jahr die gle­ichen Prophezeiun­gen nicht zutr­e­f­fen.

Der Vor­wand, dieses The­ma wieder hochzukochen, heißt dieses Mal Read­abil­i­ty (“Les­barkeit” im Wortsinne), eine neue Funk­tion des iPhone-/iPad-RSS-Lesers “Reed­er”, mir aus ver­ständlichen Grün­den bis dato völ­lig unbekan­nt, mit deren Hil­fe er “den Tabubruch wagt”, gekürzte Feeds, wie sie etwa heise.de und SPIEGEL Online präsen­tieren, in voller Länge einzublenden und so eine von den jew­eili­gen Betreibern, unter anderem auch Blog­gern mit wer­be­fi­nanzierten Inter­ne­tauftrit­ten, etwa Robert Basics ehe­ma­liges Vorzeige­blog Basic Think­ing, meist absichtlich einge­führte Beschränkung zu umge­hen.

Tat­säch­lich ist RSS keines­falls tot, auch wenn manche Unternehmen wohl unab­sichtlich ver­suchen, es zu Tode zu melken. Für mich zum Beispiel sind RSS- und Atom-Feeds die ein­fach­ste Möglichkeit, schnell eine Über­sicht über die aktuelle Nachricht­en­lage zu erhal­ten. Natür­lich kön­nte ich alter­na­tiv auch täglich selb­st die ver­schiede­nen Nachricht­en­seit­en besuchen und meinen Favoriten etwa auf Twit­ter “fol­gen”, aber dafür sind Twit­ter nicht gemacht und der Tag zu kurz.

Das von mir derzeit ver­wen­dete RSSOwl (bis­lang ander­swo noch nicht ent­deck­te und für die effiziente Feed­nutzung uner­lässliche Funk­tion: Feeds in Unterord­ner sortieren) etwa “überwacht” bei mir derzeit 140 Weblogs, Nachricht­en­por­tale und ver­schiedene andere Inter­net­seit­en. Müsste ich sie alle via Twit­ter, Face­book oder Fire­fox-Leseze­ichen “ver­fol­gen”, bezwei­fle ich, dass das mein­er Bere­itschaft, immer wieder neues zu ent­deck­en, auf Dauer zuträglich wäre. Im Gegen­teil wür­den so manche der Ver­ant­wortlichen in Bälde einen Benutzerver­lust in Höhe von jeden­falls 1 verze­ich­nen.

Den großen Skan­dal, den man in die erwäh­nte “Entkürzungs­funk­tion” von “Reed­er” hinein­in­ter­pretiert, kann ich jeden­falls nicht erken­nen, denn Dien­ste wie etwa Wiz­ardRSS bieten ver­gle­ich­bares nicht erst seit diesem Jahr an. Wer etwa das mitunter über­aus amüsante, meist eher poli­tisch lib­erale Weblog Der Spiegelfechter abon­nieren möchte, kön­nte sich mit der gekürzten Orig­i­nalver­sion zufrieden geben oder greift etwa via Wiz­ardRSS auf den ungekürzten Feed zurück.

Natür­lich ist es ver­ständlich, dass man mit einem meist teuer gemieteten Inter­ne­tauftritt auch ein wenig Geld wieder zurück­er­ar­beit­en möchte, etwa mit dem Ein­bauen von Wer­be­ban­nern. Das durch das Kürzen “gewonnene” Geld schafft aber nicht automa­tisch mehr Wer­beein­nah­men, denn nicht nur laden derzeit ver­bre­it­ete Wer­be­for­mate zum Ein­satz von Wer­be­block­ern ein, auch die Leser­schar, die sich üblicher­weise eben für die Nutzung des jew­eili­gen Feeds entschei­det, um die Seite selb­st nur dann zu besuchen, wenn es auch sin­nvoll erscheint, ist ver­ständlicher­weise unge­hal­ten. Gekürzte Feeds sind Pest und Cholera des Inter­nets. Insofern ist es bemerkenswert, dass auch in meinem Feedleser nur über­aus wenige Weblogs auf Wer­bung im Feed set­zen und ihren Fokus lieber auf eine Face­book- oder ähn­liche Präsenz leg­en, wo sie schon rein tech­nisch darauf verzicht­en müssen, frei über die Ein­blendung von Wer­bung entschei­den zu kön­nen. Schöne, neue Welt 2.0.

Übri­gens, apro­pos Apple.

KaufbefehleMusikkritik
Sahara Surfers — Spacetrip On A Paper Plane

Im ver­gan­genen Dezem­ber merk­te ich an, dass bei der Zusam­men­stel­lung der Jahre­sendrückschau unter anderem das Album “Spacetrip On A Paper Plane” der Sahara Surfers aus Zeit­grün­den keine Beach­tung fand, was Schlagzeuger Michael “Stei­ni” Ste­ingress dazu ver­an­lasste, mir seine Aufwartung zu machen; ein Glück, denn so plagte mich immenses Bedauern, das mich let­ztlich beschließen ließ, bei der näch­sten sich bietenden Gele­gen­heit das Ver­säumte aus­führlich nachzu­holen.

Und es hin­ter­ließ mich beein­druckt.

Was da aus meinem Klan­gaus­gabegerät schep­perte und jet­zt ger­ade wieder schep­pert, ist grandios­er Ston­er Rock vom ersten Takt an. Die vier Öster­re­ich­er aus “Bitte Bundesland/Region auswählen” lassen nichts anbren­nen. Hier und da ist Postrock­iges (Ampli­fi­er, Dear John Let­ter) nicht fern, aber vor allem regiert hier der Groove. Die Wikipedia “weiß”:

Als stil­prä­gend gel­ten der Blues­rock als Basis, tiefges­timmte Gitar­ren, die teil­weise durch Bassver­stärk­er gespielt wer­den, schep­pernde Drums, entrück­te bis rock­ige Vocals, stark aus­geprägter Groove und ein all­ge­mein sehr bass­lastiger Sound.

Für die Sahara Surfers wie auch für stil­ver­wandte Musik­er wie etwa Colour Haze, dass “Ston­er Rock” nichts mit Steinen zu tun hat, anders gesagt: “Spacetrip” ist gut aus­ge­drückt. Nicht umson­st trat man auch schon in einem Etab­lisse­ment namens “Mush­room Cel­lar”, “Pilzkeller”, zwinker!, auf.

Die Texte, vor­ge­tra­gen übri­gens von ein­er Frau, was in diesem Genre nicht unbe­d­ingt der Regelfall ist, fol­gen oft repet­i­tiv­en Struk­turen (“Sis­ter In Shade”) und sind anson­sten für uns Lied­textfre­unde nach­haltig erin­nern­swert (“Your whole world will die” heißt es etwa mehrfach in “Pro­peller”), Klis­chee an, was eine willkommene Abwech­slung zu den im Ston­er Rock eher ver­bre­it­eten The­men (Friede, Brüder und Schwest­ern!) ist. Klis­chee aus. Ist euch übri­gens schon aufge­fall­en, dass der nahe liegende Ver­schreiber “Schwetser” wie “Schwätzer” klingt?

Mit etwa 32 Minuten Laufzeit ist der akustis­che Trip lei­der ein wenig kurz ger­at­en, aber daran soll es let­ztlich auch nicht scheit­ern; man drücke die Wieder­holen-Taste und höre sich das Hirn schwammig.

“Spacetrip On A Paper Plane” gibt es für fünf Euro via Mail zu bestellen, die passenden Kon­tak­t­dat­en find­en sich neb­st derzeit vier der sechs Stücke auf Myunterstrich.com. Wer, wie ich, nicht immer genug Geld herum­liegen hat, der kann sich auch, wie ich, mit dem mehrkosten­freien Down­load behelfen. Ich bin allerd­ings überzeugt, das Geld ist gut angelegt.

Gern mehr davon!

In den NachrichtenFotografie
Heute mal: Diskriminierung hinnehmen!

Unfass­bar, man über­lässt das Inter­net mal zwei Tage lang weit­ge­hend seinem Schick­sal und die Ereignisse über­schla­gen sich förm­lich.

Über die bemerkenswerten Machen­schaften ein­er laut übere­in­stim­men­dem Medi­ene­cho eher nicht für Qual­ität bekan­nten deutschen Web­de­sign­kl­itsche, die dem “rechts­freien Raum Inter­net” den Kampf ange­sagt hat, ste­ht in den Kom­mentaren dort schon alles Wis­senswerte. Anson­sten spielte sich heute ein Dia­log zweier base­ballbe­mützter Pas­san­ten ab, dem ich ent­nahm, dass eine gewisse “sexy Cora”, “ey”, ange­blich “bekan­nt” aus Big Broth­er (der Fernsehsendung, nehme ich an), gestor­ben sei, als sie während der Narkose für eine Brust­op­er­a­tion “eingeschlafen oder ins Koma gefall­en oder so” war. Für Hin­weise darauf, wer diese “sexy Cora” ist und was ihren Tod zu einem Poli­tikum macht, über­lege ich mir vielle­icht noch eine Beloh­nung.

Apro­pos Inva­lid­ität: Was ich mir auch noch über­legen will, ist eine akzept­able Antwort auf die Frage, wieso ein Plakat “gegen Diskri­m­inierung” mit ein­er deut­lichen Überzahl an Frauen aufwartet und so gezielt männliche Betra­chter diskri­m­iniert. Das muss man nicht hin­nehmen, man kann eben nur auch nicht viel dage­gen tun. Das Leben ist hart!

Sonstiges
Medienkritik XLVI: Fleischige Pracht

Ziem­lich unkosch­er, “STERN”, scheint mir dann auch eure dieswöchige Titelgeschichte zu sein. Euer Titel­bild näm­lich, das unter dem Sujet “Fleis­ch­los glück­lich” immer­hin nicht aus­drück­lich orig­inelle Begrün­dun­gen ver­heißt, warum Veg­e­taris­mus “hip” — wie eben auch Mager­sucht und Komasaufen “hip” sind — sei, zeigt eine sichtlich aus­ge­mergelte (apro­pos mager) blonde Frau, die entwed­er zu viel raucht oder nicht mehr ihre natür­liche Haar­farbe trägt, aber so heit­er drein­blickt wie einst Jack Nichol­son in sein­er Rolle als Bat­mans Antag­o­nist “Jok­er”. Alb­träume von diesem eher bedrohlichen Anblick kann ich nicht auss­chließen.

Diesen Fehlgriff tapfer ignori­erend befind­et der denk­ende Sichter auch das eigentliche Anliegen für Hum­bug. Dass ihr, “STERN”, mit “NEON” eine mit vie­len trendy Trend­sto­rys gespick­te “BRAVO” für die vor Fachid­ioten qua­si überquel­lende intellek­tuelle Mit­telschicht u.a. zu ver­ant­worten habt, ist bekan­nt, vielle­icht aber ist es auch der Umstand, dass auf der Titel­seite eine Frau in den augen­schein­lich besten Jahren, wofür auch immer, statt ein­er gle­ich­falls “hip­pen” Mittzwanzigerin zu sehen ist; jeden­falls war ich für eine angemessene Zeitspanne dur­chaus schlicht nicht fähig zu begreifen, dass so eine Titelgeschichte als “STERN” und nicht, wie son­st üblich, als “NEON” (“unnützes Wis­sen”, nur mit einem solch ent­lar­ven­den Vok­ab­u­lar genügt es wohl zum “STERN”-“Redakteur”) darge­boten wird.

Aber ich war ja noch dabei, das The­ma an sich zu kri­tisieren. So, so, Veg­e­taris­mus ist also “hip”, hip, hur­ra, gle­ich­sam der gegen­wär­ti­gen Inter­essenslage der sich für “im Trend” hal­tenden Schmöck­in­nen und Schmöcke entsprechend. Zu mein­er Zeit (rhabar­ber, sülz) emp­fan­den sich die in-peo­ple als noch durch mehr als nur die Ess­ge­wohn­heit­en miteinan­der ver­bun­den. Wie toll und pri­ma und vor allem gesund Veg­e­taris­mus ist, wird durch die Galions­fig­ur eur­er, “STERN”, aktuellen Aus­gabe sehr ein­drucksvoll präsen­tiert, näm­lich offen­bar mal so gar nicht.

Veg­e­tari­er sollte man anson­sten eben­so wenig wie Moslem oder iPhone-Nutzer nur deshalb wer­den, weil es ger­ade irgen­dein­er Mode entspricht und somit zu einem sig­nifikan­ten Anstieg der eige­nen Rep­u­ta­tion im Kreise ähn­lich Tick­ender führen kann. Eine Inter­essens­ge­mein­schaft, die sich in gemein­samen Mahlzeit­en erschöpft, ist wom­öglich zweck­di­en­lich, aber für gemein­same Unternehmungen jen­seits der Mensen und Kan­ti­nen nur eingeschränkt tauglich. “Kommt, meine hip­pen Fre­unde, wir machen die Nacht durch! Ich kenne da ein schönes Salat­bistro …”, na dann: Wohl bekomm’s!

(Wenn halt son­st nichts passiert in Deutsch­land.)

Nerdkrams
Browser: Einfalt und Vielfalt

Erschreck­end eigentlich sind die meter­ho­hen Plakate, die derzeit vielerorts in deutschen Städten herumhän­gen und Wer­bung für Chrome, das ominöse Fire­fox-Imi­tat des Unternehmens Google, machen, und das nicht nur aus his­torischen Grün­den.

Wir erin­nern uns an den längst leg­endären “Browserkrieg” zwis­chen Netscape und Microsoft, der let­ztlich mit der Nieder­lage Netscapes, aber auch der Entste­hung und dem Auf­stieg des aus dem Netscape Nav­i­ga­tor ent­stande­nen Browsers Fire­fox endete. Für lange Zeit war das The­ma damit erledigt, der Inter­net Explor­er ver­lor stetig an tat­säch­lichem Mark­tan­teil, Fire­fox avancierte auf vie­len Plat­tfor­men zum Qua­si­stan­dard.

Seit 2008 facht aber Google einen erneuten “Browserkrieg” an, wobei die Bekan­ntheit der Marke Google der Ver­bre­itung des hau­seige­nen Browsers sicher­lich manchen Vorteil bietet. Eine der­art virale Mar­ket­ingkam­pagne, gegen die auch die ganz­seit­ige Anzeige zur Veröf­fentlichung von Fire­fox 1.0 verblasst, ist jedoch weit über­zo­gen.

Google Chrome ist ein von den üblichen Qual­itätsme­di­en als min­destens Rev­o­lu­tion des Inter­nets gepriesen­er, an tat­säch­lichen Vorteilen jedoch eher armer Brows­er. Was man mitunter an “deut­lichen Vorzü­gen” von Chrome zu hören bekommt, entstammt eher der Kat­e­gorie der urban leg­ends, dem Hören­sagen also, als den tat­säch­lichen Gegeben­heit­en.

Sich­er gibt es Tests, die bele­gen, dass Chrome der schnell­ste Brows­er ist, aber die Ergeb­nisse hän­gen immer auch vom Testver­fahren ab, was wir spätestens wis­sen, seit Microsoft belegte, dass der kom­mende Inter­net Explor­er 9 bere­its in ein­er Vor­ab­ver­sion jeden anderen getesteten Brows­er qua­si im Rück­wärts­gang über­holt. Es gilt: Je aus­führlich­er getestet wird, desto deut­lich­er sieht man, wo geschum­melt wird. Chrome mag zwar unter manchen Umstän­den mit flinken Ladezeit­en aufwarten, erkauft das aber mit dem mit großem Abstand höch­sten RAM-Ver­brauch. Der von der Zom­bies nicht unähn­lichen Menge der­er, die immer nur dem neuesten Trend nach­ja­gen, als “Fat­fox” geschmähte Brows­er Fire­fox siegt in dieser Kat­e­gorie gle­ich­falls mit Abstand, “fett” ist da also nichts. Wenn sich Fire­fox immer langsamer anfühlt, ist es vielle­icht schlicht Zeit, das Pro­fil zu entrüm­peln.

Mit jedem Ver­sion­ssprung wird Fire­fox — Neuin­stal­la­tion ohne Alt­las­ten natür­lich voraus­ge­set­zt — mess- und fühlbar schneller und Ressourcen sparen­der als die jew­eilige Vorgängerver­sion. Ein von mir auf einem gesicherten Sys­tem mal halb­wegs benutzbar kon­fig­uri­ert­er Chromi­um-Brows­er (qua­si Chrome ohne Google) erschien mir, direkt ver­glichen mit ein­er Fire­fox-4-Betaver­sion, jeden­falls über­aus zäh.

Auch son­st kann Googles Pres­tige­pro­jekt zumin­d­est mich nicht überzeu­gen. Die als “entschlackt” gepriesene Bedienober­fläche diente offen­bar als Inspi­ra­tion für die Neugestal­tung von Fire­fox 4, fand aber, wenig erstaunlich, nur wenig Anklang bei den Nutzern. Die Vielzahl an Erweiterun­gen, die die Vorteile der alt­be­währten Ober­fläche zurück­brin­gen, ist längst unüber­schaubar gewor­den. Anscheinend ist das Bedi­enkonzept doch weniger durch­dacht als es überzeugte Chrome-Nutzer nur allzu gern behaupten. Mel­dun­gen über zahlre­iche Sicher­heit­slück­en in Chrome, die qua­si über Nacht geschlossen wer­den, hal­ten sie ja auch nur sel­ten davon ab, Chrome als “sich­er” zu beze­ich­nen; tod­sich­er eben.

Der Wirbel um Google Chrome ist eben doch primär mar­ket­ingbe­d­ingt; die gefühlten 463 Prozent Mark­tan­teil sind eben doch oft nur sieben (das scheint laut mein­er Sta­tis­tik ein dur­chaus prax­is­na­her Durch­schnittswert zu sein). Um so weniger ver­ste­he ich es, dass, nach­dem die Men­schheit 13 Jahre lang Zeit hat­te, aus den Fehlern des ersten “Browserkriegs” zu ler­nen, jet­zt schon wieder so ein Brim­bo­ri­um um die Frage betrieben wird, welch­er Brows­er ger­ade am ehesten im Trend liegt. Haupt­sache neuer und bunter und mit noch kryp­tis­cherem icon; es ist ja nicht so, dass so ein Pro­gramm­sym­bol irgen­det­was über das Pro­gramm aus­sagen sollte. (Das Sym­bol von Google Chrome sieht ein wenig aus wie das Spiel “Simon”, aber was soll das bedeuten?)

Man sollte meinen, aus dem Durcheinan­der, das aus der Zer­stück­elung des Webs auf­grund miteinan­der inkom­pat­i­bler “Stan­dards” der einzel­nen Browser­her­steller fol­gte, hätte man gefol­gert, dass zukün­ftige Gen­er­a­tio­nen von Web­browsern sich auf die Auf­gabe konzen­tri­eren soll­ten, die Stan­dards des World Wide Web Con­sor­tiums best­möglich zu inter­pretieren. Stattdessen ist auch HTML 5 ein Schlacht­feld gewor­den, die bren­nende Frage lautet: WebM oder H.264? Geht es nach Google, soll das eigene For­mat (natür­lich) kün­ftig H.264 als Qua­si­stan­dard ablösen. Dass die WebM-Soft­ware tech­nisch schlicht Schrott ist, ist den meis­ten Gestal­tern von Inter­ne­tauftrit­ten wohl eher egal. Stan­dard ist, wo die Masse ist.

Natür­lich kann ich es ver­ste­hen, wenn ein Unternehmen stolz auf seine Ideen ist, auch wenn sie keine reellen Inno­va­tio­nen darstellen. Was ich aber nicht ver­ste­he, ist, wieso man als Her­steller eines Pro­gramms, das kein Einkom­men gener­iert, darauf erpicht ist, Konkur­renten den Rang abzu­laufen.

Um es ein­mal scharf zu for­mulieren: Die Ver­mark­tung von Chrome wirft das “Web 2.0” und alles, was nach ihm kom­men mag, wieder um mehr als eine Dekade zurück. Ger­ade glaubten wir Insin­ter­ne­trein­schreiber, die Tage der Brows­er, die ihre eige­nen Stan­dards definieren, seien vor­bei, da kam Google ums Eck und demon­stri­erte uns, dass es genau so Ner­ven zehrend agieren kann wie einst Microsoft. Sich­er ist es pri­ma, dass neue Stan­dards entwick­elt und beste­hende verbessert wer­den, es ist nur fatal für ein glob­ales, freies Netz, wenn die, die es definieren, nur den eige­nen Mark­tan­teil im Sinn haben. Wohl denen, die nicht in dieser Branche arbeit­en müssen. Wehe denen, die an Stan­dards glaubten.

An ein zum Stan­dard tau­gen­des HTML 6 ist unter diesen Umstän­den nicht zu denken.

Sonstiges
Der Film mit dem einen Typen da

Als ich also heute gedanken­ver­loren eine Tüte gesalzen­er Nüss­chen knus­perte, überkam mich eine Einge­bung; ich erin­nerte mich an meine wüste Jugend und den einen Film da.

Eines Nachts näm­lich, als ich wie viele her­anwach­sende Spät­pu­bertierende gelang­weilt, nicht jedoch aus­re­ichend müde, die ver­füg­baren Fernsehsender auf lei­dlich Sehenswertes prüfte, unter­brach mein Fin­ger sein Schaltwerk auf dem damals schon über­durch­schnit­tlich pri­maen deutsch-franzö­sis­chen Sender arte. Er, der Sender, zeigte den einen Film da, der der Sparte der franzö­sis­chen Erotik­dra­men — Orig­i­nal mit Unter­ti­tel — entstammte. Die Hand­lung lief etwa so ab:

Von einem dick­en, behaarten Mann unge­fähr mit­tleren Alters mit Voll­bart wird ein gegen­teiliger Knabe gefan­gen genom­men und muss ihm for­t­an, nackt angeket­tet und auf allen Vieren, als das dienen, was man sich ab einem gewis­sen Alter (oder als Redak­teur von Mee­dia) so vorstellt, wenn man diesen Anfang ein­er Beschrei­bung im Kopf weit­er­spin­nt. Im weit­eren Ver­lauf kommt er durch einen Trick frei, während sein unge­beten­er Gast­ge­ber sich zufrieden aus­ruht, und trifft auf seine blonde Fre­undin. Die freut sich nur wenig darüber, dass ihr vorge­blich Geliebter nun wieder für ein­vernehm­lichen Geschlechtsverkehr bere­it ste­ht, haut ihm eine runter und fragt voll des Grimms und der Eifer­sucht: “Er hat dich gut gefickt, wie?!”.

Damit dürfte sich das Klis­chee, dass die Hand­lung von Erotik­fil­men mit dem wahren Leben nichts zu tun hat, hof­fentlich wider­legt fühlen und for­t­an ein Dasein als von Ver­rück­ten gemurmelte Wirr­nis fris­ten. Für Hin­weise, wie der Film heißt, lobe ich übri­gens eine Ver­linkung in einem mein­er näch­sten Beiträge aus.

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In den Nachrichten
10 Jahre Grabenkampf

10 Jahre alt ist die Wikipedia nun unge­fähr, nur wenig jünger die deutschsprachige Aus­gabe. Seit eben­falls etwa 10 Jahren entzweien sich die Men­schen an der Frage: Wikipedia gut oder nicht so gut?

Diese Frage ist ja nicht ein­mal in der Gruppe der­er, die ersteren Stand­punkt vertreten, abschließend gek­lärt. Aus­sagen wie “ich nutz eh nur noch die englis­che Wikipedia” sind üblich, nicht nur an Lehranstal­ten, deren Bedi­en­stete den Schlachtruf “Wikipedia ist Schrott” stets wie auf Abruf ertö­nen lassen. Qual­ität oder Quan­tität?

Ich und die Wikipedia

Natür­lich ist die Wikipedia auch für mich ein wichtiger Aus­gangspunkt für Recherchen jedes Fachge­bi­etes gewor­den. Allerd­ings ver­suche ich der Gemein­schaft auch etwas zurück­zugeben: Ich schreibe seit 2005 unregelmäßig in der Wikipedia mit, ent­fehlere beste­hende Artikel, füge aber auch gern neue hinzu und ver­suche beste­hende vor dem Löschen zu ret­ten. Eine der vie­len Erfahrun­gen, die mich während dieser Zeit das Ökosys­tem Wikipedia lehrte, ist, dass die Annahme, die deutschsprachige Wikipedia sei zu bürokratisch, zu fehler­haft, zu klein oder zu steif (Fre­unde der Regel 34 wer­den um Dezenz gebeten), “zu deutsch” eben, irrig ist.

Ein Beispiel aus mein­er eige­nen Tätigkeit:

Über den Dateiman­ag­er Pro­to, dessen Bedi­enkonzept ein Alle­in­stel­lungsmerk­mal ist, das für die Erfül­lung der Rel­e­vanzkri­te­rien in der deutschsprachi­gen Wikipedia genügt, schrieb ich einen Artikel, der Entwick­ler hat mir auch die Nutzung des Screen­shots aus­drück­lich genehmigt. Nun aber fand der Entwick­ler meinen Artikel so inter­es­sant, dass er mich bat, ihn auch in die englis­chsprachige Wikipedia zu set­zen. Da begann dann ein Prozess, der anschaulich dar­legt, wieso Sätze wie “die deutsche Wikipedia ist ungut” bei mir eher höh­nis­ches Gelächter als zus­tim­mendes Nick­en aus­löste.

Zuerst ver­schwand näm­lich dort der eben­falls eingestellte Screen­shot, obwohl ich die Freiga­be erwäh­nt hat­te, beina­he kom­men­tar­los; die Lizenz sei “ungek­lärt”. Nun gut, dachte ich, und nahm den Vor­fall Achseln zuck­end zur Ken­nt­nis. Wenig später dann wurde allerd­ings der gesamte Artikel mit der Lieblings­be­grün­dung all der­er, die sich gern über die deutschsprachige Wikipedia bekla­gen, gelöscht: Pro­to sei “irrel­e­vant”. Habe ich schon erwäh­nt, dass der Artikel in der ach so furcht­baren Löschhölle der de.WP (ich kürze das jet­zt mal ab) bis heute unbean­standet geblieben ist?

Rel­e­vanz ist Fir­lefanz

Apro­pos Rel­e­vanzkri­te­rien: Man hört ja so aller­lei. Dabei ist das doch ganz leicht, denn let­ztlich muss man nur eine ein­fache Liste von oben nach unten durchge­hen. Es gilt: ODER, nicht UND. Erfüllt ein Artikel ein Rel­e­vanzkri­teri­um, ist er rel­e­vant, erfüllt er vierzig, ist er auch nicht rel­e­van­ter. Dass die Liste der “RK” so lang und unüber­schaubar wirkt, lässt dem willi­gen Autor so weitaus mehr Frei­heit­en als eine andere Lösung, denn let­ztlich ist jedes Rel­e­vanzkri­teri­um eine Frei­heit.

Men­schen, die sich hämisch über die Qual­ität der Artikel “ihres” Fach­bere­ichs aus­lachen, kann ich nicht ver­ste­hen, so gern ich das auch würde. Fak­tisch sind viele Artikel in der de.WP länger und mit mehr Bele­gen verse­hen als ihre englis­chsprachi­gen Pen­dants. Anson­sten haben viele, so scheint es mir, das Konzept der Wikipedia immer noch nicht ver­standen. Web 2.0, Alter! Mit­mach­web! Die Wikipedia ist ein Geben und Nehmen. Ich war bis­lang der Annahme ver­fall­en, seit die Leute ein Wort dafür ken­nen, find­en sie das Prinzip, nicht mehr nur als bloße Kon­sumenten ihr Dasein im Inter­net fris­ten zu müssen, total aufre­gend und nachah­menswert, aber die Wikipedia als ein­er der Vor­re­it­er des “Mit­mach­webs” scheint inter­es­san­ter­weise den gegen­teili­gen Effekt her­vorzu­rufen. Ist Mit­machen der Nor­mal­fall gewor­den, sehnen sich die Nutzer nach etwas, das sie bloß kon­sum­ieren kön­nen, ohne unver­hält­nis­mäßi­gen Aufwand treiben zu müssen.

Warum aktiv wer­den?

Klar, der Men­sch ist eine bequeme Spezies. Wenn man einen Artikel sucht, find­et man ihn ohne­hin bere­its, not­falls (hierzu siehe mein Gegen­beispiel oben) in der englis­chsprachi­gen Wikipedia. Warum sollte man sich dann noch damit aufhal­ten, beste­hende Infor­ma­tio­nen zu verbessern, wenn man nicht ein­mal Geld und/oder Ruhm dafür erhält?

Das ist eine nicht ganz triv­ial zu beant­wor­tende Frage. Wenn ich jeman­dem meine Autoren­schaft in der de.WP enthülle, ernte ich in der Regel ver­ständ­nis­los­es Kopf­schüt­teln. Ich begreife mich aber als Teil von etwas Großem, als Baustein im Sys­tem. Schreibe ich nicht, schreiben eben andere; aber was wür­den die für einen Unsinn schreiben? Qual­ität statt Quan­tität gilt für mich beim Insin­ter­ne­trein­schreiben eben­so wie in der Wikipedia. Mein bish­er umfan­gre­ich­stes Pro­jekt dort, die grundle­gende Über­ar­beitung des Artikels über The Vel­vet Under­ground, dauerte einige Wochen, resul­tierte aber darin, dass der Artikel schließlich mit der Ausze­ich­nung “Lesenswert” verse­hen wurde. Auch, wenn nir­gends im Artikel mein Name ste­ht, so bleibt den­noch das Wis­sen darum, einen Teil zur qual­i­ta­tiv­en Verbesserung der de.WP beige­tra­gen zu haben. Zwar bringt es mir keinen materiellen Wert, aber ich darf damit prahlen, sofern mir der Sinn danach ste­ht.

Und wie?

Fast jeden Tag lese ich auf irgendwelchen Diskus­sion­s­seit­en zu Artikeln in der de.WP Hin­weise wie etwa:
“Der dritte Absatz ist falsch, das war ganz anders.”

Das ist sich­er schön zu wis­sen, mitunter ste­hen auch Quellen dran (“ste­ht im Buch …”, “hat … im Inter­view gesagt” oder ver­gle­ich­bares), aber, liebe Neunutzer der Wikipedia, die wenig­sten Artikel, die ihr dergestalt kom­men­tiert, sind halb- oder vollges­per­rt. Das bedeutet, dass ihr nicht ein­mal ein Benutzerkon­to in der de.WP besitzen müsst, um einen Artikel zu bear­beit­en und eure Änderun­gen einzufü­gen. Habt ihr einen Fehler gefun­den und kön­nt ihn bele­gen? Ein­er der Leit­sätze der Wikipedia, ohne die sie nicht dauer­haft beste­hen kön­nte, ist: Seid mutig! Das Beste ist es, ihr habt eine Quelle parat, etwa “Inter­view mit Mick Jag­ger am 30.2.2008 auf 3sat”, aber so detail­liert müsst ihr nicht ein­mal vorge­hen. Let­z­tendlich wird euch auch kein­er den Kopf abreißen; schlimm­sten­falls wird eure Änderung zurück­ge­set­zt.

Selb­st, wenn der bean­standete Artikel für Bear­beitun­gen unangemelde­ter Benutzer ges­per­rt ist und ihr euch nicht anmelden wollt, ste­ht es euch frei, den entsprechen­den Hin­weis auf der Diskus­sion­s­seite zu hin­ter­lassen, aber auch dann ist es schwierig, den Artikel entsprechend zu verbessern, wenn außer “is falsch, macht ma richtig” nicht viel dort ste­ht. Belege oder zumin­d­est ein Ver­weis darauf, was genau der Über­ar­beitung bedarf, sind gern gese­hen.

Trotz alle­dem sollte man nicht vergessen:

Die Wikipedia ist kein Lexikon!

Eine Enzyk­lopädie ist eine Enzyk­lopädie ist eine Enzyk­lopädie. Sie hegt aber in kein­er Aus­prä­gung, auch nicht in der englis­chsprachi­gen, den Anspruch, das gesamte Wis­sen der Men­schheit zu kon­servieren. Einige natur­wis­senschaftliche und juris­tis­che Fra­gen sind in der Wikipedia beant­wortet wor­den, den­noch ist sie wed­er eine Fach­pub­lika­tion für Natur­wis­senschaftler noch für Juris­ten. Entschei­dend sind hier aber die Einzel­nach- und Inter­netver­weise, die meist auf entsprechende Pub­lika­tio­nen ver­weisen. Die Wikipedia ist als kon­tinuier­lich erweit­ertes und aktu­al­isiertes Nach­schlagew­erk ein nicht zu unter­schätzen­der Aus­gangspunkt für Recherchen, in der deutschsprachi­gen Aus­prä­gung nicht min­der als in allen anderen, denn die Ver­weis­dichte ist, auch auf­grund des Regel­w­erks, in dieser über­durch­schnit­tlich hoch.

Keine Inter­net­seite kann auf alles eine Antwort haben; und genau darum nen­nt man das Inter­net auch ein Infor­ma­tion­snet­zw­erk. Infor­ma­tio­nen ver­weisen auf noch mehr Infor­ma­tio­nen. Im Inter­net find­et man über­all ein biss­chen von fast allem. Ein umfassendes Nach­schlagew­erk, das jed­er Kri­tik an seinem Inhalt die Sub­stanz nähme, machte das Inter­net im Prinzip über­flüs­sig.

Zehn Jahre Wikipedia haben das Inter­net verän­dert. Hof­fentlich wird es nicht weit­ere zehn Jahre dauern, bis auch seine Benutzer endlich dort angekom­men sind.

MusikPolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Kurz verlinkt XXXIV: Kulturpessimismus mit Musik

I’ve been out walk­ing,
I don’t do too much talk­ing these days, these days.

Mag schon sein, dass der Win­ter langsam vorüberzieht und bald die Krokusse blühen. Viel Grund zur Freude bleibt dieser Tage aber nicht.
Ein Blick in die Zeitung oder auch nur in die Nachricht­enspal­ten der ein­schlägi­gen Inter­net­por­tale liefert auch aus­re­ichend Gründe dafür, über Freude gar nicht erst nachzu­denken.

“Krise über­wun­den” hin und her, rauf und runter, rein und raus: 2050, also 38 Jahre nach dem grausamen Wel­tun­ter­gang, wird Deutsch­land voraus­sichtlich in der Weltwirtschaft keine Rolle mehr spie­len. Also natür­lich schon eine, Til Schweiger spielt ja qua­si auch immer eine Rolle, aber eben keine, für die er nicht schlicht unterqual­i­fiziert wäre. Deutsch­land, der Til Schweiger der Weltökonomie. (Ihr dürft mich zitieren.)

Bis 2050 stirbt, so sage ich weis, außer Deutsch­lands Export­markt auch noch manch anderes, unsere gute alte Analogkul­tur voraus. Nicht nur wer­den die hap­tis­chen Freuden eines Buch­es oder von umsichti­gen Kreativ­en gestal­teter Plat­ten­hüllen bis dahin nur noch weni­gen Eingewei­ht­en ver­traut erscheinen und so im Wortsinn zum Kult avancieren, auch die Vere­in­samung der Gesellschaft wird weit­er voran­schre­it­en. Der Siegeszug des Taschen­com­put­ers, ein Jahrzehnt nach Palm, macht es bere­its vor:

Egal, ob iPhone oder Android oder Lap­top oder wasweißich: Unsere Kom­mu­nika­tion­s­geräte bieten unendlich viele Möglichkeit­en und ganz abge­se­hen davon, dass wir entset­zlich bescheuert ausse­hen, wenn wir die ganze Zeit auf unsere Hände star­ren (noch dazu, wenn wir uns in Gesellschaft befind­en und dabei nie­mand redet, aber alle auf ihren Tas­ten rum­drück­en): Für Außen­ste­hende ist nicht zu erken­nen, was wir ger­ade tun.

Sitzt man, wom­öglich bei einem dezen­ten Pfeifchen, auf dem Sofa um einen Plat­ten­spiel­er, meinethal­ben auch einen CD-Spiel­er, herum ver­sam­melt und lauscht Musik aus ein­er beliebi­gen Epoche, so ist das viel gesel­liger und stim­ulieren­der als der mitunter befremdliche Kon­sum eines musikalis­chen Meis­ter­w­erks durch min­derqual­i­ta­tive Kopf- oder Ohrhör­er, wie sie dieser Tage, maßge­blich vor­angetrieben vom Siegeszug des mauen “iPod”, wohl üblich sind. Nie­mand, der über einen aus­re­ichen­den Fre­un­deskreis ver­fügt, würde mir da wider­sprechen; es sei denn, er hält nichts von Musik.

Andere hal­ten viel von Musik, dafür um so weniger vom dig­i­tal­en Vergessen, und so ver­bre­it­et sich das nicht mit EU-Recht kom­pat­i­ble Google Ana­lyt­ics wie Unkraut, nur, dass auch Aus­graben, Vergiften und Ver­bren­nen keine langfristige Alter­na­tive darstellen. Schön ist es da, wenn Kla­gen dro­hen; manche Mit­bürg­er unter­hal­ten sich ja augen­schein­lich beina­he nur noch mit ihren Anwäl­ten, haben aber entsprechend viel Respekt vor diesem ver­rucht­en Beruf­s­stand. Blöd ist es hinge­gen, wenn der eine Klage Anstrebende ger­ade erst selb­st die Seit­en gewech­selt hat.

These days I seem to think about
how all the changes came about my way,
and I won­der if I’d see anoth­er high­way.

— Nico: These Days

PolitikSonstigesKaufbefehle
Keine Sorge, gnä’ Frau, wir sind aus dem Internet!

(Auf­grund aktueller poli­tis­ch­er Forderun­gen fol­gt ein Nach­trag zu dem etwas älteren Artikel über “das Inter­net”.)

Und noch was, ihr Men­schen­fänger, die ihr bei jed­er sich nur irgend­wie bietenden Gele­gen­heit als Ersatz für die immer­hin inzwis­chen als falsch ver­wor­fene Kat­e­gorisierung als “das Inter­net” von “der Inter­net-Com­mu­ni­ty” schwafelt und diese Gele­gen­heit, so sie sich denn nicht frei­willig bietet, not­falls mit­tels obskur­er Winkelzüge säck­eweise her­ankar­rt:

Das Inter­net ist nicht der ver­ruchte Klub im Hin­ter­hof, vor dessen Tür sich erbrechende ehe­ma­lige Rock­stars sich den gold­e­nen Schuss set­zen. Das Inter­net ist eben­falls kein elitär­er Zirkel, dessen Mit­glieder sich ver­schwörerisch anse­hen und nur mit Num­mern ansprechen, um ihre Elitärität nicht zu gefährden. Das Inter­net ist keine geschlossene oder anmeldepflichtige Gesellschaft. Im Inter­net gibt es viele “Com­mu­ni­tys” für noch mehr Men­schen mit noch mehr unter­schiedlichen Inter­essen, die sich teil­weise in der drit­ten oder schon vierten Gen­er­a­tion gegen­seit­ig bekämpfen; “Age of Empires” gegen “Empire Earth”, *ix gegen Win­dows, vi gegen Emacs, Google gegen Microsoft, Mozil­la gegen Microsoft, alle gegen Microsoft. Bauern auf die Köni­gin.

Kurz gesagt:
Es gibt keine “Inter­net-Com­mu­ni­ty”.

Es gibt kein “wir”. An den Toren des Inter­nets ste­ht kein Türste­her, der euch schroff abweist. Ey, ihr kommt hier nisch nisch rein. Ihr wollt ins Inter­net? Nur zu! Das Haus­recht hat die Mehrheit, Füße abputzen muss nicht sein. Was es aber gibt, ist ein “ihr”.

Ihr sitzt in euren Elfen­bein­tür­men, ken­nt die Welt um euch herum nur aus dem SPIEGEL und vielle­icht den Nachricht­en. Ihr schimpft euch “gewählte Volksvertreter”, ver­wech­selt “Vertreter” aber mit denen, die einem an der Haustür elend laute Staub­sauger andrehen wollen. Sym­bol­poli­tik habt ihr zum Stilmit­tel erk­lärt, aber mit denen, auf deren Schul­tern sie ruht, redet ihr lieber nicht. Euer Elfen­bein­turm ist her­metisch ver­riegelt, lei­der nur von außen. Passt auf, dass euch nicht eines Tages die Glocke eures Tem­pels auf den Schädel fällt. Das Inter­net ver­gisst nicht so schnell wie ihr.

(An dieser Stelle empfehle ich einen Blick in Vik­tor May­er-Schön­berg­ers jüngst in Deutsch­land erschienenes und ger­ade im Hin­blick auf aktuelle Diskus­sio­nen wichtiges Buch “Delete”, das mir vor­liegt und in dem er unter anderem erläutert, warum der Vorschlag Ilse Aign­ers, einen “dig­i­tal­en Radier­gum­mi” einzuführen, trotz Kri­tik aus den Rei­hen “der Inter­net-Com­mu­ni­ty” eine grund­sät­zlich sehr gute Idee ist. Ein infor­ma­tives Zwiege­spräch von 2008 ist auf Golem.de zu find­en.)

Und, ihr Elite‑, A- und A‑A-Blog­ger, die ihr euren Zaster zusam­men­schnor­rt, indem ihr eure Sym­pa­thien an den Meist­bi­etenden ver­hök­ert und alle Naslang irgendwelche Stel­lung­nah­men im Namen “der Inter­net-Com­mu­ni­ty” zusam­men­schmiert, die wed­er auf die Men­schen­fänger, die sie besän­fti­gen sollen, noch auf “die Inter­net-Com­mu­ni­ty”, die sich als Kollek­tiv, nicht jedoch als eine solche begreift, einen nen­nenswerten Ein­druck machen, von bedauern­swerten Neuzugän­gen, die jeden, der vor ihnen da war, als Guru miss­brauchen, ein­mal abge­se­hen: Möge das Fall­git­ter vor eur­er fremd­fi­nanzierten Opi­umhöh­le kün­ftig klem­men!

So sei es.

FotografieNetzfundstücke
BMW, Alter.

Titel­blatt der “BRAVO HipHop Spe­cial” 01/2010 heute im Zeitschriften­re­gal:

Elias Schw­erdt­feger, eben­falls heute, im Inter­net und in einem völ­lig anderen Zusam­men­hang:

Wenn eure “Ziel­gruppe” (…) wirk­lich aus Men­schen beste­ht, (…) die kein hin­re­ichen­des Selb­st­wert­ge­fühl haben, sodass sie ein der­ar­tiges Zer­ren an ihrer Aufmerk­samkeit schaf­dumm über sich erge­hen lassen… ja denn, und nur denn habt ihr genau die richtige Form der “Ansprache” gewählt. Inter­es­san­ter­weise deckt sich das auch recht gut mit dem Ein­druck, den etliche Fahrer eur­er Ersatzpimm Pro­duk­te — Achtung, sub­jek­tive Aus­sage! — bei mir erweck­en.

Wer’s halt braucht.

Internes
Flattr? Ohne mich.

Einige vorzügliche und weniger vorzügliche Weblogs und Plat­tfor­men wie Wik­iLeaks set­zen ja nun seit einiger Zeit auf das Bezahlsys­tem “Flat­tr”, das, in schön­stem Werbe­sprech, eine Art “soziales Bezahlsys­tem” sein soll. Der Grundgedanke lautet: Man zahlt einen bes­timmten Betrag ein und klickt dann über­all, wo einem etwas gefällt, auf den “Flattr”-Knopf. Betätigt man zwei dieser Knöpfe, wird jew­eils die Hälfte des Geldes an die Betreiber der bei­den “geflat­trten” Ange­bote über­wiesen, bei hun­dert Betä­ti­gun­gen wer­den die Beträge dann mitunter eben recht klein. (Eventuelle Flat­tr-Nutzer unter meinen Lesern wer­den gebeten, mich gegebe­nen­falls zu kor­rigieren.)

Natür­lich ist damit auch immer ein Hin­tergedanke ver­bun­den, denn anders als etwa das bewährte Pay­Pal, das, räus­per, auch ich hier ver­wende (über Spenden freue ich mich wirk­lich außeror­dentlich, bitte mal in die Seit­en­leiste sehen), hat Flat­tr manch­es mit dem viral ver­bre­it­eten Spi­onagew­erkzeug “Gefällt mir” von Face­book gemein­sam, etwa das Prinzip “Wie du mir, so ich dir”.

Im Gegen­satz zu ein­er nor­malen Spende näm­lich ist bei Flat­tr die Ver­lock­ung schneller gegeben, einen Klick auch zu erwidern. “Ich hab dich geflat­trt, kannst du mich mal zurück­flat­trn?”, solche Dialoge kan­nte ich zuvor nur aus den “sozialen” Por­tal­en des von VZnet: “… hat dich gegr­uschelt, möcht­est du ihn/sie/es zurück­gr­uscheln?”. Wer die Schwierigkeit hier­an noch nicht erkan­nt hat, den stoße ich gern mit der Nase darauf: “Zurück­flat­trn” geht ohne Flat­tr-Knopf nun mal nicht, und um einen solchen ein­bauen zu kön­nen, braucht man eine Inter­net­präsenz, die dies ermöglicht. Die bish­eri­gen Flat­tr-Nutzer, natür­lich auch der unver­mei­dliche Robert Basic, loben indes eben primär den “sozialen Aspekt” und erdreis­ten sich natür­lich nicht, zu erwäh­nen, dass dieser “soziale Aspekt” nur wirkt, wenn man ein­er von ihnen ist. Nicht­blog­ger und Nichtbe­sitzer ein­er zumin­d­est dafür geeigneten Plat­tform haben selb­st schon aus tech­nis­chem Grund keine Möglichkeit, von Flat­tr zu prof­i­tieren, sind hinge­gen als williges Spender­volk gern gese­hen. Die sind ja auch selb­st schuld, ste­ht ihnen ja frei, mit dem Bloggen anz­u­fan­gen. (Dieses Prob­lem ist bei Nutzung von Pay­Pal nicht vorhan­den, dort sind Spenden auch an reg­istri­erte E‑Mail-Adressen möglich.) Aber Haupt­sache, man ist sozial und ein Teil des Net­zes. Wer würde es einem ver­ar­gen? Das ist die Zukun­ft, der Trend. Bet­teln 2.0, Mann!

Man kann Flat­tr auch aus ver­schiede­nen anderen Grün­den nicht mögen; die bis­lang blödeste Begrün­dung, die mir untergekom­men ist, war zum Beispiel, dass Flat­tr als bloßer Dien­stleis­ter auch Zahlun­gen an nation­al­is­tis­che Web­por­tale nicht ver­weigert. “Alles, was Nazis mal ange­fasst haben, ist kon­t­a­miniert und wird ihnen über­lassen.” Das ist natür­lich nur inter­es­sant für eine kleine Min­der­heit der Inter­net­nutzer, denen son­st keine guten Gründe ein­fall­en, Flat­tr abzulehnen. Viel bedeut­samer ist es, dass die eigentliche Funk­tion Flat­trs, näm­lich das Zahlen von Klein­beiträ­gen, von Flat­tr nur unzure­ichend erfüllt wer­den kann.

Wenn man näm­lich sein Flat­tr-Kon­to befüllen möchte, nicht im Besitz ein­er Kred­itkarte ist und für das lang­wierige manuelle Über­weisen nicht genü­gend Zeit oder Ner­ven vorhan­den ist oder sind, bleibt hier­für nur Pay­Pal übrig; und da im Inter­net ja alles schnell-schnell (wiki­wi­ki) gehen muss, ist ein Pay­Pal-Kon­to für das Gros der Flat­tr-Nutzer ver­mut­lich eine Selb­stver­ständlichkeit, so wenig man auch von Pay­Pal hal­ten sollte. Damit wäre ein­er der mitunter vorgeschobe­nen Gründe, Flat­tr “statt” Pay­Pal zu nutzen, hin­fäl­lig.

“Klein­be­träge” beziehungsweise, für die Fre­unde des über­flüs­si­gen Superla­tivs, “Kle­in­st­be­träge” sind nor­maler­weise im Sprachge­brauch zwis­chen 0,01 und 10 Euro anzusiedeln. In Verbindung mit erwäh­n­ter Pay­Pal-Nutzung bleibt nur von dem ursprünglich eingezahlten Beitrag nicht mehr viel übrig, denn sowohl Pay­Pal als auch Flat­tr nehmen Gebühren vom Empfänger. Schön, mag jet­zt der Leser sagen, denn so kostet es mich nichts; stimmt, man muss zwar weniger selb­st zahlen, dafür kommt aber auch weniger beim Adres­sat­en an. Möchte man etwa einem sein­er bevorzugten Blog­ger eine Spende von 2 Euro zukom­men lassen und zahlt also 2 Euro via Pay­Pal auf sein Flat­tr-Kon­to mit dem Vor­satz, den Betrag anschließend via Flat­tr zu versenden, ein, so tut man dem bevorzugten Blog­ger einen weniger großen und den bei­den Anbi­etern einen um so größeren Gefall­en als beab­sichtigt:

Von den 2 Euro gehen 39 Cent an Pay­Pal, Flat­tr sieht davon also nur 1,61 Euro.
Von diesen 1,61 Euro gehen wiederum 10 Prozent, also 0,16 Euro, an Flat­tr selb­st, wenn man auf das Gnöbb­sche drückt.

Mehr als 1/4 des Betrags, den man zu spenden bere­it wäre, geht also im Beispiel, das nicht ungewöhn­lich sein dürfte, schon beim Zahlung­sprozess unter­wegs ver­loren. Da stimmt es auch nur wenig zuver­sichtlich, dass Googles Pläne, eine mobile Micro­pay­ment-Alter­na­tive zu etablieren, ger­ade mal wieder durch die Blogs geis­tern, denn die bei Google üblichen Gebühren sind unab­hängig von der Frage, ob es eine gute Idee ist, dass Google dem erstell­ten Nutzer­pro­fil nun auch noch das Einkaufsver­hal­ten zuord­nen kann, auch nicht von schlecht­en Eltern.

Hinzu gesellt sich schließlich der ethis­che Aspekt. Hier kann ich nun nur für mich sprechen: Ich schreibe um des Schreibens Willen. Ich schreibe, weil ich gern schreibe, und schon ein Dank oder gar ein Link geben mir Anlass, damit auch so bald nicht aufzuhören. Die mancherorts nicht eben rar gesäten Hin­weise darauf, dass man, statt sich zu bedanken, auch wort­los ein paar Kröten da lassen kann, stellen das Ziel in Frage. Würde ich etwa aus dem Zahlungsver­hal­ten mein­er Leser Schlüsse darauf ziehen, welche mein­er Texte sich der größten Beliebtheit erfreuen, so würde ich wohl auch, vielle­icht unbe­merkt, meine zukün­ftige The­me­nauswahl daran aus­richt­en. Das wäre dann aber nicht mehr Schreiben um des Schreibens Willen, son­dern bloße Prof­it­gi­er; würde ich also für das Schreiben bezahlt, würde das Schreiben für mich so auch einen sein­er wesentlichen Reize ver­lieren. Ihr ken­nt das vielle­icht aus der Schule: Auf­sätze zu einem vorgegebe­nen The­ma waren nie son­der­lich reizvoll zu recher­chieren. Da lobe ich mir doch Pay­Pal, denn wer über es an mich eine Zahlung abwick­elt, lässt mich zwar wis­sen, dass ich nicht immer nur hanebüch­enen Quatsch ver­fasse, jedoch erfahre ich nichts über die Wer­tung einzel­ner Texte. Der “soziale Aspekt” beste­ht hier darin, die Arbeit eines anderen Inter­net­nutzers ohne Hin­tergedanken und ohne zusät­zliche 10 Prozent Gebühren ein­fach mal zu würdi­gen.

Wenn schon die Selb­stver­ständlichkeit, ein­fach mal “danke” zu sagen oder zu schreiben, im Inter­net zur Sel­tenheit gewor­den ist, so soll­ten wir sie doch wenig­stens nicht der selb­st ernan­nten Blog­gere­lite über­lassen.

All diese Bedenken lassen let­ztlich nur einen Schluss zu:
Flat­tr? Ohne mich.

NetzfundstückeNerdkrams
Heute twitter ich, morgen brau ich, …

Am 1. April 1998, eigentlich als Aprilscherz gedacht, wurde das Hyper Text Cof­fee Pot Con­trol Pro­to­col, kurz HTCPCP, spez­i­fiziert als RFC 2324, in der Ver­sion 1.0 veröf­fentlicht. Die Zielset­zung war es, ein ein­heitlich­es Pro­tokoll zu entwick­eln, mit dem es möglich sein sollte, Kaf­feemaschi­nen anzus­teuern. Trotz zahlre­ich­er Imple­men­tierun­gen für ver­schiedene Betrieb­ssys­teme fehlte es bis­lang meines Wis­sens trotz einiger Ankündi­gun­gen und anders lau­t­en­der Ver­mu­tun­gen an ein­er Kaf­feemas­chine, die von diesen auch anges­teuert wer­den kön­nte.

So weit die Vorgeschichte.

Heute nun erre­ichte mich ein Hin­weis auf diese Entwick­lung:
Jemand entwick­elte eine hard­ware­basierte Lösung, um per Twit­ter seine Kaf­feemas­chine fernzus­teuern. Benötigt wer­den “lediglich” ein beliebiger Com­put­er, eine Kaf­feemas­chine, ein Pow­er Switch Tail und eine Arduino-Pla­tine neb­st Kon­troll­pro­gramm.

Ein­mal davon abge­se­hen, dass diese Lösung eben­so wie eben auch das HTCPCP physikalis­che Prozesse wie das Ein­füllen von Wass­er und Kaf­feep­ul­ver noch nicht automa­tisieren kann, dies also im Voraus unverän­dert händisch erledigt wer­den muss und somit kaum Zeit spart, ist das sich­er eine nette Bastelei ger­ade für uns Infor­matik­er, die wir bekan­ntlich ohne Kaf­fee nur unzure­ichend funk­tion­stüchtig sind.

Nichts­destotrotz ist das eine ver­passte Gele­gen­heit, denn so prak­tisch Twit­ter auch sein mag, es bietet doch nicht den Kom­fort ein­er direk­ten Ans­teuerung über HTCPCP, zumal eben die vorgeschla­gene Lösung nichts anderes ist als eine fer­nges­teuerte Stromver­sorgung und somit eigentlich nicht der Rede wert. Wo seid ihr, ihr Gad­get­pro­duzen­ten, wenn man euch mal wirk­lich braucht?

Und jet­zt mache ich mir erst mal so richtig ana­log einen Kaf­fee.

(Werbe­sprech des Tages: “Jet­zt über­all erhältlich oder unter 01…”, über­all ist eben nicht gle­ich über­all.)

ProjekteSonstiges
Anbiedermänner

Was mir selb­st zwar noch nicht begeg­net, aber dank zahlre­ich­er Fernse­hüber­tra­gun­gen entsprechen­den Inhalts längst zur Genüge bekan­nt ist, ist eine üble Marotte, die sich aus­ländis­che Kün­stler im Laufe der let­zten Jahrzehnte über­wiegend zugelegt haben und der sie aus­giebig frö­nen, wenn sie Deutsch­land betouren. Diese Marotte ist die Anbiederung. Was bei den Bea­t­les noch kon­se­quent war, ver­bracht­en sie doch einen Großteil ihrer frühen Kar­ri­ere­jahre in Ham­burg, ist bei “Kün­stlern” jün­ger­er Jahre nur mehr als pen­e­trant zu werten.

Ein nicht mehr allzu aktuelles Beispiel, um zu ver­an­schaulichen, was gemeint ist: Da ste­ht also ein Welt­star wie, sagen wir mal, Rob­bie Williams auf ein­er Bühne vor “rund 10.000 Fans”, alter­na­tiv “vor 10.000 Berlin­ern”, eins wird schon stim­men, die alle­samt oder jeden­falls großteils Geld bezahlt haben, um Her­rn Williams’ drögem Pop zu lauschen, und dann han­delt der Konz­ert­bericht nicht etwa von seinem Gesangsstil oder den vor­ge­tra­ge­nen Stück­en, wom­öglich gar gepaart mit Kri­tik an der enthal­te­nen Lyrik, son­dern vielmehr liegt man dem Kün­stler zu Füßen, weil er nicht nur doof auf der Bühne rumhüpft, son­dern auch noch ein paar auswendig gel­ernte Phrasen abspult. Sog­ar einige Begrüßun­gen auf Deutsch hat­te Williams für sein Pub­likum parat. “Danke schön” und “Ich liebe Euch” ver­set­zte(n) das Pub­likum in wahre Freuden­taumel, wenn das Pub­likum von der darge­bote­nen “Musik” schon nicht begeis­tert ist, hil­ft es offen­bar, stattdessen ein­fach mal irgend­was daherzusülzen, und er ges­tand, tat ihm wohl echt Leid, nach den, unfass­bar, ganzen sieben darge­bote­nen Songs: “Danke, Deutsch­land, für alles, was ihr für mich getan habt.”

Was das ist, was Deutsch­land für ihn wie auch für all die anderen Kün­stler, die diese Kun­st der Anbiederung zu beherrschen meinen, getan haben soll, bleibt im Ungewis­sen. Man stelle sich das aber ein­mal vor: Da ste­ht ein mil­liar­den­schw­er­er Welt­star auf ein­er Bühne, ver­di­ent mal eben ein paar hun­dert Kröten pro Takt und hält es dann noch für nötig, deutsche Phrasen zu dreschen, ver­mut­lich, damit das Pub­likum denkt: Oh, er kann Deutsch, das macht ihn direkt viel weniger zu einem schmalzi­gen Pop­star, son­dern zu einem von uns!

Götz Als­mann, ein­er der let­zten akzept­ablen (unter anderem) Fernsehmod­er­a­toren Deutsch­lands, sagte ein­mal sin­ngemäß: Empfind­un­gen, die man, auf irgen­dein Pub­likum fix­iert, in ein­er frem­den Sprache aus­drückt, etwa beim Schreiben fremd­sprachiger Lieder, bleiben Worthülsen ohne Inhalt. Ich zum Beispiel besuche ein Konz­ert oder eine Lesung nor­maler­weise, damit die jew­eili­gen Pro­tag­o­nis­ten mich mit ihrer musikalis­chen und/oder poet­is­chen Ader beglück­en. Stam­men die Pro­tag­o­nis­ten aus dem Aus­land, so erwarte ich nicht, dass sie ihr Werk zuvor auf Deutsch über­set­zen, aber dann möchte ich doch bitte auch nicht, dass sie sich neben­bei mit ein­er Sprache quälen, die sie nicht beherrschen. Um mich auf Musik­er zu beschränken und es ein wenig abzukürzen: Auf einem Konz­ert erwarte ich, dass der von meinem ergaunerten Geld teuer bezahlte Kün­stler mich mit sein­er gern auch fremd­sprachi­gen Musik unter­hält, nicht jedoch, dass er mich auf Deutsch voll­sülzt. Möchte ich von Leuten, die es nicht beherrschen, auf Deutsch vollgesülzt wer­den, so besuche ich eine Beruf­ss­chule oder eine Sitzung im Reich­stag, aber kein Konz­ert eines welt­bekan­nten Kün­stlers.

“Welt­bekan­nt” ist ohne­hin ein wichtiges Stich­wort. Wertes Berlin­er Pub­likum beziehungsweise Pub­likum in Berlin, das ihr von Rob­bies “Dankeschön!” offen­bar total von den Sock­en wart, wie auch liebe andere Pub­liküme, die ihr anbe­tend eurem jew­eili­gen Idol zu Füßen liegt, wenn es deutsche Phrasen drischt: Glaubt ihr tat­säch­lich, “ohne Scheiß”, dass der Kün­stler sich, wom­öglich oben­drein her­zlich, bei euch bedankt, dass ihr so toll mitk­latscht, gar anfangt zu johlen, wenn ihr nach den ersten paar Sekun­den das jew­eilige Lied erkan­nt habt und das für erwäh­nenswert hal­tet? Nein, der Kün­stler bekommt sein Geld auch, wenn ihr stumm auf eurem Aller­w­ertesten sitzen bleibt und die Fresse hal­tet. Dass ihr seine Lieder erken­nt, müsst ihr ihm auch nicht mit­teilen, denn davon geht er aus. Und wenn ihr nicht herumhüpft wie doof, son­dern euch ein­fach mal so ver­hal­tet, dass man nicht etwas lauter reden beziehungsweise sin­gen muss, um euer Gejohle zu übertö­nen, so wird das auch einen Rob­bie Williams nicht in den Alko­holis­mus oder ähn­liche depres­sions­be­d­ingt Sucht­en treiben, son­dern er wird mit den Schul­tern zuck­en, seine Mil­lio­nen ein­stre­ichen und so tun, als wäre nichts passiert. Ich nehme Wet­ten an, erwarte jedoch Gegen­belege.

Ein Pub­likum, das stun­den­lang geduldig zum Beispiel englis­chsprachi­gen Liedern lauscht, ist auch mit “thank you” nur schw­er­lich zu über­fordern. Wenn ihr euch bedanken wollt, ihr Rob­bies und Madon­nas da draußen, wenn ihr es auch wirk­lich so meint, dann bedankt euch in der Sprache eures Herzens. Das ist, sofern ihr aus den USA, Frankre­ich, Spanien oder Bay­ern kommt, nicht Deutsch. Ich als zahlen­der Gast pfeife darauf, dass ein Kün­stler, dessen kün­st­lerischen out­put ich sehr schätze, ver­sucht, sich bei mir beliebter zu machen, indem er so tut, als kön­nte er meine Mut­ter­sprache ver­ste­hen. Ich werde kein Musikalbum und kein Buch nur deshalb weniger kaufen, weil der Schöpfer kein Deutsch spricht, jedoch werde ich an einen darge­bracht­en Vor­trag dieser Werke weniger pos­i­tive Erin­nerun­gen hegen, wenn der Vor­tra­gende glaubt, jemand, der Geld bezahlt, um ihn zu sehen, müsse mit Zwis­chen­spie­len, die nicht Teil seines gewohn­ten Reper­toires sind, bei Laune gehal­ten wer­den.

Die von mir bish­er besucht­en Konz­erte bzw. Lesun­gen bestrit­ten aus­nahm­s­los deutschstäm­mige Kreative, so dass all das Geschilderte jeden­falls in der Ich-Form als rein hypo­thetisch anzuse­hen ist und hof­fentlich bleiben wird. Den­noch wäre es schön, die enthal­tene Wahrheit spräche sich in der Welt der reichen Boule­vard­lieblinge schnell herum, auf dass der Men­schheit höchst pein­liche, via Presse ver­bre­it­ete und wom­öglich von ahnungslosen Anzeigenkun­den mit­fi­nanzierte Huldigun­gen wie die genan­nte erspart bleiben mögen.

(Fire­fox-Nutzer aufge­merkt: Ich habe meine Erweiterung Open­Down­load, inzwis­chen Open­Down­load², im Ver­lauf der vorigen Stun­den auf Ver­sion 3.0.0 aktu­al­isiert, die unter anderem Unter­stützung für Fire­fox 4 und andere Betrieb­ssys­teme als Win­dows mit­bringt. Ich hoffe, ihr seid damit ein­ver­standen.)