In den NachrichtenMusikNetzfundstückePolitik
Kurz verlinkt XXXIV: Kulturpessimismus mit Musik

I’ve been out walking,
I don’t do too much talking these days, these days.

Mag schon sein, dass der Winter langsam vorüberzieht und bald die Krokusse blühen. Viel Grund zur Freude bleibt dieser Tage aber nicht.
Ein Blick in die Zeitung oder auch nur in die Nachrichtenspalten der einschlägigen Internetportale liefert auch ausreichend Gründe dafür, über Freude gar nicht erst nachzudenken.

„Krise überwunden” hin und her, rauf und runter, rein und raus: 2050, also 38 Jahre nach dem grausamen Weltuntergang, wird Deutschland voraussichtlich in der Weltwirtschaft keine Rolle mehr spielen. Also natürlich schon eine, Til Schweiger spielt ja quasi auch immer eine Rolle, aber eben keine, für die er nicht schlicht unterqualifiziert wäre. Deutschland, der Til Schweiger der Weltökonomie. (Ihr dürft mich zitieren.)

Bis 2050 stirbt, so sage ich weis, außer Deutschlands Exportmarkt auch noch manch anderes, unsere gute alte Analogkultur voraus. Nicht nur werden die haptischen Freuden eines Buches oder von umsichtigen Kreativen gestalteter Plattenhüllen bis dahin nur noch wenigen Eingeweihten vertraut erscheinen und so im Wortsinn zum Kult avancieren, auch die Vereinsamung der Gesellschaft wird weiter voranschreiten. Der Siegeszug des Taschencomputers, ein Jahrzehnt nach Palm, macht es bereits vor:

Egal, ob iPhone oder Android oder Laptop oder wasweißich: Unsere Kommunikationsgeräte bieten unendlich viele Möglichkeiten und ganz abgesehen davon, dass wir entsetzlich bescheuert aussehen, wenn wir die ganze Zeit auf unsere Hände starren (noch dazu, wenn wir uns in Gesellschaft befinden und dabei niemand redet, aber alle auf ihren Tasten rumdrücken): Für Außenstehende ist nicht zu erkennen, was wir gerade tun.

Sitzt man, womöglich bei einem dezenten Pfeifchen, auf dem Sofa um einen Plattenspieler, meinethalben auch einen CD-Spieler, herum versammelt und lauscht Musik aus einer beliebigen Epoche, so ist das viel geselliger und stimulierender als der mitunter befremdliche Konsum eines musikalischen Meisterwerks durch minderqualitative Kopf- oder Ohrhörer, wie sie dieser Tage, maßgeblich vorangetrieben vom Siegeszug des mauen „iPod”, wohl üblich sind. Niemand, der über einen ausreichenden Freundeskreis verfügt, würde mir da widersprechen; es sei denn, er hält nichts von Musik.

Andere halten viel von Musik, dafür um so weniger vom digitalen Vergessen, und so verbreitet sich das nicht mit EU-Recht kompatible Google Analytics wie Unkraut, nur, dass auch Ausgraben, Vergiften und Verbrennen keine langfristige Alternative darstellen. Schön ist es da, wenn Klagen drohen; manche Mitbürger unterhalten sich ja augenscheinlich beinahe nur noch mit ihren Anwälten, haben aber entsprechend viel Respekt vor diesem verruchten Berufsstand. Blöd ist es hingegen, wenn der eine Klage Anstrebende gerade erst selbst die Seiten gewechselt hat.

These days I seem to think about
how all the changes came about my way,
and I wonder if I’d see another highway.

— Nico: These Days

Senfecke

Bisher gibt es 10 Senfe:

  1. Alter Hetzer!
    Das Problem mit Google Analytics ist ja schon sowas von abgedroschen. Deshalb ist es nicht nachvollziehbar, warum sich manche, warum auch immer uninformierte, Webseitenbetreiber dieser Gefahr noch aussetzen, zumal es doch bereits so lange risikolose Alternativen gibt.

  2. Sehr richtig. Insofern weise ich die Unterstellung, ich sei ein Hetzer, zurück. Ich stelle nur die Fronten klar. ;)

  3. Wo du grade von den haptischen Freuden eines Buches sprichst: Heute lieferte mir DHL im Auftrag von Amazon ein Buch aus dem Fantasy-Genre angehört. Ich bin mir, nach ca 100 Seiten noch nicht sicher, ob dieses Buch wirklich inhaltlich näher auf einer Buchreihe aufbaut bzw wie sie inhaltlich an diese Buchreihe, die ich sehr schätze, anknüpft. Was mich aber jetzt schon stört, ist das greifbare Äussere. Alle vorangegangenen Exemplare hatten ein einheitliches Format und einheitliche optische Gestaltung, sofern das Exemplar einer bestimmten Auflage entsprach. Mein neuestes Buch allerdings scheint einer aktuelleren Design-Auflage der Buchreihe (wenn man es dann dazu zählen will) zu entspringen und passt nun weder vom Format noch von der Optik zu den vorhergehenden Bänden und selbst, wenn ich das Buch demnächst ins Regal zu seinen „Vorgängern” stelle, wird es dort eher den Eindruck eines entfernten Verwandten hinterlassen als den eines nahen Angehörigen, wenn man es so nennen will.
    Der Gesamteindruck, das „Gesamterlebnis” jedenfalls ist im Arsch. Als würde die favorisierte Fussballmannschaft mit Auswärts-Trikot, Heimspiel-Hose und Ausweich-Stutzen antreten. Einfach nicht (mehr) stimmig. Aus diesem Blickwinkel dann doch lieber ein E-Book. Das Symbol für PDF’s ist immer das gleiche.

  4. Da hat der Verlag, wie es scheint, nicht so ganz verstanden, worum es Bücherfreunden eigentlich geht. Zu empfehlen ist, die dort veröffentlichten Werke künftig zu meiden und einen gepfefferten Brief zu hinterlassen, der auf die Abneigung hinweist. Gern auch als Mail.

  5. Nunja. Ich habe das nun mal recherchiert. Die Buchserie gibts seit einiger Zeit tatsächlich in einem neuen, einheitlichen Design. Und an dieses ist auch mein neues Buch angepasst. Blöd halt nur, dass es den neuesten Band nicht auch im Vorgänger-Design gibt, denn es besteht schon ein merklicher Unterschied. Ich könnte natürlich nun alle Bände im alten Design gegen solche im Neuen austauschen, das empfinde ich aber als ebenso wenig praktikabel wie den Verzicht auf weitere Bücher dieser Reihe, sofern mich das aktuelle nicht enttäuschen und weitere Bande erscheinen sollten. Gleich den ganzen Verlag mit Ignoranz strafen fällt mir derzeit auch etwas schwer vorstellbar, auch wenn ich nicht sagen könnte ob sich bereits andere Werke von diesem in meinem Besitz befinden oder ob meine nächsten geplanten Käufe diesen Verlag ein oder ausschließen.

  6. Zumindest steht es dir frei, deinem Unmut Luft zu machen. :)
    Ich kann ja verstehen, dass Verlage grundsätzlich immer mal wieder neue Gestaltungen einführen, um neue Leserscharen anzulocken. Dass dabei die alten auf der Strecke bleiben, ist eine Konsequenz aus der Entscheidung der Frage: Mehr Leser oder Leser binden?

    Der ehapa-Verlag macht das ja leider auch so. Die Neuauflagen der „Lustigen Taschenbücher” haben allesamt einen neuen Buchrücken bekommen. Passt nicht mehr zu den alten, sieht aber „besser” aus im Regal. Und so muss man sich natürlich, legt man auf Ästhetik Wert, jedes Buch neu kaufen.

    Seufz.

  7. ich finde Weltwirtschaft lustig.

  8. Soso, du magst also Til Schweiger.

  9. lustig =! mögen.
    ich finde ja auch komische schlampenhuren in der tram lustig auf eine eigenartige art und weise.

  10. Du Sadist!
    Gefällt mir.

    Also deine sadistische Neigung, nicht jener Menschenschlag.

Senf dazugeben:

:) 
:D 
:( 
:o 
8O 
:? 
8) 
:lol: 
:x 
:aufsmaul: 
:P 
:ups: 
:cry: 
:evil: 
:twisted: 
mehr...
 

Erlaubte Tags:
Markdown sowie <strong> <em> <pre class="" title="" data-url=""> <code class="" title="" data-url=""> <a href="" title=""> <img src="" title="" alt=""> <blockquote> <q> <b> <i> <del> <span style="" class="" title="" data-url=""> <strike>

Datenschutzhinweis: Ihre IP-Adresse wird nicht gespeichert. Details finden Sie hier.