PolitikIn den NachrichtenPiratenpartei
Durch die grü­ne Bril­le

Da schau her, in Baden-Würt­tem­berg haben die zweit- und dritt­stärk­ste Par­tei den Umstand, dass sie eben nicht die meist­ge­wähl­ten Par­tei­en sind, als „ein kla­res (sic!) Regie­rungs­auf­trag“ miss­ver­stan­den und stel­len nun „wohl“ die Lan­des­re­gie­rung. Eine „her­be Nie­der­la­ge“, die sich der­ge­stalt äußert, dass man wei­ter­hin die stärk­ste Par­tei bleibt, wür­de ich, wäre ich Poli­ti­ker, übri­gens auch gern ein­mal erlei­den.

Hübsch fin­de ich es da, dass Ste­fan Map­pus nun ent­ge­gen mei­nen Befürch­tun­gen doch end­lich sei­nen Arsch (und sein Gesäß) aus dem beque­men Büro­ses­sel erhe­ben und künf­tig von sei­ner kar­gen Alters­ren­te dahin­ve­ge­tie­ren muss, sofern ihn kein gro­ßer Kon­zern im Auf­sichts­rat haben möch­te. Weni­ger hübsch ist nun das Selbst­ver­ständ­nis, mit dem die Anhän­ger von Clau­dia „Frosch“ Roth sich prä­sen­tie­ren. Im IRC etwa mel­de­te sich ein beken­nen­der Grü­ner stolz zu Wort:

(@Sebi‚) die zukunft is grün
(@Sebi‚) und ihr könnt NIX dage­gen tun! :D
(@Sebi‚) heu­te stutt­gart, bald ber­lin! :D

Die Mut­ma­ßung, die ein Mit­le­sen­der erwi­der­te, erscheint mir da bei­na­he wahr­schein­lich:

(Exitus-_-) die zukunft wird krieg

Bei der grü­nen Vor­stel­lung von „Zukunft“ kommt mir spon­tan ein Lied in den Sinn: „Für eine bes­s’­re Zukunft…“. Die Grü­nen haben von Anfang an eine Men­ta­li­tät als image gepflegt, die man vor allem dann zu wäh­len beab­sich­ti­gen soll­te, wenn man sich ohne­hin tra­di­tio­nell für „das klei­ne­re Übel“ ent­schei­det. „Atom­kraft? Nein dan­ke!“: So weit ist die Pira­ten­par­tei auch seit ihrer Grün­dung, aller­dings spre­chen die Anti­Atom­Pi­ra­ten von Anfang an vor allem die Gefah­ren der Atom­kraft an und pro­te­stie­ren nicht, anders als die Grü­nen, letzt­lich gegen ihr eige­nes Wahl­pro­gramm.

Dass die Pünkt­chen­par­tei der­weil eini­ge Stim­men ver­lo­ren hat, wird wie­der ein­mal als Anlass gewer­tet, direkt oder indi­rekt den Rück­tritt von Gui­do Wester­wel­le zu for­dern. Auf die Idee, dass das mise­ra­ble Abschnei­den der Par­tei nicht dar­an liegt, dass die ein­zig schil­lern­de Per­sön­lich­keit unter all den maus­grau­en Lob­by­isten sich mit­un­ter in der Wort­wahl ver­greift, son­dern dar­an, dass die Absich­ten der Par­tei kaum einem Bür­ger, von den Neo­li­be­ra­len ein­mal abge­se­hen, sym­pa­thisch erschei­nen. Die fünf Kom­ma irgend­was Pro­zent, die der F.D.P. der­zeit noch ange­tra­gen wur­den, sind, so mei­ne ich, nur zustan­de gekom­men, weil der vor­lau­te Par­tei­chef man­chem Erst­wäh­ler sym­pa­thisch vor­kam; dies voll­kom­men unab­hän­gig von dem Senf, den er in die Umwelt trö­tet.

Als „Juni­or­part­ner“ eines eben­falls tra­di­tio­nel­len „Juni­or­part­ners“ sind die Grü­nen nun nicht unbe­dingt ein Sym­bol für Ände­rung; auch, wenn sie Ände­run­gen ja mit Vor­lie­be an sich selbst vor­neh­men, ist doch von der lin­ken Kom­mu­nar­den­par­tei nur mehr ein kon­ser­va­ti­ves Häuf­lein ohne her­aus­ra­gen­de Per­sön­lich­kei­ten übrig geblie­ben, die auf­grund par­la­men­ta­ri­scher Zwän­ge (bedeu­tet: zwecks Macht­er­halts) gern mal ihre frü­he­ren Idea­le Idea­le sein las­sen.

So also stellt sich der deut­sche Wäh­ler Erneue­rung vor. Das wird ein Spaß!

MusikNetzfundstückeIn den NachrichtenNerdkrams
Kurz ver­linkt XXXIX: Von Wel­len und Inno­va­tio­nen

Albern: Die öffent­lich-recht­li­che (also aus der Volks­kas­se finan­zier­te) schwei­ze­ri­sche Fern­seh­an­stalt SRF gedenkt der Vor­fäl­le in Japan, indem sie auf die Aus­strah­lung der „Simpsons“ ver­zich­tet:

Bei den Simpsons gibt es vie­le sol­cher Sze­nen, in denen Homer Simpson, der von Atom­kraft unge­fähr so viel Ahnung hat wie ein Biber von Betriebs­wirt­schafts­leh­re (Zitat Homer: “ ‚Nuku­lar‘. Das Wort heißt ‚nuku­lar‘.“), das Leben der Bür­ger ris­kiert.

Blin­der Aktio­nis­mus hilft lei­der nie­man­dem, wie auch die weit­ge­hen­de Radio­sper­re des Lie­des „Per­fek­te Wel­le“ der Pop­grup­pe Juli anläss­lich eini­ger Vor­fäl­le Ende 2004 nie­man­den wie­der zum Leben erweckt wird. Eben­so wenig, wie das erwähn­te Lied etwas mit Meer und Über­flu­tung zu tun hat, son­dern die „per­fek­te Wel­le“ als Meta­pher für eine „gei­le Zeit“ – wie­der so ein Lied von Juli – bezie­hungs­wei­se für einen wirk­lich glück­li­chen Moment steht, den man ein­fach genie­ßen soll, ist es „pie­tät-“ oder plump „geschmack­los“, im Fern­se­hen eine Sati­re auf den sorg­lo­sen Umgang mit der Kern­ener­gie zu zei­gen, wenn gera­de ein Kern­kraft­werk sich inmit­ten einer Hava­rie befin­det. Es ist auch eine beab­sich­tig­te Wir­kung der Sati­re, der Gesell­schaft einen Spie­gel vor­zu­hal­ten; nicht etwa, um sich über sie lustig zu machen, son­dern, um sie vor den Fol­gen ihres Tuns zu war­nen. Ich emp­feh­le eine gründ­li­che Lek­tü­re des SRF-bezo­ge­nen Arti­kels und eine anschlie­ßen­de Wür­di­gung der Sicht­wei­se, dass kei­ne Fern­seh­se­rie die US-ame­ri­ka­ni­sche Gesell­schaft so sub­til und gleich­zei­tig tref­fend per­si­fliert wie „Die Simpsons“.

Die auf taz.de zitier­te Sze­ne gibt es übri­gens unter ande­rem auf You­Tube zu sehen.


Inno­va­tiv: Micro­soft bastelt an einer – natür­lich kosten­pflich­ti­gen – Lösung zur Fern­war­tung von Win­dows­sy­ste­men über den Web­brow­ser. Zwar ist das mit der Fern­steue­rung eine uralte Idee, machen man­che heu­te als Schad­soft­ware ein­ge­stuf­ten „Tro­ja­ner“ der ersten Stun­de (Sub7 und Back Ori­fi­ce etwa) auch nicht viel ande­res, dass das auch über einen Web­brow­ser mög­lich ist, hin­ge­gen noch nicht ganz so ver­brei­tet; blöd nur, dass das eben­falls nicht mehr brand­neue UltraVNC die­se Funk­ti­on eben­falls anbie­tet, aller­dings kosten­frei. Mit den Inno­va­tio­nen ist es eben immer so eine Sache.

(Apro­pos Inno­va­tio­nen, ein Tipp für Fire­fox-4-Anwen­der, die mit Win­dows her­um­han­tie­ren: Die neue Ver­si­on unter­stützt das Direct­Wri­te-API für die Anzei­ge von Schrift­ar­ten, das muss aller­dings erst akti­viert wer­den: Unter about:config den Wert gfx.font_rendering.directwrite.enabled per Dop­pel­klick auf „true“ („wahr“) set­zen, Fire­fox neu star­ten und sich freu­en, weil die Schrif­ten dann deut­lich bes­ser – etwas sau­be­rer, vor allem aber bes­ser les­bar – aus­se­hen, selbst ohne das scheuß­li­che „Cle­ar­Ty­pe“ oder mit­un­ter insta­bi­le Biblio­the­ken wie gdipp benut­zen zu müs­sen. Zudem beschleu­nigt die­se Ände­rung angeb­lich das Ren­de­ring. Eine Fein­ju­stie­rung der Schrift­dar­stel­lung ist dann unter ande­rem mit der Erwei­te­rung Anti-Ali­a­sing Tuner, gefun­den bei Caschy, mög­lich.)

Spaß mit Spam
Penis­pil­len­do­ping

(Vor­be­mer­kung: Nach den über­wie­gend recht ernst­haf­ten Bei­trä­gen der ver­gan­ge­nen Tage folgt nun wie­der ein­mal eine albern kom­men­tier­te Spam-Mail.)

Eine wäh­rend mei­ner ersten zag­haf­ten Geh­ver­su­che im Inter­net ange­leg­te Mail­adres­se bei einem nam­haft-ver­ruch­ten Anbie­ter kosten­lo­ser wie auch kosten­pflich­ti­ger E‑Mail-Dien­ste liegt bei­na­he brach. Um so erstaun­li­cher ist es, dass in deren Spam­fil­ter neben der Eigen­wer­bung des Anbie­ters auch regel­mä­ßig, qua­si täg­lich, ein­schlä­gi­ge Mails lan­den, die mir wahl­wei­se sexu­el­les Inter­es­se heiß­blü­ti­ger Ost­eu­ro­päe­rin­nen bekun­den oder Rat­schlä­ge ertei­len, wie ich mei­ner offen­bar viel zu mick­ri­gen Potenz ent­ge­gen wir­ken soll. Wie­so sich „Frau­en“, die nicht ein­mal mei­ne Spra­che spre­chen, nach einem sol­chen Mann seh­nen, bleibt mir lei­der ver­bor­gen.

Der­zeit blei­ben Kon­takt­auf­nah­men von „Frau­en“ zwar aus, jedoch scheint die­se Adres­se, offen­bar per Zufalls­ge­nera­tor gezo­gen, in der Ver­tei­ler­li­ste einer „Onlineapo­the­ke“ zu ste­hen, die mal auf einer eini­ger­ma­ßen tref­fen­den („ech­te Ama­teu­re“), mal einer im Grun­de voll­kom­men bescheu­er­ten („Anti­fa-Netz­werk“) Domain liegt, denn eine Viel­zahl ein­an­der nur wenig unter­schei­den­der Wer­be­tex­te die­ser „Onlineapo­the­ke“ fand inzwi­schen ihren Weg zu mir und so, leicht gekürzt, jetzt auch zu mei­ner geschätz­ten Leser­schar:

Hy xxxx* !

Hold­rio, mir unbe­kann­ter Spam­mer!

(* Anmer­kung: Hier stand ursprüng­lich der Teil vor dem @.)

DARAUF HABEN WIR ALLE GEWARTET

Ich per­sön­lich jetzt nicht unbe­dingt, aber Ein­sicht ist immer ein guter Anfang.

Direkt aus der EU: Potenz­mit­tel für jeder­mann !

Unfass­bar, wie lan­ge wir war­ten muss­ten, bis end­lich ein Unter­neh­men aus der EU Potenz­mit­tel für jeder­mann erfun­den hat! Bis­her war die Mensch­heit anschei­nend dar­auf ange­wie­sen, auf US-ame­ri­ka­ni­sche Erzeug­nis­se wie etwa Via­gra zurück­zu­grei­fen, und das, lie­be Freun­de, ist doch kein ange­neh­mer Zustand. Statt­des­sen haben wir jetzt end­lich das, wor­auf WIR ALLE GEWARTET HABEN:

Das Doping für den Penis !

„Doping“ kommt übri­gens von „dope“, einem eng­li­schen Aus­druck für Can­na­bis. Bekann­te Wir­kun­gen von Can­na­bis­kon­sum sind unter ande­rem Müdig­keit, ein gesenk­ter Blut­druck und die Inten­si­vie­rung auch nega­ti­ver Emp­fin­dun­gen. Ich weiß nicht, ob ich so ein Pro­dukt an mei­nem Penis testen möch­te.

Man(n) muss ja kei­ne Pro­blem mit der Stand­kraft haben. Die­ses Wun­der­mit­tel ist für jeder­mann! Damit die näch­ste Nacht auch der Frau in blei­ben­der Erin­ne­rung bleibt.

Das Lie­bes­le­ben der „Onlineapo­the­ker“ stel­le ich mir (lie­ber nicht) ziem­lich ein­tö­nig vor, wenn ihren Frau­en dar­an kei­ne blei­ben­de Erin­ne­rung bleibt. Ob da aller­dings noch ein Wun­der­mit­tel hel­fen kann?

Immer wie­der hört man Sprü­che wie „ich brauch ein Gegen­mit­tel“, denn zuge­ben will es Nie­mand, sol­che Geheim­waf­fen ein­zu­set­zen. Kei­ner nimmt es, aber alle wol­len es

Waf­fen? Wie mar­tia­lisch; geht es doch beim Sex vor allem um fried­li­ches Mit­ein­an­der und nicht dar­um, dem ande­ren per Über­ra­schungs­mo­ment eins über­zu­bra­ten, auch nicht mit dem wer­weiß­wie poten­zier­ten Penis. Wer Sex aller­dings mit Krieg ver­wech­selt, des­sen uner­füll­tes Lie­bes­le­ben über­rascht mich kaum mehr.

Ja, die Rede ist von dem blau­en Wun­der

Ein blau­es Wun­der aus Euro­pa?
Schlumpfa­larm!

und ande­ren Mit­tel­chen, wel­che dafür Sor­gen das nach dem „absprit­zen“ nicht gleich alles wie­der vor­bei ist. Oder dafür Sor­gen das es schon gar­nicht zu einem vor­zei­ti­gen Samen­er­gruss kommt. Dein Ding steht und steht und steht…

… und lässt mich tage­lang nicht schla­fen und ich muss wegen Kreis­lauf­zu­sam­men­bruchs mit einer rie­si­gen Erek­ti­on ins Kran­ken­haus, oder wie soll ich mir das jetzt vor­stel­len? So ein Samen­gruß Samen­er­guss hat durch­aus sei­nen Sinn.

Mit die­sen Wun­der­mit­tel­chen wird künf­tig jede Frau von dir schwär­men.

Das stel­le ich mir schon ziem­lich Ner­ven auf­rei­bend vor, es wür­de mich aller­dings auch schwer wun­dern. (Ach, des­halb „Wun­der­mit­tel­chen“!)

- Län­ger Stand­haft blei­ben
– kein vor­zei­ti­ger Samen­er­guss
– mehr Power im Bett

- Schlaf­stö­run­gen
– Durch­blu­tungs­stö­run­gen
– Kreis­lauf­pro­ble­me

Und nicht etwa ist die­se „Wir­kung“ das eigent­lich Erwäh­nens­wer­te, son­dern:

Das beste dar­an: Sie wer­den kei­ne Pro­ble­me mit dem Ver­sand oder dem Zoll haben.

Die hat man übri­gens auch nicht, wenn man ein­fach in die nächst­ge­le­ge­ne Apo­the­ke spa­ziert, aber das ist ver­mut­lich weni­ger auf­re­gend.

Noch­mal die Vor­tei­le auf einen Blick:
– kein lan­ges War­ten

Ja, wie, ich dach­te, das wäre einer der „Vor­tei­le“?

Tipp: Bestel­len Sie gleich für Ihre Freun­de & Bekann­te mit und spa­ren Sie durch den Kauf von Groß­packun­gen. Ide­al auch für Wie­der­ver­käu­fer.

Pri­ma, so kann man sei­ner Tan­te gleich ein schö­nes Oster­ge­schenk mit­be­stel­len, falls noch die zün­den­de Idee fehl­te.

Tue, 22 Mar 2011 12:48:45 +1200

Don, 24. März 2011, 13:14 GMT+1

Wenn Sie kei­ne wei­te­ren eMails erhal­ten wol­len, sen­den Sie eine eMail mit dem Text AUSTRAGEN an: (…)

Die sicher­ste Metho­de, nie wie­der Spam zu bekom­men, ist es, den Spam­mern zu sagen, dass man bit­te nie wie­der Spam haben möch­te! So ein­fach kann die Welt sein.
Aber ich ver­zich­te auf die­se Mög­lich­keit; denn um mei­ne täg­li­che Lek­tü­re wäre es schon ein wenig scha­de.

(Das erste, was der Jun­ge heu­te tat, nach­dem er sei­ne weib­li­che Bekannt­schaft mit inni­gen Küs­sen bedacht und ver­ab­schie­det hat­te, war es, ihren Geschmack durch den von Kau­gum­mi zu erset­zen. Sie hat es nicht gese­hen.)

In den Nachrichten
Knut und das mit dem Anstand

Ver­mut­lich haben es inzwi­schen alle bemerkt, also kann ich auch etwas dazu schrei­ben:
Eis­bär „Knut“, vom Medi­en­lieb­ling zum Skan­dalbä­ren (ich berich­te­te damals) und wie­der zurück ver­wan­delt wor­den, starb nach Bewusst­lo­sig­keit, wohl infol­ge einer Hirn­er­kran­kung, im Alter von nur vier Jah­ren.

Was mich an die­ser ohne­hin schon erschüt­tern­den Mel­dung vor allem nicht ruhig blei­ben lässt, ist die unfass­ba­re Pie­tät­lo­sig­keit, mit der die Öffent­lich­keit sich die­ses The­mas annimmt. Sicher war Knut eine Figur des öffent­li­chen Lebens, nicht umsonst hielt Ber­lins A- und AA-Pro­mi­nenz ein Schau­lau­fen ab:

Neben Poli­ti­kern wie dem Regie­ren­den Bür­ger­mei­ster Klaus Wowe­reit oder der Grü­nen-Spit­zen­kan­di­da­tin Rena­te Kün­ast drück­ten auch zahl­rei­che Bür­ger ihr Bedau­ern über den Tod des Eis­bä­ren aus.

Da man Knut nun aber nicht mehr nur als Tier (hier­zu bit­te die Kom­men­ta­re beach­ten), son­dern als Per­son betrach­te­te, ver­schaff­te ihm das Respekt – und Auf­merk­sam­keit von den Fal­schen, näm­lich der Bou­le­vard­pres­se. Der Tod des Eis­bä­ren näm­lich, gefilmt von einem der stets anwe­sen­den Besu­cher, die sich um Knuts Gehe­ge schar­ten, fand schnell sei­nen Weg ins Inter­net. Eine gro­ße Video­platt­form etwa hält die Auf­zeich­nung feil und lan­det so, sucht man nach dem Ereig­nis, auf vor­de­ren Plät­zen in Such­ma­schi­nen. Der Betrach­ter kann dort unter ande­rem sehen, wie das Tier sich dreht und schließ­lich bewusst­los ins Becken fällt, wo es starb.

Bei­na­he so zynisch wie die anschei­nend belie­bi­ge Anpass­bar­keit schäd­li­cher Strah­len­wer­te und die weit­ge­hen­de Akzep­tanz des Umstan­des, dass in Liby­en gera­de eine Demo­kra­tie­be­we­gung mit euro­päi­scher Bil­li­gung über den Hau­fen geschos­sen wird, erscheint es mir nun, wie mit dem Tod des Bären ver­fah­ren wird: Die Bou­le­vard­zei­tung, die die­ses Video ver­brei­te­te und am Sonn­tag als Kauf­an­reiz (Kauf­an­reiz!, ich wür­de den Titel­ge­stal­ter gern mal ganz fest drücken) ein Bild des toten Eis­bä­ren an pro­mi­nen­ter Stel­le druck­te und deren Namen ich hier bewusst ver­schwei­ge, ist ein wider­wär­ti­ges Medi­um. „Die­ses Bild (…) bricht uns Ber­li­nern das Herz“, also zoo­men wir noch ein biss­chen näher her­an, damit Trä­nen und Geld schnel­ler flie­ßen.

Tod ist etwas, das Men­schen berührt und berüh­ren soll. Sobald Men­schen auf­hö­ren, sol­che Gefüh­le zu hegen, haben sie jeg­li­chen Rest an Mensch­sein ver­lo­ren; und es lei­den meist die dar­un­ter, die sich am wenig­sten weh­ren kön­nen.

Knut ruhe in Frie­den.

NetzfundstückeIn den NachrichtenMusikPolitik
Respek­tiert mei­ne Auto­ri­tä!

Didi schrieb, es befrem­de ihn, wenn gereif­te Her­ren die Musik der Jun­gen machen.
Wie aber sieht es aus mit jun­gen Men­schen, die alte Musik mit kon­ser­va­ti­ven Tex­ten inter­pre­tie­ren?

Und da wir gera­de dabei sind, Auto­ri­tät zu hin­ter­fra­gen: Wie kommt es eigent­lich, dass, als die Lauf­zeit­ver­län­ge­rung deut­scher Atom­kraft­wer­ke beschlos­sen wur­de, die Regie­rung sag­te, Deutschlang brau­che den Atom­strom, aber nun, da die ersten Reak­to­ren wegen der Vor­fäl­le in Japan abge­schal­tet wur­den, damit argu­men­tiert wird, dass wir ohne­hin zu viel Atom­strom hät­ten, ihn gar expor­tie­ren?

Haben wir das damals noch nicht getan?

Lyrik
Hin­ter­ge­dicht

Gedan­ken hin­ter Bäu­men.
Sie haben sich ver­steckt.
Zähl laut bis 20!

Träu­me hin­ter Glas,
schau sie, doch berühr sie nicht.
Der Not­ham­mer ist in dei­nem Her­zen.

Wün­sche hin­ter Türen.
Du kannst sie erah­nen.
Drück die Klin­ke her­ab!

Sehn­sucht hin­ter Git­tern.
Ein­ge­sperrt.
Urteil: Lebens­läng­lich.

Lie­be hin­ter Zäu­nen.
Reiß die Zäu­ne ab!
Du brauchst sie nicht mehr.

(Für C.)

Nerdkrams
Console2 und PyCmd: cmd für Fort­ge­schrit­te­ne

(Aus Grün­den folgt ein wei­te­rer Bei­trag aus der belieb­ten Rei­he „lang­wei­li­ges Com­pu­ter­krams“. Ich bit­te um freund­li­che Apa­thie.)

Linux­nut­zer belä­cheln oft die Win­dows-Text­kon­so­le com­mand bzw., in NT-basier­ten Ver­sio­nen, cmd, da sie funk­tio­nal Unix-Shells wie der Z‑Shell (zsh) nicht viel ent­ge­gen­zu­set­zen habe.

Dass auch über­zeug­te, Win­dows nur müde belä­cheln­de Linux­nut­zer ohne exter­ne Befeh­le wie grep, ack und ls, die übri­gens alle­samt auch für Win­dows ver­füg­bar sind (ls und grep etwa hier), nicht viel Freu­de an ihrer Shell hät­ten, wäre ein guter Ein­stieg in ein Streit­ge­spräch mit ihnen, da ich hier aber gera­de kei­nen Linux­nut­zer zur Hand habe, schrei­be ich statt­des­sen etwas ande­res.

Auf mei­nem Win­dows­lap­top näm­lich bekom­me ich cmd nur sel­ten zu sehen, all­zu auf­re­gend ist der Anblick auch wahr­lich nicht:

Bereits vor vie­len Mona­ten aber fand ich Gefal­len an Console2. Console2 ist eine freie, alter­na­ti­ve Ober­flä­che für eine (ein­stell­ba­re) Shell unter Win­dows-Syste­men, die eini­ge Zusatz­funk­tio­nen bie­tet, etwa zusätz­li­che Tasten­kür­zel, umfang­reich kon­fi­gu­rier­ba­re Tabs, Alpha­trans­pa­renz und eine (abschalt­ba­re) Sym­bol­lei­ste. So ver­schafft man sich Bedien­kom­fort, ohne sich umge­wöh­nen zu müs­sen, denn Console2 sieht zwar nicht mehr aus wie cmd, fühlt sich aber genau so an:

Console2, mit­tels ac’ti­vAid (ich erwähn­te es hier schon ein­mal) auf eine gut erreich­ba­re Tasten­kom­bi­na­ti­on gelegt, ist zwar ein durch­aus nicht unkom­for­ta­bles Werk­zeug, in der Stan­dard­kon­fi­gu­ra­ti­on jedoch nur wenig funk­ti­ons­rei­cher als das tri­ste cmd. Hier tritt PyCmd auf den Plan. (Der arme Plan!)

PyCmd, so steht’s in der Datei README.txt, ist eine Erwei­te­rung für die Ein­ga­be­auf­for­de­rung von Win­dows (eben cmd) mit dem Ziel, eini­ge der aus Unix bekann­ten Shell­funk­tio­nen wie eine „intel­li­gen­te“ Befehls­ver­voll­stän­di­gung, ein Befehls­ver­lauf auch über Sit­zun­gen hin­weg und eini­ge wei­te­re bereit­zu­stel­len. PyCmd ist im Wesent­li­chen eine Samm­lung kom­pi­lier­ter Python-Skrip­te und lässt sich, Kennt­nis­se in die­ser Spra­che vor­aus­ge­setzt, qua­si belie­big erwei­tern.

Um es zu instal­lie­ren, genügt es, das .zip-Archiv in ein belie­bi­ges Ver­zeich­nis zu ent­packen, im Bei­spiel C:\Program Files\PyCmd. Star­tet man aus die­sem Ver­zeich­nis her­aus PyCmd, so wird man von einem irgend­wie anders aus­se­hen­den Kon­so­len­fen­ster über­rascht:

„PF“ steht hier für „Pro­gram Files“. PyCmd kürzt Pfad­na­men stan­dard­mä­ßig ab, um Platz zu spa­ren, was gut­zu­hei­ßen ist, denn so bewahrt man auch in tief ver­schach­tel­ten Ver­zeich­nis­sen ein wenig Über­sicht, ohne ver­se­hent­lich in einer fal­schen Ver­zeich­nis­ebe­ne zu arbei­ten. Die Funk­tio­nen, die PyCmd bereit­stellt, sind für Umstei­ger beein­druckend und zu viel­fäl­tig, um sie an die­ser Stel­le ange­mes­sen wür­di­gen zu kön­nen. Neben dem „dau­er­haf­ten“ Befehls­ver­lauf ist aber auch und vor allem die schnie­ke Pfad- und Befehls­ver­voll­stän­di­gung via Tab- bzw. Pfeil­ta­ste zu nen­nen. Wäh­rend näm­lich cmd nur die ersten Zei­chen liest und den Benut­zer bei Bedarf mit­tels Tabu­la­tor­ta­ste zwi­schen den dann noch mög­li­chen Alter­na­ti­ven umschal­ten lässt, spen­diert PyCmd direkt eine Befehls­über­sicht und kann im Befehls­ver­lauf auch Teil­tref­fer fin­den:

Übri­gens funk­tio­nie­ren auch Platz­hal­ter (*, ?). Nun haben wir ein mäch­ti­ges Kom­man­do­zei­len­pro­gramm (PyCmd) und eine hüb­sche Ober­flä­che, aber betrach­te­ten bis­her bei­des getrennt von­ein­an­der. Aller­dings erwähn­te ich oben, der Inter­pre­ter, den Console2 nutzt, sei ein­stell­bar. Da liegt es doch nahe, die bei­den Anwen­dun­gen mit­ein­an­der zu ver­knüp­fen.

Das geht direkt aus Console2 her­aus: Im Ein­stel­lungs­dia­log (stan­dard­mä­ßig via Strg+S auf­zu­ru­fen) unter „Con­so­le“ ist der voll­stän­di­ge Pfad der Datei PyCmd.exe ein­zu­tra­gen.

Fort­an begrüßt den Anwen­der beim Start von Console2 der PyCmd-Prompt.

Etwa­ige Ergän­zun­gen oder Anre­gun­gen bit­te ich im Kom­men­tar­feld zu hin­ter­las­sen. :)

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik XLIX: Atom­spal­te­rei­en

Schmerz­lich getrof­fen haben die Redak­ti­on des dies­wö­chi­gen SPIE­GELs („Kata­stro­phe in Tascheno­byl“), die vor blin­dem Opti­mis­mus manch­mal fron­tal gegen die näch­ste Later­ne rennt (ato­ma­re Unfäl­le bie­ten anschei­nend vor allem Chan­cen für die Solar­in­du­strie), die Explo­sio­nen im Atom­kraft­werk Fuku­shi­ma I nur kurz­zei­tig. Zwar „muss­te“ der geplan­te Titel betref­fend die den Explo­sio­nen vor­an­ge­gan­ge­nen Ereig­nis­se – ver­mut­lich lau­te­te er unge­fähr „Die Mon­ster­wel­le: Japans Unter­gang“ – kurz­fri­stig ent­sorgt wer­den („die Druck­zy­lin­der … muss­ten durch einen fri­schen Satz mit einer noch dra­ma­ti­sche­ren Sto­ry ersetzt wer­den“, Her­vor­he­bun­gen von mir), aber das Sur­ro­gat ist nur schwer zu über­tref­fen. Nicht weni­ger näm­lich, so behaup­tet der für die Über­schrif­ten zustän­di­ge Schrei­ber­ling, sei die­ser Vor­bo­te des „Endes des Atom­zeit­al­ters“ (ich fra­ge mich, wie dann wohl das anschlie­ßen­de „Zeit­al­ter“ hei­ßen mag) als „Japans Tscher­no­byl“.

Dar­über, dass die­se Gleich­set­zung sach­lich schlicht Unfug ist, ist man sich weit­ge­hend einig; um so rät­sel­haf­ter sind die Beweg­grün­de dafür, sie trotz­dem anzu­wen­den. Eine kur­ze Gegen­über­stel­lung:

Tscher­no­byl:

  • ein Reak­tor­block ist explo­diert
  • Tod bis heu­te unge­zähl­ter Men­schen infol­ge der Strah­len­be­la­stung
  • Aus­lö­ser: Fehl­be­die­nung und Kon­struk­ti­ons­feh­ler

Fuku­shi­ma:

  • vier Reak­tor­blöcke sind leicht beschä­digt
  • bis­lang ledig­lich ein Fall erhöh­ter, nicht jedoch töd­li­cher Strah­len­be­la­stung bekannt
  • Aus­lö­ser: Natur­ka­ta­stro­phe

Gemein­sam­kei­ten muss man mit der Lupe suchen, „ist halt auch was mit Ato­men“. Was die Fol­gen der Strah­lung betrifft, ist das Unglück im AKW Fuku­shi­ma inso­fern besten­falls mit dem Kysch­tym-Unfall zu ver­glei­chen, aber damit kann man ver­mut­lich nicht so dra­ma­ti­sche Absatz­zah­len rea­li­sie­ren.

Der Vor­wurf Kai Diek­manns, der SPIEGEL bedie­ne die glei­che Kli­en­tel wie BILD (cf. SPIEGEL 9/2011), erscheint nur mehr wenig abwe­gig.


In eige­ner Sache: Im Ver­lauf eines infol­ge die­ses halb­ga­ren Arti­kels aus­ge­tra­ge­nen Mail­dis­puts beschloss ich, den Daten­schutz die­ser Inter­net­sei­te noch­mals zu über­ar­bei­ten. Auf Stat­Press ver­zich­te ich nun­mehr gänz­lich, die „Ver­fol­gung“ mit­tels des wei­ter­hin auf die Spei­che­rung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten ver­zich­ten­de Werk­zeugs Piwik lässt sich brow­ser­be­zo­gen via Coo­kie unter­bin­den. Hier­zu bit­te ich den geneig­ten Leser, auf der Sei­te „Daten­schutz“ vor­bei­zu­schau­en und die dor­ti­gen Hin­wei­se zu beach­ten.


Auch hübsch übri­gens fand ich die als Teil eines Gesprächs eini­ger Jugend­li­cher („Opfers“) gestell­te Fra­ge: „Ey, bist du in Tina?“. Auf die Replik „Ich bin der­zeit in nie­man­dem“ hät­te ich als bis dahin stil­ler Beob­ach­ter mit Freu­de reagiert, lei­der ant­wor­te­te der Gefrag­te aber nur „nää“. Die­se Chan­ce hat er ver­passt.

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Andert­halb Kon­zert­näch­te.

Auf­merk­sa­men Lesern ist womög­lich nicht ent­gan­gen, dass ich im März bis­lang eher zurück­hal­tend bin, was die Fre­quenz mei­ner Ver­öf­fent­li­chun­gen betrifft. Hier­für gibt es meh­re­re Grün­de, die alle auf­zu­zäh­len ich gera­de nicht müßig genug bin; einer jeden­falls trägt Schwarz:

Da eine eigent­lich vor­ge­se­he­ne Band­pro­be aus logi­sti­schen Grün­den aus­fiel, ent­schied die tanz­wü­ti­ge Meu­te, das legen­dä­re Braun­schwei­ger Nacht­le­ben zu erfor­schen, was in zeit­li­cher Hin­sicht ziem­lich pri­ma war, denn eine kur­ze Recher­che offen­bar­te, dass gera­de das dies­jäh­ri­ge Reiz­wä­sche-Schau­lau­fen „Festi­val of Dark­ness“ zu begin­nen im Begriff war, das, so ver­sprach die Ankün­di­gung, für EBM-Freun­de ein Ohren­schmaus sein soll­te, und ich schloss mich inter­es­siert an.

Erst etwa vier Stun­den nach Beginn des ersten Abends mach­ten wir dem Festi­val unse­re Auf­war­tung und erschie­nen so erst nach den Auf­trit­ten mir unbe­kann­ter Musik­grup­pen wie Diora­ma mit­ten im Kon­zert von Fro­zen Plas­ma. Wer mei­ne Musik­re­zen­sio­nen auf­merk­sam ver­folgt, der weiß, dass die dröh­nen­de über­wie­gend elek­tro­ni­sche body music nor­ma­ler­wei­se nicht mei­nen CD-Schrank ziert und dies so bald wohl auch nicht tun wird, aber steht man vor der Büh­ne, ist das ein völ­lig ande­res Erleb­nis.

„Kör­per­mu­sik“ ist es, frei über­setzt, und tat­säch­lich spürt der Kör­per so man­ches. Vie­les ist dem Post­rock ähn­lich. Lei­der habe ich es am ersten Abend aus Zeit- und Orga­ni­sa­ti­ons­grün­den kaum geschafft, das Gesche­hen in Bil­dern und Wor­ten zu fixie­ren, daher ist die fol­gen­de Zusam­men­fas­sung unvoll­stän­dig. Das ist ins­be­son­de­re scha­de, weil der erste Abend mit einem Auf­tritt der mir bis dato gleich­falls unbe­kann­ten Grup­pe Com­bi­christ ende­te, die mit mei­ner Vor­stel­lung von pri­ma elek­tro­ni­scher Musik kom­pa­ti­bel scheint. (Ich emp­feh­le ent­spre­chen­de Recher­chen.)

Recht­zei­tig infor­miert erschie­nen wir aber immer­hin pünkt­lich vor dem Ein­lass am zwei­ten Abend, und der war min­de­stens eben­so ange­nehm:

Den Anfang mach­te Moon.74, ein im Festi­val­we­sen noch weit­ge­hend unbe­leck­ter Künst­ler, der den wei­te­ren Abend dann auch im Zwie­ge­spräch am Auto­gramm­stand ver­brach­te:

Lou­is Man­ke von Ter­mi­nal Choice, der an die­sem Abend sein Solo­pro­jekt „Staub­kind“ mit einer klei­nen Band zusam­men prä­sen­tier­te, wuss­te nicht so recht, wo er war (Bochum, Braun­schweig; fängt halt auch mit „B“ an), musi­zier­te dann aber doch noch recht soli­de vor sich hin.

Die in den Lied­tex­ten des Künst­lers ver­sier­te Beglei­te­rin lob­te die Locker­heit und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­be­reit­schaft des Künst­lers, ich kon­zen­trier­te mich auf die musi­ka­li­sche Ebe­ne und begann im Lau­fe des Abends zu ver­ste­hen, wie­so EBM auf Tanz­ver­an­stal­tun­gen sich ste­ti­ger Beliebt­heit erfreut. Die Rhyth­men näm­lich sind über­aus bewe­gend und ver­lei­ten, dem Post­rock nicht unähn­lich, dazu, selbst unbe­merkt mit den Glied­ma­ßen zu wackeln, bis man spät in der Nacht fest­stellt, dass sel­bi­ge dann doch all­mäh­lich Ermü­dungs­er­schei­nun­gen zei­gen.

Spär­li­cher instru­men­tiert und mit an die­sem Abend bereits häu­fi­ger zu sehen­den Pro­jek­ti­ons­pro­ble­men – die Lein­wand zeig­te eine Zeit­lang das Cyber­Home-Logo – trat dann Sven Fried­rich mit sei­nem (gleich­falls) Solo­pro­jekt Solar Fake auf, der sofort wuss­te, wo er sich befand, und eini­ge beein­drucken­de Musik­stücke aus dem eige­nen Reper­toire zum Besten gab. Als Freund des etwas weni­ger schmu­si­gen Gesangs fand ich viel Gefal­len an dem letz­ten Stück „Lies“ („Lügen“), das zwar schon ein wenig älter ist, aber recht druck­voll prä­sen­tiert wur­de.

Zwi­schen Staub­kind und Solar Fake tra­ten Noi­suf X (X‑Fusion) auf, die wir zwar hör­ten, aber nicht sahen; wisst­ja, Ver­pflich­tun­gen:

Solar Fake folg­te nach einer Umbau­pau­se die Sän­ge­rin Mina Har­ker nebst Band, von der ich glau­be, so etwas schon mal irgend­wo gehört zu haben, lei­der jedoch war ihr Mikro­fon zu lei­se. Ins­ge­samt erschien ihre Musik auch zu aus­tausch­bar, so dass wir den Auf­tritt nach dem ersten Lied lie­ber anders­wo ver­brach­ten; wisst­ja, Ver­pflich­tun­gen.

Der Auf­tritt von Nacht­mahr, die das Festi­val als letz­te Künst­ler aus­klin­gen lie­ßen und die, bit­te­schön, auch drin­gend toll gefun­den und mit CD-Käu­fen bedacht wer­den soll­ten, riss uns aus der Abwe­sen­heit, denn sie schep­per­ten in guter, alter Lai­bach-Manier los.

Auf­ge­lockert mit Publi­kums­in­ter­ven­ti­on („Ein Quiz: Was ist Indu­stri­al? – Du nicht!“) boten sich dem Zuschau­er auf der Lein­wand mar­tia­li­sche Sze­nen im Stil von NSDAP-Pro­pa­gan­da, sich abwech­selnd mit wei­ser Lyrik. „War is not the ans­wer“, „Krieg ist nicht die Ant­wort“ also, wäh­rend die Her­ren hin­ter ihren Mac­books, denen sie den­noch erstaun­lich annehm­li­che Klän­ge ent­lock­ten, ver­harr­ten und ihr Sän­ger, auf der Büh­ne her­um­wir­belnd, Tex­te wie etwa den von „Feu­er frei!“ ins Mikro­fon schrie:

Neun Mil­li­me­ter
direkt in dein Gesicht,
rei­ni­gen­der Stahl
bei die­sem Stand­ge­richt.

Eini­ge stand­haf­te, teils jedoch schon sicht­lich ermü­de­te Besu­cher ver­gnüg­ten sich anschlie­ßend noch weit nach Mit­ter­nacht auf dem Tanz­bo­den, wäh­rend Nacht­mahr an der The­ke Platz nah­men.

Blö­der­wei­se hat­te die Cock­tail­bar zu die­sem Zeit­punkt bereits geschlos­sen, ein blin­ken­der Wer­be­ban­ner warb aber wei­ter­hin für die dort zu erwer­ben­den Lecke­rei­en. Mei­nen Ver­pflich­tun­gen muss­te ich also ander­wei­tig nach­kom­men; wisst­ja.

Das näch­ste „Festi­val of Dark­ness“ fin­det, so gab eine wei­te­re Pro­jek­ti­on beredt Aus­kunft, Ende März 2012 wie­der­um in Braun­schweig statt. Mir scheint, dass sich eine erneu­te Anwe­sen­heit loh­nen wird.

PolitikIn den Nachrichten
Furcht­bar: Zei­tun­gen von 1933 gefun­den!

Gar schröck­lich ist’s, was sich da in Chan­ty-Man­s­ijsk ereig­ne­te:

Anläss­lich der dies­jäh­ri­gen Biath­lon-Welt­mei­ster­schaft näm­lich wur­den zur Deko­ra­ti­on Sträu­ße mit alten Zei­tun­gen in ver­schie­de­nen Spra­chen zusam­men­ge­stellt, und das ist eigent­lich eine recht schnucke­li­ge Idee. Nicht so schnucke­lig ist es nun, dass inmit­ten der Zei­tun­gen unbe­kann­ter Natur auch deut­sche aus der Zeit wäh­rend und nach dem Regie­rungs­wech­sel 1933 sich befan­den, und so ist das ein uner­hör­ter Fehl­griff, ver­steht sich:

„Das hat­te kei­ne poli­ti­schen Grün­de“, sagt Iri­na Taschen­ko, die Gene­ral­di­rek­to­rin des Kon­zert- und Thea­ter­cen­ters Ugra-Clas­sic, in dem die WM statt­fin­det. Sie bat in einem Schrei­ben an den Biath­lon-Welt­ver­band Ibu mehr­mals um Ent­schul­di­gung.

Wie beru­hi­gend, dass es sich ledig­lich um ein Miss­ge­schick han­del­te. Alter­na­tiv hät­te es auch poli­ti­sche Grün­de haben kön­nen, indem man zum Bei­spiel dar­auf hin­weist, wie harm­los Dik­ta­tu­ren mit­un­ter begin­nen kön­nen, dass das Volk nicht immer das Rich­ti­ge tut oder ähn­li­che Din­ge, aber statt­des­sen kom­men Zeter und Mor­dio – nicht die bei­den Gespen­ster glei­chen Namens aus den YPS-Comics – zu ihrem Recht.

Geschich­te wie­der­holt sich nicht „nie wie­der“, indem man jede Erin­ne­rung an sie aus­löscht.

PersönlichesSonstigesNetzfundstücke
Aller­welts­fil­me

Aus Recher­che­grün­den warf ich wäh­rend der ver­gan­ge­nen Tage wie­der ein­mal einen Blick auf die Titel­sei­te einer Fern­seh-Pro­gramm­zeit­schrift. Unter dem dezent nach­be­ar­bei­te­ten Kon­ter­fei einer leid­lich bekann­ten Schau­spie­le­rin wur­den dort zwei Fil­me ange­kün­digt.

Die Älte­ren unter mei­nen Lesern erin­nern sich viel­leicht noch dar­an, dass im Abspann von Fil­men frü­her in der Regel die höch­ste Prio­ri­tät auf dem Film selbst lag. Dort hieß es dann etwa: „Sie sahen: Kehr zurück, klei­ne She­ba“, dar­un­ter dann gege­be­nen­falls die Ver­tei­lung der Rol­len. Damals hät­te man es ver­mut­lich besten­falls als stil­los emp­fun­den, wüss­te man, wie längst üblich, erst nach zehn Minu­ten, wie der Film eigent­lich heißt, oder läse es im Abspann erst nach zwei Papier­ki­lo­me­tern.

Die­se Rela­ti­on scheint aller­dings in den letz­ten Jah­ren per­ver­tiert wor­den zu sein; die ein­gangs erwähn­te Pro­gramm­zeit­schrift näm­lich kün­dig­te auf besag­ter Titel­sei­te nicht etwa zwei beson­ders emp­feh­lens­wer­te Fil­me an, son­dern die Schau­spie­le­rin Jen­ni­fer Aniston „mit“ zwei Fil­men, was wie­der­um bedeu­tet: Der eigent­li­che Film tritt in den Hin­ter­grund, die Men­schen sol­len ihn nicht etwa wegen der gewitz­ten Dia­lo­ge vol­ler Pop­kul­tur­zi­ta­te oder wegen der lehr­rei­chen Moral sehen, son­dern, weil Jen­ni­fer Aniston in ihnen zu sehen ist.

Bereits in mei­ner Film­kri­tik zu „Ing­lou­rious Baster­ds“ bemerk­te ich die­ses Phä­no­men; dass Film­freun­de die­ser Tage eben vor allem das Kino auf­su­chen, um bestimm­te Gesich­ter zu sehen, und auf den eigent­li­chen Film dann nicht mehr viel Wert legen. Wie sonst ist es zu erklä­ren, dass etwa Til Schwei­ger mit sei­ner Rol­le als Macho, der im Ver­lauf des Films zu einem sanf­ten Schmu­se­mann geläu­tert wird, in die­sem Jahr („Koko­wääh“) schon wie­der Mil­lio­nen Kino­be­su­cher, eini­ge von ihnen gar mehr­mals, unter­hält? Die zwei­fels­oh­ne urko­mi­schen Sze­nen, die einem irgend­wo­her bekannt vor­kom­men, allein dürf­ten es nicht sein, denn Kein­ohr­ha­sen zum Bei­spiel ist nur mäßig wit­zig und war den­noch ein Publi­kums­ma­gnet. (Mir, dies sei als Spit­ze ange­merkt, ist kein Mann bekannt, der anläss­lich des genann­ten Films auf eige­nen Wunsch und ohne weib­li­che Beglei­tung im Kino saß. Eine etwa­ige Kau­sa­li­tät möge sich der geneig­te Leser selbst erspin­nen.)

Zwar stimmt es, dass sich aus der Beset­zung eines Films die unge­fäh­re Hand­lung und das Gen­re oft erah­nen las­sen, von löb­li­chen Aus­nah­men wie eben „Ing­lou­rious Baster­ds“ und „Angst und Schrecken in Las Vegas“ abge­se­hen, aber sie soll­te nicht der Anlass sein, einen Film zu sehen. Jen­ni­fer Aniston etwa ist mir nur als Dar­stel­le­rin durch­schnitt­li­cher Sit­coms in Erin­ne­rung, war­um soll­te ich das auf Film­län­ge sehen wol­len? Gesetzt den Fall, die Frau hat sich inzwi­schen zu einer seriö­sen Schau­spie­le­rin ent­wickelt und mei­ne Fra­ge geht von fal­schen Vor­aus­set­zun­gen aus: War­um tritt dann der eigent­li­che Film so sehr in den Hin­ter­grund?

Nicht jeder die­ser Schau­spie­ler, deren blo­ße Erwäh­nung für zalan­does­ke Jubel­schreie sorgt, fällt mit dem immer­glei­chen plot auf, was die Her­vor­he­bung ihrer Per­son gegen­über der Hand­lung noch frag­wür­di­ger macht. Woo­dy Allen etwa, des­sen frü­he Fil­me („Die letz­te Nacht des Boris Gru­schen­ko“, „Im Bann des Jade-Skor­pi­ons“, „Der Stadt­neu­ro­ti­ker“ usw.) ich bei­na­he alle­samt als höchst betrach­tens­wert ein­stu­fe, weiß mich mit sei­nen neue­sten Fil­men nur noch sel­ten zu über­zeu­gen. Es schei­tert aber anson­sten nicht an ihm, Woo­dy Allen, oder der Beset­zung (zuver­läs­sig als Fehl­be­set­zun­gen zu bezeich­nen­de Schau­spie­ler spie­len in sei­nen Fil­men ohne­hin nie mit), son­dern an der Hand­lung des Films. Ver­all­ge­mei­nert bedeu­tet das: Gefällt mir ein Film, gefällt mir nicht auch jeder ande­re Film mit ähn­li­cher Beset­zung allein der Beset­zung wegen.

Inso­fern ist es absurd, dass Fil­me­ma­cher die­ser Tage mehr mit Schau­spie­lern als mit ihren eige­nen Fil­men zu prah­len schei­nen, aber nur kon­se­quent. Seit­dem irgend­ei­ne Flitz­pie­pe blö­der­wei­se erfolg­reich aus­pro­biert hat, ob drei­di­men­sio­na­le Effek­te über feh­len­de Hand­lung hin­weg­täu­schen kön­nen, gleicht der Gang ins Kino mit­un­ter einem Toi­let­ten­gang mit Ver­stop­fung: Lang­fri­sti­ge Freu­de kommt par­tout nicht auf, und man ver­spürt ein unan­ge­neh­mes Zie­hen. Regel­mä­ßi­ge Kino­gän­ger sind offen­bar einem selbst auf­er­leg­ten Maso­chis­mus zum Opfer gefal­len. Tem­po­ra mutan­tur, et mut­amur in illis.

Frag­te mich ein Film­pro­du­zent, auf wel­chen Film ich mich am mei­sten freu­en wür­de, so worte­te ich ant: Ich hät­te gern einen nicht zu seich­ten, fein poin­tier­ten, gern leicht bis schwer sur­rea­li­sti­schen Film, über des­sen Anspie­lun­gen auf Pop­kul­tur und Zeit­ge­sche­hen es spä­ter vie­le Bücher geben wird, mit denen alte, dick bebrill­te Pro­fes­so­ren sich dumm und däm­lich ver­die­nen, und der im Gen­re der Komö­die – die Tra­gi­ko­mö­die ein­ge­schlos­sen – zu ver­or­ten ist. Die Haupt­rol­len soll­ten bit­te nicht mit John­ny Depp, Til Schwei­ger und Brad Pitt zu beset­zen sein, will­kom­men wäre ein Enga­ge­ment in nicht tra­gen­den Neben­rol­len aber alle­mal. Die Film­pla­ka­te soll­ten kei­ner­lei Namen tra­gen, höch­stens den des Pro­du­zen­ten und viel­leicht den mei­nen nebst URL mei­ner Web­prä­senz, denn ich mag es, Auf­merk­sam­keit zu bekom­men.

Aber mich fragt nun ein­mal kein Film­pro­du­zent, denn was ich von ihnen, den Pro­du­zen­ten, erwar­te, spielt kei­ne Rol­le, so lan­ge ich brav den Brei fut­te­re, den sie mir auf den Tel­ler kot­zen.
Habe ich erwähnt, dass ich in den letz­ten vier oder fünf Jah­ren, sofern mich mei­ne Erin­ne­rung nicht trügt, nur zwei­mal im Kino war?


Nach­trag zum The­ma „Tschüs­si, Herr zu Gut­ten­berg“:

Wie sehr mir der Tod „mei­ner“ Sol­da­ten nahe geht, ent­neh­men sie bit­te der Tat­sa­che, dass ich die­ses Ver­recken in mei­ner gegen­wär­ti­gen Situa­ti­on noch dazu instru­men­ta­li­sie­re, um Jour­na­li­sten und ande­re Canail­len dafür ein schlech­tes Gewis­sen ein­zu­re­den, dass sie die Men­schen in der BRD dar­über auf­ge­klärt haben, was ich für ein Betrü­ger und Hoch­stap­ler bin.

Mehr beim Nacht­wäch­ter.

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Zar­ter Geschmack

Manch­mal, Wer­ber, seid ihr so unfass­bar krea­tiv, dass sich unser­eins nur noch vor Stau­nen auf dem Lin­ole­um wälzt und kichert. So etwa wuss­te mich auch die Wer­be­ab­tei­lung von Bur­ger King zu über­zeu­gen, die nicht etwa für zar­te Spei­sen oder guten Geschmack warb, son­dern …

… für sol­che, die zart und knusp­rig schmecken.

„Wie schmeckt denn das?“
„Zart!“
„Nein, ich mein­te: Wonach?“
„Knusp­rig!“
„Ach, na dann…“

Wie­so das Titel­bild der Zeit­schrift Blon­de („es ist ein Mode­mäd­chen“, also eine Life­style-Trul­la, ein Opfer des Kapi­ta­lis­mus‘, neh­me ich an?) übri­gens eine Brü­net­te zeigt, weiß wohl allein die Redak­ti­on allein.

PolitikSonstiges
Einen hab’ ich noch: Poly­lo­goi (B)

Aus der Bio­gra­fie einer Kom­mu­ni­stin: „Schon, als sie ihrer Mut­ter, die frag­te, wie sie sich mit ihren neu­en Klas­sen­ka­me­ra­den ver­ste­he, ent­geg­ne­te, an der Uni­ver­si­tät gebe es kei­ne Klas­sen, bemerk­te sie den revo­lu­tio­nä­ren Fun­ken, der in ihr glomm.“

Mit die­sem schlech­ten Witz möch­te ich die Rei­he der Wort­spie­le ohne Ton fort­set­zen, die ich in mühe­vol­ler Klein­ar­beit selbst erar­bei­te und die hof­fent­lich auch mei­ne geschätz­te Leser­schar zum Schmun­zeln zu brin­gen oder aber jeden­falls nicht zu ver­trei­ben ver­mag. Nicht ohne Stolz also prä­sen­tie­re ich Fol­ge B der losen Serie „Poly­lo­goi“:

Und – habt ihr es?

Der im ersten Teil gezeig­te Vogel – die Lösung für den zwei­ten Teil wer­de ich im drit­ten Teil ver­ra­ten – ist inzwi­schen, das sei aus mei­nem ima­gi­nä­ren Näh­käst­chen geplau­dert, ein toter sol­cher. Ich hof­fe, das liegt nicht an mir, denn anson­sten sehe ich schwarz für den dies­mal Gemein­ten.

Übri­gens ist in die­sem Text ein nicht gekenn­zeich­ne­tes Zitat ver­steckt.
Wer es fin­det, dem geste­he ich zu, mir eine Mit­glied­schaft in der CSU auf Leb­zeit zu ver­wei­gern.