PolitikFotografie
Kurz verlinkt XXXVIII: Mobile Paranoia

(Sollte ich mit dem fol­gen­den Beitrag verse­hentlich Ver­fol­gungswahn schüren, so tut mir das natür­lich ganz dolle Leid.)

Ich eröffne diesen Beitrag mit einem weit­eren Schnapp­schuss, der ent­stand, weil mir irgen­det­was daran merk­würdig erschien:

Während ich noch darüber sin­niere, woran genau mein Unter­be­wusst­sein Anstoß nahm, als es mich zum Fotografieren ver­leit­ete, bitte ich den geneigten Leser, einen Blick auf zeit.de zu wer­fen, wo in orig­ineller Schreib­weise und Gram­matik zu lesen ist:

Der Grü­nen­poli­tik­er Malte Spitz hat sich (…) entschlossen, seine Vor­rats­dat­en aus dem Zeitraum August 2009 bis Feb­ru­ar 2010 zu veröf­fentlichen. Um sie zu über­haupt bekom­men, musste er gegen die Telekom kla­gen.

Die Dat­en (…) entstam­men einem Excel­doku­ment mit 35.831 Zeilen. Mehr als 35.000 Mal also hat sein Mobil­tele­fon in diesem hal­ben Jahr Infor­ma­tio­nen Preis gegeben. Jede einzelne davon ist im Zweifel unbe­deu­tend und harm­los, in der Summe aber ergeben sie das, was Ermit­tler ein Pro­fil nen­nen – ein klares Bild über Gewohn­heit­en und Vor­lieben, ja über das gesamte Leben.

Sich­er gehen viele dieser Dat­en im Rauschen unter, und es ist davon auszuge­hen, dass sie nur im Einzelfall über­haupt irgend­je­man­den inter­essieren, zumal let­z­tendlich der Bürg­er selb­st die Entschei­dung­shoheit darüber trägt, wie viel er seinem Net­z­be­treiber von sich preis­geben möchte (selb­st ein iPhone zum Beispiel kann auch mal ein­fach ein paar Tage lang blöde in der Ecke herum­liegen, während man ander­swie ter­ror­is­tis­che Anschläge plant), aber für uns infor­ma­tion­shun­grige Infor­matik­er und neti­zens — schau­riges Wort — ist allein die Daten­samm­lung schon inter­es­sant zu lesen. Brisant ist, dass hier auch der “dig­i­tale Radier­gum­mi”, sofern man sich irgend­wann ein­mal auf eine prak­tis­che Umset­zung einigt, nicht viel Abhil­fe schaf­fen kann, denn die tat­säch­lichen Bewe­gungs­dat­en (GPS) sind let­ztlich analoge Dat­en. Nie­mand allerd­ings würde seine Fußspuren im Sand nachträglich ent­fer­nen wollen, denn die Gefahr, dass diese sein Leben von Drit­ten nachvol­lziehbar wer­den lassen, ist eher ger­ing, sofern diese Drit­ten es nicht direkt darauf abse­hen. Dann allerd­ings hat man, sofern man darauf bedacht ist, dass die Weltöf­fentlichkeit seine Exis­tenz nicht ein­mal zur Ken­nt­nis nimmt, ein gewaltiges Prob­lem.

Nicht anders ver­hält es sich mit etwaigen Verbindungs­dat­en bei Mobil­funk­be­treibern. Anders als etwa bei Apple oder Google trägt man die volle und alleinige Entschei­dung darüber, wer was worüber erfahren darf.

Ich gehe übri­gens davon aus, dass ich als Reak­tion auf diesen Beitrag min­destens einen Kom­men­tar des Inhalts, da könne ich mal sehen, wie harm­los Google doch ist, erhalte. Wer mich über­raschen möchte, schreibt also etwas anderes.

Und jet­zt entschuldigt mich, ich werde mir ein paar scharfe Bilder von ero­tis­chen Auto­mo­bilen anse­hen.
Boah, was für ein Fahrgestell!

MusikSonstigesFotografie
Zweisam?

We lay on the bed there, kiss­ing just for prac­tice
Could we please be objec­tive?
Cause the oth­er boys are queu­ing up behind us
A hand over my mouth, a hand over the win­dow
Well, if I remain pas­sive and you just want to cud­dle
Then we should be ok, and we won’t get into trou­ble
Cause we’re see­ing oth­er peo­ple
At least that’s what we say we are doing

How are you feel­ing?
I don’t think you could be deal­ing
With the sit­u­a­tion very well
You take a lover for a dirty week­end, that’s ok
But when it’s over
You are look­ing at the work­ing week in the eyes of a gigo­lo

(Belle and Sebas­t­ian: See­ing oth­er peo­ple)

Spaß mit Spam
Herzlichen Glückwunsch, Max Mustermann!

Und dann war da noch die Tele­fóni­ca O2 Ger­many GmbH & Co. OHG, die ver­mut­lich nichts davon weiß, dass unter ihrer Fir­mierung ein Herr “Her­zlichen Glück­wun­sch!” — tat­säch­lich ist dies der angezeigte Absender­name — mir, dem “lieben Max Muster­mann”, ver­sucht, o²-Pre­paid-Käse (“gratis Freikarten, und zwar kosten­los”, das ist fast so toll wie “preiswertes Frei­bier”) anzu­drehen:

Die Adresse habe ich mal sicht­bar belassen, denn es kann ja sein, dass ein­er von euch, liebe Leser, sich ein­mal den Spaß gön­nen möchte.
Ich mein­er­seits sehe davon ab und sage: Net­ter Ver­such!

Sonstiges
Bleiben Sie so!

Für all diejeni­gen, die nur wenig Lust auf Exper­i­mente mit ihrer Frisur haben, aber den­noch hin und wieder ein­mal Sham­poo benutzen, gibt es natür­lich auch etwas in jed­er gut sortierten Drogerie, worauf mich Didi hin­wies:

(Und als er an einem Schild vorüberg­ing, das in ein­er Kle­in­stadt eine “inter­na­tionale” Dinosauri­er-Ausstel­lung anpries, fragte sich der Vorüberge­hende, aus welchen Natio­nen sie denn kämen, die Dinosauri­er vom Urkon­ti­nent Pan­gaea.)

Netzfundstücke
Katastrophenalarm

Essen­er aufgepasst:
Im Ver­lauf der morgi­gen Nacht kann es laut Fore­cast­fox zu ein­er Naturkatas­tro­phe qua­si bib­lis­chen Aus­maßes kom­men.

Todesmutige wer­den gebeten, das Spek­takel als War­nung für spätere Gen­er­a­tio­nen in Bild und Ton festzuhal­ten.

(Danke an T.!)

KaufbefehleMusikkritik
Jeavestone — 1+1=ok

Bere­its im Novem­ber 2010 erschien mit “1+1=ok” das dritte Stu­dioal­bum der mir bis dato unbekan­nten finnis­chen Pro­gres­sive-Rock-Band Jeave­stone und gefällt mir außeror­dentlich gut.

Das Album begin­nt (“Laser Fluxus Bom­bus Inter­rup­tus”, auf so etwas muss man auch erst ein­mal kom­men!) instru­men­tal und ließ mich bere­its in dieser Phase inter­essiert aufhorchen; als schließlich Sänger Jim Gold­worth, von dem ich nicht annehme, dass er wirk­lich so heißt, ein­drucksvoll die jew­eili­gen Texte dar­bot, während seine Mit­stre­it­er im Hin­ter­grund an ihren Instru­menten bril­lierten und in guter, alter Yes-Manier als Chor fungierten, wusste ich, dass ich dieses Album, wenn es schon aus selb­stver­ständlichen Grün­den nicht für die Hal­b­jahres­liste 2011 in Frage kommt, zumin­d­est nachträglich mit ein­er Würdi­gung auf dieser Seite ausze­ich­nen sollte.

Und eigentlich ist “1+1=ok” ja sog­ar mehrere Alben, denn was da an Ein­flüssen auf den Hör­er ein­pras­selt, ist berauschend. Je nach musikalis­ch­er Vorken­nt­nis und Präferenz hört man hier Peter Ham­mill, Yez­da Urfa oder die Boom­town Rats am Mikro­fon, während Cheer-Acci­dent, Mr. Bun­gle und ein biss­chen Frank Zap­pa (oder, je nach Laune, Frogg Café) Melo­di­en spie­len, die die Musik­er selb­st “Prog’n’Roll” nen­nen und damit eine eigentlich ganz gute Beschrei­bung hin­bekom­men. Ander­swo wit­tert man Nähe zu Sting, bricht sich aber einen am Gen­der­wahn ab (“Finn/inn/en”) und ist somit aus zwei Grün­den nicht gut zu lesen. Nicht umson­st hat es das Quin­tett auch schon auf das deutsche Freak­show-Fes­ti­val geschafft, auf dem sich son­st jene Musik­er zu tum­meln pfle­gen, die der typ­is­che CDU-Wäh­ler ver­mut­lich nur aus ethis­chen Grün­den nicht entartet zu nen­nen pflegt. (Die mir bei diesem The­ma spon­tan in den Sinn kom­menden Sleep­y­time Goril­la Muse­um wer­den sich übri­gens nach Absolvierung der drei let­zten Konz­erte auflösen. Schade!)

Apro­pos Gesang: Der Gesang dominiert zwar immer das Klang­bild, den­noch sollte man es nicht ver­säu­men, in den Momenten, in denen er gefäl­ligeren Lin­ien fol­gt, auf die Musik selb­st zu acht­en, denn Jeave­stone beherrschen den Kon­tra­punkt vortr­e­f­flich. Musik an sich zieht Par­al­le­len:

(…) der Über­gang in die lichteren, mehr Folk ori­en­tierten Teilen mit akustis­ch­er Gitarre und Flöte klingt schon stark nach Yes bzw. Gen­e­sis. (…) Die Band fräst sich mit den fol­gen­den Songs, von denen für eine so Progver­haftete Band untyp­is­cher­weise übri­gens keines die 6 Minuten Gren­ze knackt, durch die Geschichte des Progs von Yes über Van der Gra[a]f Gen­er­a­tor, ein wenig Pink Floyd und natür­lich darf auch niemals ein wenig von den Bea­t­les fehlen. Oft­mals erin­nern die Stücke ihrer Vielfalt aber vor allem in Ihrem Sound an deutsche Bands der Mittsiebziger wie Eloy, Snow­ball oder ähn­liche.

Ein gutes Album zum Hören!
Einige Kost­proben aus dem reich­halti­gen musikalis­chen Büfett kre­den­zen die Finnen auf MySpace.com.

PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Zu den Hamburger Wahlen 2011

Die Umfra­gen zu den heuti­gen Ham­burg­er Wahlen ent­behren tra­di­tionell nicht ein­er gewis­sen Tragikomik. Meine per­sön­liche Ran­gliste führt das furcht­bare Web.de mit der For­mulierung “nicht so schlecht” und den möglichen Alter­na­tiv­en an:

Über­haupt wird ein ziem­lich­es Brim­bo­ri­um um die “großen Parteien” ver­anstal­tet, als hätte man im Ham­burg nur die Wahl zwis­chen Pest, Cola Cholera und Her­pes. Die Ham­burg­er Mor­gen­post (das war die hier) akzep­tierte immer­hin fünf Parteien als nen­nenswert, der dazu gehörende Wahlrat­ge­ber, der “die Wahl haben” mit “jeman­den wählen müssen” ver­wech­selt, ist auch nicht bess­er.

Inter­es­sant sind allen­falls die Wahlum­fra­gen, die zwar, eben­falls tra­di­tionell, nicht repräsen­ta­tiv sind, aber eine Ten­denz andeuten.

Wie viele Fernsehsender sich in diesem Jahr daran hal­ten, keine Prog­nosen vor Schließung der Wahllokale aufzustellen, wage ich gar nicht zu errat­en. Inter­es­sant ist aber die Diskrepanz zwis­chen öffentlich­er Wahrnehmung und tat­säch­lichen Gegeben­heit­en. Sprechen die Medi­en von der niedrig­sten Wahlbeteili­gung seit Jahren, empfind­en Ham­burg­er Wäh­ler und Wahlhelfer es als genau umgekehrt.

Um 18 Uhr schließen die Wahllokale, und dann ist hier erst ein­mal wieder Ruhe vor der Poli­tik.
Darauf gebe ich euch mein Ehren­wort, ich wieder­hole: mein Ehren­wort.

PolitikIn den Nachrichten
Medienkritik XLVII: Aller gutten Dinge…

Apro­pos “apro­pos”; fol­gen­des Foto, von mir dezent bear­beit­et, fand ich ger­ade in meinem Post­fach:

Gut, dass wir unseren Vertei­di­gungsmin­is­ter haben!

(Passiert ger­ade wirk­lich so wenig auf der Welt, dass das “Aber” es noch auf die Titel­seite der nicht näher benan­nten Boule­vardzeitung schafft?)

Fenster zu!

Apro­pos dig­i­tales Prekari­at: Was mir im IRC dieser Tage häu­fig begeg­net, sind Wet­ter-Bots.

IRC-“Bots” (kurz für “robots”) sind, kurz erk­lärt, Com­put­er­pro­gramme, die im IRC bes­timmte Aktio­nen durch­führen; sie antworten etwa automa­tisch auf bes­timmte Begriffe oder ver­wal­ten Benutzerlis­ten. Die meis­ten mir bekan­nten Wet­ter-Bots funk­tion­ieren dergestalt, dass sie von ein­er Inter­net­seite das aktuelle (!) Wet­ter für die gewün­schte Postleitzahl abrufen und aus­geben.

Das sieht dann, um far­bliche Her­vorhe­bun­gen gekürzt, unge­fähr so aus:

(@Bluewater) !wet­ter 24109
(@MFC) Wet­ter­dat­en für 24109 wer­den gele­sen, bitte habe ein (sic!) Moment Geduld.
(@MFC) -=( Wet­ter für Kiel, Deutsch­land (24109) )=-=( Wet­ter­lage: Bewoelkt ? Sicht: 10,0 km ? Gemessene Temp.: ‑2°C ? Gefühlte Temp.: ‑8°C ? Taupunkt: ‑7°C ? Luft­feuchtigkeit: 63 % ? Luft­druck: 1024,0 hPa ? UV-Index: 0 (Min­i­mal) ? Wind: aus dem Osten mit 19 km/h )=-

Da sitzen also die Leute mit ihrem erfüll­ten real life im IRC, bericht­en von ihren Erfol­gen in irgendwelchen virtuellen Wel­ten und informieren sich über das Leben vor ihrem Fen­ster, indem sie mit Com­put­ern reden. Mein Dank gilt der weltweit­en Ver­net­zung, erspart sie solchen Men­schen doch den lan­gen, aufwändi­gen Weg zum Fen­ster oder gar zur Haustür.

(Geset­zt den Fall, es hat auch nur irgen­deinen Ein­fluss auf ihr Leben, wie draußen im real life das Wet­ter ist; wie die Radiomel­dun­gen über “Flitzer-Blitzer” ja auch nur diejeni­gen Aut­o­fahrer inter­essieren, die von sich behaupten, die Straßen­verkehrsor­d­nung im Schlaf auf­sagen zu kön­nen.)

Ich wun­dere mich dann später ein biss­chen.

PersönlichesLyrik
Sie. (Fragment 4)

… Als er wieder in sein kaltes, leeres Zim­mer zurück­kehrte, sah er sich um. An der Wand hin­gen Bilder von ihr. Ihm war, als seien Jahre ver­gan­gen, seit er allein heimgekehrt war. Die Bilder an der Wand waren das Einzige, was er von ihr mitgenom­men hat­te; er hätte, dessen war er sich sich­er, sie nicht zurück­lassen dür­fen. Das Wis­sen darum, dass er nun hier, Hun­derte von Kilo­me­tern von ihr ent­fer­nt, saß und in Erin­nerun­gen schwel­gte, statt dort zu sein, wo er sich endlich angekom­men wäh­nte, ließ ihn schw­er­mütig wer­den. Jedes Mal hat­te er sich vorgestellt, wie es wäre, würde er sie ein­fach nicht mehr loslassen. “Lächer­lich”, dachte er dann jedes Mal und wusste, dass er es gar nicht lächer­lich fand. War es nicht immer sein Traum gewe­sen, endlich anzukom­men, die Reise, auf der er sich fortwährend befand, endlich been­den zu kön­nen?

Nun aber, da er allein war und in den Gedanken an sie zu ertrinken, zu erstick­en glaubte, fühlte er wieder den stechen­den Schmerz der Narbe in seinem Herzen, die ihm jed­er Abschied bis­lang zuge­fügt hat­te. Es war sinn­los, es abzus­tre­it­en: Er war nur noch eine Sil­hou­ette. Alles, was er zu sein glaubte, hat­te er bei ihr gelassen.

Sie beherrschte seine Träume und seine Gedanken. Immer wieder hat­te sie ihn gefragt, warum er sie nicht ein­fach vergessen kon­nte, und er hat­te belan­glose, nichts sagende Antworten gegeben. Er kon­nte es sich ja selb­st nicht erk­lären. Ihm fiel Xavier Naidoo ein, der gesun­gen hat­te: “Wenn sie vor­beige­ht, dann scheint es wie ein Feuer­w­erk. Vor einem Him­mel ist es sie, die ich bemerk’.” Er liebte sie, weil sie ihn liebte; und weil er sich endlich gebor­gen fühlte.

Er hat­te einen Gedanken an “später” immer ver­drängt; zu groß war seine Angst davor, dass er sich in Wun­schträume ver­lieren würde, die über seinem Kopf zusam­men­stürzen wür­den. Zwar hat­te er schon ein­mal daran gedacht, wie es wäre, nicht mehr allein zu leben, aber vor weit­er reichende Entschei­dun­gen hat­te ihn noch keine der Frauen in seinem Leben gestellt. Dann kam sie.

Seit damals war alles anders. Er hat­te seinen Weg zurück zu ihr und in ihr Herz gefun­den; seine Kam­mer war unberührt, sein Name stand noch an der Tür, als wäre nie etwas gewe­sen. Den­noch hat­te sich etwas verän­dert. Sein Leben hat­te er bish­er am Augen­blick aus­gerichtet, aber er spürte, dass er nun auf etwas gestoßen war, was ein­ma­lig war. War es Schick­sal, Glück oder Vorse­hung?

Was immer in seinem Leben noch geschehen würde, war ihm längst egal; sein einziger Gedanke galt nur mehr ihr. Er wusste selb­st nur zu gut, dass er Träu­men allzu oft hin­ter­her gelaufen war, aber irgen­det­was ihm immer ein Bein gestellt hat­te. Mit diesem Traum aber, den er nicht mehr nur träumte, son­dern längst lebte, sollte es nicht so enden. In einem Som­mer, der nur mehr blasse Erin­nerung war, hat­te er sich selb­st geschworen, er würde ihn ihr erfüllen. Jet­zt war es an der Zeit.

Er ver­mis­ste es, bei ihr zu sein, ihre Nähe zu spüren.
Er ver­mis­ste es, in ihre Augen — “diese Augen!”, dachte er — zu sehen.
Er ver­mis­ste sie.

Er war nicht mehr der Herr sein­er Gedanken. Es war sein Herz, das sie lenk­te.
Und sein Herz wusste, was er wollte.

Er blieb noch lange vor ihrem Bild ste­hen. Trä­nen ran­nen seine Wan­gen hinab. Aus dem Fernse­her im Wohnz­im­mer erscholl Bonos Stimme. “It’s a beau­ti­ful day…”. Nie zuvor hat­te er so wenig Freude an diesem Lied. …

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt XXXVII: Karl-Theodor zu Guttenberg? Kannste abschreiben.

… und dann war da noch außer der bis­lang blödesten Begrün­dung, Wahlwer­bung nicht zu druck­en, die völ­lig über­raschende Mel­dung, dass Karl Theodor zu Gut­ten­berg seine Dok­torar­beit plagi­iert hat, die er “nach bestem Wis­sen und Gewis­sen” ange­fer­tigt hat­te; was über sein Gewis­sen schon alles Nötige aus­sagt.

Heute wurde ich auf eine hier­auf bezo­gene Nachricht aus Bayreuth hingewiesen:

Die Uni Bayreuth hat Vertei­di­gungsmin­is­ter Karl-Theodor zu Gut­ten­berg (CSU) aufge­fordert, bin­nen zwei Wochen zu den Pla­giatsvor­wür­fen bei sein­er Dok­torar­beit Stel­lung zu nehmen. (…) Die möglichen Kon­se­quen­zen reichen von der Auf­forderung, die Dok­torar­beit nachzubessern, bis hin zur Aberken­nung des Dok­tor­ti­tels.

Schuld­be­wusst ließ der desig­nierte kün­ftige Monarch Wahlkampfter­mine absagen, insofern hat es immer­hin ein Gutes. Ich befürchte jedoch, dass nach­haltige Kon­se­quen­zen für sein Anse­hen auch weit­er­hin aus­bleiben wer­den, denn das würde let­ztlich wohl die Abwahl der CDU/CSU bedin­gen. Übri­gens ist jeden­falls der Vor­wurf, es gäbe keine Quel­lenangaben, halt­los, denn die gibt es unter dem unnötig kom­plizierten Namen “Fußnoten” selb­st im Inter­net zu kaufen. Angesichts des Erschei­n­ungs­jahres liegt allerd­ings der Ver­dacht nahe, der Kri­tisierte ist wom­öglich völ­lig unschuldig daran.

SonstigesNetzfundstückeNerdkrams
Das neue Prekariat der internationalen Elite

Manch­es begin­nt harm­los. Ich schaute zum Beispiel mal wieder auf Wakoopa vor­bei, ein­er Art “sozialem Net­zw­erk”, das dem Zweck dient, dass seine Nutzer einen Überblick darüber bekom­men, wer wann wie oft und wie lange welche Pro­gramme auf seinem Com­put­er ver­wen­det. Jedes Pro­gramm kann kom­men­tiert und bew­ertet wer­den, so dient Wakoopa auch als Möglichkeit, Infor­ma­tio­nen über mögliche Alter­na­tiv­en zu erhal­ten, etwa über Vim.

Eigentlich wollte ich dort nur noch fehlende Dat­en zu einem von mir bere­its vor eini­gen Tagen gepriese­nen Pro­gramm ein­fü­gen, dann jedoch las ich im hier­für zu ver­wen­den­den Eingabefor­mu­lar dies:

Most of our users are inter­na­tion­al, so please use Eng­lish text only in descrip­tions.

(Abwe­ichende Her­vorhe­bun­gen von mir.)

Unbe­darfte Zeitgenossen, etwa ich, denken bei der Beto­nung auf Inter­na­tion­al­ität vielle­icht daran, mehrsprachige Texte zu ver­fassen und so Besuch­ern aus ver­schiede­nen Natio­nen mit unter­schiedlichen Nation­al­sprachen — inter­na­tionalen Besuch­ern eben — keinen ver­min­derten Funk­tion­sum­fang bieten zu müssen, aber ich bin auch nur ein unbe­deu­ten­der Insin­ter­ne­trein­schreiber und nicht der Schlüs­selmeis­ter des neuesten Web‑2.0‑Quatsches und habe somit keine Ahnung. Inter­na­tion­al­ität bedeutet näm­lich offen­sichtlich nicht mehr, dass das so aus­geze­ich­nete Pro­dukt unab­hängig von der Herkun­ft seines Benutzers uneingeschränkt nutzbar wäre, son­dern, dass Besuch­er aus Natio­nen, in denen meine Mut­ter­sprache nicht die Verkehrssprache ist, die Möglichkeit haben, bei der Benutzung des inter­na­tionalen Pro­duk­ts ihre Ken­nt­nisse mein­er Mut­ter­sprache, der einzig wahren, zu ver­tiefen. (Man stelle sich ein­mal, nur zur per­sön­lichen Belus­ti­gung, vor, die Grün­der der Wikipedia hät­ten ihrerzeit beschlossen, Inter­na­tion­al­ität sei nur pri­ma, wenn sie auf Englisch stat­tfände.)

Englisch, die Sprache des Inter­nets? Mit­nicht­en und ohne Nef­fen, wurde doch erst im Novem­ber 2010 die vierzehn­mil­lion­ste .de-Domain reg­istri­ert, die zahlre­ichen deutschsprachi­gen Inter­net­seit­en, die etwa auf .org und .net enden, bleiben ungezählt. Man muss nicht ein­mal Englisch kön­nen, um das Inter­net bedi­enen zu kön­nen, schließlich gibt es auch in deutsch­er Sprache aus­re­ichend viele ver­schiedene Zugangsmöglichkeit­en. Dass man das Pro­gramm mit dem lusti­gen roten Viech auch “Brows­er” nen­nt, muss man als Anwen­der nicht wis­sen, nicht ein­mal als ein­er, der selb­st Inhalte veröf­fentlichen möchte.

Nun kön­nte man natür­lich so weit gehen wie Michael See­mann und hin­ter all dem in einem trotz­dem lesenswerten Beitrag eine Ver­schwörung gegen Deutsch­land, aus­ge­heckt von ein­er “neuen, glob­alen Elite”, deren einzige Kom­pe­tenz es ist, einen Inter­net­zu­gang zu besitzen, wit­tern. Wer im Zeital­ter der Glob­al­isierung noch immer keine Lust hat, sich lang­weilige US-amerikanis­che Serien, sofern es eine qual­i­ta­tiv akzept­able deutsche Über­set­zung gibt, im Orig­i­nal anzuse­hen, und Nachricht­en­quellen, die Deutsch sprechen, gegenüber denen, für die er jedes Mal zum Wörter­buch greifen muss, bevorzugt, ist, so seine Argu­men­ta­tion, kein Teil der erwäh­n­ten Elite beziehungsweise ihrer “intellek­tuellen Mit­telschicht”. Was solche Men­schen in seinen Augen stattdessen sind, ver­schweigt der Ver­fass­er lei­der, merkt aber an, dass ihn Deutsch­land nur mehr lang­weile und er eines Tages auswan­dern würde. Dass er in anderen Län­dern auf angenehmere Umstände als in Deutsch­land stoßen würde, ist zu bezweifeln; da ihm jeden­falls die deutsche Regierung miss­fällt, dürfte er nicht ein­mal in den fürchter­lichen USA, die er sprach­lich und “kul­turell” doch so sehr schätzt (wer braucht schon nationale Kul­tur, wenn er das Inter­net hat?), seinen See­len­frieden find­en.

Wer so rast­los immer auf der Suche nach ein­er neuen Iden­ti­fika­tion und wil­lens ist, sein jew­eiliges kul­turelles Umfeld gegen ein neues auszu­tauschen, der ist nicht zu benei­den. Ich finde Halt in ein­er Kul­tur, mit der ich aufgewach­sen bin und die mir bis­lang noch keinen poten­ziellen Fre­un­deskreis auf­grund sprach­lich­er Dif­feren­zen ver­schlossen hielt. Ich stelle wage­mutig eine These auf: Die Behaup­tung, Glob­al­isierung bedinge sprach­liche Gle­ich­schal­tung der Indi­viduen statt, im Gegen­teil, Offen­heit für ihre Vielfalt, ist hanebüch­en­er Mumpitz, erfun­den von devoten Mit­gliedern elitär­er Zirkel, deren geistige Reser­ven nur noch zum Erler­nen eines gebroch­enen Englischs genü­gen und die anson­sten nur ungern mit anderen Men­schen in Kon­takt treten.

Die katholis­che Kirche hat sich auch lange nicht darum geschert, dass ihre Gläu­bi­gen beim Gottes­di­enst ungern gle­ichzeit­ig beten und einem Simul­tanüber­set­zer für Latein lauschen wollen. Der Aus­gang der Geschichte ist bekan­nt. Schöne Elite, das.

Netzfundstücke
“xD”, lol ^^

Mitunter amüsiere ich mich auf so Seit­en, deren Inhalt darauf aus­gerichtet ist, für Zeitgenossen und die Nach­welt Zitate aus IRC und instant mes­sen­gern (Jab­ber, ICQ und was man heute eben so benutzt) zu sam­meln. Auch, wenn die Leser jen­er Seit­en nicht sel­ten Zitate von anderen Inter­net­seit­en als eigenes Fund­stück aus­geben, so ist doch mitunter ein amüsantes Bon­mot dabei.

In der let­zten Zeit allerd­ings bemerke ich jeden­falls in den deutschsprachi­gen Vertretern dieser Gat­tung Inter­net­seite eine Entwick­lung, die mir miss­fällt, näm­lich die Häu­fung über­flüs­siger Emoti­con-Sur­ro­gate wie “^^” und “xD”. Ich möchte nun aus­nahm­sweise ein­mal nicht als granteliger Greis erscheinen, aber doch jeden­falls für meine mit diesem The­ma nicht ver­traute Leser­schaft in der gebote­nen Aus­führlichkeit dar­legen, was ich meine.

Wir erin­nern uns: Anfang der 80-er Jahre wur­den in einem uni­ver­sitären Bul­letin Board die Zeichen­folge :-) und ihr Kom­ple­ment :-( zwar ver­mut­lich nicht erst­mals, aber mit erst­mals nach­halti­gen Fol­gen als Lösung für das bere­its von Vladimir Nabokov erwäh­nte Prob­lem, dass es bis dahin keine ein­heitliche typografis­che Darstel­lung eines Lächelns, etwa zur Kennze­ich­nung eines Scherzes, gab, vorgeschla­gen, und die sich ver­net­zt unter­hal­tende Men­schheit war dankbar für diese drin­gend benötigten Zeichense­quen­zen, die den ver­gle­ich­sweise umständlichen Inflek­tiv oder gar Prosaerk­lärun­gen über­flüs­sig macht­en. So ging das über mehr als eine Dekade weit­er, und es ent­standen Abwand­lun­gen wie ;-) und :-D.

Mit dem Aufkom­men japanis­chen Bild­hu­mors aber trat­en ver­mehrt neue Emoti­cons auf. Wer ein­mal Poké­mon oder ähn­liche Serien (oder wenig­stens die South-Park-Folge, die Poké­mon auf die Schippe nahm) gese­hen hat, dem bleibt der typ­is­che Zeichen­stil ver­mut­lich noch lange in Erin­nerung. Japanis­ches Lächeln näm­lich sieht im Man­gastil unge­fähr so aus:

Daraus entwick­elte sich das Emoti­con ^^, das mit Unter­strichen nahezu beliebig in die Länge gezo­gen wer­den kann, um ein bre­ites Grin­sen darzustellen: ^_______^.

Unge­fähr zu dieser Zeit auch gewann das Inter­net für die Masse an Com­put­er­nutzern jün­geren Alters an Bedeu­tung, und wer sich diese Bedeu­tung nicht vorstellen kann, dem spendiere ich gern ein­mal eine Tageskarte für den Busverkehr ein­er eigentlich beliebi­gen deutschen Großs­tadt, damit er ein­mal die Zeit messen möge, wie lange es dauert, bis ihm der erste Jüngling “Lol” oder “Rofl” im Über­schwang beina­he ins Ohr brüllt. Da diese Gen­er­a­tion sozusagen die erste war, die einen großen Teil ihrer Freizeit oft damit ver­brachte, sich im noch jun­gen “Web” statt offline zu unter­hal­ten, wurde die Nutzung von Emoti­cons für sie eine Selb­stver­ständlichkeit. Diese ver­loren so ihre eigentliche Bedeu­tung und wur­den als­bald nur mehr schmück­endes Bei­w­erk. Wer in einem dieser Online-Chats statt der üblichen Diskus­sio­nen über die reich­haltig­ste Quelle für Kinder­pornografie oder die neuesten Angriff­s­pla­nun­gen auf den Frieden in deutschen Großstädten ein­mal einen Dia­log zweier Men­schen ver­fol­gt, die einen Satz statt mit einem Punkt mit ^^ been­den, der kann ver­suchen, jedes ^^ in Gedanken durch *lächel* zu erset­zen, damit er ver­ste­ht, worauf ich anspiele.

Der Charak­ter Eric Cart­man aus der bere­its erwäh­n­ten Serie South Park prägte, als die Sät­ti­gung an ^^ und Artver­wandtem aus­re­ichend groß war, hierzu­lande eine weit­ere Aus­drucks­form des Lächelns, näm­lich xD, das zuvor ein Nis­chen­da­sein in Ani­me­filmen fris­ten musste. Man wende seinen Kopf so lange um jew­eils unge­fähr 90 Grad, bis man es erken­nt:

Auch dieses xD allerd­ings hat inzwis­chen einen gewis­sen Sät­ti­gungs­grad erre­icht, was wohl auch deshalb nicht lange dauerte, weil es die tra­di­tions­be­wusste Nach­wuchs­gen­er­a­tion als neu und vor allem indi­vidu­ell pries; in dem Browser­spiel Galaxy Net­work gab es bere­its zweimal eine Allianz aus Spiel­ern, die sich eben­falls “xD” nan­nte, was die Her­ab­stu­fung zu ein­er leeren Phrase beispiel­haft verdeut­licht. Kür­zlich nun fand dieses Zitat seinen Weg ins WWW:

[Steve] omg heute zu geil aufn weg nach mcs xDD
[D´] ?
[Steve] mein brud­er hat ja son tom tom navi , und da is dann iwie sone app oda so drauf das das navi die sms vor­li­est wenn mein brud­er welche während der fahr bekommt
[D´] jaa okay … und weit­er ?
[Steve] ja auf jeden fall saßen wir dann zu zweit hin­ten Kai und ich und dann tippt kai iwas in sein handy ein und auf ein­mal hört man nur noch vorne das navi sagen ” sie haben eine sms von blaa blaa ” fahr bitte rechts ran ich muss kack­en ” xDDD
[Steve] und das mit dieser geilen com­put­er stimme xDD ich kon­nt nich mehr vor lachen xDD
[D´] fail xDDDDD

Über die Unart, dass die Leute heutzu­tage ihre “zu geilen” Geschicht­en nicht ein­fach erzählen, son­dern erst darauf warten, dass ein­er Inter­esse heuchelt, mok­iere ich mich eventuell später, eben­so über das unsägliche Gebrabbel wie “Ja, auf jeden Fall haben/sind/waren wir dann…” statt ein­fach nur “Wir haben/sind/waren…”, wenn man doch ander­er­seits die Ansicht zu vertreten scheint, bei der Kom­mu­nika­tion im Inter­net gin­ge es vor allem darum, ver­meintlich über­flüs­sige Zeichen zu sparen. Das Zitat zeigt allerd­ings die Erbärm­lichkeit der von mir kri­tisierten auss­chließlich ober­fläch­lichen Hyper­e­mo­tion­al­isierung in ganz­er Pracht.

Anony­mus “Raupe” schrieb zu der Infla­tion des Lächelns unbe­wusst selb­stiro­nisch das, was sie, die Infla­tion, wohl am tre­f­fend­sten beschreibt:

irgend ein depp hats erfun­den, alle anderen dep­pen machens nach xD

Je mehr dig­i­tale Aus­drucks­for­men für Lächeln es gibt, desto weniger zählt ein Lächeln noch, so lautet mein Resümee.
Man kön­nte depres­siv wer­den in diesem Inter­net.

(Jed­er Kom­men­ta­tor unter diesem Beitrag, dem, unab­hängig vom Inhalt, ein “xD” her­aus­rutscht, sinkt, sofern dies möglich ist, in mein­er Achtung in immensem Maße.)

Sonstiges
Feine kleine Welt

Meinen täglichen Hihi-Moment bescherte mir heute ein Einkauf in ein­er Fil­iale ein­er namhaften deutschen Waren­haus­kette, die ich im fol­gen­den Text mit F. (für Fil­iale) abkürzen werde.

Die typ­is­che Easy-Lis­ten­ing-Beschal­lung (kaufen Kun­den, sta­tis­tisch gese­hen, wirk­lich mehr, wenn man sie nervt?) wurde mit­ten im Lied unter­brochen, und es erschall­ten eine auf­dringliche Melodie, die offen­bar einen Wer­beein­schub ankündigte, und anschließend ein kurzes Hör­spiel. Das Hör­spiel ging etwa so: Man stelle sich ein­mal zwei Frauen zwis­chen 30 und 40 Jahren vor, die sich tre­f­fen und unter­hal­ten, vielle­icht über Pferde und Män­ner und Mode und so einen Fir­lefanz, über typ­is­chen Frauenkram eben. Inmit­ten der schö­nen Diskus­sio­nen über typ­is­chen Frauenkram platzt nun also eine der bei­den Frauen mit der, ihrem hek­tis­chen Ton­fall zufolge, ihr schon lange qua­si unter den Nägeln beziehungsweise bess­er auf der Zunge bren­nen­den Frage her­aus:

“Kennst du schon F. Feine Welt?”

Ihre Gesprächspart­ner­in erwidert voll des Enthu­si­as­mus’, und man kann sich den Schlag an die Stirn bildlich vorstellen, so sehr klingt ihre Antwort danach, dass sie sich ger­ade an etwas Über­lebenswichtiges erin­nert hat:

“Na klar, das sind doch die Genuss­marken für Ent­deck­er!”

Hier endet das Hör­spiel, und irgend­je­mand leiert einen Text über irgendwelche Preise und Speisen herunter. Das ist schade, denn ich hätte gern noch ein wenig über die bei­den Frauen erfahren. Ich kann mir näm­lich beim besten Willen keinen Men­schen­schlag vorstellen, der sich so auszu­drück­en pflegt. Es würde mich sog­ar ziem­lich erschreck­en, käme ein alter Bekan­nter auf mich zu und würde mich zur Begrüßung erst ein­mal fra­gen, ob ich schon von irgen­deinem Marken­pro­dukt gehört hätte, denn mein Bekan­ntenkreis set­zt sich meines Wis­sens auss­chließlich aus eigentlich recht angenehmen Zeitgenossen zusam­men. (Ähn­lich ist auch die derzeit­ige Fernse­hwer­bung für ein bekan­ntes Molk­ereipro­dukt befremdlich: “Hey, trinkst du ger­ade meine let­zte Meier­milch Kirsch-Banane mit extra viel Zuck­er und so weit­er und so fort?”; wer auf dieser ganzen Erde voller wun­der­lich­er Gestal­ten redet denn so?)

Schon nicht mehr bedeut­sam ist es da, dass ungek­lärt bleibt, inwiefern “Feine Welt” die Eigen­schaft erfüllt, mehrere Marken qua­si auf ein­mal zu sein; auch kon­nte ich nicht in Erfahrung brin­gen, was genau es mit den erwäh­n­ten Ent­deck­ern auf sich hat. Ich würde mich nicht als einen Ent­deck­er beze­ich­nen, ich komme also nicht als ein solch­er in Betra­cht. Vielle­icht han­delt es sich um Säuglingsnahrung? Es heißt, kleine Kinder seien auch “kleine Ent­deck­er”. Dass man mit dieser Nis­che indes nur wenig Erfolg zu haben scheint, lässt sich daran erken­nen, dass der­ar­tige Wer­bekam­pag­nen nötig sind, um auf sie hinzuweisen. Ich bin kein Wer­be­fach­mann, aber ich nehme an, die fragliche Pro­duk­tlin­ie kön­nte ein wenig Vari­a­tion dur­chaus ver­tra­gen.

Ich wün­sche den beteiligten Wer­be­tex­tern jeden­falls, dass ihre Vorge­set­zten sie eines Tages mal wieder unter richtige Men­schen gehen lassen. Angenehm stelle ich mir ein Leben mit der Vorstel­lung, die Men­schen “da draußen” drück­en sich so aus wie ihre erdacht­en Pro­tag­o­nis­ten, näm­lich nicht vor.