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Anderthalb Konzertnächte.

Aufmerk­samen Lesern ist wom­öglich nicht ent­gan­gen, dass ich im März bis­lang eher zurück­hal­tend bin, was die Fre­quenz mein­er Veröf­fentlichun­gen bet­rifft. Hier­für gibt es mehrere Gründe, die alle aufzuzählen ich ger­ade nicht müßig genug bin; ein­er jeden­falls trägt Schwarz:

Da eine eigentlich vorge­se­hene Band­probe aus logis­tis­chen Grün­den aus­fiel, entsch­ied die tanzwütige Meute, das leg­endäre Braun­schweiger Nachtleben zu erforschen, was in zeitlich­er Hin­sicht ziem­lich pri­ma war, denn eine kurze Recherche offen­barte, dass ger­ade das diesjährige Reizwäsche-Schaulaufen “Fes­ti­val of Dark­ness” zu begin­nen im Begriff war, das, so ver­sprach die Ankündi­gung, für EBM-Fre­unde ein Ohren­schmaus sein sollte, und ich schloss mich inter­essiert an.

Erst etwa vier Stun­den nach Beginn des ersten Abends macht­en wir dem Fes­ti­val unsere Aufwartung und erschienen so erst nach den Auftrit­ten mir unbekan­nter Musik­grup­pen wie Dio­ra­ma mit­ten im Konz­ert von Frozen Plas­ma. Wer meine Musikrezen­sio­nen aufmerk­sam ver­fol­gt, der weiß, dass die dröh­nende über­wiegend elek­tro­n­is­che body music nor­maler­weise nicht meinen CD-Schrank ziert und dies so bald wohl auch nicht tun wird, aber ste­ht man vor der Bühne, ist das ein völ­lig anderes Erleb­nis.

“Kör­per­musik” ist es, frei über­set­zt, und tat­säch­lich spürt der Kör­p­er so manch­es. Vieles ist dem Postrock ähn­lich. Lei­der habe ich es am ersten Abend aus Zeit- und Organ­i­sa­tion­s­grün­den kaum geschafft, das Geschehen in Bildern und Worten zu fix­ieren, daher ist die fol­gende Zusam­men­fas­sung unvoll­ständig. Das ist ins­beson­dere schade, weil der erste Abend mit einem Auftritt der mir bis dato gle­ich­falls unbekan­nten Gruppe Com­bichrist endete, die mit mein­er Vorstel­lung von pri­ma elek­tro­n­is­ch­er Musik kom­pat­i­bel scheint. (Ich empfehle entsprechende Recherchen.)

Rechtzeit­ig informiert erschienen wir aber immer­hin pünk­tlich vor dem Ein­lass am zweit­en Abend, und der war min­destens eben­so angenehm:

Den Anfang machte Moon.74, ein im Fes­ti­val­we­sen noch weit­ge­hend unb­eleck­ter Kün­stler, der den weit­eren Abend dann auch im Zwiege­spräch am Auto­gramm­stand ver­brachte:

Louis Manke von Ter­mi­nal Choice, der an diesem Abend sein Solo­pro­jekt “Staubkind” mit ein­er kleinen Band zusam­men präsen­tierte, wusste nicht so recht, wo er war (Bochum, Braun­schweig; fängt halt auch mit “B” an), musizierte dann aber doch noch recht solide vor sich hin.

Die in den Lied­tex­ten des Kün­stlers ver­sierte Beglei­t­erin lobte die Lock­er­heit und Kom­mu­nika­tions­bere­itschaft des Kün­stlers, ich konzen­tri­erte mich auf die musikalis­che Ebene und begann im Laufe des Abends zu ver­ste­hen, wieso EBM auf Tanzver­anstal­tun­gen sich stetiger Beliebtheit erfreut. Die Rhyth­men näm­lich sind über­aus bewe­gend und ver­leit­en, dem Postrock nicht unähn­lich, dazu, selb­st unbe­merkt mit den Glied­maßen zu wack­eln, bis man spät in der Nacht fest­stellt, dass sel­bige dann doch allmäh­lich Ermü­dungser­schei­n­un­gen zeigen.

Spär­lich­er instru­men­tiert und mit an diesem Abend bere­its häu­figer zu sehen­den Pro­jek­tion­sprob­le­men — die Lein­wand zeigte eine Zeit­lang das Cyber­Home-Logo — trat dann Sven Friedrich mit seinem (gle­ich­falls) Solo­pro­jekt Solar Fake auf, der sofort wusste, wo er sich befand, und einige beein­druck­ende Musik­stücke aus dem eige­nen Reper­toire zum Besten gab. Als Fre­und des etwas weniger schmusi­gen Gesangs fand ich viel Gefall­en an dem let­zten Stück “Lies” (“Lügen”), das zwar schon ein wenig älter ist, aber recht druck­voll präsen­tiert wurde.

Zwis­chen Staubkind und Solar Fake trat­en Noisuf X (X‑Fusion) auf, die wir zwar hörten, aber nicht sahen; wis­st­ja, Verpflich­tun­gen:

Solar Fake fol­gte nach ein­er Umbau­pause die Sän­gerin Mina Hark­er neb­st Band, von der ich glaube, so etwas schon mal irgend­wo gehört zu haben, lei­der jedoch war ihr Mikro­fon zu leise. Ins­ge­samt erschien ihre Musik auch zu aus­tauschbar, so dass wir den Auftritt nach dem ersten Lied lieber ander­swo ver­bracht­en; wis­st­ja, Verpflich­tun­gen.

Der Auftritt von Nachtmahr, die das Fes­ti­val als let­zte Kün­stler ausklin­gen ließen und die, bitteschön, auch drin­gend toll gefun­den und mit CD-Käufen bedacht wer­den soll­ten, riss uns aus der Abwe­sen­heit, denn sie schep­perten in guter, alter Laibach-Manier los.

Aufge­lock­ert mit Pub­likum­sin­ter­ven­tion (“Ein Quiz: Was ist Indus­tri­al? — Du nicht!”) boten sich dem Zuschauer auf der Lein­wand mar­tialis­che Szenen im Stil von NSDAP-Pro­pa­gan­da, sich abwech­sel­nd mit weis­er Lyrik. “War is not the answer”, “Krieg ist nicht die Antwort” also, während die Her­ren hin­ter ihren Mac­books, denen sie den­noch erstaunlich annehm­liche Klänge ent­lock­ten, ver­har­rten und ihr Sänger, auf der Bühne herumwirbel­nd, Texte wie etwa den von “Feuer frei!” ins Mikro­fon schrie:

Neun Mil­lime­ter
direkt in dein Gesicht,
reini­gen­der Stahl
bei diesem Standgericht.

Einige stand­hafte, teils jedoch schon sichtlich ermüdete Besuch­er vergnügten sich anschließend noch weit nach Mit­ter­nacht auf dem Tanz­bo­den, während Nachtmahr an der Theke Platz nah­men.

Blöder­weise hat­te die Cock­tail­bar zu diesem Zeit­punkt bere­its geschlossen, ein blink­ender Wer­be­ban­ner warb aber weit­er­hin für die dort zu erwer­ben­den Leck­ereien. Meinen Verpflich­tun­gen musste ich also ander­weit­ig nachkom­men; wis­st­ja.

Das näch­ste “Fes­ti­val of Dark­ness” find­et, so gab eine weit­ere Pro­jek­tion beredt Auskun­ft, Ende März 2012 wiederum in Braun­schweig statt. Mir scheint, dass sich eine erneute Anwe­sen­heit lohnen wird.

Senfecke:

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