Schmerzlich getroffen haben die Redaktion des dieswöchigen SPIEGELs (“Katastrophe in Taschenobyl”), die vor blindem Optimismus manchmal frontal gegen die nächste Laterne rennt (atomare Unfälle bieten anscheinend vor allem Chancen für die Solarindustrie), die Explosionen im Atomkraftwerk Fukushima I nur kurzzeitig. Zwar “musste” der geplante Titel betreffend die den Explosionen vorangegangenen Ereignisse — vermutlich lautete er ungefähr “Die Monsterwelle: Japans Untergang” — kurzfristig entsorgt werden (“die Druckzylinder … mussten durch einen frischen Satz mit einer noch dramatischeren Story ersetzt werden”, Hervorhebungen von mir), aber das Surrogat ist nur schwer zu übertreffen. Nicht weniger nämlich, so behauptet der für die Überschriften zuständige Schreiberling, sei dieser Vorbote des “Endes des Atomzeitalters” (ich frage mich, wie dann wohl das anschließende “Zeitalter” heißen mag) als “Japans Tschernobyl”.
Darüber, dass diese Gleichsetzung sachlich schlicht Unfug ist, ist man sich weitgehend einig; um so rätselhafter sind die Beweggründe dafür, sie trotzdem anzuwenden. Eine kurze Gegenüberstellung:
Tschernobyl:
- ein Reaktorblock ist explodiert
- Tod bis heute ungezählter Menschen infolge der Strahlenbelastung
- Auslöser: Fehlbedienung und Konstruktionsfehler
Fukushima:
- vier Reaktorblöcke sind leicht beschädigt
- bislang lediglich ein Fall erhöhter, nicht jedoch tödlicher Strahlenbelastung bekannt
- Auslöser: Naturkatastrophe
Gemeinsamkeiten muss man mit der Lupe suchen, “ist halt auch was mit Atomen”. Was die Folgen der Strahlung betrifft, ist das Unglück im AKW Fukushima insofern bestenfalls mit dem Kyschtym-Unfall zu vergleichen, aber damit kann man vermutlich nicht so dramatische Absatzzahlen realisieren.
Der Vorwurf Kai Diekmanns, der SPIEGEL bediene die gleiche Klientel wie BILD (cf. SPIEGEL 9/2011), erscheint nur mehr wenig abwegig.
In eigener Sache: Im Verlauf eines infolge dieses halbgaren Artikels ausgetragenen Maildisputs beschloss ich, den Datenschutz dieser Internetseite nochmals zu überarbeiten. Auf StatPress verzichte ich nunmehr gänzlich, die “Verfolgung” mittels des weiterhin auf die Speicherung personenbezogener Daten verzichtende Werkzeugs Piwik lässt sich browserbezogen via Cookie unterbinden. Hierzu bitte ich den geneigten Leser, auf der Seite “Datenschutz” vorbeizuschauen und die dortigen Hinweise zu beachten.
Auch hübsch übrigens fand ich die als Teil eines Gesprächs einiger Jugendlicher (“Opfers”) gestellte Frage: “Ey, bist du in Tina?”. Auf die Replik “Ich bin derzeit in niemandem” hätte ich als bis dahin stiller Beobachter mit Freude reagiert, leider antwortete der Gefragte aber nur “nää”. Diese Chance hat er verpasst.

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Was also ist zu tun?
Haken raus.
Ja klar; aber wissen das auch jene, die des Englischen nicht mächtig sind und erst ein Übersetzungsprogramm bemühen müssen?
Ich schätze, in einer kommenden Version wird das endlich mal von einem Menschen übersetzt. Bis dahin werde ich wohl oder übel die englische Variante einschalten müssen, danke für den Hinweis.
Die Natur hat da ein kaputtes KKW mit austretender Radioaktivität hingeschmissen? Das war mir jetzt neu.
*scnr*
Die Natur hat da ein intaktes KKW kaputtgemacht.