In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik XLIX: Atom­spal­te­rei­en

Schmerz­lich getrof­fen haben die Redak­ti­on des dies­wö­chi­gen SPIE­GELs („Kata­stro­phe in Tascheno­byl“), die vor blin­dem Opti­mis­mus manch­mal fron­tal gegen die näch­ste Later­ne rennt (ato­ma­re Unfäl­le bie­ten anschei­nend vor allem Chan­cen für die Solar­in­du­strie), die Explo­sio­nen im Atom­kraft­werk Fuku­shi­ma I nur kurz­zei­tig. Zwar „muss­te“ der geplan­te Titel betref­fend die den Explo­sio­nen vor­an­ge­gan­ge­nen Ereig­nis­se – ver­mut­lich lau­te­te er unge­fähr „Die Mon­ster­wel­le: Japans Unter­gang“ – kurz­fri­stig ent­sorgt wer­den („die Druck­zy­lin­der … muss­ten durch einen fri­schen Satz mit einer noch dra­ma­ti­sche­ren Sto­ry ersetzt wer­den“, Her­vor­he­bun­gen von mir), aber das Sur­ro­gat ist nur schwer zu über­tref­fen. Nicht weni­ger näm­lich, so behaup­tet der für die Über­schrif­ten zustän­di­ge Schrei­ber­ling, sei die­ser Vor­bo­te des „Endes des Atom­zeit­al­ters“ (ich fra­ge mich, wie dann wohl das anschlie­ßen­de „Zeit­al­ter“ hei­ßen mag) als „Japans Tscher­no­byl“.

Dar­über, dass die­se Gleich­set­zung sach­lich schlicht Unfug ist, ist man sich weit­ge­hend einig; um so rät­sel­haf­ter sind die Beweg­grün­de dafür, sie trotz­dem anzu­wen­den. Eine kur­ze Gegen­über­stel­lung:

Tscher­no­byl:

  • ein Reak­tor­block ist explo­diert
  • Tod bis heu­te unge­zähl­ter Men­schen infol­ge der Strah­len­be­la­stung
  • Aus­lö­ser: Fehl­be­die­nung und Kon­struk­ti­ons­feh­ler

Fuku­shi­ma:

  • vier Reak­tor­blöcke sind leicht beschä­digt
  • bis­lang ledig­lich ein Fall erhöh­ter, nicht jedoch töd­li­cher Strah­len­be­la­stung bekannt
  • Aus­lö­ser: Natur­ka­ta­stro­phe

Gemein­sam­kei­ten muss man mit der Lupe suchen, „ist halt auch was mit Ato­men“. Was die Fol­gen der Strah­lung betrifft, ist das Unglück im AKW Fuku­shi­ma inso­fern besten­falls mit dem Kysch­tym-Unfall zu ver­glei­chen, aber damit kann man ver­mut­lich nicht so dra­ma­ti­sche Absatz­zah­len rea­li­sie­ren.

Der Vor­wurf Kai Diek­manns, der SPIEGEL bedie­ne die glei­che Kli­en­tel wie BILD (cf. SPIEGEL 9/2011), erscheint nur mehr wenig abwe­gig.


In eige­ner Sache: Im Ver­lauf eines infol­ge die­ses halb­ga­ren Arti­kels aus­ge­tra­ge­nen Mail­dis­puts beschloss ich, den Daten­schutz die­ser Inter­net­sei­te noch­mals zu über­ar­bei­ten. Auf Stat­Press ver­zich­te ich nun­mehr gänz­lich, die „Ver­fol­gung“ mit­tels des wei­ter­hin auf die Spei­che­rung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten ver­zich­ten­de Werk­zeugs Piwik lässt sich brow­ser­be­zo­gen via Coo­kie unter­bin­den. Hier­zu bit­te ich den geneig­ten Leser, auf der Sei­te „Daten­schutz“ vor­bei­zu­schau­en und die dor­ti­gen Hin­wei­se zu beach­ten.


Auch hübsch übri­gens fand ich die als Teil eines Gesprächs eini­ger Jugend­li­cher („Opfers“) gestell­te Fra­ge: „Ey, bist du in Tina?“. Auf die Replik „Ich bin der­zeit in nie­man­dem“ hät­te ich als bis dahin stil­ler Beob­ach­ter mit Freu­de reagiert, lei­der ant­wor­te­te der Gefrag­te aber nur „nää“. Die­se Chan­ce hat er ver­passt.

Senfecke:

  1. Sie kön­nen wäh­len, nicht zu einer ein­zig­ar­ti­gen Web Ana­ly­tics-Coo­kie-Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer zuge­wie­sen um Ihren Com­pu­ter mit der Aggre­ga­ti­on und Ana­ly­se von Daten auf die­ser Web­site erho­be­nen ver­mei­den.
    Um das zu errei­chen, klicken Sie bit­te unten auf ein Opt-out-Coo­kie erhal­ten.

    Was also ist zu tun?

  2. Ja klar; aber wis­sen das auch jene, die des Eng­li­schen nicht mäch­tig sind und erst ein Über­set­zungs­pro­gramm bemü­hen müs­sen?

  3. Ich schät­ze, in einer kom­men­den Ver­si­on wird das end­lich mal von einem Men­schen über­setzt. Bis dahin wer­de ich wohl oder übel die eng­li­sche Vari­an­te ein­schal­ten müs­sen, dan­ke für den Hin­weis.

  4. # Aus­lö­ser: Natur­ka­ta­stro­phe

    Die Natur hat da ein kaput­tes KKW mit aus­tre­ten­der Radio­ak­ti­vi­tät hin­ge­schmis­sen? Das war mir jetzt neu.

    *scnr*

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