Ein weiterer elektronischer Liebesbrief trudelte gerade in meinem Liebesbrief-Sammelpostfach ein. Warum er das tat, weiß ich nicht, denn die angegebene Adresse ist nicht meine; aber ich freue mich ja immer über etwas Zuwendung.
Eine gewisse “Natalya Small” bittet um meine Aufmerksamkeit mit folgendem Anliegen:
Ich interessiere mich fur eine zuverlassige mannliche
Wäre ich gerade ein bisschen zynischer, würde ich ja nun fragen, ob da das Wort “Putze” fehlt, aber es ist ja noch das Karwochenende, und da soll man nicht immer tanzen, singen und so böse sein, sagt der Papst, weil man dann in die Hölle kommt.
Aber stattdessen lese ich die Stellenbeschreibung, vielleicht spricht mich das Angebot ja an?
Hallo!
Ich bin Natalya.
Hallo!
(Erstaunlich, auf was für lustige Absender-Mailaliase (in diesem Fall “bub_weymouth”) man so kommt, wenn man Natalya heißt. Aber ich sollte mich nicht beklagen, meine Mailadressen sind auch manchmal ziemlich seltsam gewählt.)
Ich fullte ein Profil im Dating-Agentur vor Ort, und jetzt habe ich ‘ve Ihre E‑Mail.
“Vor Ort” ist übrigens ein Terminus aus der Kriegsberichterstattung. Findet man meine Mailadresse in Flirtzentren in umkämpften Landstrichen? Ach, Natalya, ich wüsste nur zu gern, wo ich Sie verorten kann!
Womöglich auch im All; bin ich doch sicher nicht der einzige, dem “ich ‘ve” bekannt vorkommt.
Jar-Jar Binks, du bist ertappt!
Andererseits:
Ich habe nicht dein Profil oder Bild gesehen, aber in der Agentur marrige sie Sie erzahlten mir, dass wir miteinander kompatibel sind.
“Agentur marrige” klingt dann doch ziemlich französisch; “aschentür marriesch”. Eine possierliche Sprache eigentlich.
Sie, verehrte Natalya, irren übrigens, denn ich erzählte Ihnen, glaube ich, noch gar nichts. Als dem Nerdtum nicht grundsätzlich abgeneigter Empfänger muss ich übrigens dann doch ein bisschen kichern: Mann und Frau sind also “kompatibel”. Plug-and-Play-Unterstützung inklusive, nehme ich an.
Ach, einen Anhang hat die Gute auch mitgeschickt. Was mag das nur sein?
Es handelt sich um eine Bilddatei. Zu sehen ist eine Allerweltsblondine, Marke Nichtmeintyp. Um wen es sich handelt, kann ich nur raten, sofern ich jedoch richtig rate, legt sich meine Libido dann doch lieber noch ein paar Stunden aufs Ohr, während ich weiter begierig die Buchstaben verfolge.
Ich glaube, Sie haben meine Fotos nicht gesehen, und so bin ich Ihnen mein Bild.
Auch ich bin Ihnen mein Bild; und zwar bis auf Weiteres schuldig.
Ich habe nicht Freund, und ich hoffe, dass wir interessante Dialog haben.
Ist die Zugehörigkeit zu einem etwaigen Lebensgefährten ein Grund, dass Dialoge weniger interessant sind? Nun, je nach Neigung vermutlich schon. Aber einen interessanten Dialogbeginn habe ich mir schon überlegt: Wie kommt es eigentlich, dass eine Allerweltsblondine, Marke Nichtmeintyp, unbekannter Herkunft so wenig Aussicht auf dauerhafte Bindung in näherer Umgebung hat, dass sie sich eines solchen Mittels bedienen muss?
Dies ist meine private E‑Mail und Sie konnen mir schreiben.
Welche — die Absenderadresse oder die, die als Antwortadresse angegeben ist? Womöglich beide?
Sicherheitshalber sollte ich die Agentur danach fragen. Aber wie erreiche ich die?
Ach, es ist alles so furchtbar kompliziert!
Ich werde fur Ihre Antwort warten. Natalya Small
Das eigentlich Entspannende an dieser Mail ist ja, dass immerhin die förmliche Anrede konsequent beibehalten wird, was durchaus nicht üblich ist in den Liebesbriefen dieser Tage.
Aber ich schätze, ich werde die Dame dennoch warten lassen.

du lässt dir einfach ein Weibchen entgehen? Das sieht dir aber gar nicht ähnlich
Nur wenige Weibchen sehen mir ähnlich.
naja du mit deinem ekelhaften grüne-wählenden-dieselöl-hippiehaupthaar siehst so manchen Weibchen wie Lindsey Lohan sehr ähnlich… mindestens
Lindsay Lohan wählt grün?
ja verdammt >:(
Arme Frau.