In den NachrichtenWirtschaft
Kredit verspielt

Und da ich ger­ade dabei war, mich aufzure­gen, mache ich damit gle­ich weit­er, son­st kriege ich am Ende noch gute Laune, und das führt dann immer zu eige­nar­ti­gen Artikeln, die nie­mand ver­ste­ht. Gute Laune lässt sich am ein­fach­sten ver­hin­dern, indem man die Nachricht­en des Tages liest.

Und dann liest man zum Beispiel so etwas:

Por­tu­gal erhält Mil­liar­denkred­it

Einen Kred­it ken­nt man: Man geht zu sein­er Bank, set­zt einen Dack­el­blick auf und seine Unter­schrift unter einen Knebelver­trag, den man früher oder später bereut, und hat for­t­an nicht nur Schulden in Höhe des Kred­ites, son­dern sieht sich oben­drein mit Zins­forderun­gen in mitunter unan­genehmer Höhe kon­fron­tiert, bis man diese Schulden zurück­gezahlt hat.

Por­tu­gal aber ist nicht ein­fach zur Bank gegan­gen, denn die por­tugiesis­chen Banken sind alle­samt der Pleite nahe. Ein biss­chen wie die deutschen. Por­tu­gal hat sich keinen Kred­it geben lassen, son­dern ist in die Bank des Nach­barn reinspaziert und hat “Geld her!” gebrüllt, und die Bank schwang zwar den Zeigefin­ger, gab Por­tu­gal das Geld aber trotz­dem, denn Por­tu­gal sieht so niedlich aus, wenn es weint. Das mit dem Dack­el­blick kann Por­tu­gal wohl schon ganz gut.

Wenn ich mir von der Bank einen Kred­it geben ließe und den dann nicht zurück­zahlen kön­nte, würde die Bank zu mir sagen, dass es so nicht gin­ge, was mir wohl ein­fiele und dass ich dann wohl mal ein paar Jahre im Kittchen über meinen Umgang mit Geld nach­denken sollte. Lei­der haben wir kein Kittchen, das groß genug wäre, damit Por­tu­gal da rein­passt, also kann man Por­tu­gal nicht ins Kittchen steck­en. Stattdessen sagt man Por­tu­gal bei der Kred­itver­gabe, es sei gar kein Kred­it, son­dern ein “Hil­f­s­paket”, das ist wenig­stens schön schwammig for­muliert. Ich betra­chte einen Bankkred­it übri­gens auch als ein Hil­f­s­paket für mich, aber ich bin ja kein Land.

Hil­f­s­pakete unter­schei­den sich von Kred­iten offiziell insofern, als man sie nicht zurück­zahlen, son­dern nur artig nick­en muss, wenn der Paket­di­enst zur Unter­schrift bit­tet:

Por­tu­gal verpflichtet sich gegenüber EU und IWF, das Haushalts­de­fiz­it von 9,1 Prozent des Brut­toin­land­spro­duk­tes im ver­gan­genen Jahr bis 2013 unter drei Prozent zu drück­en — mehr ist nach den EU-Spiel­regeln nicht erlaubt.

Und wenn sie das nicht schaf­fen, dann haben sie halt ziem­lich große Schulden bei den Geldge­bern, die sich dann ein paar Jahrzehnte lang anhäufen dür­fen. Die Geldge­ber sind übri­gens nicht die Banken oder irgendwelche Staat­en, son­dern es sind die Steuerzahler in diesen Staat­en. Und die Begrün­dung dafür, dass die Steuerzahler in diesen Staat­en, deren Haushalts­de­fiz­it auch nicht von schlecht­en Eltern ist, ihr Minus­geld zugun­sten fremder Staatskassen noch ein wenig zu erhöhen haben, ist so sim­pel wie bescheuert:

“Wir kön­nen das nicht ohne Deutsch­land und seine Bere­itschaft, die Sta­bil­ität des Euro zu sich­ern, machen”, sagte Rehn (EU-Währungskom­mis­sar) der Zeitung “Die Welt”. “Indem wir Por­tu­gal unter strik­ten, aber real­is­tis­chen Bedin­gun­gen helfen, schützen wir auch die wirtschaftliche Erhol­ung in Deutsch­land und die Erspar­nisse der deutschen Bürg­er.”

Eine mar­o­de Währung sta­bil­isiert man halt am besten, indem man so lange große Beträge hin und her schaufelt, bis alle, die diese Währung nutzen müssen, unge­fähr gle­ich viel Schulden haben, das nen­nt man dann eine “Währung­sunion”. Wieder was gel­ernt.

Griechen­land hat übri­gens ein biss­chen Glück gehabt, dass sie schon früher pleite waren, denn während es selb­stver­ständlich schlicht eine Frech­heit wäre, aus einem Hil­f­s­paket Prof­it zu schla­gen, sieht das mit Geldgeschenken anders aus (Her­vorhe­bung, wie meist, von mir):

Griechen­land hat­te schon vor Grün­dung des EU- Ret­tungs­fonds EFSF von einem Extra-Paket von 110 Mil­liar­den Euro prof­i­tiert.

Eins allerd­ings ist ein­leuch­t­end: Erspar­nisse, die die deutschen Bürg­er nicht mehr haben, weil sie sie nach Por­tu­gal exportiert haben, kön­nen sie nicht mehr für Unsinn aus­geben. Das schützt ihre Erspar­nisse vor ihnen selb­st. Eigentlich wäre es doch eine traumhafte Welt, wenn kein­er mehr Geld hätte, um sich davon Waf­fen oder iPhones zu kaufen. Sollte diese Utopie eines Tages Wirk­lichkeit wer­den? Wohl auch getrieben von diesem Traum “hat­te [der Bun­destag] das Hil­f­s­paket für Por­tu­gal bere­its mit bre­it­er Mehrheit unter­stützt”, aber wirk­lich ganz bre­it.

Ich glaube, ich gehe dieser Tage auch mal wieder zu ein­er Bank, bei der ich bis­lang kein Kunde war, und frage, natür­lich mit Dack­el­blick, nach einem Hil­f­s­paket. So als armer Stu­dent bin ich doch wohl kaum weniger hil­fs­bedürftig als ein Land voller arbei­t­en­der Men­schen mit noch funk­tion­ieren­der Export­in­fra­struk­tur.

Und ich bin mal ges­pan­nt, wie viel ich bekomme.

(Danke an L.!)

PolitikNetzfundstücke
Kurz verlinkt XLIV: Kranke Gesundheitsminister

Etwas über­aus Lesenswertes habe ich da, lei­der mit eini­gen Tagen Ver­spä­tung, via Ste­fan Sasse aus­gerech­net im anson­sten nur lei­dlich zitierenswerten Online-SPIEGEL gefun­den:

… So ergibt es sich, dass an der Spitze ein­er Gle­ich­stel­lungsstelle regelmäßig eine Frau ste­ht, nur ein Behin­dert­er andere Behin­derte vertreten kann und das Schwu­len­refer­at selb­stver­ständlich von einem beken­nen­den Homo­sex­uellen geleit­et wer­den muss. Für die Ange­höri­gen von Min­der­heit­en ist dieses Auswahl­prinzip dur­chaus von Vorteil, schränkt es doch die Zahl der Mit­be­wer­ber deut­lich ein. Nur lim­i­tiert es eben weit­ere Auf­stiegschan­cen, diese Pointe scheint den Befür­wortern der Iden­tität­spoli­tik zu ent­ge­hen.

Auch pos­i­tive Diskri­m­inierung bleibt Diskri­m­inierung. Nie­mand käme auf die Idee, von einem Gesund­heit­spoli­tik­er den Nach­weis ein­er schw­eren Erkrankung zu erwarten oder von dem Vor­sitzen­den eines Rechts- und Innenauss­chuss­es die Abstam­mung aus ein­er Polizis­ten­fam­i­lie.

Aber das mit der Gle­ich­stel­lung ist eben nicht so leicht.

MusikIn den Nachrichten
Medienkritik LI: Kreuzigung

Da schau her, offen­bar fand kür­zlich ein inter­na­tionaler Wet­tbe­werb statt, der am Rande irgend­was mit Sin­gen zu tun hat­te. Der bish­er am wenig­sten unerträglich schleimig-wehlei­di­ge Kom­men­tar zu diesem Ereig­nis stammt von Michael, Autor im Fernsehlexikon, der pointiert zusam­men­fasste:

[W]enn man die Musik mal außen vor lässt, war auch dieser Euro­vi­sion Song Con­test eine sehr unter­halt­same Ver­anstal­tung.

Ste­fan Kuz­many von SPIEGEL Online zeigt der­weil, wie Jour­nal­is­mus nicht funk­tion­iert:

Gebt Lena Mey­er-Lan­drut endlich, was sie ver­di­ent: Das Bun­desver­di­en­stkreuz.

Die Begrün­dung hier­für ist so “ein­leuch­t­end” wie “durch­dacht”: Ihre erneute Teil­nahme am inter­na­tionalen Gesangswettstre­it — erneut übri­gens mit einem Lied, das über Deutsch­land unge­fähr so viel aus­sagt wie Fahrrad­fahren — zeige, dass sie bere­it sei, jede nur erden­kliche Stra­paze auf sich zu nehmen, um Deutsch­lands Beliebtheit zu steigern. (Haben Ramm­stein und Die Toten Hosen, jew­eils im Aus­land über­aus beliebt, das Bun­desver­di­en­stkreuz eigentlich schon bekom­men?)

In der Orig­i­nal­fas­sung liest sich das unge­fähr so:

[N]icht ihr ein­ma­liger ESC-Sieg in Oslo macht Lena Mey­er-Lan­drut ausze­ich­nungswürdig, son­dern das Jahr danach, das sie zweifel­los “unter Zurück­stel­lung der eige­nen Inter­essen” und “über einen län­geren Zeitraum”, dazu alle­mal “mit erhe­blichem Ein­satz” diesem Land gewid­met hat — zumal es wesentlich beque­mer für sie gewe­sen wäre, sich auf dem ersten Erfolg auszu­ruhen und als Siegerin von der ESC-Bühne abzutreten. Für diese Leis­tung, für diesen zehn­ten Platz ist ihr das Land höch­sten Respekt schuldig.

Mit englis­chsprachi­gen Lied­chen, die ihr ein zufäl­lig ger­ade über aus­re­ichend Freizeit ver­fü­gen­der Pop­pro­duzent anscheinend mal eben in der Mit­tagspause hin­schmieren kann, gegen andere “Musik­er” in einem Wet­tbe­werb anzutreten, dessen folk­loris­tis­che Kom­po­nente schon seit Jahrzehn­ten nur noch the­o­retisch beste­ht, ist also ein “erhe­blich­er Ein­satz” für das Land und nicht etwa für die eigene Geld­börse. Ich glaube ja, jed­er im Export tätige Spedi­teur tut mehr für dieses Land als diese mit­telmäßig tal­en­tierte “Ange­him­melte” (Ste­fan Kuz­many über Lena Mey­er-Lan­drut); wo bleiben da eigentlich die Bun­desver­di­en­stkreuze?

Nur, um Missver­ständ­nis­sen vorzubeu­gen: Ich erkenne die tat­säch­liche Leis­tung, die so ein Musik­er­leben unter ständi­ger Beobach­tung der Öffentlichkeit mit sich bringt, gern als anstren­gend an. Aber:

Das Bun­desver­di­en­stkreuz wird ver­liehen für beson­dere Leis­tun­gen auf poli­tis­chem, wirtschaftlichem, kul­turellem, geistigem oder ehre­namtlichem Gebi­et.

Zählt es als “beson­dere Leis­tung auf kul­turellem Gebi­et”, in einem Musik­er­wet­tbe­werb (eigentlich: Pro­duzen­ten­wet­tbe­werb) ohne nach­haltige Auswirkun­gen, unab­hängig von dem darge­bote­nen Text, die meis­ten “Punk­te” zu bekom­men? Ein klein­er Exkurs in die Musikgeschichte sei mir ges­tat­tet: 1982 siegte eine gewisse “Nicole” mit dem paz­i­fistis­chen Lied “Ein bißchen Frieden”, das indi­rekt die Aufrüs­tung der West­mächte und der Sow­je­tu­nion im Kalten Krieg kri­tisierte, und hat damit der Welt gezeigt, dass Deutsch­land ein fried­lieben­des Land gewor­den ist. Für ein Bun­desver­di­en­stkreuz hat das nicht genügt.

Dass nun so genan­nte “Jour­nal­is­ten” das Ver­säum­nis aus­gerech­net im Fall Lena Mey­er-Lan­drut, deren Auss­chlag geben­der “Ver­di­enst” es nun sein soll, mit einem Lied über das Ver­führen den zehn­ten Platz erre­icht zu haben, nach­holen wollen, ist an Lächer­lichkeit kaum mehr zu über­bi­eten. (Außer vielle­icht von Steve Jobs.)

(Sehr gut gefällt mir eigentlich auch das Inter­view mit “Lady Gaga”, das ich gestern las. Freimütig gab sie zu Pro­tokoll, dass selb­st ihre Mut­ter sie “Gaga” nenne. Ich schätze, sie hat etwas missver­standen.)

In den NachrichtenPiratenpartei
Einig Piraten wollen wir sein

Es kam für Beobachter nur wenig über­raschend, dass Jens Seipen­busch, öffentlich­er Repräsen­tant der Piraten­partei, sein Amt nieder­legte. Die Nach­folge trat Sebas­t­ian Nerz an:

Er prangerte an, dass die Partei auch zu oft geschwiegen habe, wenn es um wichtige The­men wie Zensus2011 und neue Zen­sur­forderun­gen aus dem Europa­parla­ment ging. Vie­len Chan­cen seien hier ver­passt wor­den.

Da ist was dran.

Die Piraten­partei war in den let­zten Monat­en so sehr damit beschäftigt, sich für andere The­men zu öff­nen, dass ihr Kern­the­ma, die infor­ma­tionelle Selb­st­bes­tim­mung in Zeit­en der total­en Ver­net­zung, in der Versenkung zu ver­schwinden dro­hte. Jens Seipen­busch hat vielle­icht viele Entschei­dun­gen getrof­fen, die nicht jed­er ver­ste­hen kon­nte, aber er hat diese Gefahr voraus­geah­nt und deshalb gegen eine Erweiterung des Pro­gramm­spek­trums ges­timmt; und wurde über­stimmt. Jet­zt haben wir Pirat­en also eine Art Run­dumpro­gramm, Atom­poli­tik inklu­sive, und ver­loren darüber fast unser Gewis­sen. Die “Ker­nis”, Anhänger des Kern­pro­gramms, strit­ten sich mit den “Vol­lis”, die das nicht gutheißen kon­nten, um die Zukun­ft der Partei und ver­spiel­ten sie dabei beina­he. Das ging so weit, dass in den ein­schlägi­gen Het­zblogs am Ende nicht mehr von den “frauen­feindlichen Nazipi­rat­en”, son­dern nur noch davon die Rede war, wieso es diese Partei denn über­haupt noch gebe.

Dabei sind die Pirat­en heute wichtiger als es je den Anschein hat­te.

Während Bun­des- und EU-Poli­tik­er qua­si täglich ein weit­eres Stück unser­er Bürg­er­rechte beschnei­den, tatkräftig unter­stützt von der selb­ster­nan­nten Bürg­er­rechtspartei F.D.P. (“Wieso gibt es die über­haupt noch?”), wird allein die Erwäh­nung von Pri­vat­sphäre nur mehr mit einem verächtlichen Schnauben bedacht. Pri­vat­sphäre sei tot, und es führe ohne­hin kein Weg daran vor­bei, dass jed­er alles über mich erfahre, predigte man nacheinan­der seit­ens Sun (mit­tler­weile Ora­cle), Google und Face­book. Das ist nur wenig erstaunlich, ver­di­enen diese Konz­erne doch einen nicht uner­he­blichen Teil ihres Ver­mö­gens damit, dass ihre Kun­den möglichst viel von sich preis­geben. Kun­den­dat­en sind ein wertvolles Gut, der Fir­men­wert steigt oder fällt mit den Daten­sätzen, die man in etwaige Verkauf­s­ge­spräche ein­brin­gen kann. Face­book etwa hat einen enorm hohen Mark­twert, weil aus­re­ichend viele Leute (“Sie ver­trauen mir, diese Idioten”, M. Zucker­berg) dort qua­si ihr Leben doku­men­tieren. Wer­be­treibende, die, was Face­books “Nutzungs­be­din­gun­gen” aus­drück­lich ges­tat­ten, Ein­blick in Benutzer­pro­file erhal­ten, um geziel­ter wer­ben zu kön­nen, wis­sen so oft mehr über den Men­schen hin­ter dem Pro­fil als einige sein­er dor­ti­gen “Fre­unde”, was das mit den “Fre­un­den” eigentlich schon aus­re­ichend illus­tri­ert. Zudem ver­bi­etet Face­book expliz­it die Nutzung von Tarn­na­men (“Nick­na­men”); der Grund dürfte ein ähn­lich­er sein.

Nicht anders ver­fährt man bei Google, macht doch die per­son­al­isierte Wer­bung (“Adsense”) 97 Prozent des Umsatzes aus. Dafür ist es wichtig, möglichst viel über seine Benutzer zu wis­sen, und das geht am ein­fach­sten, indem man Dien­ste anbi­etet, die sozusagen jeden dig­i­tal­en Schritt der Benutzer begleit­en. (Dass ein “soziales Net­zw­erk” mit aus­re­ichend Ver­bre­itung noch “fehlt”, ist Face­book zu ver­danken; danke, Face­book!) Jed­er dieser Dien­ste wird mit kon­textbe­zo­gen­er Wer­bung finanziert, also mit ein­er automa­tis­chen Analyse dessen, was der Benutzer ger­ade tut, selb­st dann, wenn es eine ver­trauliche E‑Mail ist. Das Ärg­er­liche ist, dass das auch die Pri­vat­sphäre des jew­eili­gen Empfängers ver­let­zt, denn ich zum Beispiel lege nur wenig Wert darauf, dass ein Konz­ern Geld mit meinen gegebe­nen­falls inti­men Gedanken ver­di­ent. Vor diesem Hin­ter­grund läuft es mir auch kalt den Rück­en herunter, lese ich von Face­books neuer E‑Mail-Funk­tion, denn die Absicht­en dürften klar sein. (Es wirkt da wie eien Farce, dass aus­gerech­net Face­book Google Daten­sam­melei vor­wirft.)

Ein pri­vater Post­di­en­stleis­ter, der Geld damit ver­di­ente, die zu senden­den Briefe zur bloßen Geldgewin­nung auszuw­erten, hätte hierzu­lande kein leicht­es Spiel, auch die Ausrede, Pri­vat­sphäre sei ohne­hin alt­modisch, kön­nte ihn nicht ret­ten. Das, was aber Face­book und Google tun, ist nicht ille­gal, son­dern wird als alter­na­tiv­los ange­se­hen in diesem Staat, der auch son­st alles alter­na­tiv­los nen­nt, was den Bürg­ern nicht passt; sei es die geset­zliche Verpflich­tung dazu, im Rah­men des Zen­sus 2011 das Recht auf infor­ma­tionelle Selb­st­bes­tim­mung nicht wahrzunehmen, sei es die gezielte Ermor­dung von Men­schen, sei es die ständi­ge Gefahr, dass irgen­dein Poli­tik­er nach Kinder­pornografie, Jugend­schutz und Glücksspie­len (Glücksspie­len!) einen neuen Grund find­et, das Inter­net als einziges wirk­lich inter­na­tionales Kom­mu­nika­tion­snetz zur Chef­sache zu erk­lären.

Und deshalb brauchen wir die Piraten­partei.

Zu hof­fen ist es, dass Sebas­t­ian sein­er Kri­tik nun auch Tat­en fol­gen lässt. Net­zpoli­tik sollte man nicht denen über­lassen, die am lautesten schreien. Wir sind Pirat­en, uns eint nicht der Glaube an ein Parteipro­gramm, uns eint das gemein­same Ziel; und immer­hin das kann er bess­er ver­mit­teln als zuvor Jens Seipen­busch. Die Daten­fress­er schlafen nicht.

Ich sage: Danke, Jens; und allzeit eine Hand­bre­it Wass­er unter dem Kiel!
Und nun zurück an die Arbeit. Es gibt viel zu tun.

PersönlichesMusik
Einsame Inselmusik

Hin und wieder sprechen mich gute und weniger gute Bekan­nte auf meine musikalis­chen Inter­essen an, oft, ganz im Stil des “In”- und “Out”-Listenunfugs, mit der Bitte, ich möge doch bitte ein­mal meine “Lieder für die ein­same Insel” in jew­eils begren­zter Zahl aufzählen. Zulet­zt geschah dies gestern Abend, als mich ein anson­sten nicht allzu oft neg­a­tiv auf­fal­l­en­der Mit­men­sch um eine Auflis­tung mein­er, Zitat, “five lone­some island songs”, Zitat Ende, mein­er fünf ein­samen Lieder über Inseln also, bat. Nach­dem ich ver­standen hat­te, was eigentlich gemeint war, ver­suchte ich diese Frage best­möglich zu beant­worten, aber ich scheit­erte let­ztlich.

Die Ursache für das Scheit­ern war nicht etwa, dass ich nicht in der Lage wäre, auswendig fünf Lieder zu nen­nen, die ich gern auf ein­er ein­samen Insel, die aus unerfind­lichem Grund offen­bar über eine Strom­leitung ver­fügt, bei mir hätte, son­dern es ist das Missver­ständ­nis, dem jene Mit­men­schen, die ver­suchen, meinen Musik­faschis­mus in begren­zte Lis­tenko­rsetts zu zwän­gen, anheim­fall­en.

Wäre ich näm­lich in der unan­genehmen Lage, auf eine ein­same Insel fünf, zehn oder ein­und­dreißig konkrete Lieder mit­nehmen zu müssen, ich würde mich nicht für meine jew­eili­gen Lieblingslieder entschei­den, denn die kenne ich in der Regel qua­si auswendig. Vielmehr kämen solche Lieder in Frage, die beson­ders lang sind (zum Beispiel echolyns “Mei”), denn wenn ich schon nur eine begren­zte Auswahl an Liedern habe, dann sollen sie mich wenig­stens für eine über­durch­s­chit­tliche Zeit unter­hal­ten, oder eben nicht jenen Liedern zuzurech­nen sind, die ich auf­grund beson­der­er Affinität gern auch mehrmals hin­tere­inan­der höre, obwohl ich jeden Takt mit­sum­men kann.

Etwas sel­tener ist eine Liste mein­er tat­säch­lichen Lieblingslieder gewün­scht. Diese Frage miss­fällt mir, denn obgle­ich ich wohl in der Lage bin, meine fünf, zehn oder ein­und­dreißig gegen­wär­ti­gen “Lieblingslieder”, auf Wun­sch auch nach Pri­or­ität geord­net, aufzulis­ten, bedeutet das nicht, dass ich eigentlich so etwas wie “Lieblingslieder” habe. Was aber ist ein “Lieblingslied”? Ein “Lieblingslied” ist meines Empfind­ens ein Lied, das man unab­hängig von konkreten seel­is­chen oder physis­chen Sit­u­a­tio­nen, etwa Trauer, Frohsinn oder Abschlussfeiern, spon­tan hören kann und das auch nach mehrfach­er Wieder­hol­ung seinen Stel­len­wert nicht ver­liert.

Es gibt Lieder, die mich, meist auf­grund ihres Textes, seit eini­gen Jahren auf meinem Weg durch das Leben begleit­en, dazu zählt etwa “Nur in deinem Kopf” von den Fan­tastis­chen Vieren. Den­noch sind diese Lieder nicht unbe­d­ingt gle­ichzeit­ig meine Lieblingslieder, denn obwohl die Texte für konkrete Sit­u­a­tio­nen noch immer uneingeschränkt tre­f­fend sind, haben sie jede Span­nung längst ver­loren. Unter diesen Liedern ist derzeit keines, das ich stim­mung­sun­ab­hängig als meinen Favoriten beze­ich­nen würde.

Wie wohl jed­er hörende Men­sch bin ich, wie erwäh­nt, in der Lage, spon­tan in ziem­lich großer Zahl Lieder zu nen­nen, die mir zuerst ein­fall­en, wenn ich Lieder aufzählen soll, die mir beson­ders gut gefall­en. Sie erfüllen aber die Anforderun­gen an tat­säch­liche “Lieblingslieder” nicht, denn das, was kleine Mäd­chen als “Lieblingslieder” beze­ich­nen (“ich hab sooo geheult bei dem Lied!”), ist in meinem Alter ein­fach nicht mehr im Reper­toire zu find­en. Meine “Lieblingslieder” wech­sle ich schnell, es ist keines­falls undenkbar, dass zwei Men­schen, die mich im Abstand von weni­gen Minuten nach meinem momen­ta­nen “Lieblingslied” fra­gen, zwei völ­lig unter­schiedliche Antworten erhal­ten, weil sie zu unge­nau fra­gen. Natür­lich gefällt mir “Lay Me Back Down” von Por­tu­gal. The Man immer noch, es hat eine eingängige Melodie, aber genügt Eingängigkeit als Kri­teri­um? Eine Liste der “fünf eingängig­sten Lieder, die mir spon­tan ein­fall­en”, kann ich gern erstellen, hier kommt sie unsortiert:

  • The Bea­t­les — Yes­ter­day
  • Por­tu­gal. The Man — Lay Me Back Down
  • Eatl­iz — Your House
  • The Bea­t­les — Yel­low Sub­ma­rine
  • Lisa Stans­field — All Around the World

Wer meine bish­eri­gen Beiträge über pri­ma Musik wenig­stens teil­weise gele­sen hat, der erken­nt schnell, dass sich daraus keine Schlüsse darauf ziehen lassen, was für Musik ich so höre. Musik, die ich höre, find­et näm­lich grund­sät­zlich im Kon­text eines Musikalbums statt. Das Musikalbum, meine jün­geren Leser ken­nen das vielle­icht gar nicht mehr, ist ein seit Jahrzehn­ten für tot erk­lärtes For­mat (damit ist nicht “MP3” gemeint) von Ton­trägern und beze­ich­net eine Zusam­men­stel­lung manch­mal inhaltlich zusam­men­hän­gen­der, manch­mal aber auch nur inner­halb ein­er fes­ten Zeitspanne aufgenommen­er Lieder eines oder mehrerer Musik­er.

Mit Aus­nahme von Son­der­fällen wie etwa dem genan­nten “Mei” von echolyn bin ich dur­chaus in der Lage, auf jedem Musikalbum, das ich dig­i­tal oder physisch besitze, ein konkretes “Lieblingslied” zu benen­nen. Obwohl allerd­ings diese jew­eili­gen “Lieblingslieder” weniger Änderun­gen unter­wor­fen sind als meine imag­inäre Liste der “Lieblingslieder ins­ge­samt”, so ist es doch nicht auszuschließen, dass sich auch dort solche Änderun­gen ergeben. Ein konkretes Beispiel: War ich mir früher sich­er, auf dem Bea­t­les-Album “Revolver” sei “Tomor­row Nev­er Knows” das mit Abstand beste Stück, so stre­it­en sich inzwis­chen “Eleanor Rig­by” und “She Said She Said” darum, wer das Lied endlich ablösen darf.

Insofern bin ich ziem­lich sauer auf jeden, der mich dazu bringt, eine zu welchem Zweck auch immer geführte Liste mit meinen “Lieblingsliedern”, “Insel­liedern” oder “Liedern, die ich so höre, wenn es mir mal so alles andere als gut geht” zu befüllen, denn kaum hat der Fra­gende seine Antwort erhal­ten und sich schnell wieder von mein­er zweifel­sohne Furcht erre­gen­den Gestalt ent­fer­nt, fall­en mir auch schon min­destens fünf Lieder ein, die eigentlich viel bess­er auf eine solche Liste gepasst hät­ten, und das schlechte Gewis­sen plagt mich nach­haltig. (Kaum hat­te ich die Liste der “fünf eingängig­sten Lieder, die mir spon­tan ein­fall­en”, die oben zu lesen ist, vol­len­det, fie­len mir auch schon zwei weit­ere und viel eingängigere Lieder ein.)

Wonach man mich aber gern fra­gen darf, sind meine Lieblingsmusikalben, denn die ändern sich nur zöger­lich. Seit ich mich bewusst als Musikhör­er begreife, die Scoot­er-Rumhop­spop­musikphase also erfol­gre­ich hin­ter mir gelassen habe, habe ich noch kein weit­eres Lieblingsal­bum zu einem ehe­ma­li­gen Lieblingsal­bum erk­lärt. Es kommt allerd­ings vor, dass sich neue Alben in diese Liste ein­rei­hen, man frage mich also bitte niemals nach meinen fünf, zehn oder ein­und­dreißig konkreten Lieblingsal­ben, denn dann müsste ich wieder wür­feln und hätte tage­lang ein schlecht­es Gewis­sen. — Obwohl es für ein­und­dreißig konkrete Lieblingsal­ben noch reichen dürfte.

Diese Alben würde ich gern auch jed­erzeit auf eine ein­same Insel mit­nehmen, denn die Gefahr, dass sie mir in abse­hbar­er Zeit nicht mehr gefall­en, ist sehr ger­ing. Überzeugt mich das bish­erige “Lieblingslied” auf dem Album nicht mehr, dann küre ich ein­fach ein anderes. Alben, auf denen nur ein einziges Lied meine — wech­sel­haften — Kri­te­rien für ein gutes Lied erfüllt, gehören nicht in mein Inven­tar und sind dort auch, ich wage einen kurzen Blick, derzeit nicht zu find­en. (Das habe ich jet­zt aber auch leicht gesagt, “ein­fach küren”; tat­säch­lich fürchte ich den Tag, an dem mich Bob Dylans “Blonde on Blonde” zu lang­weilen begin­nt, denn mein “Lieblingslied” auf diesem durch­weg grandiosen Album kon­nte ich bis­lang nicht ermit­teln.)

“Gesamtkunst­werk” ist ohne­hin ein gutes Stich­wort. “Lieblingslieder” scheinen ein Phänomen aus der Gen­er­a­tion zu sein, die Lieder nur noch als kaput­tkom­prim­ierte, in sich abgeschlossene, aber nichtssagende, durch­schnit­tlich zwei­dreivier­tel Minuten lange Down­loads ken­nen. Die wenig­sten Musik­er aber nehmen Lieder in oft wochen‑, manch­mal jahre­langer Stu­dioar­beit auf, ohne eine unge­fähre Vorstel­lung davon zu haben, ob und wie diese Lieder miteinan­der zusam­men­hän­gen. Als Analo­gie ist vielle­icht die Rei­he der “Lusti­gen Taschen­büch­er” geeignet, deren Buchrück­en jew­eils einen Teil des aktuellen Jahres­mo­tivs zeigen. Sich­er ist auch so ein einzel­ner Buchrück­en mehr oder weniger schön bemalt und ver­mag zu erfreuen, aber ohne die elf Buchrück­en um ihn herum bleibt er ein wichtiges, jedoch ver­loren wirk­endes Puz­zlestück.

Kurz gesagt bedeutet das: Wer den Wert der Musik nicht in Euro misst, der sollte auch nicht ver­suchen, sie nach Zahlen zu sortieren. “Über Geschmack lässt sich nicht stre­it­en” sagt der Volksmund, und der Volk­skör­p­er legt während­dessen fleißig weit­er, und sei es nur zum Zeitvertreib, Lis­ten (“Hit­pa­raden”) an, die zum Teil noch Jahrzehnte später etwa in der Wikipedia als Beleg für die Wichtigkeit eines Musik­ers oder eines musikalis­chen Werkes dienen sollen. Rel­e­vant ist nur das, was aus­re­ichend viele Leute in einem bes­timmten Zeitraum als ihr “Lieblingslied” benan­nt haben. Über die Aus­sagekraft dieser Sta­tis­tik habe ich oben schon manch­es geschrieben, und ein Blick in die dieswöchi­gen kumu­la­tiv­en Lieblingslis­ten (“Hit­pa­raden”) gäbe mir wahrschein­lich Recht; obwohl ich überzeugt davon bin, dass ich nicht ein­mal die Hälfte der “Musik­er”, die derzeit die so genan­nten “Top-20” befüllen, namentlich kenne, so wer­den sie doch als wichtige (“rel­e­vante”) “Kün­stler” betra­chtet, weil ihre Plat­ten­fir­ma viel Geld in Wer­bung steckt in der Hoff­nung, noch mehr Geld wieder her­auszubekom­men. (Im Nach­hinein betra­chtet wirkt es da wie ein Hohn, dass Musik­grup­pen wie Gen­tle Giant und The Vel­vet Under­ground, die heute als Weg weisende Insti­tu­tio­nen ver­standen wer­den, sich einst gezwun­gen sahen, sich mit oft nur mäßigem Erfolg dem main­stream unterzuord­nen, um ihr finanzielles Über­leben zu sich­ern. Man hielt sie nicht für “rel­e­vant” genug.)

Zwar habe ich Lieblingsmusik­er, wie ich auch Lieblingsautoren habe, und ich habe Lieblingsal­ben, wie ich auch Lieblings­büch­er habe, aber wer würde mich nach meinem Lieblingssatz aus einem Buch fra­gen? “Wenn du nur fünf Sätze auf eine ein­same Insel mit­nehmen dürftest, welche Sätze wären das?”

Ander­er­seits fällt mir auch ger­ade nie­mand ein, der so grausam wäre, Men­schen mit nur fünf Liedern auf ein­er ein­samen Insel auszuset­zen.
Na gut, Steve Jobs vielle­icht.

Internes
In eigener Sache: Behutsame Umgestaltung

Liebe Leser, die ihr nicht mit einem mobilen Brows­er hier herum­surft und somit in den Genuss des blauen Themes kommt,

wie ihr vielle­icht schon bemerkt habt, bas­tle ich ger­ade ein wenig an den Grafiken. Das hat­te ich schon länger geplant, war doch das Pen­rose-Dreieck des alten Logos ein wenig blass und ver­pix­elt, und nun habe ich, angeregt von Thomas’ eben­solchem Tun, die Muße gefun­den, mit­tels Bild­bear­beitung und eini­gen CSS-Spiel­ereien ein neues zu basteln, das mod­ern­er, kom­pak­ter und weniger stüm­per­haft aussieht ausse­hen soll, und die Seite selb­st behut­sam an das neue Logo angepasst. In ein­er kurzen Umfrage mein­er­seits hat sich aus drei grundle­gen­den Logokonzepten das nun einge­baute als das bevorzugte ergeben.

Den Zwis­chen­stand mein­er Basteleien seht ihr ja oben; er ist jedoch noch nicht endgültig.
Kon­struk­tive Kri­tik in Form von (möglichst begrün­de­ten) Änderungsvorschlä­gen ist selb­stver­ständlich erwün­scht, am besten direkt hier drunter. Ein direk­ter Ver­gle­ich fol­gt:

Vorher:

Nach­her:

Ich werde dieser Tage voraus­sichtlich noch ein paar kleine Änderun­gen vornehmen und hoffe, sie stoßen nicht auf allzu viel Ablehnung.
Bis dahin danke ich erst ein­mal für die Aufmerk­samkeit.

Musikkritik
The Decemberists: R.E.M. in anders

Nur mal so als Beispiel für eine Band, die zwar mich dur­chaus ansprechende Klänge her­vorzubrin­gen ver­mag, aber dieses Niveau bis­lang noch kein ganzes Album lang hal­ten kon­nte, weshalb sie die anste­hende Hal­b­jahres­liste nur als Zuschauer bewun­dern darf, erwähne ich hier und jet­zt aus heit­erem Him­mel mal die von Peter durch­weg geschätzten The Decem­berists mit­samt ihrem diesjähri­gen Album “The King Is Dead”.

Col­in Meloy klingt Michael Stipe nicht unähn­lich, der Duettge­sang erin­nert mich daran, dass ich mal wieder Belle & Sebas­t­ian hören kön­nte, und auf dem Rest des Albums lassen sich Bob Dylan und Värt­tinä erah­nen. Die Texte, obwohl bei Weit­em weniger wortre­ich als die des Her­rn Dylan, sind der­maßen tief­sin­nig und angere­ichert mit Metaphorik, dass wir Textfre­unde voll auf unsere Kosten kom­men.

Und wären auch melodisch über­ra­gende Stücke wie “Down by the Water” und “Rox in the Box” nicht die Aus­nahme auf diesem anson­sten eher beschaulichen Album, es hätte meine Empfehlung sich­er. Schade eigentlich.

NerdkramsPersönlichesNetzfundstückeIn den NachrichtenFotografie
“Leave me in the clouds.”

Ich gebe zu, ich bin mitunter nicht immer kon­se­quent in dem, was ich schreibe und ander­er­seits tue. So lehne ich zum Beispiel Dien­ste von Unternehmen, deren Geschäftsmod­ell auf der Ver­w­er­tung von Benutzer­dat­en basiert, ab, kann mich den­noch den Seg­nun­gen der Dig­i­tal­isierung nicht immer entziehen. Ich bin in der Cloud.

Beim Kauf meines mobilen Büros hat­te ich nicht gedacht, dass es einen nach­halti­gen Ein­fluss auf mein Leben und vor allem mein Sicher­heit­skonzept haben würde. Natür­lich ver­wen­dete ich schon eine Zeit­lang Drop­box, um etwa unfer­tige Pro­jek­te und Dateien für das Studi­um zu sich­ern und bei Bedarf auch unter­wegs zur Hand zu haben, darüber hin­aus nutzte ich, da ich auf mehreren Com­put­ern die weit­ge­hend gle­ichen Leseze­ichen und Pass­wörter ver­wende, Xmarks (mit­tler­weile Fire­fox Sync) und Last­Pass zur Syn­chro­ni­sa­tion. Dass im Fall ein­er Kom­pro­mit­tierung meine Leseze­ichen und/oder der aktuelle Entwick­lungs­stand von TinyTo­do in die Hände Drit­ter fall­en kön­nten, hat mich dabei nie erschaud­ern lassen, und meine Pass­wörter sind auf den Last­Pass-Servern nicht unsicher­er als in meinem Kopf. (Siehe weit­er unten.)

Mit Android hiel­ten auch Ever­note und wun­derlist Einzug in meine Organ­i­sa­tion. Nutzte ich zuvor KeyNote-NF, die Notiz­funk­tion von ac’­ti­vAid und mitunter Text­dateien, um Noti­zen und zu erledi­gende Auf­gaben nicht zu vergessen, trage ich all dies nun qua­si ständig mit mir herum. (Anzumerken sei, dass KeyNote-NF für einige Noti­zen allzu pri­vater Natur noch immer mein Pro­gramm der Wahl ist; die Daten­bank­datei sichere ich selb­stver­ständlich regelmäßig.) Es gibt nur wenig Ärg­er­licheres als eine gute Idee zu haben und sie wieder vergessen zu haben, bevor man wieder am Lap­top sitzt, und das passiert mir lei­der nur allzu häu­fig. Das ist ein­er der Gründe, wieso ich nur sel­ten ohne Notizbuch aus dem Haus gehe.

Der eigentliche Aus­lös­er für diesen Beitrag war übri­gens die Mel­dung, dass bei Last­Pass auf den Servern Unregelmäßigkeit­en fest­gestellt wur­den. Sofort unk­ten die Skep­tik­er, es sei selb­st schuld, wer seine Pass­wörter einem exter­nen Dienst anver­traue, ungeachtet dessen, dass die gegebe­nen­falls “erhack­ten” Pass­wörter ver­schlüs­selt sind und nur mit ein­er geziel­ten Wörter­buchat­tacke les­bar gemacht wer­den kön­nen; und wer ein Pass­wort ver­wen­det, das im Wörter­buch ste­ht, hat, diese Bemerkung sei ges­tat­tet, einen Knall und es eigentlich auch nicht bess­er ver­di­ent.

Man möge mich kri­tisieren für den Leichtsinn, auch nur irgen­det­was auf Servern abzule­gen, die mir nicht gehören; man sollte aber, bevor man mich nun ver­wün­scht, ein­mal über das eigene Tun nach­denken. Men­schen stellen intime Details, oft bebildert, von sich selb­st bei Face­book (ist ja “nur für Fre­unde” sicht­bar, von wegen!), MySpace oder *VZ online, sie bear­beit­en bere­itwillig sen­si­ble Fir­men­doku­mente auf Google Text & Tabellen und schick­en sie dann via Google Mail oder, schlim­mer noch, Skype durch die Gegend, ohne sich auch nur ansatzweise im Klaren über die Gefahren geschlossen­er Sys­teme kom­merzieller Anbi­eter im Klaren zu sein. Wer ständig Äng­ste schürt, sollte zumin­d­est selb­st ein wenig Vor­sicht wal­ten lassen.


(Nur mal rein inter­esse­hal­ber gefragt: “Ein­mal zahlen, ewig nutzen” ist zwar ein dur­chaus lobenswertes Konzept, aber ist es noch sin­nvoll, wenn der Preis alljährlich fäl­lig wird?)

Sonstiges
Nur für offizielle Vampire.

Ich schlen­derte wieder ein­mal durch die Buch­hand­lung im Bahn­hof, suchte nach Kurzweil und wurde fündig:

Dieser Twi­light-Wahn zieht offen­bar weite Kreise.

Eins machte mich dann aber doch stutzig, näm­lich der Unter­ti­tel: “Das offizielle Mag­a­zin für Vam­pire und Wer­wölfe”. Jet­zt mal ganz von der Frage abge­se­hen, wie viele Vam­pire und Wer­wölfe sich tagsüber (inner­halb der Ladenöff­nungszeit­en) in Bahn­höfen aufzuhal­ten pfle­gen: Das offizielle Mag­a­zin? Heißt das, es gibt noch mehr davon? Und vor allem: Was qual­i­fiziert “The Vam­pires” — ohne Beisatz “and the Were­wolves” — eigentlich als “offizielles Mag­a­zin”?

Vor meinem geisti­gen Auge sehe ich eine Horde blutrün­stiger und/oder glitzern­der Vam­pire mit jew­eils ein­er Zeitschrift in der Hand. Ein Neuankömm­ling stellt sich vor:

“Hallo/groar/buh, ich bin ein Vam­pir!”
— “Liest du denn The Vam­pires?”
— “Ähm, nee..?”
— “Dann bist du kein offizieller Vam­pir!”

Ich stelle mir das mit dem ewigen Leben und der ein­töni­gen Ernährung aber auch nicht allzu aufre­gend vor.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt XLIII: Auf sie mit Gebräu!

Neues von der Coca-Cola-Front:

Das einst von John S. Pem­ber­ton gemixte Gebräu gegen Kopf­schmerz, Müdigkeit und Frauen­lei­den, das [am 6. Mai] vor genau 125 Jahren erst­mals über die Laden­theke ging, avancierte im Zweit­en Weltkrieg zum Sym­bol der amerikanis­chen Heimat par excel­lence.

Wäre heute nicht Mut­tertag und ich somit moralisch zu ein wenig Zurück­hal­tung verpflichtet, schriebe ich jet­zt zum Beispiel, dass das beste “Gebräu gegen Frauen­lei­den” noch immer aus Tschechien kommt; denn wer unter Frauen lei­det, für den ist seliger Bierkon­sum noch immer ein pro­bates Mit­tel.

Allerd­ings hat sich in den let­zten 125 Jahren die beab­sichtigte Wirkung von Coca-Cola in den Augen der Weltöf­fentlichkeit gewan­delt. Als Medi­z­in­pro­dukt wird sie — wohl auch auf­grund des mit­tler­weile fehlen­den Koka-Gehalts — nicht mehr ange­priesen, und schon im 2. Weltkrieg war ihr Genuss stattdessen ein ger­adezu hero­is­ch­er Akt:

“Wenn uns jemand fragte, wofür wir kämpfen, würde ver­mut­lich die Hälfte von uns antworten, für das Recht, wieder Coca-Cola zu trinken”, schrieb ein­er der GIs von den Trüm­mer­feldern nach Hause (…).

Dass den US-Amerikan­ern kein Grund zu blöd ist, Krieg spie­len zu dür­fen, ist ja bekan­nt. (Insofern kommt es ihnen ganz gele­gen, dass al-Qai­da die Ermor­dung Osama bin Ladens nicht gutheißen kann, denn so ist der Fortbe­stand der Kriegs­gründe vor­erst gewährleis­tet. Arschlöch­er.) Die optis­che Ähn­lichkeit von Coca-Cola und Erdöl lässt mich übri­gens ger­ade über etwaige Zusam­men­hänge sin­nieren.

“Wir kämpfen für das Recht, wieder Coca-Cola zu trinken”; sehr schön, das hat was von “wir kämpfen für die Frei­heit Deutsch­lands am Hin­dukusch”, ist genau so bek­loppt, denn, immer­hin:

Dem US-Colonel Robert L. Scott wiederum half der Gedanke an “Ameri­ka, Demokratie und Coca-Cola”, seinen “ersten Japsen abzuschießen”, wie er seinem Best­seller “Gott ist mein Co-Pilot” schrieb.

Ich grat­uliere bei der Gele­gen­heit dann übri­gens auch all den Deutschen, die Coca-Cola als “Teil des Amer­i­can way of life” preisen und allein deshalb für ein lobenswertes Getränk hal­ten, zu ihrem sor­glosen Welt­bild. Zucker­brause als Aus­druck eines Lebensstils? Das mag ein Lebensstil sein, der sich außer­halb mein­er Wahrnehmung abspielt.

Beängsti­gend fände ich dann übri­gens auch dies, predigte ich es nicht schon seit Jahren:

“Coca-Cola” avancierte, gemein­sam mit “o.k.”, zur bekan­ntesten Vok­a­bel der Welt, über­all leck­ten sich die Men­schen, Sieger eben­so wie Besiegte, die Fin­ger danach.

Das Leben der Deutschen wird auch heute noch wesentlich davon bes­timmt, dass sie 1944 und 1945 von den US-Amerikan­ern bom­bardiert, besiegt und for­t­an unter­jocht wor­den waren. Keines­falls möchte ich hier den Siegeszug der Rock­musik kri­tisieren, ging doch ihre Rev­o­lu­tion stets von Großbri­tan­nien aus, aber der Sprach- und Kul­turver­fall her­anwach­sender Gen­er­a­tio­nen deckt sich mit der Entwick­lung der US-amerikanis­chen Jugend. (In Film­form empfehle ich zum Beispiel die Komödie “Matil­da”, deren Haupt­darstel­lerin in ein­er typ­isch amerikanis­chen Fam­i­lie aufwächst, ohne Cola zwar, gle­ich­falls aber ohne Kul­tur.)

“Sprache entwick­elt sich halt weit­er”, ich mein­er­seits verbinde mit Weit­er­en­twick­lung aber Fortschritt und nicht Liq­ui­da­tion.

Den­noch, um zum The­ma zurück­zukehren, halte ich das Schüren von Vorurteilen gegen Coca-Cola für deut­lich über­zo­gen:

In Ital­ien ver­bre­it­eten anti­amerikanis­che Genossen, dass der Cola-Kon­sum über Nacht die Haare schlo­hweiß wer­den lässt, in Japan wiederum kur­sierte das Gerücht, Cola würde die Frauen unfrucht­bar machen. Und während ein mus­lim­is­ch­er Dem­a­goge in Ägypten aus Wut über die Unter­stützung Israels durch die USA die The­o­rie auf­stellte, Cola sei aus Schweineblut gebraut, beschimpfte Mao das Prick­el­wass­er gar als “Opi­um für die Rennhunde des revan­chis­tis­chen Kap­i­tal­is­mus”.

Deutsche Eltern haben ähn­liche Ideen: Als Kind wurde mir gesagt, von Cola bekäme ich schwarze Füße. Wie viel Cola ich dafür trinken muss, wurde allerd­ings nicht erläutert, bis jet­zt hat es nur für schwarze Nägel genügt. Aber wie das mit Kindern so ist, machte Cola­trinken dann erst recht Spaß, der Geschmack war beina­he schon Neben­sache. “Ich nehm Cola, weil Mama das ger­ade nicht sieht.”

Nun ist das alles schon ein paar Jahre her, und aller Nachkriegsre­vues zum Trotz hat es sich gezeigt, dass die Welt­macht Coca-Cola nicht unange­focht­en in ein­er Monopol­stel­lung ver­har­rt, son­dern sich zahlre­ich­er Konkur­renz erfreuen kann. Konkur­renz belebt bekan­ntlich den Markt.

Darauf erhebe ich ein Konkur­ren­zpro­dukt!

(Danke an C.)

Nerdkrams
iMacros: Firefox automatisieren

Manch­mal gibt es beim täglichen Inter­net­guck­en mit Fire­fox Sit­u­a­tio­nen, die sich immer wieder wieder­holen, etwa der tägliche Besuch der Lieblings-Nachricht­en­seit­en.

Eine ein­fache Lösung hier­für ist es, die Arbeit kom­plett dem Sitzungs­man­ag­er zu über­lassen, die jew­eili­gen Seit­en also gar nicht erst zu schließen. Alter­na­tiv kön­nte man, wie ich es selb­st bis vor kurzem tat, Erweiterun­gen wie Morn­ing Cof­fee ver­wen­den, aber sie lassen es meist an Über­sichtlichkeit und Flex­i­bil­ität man­geln. Morn­ing Cof­fee litt außer­dem bis Feb­ru­ar unter Ver­nach­läs­si­gung seit­ens des Entwick­lers, in aktuellen Ver­sio­nen von Fire­fox war die Erweiterung nur noch sehr eingeschränkt nutzbar.

Eine mögliche Alter­na­tive ist iMacros.

Wie es der Name schon andeutet, rüstet iMacros Makro­funk­tion­al­ität im Brows­er nach, es lassen sich also beliebige Aktio­nen aufze­ich­nen und jed­erzeit wieder­holen. Hier­für kann man zum Einen den “Aufzeichnen”-Knopf in der iMacros-Seit­en­leiste ver­wen­den, zum Anderen ste­ht dem Anwen­der eine mächtige Skript­sprache zur Ver­fü­gung, die den­noch leicht zu ver­ste­hen ist.

Nehmen wir an, wir wür­den iMacros gern nutzen, um per ein­fachem Klick welt.de, spiegel.de und zeit.de aufrufen zu kön­nen. Das ist nicht allzu schwierig:

Nach der Instal­la­tion der Erweiterung und dem oblig­a­torischen Browserneustart ist zunächst die iMacros-Seit­en­leiste zu öff­nen, die über das iMacros-Sym­bol erre­ich­bar ist, das sich nor­maler­weise bere­its in der Sym­bol­leiste ein­genis­tet hat, aber auch nachträglich dort einge­fügt wer­den kann (Recht­sklick — “Anpassen…”):

Die Liste an Beispiel­makros kann gern ignori­ert oder gelöscht wer­den, sie ist für unser Tun nicht von Belang. Nun näm­lich ist unter “Rec” auf “Aufnehmen” zu klick­en. Jed­er weit­ere Schritt ist Teil des Makros. Nun ein­fach die gewün­scht­en Schritte aus­führen, anschließend auf “Stop” klick­en und das Ergeb­nis unter einem beliebi­gen Namen, etwa “MORNING COFFEE”, spe­ich­ern. (Alle Makros wer­den als Dateien gesichert, sie lassen sich also später auch auf andere Geräte portieren.) Per Recht­sklick auf das neue Makro und Auswahl von “Add to book­mark” — ja, iMacros ist mitunter etwas unvoll­ständig über­set­zt — kann das neue Makro auch in die Leseze­ichen­leiste gelegt wer­den, auf Wun­sch gar mit seinem kom­plet­ten Code, was etwa auf portablen Daten­trägern sich­er sehr vorteil­haft ist.

Für meine eher an grauer The­o­rie inter­essierten wie auch meine pro­gram­mier­begeis­terten Leser ist der Code so eines Makros vielle­icht inter­es­san­ter als die Möglichkeit, es zu benutzen, selb­st. Der funk­tions­fähige Code für ein Makro, das die im Beispiel gewün­scht­en Schritte durch­führt, sieht etwa so aus; ich habe zum besseren Ver­ständ­nis Kom­mentare einge­fügt:

' Öffne neuen Tab
TAB OPEN
' Wähle diesen Tab als aktiven Tab aus
TAB T=1
' Wechsle im aktiven Tab zu SPIEGEL Online
URL GOTO=http://www.spiegel.de

' Mach das noch zweimal:
TAB OPEN
TAB T=2
URL GOTO=http://www.welt.de
TAB OPEN
TAB T=3
URL GOTO=http://www.zeit.de

Tab­num­mern sind in iMacros, wie man sieht, immer rel­a­tiv. Lässt man etwa das erste TAB OPEN weg, so wird im ger­ade aktiv­en Tab spiegel.de aufgerufen, egal, an welch­er Stelle dieser ste­ht. Dies ist sel­ten gewün­scht.

Vielle­icht fällt bei der Befol­gung obiger Schritte auf, dass iMacros stan­dard­mäßig eine Minute wartet, bis die jew­eilige Seite fer­tig geladen ist. Bei Seit­e­naus­fällen endet das Makro, wenn die Seite nach 60 Sekun­den nicht geladen wurde, vorzeit­ig. Um das zu ver­hin­dern, kann man das Makro etwas fehler­re­sisten­ter machen, indem man die Wartezeit auf zum Beispiel 10 Sekun­den her­ab­set­zt und den Abbruch bei Lade­fehlern unterbindet. Der voll­ständi­ge Code sieht dann so aus:

SET !TIMEOUT_PAGE 10
SET !ERRORIGNORE YES
TAB OPEN
TAB T=1
URL GOTO=http://www.spiegel.de
TAB OPEN
TAB T=2
URL GOTO=http://www.welt.de
TAB OPEN
TAB T=3
URL GOTO=http://www.zeit.de

Die bei­den SET-Anweisun­gen gel­ten übri­gens so lange, bis man sie wieder zurück­n­immt. Dies ist an jed­er Stelle im Makro möglich.

Mit iMacros ist vieles mehr umset­zbar, vom Aus­füllen eines For­mu­la­rs bis hin zu kom­plex­en Web­seit­en­tests. Natür­lich hat der Funk­tion­sum­fang auch seinen Preis, denn so ein­fach wie etwa das ein­gangs erwäh­nte “Morn­ing Cof­fee” ist iMacros nicht immer zu bedi­enen. Die gebotene Flex­i­bil­ität aber ist eben­so wie die Mächtigkeit der Erweiterung ein Argu­ment, iMacros zumin­d­est ein­mal auszupro­bieren.

iMacros gibt es übri­gens auch für den Inter­net Explor­er. Aber lohnt sich das?

Sonstiges
Galaxy Network

Liebe Leser,

heute wende ich mich mit einem etwas ungewöhn­lichen Sujet an euch, näm­lich mit einem Online­spiel, genauer: mit einem Browser­spiel. Browser­spiele ken­n­ta, ken­n­ta, ihr öffnet den Web­brows­er eur­er Wahl und gebt auf ein­er Web­seite irgendwelche Zahlen ein, damit irgendwelche anderen Zahlen steigen; unge­fähr so aufre­gend wie Minecraft, aber mit men­schlichen Geg­n­ern.

Das Spiel, um das es mir hier geht, heißt Galaxy Net­work.

Wie der Name schon andeutet, han­delt Galaxy Net­work von Kämpfen im Weltall. Die Geschichte, die dahin­ter ste­ht, ist der von Spie­len wie Plan­e­tar­i­on und OGame nicht unähn­lich: Der Spiel­er besitzt zu Beginn einen fast kahlen Plan­eten und ein paar — wie viele, weiß nie­mand — Bürg­er, die für ihn Gebäude bauen und Tech­nolo­gien erforschen. Diese Gebäude und Tech­nolo­gien kann der Spiel­er for­t­an nutzen, um mit großen, bewaffneten Raum­schif­f­en durch die Gegend zu fliegen und anderen Plan­eten (lies: Spiel­ern), vere­in­facht gesagt, Ressourcen im Form von so genan­nten “Extrak­toren” zu klauen. Sieger ist, wer nach etwa hun­dert Tagen seine Geg­n­er am aller­fieses­ten zusam­menge­ballert hat. Sadis­ten dür­fen sich während der Kampfhand­lun­gen gern vorstellen, wie die Geg­n­er tot aus ihren Raum­schif­f­en fall­en. Wie viele Per­so­n­en an Bord eines Raum­schiffes sind, erk­lärt das Hand­buch zu ihrem Glück en detail. Galaxy Net­work ist also so eine Art Afghanistanein­satz in groß, oder, wie es ein ander­er Spiel­er aus­drück­te:

“Flotte aus­bauen, den näch­sten Geg­n­er aus dem Uni­ver­sum fegen und die Runde gewin­nen.”

Nach der Anmel­dung begin­nt aber erst ein­mal die Forschungsphase, in der man 20 Gebäude bauen und 30 Tech­nolo­gien erforschen kann, um die Wirtschaft auf seinem Plan­eten in Gang zu brin­gen, Infor­ma­tio­nen zu beschaf­fen und Raum­schiffe sowie Vertei­di­gungsan­la­gen bauen zu kön­nen. Let­ztere müssen eben­falls erforscht wer­den, hier ste­hen ins­ge­samt 9 Schiff­stypen sowie 5 Ein­heit­en zur orbital­en Vertei­di­gung zur Wahl. Eine Beson­der­heit hier­bei ist, dass man ein Gebäude nur ein­mal baut und darüber hin­aus nicht weit­er aufrüsten kann oder muss, zusät­zlich gibt es im Tech­nolo­giebaum zwei Gabelun­gen, an denen der Spiel­er sich für eine offen­sive oder defen­sive Spiel­weise entschei­den muss.

Man ist auch nicht auf sich allein gestellt beim Kampf “alle gegen alle”, denn man organ­isiert sich in Allianzen, Galax­ien und Bünd­niskreisen. Die Kom­mu­nika­tion in Galaxy Net­work erfol­gt zu einem nen­nenswerten Teil im IRC, also im chat, und kann auch schon mal zu schlaflosen Nächt­en voller geistre­ich­er, wahlweise auch schlichtweg bek­loppter Diskus­sio­nen führen. Der soziale Aspekt, den aus­gerech­net ein Browser­spiel also fördert, zieht mitunter weite Kreise: Man munkelt, durch dieses Spiel sei schon so manche Ehe ent­standen und/oder zer­brochen. Zumin­d­est aber eignet es sich dazu, langjährige Fre­und­schaften zu knüpfen oder auch ein­fach mal abzuschal­ten.

Die Forschungsphase dauert etwa sieben bis zehn Tage, bis die ersten Flot­ten­be­we­gun­gen möglich sind. Ab diesem Zeit­punkt tritt der Team­fak­tor des Spiels in den Vorder­grund, indem man mit seinen Mit­spiel­ern zusam­men Geg­n­er attack­iert, deren Angriffe abwehrt oder mit ihnen Han­del treibt. Über­haupt ste­ht bei Galaxy Net­work, anders als etwa bei OGame, die com­mu­ni­ty ganz oben auf der Pri­or­itäten­liste. Spielt man als Solist, so wird man schnell merken, dass man bloßes Kanonen­fut­ter ist, wenn man nicht geschickt seine Vertei­di­gung aufrüstet.

Zwar ist das aus­gereifte Kampf­sys­tem, von Anfang an eine der her­aus­ra­gen­den Stärken des Spiels, auf den ersten Blick ziem­lich unüber­sichtlich, aber je länger man spielt, desto bess­er ver­ste­ht man, welche Schiff­stypen für welchen Zweck am besten geeignet sind. Unnötig ist es da zu erwäh­nen, dass es mit­tler­weile elek­tro­n­is­che Hil­f­s­mit­tel gibt, die die von eini­gen — meist neuen — Spiel­ern als lästig emp­fun­dene Rech­nerei qua­si über­flüs­sig machen.

Die erste Runde von Galaxy Net­work begann im Jahr 2001, einige der etwa 2.000 Spiel­er sind also schon seit fast zehn Jahren dabei. Obwohl die bei­den Grün­der, “Hiob” und “evuel”, das Spiel vor sechs Jahren an die Spielek­l­itsche Big­point ver­scher­belt haben, ist der Com­mu­ni­tygedanke doch unverän­dert aktiv. Galaxy Net­work ist das, was seine Spiel­er sind. Es geht längst nicht mehr darum, die Nächte vor dem Bild­schirm zu ver­brin­gen, um irgendwelche Zahlen in ein­er Daten­bank zu ver­größern, es geht darum, gemein­sam etwas zu bewe­gen.

Wer würde da zögern?

PolitikNetzfundstückeKaufbefehle
Der Gott aus der Maschine

Es gehört zum Wesen neuer Bahn brechen­der Erfind­un­gen, erst ver­lacht, dann von den Vertretern etabliert­er Tech­niken für grund­böse Hex­erei erk­lärt zu wer­den und schließlich, oft erst Jahrzehnte später, auch diese Skep­tik­er zu überzeu­gen.

In welchem dieser Zustände sich gegen­wär­tig das Inter­net befind­et, ist unklar. Die Mei­n­un­gen schwanken zwar, aber auch diejeni­gen, die nicht auf der Seite der Geg­n­er ste­hen, wis­sen: Das Inter­net ist böse. Es tum­meln sich dort Großkonz­erne neben Casi­no­be­trügern, deren gemein­sames Ziel das schnelle Geld ist, Rück­sicht gibt’s nicht vor Laden­schluss. Die Möglichkeit, dass sich jed­er frei äußert, liefert Zünd­stoff für Bürg­erkriege. Plat­tfor­men wie Wik­ileaks gefährden das Beste­hen der west­lichen Welt. Nicht zu vergessen sind all die Kinder­schän­der, Raub­mord­kopier­er und Ter­ror­is­ten. Hab ich schon Kinder­schän­der gesagt? Eins immer­hin wis­sen wir: Osama bin Laden war nicht im Inter­net.

Diese schon oft gehörte Aufzäh­lung ist natür­lich ziem­lich ein­seit­ig und somit frag­würdig. Auf der anderen Seite aber, dort, wo die neti­zens wohnen, sieht es auch nicht bess­er aus:

Die Zukun­ft läge in der Ver­net­zung, sagen sie, und es wäre gle­ich­sam ein rev­o­lu­tionär­er Akt, zu twit­tern und zu googeln und zu flät­tern und zu face­booken, hin­weg über alle Gren­zen und an der ungeliebten Regierung vor­bei. “Wir gegen die”, die da draußen und wir hier drin oder auch ander­sherum. Wir haben alle Infor­ma­tio­nen in unseren Hän­den, offline war gestern, heute ist das neue über­mor­gen. Da muss man halt auch schon mal ein paar Kom­pro­misse einge­hen, aber es wird ja nie­mand gezwun­gen, sich Fre­unde zu suchen, die Unternehmen, deren Geschäfts­grund­lage der Verkauf von Dat­en ist, nur allzu gern Auskun­ft über die eigene Per­son geben. Kol­lat­er­alschä­den im Ver­gle­ich zu all den neuen Möglichkeit­en. Wir sind das Inter­net ist wir sind die Dig­i­tale Gesellschaft sind die anderen. Irgendw­er nan­nte das mal Infor­ma­tion­skrieg. Blöder­weise bin ich Paz­i­fist.

Machine, machine mes­si­ah;
the mind­less search for a high­er con­troller…”

— Yes: Machine Mes­si­ah

Eins aber möchte ich dann doch noch loswer­den, bevor die Jahrzehnte vorüber sind:
Ein Staat, der ständig die Kon­fronta­tion den Dia­log mit der “dig­i­tal­en Elite” zu suchen vorgibt, dessen Regierung pod­castet und twit­tert, was das Zeug hält, und der somit das Inter­net begin­nt als Mit­tel zur Selb­stver­mark­tung zu ent­deck­en, mag sich noch so pro­gres­siv vorkom­men; so lange aber eine E‑Mail nicht für recht­skräftige Doku­mente taugt, ist die Schaum­schlägerei ver­tane Zeit.

PolitikIn den Nachrichten
Endlich Mord!

Apro­pos Zivil­i­sa­tion:

Es ist schon selt­sam, wie man sich doch in Men­schen täuschen kann. Eigentlich war ich bis­lang nicht von der Mei­n­ung abzubrin­gen, mein sorgfältig aus­gewählter Bekan­ntenkreis beste­he auss­chließlich aus wenig­stens über­wiegend zivil­isierten Phil­an­thropen mit vere­inzel­tem Hang zum Zynis­mus.

Mit bloßem Zynis­mus aber ist es nicht mehr zu erk­lären, dass zum Beispiel der anson­sten in Recht und Unrecht vorge­blich bewan­derte Didi den sys­tem­a­tis­chen Mord an Sek­ten­führern (“Gerechtigkeit”, Barack Oba­ma, c/o “SPIEGEL Online”) als “Feier des Tages” beze­ich­net.

Ander­er­seits ist er da in “guter” Gesellschaft:

Außen­min­is­ter Gui­do West­er­welle (FDP) hat die Tötung des Al-Kai­da-Chefs Osama bin Laden in Pak­istan begrüßt.

“Hal­lo, Tötung! Wie geht’s?”

“Dass diesem Ter­ror­is­ten sein blutiges Handw­erk gelegt wer­den kon­nte, ist eine gute Nachricht für alle fried­lieben­den und frei­heitlich denk­enden Men­schen in der Welt”, sagte West­er­welle am Mon­tag in Berlin.

Da freuen sich alle fried­lieben­den und frei­heitlich denk­enden Men­schen in der Welt aber, dass die Stre­itkräfte der Vere­inigten Staat­en wieder einen fiesen Ter­ror­is­ten gemeuchelt haben. Aber er hat es ja ver­di­ent, denn:

Bin Laden sei ein­er der “bru­tal­sten Ter­ror­is­ten der Welt” gewe­sen, der das Leben von mehreren tausend Men­schen auf dem Gewis­sen habe.

Wir fol­gern: Das kranke Welt­bild der “west­lichen Demokratie” besagt, dass es eine angemessene Reak­tion auf tausend­fachen Mord ist, den­jeni­gen, der für den Mord ver­ant­wortlich ist, mit­samt seinen Ver­bün­de­ten und not­falls dem gesamten zivilen Volk in des Ver­ant­wortlichen Heimat­land niederzus­treck­en.

Soll ich jet­zt kurz zählen, wie viele tausend Men­schen auf­grund des Befehls der Her­ren Bush Jr. und Oba­ma bere­its ihr Leben lassen mussten? Und was bedeutet das eigentlich im Umkehrschluss? Nur so als Hypothese, ver­ste­ht sich.

Aber es ist pri­ma, dass Oba­ma Osama bin Laden nun ange­blich tot ist, denn ich bin davon überzeugt, dass sich alle bösen Men­schen jet­zt ganz dolle fürcht­en und es nie wieder Krieg geben wird. Ganz ehrlich.