WirtschaftIn den Nachrichten
Schlimme Folgen

Oh, stimmt, in Griechen­land war ja auch was, das wurde vor lauter Por­tu­gal beina­he vergessen. Aber die BILD kann noch so sehr herumtö­nen, direkt “pleite” sind die Griechen ja anscheinend nicht:

Er warnt vor schlim­men Fol­gen: Der griechis­che Finanzmin­is­ter Papa­con­stan­ti­nou rech­net mit ein­er Katas­tro­phe für die Wirtschaft seines Lan­des, sollte Griechen­land keine weit­eren Kred­ite mehr bekom­men. Deutsch­land hat­te dem Staat mit einem Zahlungsstopp gedro­ht. (…) Die Folge wäre ein “sehr heftiges und schnelles Schrumpfen” der griechis­chen Wirtschaft, (…).

Jet­zt mal langsam zum Mit­denken für mich in Sachen Wirtschaft eher unb­eleck­ten Zeitgenossen:
Die griechis­che Wirtschaft wird “schrumpfen” wie der Bedarf an Eulen in Athen, wenn die anderen Län­der ihre Zahlun­gen ein­stellen, zu denen sie sich nur deshalb über­haupt entschlossen haben, weil die griechis­che Wirtschaft schrumpfte?

Die “schlim­men Fol­gen” sind abse­hbar: Auf­grund der dann wiederum gesunke­nen Kaufkraft des Staates Griechen­land wird er die übri­gen Mit­gliedsstaat­en der “Währung­sunion” — mit Dack­el­blick, ver­ste­ht sich — um einen kleinen Kred­it (“Nothil­fe”) bit­ten, natür­lich nur, bis sich die Wirtschaft wieder erholt hat …:

Inzwis­chen mehren sich Speku­la­tio­nen, dass Griechen­land trotz­dem ab 2012 weit­ere Kred­ite benöti­gen kön­nte. Eine zweite Nothil­fe über rund 60 Mil­liar­den Euro kön­nte nötig sein.

Schon toll, so eine Währung­sunion.

Musik
Gentle Giant 1978: Nachtrag zur Inselmusik

Der Name “Gen­tle Giant” fiel hier schon des Öfteren, zulet­zt in meinem Beitrag über “Insel­musik”. Dabei erwäh­nte ich unter anderem auch bere­its, dass diese Musik­er gegen Ende ihrer Kar­riere beschlossen hat­ten, sich mehr an der damals ver­bre­it­eten Rock­musik als an der für anges­taubt gehal­te­nen “Barock’n’Roll”-Musik, wie es ein ital­ienis­ch­er Fernsehsender wenige Jahre zuvor nan­nte, zu ori­en­tieren. Entsprechend waren ihre Liveauftritte zwar ener­getis­ch­er (wom­öglich hek­tis­ch­er), darunter aber litt das Zusam­men­spiel in kom­plex­en Pas­sagen, immer­hin waren Gen­tle Giant dafür bekan­nt, mit einem großen Arse­nal an Musikin­stru­menten die Bühne zu betreten und diese (die Instru­mente, nicht die Bühne) oft mehrfach pro Lied zu wech­seln.

Dessen ungeachtet enthält das BBC-Konz­ert von 1978 ver­mut­lich eine der besten Livev­er­sio­nen des Stück­es “Free Hand” vom gle­ich­nami­gen Album:

Gen­tle Giant BBC 1978 — Free Hand

Schön, einen Mon­tag so begin­nen lassen zu kön­nen.
Ich wün­sche gute Unter­hal­tung.

PersönlichesFotografie
Mief (außerdem: Crappy chips)

Und als ich also im Rah­men ern­sthafter Vere­in­sar­beit den alljährlichen Flohmarkt mit sich örtlich anschließen­der Auto­mo­bi­lausstel­lung auf­suchte und dabei unter anderem einem Hund mit lack­ierten Fußnägeln begeg­nete, fragte ich mich zweier­lei:

  • Ist “i‑Miev” nicht ein denkbar blöder Name für ein doch vorge­blich schad­stof­farmes Auto­mo­bil? (Vgl. hierzu den — lustiger Zufall — Mit­subishi Pajero.)

  • Woraus genau beste­hen eigentlich Krap­penchips?

(Wenig­stens teil­weise richtig hat es ja da der Unbekan­nte gemacht, der im lokalen Super­markt den anste­hen­den Verkauf eines Mikro­fons, “wo man mit sin­gen kann”, annoncierte, gemacht. Lei­der war ich in Eile, ich hätte näm­lich wirk­lich sehr gern von dem Ange­bot Gebrauch gemacht, denn ich kann ange­blich nicht son­der­lich gut sin­gen. Und danach kaufe ich mir ein Tam­pon, denn damit kann ich reit­en und schwim­men und Rad fahren, sagt die Wer­bung.)

(Danke an D.!)

In den Nachrichten
Kurz verlinkt XLVII: Die SPD und andere Gurken

Gurken I:

Welt.de zum Ersten:

EHEC soll gefährlich­er sein als die Schweine­grippe.

Heißt das, dies­mal ist es echt gefährlich?


Gurken II:

Welt.de zum Zweit­en:

Erst­mals seit 1906 hat die SPD wieder weniger als 500.000 Mit­glieder. Parte­ichef Sig­mar Gabriel räumt ein, die Partei sei “nicht mehr so nah an den Men­schen”.

Nicht mehr “so nah” an den Men­schen. Gut gesagt.


Gurken III:

Wer jet­zt nach dem Zitat oben verse­hentlich glaubte, Sig­mar Gabriel sei nach Jahren mal wieder ein SPD-Vor­sitzen­der, der ver­standen hat, warum die SPD nie­mand mehr braucht, der hat sich geir­rt.

SPIEGEL Online näm­lich:

Laut Parte­ichef Gabriel liegt der Mit­glieder­schwund nicht an den Inhal­ten, son­dern am demografis­chen Wan­del. (…) Es gebe (…) weit mehr Todes­fälle als Neuein­tritte.

Und so ein demografis­ch­er Wan­del, der weniger Neuein­tritte mit sich bringt, vol­lzieht sich bekan­ntlich von allein und hat natür­lich nichts mit irgendwelchen Inhal­ten zu tun. :mrgreen:

Nerdkrams
Internet Explorer 9: Kann man machen.

(Vorbe­merkung: Ich benutze seit Jahren beina­he auss­chließlich Mozil­la Fire­fox und sehe keinen trifti­gen Grund zum Umstieg.)

Im Dezem­ber 2006 schrieb ich über den Inter­net Explor­er 7, er sei, zumin­d­est gemessen an seinen direk­ten Vorgängern, “eine sehr brauch­bare Erfind­ung”.

Inzwis­chen hat Microsoft, wie üblich mehrere Jahre zu spät, dann wohl doch noch mit­bekom­men, dass sich das Inter­net nur sel­ten danach richtet, was ein einziger Konz­ern gern hätte, und mit dem Inter­net Explor­er 9 eine noch brauch­barere Erfind­ung vorgelegt; anders gesagt: Der Inter­net Explor­er 9 ist seit dem Ende des “Browserkriegs” der erste Inter­net Explor­er, den ich als zumin­d­est zum Teil konkur­ren­zfähig anse­hen würde.

(Zur Ori­en­tierung etwas Sta­tis­tik: Etwa ein Fün­f­tel der Besuch­er hier ist mit dem Inter­net Explor­er oder einem darauf basieren­den Brows­er, etwa Max­thon, unter­wegs.)

Die übliche Häme von Blog­gern wie Caschy war eigentlich abzuse­hen, let­z­tendlich dürfte es ohne­hin unmöglich sein, einen Brows­er zu nutzen, gegen den nie­mand etwas einzuwen­den hat, weniger egal sind allerd­ings Kom­mentare wie dieser hier von “Sputnik4182”:

Ich werde IE sowieso nicht nutzen auch wenn die mor­gen Ver­sion 25 raus­brin­gen.

Ich per­sön­lich finde als Web­mas­ter-Ama­teur schon allein ein und­ing, das Brwos­er (welche auch immer) sich nicht an die Vor­gaben der jew­eiliegen Kon­sor­tien hal­ten müssen.

(…)

Das ist doch aales Quatsch, das man als Web­de­sign­er 50 ver­schiedene Cracks in die pro­gram­mierung ein­bauen soll, das die Web­site später auch wirk­lich unter Win­dows 3.11 im IE 1 richtig dargestellt wird.

Der Anony­mus hat sich den Brows­er anscheinend nie ange­se­hen, was er auch selb­st freimütig zugibt, lässt es sich aber nicht nehmen, noch ein wenig sein­er prinzip­iellen Abnei­gung gegen den Inter­net Explor­er im All­ge­meinen wortre­ich Aus­druck zu ver­lei­hen.

Ja, wir web­work­er hat­ten während der ver­gan­genen Jahre viel Freude daran, unsere Web­seit­en so zu basteln, dass sie auf dem Bild­schirm möglichst weniger Leute schreck­lich falsch angezeigt wird. Das liegt natür­lich auch an der Ver­bre­itung des Inter­net Explor­er 6, der blöder­weise unter anderem in Behör­den noch immer nur sel­ten aus­gewech­selt wird, aber welch­er Brows­er hat es je anders gemacht?

Schon der Netscape Com­mu­ni­ca­tor (Jün­gere kön­nen sich ihn als eine Art Uralt-Sea­Mon­key vorstellen) hat­te ein paar Eige­nen­twick­lun­gen an Bord, etwa frame und das in den 90-er Jahren lei­der recht beliebte blink. Die Zeit­en sind vor­bei, sagt ihr, weil HTML5 ohne­hin alles stan­dar­d­isiert? Dann wün­sche ich viel Spaß beim Ver­such, zum Beispiel einge­bun­dene Videos in allen “großen” Browsern gle­icher­maßen anzuzeigen, denn das wird scheit­ern; unter anderem deshalb, weil Google — übri­gens auch so ein Konz­ern, der im Inter­net lieber die eige­nen Stan­dards statt der nervi­gen W3C-Vor­gaben nutzen würde — neben­bei noch ein eigenes Vide­o­for­mat (VP8, im Wesentlichen eine defek­te Alter­na­tive zum eben­falls freien Ogg The­o­ra) zu etablieren ver­sucht.

Was anson­sten HTML5, ECMAScript, CSS3 und ähn­liche etablierte Stan­dards bet­rifft, so hat der Inter­net Explor­er 9 deut­lich aufge­holt: Das Ergeb­nis des viel zitierten (und tra­di­tionell prax­is­fer­nen) Acid3-Tests liegt mit 95 von 100 Punk­ten nur wenig unter dem Fire­fox 4 (97 von 100 Punk­ten) und dürfte somit die Brows­er voriger Gen­er­a­tio­nen deut­lich übertr­e­f­fen.

Natür­lich befre­it all das nicht von der Last, für ältere, noch ver­bre­it­ete Brows­er, ins­beson­dere eben für den Inter­net Explor­er 6/7, hier und da “Browser­we­ichen” einzubauen, sofern man Wert darauf legt, dass auch Benutzer dieser Brows­er nicht vor ein­er irgend­wie kaputt ausse­hen­den Seite ste­hen und sich wun­dern. Daraus aber Vor­würfe an die Entwick­ler des Inter­net Explor­er 9 abzuleit­en ist fehlplatziert, denn dieses eine Mal scheinen sie die Zeichen der Zeit erkan­nt zu haben. Sog­ar die Verzah­nung mit Win­dows und ins­beson­dere der “Super­bar”, also dem Taskleis­ten­er­satz in Win­dows 7, bekommt endlich einen prak­tis­chen Nutzen, indem beliebige Weban­wen­dun­gen wie nor­male Pro­gramme “ange­heftet” wer­den kön­nen. (Ein ähn­lich­es Konzept unter­stützen Chromi­um und Fire­fox in Form spezieller Tabs.)

Nein, der Inter­net Explor­er 9 ist wirk­lich nicht übel. Es fehlen zwar auch weit­er­hin brauch­bar kon­fig­urier­bare Werbe- und Skript­block­ier­funk­tio­nen, aber auch Benutzer von Fire­fox und Chromi­um sind dies­bezüglich auf geson­derte Erweiterun­gen oder externe Pro­gramme (lokal oder als Proxy) angewiesen; wobei ich per­sön­lich let­ztere bevorzuge, da ich so nur eine einzige Liste für das ganze Sys­tem pfle­gen muss. Der Ad Munch­er etwa ver­richtet anstand­s­los seinen Dienst auch im Inter­net Explor­er.

Ich kann ver­ste­hen, dass Microsoft im ver­gan­genen Jahrzehnt viele Fehler gemacht und so manche Leute — vielle­icht vorschnell — zu Lin­ux oder zu Mac OS X getrieben hat. Was ich aber nicht gutheißen kann, ist es, dass nun prinzip­iell auf allem, was dieses Unternehmen veröf­fentlicht, herumge­hackt wird.

Für mich als jeman­den, der mit den Unzulänglichkeit­en von Browserengines qua­si täglich zu kämpfen hat, ist der Inter­net Explor­er 9 zwar noch immer nicht der Brows­er der Wahl, aber er zeigt, dass man bei Microsoft endlich ver­standen hat, warum dem Brows­er aus eigen­em Haus immer weniger Men­schen Beach­tung schenken woll­ten. Ich schätze, es wird Zeit, dass ihm diese Beach­tung wieder zuteil wird. Die weit­ere Entwick­lung des Inter­net Explor­ers kön­nte wieder inter­es­sant wer­den.

Ich freue mich ein biss­chen darauf.

PolitikIn den NachrichtenFotografie
Kurz verlinkt XLVI: Deutschland im Stresstest

Ach nee:

Angesichts der Fukushi­ma-Katas­tro­phe ver­langt die Kan­z­lerin weltweite Stresstests für Atom­meil­er. (…) Sie dringe auf “höch­ste Stan­dards” bei den AKW-Stresstests, nicht nur in Deutsch­land und der EU.

Sich­er ist sich­er! Obwohl:

Ich möchte aus gegeben­em Anlass nochmal daran erin­nern, dass der Aus­lös­er für die Tsch­er­nobyl-Katas­tro­phe ein Stresstest war.

Aber Frau Merkel hat es auch nicht leicht, ste­ht sie doch sozusagen ständig unter Beschuss:

SPD-Frak­tion­schef Frank-Wal­ter Stein­meier attack­ierte den außen­poli­tis­chen Kurs Deutsch­lands mas­siv. “Aus ein­er respek­tierten Führungsna­tion in Europa sind wir in zwei Jahren an die Periph­erie ger­at­en”, sagte er in der Debat­te zur Regierungserk­lärung. Nir­gend­wo seien bei der Koali­tion Konzepte oder Ini­tia­tiv­en erkennbar. “Das ist Außen­poli­tik in Lethargie”, kri­tisierte der Oppo­si­tions­führer. “Die Welt erwartet mehr von uns.”

Ich finde, dass die SPD weitest­ge­hend in der Bedeu­tungslosigkeit ver­schwun­den und uns ein Kan­zler Frank-Wal­ter Stein­meier erspart geblieben ist, set­zt bere­its das richtige Zeichen in der Welt.

Und was erwartet so ein erfol­gre­ich­er Poli­tik­er von einem sou­verä­nen Deutsch­land? Genau:

Bemerkenswert sei auch, dass US-Präsi­dent Barack Oba­ma immer noch nicht den Weg zu einem Besuch in Berlin gefun­den habe, während er längst in vie­len anderen EU-Haupt­städten gewe­sen sei.

Die Ehre, dass der Präsi­dent eines anderen Staaten­bun­des sich dazu her­ablässt, dem sou­verä­nen Deutsch­land, das sich dann natür­lich dankbar zeigt, von seinem großen Brud­er über­haupt beachtet zu wer­den, gnädig seine Aufwartung zu machen. :mrgreen:

Außen­poli­tis­che Lethargie ist manch­mal doch nicht verkehrt; und über­haupt soll­ten mehr Staat­en wie die Schweiz sein, denn die Schweiz hat wed­er einen Besuch von Her­rn Oba­ma noch von Her­rn Stein­meier zu befürcht­en.
Es muss wun­der­bar sein, dort zu leben.

Spaß mit Spam
Ausgewählt!

Anscheinend find­et ger­ade abge­se­hen vom Tow­el Day die “Woche der saublö­den Spam” statt.
Der Absender des fol­gen­den Schreibens, das ich ger­ade zufäl­lig ent­deck­te und wohl als Ersatz für einen dieser “Newslet­ter” erhielt, für die ich mich irgend­wann aus Langeweile mal angemeldet hat­te, würdigt diese Zeit mehr als nur angemessen:

wir grat­ulieren Ihnen recht her­zlich.

Aber nur recht her­zlich, nicht so richtig dolle her­zlich. Wozu eigentlich?
Ach, ich sollte erst weit­er­lesen:

Nach spezieller Auswahl wurde Ihre eMail Adresse … exk­lu­siv aus­gewählt und Sie haben es GESCHAFFT — SIE sind dabei!

Also fand zuerst die spezielle Auswahl und dann die Auswahl mein­er E‑Mail-Adresse statt? Das klingt aber unprak­tisch, den Prozess kann man doch sich­er opti­mieren.

Anson­sten: Juhu, ich habe es geschafft! Ich wurde erfol­gre­ich aus­gewählt!

Sie wur­den für das Aus­ge­waehlter-Gewin­ner Gewinn­spiel qual­i­fiziert

Ein… nun… nahe liegen­der Name.
Und was bin ich nun, da ich qual­i­fiziert wurde?

und sind damit unter den Auser­wählten

… nee, oder?

ROFL

für die Endaus­lo­sung von einem brand­neuen Mac­Book Air.

Das Mac­Book Air lost aus, oder wie? Und “Endaus­lo­sung” klingt für mich dann doch schon irgend­wie ein biss­chen nach “Endlö­sung”; und wann fand eigentlich die Anfangsaus­lo­sung statt? Mich hat nie­mand auch nur gefragt, ob ich so ein Apfeld­ing über­haupt haben möchte.

Nehmen Sie jet­zt am Gewinn­spiel teil und klick­en Sie hier: …

Wie — bei­des?
Und dür­fen da eigentlich auch die Leute draufk­lick­en, die nicht aus­gewählt wur­den, oder bekom­men die dort nur eine obszöne Geste zu sehen?

Denken Sie daran, Sie sind ein­er der weni­gen die aus­gewählt wur­den, daher sind Ihre Gewin­n­chan­cen beson­ders hoch.

Ich denke an nichts anderes. :mrgreen:
Warum wählt ihr über­haupt erst mehrere Leute aus und nicht gle­ich den einen Gewin­ner? Das würde eine Menge Arbeit und Geld sparen, das ihr dann in noch mehr Gewinne investieren kön­ntet!

Anmeldemöglichkeit für aus­gewählte Gewin­ner nur möglich bis 31.05.2011 23:59 Uhr

Und wenn man dann irgend­wann vom Auser­wählten zum Gewin­ner aufgestiegen ist, muss man sich bei euch auch noch anmelden, son­st …

Nicht angemeldete Gewinne wer­den neu ver­lost.

… hat man sich die ganze Mühe des Aus­gewähltwer­dens völ­lig umson­st gemacht?
Mit dem Konzept werdet ihr wohl eher nicht viel Erfolg haben. Ihr soll­tet es wom­öglich über­denken.

Ich hoffe, diesem Text kön­nt ihr die entsprechen­den Anre­gun­gen ent­nehmen. Bei der Umgestal­tung wün­sche ich:

Viel Erfolg!

Und gute Reise!

In den NachrichtenPolitik
Liberté!

Dass Herr Sarkozy trotz sein­er Rolle als Ober­fran­zose nicht unbe­d­ingt viel von den Ide­alen der Rev­o­lu­tionäre hält, die es über­haupt erst ermöglicht haben, dass er jemals Präsi­dent wer­den kon­nte, ist hin­länglich bekan­nt, aber zufäl­liger­weise ist sein Konkur­rent, Dominique Strauss-Kahn, schon mal aus dem Ren­nen, also bleibt ihm genug Spiel­raum, seine Ter­rorherrschaft weit­er auszubre­it­en. Als näch­sten Schritt hätte er gern noch etwas mehr Kon­trolle über das böse Inter­net, nach­dem die “dig­i­tale Todesstrafe” anscheinend seine Macht­gi­er noch nicht aus­re­ichend befriedigt hat.

Warum ich seine legit­ime Entschei­dung, poli­tis­che Beschlüsse in “seinem” Land maßge­blich zu lenken, mit Macht­gi­er zu erk­lären ver­suche? Nun, das ist nicht meine Absicht, aber je mehr ich darüber lese, welche Zukun­ft Herr Sarkozy dem Inter­net gern angedei­hen lassen würde, desto schw­er­er fällt es mir, ihm pos­i­tive Absicht­en zu unter­stellen.

Jüngst berief er den eG8-Gipfel ein, auf dem er mit Rüben­nasen wie Eric Schmidt (Google) und Mark Zucker­berg (Face­book) — bekan­ntlich bei­de Vertreter der These, dig­i­tale Bürg­er­rechte wie etwa das Recht auf Pri­vat­sphäre seien längst nicht mehr zeit­gemäß — sowie Jim­bo Wales (Wikipedia), seines Zeichens Sit­ten­wächter nach US-amerikanis­ch­er Tra­di­tion, über die Zukun­ft des Inter­nets disku­tieren will.

“Diskus­sion” sieht hier übri­gens, gemäß SPON, unge­fähr so aus:

“Das Uni­ver­sum, das Sie (die anwe­senden Inter­net­gestal­ter) repräsen­tieren, ist kein par­al­le­les, geset­zlos­es, ohne moralis­che, ohne fun­da­men­tale Prinzip­i­en, die das Leben in demokratis­chen Staat­en ord­nen”, sagte der franzö­sis­che Staat­spräsi­dent nun bei sein­er eG8-Eröff­nungsrede. Weil das Inter­net nun “Teil des Lebens ein­er Mehrheit der Men­schen” sei, wäre es “ein Wider­spruch, Regierun­gen von diesem immensen Forum fernzuhal­ten”. Schließlich seien “Regierun­gen in unseren Demokra­tien die legit­i­men Repräsen­tan­ten des all­ge­meinen Wil­lens”.

Nie­mand aber hält Regierun­gen aus dem Inter­net fern, vielmehr wird seit Jahren ver­sucht, die als “Inter­ne­taus­druck­er” bekan­nten “Repräsen­tan­ten des all­ge­meinen Wil­lens”, wer auch immer diese All­ge­mein­heit sein mag, dazu zu bewe­gen, dieses gren­züber­greifende Medi­um als ein Hort der Möglichkeit­en, nicht als schmud­delige dig­i­tale Kneipe voller Pornoter­ror­is­ten wahrzunehmen und zu begreifen. Die Regierun­gen aber hal­ten sich selb­st fern, sie ken­nen das Inter­net nur als den rechts­freien Raum — schön wäre es ja schon manch­mal! -, in dem wahl­los Kinder geschän­det und wel­tumspan­nende Ter­ro­ror­gan­i­sa­tio­nen gegrün­det wer­den.

Natür­lich ist das Inter­net kein geset­zlos­es Uni­ver­sum ohne Prinzip­i­en, was min­destens all diejeni­gen wis­sen soll­ten, die schon mal auf­grund undurch­dachter Pub­lizierung von Inhal­ten im Inter­net Post von skru­pel­losen geldgeilen umsichti­gen Rechtsver­drehern Recht­san­wäl­ten im Auf­trag irgen­dein­er großkotzi­gen Fir­ma eines so genan­nten “Rechtein­hab­ers” im Briefkas­ten fan­den; Urhe­ber­rechte erlis­chen eben auch dann nicht, wenn man sie außer­halb von Staats­gren­zen mis­sachtet. (Hierzu empfehle ich nochmals den her­vor­ra­gen­den Tele­po­lis-Artikel zum “rechts­freien Raum Inter­net” von 2009.)

Ein fun­da­men­tales Prinzip des Inter­nets ist es übri­gens, dass es zumin­d­est the­o­retisch weltweit­en Zugriff auf jegliche Infor­ma­tio­nen ermöglichen soll, die in ihm zu find­en sind, ohne, dass die Ver­bre­itung dieser Infor­ma­tio­nen, sofern nicht aus rechtlichen Grün­den, von lokalen Regierun­gen irgend­wie eingeschränkt wer­den kann. Ein Inter­net, das aus vie­len kleinen, von der Teil­nahme am Gesamt­netz nahezu aus­geschlosse­nen “Net­zen im Netz” beste­ht, wie es etwa Chi­na vor­ma­cht und Her­rn Sarkozy beina­he so feuchte Träume bere­it­et wie son­st nur Car­la Bar­ba­to Bruni, hätte seinen Zweck ver­fehlt.

Aber wer erk­lärt das nun Her­rn Friedrich?

MusikKaufbefehle
Zum 70. Geburtstag Bob Dylans

Heute wird Bob Dylan 70 Jahre alt, und zwar den ganzen Tag lang. Tröt, Tusch, hur­ra! Ein­mal abge­se­hen davon, dass er seit dem Ende der “Rolling Thun­der Revue” (u.a. beim SPIEGEL berichtete man) nur mehr schnulzige Liebeslieder in öder Coun­try­form zu schreiben scheint, erachte ich es als unnötig, ihn hier noch ein­mal geson­dert vorzustellen, obschon die Ein­führung sein­er seit 1988 laufend­en “Nev­er End­ing Tour” sein bish­eriges Schaf­fen jedes Mal aus­führlich zusam­men­fasst, aber wir sind hier ja nicht als Ver­anstal­ter tätig, son­dern schnöde Schreiber­linge, und bei dem annehm­baren Wet­ter draußen fassen wir uns mit Vor­liebe kurz.

Bob Dylan also, dessen in rasch­er Folge aufgenommene Alben Bring­ing It All Back Home, High­way 61 Revis­it­ed und Blonde on Blonde eine beina­he schon radikale Abkehr von den zwar oft gehörten, aber let­ztlich musikalisch doch eher anspruch­slosen Volk­sweisen der Vor­jahre bedeuteten und heute im All­ge­meinen zu den Alben gezählt wer­den, die man zumin­d­est mal gehört haben sollte, bevor man dere­inst ins Gras beißt, kann auf eine abwech­slungsre­iche Kar­riere zurück­blick­en, sofern ihm denn danach ist.

Diese Kar­riere ist immer­hin vor­bildlich, hat er sich doch zumin­d­est jahrzehn­te­lang nicht nur auf seinem Erfolg aus­geruht, son­dern immer dann eine völ­lig neue Rich­tung eingeschla­gen, wenn seine Pop­u­lar­ität ihn zum Idol der Massen zu machen dro­hte. Wir ler­nen: Um Druck von außen zu ver­hin­dern, muss man ver­suchen, den Leuten so wenig zu gefall­en wie es möglich ist. Ein Höhep­unkt dieser Entwick­lung ist das Album “Self Por­trait” von 1970, das aus Neuauf­nah­men eigen­er Stücke und eini­gen Cov­erver­sio­nen, etwa “The Box­er”, ursprünglich von Simon & Gar­funkel (genauer: von Paul Simon), beste­ht und von der Kri­tik sein­erzeit ver­wun­dert aufgenom­men wurde; Greil Mar­cus etwa, Autor und Musikjour­nal­ist, fragte, was dieser Scheiß denn solle. Tat­säch­lich scheint sich Bob Dylan hier größte Mühe zu geben, möglichst schief zu klin­gen, aber wer dieses Album ernst nimmt und deshalb einen Ver­riss schreibt, der hat bes­timmt auch CDs von Muse und Radio­head im Schrank und hält Lady Gaga für den Inbe­griff der Inno­va­tion.

Ich kenne nun keine konkrete Aus­sage seit­ens Bob Dylans zur Bedeu­tung von “Self Por­trait”, aber würde es, fragte man mich, schon auf­grund des Titels als Par­o­die anse­hen. Und in der Tat dürfte es schw­er sein, Bob Dylan bess­er zu par­o­dieren als Bob Dylan selb­st, unter anderem The Vel­vet Under­ground (“Promi­nent Men”) sind daran gescheit­ert; wenn man nicht ger­ade “Weird Al” Yankovic heißt, denn der kann das.

Natür­lich muss die Stimme nicht jedem gefall­en, und sie ist für Leute, die noch nie Bob Dylan gehört haben, wohl auch das Ungewöhn­lich­ste an sein­er Musik, die, fehlte der Gesang, zwar aus­druck­s­los wäre, aber wohl nie­man­dem deut­lich miss­fiele, aber sie ist doch ein prä­gen­des Ele­ment ger­ade der genan­nten drei Alben. Während immer­hin “All Along the Watch­tow­er” sich in Jimi Hen­drix’ Cov­erver­sion bis heute größer­er Beliebtheit erfreut als die ver­gle­ich­sweise spar­tanis­che Urver­sion Bob Dylans und kon­se­quenter­weise die Inspi­ra­tion für spätere Livev­er­sio­nen darstellte, sind etwa der “Sub­ter­re­nean Home­sick Blues” — für die VIVA-Klien­tel: das ist das Lied mit dem bekan­nten Video — oder “One Of Us Must Know (Soon­er Or Lat­er)” nur schw­er­lich von Drit­ten inter­pretiert vorstell­bar, ohne ihren Charak­ter zu ver­lieren.

Den Charak­ter sein­er, Bob Dylans, Musik macht aber nicht nur seine Stimme aus, ger­ade auch die Texte ver­di­enen Aufmerk­samkeit und Anerken­nung, nicht umson­st hat ihn die Presse stel­lvertre­tend zum poeta lau­re­a­tus, zum lor­beer­bekränzten Dichter, ernan­nt, und das sich­er nicht nur aus Verse­hen, son­dern für die kryp­tis­che Bild­sprache von Liedern wie “Stuck Inside of Mobile with the Mem­phis Blues again” (übri­gens eben­falls von “Blonde on Blonde”):

Grand­pa died last week and now he’s buried in the rocks
But every­body still talks about how bad­ly they were shocked
But me, I expect­ed it to hap­pen, I knew he’d lost con­trol
When he built a fire on Main Street and shot it full of holes

20 Jahre nach Loudon Wain­wright III nun und somit, wie üblich, als ein­er der Let­zten erhebe ich meine Tasse Kaf­fee und sage, schreibe und wün­sche:
Alles Gute, Bob Dylan!

Auf weit­ere 70 Jahre. Min­destens.

Spaß mit Spam
Spam könnte bald täglich in meiner Mailbox landen!

Was mein Spam­mail­post­fach ja seit eini­gen Tagen befüllt, sind Mails mit dem Betr­e­ff “Dat­en für Über­weisung”.

Das ist immer­hin ein span­nen­der­er Betr­e­ff als das eben­falls ger­ade recht beliebte “Sehr wichtig !” (nur echt mit Plenk) und ließ mich ges­pan­nt nach­se­hen, ob der Rest der Spam so lustig ist wie es ihr Betr­e­ff ver­spricht. Nun, meine Hoff­nun­gen wur­den erfüllt:

Guten Tag (Nach­name) (Vor­name),

Dass ich nie beim Mil­itär war und die Anrede mit vor­angestell­tem Nach­na­men mich somit eher befremdet, kon­nte der Ver­fass­er der Mail ver­mut­lich nicht wis­sen, immer­hin habe ich das in der jün­geren Ver­gan­gen­heit noch nicht erläutern müssen. Gnädig sehe ich darüber hin­weg.

E‑Mails mit einem solchen Betr­e­ff kön­nten bald täglich in Ihrer Mail­box lan­den.

Mit dem Betr­e­ff “Guten Tag (Nach­name) (Vor­name),”? Das sollte mich dann doch ein wenig erstaunen. Oder war der Betr­e­ff “Dat­en für Über­weisung” gemeint? Nun, das tun sie doch bere­its!

Aber ich weiß nicht, ob ich mich darüber freuen soll, dass jemand von mir irgend­was mit ein­er Über­weisung will. Wer mir “Dat­en für Über­weisung” zukom­men lässt, der möchte meist, dass ich diese Dat­en nutze, um ihn mit finanziellen Mit­teln auszus­tat­ten. Ander­sherum geht das nicht, denn wer mir Geld zukom­men lassen möchte, muss seine Über­weisun­gen schon selb­st aus­füllen.

Ich beschließe: Nein, ich freue mich nicht.

Ich möchte Ihnen heute zeigen, wie Sie täglich rund 150,00 Euro ver­di­enen kön­nen.

Ganz ein­fach: Man wird kor­rupter Man­ag­er. Wer täglich “rund 150,00 Euro” ver­di­ent, hat aber anson­sten ver­mut­lich besseres zu tun als die Quelle des Geldes per unaufge­fordert­er E‑Mail preiszugeben; und wahrschein­lich auch kein Bedürf­nis mehr danach.

Insofern überzeugt mich der Absender ger­ade nicht unbe­d­ingt davon, dass sein Finanztipp mir ein Leben in “Wohl­stand” zu sich­ern in der Lage ist, aber ich bin ja immer inter­essiert an poten­ziell däm­lichen Ideen und lese also vergnügt weit­er:

- Völ­lig kosten­los
— Kein Risiko

Geld ver­di­enen, ohne Geld auszugeben oder etwas zu riskieren? Unfass­bar! Das ist ja fast wie Arbeit­en!
Nein, eigentlich ist es wie Arbeit­en.

- Kein Geld erforder­lich

Und man braucht nicht mal Geld dafür!

Machen Sie jet­zt mit, und ver­di­enen Sie in nur 20 Minuten Ihre ersten 150,00 Euro.

Das ist dann aber ein ziem­lich kurz­er Tag, oder?

Bitte klick­en Sie hier:
(…)

Ja, ich klicke gern jed­erzeit auf kryp­tis­che URLs, von denen ich nicht weiß, was sich dahin­ter ver­birgt. Ich bekomme viel zu sel­ten Viren, mein Sys­tem lang­weilt sich schon.

Mit fre­undlichen Grüssen,

Ihr Fabi­an Faber

Ist “Fabi­an” dann jet­zt eigentlich der Nach­name?
Würde mich halt schon inter­essieren.

Aber ich nehme an, die Stelle ist jet­zt ohne­hin schon vergeben. Wirk­lich schade!

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt XLV: Virtuelle Bomben

Tag 1 nach dem endgülti­gen Wel­tun­ter­gang, das Ende ist nahe:

Bun­desin­nen­min­is­ter Friedrich erwartet virtuelle Bomben

Ken­nt ihr den? Kommt eine schwan­gere Frau zum Bäck­er und sagt: Ich bekomme ein Weißbrot. Sagt der Bäck­er: Sachen gibt’s…

Aber natür­lich war etwas ganz anderes gemeint, näm­lich:

Es sei “nur eine Frage der Zeit, bis krim­inelle Ban­den oder Ter­ror­is­ten virtuelle Bomben zur Ver­fü­gung haben wer­den.”

Ich habe ein wenig geschmun­zelt, wurde dieser Artikel doch mit einem Bild von Her­rn Friedrich illus­tri­ert, der erwartungsvoll auf die Uhr schaut:

Was genau so eine virtuelle Bombe sein soll, geht aus dem Artikel lei­der nicht her­vor. Aber es ist ziem­lich beängsti­gend: Schon bald wer­den uns in virtuellen Städten, ver­mut­lich sog­ar in Sim­C­i­ty, Ter­ror­is­ten mit virtuellen Bomben bedro­hen. Wie soll man da noch ruhig schlafen kön­nen?

Da hil­ft nur eins: Wir brauchen virtuelle Panz­er zur Friedenssicherung, auf dass die Tage des virtuellen Ter­rors bald gezählt sein mögen!

(via Fefe)

MusikIn den NachrichtenPiratenpartei
Musik zur Apokalypse

Heute ist ja mal wieder Wel­tun­ter­gang, und es ist ziem­lich selt­sam, dass draußen trotz­dem die Vögel sin­gen. Passend zum Wel­tun­ter­gang — und zu den anste­hen­den Wahlen — jeden­falls hat man mal eben die Infra­struk­tur der Piraten­partei lahm gelegt; blöd nur, dass das gegen das Grundge­setz ver­stößt:

Das Vorge­hen der Polizeibehör­den kön­nte allerd­ings deshalb pikant sein, weil die Piraten­partei den Schutz von Art. 21 GG genießt und durch die polizeiliche Maß­nahme ihr Recht an der poli­tis­chen Wil­lens­bil­dung des Volkes mitzwirken, beein­trächtigt wird, zumal wir uns in einem Wahl(kampf)jahr befind­en.

Die Inter­net­di­en­ste der Piraten­partei Bre­men sind von den Aus­fällen nicht betrof­fen, den­noch liegt hier eine klar geset­zeswidrige Schädi­gung vor. “Klar­ma­chen zum Entern!” reicht nicht mehr, jet­zt heißt es: Feuern aus allen Rohren. Joho, und ’ne Bud­del voll Club-Mate. — Obwohl das schmeckt wie Oma unterm Arm, wie es ein Pirat mal beschrieb, und ich fragte ihn dann doch lieber nicht, woher er diesen Ver­gle­ich nahm.

Aber ich war ja noch beim Wel­tun­ter­gang, an dessen Ende wir, glaubt man fun­da­men­tal­is­tis­chen Sek­ten, alle­samt in den Him­mel gelan­gen wer­den, sozusagen ins Reich der Göt­ter. Passend dazu sang nicht nur Farin Urlaub vor eini­gen Jahren von der “Apoka­lypse wann anders”, etwas mys­tis­ch­er erzählte die Krautrock­band Asgard schon 1972 vom Leben in Asgard:

Schönes Woch­enende!

SonstigesNetzfundstücke
Bücher? Wie rückständig!

Ama­zon verkaufe inzwis­chen, jeden­falls in den USA, mehr “E‑Books” als richtige Büch­er, schreibt Perun und lässt die Gele­gen­heit nicht ungenutzt, uns Bücher­fre­unde als rück­ständig hinzustellen, aber immer­hin nicht nur die deutschen:

Wobei diese Men­tal­ität nicht speziell auf Deutsch­land beschränkt ist. Ich würde eher sagen, das dies typ­isch für Kon­ti­nen­tal-Europa ist: “ken­nen wir nicht, brauchen wir nicht”.

Perun geht hier aber von falschen Voraus­set­zun­gen aus. E‑Books (früher nan­nten wir so was schlicht PDF-Dateien) sind nicht der Nach­fol­ger des Buch­es, sie sind eine Alter­na­tive, wie eben die CD auch eine Alter­na­tive zur Schallplat­te ist und MP3 eine Alter­na­tive zu … nein, MP3 ist eigentlich gar keine Alter­na­tive. “Wie, du hörst noch Schallplat­ten?!” rufen die hip­pen jun­gen Trend­teens mit den alber­nen Knöpfen im Ohr, wo dann doch jed­er einzelne Takt in immer noch ziem­lich gruseliger Laut­stärke nach draußen dröh­nt. Wird bald auch der Ruf “Wie, du liest noch Büch­er?” ertö­nen?

Wägt man Pro und Kon­tra von Büch­ern und ihren dig­i­tal­en Sur­ro­gat­en gegeneinan­der ab, so geschieht dies immer sub­jek­tiv. Was mir an Büch­ern gefällt, kann dem näch­sten Rezensen­ten schon zuwider sein. Daher kann und werde ich hier nur für mich sprechen.

Der oft gehörte Ein­wand, Büch­er gehörten zu unser­er Kul­tur, ist Hum­bug, Lesen und Schreiben gehören zu unser­er Kul­tur wie auch die bekan­nten Werke Schillers, Less­ings und wie sie alle hießen. Die Bibel wurde auch nicht zuerst als Buch gedruckt, den­noch ist sie noch immer ein zen­traler Bestandteil dessen, was manche Per­so­n­en als abendländis­che Kul­tur beze­ich­nen; anders gesagt: Die Dar­re­ichungs­form eines lit­er­arischen Werkes ist qua­si unbe­deu­tend gemessen an seinem eigentlichen Inhalt.

“Ironie pur” (mein­ten Sie: “pure Ironie”?) nen­nt es Perun, dass aus­gerech­net viele EDV-Fach­buchver­lage ihre Pub­lika­tio­nen nicht in E‑Book-Form anbi­eten, und ich schätze, er betont das Wort verse­hentlich auf “EDV”, dabei geht es doch vor allem um Büch­er. Warum hat Perun eigentlich noch keinen Artikel geschrieben, in dem er sich darüber mok­iert, dass Com­put­ern immer so viel Papierkram beiliegt?

Ein “Kin­dle” — dieses merk­würdi­ge elek­tro­n­is­che Ersatzbuch von Ama­zon — ist, vere­in­facht aus­ge­drückt, ein portabler PDF-Betra­chter. (Die tech­nis­chen Unter­schiede zwis­chen PDF- und E‑Book-Dateien sind der­art mar­gin­al, dass ich ihnen keinen geson­derten Absatz wid­men möchte.) Der Vorteil dieses Gerätes ist es, dass man auch beim nächtlichen Zug­fahren noch genug Beleuch­tung bekommt, um sich ohne Ermü­dung dem jew­eils ger­ade gelade­nen Buch zu wid­men. Dem gegenüber ste­hen ein, gemessen an ein­er Buch­seite, klein­er Bild­schirm mit teil­weise winziger Schrift und der auf lange Sicht doch immense Bedarf an elek­trischem Strom.

Es ist schön, dass ger­ade junge Leute sich mit dem Erfolg des “Kindle”-Gerätes bemüßigt fühlen, wieder mehr Büch­er zu lesen, und sei es halt nur die seichte “Twilight”-Reihe. Aber der alte Leit­satz, dass Büch­er Kinder von der “Glotze” weglock­en sollen, find­et hier keine Anwen­dung, denn ob das Kind nun chat­tet oder E‑Books liest, es sitzt vorm Bild­schirm. (Ander­er­seits gin­gen die Ini­tia­toren des Leit­satzes von falschen Voraus­set­zun­gen aus, denn nicht jedes Buch ist eine bessere Wahl als jede Fernsehsendung oder jede Inter­net­seite.)

Aber wie oben erwäh­nt sollte man die elek­tro­n­is­chen Spielzeuge nicht als Ersatz, son­dern als Alter­na­tive betra­cht­en, denn bei­des hat einen sin­nvollen Ein­satzz­weck. Sind E‑Books etwa für Reisen oder für Lesen bei nicht allzu erhel­len­dem Tages­licht gut geeignet, so habe ich doch auch gern ein Buch im Schrank, das ich anse­hen und anfassen kann; denn wirk­lich blät­tern kann man in diesen E‑Books nicht. Die Hap­tik eines Buch­es ist ähn­lich der eines Ton­trägers: Es ste­ht das gle­iche darin wie in den dig­i­tal­en Pen­dants, aber let­z­tendlich erwirbt man ein tat­säch­lich­es Pro­dukt, nicht nur eine dig­i­tale Repro­duk­tion davon oder gar nur eine “Nutzungslizenz” (Apple-Nutzer ken­nen das).

Perun mut­maßt weit­er­hin:

Aber auch dies­mal haben es die Ver­lage – ähn­lich wie die Musikin­dus­trie vor Jahren – in der Hand, entwed­er man passt sich an oder man geht unter.

Mitziehen oder in der Bedeu­tungslosigkeit ver­schwinden; das hat man einst auch von der Mini­Disc gesagt, die eine Zeit­lang das neue “kom­mende Ding” in der trag­baren Musik­welt war und die Kas­sette endgültig ablösen sollte. Das aber über­nah­men erst bespiel­bare CDs, dann die MP3-Spiel­er, und die Mini­Disc — ging unter.

Irgend­was jeden­falls sagt mir, dass ich auch in zehn Jahren nicht vor leeren Regalen ste­hen werde, wenn ich in mein­er Lieblings­buch­hand­lung die Neuer­schei­n­un­gen sicht­en möchte. Man muss, um es mal über­trieben auszu­drück­en, nicht jeden Mod­e­quatsch mit­machen, nur um nicht als uncool zu gel­ten.

Und so ein Buch kann uns auch kein­er unge­fragt weglöschen.

MusikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Gefahr von oben! (Auch: Facebookmusik.)

(Vorbe­merkung. Ein Teil dieses Artikels han­delt von der Band Muse. Muse ist eine der weni­gen Musik­grup­pen, die es schaf­fen, mich schon bei der bloßen Erwäh­nung ihres Namens erschaud­ern zu lassen. Zum besseren Ver­ständ­nis ver­weise ich nochmals auf die Schall­gren­zen-Rezen­sio­nen zum bish­er und hof­fentlich endgültig let­zten Muse-Album.)

Man traut sich schon gar nicht mehr, in die Zeitung zu schauen, bringt doch ein Blick in das lokale Mit­teilungs­blatt täglich meinen Glauben daran, dass die durch­schnit­tliche Intel­li­genz hierzu­lande deut­lich über dem US-amerikanis­chen Durch­schnitt liegt, ins Wanken.

Heute etwa las ich, dass deutsche Atom­kraftwerke nur unzure­ichend dage­gen geschützt seien, dass Flugzeuge runter- und auf sie drauf­fall­en, wie ein Stresstest ergeben habe; das bestäti­gen auch andere Quellen. Jet­zt würde es mich natür­lich schon ein biss­chen inter­essieren, wie so ein Stresstest abläuft: Lassen sie da Flugzeuge drauf­fall­en und guck­en, wie schw­er die sein dür­fen, bis mess­bare Schä­den am Atom­kraftwerk entste­hen? Nein, das ist natür­lich Unfug:

(…) allerd­ings war es vor allem eine Prü­fung auf dem Papi­er mit ein­er Neu­berech­nung bes­timmter Szenar­ien.

Ver­ste­he: Sie haben also Papier­flugzeuge auf Papier­atomkraftwerke gewor­fen und geguckt, was passiert.

Gegen Godzil­la-Angriffe ist so ein Atom­kraftwerk übri­gens genau so wenig geschützt wie dage­gen, dass große Dinge auf es drauf­fall­en, aber diese Infor­ma­tion schafft es nie in die Nachricht­en; ver­mut­lich, um nie­man­den zu beun­ruhi­gen. Es war aber, wie wir inzwis­chen wis­sen, ger­adezu unver­ant­wortlich von den Kon­struk­teuren der deutschen Atom­kraftwerke, dass sie nicht ihr Haup­tau­gen­merk auf den Schutz dage­gen legten, dass Flugzeuge auf ihre Kon­struk­tio­nen drauf­fall­en, denn dieses Damok­less­chw­ert schwebt ja ständig über unseren Köpfen. Der inter­na­tionale Ter­ror­is­mus schläft nicht, und die Wahrschein­lichkeit, dass in abse­hbar­er Zeit irgen­dein Ter­ror­ist die Idee, trotz all der Schika­nen an Flughäfen ein Flugzeug auf Gebäude in Deutsch­land drauf­fall­en zu lassen, erfol­gre­ich umset­zt, ist so groß, dass es ein Wun­der ist, dass wir über­haupt noch alle leben!

Zum Glück haben wir nun den elek­tro­n­is­chen Per­son­alausweis, damit wird alles bess­er.

Apro­pos “durch­schnit­tliche Intel­li­genz”: Gemessen an ihrer Selb­st­darstel­lung (ihren Sta­tus­nachricht­en) zeigen die meis­ten Face­booknutzer ein eher geringes Maß an kul­tureller Bil­dung. (Von der Eige­nart, ein “soziales Net­zw­erk” als tat­säch­lich­es Leben­sum­feld zu begreifen, fange ich aus­nahm­sweise hier nicht zu erzählen an.) Etwas scheint sich allerd­ings dies­bezüglich getan zu haben im Hause Face­book, denn dort pflegt man, glaubt man Michael Hirle, der über irgend­soein Album der wider­lichen Kopf­schmerzpop­per Muse schrieb, hier­bei han­dle es sich anders, als ich mit­tler­weile auf der progrock-dt-Mail­ingliste vorschlug, nicht um the­atralis­chen Tun­ten­rock, son­dern um “Prog” für die “Gen­er­a­tion Face­book”. Ver­mut­lich soll das heißen, dass es sich um Musik han­delt, die die Ide­ale der frühen Pro­gres­sive-Rock-Szene in ein mehr oder weniger mod­ernes Klangge­wand zu klei­den beab­sichtigt (und damit meines Eracht­ens völ­lig scheit­ert), aber es wirft doch vor allem eine Frage auf:

Bee­in­flusst Face­book musikalis­che Hörge­wohn­heit­en?

Natür­lich kann man seine eige­nen momen­ta­nen “Lieblingslieder” dort schnell ver­bre­it­en, aber das kann man auf Last.fm und per Instant Mes­sen­ger schon lange. Im Fre­un­deskreis ist es seit Jahrzehn­ten üblich, sich gegen­seit­ig die jew­eils aktuelle Lieblingsmusik vorzus­pie­len, bei Bedarf auch zu kopieren. Dass jemand wie Lady Gaga, wie jüngst die Presse kol­portierte, 33 Mil­lio­nen “Fans” — Zahl steigend — hat, zeigt dafür um so deut­lich­er, dass Face­book keines­falls ein Motor für Musikgeschmack ist, wohl aber ein unge­fähres Abbild der Jugendkul­tur darstellt. So betra­chtet ergibt der Term “Gen­er­a­tion Face­book” auch wenig­stens min­i­mal Sinn, denn diese “Gen­er­a­tion” (zu mein­er Zeit hat­te das Wort noch etwas mit Jahrgän­gen zu tun) ist zugle­ich die “Gen­er­a­tion YouTube”, sozusagen die “Gen­er­a­tion eins nach Last.fm”. Musik wid­men diese Men­schen nicht mehr ihre volle Aufmerk­samkeit, sie dudelt neben­bei, gern in Ohren betäuben­der Laut­stärke, aus quäki­gen Ohrsteck­ern, sie dient nicht mehr der Entspan­nung, son­dern der bloßen Berieselung; das jeden­falls ist meine Beobach­tung, gewon­nen aus etlichen Jahren der ÖPNV-Nutzung.

Dass eine Musik­gruppe wie Muse, die auf stumpfes 4/4‑Gekloppe verzichtet und keine Sän­gerin, son­dern einen (schreck­lichen) Sänger ihr eigen nen­nt, inmit­ten des Klanggemis­ches aus Justin Bieber, Lady Gaga und irgendwelchen beliebig aus­tauschbaren “Super­stars” wie ein Fremd­kör­p­er, “irgend­wie anders” eben, erscheint, ist ver­ständlich. Was einst die Schlager ver­drängte, schickt sich heute an, den Pop (also wiederum die Schlager) zu ver­drän­gen. Als “neu” und “aufre­gend” wird Musik ver­standen, deren Inter­pre­ten sich durch vierzig Jahre Musikgeschichte quälen, weil in der ein­töni­gen Liebeslieder­welt dieser Tage Melo­di­en, die nicht vom dig­i­tal­en Ton­band kom­men, manchem unbe­darften Zeitgenossen wie die Musikrev­o­lu­tion der späten 60-er erscheint, und das lei­der nicht ein­mal gän­zlich zu Unrecht.

Worauf wollte ich eigentlich hin­aus? Ach ja:
So lange die “Gen­er­a­tion Face­book” eines Tages sich ihrer Jugend entsagt, ste­ht es um die Zukun­ft der Rock­musik nicht so schlecht, wie es die mitunter im Inter­net zu find­en­den “Face­book-Hit­pa­raden” implizieren kön­nten; denn zwar ist in der Rock­musik schon seit Jahren jedes Extrem erre­icht und jede Aus­sage gemacht wor­den, aber vielle­icht soll­ten das nicht ger­ade diejeni­gen bemän­geln, die musikalisch in den 80-ern hän­gen geblieben sind.

Anders, wom­öglich etwas polemisch, aus­drück­en kann man das natür­lich auch so:
Jede Gen­er­a­tion bekommt die Musik, die sie ver­di­ent.

Muse. Grauen­haft.