NetzfundstückeNerdkrams
Twitter ist das neue Twitter

Da wir ger­ade bei Dumm­schwätzern waren: Wusstet ihr schon, dass Twit­ter “tot” ist? So richtig am Ende, kaputt, unbrauch­bar, Schnee von gestern? Ich auch nicht.

Wahr ist, dass sich seit der Grün­dung des Dien­stes nicht viel geän­dert hat. Eine neue Ober­fläche, ein paar fea­tures (Mail­be­nachrich­ti­gun­gen bei retweets), aber keine wirk­lichen “Inno­va­tio­nen”. Nur: Braucht man die?

Ping ist das neue Face­book. Face­book ist das neue Twit­ter. Google+ ist das neue Twit­ter. Nur Twit­ter ist das ganz nor­male Twit­ter und nicht das tolle neue Twit­ter. Was man aber in all dem Lobpreisun­gen für jeden neuen Nis­chen­di­enst schnell überse­hen kann: Es wird gar kein “neues Twit­ter” benötigt, das alte funk­tion­iert noch ein­wand­frei.

Vor allem Google+ sei, so lautet der Tenor, eher “wie Twit­ter” als “wie Face­book”. Dabei hat es alle Eigen­schaften eines voll­w­er­ti­gen “sozialen Net­zw­erks”: Man erstellt Fre­un­deskreise, teilt bei Bedarf sein ganzes Leben mit diesen und disku­tiert im Kom­men­tar­bere­ich emsig mit anderen Men­schen aus dem­sel­ben Fre­un­deskreis.

Twit­ter hinge­gen ist ein microblog­ging-Dienst. Das Konzept dahin­ter lautet: Der Anwen­der hat 140 Zeichen zur Ver­fü­gung, die er mit der Welt teilen kann. Fre­un­deskreise? Diskus­sio­nen? Das war nie ein zen­traler Aspekt von Twit­ter. (Obwohl man auf Twit­ter längst auch “plu­sein­sen”, hier bester­nen, kann, der Funk­tion der “Favoriten” sei Dank.)

Nico Lum­ma — das war der SPDler, der Medi­enkom­pe­tenz für über­be­w­ertet hält — schreibt:

Und am Schlimm­sten ist: Twit­ter ist immer noch volle Pulle Broad­cast, man rotzt alles immer an alle raus. Aber nie­mand weiss, wer was wirk­lich liest, egal wieviele Fol­low­er man hat.

Grund­sät­zlich ver­standen, wie Twit­ter so funk­tion­iert, hat er also schon mal. Er nen­nt das aber nicht “funk­tion­ieren”, son­dern “schlimm sein”, also müsste man ihm vielle­icht mal erk­lären, dass er es doch ver­standen hat. Klar “rotzt” man immer alles an alle hin­aus, sofern man seine Tweets nicht schützt (dann funk­tion­iert Twit­ter wie der “Fre­un­deskreis” bei Face­book), aber worin liegt das Prob­lem?

Es bedeutet ja nicht, dass man alles von jedem lesen muss. Nor­maler­weise liest man auch in der Webober­fläche nur Ein­träge von Leuten, denen man “fol­gt”. Wer nervt, fliegt raus. Ander­sherum ist ger­ade das inter­es­san­ter­weise ein­er der oft genan­nten Vorzüge von Google+: Man kann alles von jedem lesen, ohne sich erst “befre­un­den” zu müssen. Ja, wie denn nun?

Twit­ter sei “SMS mit anderen Mit­teln”, schreibt Herr Lum­ma weit­er­hin, und SMS scheint er also auch noch nie ver­wen­det zu haben, denn per SMS erre­iche ich gezielt einzelne Empfänger, bei Twit­ter ist das ungle­ich schwieriger. Aber apro­pos Mobil­tele­fonie:

(…) egal, wie sich Smart­phones weit­er entwick­eln, egal wie sich das Web weit­er­en­twick­elt, Twit­ter bleibt ste­hen.

Beständigkeit als Beleg dafür her­anzuziehen, dass ein Dienst bere­its dem Ende ent­ge­gen­sieht, ist schon ziem­lich gewagt. Apro­pos, Kurz­nachricht­en per Mobil­tele­fon haben sich seit ihrem Beste­hen auch nicht geän­dert, max­i­mal 160 Zeichen passen in eine hinein, und dann kann man sie nicht mal bunt ein­fär­ben; ein ein­deutiges Zeichen dafür, dass dieses “SMS”-Dings bald von Google gekauft und abgeschafft wird, oder, Herr Lum­ma?

Übri­gens: Twit­ter ist so rück­ständig, dass es sich auch ein Nico Lum­ma nicht nehmen lässt, es großflächig in sein Blog einzu­binden. Ich bin mir noch nicht sich­er, worauf das schließen lässt.

Piratenpartei
Kurz angemerkt zum #pptnds11

Der erste “Tag” des PPTNDS11 (ein Hoch auf das Inter­net und seine Zeit sparende Man­i­fes­ta­tion eines kon­se­quenten Akü­fis) ist vorüber, und sel­ten war eine offizielle Ver­anstal­tung der Piraten­partei umstrit­ten­er, so scheint es in Twit­ter. Dabei waren die meis­ten der­er, die den Parteitag eher belustigt zur Ken­nt­nis nah­men, nicht ein­mal per­sön­lich anwe­send. ‘Kurz ange­merkt zum #pptnds11’ weit­er­lesen »

Persönliches
Wenn.

“Ich schau mich um und seh nur Ruinen;
vielle­icht liegt es daran, dass mir irgen­det­was fehlt.”
- Fehl­far­ben: Paul ist tot

Und dann ist irgend­wann auch mal so was wie Som­mer und man sitzt im Garten und (wartet auf den Wel­tun­ter­gang und) lässt seine Gedanken kreisen oder eher eck­en, “rund laufen” hat man dann doch eher anders in Erin­nerung, und man hält sich an seinem Ver­sprechen fest statt an der Räson, um nicht vol­lends durchzu­drehen. (Hat man nun ver­sprochen oder vielmehr sich ver­sprochen?)

Weil da eben auch immer so ein Moment war und bleibt, tief ver­wurzelt in den Erin­nerun­gen, und die Erin­nerun­gen waren und bleiben eben auch, und man hin­dert sie nicht daran, ein Moment, der jet­zt so flüchtig scheint wie nie und der trotz sein­er Flüchtigkeit so greif­bar erscheint; und man streckt die Hand aus und greift ins Leere, dahin, wo man sich selb­st schon längst wäh­nt, obwohl man sich eigentlich (ganz woan­ders hin träumt und) mit jedem Atemzug ein biss­chen schmerzhafter spürt.

“Du atmest ein, du atmest aus.”
- Die Fan­tastis­chen Vier: Tag am Meer

Woch­enende, Dop­pelpunkt.

Netzfundstücke
Medienkritik LIII: Der SPIEGEL und das böse Internet

Die Titelgeschichte des dieswöchi­gen SPIEGELs (“Die dig­i­tale Unter­welt: Das ver­bor­gene Netz der Inter­net-Ver­brech­er”) klang nach toller Real­satire, also griff ich zu; und lachte schon beim Lesen der Leser­briefe (“Die Ära Merkel muss schle­u­nigst been­det wer­den”, fordert ein Herr Man­fred Merkel dort).

Natür­lich sollte man vom SPIEGEL keine pro­fes­sionellen EDV-Ken­nt­nisse (oder gar pro­fes­sionellen Jour­nal­is­mus jed­welch­er Art) erwarten, das tu ich auch nicht, aber wer der­art reißerisch damit wirbt, dass das Inter­net voller Gefahren stecke, der sollte sich nicht wun­dern, wenn man seine Aus­führun­gen kri­tisch beäugt.

Und ich beäuge dann mal.

Zen­trales The­ma des Artikels sind “Fakeshops”, also Verkäufer, die Geld annehmen und dann ohne Liefer­ung auf Nim­mer­wieder­se­hen ver­schwinden. Hierzu gibt es einige dur­chaus wis­senswerte Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen, allerd­ings scheit­ert es dann doch an Kleinigkeit­en (eine IP-Adresse wird etwa als “Rech­n­erken­nung” beze­ich­net).

Zwar ver­mei­det man beim SPIEGEL trotz wieder­holter Ein­bindung des Jol­ly Rogers den Begriff des “Raubkopierens” (stattdessen nen­nt man es dort “ille­gales Kopieren”), aber so recht ver­standen hat man das alles immer noch nicht, denn selb­stver­ständlich wird außer der “Rah­men­hand­lung”, also den “Fakeshops”, auch noch anderes the­ma­tisiert, etwa das Erspähen von Bank­dat­en und ähn­liche Krim­i­nal­itäten, und da ste­ht oft ein riesiger Bock­mist drin, wie man ihn vom SPIEGEL beim The­ma EDV auch nicht anders erwartet hätte.

So kommt die Sprache auch auf die Aktiv­itäten von “LulzSec”, mit­tler­weile wieder aufgelöster Teil von “Anony­mous”: Es han­dele sich um “lose, poli­tisch motivierte Grup­pierun­gen, die kein Geld wollen, son­dern bloß Aufmerk­samkeit”, und mir scheint, beim SPIEGEL hat man da was nicht ver­standen, denn während es zutrifft, dass “Anony­mous” eine lose, poli­tisch motivierte Grup­pierung ist und wed­er “Anony­mous” noch “LulzSec” primär auf Geld aus sind und waren, wen­ngle­ich let­ztere expliz­it um Bit­coin-Spenden bat­en, ist der Rest hanebüch­en­er Quatsch. Vor allem der Umstand, dass “Anony­mous” ern­sthafte Ziele ver­fol­gt, sollte einem so genan­nten “Nachricht­en­magazin” schon ein wenig Hin­ter­grun­drecherche abrin­gen, aber wer braucht schon Detail­wis­sen?

Sony seien “Dat­en gestohlen” und der Cit­i­group “Daten­sätze geklaut” wor­den, heißt es weit­er, aber anscheinend waren die Täter ja von Mitleid geplagt, immer­hin hat­ten die Betrof­fe­nen ihre Dat­en schnell zurück, nur eine Kopie verblieb öffentlich les­bar im Inter­net. (Da haben wir wieder das Dilem­ma mit dem “Raubkopieren”, also dem “Stehlen von Dat­en”.)

Ja, gut, sagen nun meine Leser, aber so all­ge­mein jour­nal­is­tis­chen Ver­stand abseits der Infor­matik hat man beim SPIEGEL dann doch noch? Nun, das dachte ich auch.

Aber nehmen wir ein­mal den erwäh­n­ten Artikel: Eine Frau wird erwäh­nt, die “Jagd” auf “Fakeshops” macht. Ihre Iden­tität möchte sie schützen, darum fotografiert man sie neb­st Sohn (!) beim SPIEGEL nur von hin­ten und druckt oben­drein einen Dro­hbrief in voller Länge ab, der die Wohn­si­t­u­a­tion der Frau aus­führlichst beschreibt. Mir kom­men da spon­tan die “Face­book-Par­tys” der let­zten Wochen in den Sinn, zu denen die Medi­en aus­drück­lich nicht aufriefen, indem sie Ter­min und Ort plaka­tiv ver­bre­it­eten.

Mal ganz ehrlich, Mar­cel Rosen­bach und Hilmar Schmundt vom SPIEGEL, das Inter­net ist gar nicht so böse. Schaut, es hil­ft euch sog­ar, Fehler zu erken­nen und zukün­ftig zu ver­mei­den. — Ander­er­seits sollte ich zumin­d­est diese Hoff­nung beim SPIEGEL dann doch langsam mal aufgeben.

In den Nachrichten
Braunschweiger Zeitung, 5. Juli 2011

Da ärg­ern sich die Zeitungsver­lage, dass das Inter­net ihnen das Geschäft ver­mi­est. Hm, tja.

Einige repräsen­ta­tive Über­schriften aus “Rund um die Welt” und dem Lokalteil:

Heute wird der Biki­ni 65 — und macht eine gute Fig­ur

Blöder­weise glauben das auch viele Frauen ger­ade jün­geren Alters, deren Fig­ur vom Biki­ni nicht unbe­d­ingt verbessert wird.

Schüler mit Feri­entick­et aus­geze­ich­net

Davon wer­den sie noch ihren Enkeln erzählen.

Frauen feierten gemein­sam

Die chau­vin­is­tis­che Anmerkung, Frauen gin­gen ja auch gemein­sam aufs Klo, spare ich mir hier aus­nahm­sweise, stattdessen schlage ich die Hände über dem Kopf zusam­men und rufe laut “boah!” angesichts so viel kri­tis­ch­er Analyse der gegen­wär­ti­gen Lokalpoli­tik, um die es wahrlich nicht zum Besten bestellt ist.

Ein ganz beson­deres Bon­mot ist übri­gens die Abteilung “Meine Mei­n­ung”, in der Kinder zu Wort kom­men. Da geht’s aber nicht um Poli­tik, denn dass Kinder mit der Kinder­poli­tik des Land­kreis­es eher unzufrieden sind, möchte man dann wohl doch lieber nicht druck­en, es kön­nte dem Bürg­er­meis­ter miss­fall­en. Stattdessen find­et man dort Über­schriften wie diese:

Natalia liest ein inter­es­santes Buch

Schon toll, so eine Tageszeitung.

PolitikIn den Nachrichten
Die Enquête rauscht im Blätterwald

Erin­nert sich noch jemand an dieses Enquête-Din­gens? Ihr werdet es nicht glauben, aber die haben tat­säch­lich einen Zwis­chen­bericht veröf­fentlicht angekündigt:

So sprach sich die Mehrheit gegen Angstkam­pag­nen wie “Raubkopier­er sind Ver­brech­er” und gegen 3‑Strikes-Regelun­gen aus, die nach mehrma­liger Ver­war­nung von ange­blichen Urhe­ber­rechtsver­let­zern ein Sper­ren des Inter­net­zu­gangs vorse­hen. Zudem sprachen sich die Abge­ord­neten wie bere­its in der ver­gan­genen Woche dafür aus, Cre­ative Com­mons-ähn­liche Mod­elle weit­erzuen­twicklen und zu fördern. Außer­dem soll eine Wiederverkäu­flichkeit imma­terieller Werke einge­führt wer­den. Auf Antrag der Oppo­si­tion wurde zudem das als Kampf­be­griff tit­ulierte Wort “Kosten­loskul­tur” aus den Empfehlun­gen genom­men.

So weit, so abse­hbar; man hat­te ja nun auch genug Zeit, sich darüber zu informieren, was das Volk eigentlich erwartet. (Die Iden­tität der Enquête-Mit­glieder, die dage­gen ges­timmt haben, kann ich mir anson­sten bere­its selb­st vorstellen, eine explizite Nen­nung ist tat­säch­lich nicht erforder­lich.)

Weniger abse­hbar war dies:

Zwar wurde ein Antrag zur Kul­tur­fla­trate nicht von der Mehrheit goutiert – aber ein ander­er Antrag, der inhaltlich eine Kul­tur­fla­trate bedeuten kön­nte, angenom­men. (…) Zum anderen enthält der Pas­sus aber auch die Empfehlung, “einen Anspruch von Urhe­berin­nen und Urhe­bern gegen Provider auf Zahlung ein­er Vergü­tung durch die Ver­w­er­tungs­ge­sellschaften” geset­zlich zu ver­ankern. Dass dies fak­tisch der Forderung nach Kul­tur­fla­trate gle­ichkommt, schien nicht allen Anwe­senden gle­icher­maßen bewusst.

Bevor nun allerd­ings gejubelt wird, empfehle ich zwei Gedankengän­gen zu fol­gen:

  1. Die Enquête ist ein zahn­los­er Tiger und hat unge­fähr so viel Durch­set­zungsver­mö­gen wie der Presser­at. Sie spricht “Empfehlun­gen” aus, das kann ich allerd­ings als Bürg­er eben­so, und ob und wie die Regierung diese “Empfehlun­gen” dann umset­zt, obliegt nicht mehr mein­er (oder der Enquête ihrer) Entschei­dung.
  2. Selb­st, wenn diese “Empfehlung” umge­set­zt wird, hat das mit ein­er Kul­tur­fla­trate nur wenig zu tun, denn sie besagt eigentlich nur, dass für den Ver­brauch­er das Inter­net wegen zusät­zlich­er Gebühren teur­er wer­den soll, nicht aber, dass damit die “Urhe­ber­recht­sansprüche” jed­welch­er Rechtein­hab­er automa­tisch ver­golten wer­den sollen.

Diese Ankündi­gung ein­er Ankündi­gung eines Zwis­chen­standes, der unter anderem besagt, dass die nicht vorhan­de­nen Inter­netsper­ren auch weit­er­hin nicht vorhan­den sein wer­den, wird nun also als “gutes Zeichen” gew­ertet. Ich ver­ste­he, man braucht ja was zu schreiben als “Jour­nal­ist”.
Lesen Sie näch­ste Woche: Während ein­er Sitzung der Enquête klin­gelte in Berlin eine Straßen­bahn. Ist dies das Ende der Enquête?

FotografieMusikKaufbefehle
So’n Festival: Informationsarme Rückschau auf eine nicht näher benannte Veranstaltung

Wenn ich nicht ger­ade auf selt­same fes­ti­vals gehe und dort fotografiere, gehe ich manch­mal auch auf selt­same fes­ti­vals und fotografiere dort.

Nicht jedes fes­ti­val ver­läuft so wie anlässlich des let­zten eben­solchen geschildert, denn tat­säch­lich haben andere fes­ti­vals, seien es nun die Hildesheimer Wal­lun­gen, sei es nun die hier auch weit­er­hin nicht näher benan­nte Ver­anstal­tung, noch weitaus obskurere Ziel­grup­pen, und damit ein­her geht das kollek­tive feel­ing des vol­lends Geis­teskranken, yo!

Will sagen: Wenn der über­re­gion­al bejubelte head­lin­er eines der Ver­anstal­tungstage wegen alko­holin­duzierten Delir­i­ums und daraus fol­gern­den Desin­ter­ess­es am eige­nen Schaf­fen mit­ten im Auftritt die eigene Bühne zu ver­lassen beab­sichtigt, Men­schen in Was-zum-Teufel?-esquen Kostü­men unter qua­si tosen­dem Beifall rein instru­men­tales Gek­loppe und Getröte zum Besten geben und das Niveau stetig singt sinkt, dann ist das schon so’n biss­chen meine Welt.

Wenn dann noch in strö­men­dem Regen Hun­derte, gewan­det in Kostüme zwis­chen leg­er und so was von retro, bis in die Nacht hinein zwei (allerd­ings sehr guten) Blasin­stru­men­tal­is­ten, ein­er Harfistin, ein­er Pauk­istin und einem Akustikgi­tar­ris­ten zujubelt, die in guter, alter Jethro-Tull-Manier (allerd­ings weniger sub­til) Flüche gegen Regierun­gen ausstoßen, wenn oben­drein das Zelt infolge zweier Tage Dauer­re­gens den Dienst quit­tiert, man also feucht und erkäl­tet und mit einem Schädel von hier bis (min­destens) Hon­olu­lu aufwacht und trotz­dem die beste Laune des ganzen ver­dammten Som­mers mit sich herumträgt, dann fühlt man sich doch schon ein biss­chen lebendig.

Jeden­falls meis­tens.

Sollte ein­er der hier Lesenden eben­falls zuge­gen gewe­sen sein, so empfehle ich eine entsprechende Äußerung zwecks Aus­tausches.

P.S.: Ent­deck­ung des Woch­enen­des ist Omnia. Kon­sum emp­fohlen. (Also Konz­ertkarten und Ton­träger, nicht die schnuck­e­lige Harfistin, latür­nich.)

P.P.S.: “Apple: Die Arro­ganz der Macht”; warum muss man für so grandiose Schlagzeilen ein­klich das “man­ag­er-mag­a­zin” lesen?

PolitikIn den Nachrichten
Zur Feier des Tages: Jubel und Frage

Feier des Tages:

Wehrpflicht wird zum 1. Juli 2011 aus­ge­set­zt

Jubel:
Endlich kön­nen wir uns wieder darauf konzen­tri­eren, die wirtschaftlichen Inter­essen Deutsch­lands auch mal im Inland zu vertei­di­gen!

Frage:
Was machen wir jet­zt mit all den poten­ziell gewalt­bere­it­en Jugendlichen? So islamis­che Ter­ror­camps sind ja auch nicht unbe­gren­zt auf­nah­me­fähig.

In den NachrichtenNerdkrams
Google+: Jetzt noch integrierter!

Erin­nert ihr euch noch an Google Buzz, Googles bish­er let­zten Ver­such, das Prinzip “soziales Net­zw­erk” auch außer­halb von Brasilien, wo man mit Orkut noch immer recht erfol­gre­ich ist, so umzuset­zen, dass es die Massen in Scharen wech­seln lassen wird, auf dass sie nie wieder ein anderes “soziales Net­zw­erk” anfassen mögen. “Ich bin Google Buzz, dein Web 2.0. Du sollst nicht haben ein anderes Web 2.0 neben mir.”

War halt nix, ist grandios gescheit­ert, will kein­er haben, The­ma durch. Aber so ein Google ist naturgemäß kämpferisch, und statt seine Nieder­lage zu akzep­tieren, bastelt man sich im Hause Google halt ein neues “soziales Net­zw­erk” zusam­men, und dann wieder, und dann wieder, und das macht man so lange, bis endlich mal jemand zuguckt, ist näm­lich lang­weilig son­st.

Aktuell hät­ten wir da also nun Google+ vor uns, das zwar einen ziem­lich behäm­merten Namen hat, aber mit den anderen Google-Dien­sten noch bess­er zusam­me­nar­beit­en und einen “Angriff auf Face­book” (c/o “heise online”) darstellen soll. Was Face­book erst “groß” gemacht hat, hat man bei Google immer­hin schon ver­standen:

Man startet bei Google+ nicht bei Null, son­dern importiert die Adress­dat­en aus dem per­sön­lichen Adress­buch bei Google.

So kann man seine “Fre­unde” (definiert anhand des Umstandes, dass man eine ihrer Mailadressen ken­nt) noch ein­fach­er mit Ein­ladun­gen beehren, beim Fratzen­buch hat’s ja auch geklappt, ob sie das nun wollen oder nicht. Die Inte­gra­tion mit Google Mail (“sollte man mei­den”, c/o BSI) tut ihr Übriges.

Wie so oft trifft es Ran­dall Munroe (xkcd) auf den Kopf:

Dabei wird das mit dem Wech­sel von einem anderen “sozialen Net­zw­erk” auch eben­so schwierig wie bei der ver­meintlichen Konkur­renz:

Google+ wird auch nur spo­radis­che Verknüp­fungsmöglichkeit­en mit anderen Social-Web-Ange­boten bieten.

“Du sollst nicht haben ein anderes Web 2.0 neben mir.”

Das ist jet­zt alles noch “cool” und neu und aufre­gend und, so lange es keine öffentliche Test­phase gibt, elitär (klar, so ein “soziales Net­zw­erk”, in das nicht jed­er reinkommt, ist schon eine enorm prak­tis­che Angele­gen­heit), und auf Bildern sieht es tat­säch­lich nicht ganz so unüber­sichtlich und undurch­dacht wie Face­book aus; ander­er­seits war auch Face­book irgend­wann mal “cool” und neu und aufre­gend.

Die in Klein­blog­gers­dorf bere­its umfassend gerühmte “Kern­funk­tion” von Google+, das (zugegeben­er­maßen) durch­dacht wirk­ende Konzept der “Cir­cles”, also voneinan­der getren­nten Fre­un­deskreise, ken­nt manch ein­er von dem freien “sozialen Net­zw­erk” Dias­po­ra, wo es “Aspects” heißt, direkt inno­v­a­tiv ist also auch Google+ nicht. Aber es ist “cool” und neu und aufre­gend und elitär.

Und all das, wie üblich, auf Kosten des Daten­schutzes der­er, die gar nicht erst mit­machen wollen.
So kön­nte das mit der “Konkur­renz zu Face­book” tat­säch­lich funk­tion­ieren.

Netzfundstücke
Urhebergetrolle

Es geht ger­ade durchs Inter­net: Das bekan­nte “Zensursula”-Bild soll, geht es nach dem Willen von Ralf Roletschek, aus dem Medi­enkat­a­log Wiki­me­dia Com­mons ent­fer­nt wer­den, da es ange­blich ein nicht aus­re­ichend eigen­ständi­ges Werk, basierend auf einem — nicht ein­mal von ihm selb­st — urhe­ber­rechtlich geschützten Foto, ist.

Auf­grund fehlen­der Rechtsken­nt­nisse möchte ich diese Diskus­sion aus inhaltlich­er Per­spek­tive nicht weit­er betra­cht­en, viel inter­es­san­ter erscheint es mir, mich näher mit der Per­son Ralf Roletscheks zu befassen.

Wiki­me­dia ist ein Pro­jekt, das davon lebt, dass seine Benutzer ihr geistiges Eigen­tum unter eine freie Lizenz stellen, statt sich mit erteil­ten Nutzungsrecht­en eine gold­ene Nase oder gar noch größere gold­ene Kör­perteile zu ver­di­enen, wenn ihr wisst, was ich meine. Ralf Roletschek gefällt das aber nicht:

Unab­hängig von momen­tan gel­tenden Richtlin­ien inner­halb der Wikipedia ver­ste­he ich alle von mir veröf­fentlicht­en Werke als GFDL 1.2 lizen­siert und trete gem. § 324 BGB vom Ver­trag GFDL 1.2+ zurück.

Ich wider­spreche jed­er Uml­izen­zierung mein­er Bilder von GFDL nach CC auf das Schärf­ste. Für mich als Inhab­er der Urhe­ber­rechte ist die Uml­izen­zierung durch die Nutzungs­be­din­gun­gen unter­sagt und wird mit Benutzersperre bedro­ht. Daher hat auch die Wiki­me­dia Foun­da­tion kein­er­lei Recht, meine Bilder willkür­lich umzulizen­zieren. Ich werde jegliche Form der Uml­izen­zierung als rechtswidri­gen Akt und Ver­trauens­bruch werten.

(Her­vorhe­bun­gen von mir.)

Jet­zt mal für ganz Blöde (mich) zum besseren Ver­ständ­nis for­muliert, sofern unter meinen Lesern auch kom­merziell aktive Kreative sind: Da kommt also ein — zugegeben­er­maßen recht pass­abler — Fotograf in die Wikipedia, um sein Kön­nen in den Dienst der Ver­bre­itung freien Wis­sens zu stellen, und pfeift dann auf die Hau­sor­d­nung (“Nutzungs­be­din­gun­gen”), auf die er sich ander­er­seits beruft, indem er darauf beste­ht, dass ihm die Ide­ale frei ver­w­ert­baren Wis­sens erst mal dezent am Arsch vor­beige­hen, er dies gar als “Schmarotzen” beze­ich­net. — Was also hat dieser Men­sch in einem solchen Pro­jekt über­haupt ver­loren?

Denkt darüber nach, wenn ihr das näch­ste Mal “die Wikipedia ist voller Trolle” in irgen­dein Blog schmiert. Trolle sind bekan­ntlich die, die am lautesten “Troll!” schreien.

SonstigesIn den Nachrichten
Medienkritik LII: Alle Namen frei erfunden

Dass die ten­den­ziell linkssym­pa­this­che “taz” auch online auf reißerische Über­schriften nur ungern verzichtet, hat Tra­di­tion, und sollte ich irgend­wann mal ein Buch darüber schreiben, werde ich es “Die indezente Anbiederei der Totholzme­di­en an die junge Gen­er­a­tion” be- oder min­destens unter­titeln, aber erwäh­nenswert ist der jüng­ste Artikel über Polizeige­walt in Braun­schweig nicht etwa wegen der­ar­tiger stilis­tis­ch­er Män­gel, son­dern wegen der Eige­nart der so genan­nten “Presse”, Namen von Per­so­n­en zu ändern.

Die Unken­ntlich­machung, etwa mit­tels Abkürzung, ist manch­mal, etwa um die jew­eili­gen Per­so­n­en vor was-auch-immer zu bewahren, sicher­lich ange­bracht, lei­der ist es Wirrköpfen noch immer nicht unter­sagt, sich über das Tages­geschehen zu informieren, aber welchen Zweck hat es, tat­säch­liche Namen durch völ­lig andere zu erset­zen?

Zum Einen erweckt diese beliebige Aus­tauschbarkeit der Pro­tag­o­nis­ten den Ein­druck, dass man es nicht mit ein­er tat­säch­lich wahren Begeben­heit, son­dern mit bloßer Fik­tion zu tun hat, zum Anderen sollte man bedenken, dass Namen sel­ten ein­deutig sind und eine “Nina Stef­fen (Name geän­dert) aus Braun­schweig” um Braun­schweig herum dann halt auch mal existieren kann.

Wie saublöde es ist, über­haupt Namen zu erfind­en, wenn diese für die eigentliche Nachricht nicht mal irgen­deinen Mehrw­ert bieten, sehen wir in besagtem “taz”-Artikel am Beispiel der erwäh­n­ten Frau Stef­fen, die ins­ge­samt dreimal “namentlich” — “Name geän­dert” — genan­nt wird:

Polizis­ten (…) beschlagnahmten die Woh­nungss­chlüs­sel in sein­er Tasche und durch­sucht­en damit die Woh­nung sein­er Gast­ge­berin Nina Stef­fen*.

“Sie legten dabei wed­er einen Durch­suchungs­beschluss vor, der für eine solche Maß­nahme notwendig wäre, noch gaben sie einen Grund an”, sagen Besuch­er der Woh­nungsin­hab­erin Nina Stef­fen.

(…)

“Wir prüfen zurzeit, welche rechtlichen Schritte unsere Anwälte ein­leit­en”, sagt die betrof­fene Woh­nungsin­hab­erin Nina Stef­fen.

Ihr habt es sich­er gemerkt: Den — wohl von irgen­deinem Prak­tikan­ten, der ger­ade nichts zu tun hat­te — erfun­de­nen Namen, übri­gens nur ein­mal kor­rekt als “geän­dert” gekennze­ich­net (das wäre natür­lich die per­fek­te Tar­nung; den echt­en Namen ein­fach als “geän­derten Namen” anzugeben!), hätte man kom­plett weglassen kön­nen.

Wird man bei der “taz” eigentlich nach Wörtern bezahlt?

Spaß mit Spam
Nassnageln

Ui, wieder mal eine Betr­e­f­fzeile, die Spaß ver­spricht, und zwar von ein­er gewis­sen Dr. Katha­ri­na Klara, ver­mut­lich mit ergaunertem Dok­tor­ti­tel, via Bertha.Hirschiaeqi@potnez-fuer-maenner.info, wohl eine Fre­undin der Dame.

Diese Hack­er heutzu­tage — jet­zt gibt es schon eigene Bot­net­ze (“Pot­neze”) nur für Män­ner! Nur schreiben könn’se es nicht.

Und wie lautet die Betr­e­f­fzeile?

Nageln Sie Ihre Frau nass?

Nee, nicht direkt…
Moment — ob ich was mache?! 8O

Schoe­nen Guten Tag

Hal Li Hal Lo

Sie wür­den gerne zufriedene Stun­den erleben? Braucht Ihre Part­ner­in wieder mehr Erfül­lung?

Irgend­wo habe ich mal gele­sen: Ein Mann, der endlich wieder zufriedene Stun­den erleben möchte, schenkt sein­er Part­ner­in einen Urlaub ganz für sich allein. Damit wäre doch bei­den gedi­ent?

Zeit für gemein­sam erlebte Leidens^chaft (sic!) ist für Sie wichtig?

Frau Dr. Katha­ri­na Klara scheint das anders zu sehen, denn sie set­zt “Erfül­lung”, “Zufrieden­heit” und “gemein­sam erlebte Leidens^chaft” ca. gle­ich. Nichts­destotrotz traut sie Män­nern nicht viel zu:

Stärken Sie Ihre Kräfte auf ein­fache und den­noch !ser­iöse Art.

Für erfüllte Zufrieden­heit während gemein­sam erlebter Leidens^chaft sind Män­ner näm­lich offen­bar naturgemäß zu schwach und brauchen drin­gend Hil­fe.

(Als alter Infor­matik­er ist mir ja zuerst das boo­lesche “!ser­iös”, also “nicht ser­iös”, aufge­fall­en.)

Wie diese Hil­fe aussieht?

Hil­fe erhal­ten Sie sich­er #und (sic!) bequem beim Bestellen im Inter­net. Und das ganz ohne den neugieri­gen Blick ander­er Kun­den oder des Nach­barn.

Klar: Ein­fach irgend­was im Inter­net bestellen, schon ist man die spanis­che Fliege im Man­neskör­p­er höch­st­selb­st. Mache ich gle­ich mal; ein neues Buch kann nie schaden. Aber was mache ich dann nur mit all der Man­neskraft?

Darauf weiß die Frau Dok­tor lei­der auch keine Antwort, verzettelt sich stattdessen in nichts sagen­den Ver­linkun­gen und der eige­nen Iden­tität:

http:(Link unken­ntlich gemacht)

Mit fre­undlichem Gruss,
Klau­dia Bum­gar­ner

Wer kann helfen?