Die Titelgeschichte des dieswöchigen SPIEGELs (“Die digitale Unterwelt: Das verborgene Netz der Internet-Verbrecher”) klang nach toller Realsatire, also griff ich zu; und lachte schon beim Lesen der Leserbriefe (“Die Ära Merkel muss schleunigst beendet werden”, fordert ein Herr Manfred Merkel dort).
Natürlich sollte man vom SPIEGEL keine professionellen EDV-Kenntnisse (oder gar professionellen Journalismus jedwelcher Art) erwarten, das tu ich auch nicht, aber wer derart reißerisch damit wirbt, dass das Internet voller Gefahren stecke, der sollte sich nicht wundern, wenn man seine Ausführungen kritisch beäugt.
Und ich beäuge dann mal.
Zentrales Thema des Artikels sind “Fakeshops”, also Verkäufer, die Geld annehmen und dann ohne Lieferung auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Hierzu gibt es einige durchaus wissenswerte Hintergrundinformationen, allerdings scheitert es dann doch an Kleinigkeiten (eine IP-Adresse wird etwa als “Rechnerkennung” bezeichnet).
Zwar vermeidet man beim SPIEGEL trotz wiederholter Einbindung des Jolly Rogers den Begriff des “Raubkopierens” (stattdessen nennt man es dort “illegales Kopieren”), aber so recht verstanden hat man das alles immer noch nicht, denn selbstverständlich wird außer der “Rahmenhandlung”, also den “Fakeshops”, auch noch anderes thematisiert, etwa das Erspähen von Bankdaten und ähnliche Kriminalitäten, und da steht oft ein riesiger Bockmist drin, wie man ihn vom SPIEGEL beim Thema EDV auch nicht anders erwartet hätte.
So kommt die Sprache auch auf die Aktivitäten von “LulzSec”, mittlerweile wieder aufgelöster Teil von “Anonymous”: Es handele sich um “lose, politisch motivierte Gruppierungen, die kein Geld wollen, sondern bloß Aufmerksamkeit”, und mir scheint, beim SPIEGEL hat man da was nicht verstanden, denn während es zutrifft, dass “Anonymous” eine lose, politisch motivierte Gruppierung ist und weder “Anonymous” noch “LulzSec” primär auf Geld aus sind und waren, wenngleich letztere explizit um Bitcoin-Spenden baten, ist der Rest hanebüchener Quatsch. Vor allem der Umstand, dass “Anonymous” ernsthafte Ziele verfolgt, sollte einem so genannten “Nachrichtenmagazin” schon ein wenig Hintergrundrecherche abringen, aber wer braucht schon Detailwissen?
Sony seien “Daten gestohlen” und der Citigroup “Datensätze geklaut” worden, heißt es weiter, aber anscheinend waren die Täter ja von Mitleid geplagt, immerhin hatten die Betroffenen ihre Daten schnell zurück, nur eine Kopie verblieb öffentlich lesbar im Internet. (Da haben wir wieder das Dilemma mit dem “Raubkopieren”, also dem “Stehlen von Daten”.)
Ja, gut, sagen nun meine Leser, aber so allgemein journalistischen Verstand abseits der Informatik hat man beim SPIEGEL dann doch noch? Nun, das dachte ich auch.
Aber nehmen wir einmal den erwähnten Artikel: Eine Frau wird erwähnt, die “Jagd” auf “Fakeshops” macht. Ihre Identität möchte sie schützen, darum fotografiert man sie nebst Sohn (!) beim SPIEGEL nur von hinten und druckt obendrein einen Drohbrief in voller Länge ab, der die Wohnsituation der Frau ausführlichst beschreibt. Mir kommen da spontan die “Facebook-Partys” der letzten Wochen in den Sinn, zu denen die Medien ausdrücklich nicht aufriefen, indem sie Termin und Ort plakativ verbreiteten.
Mal ganz ehrlich, Marcel Rosenbach und Hilmar Schmundt vom SPIEGEL, das Internet ist gar nicht so böse. Schaut, es hilft euch sogar, Fehler zu erkennen und zukünftig zu vermeiden. — Andererseits sollte ich zumindest diese Hoffnung beim SPIEGEL dann doch langsam mal aufgeben.

Ich habe den Spiegel-Beitrag auch gelesen. Tut mir leid mein Lieber, aber deine sogenannte “Kritik” ist sowas von sinnentleert, mir fehlen die Worte. Und ich dachte immer, ich wäre der einzige Zeilenschinder. So etwas nenne ich einen Elefant aus der Mücke machen und die virtuellen Realitäten zu verkennen. Und diese verpickelten Idioten Marke „Anonymous“ und „Lulz Sec“ sind überflüssig wie ein Kropf und gehören geteert und gefedert.
Welche virtuelle Realität verkenne ich denn? Jaha, das Internet ist voller Bösewichte, wie der SPIEGEL-Tittel suggeriert, sobald man sich einloggt, bekommt man Krebs, oder wie?
Nein, “Anonymous” sind nicht überflüssig, sie sind vielmehr die Konsequenz aus unserer Politik und ein Ausdrucksmittel der Freiheit des Individuums. Das gefällt dir nicht? Das gefällt auch einigen Diktatoren nicht…
Ich will da nich direkt in die Kerbe springen, aber das inhaltsfreie Gewäsch zu diesem Minithema beim Speichel gibt m.E. nicht allzuviel her. Diese Lachnummer mit den Fakeshop-jägern würde ich eher bei denen ranten als beim Spiegel.
Beim Spiegelgewäsch hab ich kurz überlegt was zu schreiben, aber dass die so “Fakeblogger” also Leute, die bestellte Waren nicht ausliefern als Hacker titulieren hat dann doch nicht gereicht. Spiegel halt, sollte man wissen, was davon zu halten ist.
Was allerdings wirklich lustig wird sind die Leserbriefe der ganzen “gehackten” und anderen Nasen näxte Woche. Mhh, na wobei, die Leserbriefe sind egtl. fast generell an schreiendem Unsinn ausser vom Spiegel selbst schwer zu übertreffen.
Ich habe mir diese Ausgabe des SPIEGEL nur gekauft, weil ich mal gucken wollte, ob der so schlecht ist, wie es der Titel versprach. Hatte Glück.