KaufbefehleMusikkritik
Musik 06/2011 — Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 7 von 29 der Serie Jahres­rück­blick

Huch, schon wieder ist Juni, das geht ja immer schnell! Und tra­di­tionell bringt so ein Juni nicht nur zu dicke Mäd­chen in zu dün­ner Klei­dung mit sich, son­dern außer­dem meine Hal­b­jahres­rückschau der gefäl­lig­sten und unge­fäl­lig­sten Musikalben, erst­mals kom­plett mit Alben des Jahres 2011 befüllt.

Und in so einem hal­ben Jahr kann sich viel ändern. Im Feb­ru­ar etwa rühmte ich das Album “I’m Your Sav­iour” von Tox­ic Smile, für diese Liste aber hat es den­noch keine Berück­sich­ti­gung mehr gefun­den, da die schiere Masse an guter Musik anson­sten den Rah­men dieser Inter­net­seite gesprengt hätte und ich somit wieder einiges aussieben musste. Auch habe ich es lei­der nicht immer geschafft, mich jedem Musikalbum, das mich inter­essiert hätte, rechtzeit­ig aus­re­ichend aus­führlich zu wid­men; die beim Probe­hören recht vorzüglichen Alben “Flan­ders Fields” von Hum­ble Grum­ble und “Blown Realms and Stalled Explo­sions” von den Enablers bitte ich das geneigte Pub­likum also selb­st zu rezen­sieren. (Gern als Kom­men­tar hier unten drunter. ;) )

Aber es ist auch ohne diese Alben eine recht abwech­slungsre­iche Liste gewor­den, von der ich hoffe, dass sie nicht jedem von euch bloßes Miss­fall­en bere­it­et. ‘Musik 06/2011 — Favoriten und Analyse’ weit­er­lesen »

Nerdkrams
Cine24.tv: Betrug hat Tradition

Wer ern­sthaft dachte, das Ende von Kino.to würde auch dem gewerb­smäßi­gen Betrug im Inter­net einen empfind­lichen Dämpfer ver­passen, der hat sich geir­rt. Die desig­nierten “Nach­fol­ger” der erwäh­n­ten Seite sind keines­falls bess­er.

Als solche wer­den zum Beispiel Movie2k.to und Cine24.tv genan­nt. Zweit­ere Seite, die sich anscheinend also großer Beliebtheit erfreut, schaue ich mir dann mal mit einem ungesicherten Brows­er an, um das ganze Aus­maß der Katas­tro­phe auch so richtig genießen zu kön­nen. Also mit Chromi­um ohne irgendwelche Block­ier­hil­fen.

Das stellt sich aber als schwierig her­aus, denn ohne zumin­d­est einen aktivierten Wer­be­block­er dauert es eine Weile, bis man zwis­chen all den blink­enden Spon­soren­grafiken das eigentliche Fil­mange­bot ent­deck­en kon­nte. Auf meinem Bild­schirm jeden­falls musste ich dafür scrollen, obwohl der Brows­er im Voll­bild­modus betrieben wird. (Allerd­ings musste ich nicht erst eine dieser total wichti­gen Ein­gangs­seit­en wegk­lick­en; das ist schon mal ein guter Anfang!)

Von der Herum­sucherei bere­its dezent gen­ervt klicke ich also auf einen beliebi­gen Film und bin ges­pan­nt, was passiert. Oh, ein Lay­er­pop­up mit mehreren Frauen, die offen­bar kein Geld haben, sich etwas zum Anziehen zu kaufen, aber klare Wün­sche äußern: “Regens­burg, Osten­vier­tel, 30 Jahre möchte Can­dy”, also Süßkram. Hat ihre Klam­ot­ten wohl für Gum­mibären vertickt, die Gute. Kopf schüt­tel­nd klicke ich auf das “X”, eigentlich wollte ich ja etwas ganz anderes. Dass neben­bei ein zweites Fen­ster geöffnet wird, das mich darüber informiert, dass derzeit wohl ziem­lich viele Frauen ziem­lich viel Geld in Web­cams investieren, ignoriere ich gekon­nt.

Ich wende tapfer meinen Blick von den all­ge­gen­wär­ti­gen Blinke­ban­nern ab (“Echte Fick­dates jet­zt live vor der Web­cam”, wie das wohl funk­tion­iert?) und scrolle wieder ein­mal abwärts. Ein etwa zweim­inütiger Trail­er ist zu sehen, für den kom­plet­ten Film müsste ich aber woan­ders hin­klick­en. Nur: Wohin?

Die Ver­weise zum “HD-Stream” führen mich zu einem eige­nar­ti­gen Usenet-Restev­er­w­ert­er. Schön, dass es das Usenet noch gibt, schade, dass es nie­mand mehr ver­ste­ht. Dann muss ich mich wohl mit “LD” zufriedengeben, denke ich, und klicke auf einen der drei “Film ab!”-Verweise. (Wer ein guter Strea­man­bi­eter ist, der weiß, dass ein Hoster allein nicht reicht. “Vide­oweed” — kan­nte ich noch nicht, klingt aber sym­pa­thisch.) “Bock auf die Nach­barin?” fragt mich der­weil ein blink­ender Wer­be­ban­ner. Ich bin erschüt­tert.

Das Fen­ster, in dem ein unbe­darfter Anwen­der nun eigentlich den Film erwarten sollte, sieht übri­gens so aus:

Als beson­dere Würze ver­schwinden die bei­den “Play Now”- und “Download”-“Schaltflächen” oben übri­gens gle­ich, nach­dem ich dieses Bild anfer­tigte, und wer­den erset­zt von einem “Labyrinth”, das man mit einem “Bleis­tift” von Start bis Ziel nachze­ich­nen soll. Dabei ist es übri­gens egal, ob man über­haupt trifft: Sobald der “Bleis­tift” das “Ziel” erre­icht, geht ein neuer Tab auf, der Jam­bas neuestes Klin­gel­ton­abon­nement feil­bi­etet. Kaum hat­te ich mich darüber aus­re­ichend gewun­dert, waren die bei­den “Schalt­flächen” auch schon wieder da. Wer aber erwartet hätte, dass ein Klick auf “Down­load” den Film herun­ter­lädt, der ist schief gewick­elt: Tat­säch­lich wird etwas “herun­terge­laden”, was als “gratis” ange­priesen wird. Es han­delt sich um ein Pro­gramm des Namens “iLividSetupV1.exe”, und nach kurz­er Recherche find­et unsere­ins her­aus, dass dieses Pro­gramm irgend­was mit diesen wer­be­fi­nanzierten Quatschbild­chen für irgendwelche Chats zu tun hat, aber sich­er keinen Film­genuss beschert. (Aber ob das auch der “typ­is­chen Klien­tel” von Cine24 bekan­nt ist?) “Play Now” tut übri­gens das­selbe.

Der YouTube-ähn­liche “Abspielen”-Knopf, der auf der Seite zu sehen ist, hat über­haupt keinen Effekt. Also her­aus aus dieser Sack­gasse. Ver­suchen wir es mal mit “rapid­load” (“100% sagten gut”, das muss ja was bedeuten!):

Selb­stver­ständlich genügt mir als unbe­darftem Streamguck­willigem der “kosten­lose” Stream. Den Spaß, mir voraus­sagen zu lassen, wann ich denn zu heirat­en beab­sichtige, gönne ich mir eventuell später, jet­zt will ich endlich diesen blö­den Film guck­en. Ich tippe stumpf vier Zif­fern ab, klicke auf “Stream anse­hen” und … muss erst mal den Ban­ner wegk­lick­en (“CLOSE AD”, der Mauszeiger ver­wan­delt sich hier­für nicht in eine Hand). Aber der Stream läuft. Danach. Unfass­bar.

Um hier­her zu gelan­gen, hat der typ­is­che Anwen­der sich also unzäh­lige Track­ing-Cook­ies einge­fan­gen, Pro­gramme aus dubios­er Quelle herun­terge­laden, deren Zweck nicht erläutert wird, und den Betreibern des Por­tals fleißig dabei geholfen, ihr ille­gales Ange­bot, für das sie selb­st ver­mut­lich nicht ein­mal allzu viel bezahlt haben, mehr als nötig zu finanzieren. Sofern seine Geduld ihn über­haupt an diesen Punkt kom­men ließ.

Ich bezwei­fle, dass es bei anderen Dien­sten dieser Art anders zuge­ht; immer­hin ist Cine24 nur ein willkür­lich aus­gewähltes Beispiel. Während der Recherchen zu diesem Beitrag stieß ich unter anderem auch auf einen Streamin­gan­bi­eter, bei dem es nicht ein­mal möglich war, Streams wirk­lich anzuse­hen, stattdessen wurde der Surfer stets darauf aufmerk­sam gemacht, er solle doch bitte zunächst das Xvid-Plu­g­in instal­lieren, und zwar nicht etwa eine garantiert viren­freie Ver­sion, son­dern eine von einem dubiosen Serv­er, den ich hier aus Grün­den nicht ver­linke. “Logisch”, wird der unbe­darfte Surfer denken und gedanken­los alles anklick­en, was man von ihm ver­langt, damit er nur endlich diesen blö­den Stream sehen kann. Echt prak­tisch, dieses Stream­ing.

Wer anderen Inter­net­be­nutzern also allen Ern­stes erzählen will, das Anguck­en von Fil­men auf irgendwelchen ominösen Stream­ing­seit­en sei “sich­er”, ist ein gemeinge­fährlich­es Arschloch und/oder zumin­d­est ein riesen­großer Depp. Aber ich befürchte, dass diese War­nung, wie so oft, unge­hört ver­hallen wird; bis zum näch­sten “Zwis­chen­fall” eben.

MusikFotografie
Tagträume

Can’t you feel that sun a‑shinin’?
Ground hog run­nin’ by the coun­try stream
This must be the day that all of my dreams come true
So hap­py just to be alive
Under­neath the sky of blue
On this new morn­ing, new morn­ing…

- Bob Dylan: New Morn­ing

MusikIn den NachrichtenKaufbefehle
(Diesmal wirklich) kurz verlinkt L (2): U.a. Sex und Rock’n’Roll

20min.ch:

Kindergärtler inter­essieren sich für die Unter­schiede zwis­chen Mann und Frau.

Ich habe da erst “Kindergärt­ner” gele­sen. 8O

Kinder ab vier Jahren sollen ihren eige­nen Kör­p­er spielerisch wahrnehmen, …

Und wenn das ein Erwach­sen­er zu ihnen sagt, ist er in der Gesellschaft nicht mehr willkom­men. :mrgreen:

… Kör­perteile benen­nen oder angenehme von unan­genehmen Berührun­gen unter­schei­den kön­nen.

“Penis! Hihi­hi!

(Und die Kinder sollen keines­falls ler­nen, angenehm und unan­genehm voneinan­der zu unter­schei­den, son­dern sie sollen ler­nen, was sie gefäl­ligst angenehm und was unan­genehm zu find­en haben; sie sollen qua­si Unmündigkeit erler­nen.

Ich als Kind habe es zum Beispiel aus hygien­is­chen Grün­den ver­ab­scheut, meine Mitkinder an der Hand zu nehmen, das war für mich somit eine äußerst unan­genehme Berührung, den­noch ist kein Erzieher dage­gen vorge­gan­gen, und ich lei­de heute noch schmer­zlich unter der erlit­te­nen See­len­qual, schnüff; während ich das, was Kinder heutzu­tage als unan­genehme Berührun­gen oktroyiert bekom­men, damals schon ein wenig ver­mis­ste. Zeit­en ändern sich.)


SPIEGEL.de:

Tra­di­tionell zeigten sich die Besucherin­nen des berühmten britis­chen Pfer­deren­nens am “Ladies Day” mit beson­ders gewagten Hüten.

Beina­he kam es zum Eklat, als sich eine Besucherin “oben ohne”, also ohne Hut, Ein­lass ver­schaf­fen wollte. Sicher­heit­skräfte kon­nten die Frau über­wälti­gen und unauf­fäl­lig durch den Hin­terein­gang hin­aus­be­gleit­en.


Golem.de:

Chrome 14 soll sichere Inhalte sich­er machen

Stellt die mar­ket­ing-Abteilung von Apple jet­zt auch Arbeit­skräfte für andere Unternehmen zur Ver­fü­gung?


EIn abschließen­der Tipp für meine Musik schätzen­den Leser: Auf RollingStone.com ist ein Teil des kom­menden Yes-Albums “We Can Fly From Here” bere­its als “Vorschau” ver­füg­bar. Gutfind­en emp­fohlen.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt L: Hannover-Lindens dunkle Seite

Über die eige­nar­ti­gen Denkstruk­turen der “Linken” kann man sich bei Bedarf rund um die Uhr wun­dern. Rück­wärts­ge­wandt und staats­feindlich wollen sie, die in den let­zten Wochen vor allem mit ver­meintlich anti­semi­tis­chen Geis­te­shal­tun­gen aufge­fall­en sind, nicht sein, mit RAF und ähn­lichen Grup­pen verbindet die mod­erne “Linke” nichts mehr.

So weit die The­o­rie.

Nun begab es sich, dass die “Linken” eine jüngst stattge­fun­dene Haus­be­set­zung in Han­nover — wieso auch immer man aus­gerech­net in Han­nover irgend­was beset­zen wollen sollte — guthießen, in deren Ver­lauf sich gle­ich­falls als “Linke” beze­ich­nende Jung­men­schen ein “Zeichen gegen Gen­tri­fizierung” set­zen woll­ten, indem sie ein­fach mal so beschlossen, dass Besitzrechte an irgendwelchen Immo­bilien sich eben­so wie etwaige Anwohn­er gefäl­ligst den Inter­essen der “Gesellschaft”, also zumin­d­est ihnen, unterzuord­nen seien.

Das war dann zwar nix, aber von so was lässt man sich ja als stolz­er “link­er” Staats­bürg­er nicht ins Bock­shorn jagen.

Der Lin­den­er Löwe fasst zusam­men:

Rein woll­ten zum Beispiel die Haus­be­set­zer in die Lim­mer­straße 98, aber vor ihnen wollte auch ein neuer Besitzer rein, um das Haus abzureißen und es durch etwas zu erset­zen, das wohl nicht hüb­sch­er sein wird. So kamen die Polizis­ten reingestürmt, die Beset­zer mussten wieder raus und in den näch­sten Tagen oder Wochen wird wohl die Abriss­birne etwas zu tun bekom­men. Wer etwas besitzt, wird nun ein­mal vom Geld entsch­ieden, und wer etwas beset­zt, weiß das eigentlich.

Nun ist der “Lin­den­er Löwe” derzeit eben­so wenig erre­ich­bar wie einige Blogs des “Nachtwächters”, den ich hier nur allzu gern ver­linke, und ich ver­mute, das ist kein Zufall, haben doch die bei­den Autoren sich über die Haus­be­set­zung im All­ge­meinen und über die genauen Umstände im Speziellen lustig gemacht, und so ein “link­er” Autonomer ver­ste­ht da keinen Spaß.

Das war aber auch ein Blödsinn, den die Beset­zer da verzapft haben:

Als die Beset­zung ver­gan­genen Mittwoch begann, waren die Forderun­gen klar. Ein Abriss der Gebäude aus der Grün­derzeit der Lim­mer­straße sollte ver­hin­dert wer­den, um sie für eine unkom­merzielle Nutzung zur Ver­fü­gung zu stellen.

Und nach­dem der Eigen­tümer da ziem­lich viel Geld bezahlt haben dürfte, um so schal­ten und wal­ten zu dür­fen, wie ihm ger­ade die Laune ste­ht, ist es natür­lich eine ger­adezu men­schen­feindliche Hal­tung, wenn er über das, was mit seinem Geld geschieht, gern selb­st entschei­den würde; voll der Ego­ist! Blöder­weise ist Ego­is­mus hierzu­lande nicht straf­bar, anderes aber schon:

Der Rück­griff auf Polizeige­walt zur Durch­set­zung der beste­hen­den Eigen­tumsver­hält­nisse ist charak­ter­is­tisch für bürg­er­lich-kap­i­tal­is­tis­che Gesellschaften.

Da hat aber jemand seinen Karl Marx auswendig gel­ernt. :mrgreen:
Der bürg­er­lich-kap­i­tal­is­tis­che Staat, in dem das Eigen­tum eines Men­schen geset­zlich geschützt ist, ist wahrlich ziem­lich unmen­schlich. Jeden­falls, wenn es nicht das eigene ist.

Und die Beset­zer wis­sen zwar nicht so recht, was Eigen­tum ist, aber “Men­schen” ken­nen sie. “Men­schen” sind sie selb­st, und sie unter­schei­den sich von ihren “Mit­men­schen” dadurch, dass sie für “die gute Sache” kämpfen. Wer nicht kämpft, ist nur noch “Anwohn­er”:

Anwohner_innen (sic!) ver­sorgten die Men­schen im Haus mit Lebens­mit­teln, Möbeln oder boten konkrete Unter­stützung bei Ren­ovierungsar­beit­en an.

Wäre ich Anwohn­er, ich käme mir, gelinde gesagt, ziem­lich ver­arscht vor.

(Unbe­d­ingt weit­er­lesen beim Nachtwächter; sicher­heit­shal­ber als Kopie hier gespiegelt, falls wordpress.com auch zufäl­lig tech­nis­che Prob­leme bekommt.)

Spaß mit Spam
Liebesbrief für Anfänger (oder: Facebook 0.1)

Hel­lo dear,

How are you doing my name is Susan i am search­ing for a friend and i want to be your friend, i am look­ing for a friend i hope we can com­mu­ni­cate ‚i will be very hap­py if you can reply my direct­ly and reply with some pic­tures of your­self.

From Susan.


You received this mes­sage from the “vim_use” mail­list. (…)

“Hal­lo, mein aller­lieb­ster Haselpurzelschnuffel­bär,

wie ist das werte Befind­en? Mein Name ist aus­gedacht und ich brauche Fre­unde, und weil ich keine habe, kamst du mir spon­tan in den Sinn. Ich hoffe, wir kön­nen kom­mu­nizieren, denn anson­sten schreibe ich diese Mail ger­ade ins Nir­wana. Ich wäre voll froh und so, wenn du mir direkt antworten würdest. Ach, und hast du ein Bild von dir? Ich bin näm­lich nicht nur ein­sam und habe keine Fre­unde, son­dern ich bin außer­dem noch ober­fläch­lich, was natür­lich nichts damit zu tun hat. Kreuz an: Ja/Nein (aber nicht bei­des!).

Knud­del­wud­del­bus­si,
deine {Unle­ser­lich}

P.S.: Wenn du mir direkt antwortest, wer­den all deine Fre­unde davon erfahren.”

(Abteilung: Briefe, die in mein­er Schulzeit immer nur die anderen Jungs bekom­men haben, worum ich sie nur sehr sel­ten ein biss­chen benei­de.)

Sonstiges
GiS goes to the Brocken.

Sollte irgen­dein Zeitgenosse übri­gens der Mei­n­ung sein, Schul­bil­dung und Sprachver­lot­terung ver­liefen umgekehrt pro­por­tion­al zueinan­der, so muss ich ihn lei­der ent­täuschen:

Lei­der hat der Organ­isator dieser Ver­anstal­tung seine Kon­tak­tadresse nicht hin­ter­legt; insofern bleibt der Handzettel qua­si als stum­mer Zeitzeuge erhal­ten.

(Sollte er über irgendwelche Umwege diese Zeilen lesen, erbitte ich einen kurzen Kom­men­tar, ich würde wirk­lich liebend gern mit Ihnen disku­tieren!)

PersönlichesMusik
“Hey Mr. Rain, won’t you follow me down?”

Die allmäh­liche Zer­set­zung jed­er verbliebe­nen pos­i­tiv­en Geis­te­shal­tung auch im Juni als Win­ter­de­pres­sion zu beze­ich­nen wäre ver­mut­lich allzu vere­in­facht. Gesucht: Sowohl ein Wort, das den Zus­tand inner­er Leere und geistiger Ziel­losigkeit beschreibt, als auch ein Grund, sich dafür über­haupt irgen­dein Wort merken zu wollen. Guten Mor­gen, die Vögel sin­gen, die Welt liegt in Scher­ben, bitte aufräu­men, bis die Nach­mi­eter da sind.

(Und dann zumin­d­est der Ver­such der Ablenkung. Die Leere im Kopf mit Klän­gen füllen und hof­fen, dass er die List nicht bemerkt.)

(Sollte man auch mal wieder häu­figer im so genan­nten “Musik­fernse­hen” zeigen.)

Ein schönes Woch­enende wün­sche ich.

In den NachrichtenPolitik
Kurz verlinkt IL: Wurzelplagiat

Erin­nert sich noch jemand an die zahlre­ichen Hin­weise darauf, dass Fam­i­lie von und zu und hin­term Gut­ten­berg wegen der ober­fränkischen Ver­wurzelung niemals Deutsch­land ver­lassen würde, unter anderem auch geäußert von Stephanie usw. höch­st­per­sön­lich?

Hof­fentlich, denn:

Der “Spiegel” meldete am Fre­itag vor­ab unter Beru­fung auf Ver­traute des CSU-Poli­tik­ers, der 39-Jährige werde mit sein­er Frau Stephanie und seinen bei­den Töchtern für min­destens zwei Jahre in die USA oder nach Großbri­tan­nien ziehen.

Sind seine Wurzeln etwa auch nur plagi­iert? :mrgreen:

Aber vielle­icht ist all das auch nur ein Ver­such der Ablenkung von seinen Mis­se­tat­en, auf dass er als ver­meintlich geläutert­er Zeitgenosse wieder fre­undlich in Emp­fang genom­men wird vom Pöbel:

Für die Zeit danach habe er eine Rück­kehr in die Poli­tik nicht aus­geschlossen.

Also seid wach­sam!

Spaß mit Spam
OFFIZIELLE GEWINNBENACHRITIGUNG

Bei solchen Betr­e­f­fzeilen würde ich sog­ar Kopfweh bekom­men, wären sie nicht in brül­len­den Großbuch­staben ver­fasst.
Und worüber möchte “Frau Ani­ta Smith” (“FRAU ANITA SMITH”) vom “Sitz des Prasi­den­ten der EuroMil­lions Lot­tery Pro­mo­tion” in “Madrid” mich da “benachrit­i­gen”? (Aus Grün­den der Les­barkeit werde ich allzu brül­lende Zeilen im Fol­gen­den aus­lassen.)

Wir sind erfreut ihnen mit­teilen zu kon­nen, das die gewinnliste

Die EuroMil­lions LOTTERY PROMOTION am 02 . Juni 2011 erschienen ist, vor­bei Co-organ­isiert World Tourism Organization/Spanish Min­is­te­rio de Touris­mo.

Angesichts des das-dass-Schreibprob­lems kann man zumin­d­est davon aus­ge­hen, dass “Frau Ani­ta Smith” Deutsche ist. Eine echte mul­ti­kul­turelle Lot­terie also. Nun stellt sich mir natür­lich die Frage, ob in der Beze­ich­nung “Die EuroMil­lions Lot­tery Pro­mo­tion” aus­gerech­net das Wort “die”, “stirb”, doch für den deutschen Artikel ste­hen sollte. Einiger­maßen sin­n­frei wäre bei­des. Aber von solchen Kinker­l­itzchen lasse ich mich nicht aufhal­ten, immer­hin hat das spanis­che Welt­touris­mus­min­is­teri­um diese Lot­terie vor­beikoor­gan­isiert, da fühlt man sich als Leser lieber geehrt und liest also weit­er:

Dir offizielle liste der gewin­ner erschien am 08.juni 2011 Ihr e‑mail wurde auf dem los mit dir num­mer: (721–524-27756) und mit der seri­en­num­mer: {52136/2011} reg­istried. Die gluck­snum­mer: (01) (03) haben in der zweit­ens kat­e­gorie gewon­nen.

Es gibt eine offizielle Gewin­nerliste, auf der E‑Mail-Adressen ste­hen? Kein Wun­der steigt die Zahl der Spam­mails wieder. Aber ich freue mich, davon abge­se­hen, selb­stver­ständlich immens, dass meine Gluck­snum­mer (tat­säch­lich gluckse ich ger­ade ein wenig) in der Zweit­en­skat­e­gorie gewon­nen hat, auch wenn ich ver­mut­lich dann doch lieber in der drit­ten Kat­e­gorie gewon­nen hätte, die hält meist die besseren Preise bere­it. Aber man kann nicht alles haben.

Stattdessen habe ich dies:

Sie sind damit gewin­ner von: 935, 470.00

Ich habe also bei ein­er spanis­chen Ver­losung 935 kyril­lis­che Djets gewon­nen. Eventuell kann ich die dann bei eBay teuer ver­scher­beln.
Aber halt, nein: Nicht ich habe sie gewon­nen, son­dern Anony­mus “vier­hun­dert­siebzig Punkt null­null”. Oder ist das auch nur eine Gewinnnum­mer?

Die summe ergibt sich ein­er gewin­nauss­chut­tung von. 25,257,690,00 (…). Die summe wurde durch 27 gewin­nern aus der glie­ichen kat­e­gorie geteilt.

Das mit den Tausendertrennze­ichen scheint in Madrid in Vergessen­heit ger­at­en zu sein. Aber unter­stellen wir ein­mal, es han­dele sich um etwas mehr als 25 Mil­lio­nen kyril­lis­ch­er Djets: Wieso bekomme ich dann nur 935? Frech­heit!

Dir gewinn ist bei ein­er sicher­heits­fir­ma hin­ter­legt und in ihren namen ver­sichert. um keine kom­p­lika­tio­nen bei der abwick­lung der zahlung zu verur­sachen bit­ten wir sie diese offizielle mit­teilung, diskret zu behan­delnes ist ein teil unseres sicher­heit­spro­tokolls und garanti­et ihnen einen rei­bun­glosen Ablauf.

Ups.

Alle gewin­ner wer­den per com­put­er aus 45.000.00 namen und e‑mails aus ganz Europa, Asien,Australien und Ameri­ka als teil unser­er Inter­na­tionalen pro­mo­tion pro­gramms aus­ge­wahlt, Welch­es wir ein­mal im jahr ver­anstal­ten.

Fün­fund­vierzig­tausend Kom­ma (siehe oben) null Namen und E‑Mails. Ob das wohl auf ganze Zahlen gerun­det wurde?

(…)
BITTE AUSFUILLEN DEIN DATAS AUS UNTEN.

Und wie bekomme ich das dann wieder vom Bild­schirm ent­fer­nt?

(…)PLZ_______________
3. ADRESSE__________________________________________________
(…)
6. STAT:______________________________________________

Wir ler­nen: Postleitzahl und Stadt/Staat/Stat sind nicht Teil der Adresse.

GEWINN SUMME___________

Zum Selb­staus­füllen — wie prak­tisch!

Die oben genan­nten
Anforderun­gen sind erforder­lich.

Dass man eine Adresse hat oder dass man auf seinem Bild­schirm herum­schmiert?

Gluck­wun­sche noch ein­mal.

“Wir beglück­wün­schen Sie zu Ihrer Ner­ven­stärke, die Sie benötigten, um unseren Aus­führun­gen bis hier­her zu fol­gen, ohne vor Lachen vom Stuhl zu kip­pen und sich dabei sehr weh zu tun.”

Her­zlichs

Mit fre­undlichen Gr??en

Mit was bitte?

Alle Waren­ze­ichen und einge­tra­ge­nen Waren­ze­ichen sind Eigen­tum der jew­eili­gen Inhab­er.
Copy­right © 2010–2011. Alle Rechte vor­be­hal­ten.

Die will ich auch gar nicht haben; kann sich eh kein­er merken.
Aber die kyril­lis­chen Djets brauche ich auch nicht unbe­d­ingt.

Wer möchte den Gewinn für mich in Emp­fang nehmen?

(Nach­trag vom 10. Juni: Ich musste das Uni­codesym­bol durch etwas erset­zen, mit dem Word­Press’ Schrift­pars­er auch zurechtkommt. Entschuldigt, dass es jet­zt etwas eige­nar­tig aussieht.)

In den NachrichtenNerdkrams
Apple, Wolken und Innovationen

Ui, Apple hat die Cloud ent­deckt und die Spe­ichel­leck­er aus dem Medi­engewerbe erk­lären das dann mal wieder zum Gnaden­schuss für Microsoft. Dass die Cloud jet­zt unge­fähr so neu und aufre­gend und muss­man­hab­en ist wie einst das “Web 2.0”, Tam­agotchis und Game­boys, sagt über sie eigentlich nur wenig aus, denn Apples finanzieller Erfolg hat­te immer schon mehr mit Ver­mark­tung als mit Tech­nik zu tun. (Warum man die Cloud nicht als Zukun­ft der Datenkom­mu­nika­tion betra­cht­en sollte, habe ich unter anderem hier schon ein­mal erläutert, anson­sten bringt es auch xkcd heute auf den Punkt.)

Erst kür­zlich disku­tierte ich offline darüber, inwiefern Apple sich von den Mit­be­wer­bern abhebt. Man führte an, sie wür­den eben alles anders machen.
So?

Cloud­di­en­ste sind nicht neu, Drop­box gibt es auch nicht erst seit gestern. Als “Inno­va­tion” wird gepriesen, dass diese Dien­ste eng mit dem Betrieb­ssys­tem verzah­nt wer­den. Dass Microsoft mit Win­dows Live Mesh und dem zuge­höri­gen Sky­Drive schon, sozusagen, seit vie­len Mon­den eine “per­sön­liche Cloud” anbi­etet, die man, anders als bei Apple, bei Bedarf instal­lieren kann, aber nicht muss, find­et nur wenig Beach­tung; kein Wun­der, denn so ein Win­dows­gerät ist nicht hip und hat kein ange­fressenes Fal­lob­st hin­ten drauf. Aber als Apple­jünger lässt man sich bekan­nter­maßen nur allzu gern vorschreiben, was man so zu tun und zu nutzen hat, denn der Reiz von Applepro­duk­ten beste­ht darin, dass man auch als Laie ein­fach nur sab­bernd davor sitzen muss und der Rest passiert qua­si von allein. Reizend.

Und was haben wir denn da noch so an Inno­va­tio­nen?

zahlre­iche in iOS 5 inte­gri­erte Fea­tures, die man in abge­wan­del­ter Form bere­its von Apps her ken­nt, wie z.B. das Chat-Tool iMes­sage, Bild­bear­beitung­sop­tio­nen oder eine Funk­tion, um Artikel zum späteren Lesen vorzumerken

Wenn Microsoft das machen würde, wäre es Ideen­klau, wenn Apple das macht, klatschen alle. :mrgreen:

Ob zu diesen abge­wan­del­ten fea­tures wohl auch Google Lat­i­tude zählt?

iPhone und iPads (mit GPS) wer­den (…) in der Lage sein, eine Benachrich­ti­gung anzuzeigen, wenn man sich an einem bes­timmten, zuvor definierten Ort befind­et. Sehr cool!

Aber so was von cool! Lei­der sog­ar auf iPhones längst ein alter Hut.

Weit­er:

iMes­sage heißt der neue, in iOS 5 inte­gri­erte Chat­ser­vice, mit dem sich textbasierte Einzel- und Grup­penkon­ver­sa­tio­nen mit anderen iPhone- und iPad-Eigen­tümern führen lassen.

Sehr schön; damit hat Apple dann mal eben einen weit­eren pro­pri­etären, auf iOS beschränk­ten instant mes­sen­ger entwick­elt, der tech­nisch unge­fähr das­selbe tut wie das für mehr Plat­tfor­men ver­füg­bare What­sApp, wobei es noch abzuwarten bleibt, ob What­sApp (wie auch Google Lat­i­tude) unter iOS 5 noch lange lauf­fähig sein wird. Apple entschei­det so was ja immer eher spon­tan.

Und weil jedes neue Applesys­tem auch irgen­dein hüb­sches Klick­i­bun­ti-fea­ture haben muss, das die Leute zum Staunen bringt, hat Apple auch noch eine ober­fläch­liche Inno­va­tion parat, die uns Android-Nutzer selb­stver­ständlich sofort unser Spielzeug weg­w­er­fen und ein iPhone kaufen lässt:

iOS 5 erhält ein eigenes Menü, in dem alle ein­tr­e­f­fend­en Push-Nachricht­en gelis­tet wer­den. Zugriff auf diese Über­sicht erhält man, indem man mit dem Fin­ger am oberen Rand des iPhone-/iPad-Dis­plays nach unten “swipt”.

Tja: “Wenn du kein iPhone hast, dann hast du kein iPhone”, und dein gesellschaftlich­er Abstieg ist unver­mei­dlich.
Für das kom­mende iPhone 5 ist noch kein Verkauf­s­mot­to bekan­nt. Ob sie das wohl unterüber­bi­eten kön­nen?

PolitikIn den Nachrichten
Die Allgegenwart virtueller Lebensräume

Dieser Tage liest man mitunter, in Frankre­ich sei die Erwäh­nung von Face­book und Twit­ter in Rund­funkme­di­en nun unter­sagt, und obwohl das nur die halbe Wahrheit ist, denn es ist lediglich nicht mehr ges­tat­tet, gezielt auf sendereigene “Pro­file” dort zu ver­weisen, lässt mich das doch erneut über den Demokratiebe­griff des Her­rn Sarkozy nach­denken.

Vor allem aber wirft es die Frage auf, warum aus­gerech­net Face­book und Twit­ter die öffentliche Diskus­sion der­art beherrschen, dass über­haupt solche Schritte nötig sind.

Twit­ter ist dabei eigentlich noch ziem­lich harm­los, wen­ngle­ich sich die Aus­rich­tung von “Was machst du ger­ade?” zu “Was gibt’s neues?” ver­schoben hat und es also nicht mehr darum geht, der Weltöf­fentlichkeit mitzuteilen, dass man ger­ade drin­gend kack­en muss, son­dern darum, der Weltöf­fentlichkeit mitzuteilen, dass es draußen ger­ade gewit­tert, was natür­lich ein ger­adezu unfass­bar­er Mehrw­ert ist, aber immer­hin noch in der Gren­ze von 140 Zeichen bleiben muss, es sei denn, man schreibt seine Gedanken auf eine externe Inter­net­seite und set­zt nur noch den Ver­weis darauf in Twit­ter, aber dann kann man es eigentlich auch ganz lassen. Ich mein­er­seits nutze Twit­ter außer zum Ver­linken von Tex­ten, die ich umfassender zu betra­cht­en ger­ade zu faul bin, und für gele­gentliche Schwätzchen primär für über­aus flache Wort­spiele, die für einen eige­nen Artikel hier auch optisch ein­fach viel zu kurz wären; sozusagen als “Mikroblog”.

Das Schöne bei Twit­ter ist, dass einem dort in der Regel kein ver­meintlich­er “Fre­und” auf den Zeiger geht, man möge sich doch bitte mit Leuten, die man nicht mal ausste­hen kann, befre­un­den, von gele­gentlichen “Empfehlun­gen” (“Fol­low­ing Fri­day”) ein­mal abge­se­hen. Es ist schlicht zweck­los, über ein solch­es Por­tal virtuelle Fre­un­deskreise aufzubauen.

Ganz anders Face­book. Face­book ist trotz all der daten­schutzrechtlichen und son­sti­gen Unver­schämtheit­en, die es seinem Benutzerkreis zumutet (hierzu zählt seit neuestem auch kon­textbe­zo­gene Wer­bung, wie sie bei Google Mail anscheinend auch noch nie einen Benutzer ern­stlich in Aufre­gung ver­set­zt hat), eine Art Fax des 21. Jahrhun­derts. War es vor unge­fähr einem Jahrzehnt noch mit oft erhe­blichem Mehraufwand ver­bun­den, ohne Faxgerät geschäftliche Kor­re­spon­denz zu führen, gilt man nun als gesellschaftlich­er Außen­seit­er, wenn man das Gesuch, weit­ere Infor­ma­tio­nen via Face­book auszu­tauschen, abschlägig beschei­det. Dabei ist es vol­lkom­men uner­he­blich, ob man über­haupt dort angemeldet ist oder sein Benutzerkon­to vielle­icht aus bes­timmten Grün­den nicht zur Inter­ak­tion mit Hinz und Kunz, obwohl diese bei­den Pro­tag­o­nis­ten sich ja eines großen Bekan­ntenkreis­es sich­er sein kön­nen, nutzen möchte. Dieses Phänomen immer­hin war bei Myspace, einst selb­st “soziales Net­zw­erk”, heute noch immer uneingeschränkt empfehlenswerte Musik­plat­tform, trotz gele­gentlich­er Ten­den­zen nie zu beobacht­en. Dabei ist Face­book eigentlich gar nicht allzu weit von Twit­ter ent­fer­nt. Die Sta­tus­meldun­gen kön­nen 140 Zeichen über­schre­it­en, hochge­ladene süße Katzen­baby­fo­tos lassen sich kat­e­gorisieren, das war es eigentlich schon. Und um so ein eigentlich weit­ge­hend sinnlos­es “Gedöns” (Ger­hard Schröder, c/o SPD) wird so ein Trara gemacht?

Es gibt unzäh­lige Möglichkeit­en, mit Per­so­n­en über das Inter­net in Kon­takt zu treten. E‑Mail gibt es schon länger als viele Face­booknutzer über­haupt leben, und dank der Ver­bre­itung von instant mes­sag­ing (ICQ, MSN, Y!IM, AIM, Jab­ber und was es nicht alles gibt) sind auch Echtzeitun­ter­hal­tun­gen, selb­st in Grup­pen, längst kein Prob­lem mehr. Wofür also all dieser Qua­si­zwang, einen weit­eren Kom­mu­nika­tion­skanal ständig zu beobacht­en, falls wom­öglich jemand Inter­esse daran haben sollte, Kon­takt mit mir aufzunehmen? Es ähnelt sehr der “Bitte um Rück­ruf”: Den eige­nen Kom­mu­nika­tion­swun­sch wan­delt man in eine Hand­lungspflicht für den­jeni­gen um, mit dem man zu kom­mu­nizieren wün­scht, und schämt sich meist nicht ein­mal dafür.

Mit Face­book ver­hält es sich wie mit den *VZ-Net­zen: Die Fre­unde sind da, also muss man auch da sein und sich natür­lich umge­hendst mit ihnen “ver­net­zen”, als würde der Fre­un­deskreis son­st ohne einen stat­tfind­en. Ich drücke es mal pro­voka­tiv aus: Wer darauf angewiesen ist, mit seinem “Fre­un­deskreis” über irgendwelchen “sozialen” Inter­netkram in Kon­takt zu treten, der sollte seine gesellschaftliche Stel­lung kri­tisch beäu­gen und ver­suchen, sie entsprechend zu bessern. Wer jeden­falls mich im real life, im “wirk­lichen Leben”, darum bit­tet, ihn zum Zwecke etwaigen Mei­n­ungsaus­tausches auf irgend­soein­er “Plat­tform” zu meinen Fre­un­den zu erk­lären, ist jemand, dessen Eig­nung zum Fre­und es mein­er­seits zu hin­ter­fra­gen gilt.

Natür­lich gibt es auch Men­schen, die von Berufs wegen auf eine virtuelle Zwei­t­ex­is­tenz qua­si angewiesen sind und wegen irgendwelch­er Verpflich­tun­gen dort auch bess­er erre­ich­bar, wom­öglich kom­mu­nika­tiv­er sind als nach Feier­abend in anson­sten gewohn­ter Umge­bung. Dazu zählen aber nur wenige Vertreter der genan­nten Gruppe, und es ist anzunehmen, dass sie die Tren­nung zwis­chen Online und Offline wohl zu vol­lziehen wis­sen. Wer aber seine Fre­unde anhand ihres Kom­mu­nika­tionsver­hal­tens auf irgendwelchen Inter­net­seit­en bew­ertet und gegebe­nen­falls aussiebt, wird das spätestens dann bereuen, wenn er einen echt­en Fre­und bit­ter nötig hat. Ein Chat lin­dert nicht jedes Herzeleid, nicht jed­er Chat­fre­und würde im Not­fall auch nachts mit Rat und Tat zur Seite ste­hen.

(Und wer eine Beziehung erst dann als gescheit­ert akzep­tiert, wenn der ehe­ma­lige Part­ner auf Face­book “nicht mehr in ein­er Beziehung” ist, sollte beizeit­en darüber nach­denken, was ihm im Leben eigentlich wichtig ist.)

Es ist zu befürcht­en, dass sich erst dann, wenn Face­book das gle­iche Schick­sal erlei­det wie Myspace, näm­lich die Konkur­renz seit­ens eines neuen, noch trendi­geren “sozialen Net­zes” mit noch bun­teren Bildern drin, all diejeni­gen, die die Alter­na­tiv­en “Werd mein virtueller Fre­und oder geh kack­en” für selb­stver­ständlich hal­ten, verge­gen­wär­ti­gen, dass sie wom­öglich doch etwas falsch gemacht haben; und wenige Tage später wird es dann heißen: “Face­book? Das nutzt eh kein­er mehr. Komm zu NeuesTolle­sPortal, da sind jet­zt alle, nur du noch nicht!”

Ich beobachte das Treiben der­weil amüsiert und nicht ohne Stolz, denn für meine sozialen Kon­tak­te bin ich seit über einem Jahrzehnt auf die gle­iche Weise erre­ich­bar. Über die Jahre kamen zwar neue Wege hinzu, aber ich habe die alten Brück­en nicht abgeris­sen. Ein Wesen der Fre­und­schaft, sagt der Weise, sei die Beständigkeit. Wohl wahr.

In den Nachrichten
Kurz verlinkt XLVIII: Kalt erwischt!

Es wird Som­mer:

Am Son­ntag mussten in Thürin­gen Pas­sagiere von zwei ICEs ihren Zug ver­lassen, weil bei hochsom­mer­lichen Tem­per­a­turen Kli­maan­la­gen aus­ge­fall­en waren. (…) Der Per­so­n­en­verkehrsvor­stand der Bahn, Ulrich Hom­burg, hat­te im Mai angekündigt, dass mit mehreren Maß­nah­men die Wahrschein­lichkeit eines Defek­ts “sehr deut­lich reduziert” wer­den soll. Die Bahn wolle bis 38 Grad Außen­tem­per­atur einen sta­bilen Betrieb der Kli­maan­la­gen gewährleis­ten.

Dass angesichts bekan­nter Prob­leme bei som­mer­lichen Tem­per­a­turen schon im Juni das Übliche passiert, lässt mich an der Reduk­tion dann doch zweifeln.

Aber man ken­nt das ja: Die Bahn ist auf jahreszeit­typ­is­che Tem­per­a­turen eben nicht vor­bere­it­et. Apple-Kun­den trifft das dann sog­ar dop­pelt: Sie kön­nen nicht mehr weit­er­fahren und sich dann noch nicht mal ein Taxi rufen, weil ihr iPhone den Dienst eben­falls quit­tiert … :mrgreen:

Nerdkrams
FaceNiff: Firesheep für unterwegs

Im Herb­st 2010 gab es zahlre­iche Berichte, unter anderem auf ZEIT ONLINE und natür­lich auf den üblichen Nerd­por­tal­en, über die Fire­fox-Erweiterung “Firesheep”, die im lokalen WLAN sämtliche im Klar­text über­tra­ge­nen Login­cook­ies (unter anderem für Twit­ter, das Vis­agen­buch und *vz) abfan­gen und auflis­ten kann, so dass man sozusagen per Klick die virtuelle Iden­tität der jew­eili­gen Per­son übernehmen kann.

Natür­lich brauchte man dafür immer noch ein gewiss­es tech­nis­ches Ver­ständ­nis, unter anderem war die Benutzung auf Win­dows mit dem Win­Pcap-Treiber sowie auf Mac OS X beschränkt, aber die Erweiterung zeigte, dass der sor­glose Umgang mit “sozialen Net­zen” schnell nach hin­ten los­ge­hen kann. Dabei haben die meis­ten “angreif­baren” “sozialen Net­ze” längst eine Option, immer eine ver­schlüs­selte Verbindung (“Ver­wende HTTPS” o.s.ä.) zu benutzen, in diesem Fall ist zumin­d­est das Abfan­gen von Cook­ies nicht mehr prob­lem­los möglich, nur wird diese in der Regel eben­sowenig benutzt wie die Fire­fox-Erweiterung HTTPS Every­where, die das sozusagen “von außen” übern­immt und auch die Wikipedia und ähn­liche Por­tale unter­stützt.

Vielle­icht liegt es an der tech­nis­chen Unbe­darftheit dieser Per­so­n­en, vielle­icht auch ein­fach daran, dass die ach-so-nüt­zlichen Benutzer­skripte wie etwa “Bet­ter Face­book”, “Bet­ter Ama­zon” usw. sich mit ein­er ver­schlüs­sel­ten Verbindung oft nicht ver­tra­gen und Klick­i­bun­ti nun mal wichtiger ist als Sicher­heit?

Zwar scheint bei Firesheep schon seit län­gerem keine Weit­er­en­twick­lung mehr stattzufind­en, Fire­fox 4 oder höher wird zum Beispiel eben­sowenig unter­stützt wie Lin­ux oder gar andere Brows­er, aber seit mit­tels dieser Erweiterung das grundle­gende Sicher­heit­sprob­lem, das Cook­ies mit sich brin­gen, (endlich) Aufmerk­samkeit auch in der weniger tech­nikaffinen Öffentlichkeit erfahren hat­te, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis eine ähn­lich kom­fort­able Lösung diese Missstände beseit­igt.

Und diese Lösung heißt FaceNiff.

FaceNiff ist eine Android-Anwen­dung (auf Neudeutsch app genan­nt), die, wie viele andere apps auch, lediglich ein gerootetes (auf Appledeutsch “gejail­break­tes”) Android-Gerät voraus­set­zt und for­t­an die gle­iche Tätigkeit ver­richtet wie Firesheep: Das WLAN, in dem man sich derzeit herumtreibt, wird auf die Über­tra­gung von Sitzungsken­nun­gen bekan­nter Dien­ste — derzeit YouTube, Amazon.com, Twit­ter, Face­book und Nasza-Klasa, was immer das schon wieder ist — überwacht. Gefun­dene Sitzun­gen wer­den dann bequem zur Auswahl und Nutzung aufge­lis­tet.

Um allerd­ings ein Missver­ständ­nis aufzuk­lären: Das Sicher­heit­sprob­lem ist keines­falls bei den Dien­sten selb­st zu suchen, son­dern in dem Leichtsinn, ein WLAN mit unbekan­nten — wom­öglich unlieb­samen — Zeitgenossen zu teilen. Immer­hin ist selb­st eine SSL-Unter­stützung geplant, so dass auch in gesicherten Verbindun­gen, sofern ich das nun richtig ver­standen habe, Pass­wörter direkt aus­ge­le­sen wer­den kön­nen. Tat­säch­lich ist schon die Ein­wahl in ein WLAN, das man nicht selb­st admin­istri­ert, nur mit Vor­sicht zu genießen, beste­ht doch keine Garantie, dass der jew­eilige Zugriff­spunkt nicht jede Verbindung mitschnei­det und gegebe­nen­falls das­selbe tut wie eben Firesheep und FaceNiff. (Die rechtlichen Aspek­te solch­er Tech­niken seien hier ein­mal nicht weit­er beachtet, dass die beab­sichtigte Über­nahme von Benutzerkon­ten Drit­ter nicht allzu gern gese­hen wird, sollte aber selb­stver­ständlich sein.)

(via Antary)

Sonstiges
Kommentierte Kleinanzeigen

Aus dem “Helm­st­edter Blitz” vom 1. Juni 2011:

An Andrea B.! Hallo, mein Schatz. Heute sind wir genau 4 Jahre zusammen und statt ein Geschenk, schreibe ich dir diese Zeilen und will dir damit sagen, dass ich dich über alles Liebe und dich nicht mehr her gebe. Dein Schatz Martin P.

Nun gibt es eigentlich drei Möglichkeit­en, beliebig kom­binier­bar:

  1. Die Frau freut sich total über diesen Text.
  2. Die Frau schämt sich, so in den Mit­telpunkt des öffentlichen Inter­ess­es gerückt wor­den zu sein (nor­maler­weise möchte man das als Frau ja dann doch lieber selb­st bes­tim­men), oben­drein in ein­er der­art grot­ti­gen Rechtschrei­bung, und wird das weit­ere Zusam­men­bleiben an die Bedin­gung knüpfen, nie wieder in irgen­dein­er Zeitung genan­nt zu wer­den.
  3. Die Frau hätte doch lieber das Geschenk gehabt.

Ich tippe auf let­ztere Möglichkeit.

Suche eine Partnerin ab 60 J. für eine gemeinsame Zukunft, bin 58 J., 152cm groß, Figur unwichtig, kein Abenteuer.

Haupt­sache, reif und knack­ig. :mrgreen:

Alter­na­tiv dann übri­gens so:

Witwer 72 J., sucht Bekanntschaft zw. 63-71 J.

Ich frage mich ja, ob diese Her­ren früher in der Diskothek die jew­eili­gen Objek­te ihrer Begierde auch immer erst nach dem Geburts­da­tum gefragt haben. (Nach dem der Objek­te selb­stver­ständlich; beziehungsweise ab einem gewis­sen Alter und/oder Alko­holpegel dann nach dem eige­nen.)

Diese Schieber­ban­den wer­den auch immer dreis­ter. :D

(Danke an D.!)