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Filmkritik
Mr. Poppers Pinguine: Eine ausführliche Filmkritik

Sehr lustiger Film. Vor allem der eine Pinguin da, der dauernd irgendwo gegenrennt. Weiterlesen ‘Mr. Poppers Pinguine: Eine ausführliche Filmkritik’ »

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Star Wars Episode I bis III: Eine selten dämliche Trilogie.

So, das musste ich erst einmal sacken lassen. Aber jetzt:

Ich gebe zu, ich bin nicht immer auf der Höhe der Zeit, was die neuesten Entwicklungen auf dem Filmmarkt betrifft. Ich bevorzuge Handlung und Anspruch gegenüber bloßer Effektheischerei; von Shrek 3D und Avatar kenne ich folgerichtig bislang nicht einmal die Filmplakate. Nun begab es sich aber, dass ich während der vergangenen Tage erstmals, eher versehentlich, Zeuge der Ausstrahlung der drei Prologe der alten Star-Wars-Trilogie („Episode I“ bis „Episode III“, eine wunderliche Benennung, gab es so etwas wie „Episode I“ bis „Episode III“ doch schon vor mehreren Jahrzehnten) wurde, um die, als sie in den Kinos Premiere feiern ließen, ein Riesenbohei gemacht wurde, „weil halt Star Wars“.

Indes: Ich war nie ein großer Freund des Science-Fiction-Genres, fand Star Trek schon immer einschläfernd und die „alte“ Star-Wars-Trilogie auch viel zu langatmig, was mich eigentlich aus jeglicher Diskussion um die „Qualität“ der Filmreihe auf Lebenszeit ausschließen sollte, aus der Gemeinschaft der Nerds ohnehin, zwinker, zwinker. Nun bin ich bereit, ohne Vorurteile an mir unbekannte Medien heranzutreten – auch Woody Allen hat zwischendrin todlangweiligen Murks gedreht – und ihnen eine Chance zu gewähren. Jedenfalls: Ich bin enttäuscht.

Episode I, mit großem Tamtam und Törööö angekündigt, war der erste neue Star-Wars-Film nach diversen Dekaden voller Wiederholungen und Verklärung der doch recht simplen Geschichte, in der viel zu viele Nebenhandlungen vorkommen, damit es nicht so schrecklich auffällt, wie simpel die Geschichte eigentlich ist. Entsprechend „aufregend“ ist dann auch Episode I, zum Verständnis der Trilogie womöglich durchaus von Belang, aber eher auf spaßige Effekte aus. Verglichen mit der Figur des Darth Maul halte ich Jar Jar Binks, nebenbei bemerkt, für relativ unblöd. Zudem apropos Inhalt: Junger Jedi spielt Wettfliegen in komischen Fluggeräten und gewinnt. Habe ich das nicht schon mal irgendwo gesehen? So ungern ich auch auf die Aussagen von Magazinen gossenhafter Qualität zurückgreife: Nun ja, für Fans ist dies vielleicht ein zufriedenstellendes, wenn auch äußerst oberflächliches Spektakel, für den Sciencefiction-Film ist es aber sicherlich kein Gewinn.

Episode II ist der Mittelteil. Immerhin bleibt man sich hier treu: Für Verlauf der Geschichte ist der zweite Teil der einzig entscheidende, also eigentlich auch der einzige, der so etwas wie Inhalt den spektakulären Effekten vorzieht. Das bedeutet: Mehr ödes Geschwafel bedeutungsschwangere Dialoge (sehr schön persifliert in der Simpsons-Folge „Marge im Suff“), weniger Bumm und Zisch und Wiuuu. Ach, ja, die Liebesgeschichte. Han Solo und Leia, Anakin und Amidala. (Mich beschlich zu diesem Zeitpunkt erstmals der Eindruck, die neue Trilogie sei nicht nur völlig überladen mit irgendwelchen Spezialeffekten, sondern auch inhaltlich völlig überflüssig.) Und nur der Vollständigkeit halber: Auch, wenn Didi sich in die Reihe der geifernden Greise einreiht, die sie übereinstimmend für „schnuckelig“ befinden, gefällt mir Natalie Portman in dem Film mal so gar nicht. Zu der überaus blassen Erscheinung kommt eine ausgesprochen blasse Darstellung; eine bloße Statistenrolle wäre leidlich glaubhaft gewesen, als Autoritätsperson bleibt sie hingegen augenscheinlich eine Fehlbesetzung. Vielleicht ist aber auch einfach nur das Kostüm doof.

Episode III ist die Episode, die zwischen dem Prolog und den altbekannten „klassischen“ drei Star-Wars-Filmen steht, deren Handlung bekannt ist. Hmm, was mag da wohl passieren? Wir erinnern uns an letztere: Anakin Skywalker ist irgendwann zu Darth Vader mutiert, zuvor hat er zwei Kinder mit Amidala gezeugt, die vorzeitig starb, und die Jedi haben den „Angriff der Klonkrieger“, der in Episode II drohte, offenbar überlebt. Nun, was mag also in Episode III passieren? Aus Rücksicht auf euch, werte Leserschar, die es bislang versäumt haben, Episode III zu konsumieren, möchte ich inhaltlich nicht zu viel verraten. Daher nur noch ein wenig Kritik zum Schluss des Films: Hatten die Beteiligten keine Lust mehr auf so etwas wie Text? Ausblenden – einblenden – Kameraschwenk – ausblenden – einblenden – Kameraschwenk – … es ist schön, dass George Lucas am Ende der dritten Episode doch noch eingefallen ist, dass sein voraussichtliches Publikum ohnehin schon weiß, wie die Geschichte ausgehen wird. Er hätte sich allerdings viel Arbeit sparen können, wenn ihm das ein paar Jahre früher eingefallen wäre.

Von wegen „Nerds müssen Star Wars mögen“.
Nicht beeindruckt ich bin.

(Das musste mal raus.)

(Nachtrag: „Medienkritik XXXIV“, der eigentlich konsequente Untertitel dieses Beitrags, fehlt aus ästhetischen Gründen. Sollte jedenfalls jemand nach der Veröffentlichung der Medienkritik XXXV danach suchen: Dies ist sie.)

FilmkritikSonstiges
Medienkritik XXXII: C.i.S. (RTL)

Entgegen meinen üblichen Konsumgewohnheiten verfolgte ich unlängst aufmerksam die RTL-Produktion „C.i.S. – Chaoten im Sondereinsatz“, seines Zeichens, wie in der Wikipedia zu lesen und bereits an der Wahl des Filmtitels zu erkennen ist, eine Krimi-Parodie, die weitgehend auf Spott stieß. Ich meine: Zu Unrecht!

Die Handlung selbst ist schnell erzählt und erinnert entfernt an die beiden „Wixxer“-Filme:

Ein ehemaliger Rechtsmediziner (dargestellt von Sascha „Sasha“ Schmitz), der inzwischen als Fleischer arbeitet, wird an seinen alten Arbeitsplatz zurückgerufen, um bei der Aufklärung einer Reihe an Morden zu helfen. Dabei muss er unter anderem mit seiner Exfrau (Martina Hill) zusammenarbeiten, und am Ende siegt, wie in schauderhaften Frauenfilmchen, die Macht des Herzens.

So seicht diese Geschichte auch klingen mag, so ungewöhnlich ist sie doch umgesetzt worden: Zahlreiche Cameo-Auftritte bekannter Schauspieler aus Sat.1- und RTL-Produktionen, die sich selbst persiflieren, und Wortspiele, die so nahe liegen, dass man nicht mit ihnen rechnet, erfreuen das mitunter doch sehr seichte Gemüt des Komikfreundes. Sicher ist „C.i.S.“ nicht unbedingt der anspruchsvollste Film, der in den letzten Monaten im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde, doch er ist auf jeden Fall sehenswert; „herrlich albern“ würde eine Fernsehzeitschrift wohl schreiben, dabei jedoch weit niveauvoller als die beiden „Hot-Shots!“-Filme mit Charlie Sheen. Auf unnötig viele pubertäre Witzchen verzichtet der Film, Genitalkomik wird (RTL-untypisch) nur dezent eingesetzt.

Den ganzen Film gibt es derzeit auf YouTube.com zu sehen, aus rechtlichen Gründen verzichte ich auf ein direktes Verlinken.

FilmkritikSonstiges
Medienkritik XIV: Inglourious Basterds

Als hochqualitativer Filmkultur gegenüber durchaus aufgeschlossener gelegentlicher Kinofilmkonsument kam ich nicht umhin, dem neuesten Werk des geschätzten Quentin Tarantino Beachtung zu schenken.

Obwohl ich im Vorfeld darüber informiert wurde, dass Til Schweiger als einer der beiden (*) deutschen Schauspieler, die nahezu jeder Rolle, die sie spielen, mit ihrem Gesicht und ihrer Darstellung den immer gleichen (will meinen: eintönigen) Charakter verleihen, ebenfalls mitspielt, haben sich meine Befürchtungen nicht bestätigt, seine Rolle hat sich in das Gesamtbild des Films nahtlos eingefügt. Allein dafür: Chapeau, Herr Tarantino!

Weniger erfreulich allenfalls sind die Kritiken der deutschen Medien wie auch die Selbstkritik der Darsteller; Til Schweiger selbst erwähnte in einem anschließend geführten Interview, er habe sich noch tagelang dafür geschämt, eine SS-Uniform getragen zu haben. Ja, herrje, ist das jetzt ein Rechtfertigungsversuch? Es ist nicht verkehrt, sich als Schauspieler auch mit seiner Rolle zu identifizieren, aber sich dafür zu schämen halte ich doch für überzogen. Warum nimmt ein deutscher Schauspieler eine Rolle als SS-Führungskraft an (und bekommt eine womöglich nicht unerhebliche Summe Geldes hierfür), wenn er sie hinterher madig redet? – Nein, so recht glaubwürdig ist das nicht.

Damit jedoch liegt er auf einer Linie mit Jens Jessen, c/o Die Zeit:

Der Erfolg des Filmes in den deutschen Kinos wird übrigens auch davon leben, dass sich das Publikum natürlich nicht mit den Deutschen von damals, sondern mit den amerikanisierten Juden identifizieren wird. Für die Nachgeborenen ein Fest der Selbstgerechtigkeit. Alle werden auf der richtigen Seite das Splattermovie goutieren.

„Die richtige Seite“ ist also die, die sich selbst von sich distanziert, um nicht versehentlich erkannt zu werden.

Zentrale Frage in all diesen vorsichtigen Kritiken zu „Inglourious Basterds“ scheint diese zu sein:
Darf man als Deutscher einen Film gut finden, in dem die verfolgten Juden einen Anschlag auf die Reichsführung planen und damit sogar Erfolg haben?

Ich halte dagegen:
Falls nicht, darf man stattdessen jene Attentäter als Helden feiern, die tatsächlich solcherlei versuchten, aber gescheitert sind?

Inglourious Basterds ist, wie die meisten Filme Tarantinos, auch eine Satire, aber keinesfalls eine Dokumentation. Es ist – wie schon Tarantinos „Kill Bill“ – ein Film, in dem die, denen Unrecht widerfahren ist, Rache nehmen an ihren Unterdrückern. Im Film bleiben diejenigen Sieger, denen man es außerhalb des Filmes hierzulande seit 64 Jahren nachträglich wünscht.

Kehrt sich die Moral ins Gegenteil, wenn sich die Guten im Film der Methoden der Bösen im wirklichen Leben bedienen?

Ich jedenfalls betrachte den Film Inglourious Basterds als das, was er ist:
Eine durchweg unterhaltsame Fiktion mit einer – sit venia verbo – saucoolen Hauptfigur, die bis zur letzten Minute spannend bleibt.

Und somit ein Film, für den es offenbar einen Quentin Tarantino brauchte, gemessen an den zahlreichen Ödnissen der letzten Jahre, die als Meisterwerke angekündigt waren, bei denen sich mir aber schon beim Lesen der Inhaltsangaben ein Gähnen aufdrängte.

Ganz großes Kino!
Ihr dürft mich gern zitieren.


(*): Der andere ist, übrigens, Moritz Bleibtreu.