NetzfundstückeNerdkrams
Twit­ter ist das neue Twit­ter

Da wir gera­de bei Dumm­schwät­zern waren: Wuss­tet ihr schon, dass Twit­ter „tot“ ist? So rich­tig am Ende, kaputt, unbrauch­bar, Schnee von gestern? Ich auch nicht.

Wahr ist, dass sich seit der Grün­dung des Dien­stes nicht viel geän­dert hat. Eine neue Ober­flä­che, ein paar fea­tures (Mail­be­nach­rich­ti­gun­gen bei ret­weets), aber kei­ne wirk­li­chen „Inno­va­tio­nen“. Nur: Braucht man die?

Ping ist das neue Face­book. Face­book ist das neue Twit­ter. Goog­le+ ist das neue Twit­ter. Nur Twit­ter ist das ganz nor­ma­le Twit­ter und nicht das tol­le neue Twit­ter. Was man aber in all dem Lob­prei­sun­gen für jeden neu­en Nischen­dienst schnell über­se­hen kann: Es wird gar kein „neu­es Twit­ter“ benö­tigt, das alte funk­tio­niert noch ein­wand­frei.

Vor allem Goog­le+ sei, so lau­tet der Tenor, eher „wie Twit­ter“ als „wie Face­book“. Dabei hat es alle Eigen­schaf­ten eines voll­wer­ti­gen „sozia­len Netz­werks“: Man erstellt Freun­des­krei­se, teilt bei Bedarf sein gan­zes Leben mit die­sen und dis­ku­tiert im Kom­men­tar­be­reich emsig mit ande­ren Men­schen aus dem­sel­ben Freun­des­kreis.

Twit­ter hin­ge­gen ist ein micro­blog­ging-Dienst. Das Kon­zept dahin­ter lau­tet: Der Anwen­der hat 140 Zei­chen zur Ver­fü­gung, die er mit der Welt tei­len kann. Freun­des­krei­se? Dis­kus­sio­nen? Das war nie ein zen­tra­ler Aspekt von Twit­ter. (Obwohl man auf Twit­ter längst auch „plus­ein­sen“, hier best­er­nen, kann, der Funk­ti­on der „Favo­ri­ten“ sei Dank.)

Nico Lum­ma – das war der SPD­ler, der Medi­en­kom­pe­tenz für über­be­wer­tet hält – schreibt:

Und am Schlimm­sten ist: Twit­ter ist immer noch vol­le Pul­le Broad­cast, man rotzt alles immer an alle raus. Aber nie­mand weiss, wer was wirk­lich liest, egal wie­vie­le Fol­lower man hat.

Grund­sätz­lich ver­stan­den, wie Twit­ter so funk­tio­niert, hat er also schon mal. Er nennt das aber nicht „funk­tio­nie­ren“, son­dern „schlimm sein“, also müss­te man ihm viel­leicht mal erklä­ren, dass er es doch ver­stan­den hat. Klar „rotzt“ man immer alles an alle hin­aus, sofern man sei­ne Tweets nicht schützt (dann funk­tio­niert Twit­ter wie der „Freun­des­kreis“ bei Face­book), aber wor­in liegt das Pro­blem?

Es bedeu­tet ja nicht, dass man alles von jedem lesen muss. Nor­ma­ler­wei­se liest man auch in der Web­ober­flä­che nur Ein­trä­ge von Leu­ten, denen man „folgt“. Wer nervt, fliegt raus. Anders­her­um ist gera­de das inter­es­san­ter­wei­se einer der oft genann­ten Vor­zü­ge von Goog­le+: Man kann alles von jedem lesen, ohne sich erst „befreun­den“ zu müs­sen. Ja, wie denn nun?

Twit­ter sei „SMS mit ande­ren Mit­teln“, schreibt Herr Lum­ma wei­ter­hin, und SMS scheint er also auch noch nie ver­wen­det zu haben, denn per SMS errei­che ich gezielt ein­zel­ne Emp­fän­ger, bei Twit­ter ist das ungleich schwie­ri­ger. Aber apro­pos Mobil­te­le­fo­nie:

(…) egal, wie sich Smart­phones wei­ter ent­wickeln, egal wie sich das Web wei­ter­ent­wickelt, Twit­ter bleibt ste­hen.

Bestän­dig­keit als Beleg dafür her­an­zu­zie­hen, dass ein Dienst bereits dem Ende ent­ge­gen­sieht, ist schon ziem­lich gewagt. Apro­pos, Kurz­nach­rich­ten per Mobil­te­le­fon haben sich seit ihrem Bestehen auch nicht geän­dert, maxi­mal 160 Zei­chen pas­sen in eine hin­ein, und dann kann man sie nicht mal bunt ein­fär­ben; ein ein­deu­ti­ges Zei­chen dafür, dass die­ses „SMS“-Dings bald von Goog­le gekauft und abge­schafft wird, oder, Herr Lum­ma?

Übri­gens: Twit­ter ist so rück­stän­dig, dass es sich auch ein Nico Lum­ma nicht neh­men lässt, es groß­flä­chig in sein Blog ein­zu­bin­den. Ich bin mir noch nicht sicher, wor­auf das schlie­ßen lässt.