Der erste “Tag” des PPTNDS11 (ein Hoch auf das Internet und seine Zeit sparende Manifestation eines konsequenten Aküfis) ist vorüber, und selten war eine offizielle Veranstaltung der Piratenpartei umstrittener, so scheint es in Twitter. Dabei waren die meisten derer, die den Parteitag eher belustigt zur Kenntnis nahmen, nicht einmal persönlich anwesend.
Etwa 5 Prozent der stimmberechtigten (also ihren diesjährigen Beitrag fristgerecht bezahlt habenden) niedersächsischen Piraten, so wurde es ausgerechnet, waren anwesend, 33 Piraten also, die für einige hundert zu entscheiden hatten. Selbstverständlich war das Krakeel groß, das könne man doch nicht machen, das sei doch den Fehlenden gegenüber unfair. Ich sage: Nee, isses nicht.
Die für jeden — selbst für Gäste — gegebene Möglichkeit, die Partei aktiv mitzugestalten, ist seit jeher ein großes Plus der Piraten. Allein: Es herrscht kein Zwang, dies zu tun. Die Teilnahme an Parteitagen ist ebenso freiwillig wie die Teilnahme an Wahlen. Aber, um bei dieser Analogie zu bleiben, wer nicht wählen geht, überlässt so bewusst und aus freien Stücken denen die Entscheidung über seine eigene Zukunft, die es tun. Und so ist das bei Parteitagen auch: Wer bewusst fernbleibt, erklärt damit seine Bereitschaft, die politischen Entscheidungen der Teilnehmer unwidersprochen zu belassen. Selbst schuld, würde ich sagen.
Dabei wurde gerade von solchen Leuten die ansonsten recht lockere Stimmung getrübt, die sich von der Partei distanziert haben. Gezielt wurden per Twitter zum Beispiel falsche Protokolle des Parteitags als echte ausgegeben (das echte ist übrigens auf Piratenpad.de einsehbar), die die gewohnt laxe, “unprofessionell” (weil nicht ernüchternd trocken) wirkende Durchführung des Parteitages auf die Schippe nahmen.
Wahr ist es, dass die meisten Anträge abgelehnt und/oder zurückgezogen wurden. Dahinter ist aber kein böser Wille zu erkennen. Die Flut an Anträgen, die zum Beispiel von einem der Teilnehmer sich ergoss, war eine Folge aus der niedrigen Beteiligung. Als absehbar war, dass es nur wenig Antragsteller geben würde, wurden in aller Schnelle noch einige Anträge geschrieben, die überwiegend als Diskussionsansatz zu betrachten waren. Undurchdachte Vorschläge abzulehnen ist, so meine ich, nichts, was man einer demokratischen Versammlung grundsätzlich vorwerfen sollte.
Anders, als es die öffentliche Meinung wiedergibt, wurde keinesfalls nur dem Antrag auf Mittagspause stattgegeben, obwohl das im Videostream anscheinend besonders deutlich hörbar war. Mindestlohn und Atomausstieg überzeugten die anwesenden Piraten ebenso wie die Forderung, das sozial nicht unbedingt gerechte Rentensystem gänzlich zu erneuern. (Und da sag’ noch einer, die Piraten wären so eine langweilige Internetpartei.)
Ich will mich da jetzt auch nicht weiter im Detail verlieren. Piraten jedenfalls sind viele von uns geworden, weil wir unser Land aktiv mitgestalten wollen. In der Mittagspause wurde diskutiert, ob es letztendlich nicht darum ginge, mehrheitsfähige Kompromisse zu schließen. In anderen Parteien mag das Brauch sein, um noch ein paar Stimmenpromille mehr zu fangen, wir Piraten aber haben Ideale.
Eins davon lautet: Ganz oder gar nicht. Und wenn uns das auch weiterhin von zweistelligen Prozentbereichen trennt, so können wir doch morgens noch in den Spiegel schauen. Und das ist es allemal wert.
Und der Kaffee war diesmal auch besser.

33…
Besser als 32!