PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt LIII: Mit Lin‑, äh, VDS wär’ das nicht passiert.

Nach dem Anschlag in Nor­we­gen hat die Partei mit dem “C” (wie Cukun­ft?) sich nicht etwa darüber gefreut, dass es ein­er der Ihren (ein kon­ser­v­a­tiv­er Christ eben) war, der seine Mis­an­thropie offen auslebte, son­dern mal wieder mit­tels ihres innen­poli­tis­chen Sprech­ers mit der Vor­rats­daten­spe­icherung gewinkt:

“Wir brauchen die Vor­rats­daten­spe­icherung”, sagte der CSU-Poli­tik­er der “Pas­sauer Neuen Presse”. “Im Vor­feld muss die Überwachung von Inter­netverkehr und Tele­fonge­sprächen möglich sein. Nur wenn die Ermit­tler die Kom­mu­nika­tion bei der Pla­nung von Anschlä­gen ver­fol­gen kön­nen, kön­nen sie solche Tat­en vere­it­eln und Men­schen schützen.”

Denn selb­stver­ständlich redet ein Amok­läufer vor der Tat erst via Chat mit seinen Mit­men­schen: “Ey, ich lauf dann gle­ich mal Amok, ne? BRB!” Und wenn man das dann auf Vor­rat spe­ichert, weiß man wenig­stens hin­ter­her, was er vorher alles gemacht hat.

Blöd nur:

Das nor­wegis­che Par­la­ment führte die Vor­rats­daten­spe­icherung am 29. März 2011 ein, hat­te die Nor­way Post berichtet.

Ja, dieses Instru­ment hat sich wirk­lich bewährt. Warum machen wir das eigentlich in Deutsch­land nicht auch?

PolitikIn den Nachrichten
Der irre Attentäter von Oslo

Oh, es gab mal wieder einen ter­ror­is­tis­chen Anschlag auf die Regierung, und zwar aus­nahm­sweise mal in Nor­we­gen. Was die Her­ren Bos­bach und Schüne­mann davon hal­ten, ist mir nicht bekan­nt, aber ich gehe davon aus, sie treten just in diesem Moment vor aus­re­ichend viele Reporter­mikro­fone und fordern Ver­bote.

Aber was sollte man ver­bi­eten? Dazu muss man wis­sen, was der mut­maßliche Täter über­haupt für eine Per­son ist. Der Mann besitzt die Frech­heit, wed­er einen lan­gen Bart zu tra­gen noch Moslem zu sein, also müssen wir woan­ders nach Anhalt­spunk­ten suchen:

Anders Behring Breivik beschrieb sich selb­st als “kon­ser­v­a­tiv” und “christlich”. Er sei Leit­er eines Gemüse­hofes, was erk­lären würde, dass er durch seine Tätigkeit in einem Agrar­be­trieb leicht an größere Men­gen Düngemit­tel hätte her­ankom­men kön­nen, aus denen sich Sprengstoff her­stellen lässt.

Klar­er Fall: Agrar­wirtschaft muss kün­ftig stärk­er videoüberwacht wer­den, grund­sät­zlich müssen alle Agrarar­beit­er kün­ftig regelmäßig ihre Befähi­gung zum ver­ant­wor­tungsvollen Gebrauch von Düngemit­teln nach­weisen.

Oder find­en wir noch was besseres?

Er sei Jungge­selle und inter­essiere sich für die Jagd sowie für Com­put­er-Kriegsspiele wie “World of War­craft” und “Mod­ern War­fare 2”.

Ah — na also. World of War­craft, das bekan­nte Kriegsspiel. War ja abzuse­hen, dass das Basilisken­meucheln irgend­wann eskalieren würde! Gle­ich auf den Index set­zen, sofern Frau von der Leyen das nicht schon längst beantragt hat; und über­haupt: Jungge­selle, also Einzel­gänger; klares Zeichen dafür, dass er von einem tiefen Hass auf die Gesellschaft erfüllt ist.

Und was sagt der nor­wegis­che Min­is­ter­präsi­dent dazu?

“Das ist ein Alb­traum”, sagte er. Die Anschläge wür­den Nor­we­gen verän­dern. Die Antwort des Lan­des müsse “noch mehr Demokratie und Offen­heit” sein, so Stoltenberg.

Mit so ein­er Ein­stel­lung wird das nie was mit der Auf­nahme in die EU. ;)

NetzfundstückeNerdkrams
GNU und Linux: Fünf Missverständnisse

(Vorbe­merkung: Aus aktuellem Anlass noch mal was zu Betrieb­ssys­te­men; das reicht dann aber auch für diese Woche.)

Für meinen Beitrag über Mac OS X “Lion” hat­te ich zwar einige Recherchen angestellt, um nur keinen inhaltlichen Fehler zu machen. Was ich aber nicht bedacht hat­te, war, dass ich auch einige Leser habe, die Lin­ux min­destens so sehr verehren wie ein Mac-Nutzer Steve Jobs verehrt, und so nahm sich etwa Didi im dor­ti­gen Kom­men­tar­bere­ich die Frei­heit, all jene, die nicht auss­chließlich auf kosten­lose Soft­ware set­zen, als “mit dem Klam­mer­beu­tel gepud­ert” zu beze­ich­nen; anders gesagt hält er uns, die wir nicht auss­chließlich Lin­ux oder Reac­tOS oder wenig­stens BSD ein­set­zen, für ziem­lich doof.

Also habe ich beschlossen, mich noch mal einem lang­weili­gen Com­put­erthe­ma zu wid­men. Dem Beitrag über “Mac OS X gegen Win­dows” kön­nte ich nun einen Beitrag “Mac OS X gegen Lin­ux” oder so etwas fol­gen lassen, aber das wäre doch arg lan­gat­mig.

Wie es der Zufall jedoch so will, stieß ich vor ein paar Tagen auf ein wirk­lich ziem­lich schlecht­es Lin­ux-Tuto­ri­um für Win­dows-Umsteiger (ich twit­terte es bere­its) und möchte das nun zum Anlass nehmen, einige grundle­gende Missver­ständ­nisse zum The­ma GNU und Lin­ux aufzuk­lären. ‘GNU und Lin­ux: Fünf Missver­ständ­nisse’ weit­er­lesen »

Nerdkrams
Das fortschrittlichste Betriebssystem der Welt

(Vorbe­merkung: Im Fol­gen­den zerpflücke ich Apples neuestes Betrieb­ssys­tem. Etwaige Mac-OS-X-Apolo­geten bitte ich von Bekehrungsver­suchen Abstand zu nehmen.)

Während Microsoft zu Lin­ux’ Zwanzig­stem sich leisen Sticheleien hin­gibt, haut man bei Apple mit großem Getöse und Tam­tam auf den Putz und stellt außer dem neuen “Mac mini” — ohne optis­ches Laufw­erk, wer braucht schon DVDs? … — auch das passende, nur als Down­load erhältliche neue Mac OS X vor (Leute mit langsamen Inter­netverbindun­gen sind Steve Jobs anscheinend zuwider), seines Zeichens das “fortschrit­tlich­ste Com­put­er-Betrieb­ssys­tem der Welt” und somit Win­dows und Lin­ux selb­stver­ständlich haushoch über­legen. ‘Das fortschrit­tlich­ste Betrieb­ssys­tem der Welt’ weit­er­lesen »

PersönlichesLyrik
Sie. (Fragment 5)

… Es war schon selt­sam, dachte er; es waren erst wenige Tage ver­gan­gen, seit er sie zulet­zt gese­hen hat­te, und doch kam es ihm vor, als lägen Jahre dazwis­chen.

Je mehr Zeit aber ver­strich, um so deut­lich­er sah er sie vor sich, sah das Café, in dem sie sich ken­nen gel­ernt hat­ten, blick­te tief in ihre Augen; und wachte doch immer wieder auf und sah sich ins Leere star­ren.

Sie hat­te eine eige­nar­tige Fasz­i­na­tion an sich. Ihr Lächeln hat­te ihn von Anfang an verza­ubert. Und sie war so nah und doch für ihn kaum greif­bar. Wie so oft wollte er alles bess­er machen, sie nicht ver­schreck­en aus bloßem Miss­geschick. Nur keinen Stress, nie wieder, das hat­ten sie sich ver­sprochen. Den Moment genießen, ohne an den näch­sten denken zu müssen. Und doch begann er zu zweifeln. Hat­te er den richti­gen Weg eingeschla­gen?

Vielle­icht sollte er endlich han­deln. Es schien so ein­fach, ein Griff zum Tele­fon­hör­er, eine Num­mer wählen und endlich wieder ihre Stimme hören.

Aber war es nicht ger­ade diese Ungeduld, die ihn schon Jahre zuvor um sein Glück gebracht hat­te? Er würde sie jet­zt ger­ade, in diesem Augen­blick, so vieles fra­gen oder ihr schweigend beim Lächeln zuse­hen, das war ihm jet­zt ger­ade, in diesem Augen­blick, vol­lkom­men gle­ichgültig, wenn sie nur bei ihm wäre. Er wusste, die Antwort würde er ohne­hin nicht hören wollen; doch worauf sollte er noch hof­fen? Nur ein Wort von ihr, und es würde vor­bei sein. All die ungewis­sen Stun­den, Tage wür­den der Ver­gan­gen­heit ange­hören. Und vielle­icht würde das auch bedeuten, dass ihm bewusst wurde, dass sie ihn längst abgewiesen hat­te.

War es das wert?

Ihm wurde plöt­zlich klar, wie wenig er eigentlich über sie wusste. Wo sie jet­zt wohl war? (War sie allein?) Er kam sich so klein vor wie seit Jahren nicht mehr.

Aus dem Inter­ne­tra­dio knödelte Mike Pat­ton:
“That’s why I’m easy; I’m easy like Sun­day morn­ing …”

Nie zuvor war ihm ein Son­ntag so schw­er gefall­en. …

NetzfundstückeIn den NachrichtenNerdkrams
Immer sind’s nur die anderen.

Richard Stall­man hat dem SPIEGEL einen lesenswerten Text ins Inter­net getan, der unter ein­er freien Lizenz ste­ht.

Einige Auszüge:

Das Netz übern­immt die Daten­ver­ar­beitung, der Nutzer gibt die Kon­trolle darüber ab. Dieses neue Web ist voller Ver­lock­un­gen — doch wir müssen ihnen wider­ste­hen.

Und dann ist da die Sache mit der Daten­spe­icherung auf den Servern von Unternehmen. Die größten dieser Unternehmen haben keinen Respekt vor der Pri­vat­sphäre der Nutzer. Wenn ein Nutzer Face­book seine Dat­en über­lässt, bezahlen andere Fir­men für die Nutzung dieser Dat­en Geld. Sie bezahlen Face­book — und nicht den Nutzer — dafür, mit seinem Gesicht zu wer­ben.

Face­book-Nutzer sind nicht Kun­den, sie sind Ware

Das alles bedeutet nicht, dass Inter­net­nutzer keine Pri­vat­sphäre genießen kön­nen. Es bedeutet auch nicht, dass Nutzer gar keine Kon­trolle mehr über ihre Daten­ver­ar­beitung haben kön­nen. Es bedeutet nur, dass sie gegen den Strom schwim­men müssen, um das alles zu bekom­men.

So weit, so richtig und wichtig.
Und was fol­gert man also als SPIEGEL-Online-Leser aus diesem neu gewonnenen Wis­sen?

Na ja — den Ver­such war es wert.

NetzfundstückeIn den NachrichtenNerdkrams
Kurz verlinkt LII: Herr Zuckerberg und sein Datenschutz

Qua­si ohne Worte:

Apro­pos Google jeden­falls: Mark Zucker­berg, Face­book-Oberkasper und qua­si der Antag­o­nist Julian Assanges, ist ein­er der mit­tler­weile über 10 Mil­lio­nen Nutzer von Google+. Mark Zucker­berg war der hier:

(…) beant­wortet Zucker­berg eine wichtige Frage nicht: Warum zwingt sein Unternehmen Men­schen dazu, bes­timmte Infor­ma­tio­nen offen­zule­gen, wenn sie weit­er­hin den Dienst nutzen wollen? Schließlich kön­nte man die Nutzer weit­er­hin bewusst entschei­den lassen, was sie im Detail mit aller Welt, was mit aus­gewählten Fre­un­den und was mit nie­man­dem teilen wollen.

Dieser Mark Zucker­berg jeden­falls find­et Daten­schutz so dufte, dass er erst mal sein Google+-Profil abges­per­rt hat. In den ein­schlägi­gen Blogs macht man sich darüber lustig; es könne ja nicht sein, dass der Grün­der von Face­book eine Möglichkeit ein­fordert, die er selb­st seinen Kun­den ver­weigert. Das macht er aber nicht.

Google+ verpflichtet seine Nutzer eben­so wie Face­book zur Nen­nung ihres Real­na­mens, was für den Ver­mark­tungswert der eige­nen Nutzer­daten­bank gewisse Vorteile haben dürfte. Auch Mark Zucker­berg kann in Google+ also nicht mit falschen Dat­en auftreten, ohne einen Auss­chluss zu riskieren. Apro­pos “Ver­mark­tungswert”: Dass Face­books Wer­bepart­ner Ein­blick in Pro­file erhal­ten, wurde mehrfach kri­tisiert. Der Irrglaube ent­stand, dass Google, um sich für poten­zielle Google+-Nutzer noch attrak­tiv­er zu machen, von ähn­lichen Plä­nen Abstand nehmen würde. War aber nix:

Kün­ftig sollen Wer­ber bei Google den Zugang zu bes­timmten Ver­braucher­grup­pen kaufen kön­nen — fein säu­ber­lich nach Inter­essen sortiert.

Natür­lich ist das an sich erst mal nicht verkehrt, immer­hin ste­ht es jedem Benutzer frei, zu entschei­den, wie detail­liert und wahrheits­gemäß sein Pro­fil aus­ge­füllt sein soll. Unternehmen wie Face­book und Google allerd­ings leben davon, dass diesen Grund­satz möglichst viele ihrer Benutzer möglichst umfassend ignori­eren. Mark Zucker­berg weiß das; Max Muster­mann weiß es aber nicht.

Übri­gens: Zu den “10 Din­gen, die ein Mann nie sagen sollte und auch nicht posten darf”, gehört ange­blich außer Skur­ril­itäten wie “Prösterchen” oder “Tschüs­sikows­ki” auch das in freier Wild­bahn meist in brül­len­der Laut­stärke geäußerte Lach­sur­ro­gat “lol”. Ich würde es im Inter­esse mein­er Hör­fähigkeit sehr begrüßen, würde diese Infor­ma­tion sich auch unter ÖPNV fahren­den Her­anwach­senden allmäh­lich ver­bre­it­en.

KaufbefehleMusikkritik
Weltpinguintag

Obwohl der alljährliche Welt­pin­guin­tag — tra­di­tionell am 22. Feb­ru­ar — von mir dieses Jahr tra­di­tionell ver­schlafen wurde und der näch­ste — laut Wal­ter Moers am 11. Novem­ber — noch in qua­si weit­er Ferne liegt, halte ich es für angemessen, das Debü­tal­bum der Jazz-Met­al-For­ma­tion Welt­pin­guin­tag, deren Key­board­er Jörg Sand­ner mit­tler­weile “solo” (in ein­er sehr freien Ausle­gung des Begriffs “Soloal­bum” ) musiziert und neben­bei den Ver­trieb von Ton­trägern der inzwis­chen lei­der aufgelösten Band mit dem sym­pa­this­chen Namen übern­immt, hier zu würdi­gen.

Und ich würdi­ge munter drau­f­los:

Bere­its 1996, acht Jahre vor der Grün­dung der ungle­ich bekan­nteren Musik­gruppe “Panzer­bal­lett”, kom­binierte die Berlin­er Band “Welt­pin­guin­tag” Jazz und Met­al mit ein­er gehöri­gen Por­tion Humor. Das erste Stück vom zweit­en und let­zten Album “Pin­guine in der Bronx” heißt zum Beispiel “Die Rück­kehr der Stief­schwest­er des Arbeit­skol­le­gen von King Kong”. Noch Fra­gen?

Fast ist es da schade, dass die fünf Welt­pin­guin­ta­gen­den keine Texte zu ihren Liedern erson­nen. Aber auch ohne sie ist es ziem­lich erfrischend, was auf dem Debü­tal­bum aus den Laut­sprech­ern erklingt.

21 Stücke zeigt mir der CD-Spiel­er an, verteilt auf unge­fähr 52 Minuten, das sind nicht mal drei Minuten im Durch­schnitt, obwohl zwei der Stücke die Vier-Minuten-Marke über­schre­it­en. Man fasst sich kurz. Das ist gut. Kurz und präg­nant statt ausufer­nd episch wer­den die Kom­po­si­tio­nen auf den Punkt gebracht. Sax­ophon trifft auf Met­al­gi­tarre, und kaum glaubt man das Prinzip ver­standen zu haben, ist der jew­eilige Abschnitt auch schon wieder so schnell vor­bei, wie er ange­fan­gen hat. Ver­gle­iche? Panzer­bal­lett, hin und wieder auch die finnis­che RIO-Band Höyry-Kone, die allerd­ings auch mal wieder kein­er ken­nt. Welt­pin­guin­tag sind (nun, waren) alles andere als lang­weilig.

Schade nur, dass Ama­zon diese pri­ma Band nur im MP3-For­mat ver­schleud­ern will. Wer hinge­gen die CD kauft, bekommt ein hand­schriftlich­es Danke oben­drauf:

Rein­hören kann man unter anderem auf Last.fm. Man drehe hier­für die Laut­stärke etwas höher und genieße die man­nig­falti­gen Hörein­drücke.

Ich wün­sche hier­bei viel Vergnü­gen.

PolitikIn den Nachrichten
Medienkritik LIV: Der SPIEGEL und die fünf Prozent

Ich habe es hier schon mehrmals angedeutet: Um für den SPIEGEL zu schreiben, muss man nicht unbe­d­ingt wis­sen, wovon man eigentlich spricht.

Dass man sich im Inter­net nicht son­der­lich gut ausken­nt, ist den dor­ti­gen Jour­nal­is­ten, zugegeben, nicht allzu nachteilig auszule­gen, immer­hin ist der SPIEGEL vorge­blich ein vor­rangig poli­tis­ches Nachricht­en­magazin, wenn er nicht ger­ade, wie etwa in der dieswöchi­gen Print­aus­gabe, das Pri­vatleben von Poli­tik­ern zum Titelthe­ma kürt (und das dann aber auch immer­hin als “unap­peti­tlich” erken­nt, so etwa aus­gerech­net SPIEGEL Online am Mon­tag dieser Woche). Dann näm­lich besticht er durch fundiertes Hin­ter­grund­wis­sen und tre­f­fende Analy­sen zur aktuellen poli­tis­chen Lage.

Zum Beispiel hat das Umfrage­in­sti­tut For­sa jüngst mal wieder herumge­fragt, was die Leute denn ger­ade so wählen wür­den, wenn sie wählen wür­den. Das Ergeb­nis ist nur wenig über­raschend: Die alt­bekan­nte Koali­tion aus SPD und Grü­nen — sofern sich diese ergäbe — würde die absolute Mehrheit erre­ichen, CDU/CSU 31 Prozent, die F.D.P. mit vier Prozent ließe man gar nicht erst mit­spie­len, wom­it der CDU/CSU der, laut SPIEGEL, offen­bar einzig mögliche Koali­tion­spart­ner fehlt, denn eine längst nicht mehr undenkbare Koali­tion aus CDU/CSU und den Grü­nen würde die lächer­lichen 47 Prozent von “Rot/Grün” lock­er übertrumpfen. (Man sieht sehr schön, wie sug­ges­tiv man im Poli­tikres­sort des SPIEGEL an manche Fra­gen herange­ht.)

Wir fassen also zusam­men:

Die Union sinkt im Ver­gle­ich zur Vor­woche um zwei Punk­te auf 31 Prozent, die FDP gibt einen Punkt ab und liegt mit vier Prozent wieder unter der Fünf­prozen­thürde für den Einzug in den Bun­destag. Die SPD gewin­nt einen Punkt hinzu und kommt auf 24 Prozent. Sie liegt den Angaben zufolge erst­mals seit Anfang April wieder vor den Grü­nen, die bei 23 Prozent ver­har­ren. Die Linke klet­tert um einen Punkt auf zehn Prozent.

(Her­vorhe­bung, wie meist, von mir.)

Nun gilt es zu über­prüfen, ob die Leser diese Zahlen auch ver­standen haben. SPD und Grüne: 24 + 23 Prozent, das ergibt 47 Prozent. SPD und Linke: 24 + 10 Prozent, das ergibt 34 Prozent und ist somit eher unwahrschein­lich. CDU/CSU (31 Prozent) und F.D.P. (nimmt nicht teil) ergibt…?

Union und FDP kom­men zusam­men nur noch auf 35 Prozent

Schade — durchge­fall­en.

Es wird täglich schwieriger, den SPIEGEL noch zu vertei­di­gen. :|

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt LI: Zwei Fliegen mit einer Klappe

Mal ganz blöd gefragt, Alexan­der Hagelüken, c/o “Süd­deutsche Zeitung”:

Die ital­ienis­che Regierung muss sofort strikt sparen und die Euro-Zone dem Land viel Geld zur Ver­fü­gung stellen. Anson­sten ist die Gemein­schaftswährung in Gefahr.

Den Unter­schied zwis­chen “anson­sten” und “deshalb” hat man in Ihrer Jour­nal­is­ten­schule aber schon mal durchgenom­men, oder?

Übri­gens: “Wer Berlus­coni hil­ft, ret­tet den Euro”. Gut gesagt.
Wer ken­nt es nicht, das geflügelte Wort von den zwei Fliegen und der einen Klappe?

Spaß mit Spam
Aktivieren Sie Ihr Verified by Visa — MasterSecure Code.

Etwas über­rascht war ich ja schon, dass mich laut Thun­der­bird aus­gerech­net die Sparkasse anmailte, hat­te ich doch zeitlebens keinen pri­vat­en Kon­takt mit ihr. Aber eine Bank hat einem meist etwas Wichtiges zu sagen, und so ist es auch hier der Fall:

Ihre Kred­itkarte wird aus­ge­set­zt, weil wir gemerkt haben, haben Sie nicht
Aktivieren Sie Ver­i­fied by Visa — Mas­ter­Se­cure Code.

Aktivieren Sie Ver­i­fied by Visa — Mas­ter­Se­cure Code, um Sie gegen unbefugtes Eink?ufe, wenn shop­pin Online schnell und ein­fach.

Das ist jet­zt aber gemein: Die Sparkasse will meine Kred­itkarte irgend­wo aus­set­zen, weil ich nicht aktiviert habe Ver­i­fied by Visa — Mas­ter­Se­cure Code, und das sog­ar dop­pelt, um mich gegen unbefugten Einkauf, sofern Onli­neeinkauf schnell und ein­fach ist.

Das ist nett von der Sparkasse, dass sie die Mas­ter­Card von Kun­den ander­er Banken von Visa ver­i­fizieren lassen will. Man kann ja heutzu­tage nicht sich­er genug gehen. Ich sollte also schnell han­deln! Nur wie?

Zu Ihrem Schutz haben wir Ihre Kred­it Warenko­rb aus­ge­set­zt. So aktivieren Sie Ihre Karte herun­ter­laden Befes­ti­gung und das For­mu­lar ausf?llen und fol­gen Sie den Anweisun­gen zur Aktu­al­isierung Ihre Kred­itkarte.

Ich muss also lediglich die Befes­ti­gung herun­ter­laden und das For­mu­lar aus­füllen und danach den Anweisun­gen fol­gen. Wird gemacht! Zwar finde ich keinen Ver­weis darauf, wo ich diese Befes­ti­gung find­en kann, aber als Schlau­fuchs, der ich bin, nehme ich an, im Anhang — eine .html-Datei wurde mit­ge­sendet — finde ich die entsprechende Infor­ma­tion.

Tat­säch­lich scheint es sich dabei um das gesuchte For­mu­lar zu han­deln, das mit gewohnt pro­fes­sioneller Auf­machung besticht:

Aber halt — was ist das? Man zeigt mir an, Ele­mente seien wegen abgeschal­teter JavaScript-Funk­tion block­iert wor­den. Verzei­hung, mein Fehler!

Mit aktiviertem JavaScript sieht die Seite schon viel hüb­sch­er aus, lediglich einige weit­ere Seit­enele­mente wer­den von ein­er IP herun­terge­laden und angezeigt, wie es ein kurz­er Blick in den umständlich ver­schleierten Quell­code zeigt:

Schon viel bess­er! Und wie ich sehe, wird meine Mas­ter­Card aus­drück­lich eben­falls unter­stützt. Erle­ichtert also tippe ich die geforderten Dat­en ein, klicke auf “Weit­er -»” und gelange auf sparkasse.de. Anscheinend wurde mein Anliegen also erfol­gre­ich über­mit­telt. Ich wis­che mir den Schweiß von der Stirn. Meine Kred­itkarte ist gerettet, noch bevor sie meine Karte:

Hin­weis: Wenn nicht von 11. Juli 2011 abgeschlossen ist, wer­den wir gezwun­gen sein, Ihre Karte, weil sie f?r betr?gerische Transak­tio­nen ver­wen­det wer­den k?nnen.

Danke, liebe Sparkasse! Vielle­icht sollte ich doch zu euch wech­seln.

Wir bedanken uns f?r Ihre Koop­er­a­tion in dieser Angele­gen­heit.

Gern geschehen! :)


(Ver­mut­lich ange­brachter Hin­weis: Vom Öff­nen von Dateian­hän­gen zweifel­hafter Herkun­ft ist ohne vorherige (!) gründliche Über­prü­fung ihres Inhalts abzu­rat­en. Und wer ern­sthaft glaubt, seine Bank würde per Mail seine Kred­itkar­tendat­en erfra­gen, muss sich nicht wun­dern, wenn ihn das teuer zu ste­hen kommt.)

Montagsmusik
Them — Gloria

Zur Auflockerung mal wieder ein Stück Musik aus ein­er längst ver­gan­genen Epoche.

Aus heutiger Sicht bemerkenswert sind zwei Dinge:

Klei­dung und Habi­tus der meis­ten beteiligten Musik­er wirken weniger kün­stlich als bei vie­len der heuti­gen Rock­bands, und es gab tat­säch­lich schon Leute, die solcher­lei raue, ungeschlif­f­ene Musik zum Mitk­latschen anregte. Bedenkt man, dass in den deutschen Fernse­hdoku­men­ta­tio­nen über frühe Rock­musik Lieder wie dieses meist mit Fil­men von Straßen­schlacht­en zwis­chen Jugendlichen illus­tri­ert wur­den, so lässt das eigentlich einzig den Schluss zu, dass bewusst ein falsches Bild von uns Musik­fre­un­den geze­ich­net wer­den sollte; der in obigem Video deut­lich zu sehende gewalt­bere­ite Pöbel gefährdet die Integrität des Staates oder so.

Mir soll’s recht sein.