Spaß mit Spam
Fantastic results guaranteed

Von einem Spam­versender, der sich lustiger­weise “fem­i­nis­m­mack­ey” nen­nt und somit also die Rechte von Frauen ver­mut­lich eigentlich ziem­lich dufte zu find­en vorgibt, erhielt ich neben­bei diesen Einzeil­er neb­st hier nicht genan­ntem URL:

Boost your sex­u­al ego and appetite with our new organ­ic reme­dies

Schön, dann habe ich mein sex­uelles Ich und meinen Appetit also mit euren, Spam­mer, neuen organ­is­chen Haus­mit­teln angetrieben, aber was dann? Dann bin ich rat­tig und platze beina­he vor ero­gen­em Selb­st­wert­ge­fühl, aber mehr oder gar besseren Geschlechtsverkehr als bish­er habe ich dann immer noch nicht.

Kein Wun­der, dass ihr Spam nötig habt; wenn es schon nicht für ein gutes Geschäftsmod­ell reicht.

PersönlichesPolitik
Sprachnazis

Ich spiele in mein­er knap­pen Freizeit hin und wieder das Onlinerol­len­spiel League of Leg­ends, kurz “LoL”. Während das Spiel­prinzip eher schlicht ist (zwei geg­ner­ische “Städte” á 3 oder 5 Spiel­ern, men­schlich oder Com­put­ergeg­n­er, ver­suchen die jew­eils gegenüber liegende Stadt mit­tels Met­zelns und/oder Magie einzunehmen), sind doch die dort anzutr­e­f­fend­en Exem­plare Men­sch so vielfältig wie die Ausre­den eines vorge­blichen Win­dowsverächters, wenn er dann doch mal Wine nutzen muss.

Zu dem Wesen dieser Spiel­gat­tung gehört es, dass die Klien­tel über­wiegend aus Sprösslin­gen unter­er bis mit­tlerer Bil­dungss­chicht­en beste­ht, was sich ins­beson­dere auch in der einge­baut­en Diskus­sion­s­möglichkeit (“Chat”) zeigt, in dem Niederver­bal­itäten in der Regel vorherrschen, so man sie denn ver­ste­ht. Fran­zosen und Spanier sind auf dem wes­teu­ropäis­chen LoL-Serv­er näm­lich in größer­er Zahl vertreten als Deutsche, und während mein Spanisch vielle­icht nicht reise­tauglich, aber doch zumin­d­est in Grundzü­gen vorhan­den ist, beschränken sich meine Franzö­sis­chken­nt­nisse auf “mer­ci”, “bon­jour” und Refrains pop­ulären franzö­sis­chsprachi­gen Liedgutes. Erfreulich ist es da, dass man Ein­heimis­che oft am angezeigten Namen erken­nt, immer­hin bevorzugt man im Alter von 12, 13 Jahren oft Charak­ter­na­men wie “bigboss1999” und “Klaus der Tolle”. (Ähn­lichkeit­en mit vorhan­de­nen Spiel­er­na­men sind bekan­nt.)

In ein­er etwas schwächeren Runde nun, die ich vor eini­gen Stun­den absolvierte, waren sich meine Mit­spiel­er spielin­tern einig, dass wir diese Runde zu gewin­nen nicht mehr imstande sein wür­den. Keines­falls aber lautete ihre Ein­schätzung hierzu “wir wer­den dieses Spiel nicht mehr gewin­nen” oder wenig­stens “wir ver­lieren”, son­dern “wir loosen”.

Meinem zaghaften Ein­wand, man möge doch bitte, wenn man schon englisch reden muss, nicht to lose (“ver­lieren”) mit loose (“lock­er”) ver­wech­seln oder sich eben doch bess­er auf eine Sprache beschränken, die man auch beherrscht, wurde zum Einen ent­ge­genge­bracht, dass “loosen” (sic!) kürz­er sei als ver­lieren (“looooosen” aber ver­mut­lich nicht, was ich aus Grün­den tem­porär man­gel­nder nervlich­er Belast­barkeit indes nicht ein­brachte), was keines­falls von der Hand zu weisen war, zum Anderen über­raschte mich ein­er mein­er Mit­spiel­er mit der Frage, ob ich denn Nazi sei “oder was”. Mit dieser Frage hat­te ich nicht gerech­net.

Bin ich ein Nazi, weil ich meine Mut­ter­sprache beherrsche und Sprach­matsch aus deutschen Satzs­tum­meln und (oben­drein falschen) englis­chen Ver­satzstück­en nur wenig abgewin­nen kann? In der Tra­di­tion von Adolf Hitler jeden­falls, das beruhigt mich nach kurz­er Recherche, ste­he ich nicht, denn er bil­ligte Anglizis­men aus­drück­lich. Insofern aber ist es in mehrfach­er Hin­sicht beden­klich, dass man, um nicht als “Nazi” zu gel­ten, Sprach­pan­schereien gut­mütig zur Ken­nt­nis nehmen muss, denn eigentlich zollt man so wiederum dem Nation­al­sozial­is­mus Trib­ut.

Meine dem Nation­al­sozial­is­mus ähn­lich­ste Eigen­schaft ist mein Musik­faschis­mus, darüber hin­aus aber kann ich mir nicht ohne Stolz ein weit­ge­hend inte­gres Welt­bild attestieren. Dieses Welt­bild lässt mich nun darüber nach­denken, inwiefern Sprache und Nation­al­sozial­is­mus eigentlich zusam­men­hän­gen. Das Forcieren der eige­nen Lan­dessprache neb­st Dez­imierung der alter­na­tiv gesproch­enen Sprachen im Land ist zum Beispiel in Frankre­ich Usus, aber von Nation­al­sozial­is­mus kann dort wahrlich nicht die Rede sein, denn es regiert das Kap­i­tal.

Aus der Sprach­wahl des mich der­art Schel­tenden fol­gere ich, dass man in seinen Augen also nur dann nicht als Nazi (“mein­ten Sie: Nation­al­ist?”) gilt, wenn man sich als Welt­bürg­er zu erken­nen gibt und also die Sprache der pop­ulis­tis­chen US-amerikanis­chen Kriegstreiber zu der seinen macht, unab­hängig von dem nicht zu unter­schätzen­den Umstand, dass Deutsch in Deutsch­land, Öster­re­ich, der Schweiz, Liecht­en­stein, Lux­em­burg, Südtirol und Bel­gien Amtssprache und in Namib­ia und den Nieder­lan­den und Teilen Frankre­ichs, Polens und der Slowakei zumin­d­est eine der meist­ge­sproch­enen Umgangssprachen ist und es somit gut und richtig ist, von der Welt­sprache Deutsch zu sprechen. Aber sind es nicht eigentlich eben die US-Amerikan­er, die dem Nation­al­sozial­is­mus nahe ste­hen?

Während die Deutschen alles tun, um die Zeit des Drit­ten Reichs damok­less­chw­er­tar­tig wie ein Menetekel über den Köpfen jed­er her­anwach­senden Gen­er­a­tion pen­deln zu lassen, (was eigentlich eine ziem­lich blöde Meta­pher ist und) worin sich irri­tieren­der­weise die noch leben­den Funk­tionäre des bis­lang let­zten deutschen Ver­brecher­regimes bis heute her­vor­tun, sieht man es in den Län­dern, die gegen die Deutschen einst schw­eres Geschütz auf­fuhren, nicht ganz so eng. Der Han­del mit Andenken an die Zeit der NSDAP-Herrschaft, etwa Hak­enkreuzflaggen und NSDAP-Ansteck­ern, erfreut sich ger­ade in den Vere­inigten Staat­en, unter anderem bei Ama­zon-Part­nern, eben­so großer Beliebtheit wie Ras­sis­mus und die Bil­dung entsprechen­der Vere­ini­gun­gen, sei es nun der Ku-Klux-Klan, sei es die NSDAP/AO.

Und während hierzu­lande zum Beispiel Komö­di­en über Adolf Hitler trotz all der im Film impliz­it geschwun­genen Zeigefin­ger vom Föje­tong mit großem Grausen aufgenom­men wird, weil es ja nicht sein könne, dass man Adolf Hitler filmisch zu ein­er grotesken Karikatur sein­er selb­st macht (vielle­icht wäre den jew­eili­gen Schreiber­lin­gen eine ehrfürchtige Huldigung lieber gewe­sen), ist das Kunst­werk Hitler in Übersee schon seit Jahrzehn­ten Gegen­stand von Ehrerbi­etung ein­er­seits und ander­er­seits eben grotesker Karikatur, wie man etwa auf dem Kün­stler­por­tal deviantArt.com sehen kann.

Es zeugt also nicht von angemessen­er Wach­samkeit, die Sprache der US-Amerikan­er der deutschen vorzuziehen, will man zeigen, dass man kein “Nazi” ist; es zeugt vielmehr von ein­er gefährlich naiv­en Ein­schätzung der Welt­poli­tik. Längst näm­lich sind es nicht mehr die paar hun­dert NPD’ler, um die sich der aufrechte Antifaschist sor­gen sollte, es sind ihre paar tausend US-amerikanis­chen Gesin­nungsgenossen, die sich dort seit Jahrzehn­ten unwider­sprochen aus­bre­it­en kön­nen. Dass eine Demokratie auch faschis­tis­che Mei­n­un­gen ertra­gen kön­nen muss, um noch eine starke Demokratie zu sein, habe ich bere­its ander­swo aus­re­ichend erläutert, insofern ist das nun keines­falls ein Aufruf, linksradikale Gueril­la in den USA zu etablieren. Man sollte allerd­ings doch, sofern man irgend­wann ein­mal zufäl­lig auf diesen Text stößt, kurz darüber nach­denken, ob eine Sprache, deren primäre Sprech­er — ein­mal unter­stellt, der Nach­wuchs bezieht seine Englis­chken­nt­nisse aus den Medi­en statt aus der Schule und bemüßigt sich also des US-amerikanis­chen, nicht des britis­chen Idioms — Hitler über­wiegend all­t­agstauglich find­en, sich selb­st als Welt­polizei ver­ste­hen (die Zugriff­s­rechte des FBI auf aus der EU stam­mende Dat­en jeglich­er Art seien nur ein­mal als Beispiel genan­nt), seit Jahrzehn­ten Angriff­skriege führen, dunkel­häuti­gen Aus­län­dern nicht immer allzu offen­herzig begeg­nen und großteils kein Prob­lem mit der Todesstrafe haben, wirk­lich weniger naz­i­haft wirkt als die Ver­wen­dung der Mut­ter­sprache im Gespräch mit Mut­ter­sprach­lern, und das Ergeb­nis dann aus­druck­en und in großen roten Buch­staben an seinen Bild­schirm tack­ern, auf dass er auf der­ar­tige Ver­mu­tun­gen kün­ftig verzichte.

Aber: “Endlich kön­nen wir uns wieder selb­st geißeln!” (Anony­mus “Monark” in völ­lig anderem Zusam­men­hang.)
Yeah, sozusagen.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Loriot.

Zum To’ von Lori­ot (na kommt, der lag nahe!) habe ich hier bewusst bis jet­zt nichts geschrieben, denn ich wusste, die Medi­en wür­den mir diese Arbeit in bekan­nt destruk­tiv-desin­formiert­er Manier abnehmen; haben sie dann auch und wer­den sie nun, da er nicht mehr wider­sprechen kann, erst recht, schreibt “quir­i­nus”:

(…) noch wird er von der Mehrheit gefeiert. Allerd­ings ist abzuse­hen, daß es schon bald Leute geben wird, die ihn ent­lar­ven wer­den; denn bei einem, der drei Jahre lang Offizier an der Ost­front war, wird sich doch etwas find­en lassen, was der eige­nen Kar­riere förder­lich sein kann.

Genau diesen Men­schen­schlag hat Lori­ot zu Lebzeit­en nur allzu gern sub­til aufs Korn genom­men; albern kon­nte er aber auch her­vor­ra­gend:

Was bleibt? Mario Barth. Oliv­er Pocher. Cindy aus Marzahn.
Der Rest ist Schweigen.

Schö­nen Son­ntag.

Politik
RRP: Bei Nichtgefallen Stimme abgeben

Heda, “Rent­ner­in­nen und Rent­ner Partei” (sic!) Wolfen­büt­tel,

da schlen­dert man gedanken­ver­loren durch die Innen­stadt besagter Ortschaft und erblickt dann zwis­chen den Phrasen dreschen­den großen bun­ten Heißluft­plakat­en der etablierten Parteien eure Stre­itschrift, beachtlich schlicht und präzise pointiert:

Auf den Faux­pas, schon im Namen eine soziale Ungle­ich­heit der Geschlechter sowie zwis­chen Rent­nern und Beruf­stäti­gen zu beschwören und den­noch im Namen “sozialer Gerechtigkeit” aufzutreten, gehe ich hier aus­nahm­sweise nicht ein; die andere Partei der “sozialen Gerechtigkeit”, die unsägliche “Linke”, hat da noch mit Geschicht­en ganz anderen Kalibers aufzuwarten.

Aber hal­tet ihr es nicht auch für zumin­d­est brisant, dem poten­ziellen Wäh­ler die Wahl zu lassen zwis­chen dem, “was ihm gefällt”, und euch? Seid ihr also das, was ihm ganz bes­timmt nicht gefällt?

Seht ihr, das glaube ich auch.
Stets zu Dien­sten!

Spaß mit Spam
Eine ehrliche Frau für einen ernsten Freund

Frau “Mor­gan Zamo­ra” gehört zu der Sorte “Frauen”, die es offen­bar heftig juckt; denn “sie” verzichtet auf die Erzäh­lung ein­er meter­lan­gen Lebens­geschichte und kommt direkt auf den Punkt:

hal­lo) mein Name ist Mor­gan Zamo­ra . Ich möchte Sie ken­nen ler­nen. Ich habe Ihnen meine Bilder. Schreiben Sie mir, wenn ich Ihnen gern

Die Zeilen­sprung­taste ist wirk­lich schw­er zu find­en auf so ein­er Tas­tatur, als Dien­stleis­tung für meine Leser struk­turiere ich den Text den­noch mal etwas über­sichtlich­er:

hal­lo)

Tag)

mein Name ist Mor­gan Zamo­ra .

Das ist aber inter­es­sant .

Ich möchte Sie ken­nen ler­nen.

So knapp for­muliert lässt mich das frösteln; wis­senschon, “Sie wer­den mich noch ken­nen ler­nen”.

Ich habe Ihnen meine Bilder.

Ich bin Ihnen Witz.

Schreiben Sie mir, wenn ich Ihnen gern

Ja, eilig hat sie es tat­säch­lich, nicht ein­mal für das Satzende fand sie Zeit. Spricht das nun eigentlich für sie?

“Frau Zamo­ra”, mailend via Alias “pwal­ters”, scheint sich überdies so sehr nach einem Mann zu sehnen, dass besagte Mail — ja, das war der ganze Text — mich gle­ich zweimal erre­ichte, ange­hängt jew­eils eine Datei namens “sexy photo_1314173648.zip”, und ich fragte mich, ob es denn von besagter Dame auch unsexye Fotografien gebe, denn eine poten­zielle Part­ner­in bekommt man nach erfol­gre­ich­er Eroberung in der Regel öfter unsexy als sexy zu sehen und muss doch wis­sen, worauf man sich ein­lässt; enthal­ten jeden­falls war jew­eils eine Datei namens my image.scr, eine Bild­schirm­schon­er­datei also, und ich fol­gte der Weisung und schonte meinen Bild­schirm per beherztem Druck auf die Taste, die jene Texte ver­schwinden ließ, denn das bewahrte meinen Bild­schirm vor nach­haltiger Verun­reini­gung mit Kaf­fee, denn ich bin zwar ehrlich, aber nicht ernst.

Das war allerd­ings auch nicht gefordert.

Netzfundstücke
Das langsame Siechtum der Blogs

Liebe Leser,

dass ihr euch über­haupt hier einge­fun­den habt, ist beina­he schon anachro­nis­tisch, denn außer Lori­ot haben wir dieser Tage noch einen anderen üblen Todes­fall zu bekla­gen, näm­lich Blogs und Nicht­blogs wie das meine. Blogs sind tot. Weit­erge­hen, hier gibt es nichts zu sehen.

Denn anstatt hier regelmäßig Gebühren für den Spe­icher­platz abzu­drück­en, kön­nte ich mir das auch ein­fach sparen und zu Google+ umziehen, denn dort finde ich als nicht prof­i­to­ri­en­tiert­er Insin­ter­netschreiber alles vor, was ich benötige:

Es gibt keine Lim­i­tierung der Post-Länge, wie es beispiel­sweise bei Face­book der Fall ist. Zudem lassen sich prob­lem­los Medi­en wie Bilder und Video ein­fü­gen und es gibt eine Kom­men­tar­funk­tion. Also eigentlich ist doch alles da, was ein Blog­ger braucht. Und die ersten Blog­ger haben sich bere­its von ihren Blogs ver­ab­schiedet. Kevin Rose will beispiel­sweise nur noch bei Google+ Inhalte ein­stellen und teilen.

Ich weiß zwar nicht, wer dieser Kevin Rose genau ist, aber wenn er auf t3n.de erwäh­nt wird, ist er sich­er sehr wichtig. Das gibt mir schon zu denken. Überdies hätte ich noch weit­ere Vorteile davon, kün­ftig auss­chließlich auf Google+ zu pub­lizieren, denn dort prof­i­tiere ich von der Viril­ität des Net­zes:

Blog­ger, die nur ihre Inhalte veröf­fentlichen wollen, um sie mit anderen Leuten im Inter­net zu disku­tieren, haben eine andere Aus­gangslage. Sie kön­nen dies ohne große Prob­leme auch bei Google+ machen und prof­i­tieren dabei von der Viral­ität des Social Net­works.

Viren pflegte ich bish­er zu bekämpfen; jet­zt erfahre ich, dass Vire­nar­tigkeit ein pos­i­tiv­er Aspekt ist, wenn man Men­schen erre­ichen möchte. Ver­dammt, da habe ich eine große Chance ver­tan. Aber das ergibt Sinn: So eine Grippe ver­bre­it­et sich ja auch rasend schnell. Der gesellschaftliche Auf­stieg vom Pub­lizis­ten zum Virus ist wahrlich ver­lock­end.

Aber wie kommt man eigentlich auf die Idee, Blogs seien tot?

Nun, Robert Scoble — anscheinend wieder jemand mit viel Wichtigkeit, denn auch ihn erwäh­nte t3n.de neb­st Ver­linkung — hat bemerkt, dass in “sozialen Net­zen”, etwa Face­book und Google+, viel mehr Kom­mu­nika­tion herrsche als in den Kom­men­tar­bere­ichen großer Nachricht­en­seit­en. (Im IRC, ander­er­seits, find­et auch mehr Kom­mu­nika­tion statt als in ein­er Bücherei, aber vielle­icht ken­nt Robert Scoble das IRC ja nicht und kann daher diese Par­al­lele nicht erken­nen. Oder Büchereien.) Er zieht also den Schluss: Inhalte an den Mann zu brin­gen ist nur dort sin­nvoll, wo viele Men­schen aufeinan­der tre­f­fen. So weit ist das richtíg, in Berlin sind Döner­bu­den ver­mut­lich auch gefragter als in Pader­born, aber t3n.de ver­wech­selt hier Inter­ak­tion und Mit­teilung.

Ein Inter­ne­tauftritt wie dieser hier oder wie die meis­ten Blogs dient vor­rangig dem Zweck, einem inter­essierten Pub­likum Texte oder andere Medi­en nahe zu brin­gen. Ein solch­er Inter­ne­tauftritt ist sozusagen das per­sön­liche Sprachrohr seines Besitzers oder sein­er Besitzer, ungle­ich etwa einem Inter­net­fo­rum. Um bei der Analo­gie zu bleiben: Hätte ich ein Face­book-Pro­fil, so wür­den die Men­schen dort mit eventuellen Kom­mentaren auf mein Mit­teilungs­bedürf­nis reagieren, aber ich würde es keines­falls unter­hal­ten, um Kom­mentare zu bekom­men. Dies wäre bei Google+ zum Beispiel sicher­lich auch nicht ein­fach­er als hier, denn während ich hier mit eigen­er Inter­ne­tadresse und weit­ge­hend allein und mit größt­möglich­er Gestal­tungs­frei­heit mal bessere, mal schlechtere Texte hin­ter­lase und dafür mitunter von anderen Insin­ter­netschreibern erwäh­nt werde, hätte ich bei Google+ genau das Prob­lem der Viril­ität: In einem Sumpf aus hun­derten, gar tausenden “Blog­gern”, die unter schlecht zu merk­enden Inter­ne­tadressen mit dem immer gle­ichen design ihren Senf ablassen, find­et man sich auch nicht bess­er zurecht, wenn die alle untere­inan­der ver­linkt sind. Google+ ist sozusagen ein Abbild der deutschen Blo­gosphäre ohne ihre zen­tralen Licht­gestal­ten, aber ich nehme an, das liegt lediglich daran, dass das Netz noch recht neu ist und Sascha Lobo noch keine Gele­gen­heit hat­te, im Fernse­hen zu erk­lären, wieso er Google+ ver­standen hat und alle anderen nicht.

Natür­lich ist gele­gentliche Rück­mel­dung von Lesern hil­fre­ich, natür­lich fühlt man sich am Bauch wie auch an anderen Glied­maßen mit Freuden bepin­selt, wenn man pos­i­tive Kri­tik erhält. Wer aber eine solche Inter­net­präsenz nur an den Kom­mentaren misst, wer sie also nur unter der Bedin­gung für rel­e­vant hält, dass sich eine Vielzahl von Besuch­ern als Kom­men­ta­toren her­vor­tut, dessen Beweg­gründe seien hier­mit angezweifelt.

Das tote Pferd ist quick­lebendig. Es wiehert.

In den NachrichtenPolitik
Zur Lage in Libyen

Man stelle sich vor, irgend­wo auf der Welt schafft es ein Rev­o­lu­tionär, 42 Jahre lang eine Dik­tatur aufrecht zu erhal­ten.

Man stelle sich vor, diese Dik­tatur wird von der Achse des Guten während all dieser Zeit zwar kri­tisch zur Ken­nt­nis genom­men, aber nicht mit nach­halti­gen Sank­tio­nen bedacht; wohl auch auf­grund sig­nifikan­ten Man­gels an Ölquellen.

Man stelle sich vor, nach 42 Jahren entschließt sich eine Armee von Rebellen, mil­itärisch gegen diese Dik­tatur vorzuge­hen, und wird von den West­mächt­en als Befreier des Lan­des gefeiert, obwohl diese Armee let­ztlich einen schwe­len­den Bürg­erkrieg ent­facht hat.

Man stelle sich vor, Mit­gliedsstaat­en der Achse des Guten ste­hen diesen Rebellen mil­itärisch bei, indem sie zum Beispiel mit­tels Bom­barde­ments mal eben die halbe Fam­i­lie erwäh­n­ten Dik­ta­tors von der Land­karte putzen.

Man stelle sich vor, diese Guten führen als Begrün­dung für diese mil­itärischen Ein­griffe die Nicht­beach­tung von Men­schen­recht­en seit­ens des — von den Atten­tat­en nicht ein­mal ver­let­zten — Dik­ta­tors an.

Man stelle sich vor, nach erfol­gtem Sieg der Rebellen verkün­den die Staat­en, die zuvor ihr Bestes gegeben haben, um für möglichst viel Ver­wüs­tung in unter besagter Dik­tatur ste­hen­dem Land zu sor­gen, ein­hel­lig, es liege gän­zlich in ihrem Inter­esse, dass der bom­bardierte und in einen Bürg­erkrieg gestürzte Staat nun aus eigen­er Kraft und ohne fremde Hil­fe wieder auf die Beine komme.

Man wartet doch dann eigentlich nur noch darauf, dass Char­lie Sheen in sein­er Paraderolle als Top­per Harley vor die Kam­eras tritt und eine derbe Zote reißt, oder?

NerdkramsPiratenpartei
Fundstücke: Firefox und Facebook

(Vorbe­merkung: Natür­lich kön­nte ich mich an dieser Stelle über die jüng­sten Reibereien zwis­chen Vor­stand und Basis des nieder­säch­sis­chen Lan­desver­ban­des der Piraten­partei aus­lassen, aber das erscheint mir noch etwas ver­früht, angesichts der hier bewusst nicht ver­link­ten Desin­for­ma­tion­skam­pagne ehe­mals aktiv­er Pirat­en in inzwis­chen Anti-Pirat­en-Blogs wohl auch tak­tisch unklug. Mehr dazu also früh­estens später hier oder gegen­wär­tig in der entsprechen­den Mail­ingliste [Anmel­dung erforder­lich].)

Um Gerücht­en ent­ge­gen­zuwirken, über­mäßig viele Erweiterun­gen wür­den den stan­dard­mäßig schlanken und schnellen Brows­er Fire­fox unnötig über­laden, hat sich der Entwick­ler der Fire­fox-Erweiterung AutoPager etwas beson­deres aus­gedacht und den Ein­stel­lungs­di­a­log beim ersten Aufruf auf ein Min­i­mum reduziert:

(Ich musste übri­gens auch ein wenig schmun­zeln, als ich im Zeitschriften­re­gal die Zeitschrift “Der große Face­book Rat­ge­ber” (sic!) erblick­te, dessen Titel unter anderem die Rubrik “Sicher­heit ganz groß” mit dem The­ma “Pri­vat­sphäre und Daten­schutz — Pro­fil vol­lkom­men wasserdicht machen” ankündigte: Eine Anleitung zur “Kon­tenlöschung” für 7,80 Euro zu verkaufen erschien mir doch etwas über­zo­gen.)

MusikNetzfundstückeNerdkrams
Grooveshark und Simfy: Zwei Dienste, ein Lied

Dass das Inter­net dem geneigten Musik­fre­und dem Garten Eden nicht unähn­lich erscheint, ist im Jahr 13 nach Nap­ster (heute erfind­en wir mal Zeitrech­nun­gen) keine Über­raschung mehr, allen Widrigkeit­en und der GEMA zum Trotz. Die Tech­nik dahin­ter wird kon­tinuier­lich weit­er diver­si­fiziert, Peer-to-Peer-Tauschbörsen sind längst nicht mehr die einzige Bezugsquelle für Lieder aller Art. Und wen­ngle­ich sich eMule auf­grund aus­gereifter Tech­nik und Dezen­tral­isierung noch immer als die benutzer­fre­undlich­ste und, neben Bit­Tor­rent, reich­haltig­ste Tauschbörse behaupten kann, so man­gelt es doch nicht an Alter­na­tiv­en, die oft völ­lig andere Konzepte ver­fol­gen.

Derzeit wird in deutschsprachi­gen Blogs das Konzept der Musik­stream­ing­di­en­ste, die gegen­wär­tig eine Blütezeit erleben, gepriesen, wohl auch bed­ingt durch den Umstand, dass der deutsche Dienst Sim­fy, etwa von Caschy wortre­ich für anse­henswert befun­den, den Kinder­schuhen entwach­sen ist. Im Fol­gen­den werde ich mich mit diesem The­ma befassen und den von mir genutzten Dienst Groove­shark als Ver­gle­ich her­anziehen. Den, wohl aus psy­chol­o­gis­chen Grün­den, noch in ein­er “geschlosse­nen Test­phase” befind­lichen Daten­sam­mel­dienst “Music” von Google werde ich hier selb­stver­ständlich nicht berück­sichti­gen. ‘Groove­shark und Sim­fy: Zwei Dien­ste, ein Lied’ weit­er­lesen »

NerdkramsSpaß mit Spam
Firefox kann jetzt auch Internet!

Aus ein­er ganz anderen Moti­va­tion als die anderen Ver­fass­er uner­wün­schter Wer­be­post her­aus konkur­ri­eren ger­ade deutsche Gratismailadresse­nan­bi­eter (für solche Wörter schätze ich die deutsche Sprache sehr) um den größt­möglichen Stuss. Dass sie dafür eine iden­tis­che For­mulierung wählen, verurteilt diesen Plan allerd­ings ver­mut­lich zum Scheit­ern.

Denn dass man einst Inter­net­seit­en für einen Web­brows­er “opti­mieren” “musste”, ist längst Ver­gan­gen­heit. Heute opti­miert man Web­brows­er auf Inter­net­seit­en, denn irgen­deinen Grund müssen die ständi­gen neuen Browserver­sio­nen ja haben:

Nicht bekan­nt ist, ob Google-Mail-Benutzer ein ähn­lich­es Ange­bot erhal­ten haben oder ob es gar schon erste gehack­te Ver­sio­nen gibt, die “schnellen Zugriff” auf (also ver­mut­lich jew­eils ein Leseze­ichen für) bei­de Mailan­bi­eter bein­hal­ten. Das wäre doch qua­si ein unschlag­bares Ange­bot! (Und ob dieser Fire­fox auch etwas gegen die Schad­soft­ware von GMX untern­immt?)

(Danke an V.!)

In den NachrichtenWie die AnderenPolitik
Wie die Anderen (2): C wie Childporn

(Vorbe­merkung: Dies ist der zweite Teil mein­er losen Rei­he “Wie die Anderen”, dies­mal inspiri­ert von Fefe.)

Also DAMIT kon­nte ja wohl NIEMAND rechnen!!11:

Chris­t­ian von Boet­tich­ers Gespielin war zum Zeit­punkt des Ken­nen­ler­nens erst 15 (Vor­sicht, Kom­men­tar zitiert BILD.de):

Und trotz­dem bleibt ein schales Gefühl. Denn Marie (geboren im Feb­ru­ar 1994) war wohl erst 15, als die bei­den sich über Face­book Anfang 2010 ken­nen­lern­ten. Marie war da auf “Fratzen­buch”, wie sie Face­book selb­st spöt­tisch nen­nt, bere­its mit etlichen CDU- und FDP-Poli­tik­ern ver­bun­den.

Nur, falls noch jemand einen Grund braucht, die CDU nicht zu wählen.

(Nachbe­merkung: Sollte ich eine der Marot­ten der in dieser Rei­he par­o­dierten Blog­ger verse­hentlich nicht einge­baut haben, so seid ihr natür­lich her­zlich ein­ge­laden, es bess­er zu machen – gern mit Track­back und/oder Kom­men­tar hier unten drunter.)

MusikPolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Panic on the streets of London

Hin und wieder finde ich es ehrlich schade, dass ich wed­er ein Musik­blog betreibe noch den Smiths son­der­lich viel abgewin­nen kann, denn ersteres lässt mich mitunter, etwa gestern, erfol­g­los über Anlässe nach­denken, etwas zu schreiben, so dass ich das Woch­enende ander­weit­ig nutzen muss, und zweit­eres hätte beina­he ver­hin­dert, dass mir die musikalis­che Pointe der gegen­wär­ti­gen Auf­stände in Lon­don ent­gan­gen wäre.

The Smiths — Pan­ic

Pan­ic on the streets of Lon­don
Pan­ic on the streets of Birm­ing­ham
I won­der to myself:
Could life ever be sane again?

(Beson­ders beun­ruhi­gend ist in diesem Zusam­men­hang ja die Ver­mu­tung, dass hier nicht Arm und Reich gegeneinan­der kämpfen, son­dern der junge Hip-Hop gegen die als Zeichen für Gestriges missver­standene Rock­musik. Beina­he hätte es dabei 1:0 für den Hip-Hop ges­tanden. Das wollen wir doch alle nicht.)

In den Nachrichten
Wenn Schlampen protestieren

Es fiele mir zweifel­sohne leicht, diesen Artikel mit einem mauen Witz über, haha, Som­mer-Löch­er einzuleit­en, aber wir sind ja hier nicht beim Pri­vat­fernse­hen. Tat­säch­lich jeden­falls man­gelt es aber anscheinend an wirk­lichen Schlagzeilen, so dass der lei­der alltägliche weib­liche Sex­is­mus sich mal wieder ins Bild rückt:

Mit viel nack­ter Haut haben hun­derte “Schlam­p­en” am Sam­stag in deutschen Städten als Teil ein­er inter­na­tionalen Protest­be­we­gung gegen Sex­is­mus demon­stri­ert. Die soge­nan­nten Slut­walks (Schlam­p­en­märsche) soll­ten auf das Recht auf sex­uelle Selb­st­bes­tim­mung aufmerk­sam machen.

Es demon­stri­erten also über­wiegend Frauen, die sich selb­st Schlam­p­en nen­nen, dage­gen, als Schlam­p­en betra­chtet zu wer­den. Dabei macht­en sie es ihren Mit­men­schen aber wahrlich nicht leicht:

Mehrheitlich waren Frauen auf der Straße — einige in Miniröck­en, mit Net­zstrumpfho­sen und High-Heels, manche sog­ar oben ohne.

Nei­dis­che Arbeit­skol­legin­nen, so heißt es, wür­den über Neuzugänge hin­ter vorge­hal­tener Hand mitunter tuscheln, diese Neuzugänge hät­ten die Stelle nur bekom­men, weil sie gek­lei­det seien wie Schlam­p­en, eben sex­uell aufreizend, um dem jew­eili­gen Per­son­alchef im Falle ein­er Anstel­lung eben sex­uelle Erwartun­gen zu sug­gerieren. Sehr wohl also koket­tiert man auch und ger­ade als geistig gereifte Frau mit dem sprich­wörtlichen Sex­u­al­trieb des Mannes. (Dass der Sex­u­al­trieb der Frau, evo­lu­tionär bed­ingt, auch nicht klein­er ist, wurde vielfach belegt; dass er meist ver­schwiegen wird, zeigt schon deut­lich, dass etwas schief läuft auf der Welt.)

So lange die Zahl der von Frauen verge­waltigten Män­ner weit­er­hin im Dunkeln bleibt und die ange­bliche “Fem­i­nis­mus­be­we­gung” alles tut, um Verge­wal­ti­gun­gen als rein männliche Per­ver­sion hinzustellen (Brüller­ar­gu­ment: “Alle Män­ner sind poten­zielle Verge­waltiger”), wird sich daran auch nicht viel ändern: Offene weib­liche Sex­u­al­ität ist ein Zeichen von Mündigkeit, während offene männliche Sex­u­al­ität Machogehabe und brandge­fährlich ist.

Wie sich solche Mündigkeit als Zeichen gegen Sex­is­mus man­i­festiert, zeigt dieses hüb­sche, mit Herzchen (aus­gerech­net mit Herzchen!) verzierte Plakat von besagtem Schlam­p­en­marsch:

Das hält natür­lich keinen der dergestalt bedro­ht­en Mack­er (Lebenspart­ner, Chefs und der­gle­ichen) davon ab, dieser Ver­anstal­tung begeis­tert beizu­wohnen; vielle­icht, weil sie son­st auf die Fresse bekä­men:

“Man demon­stri­ert ja nicht nur für per­sön­liche und indi­vidu­elle Bedürfnisse, son­dern auch für die Rechte ander­er”, sagte ein sol­i­darisch­er Mann in München, wo rund 350 selb­st ernan­nte “Schlam­p­en” demon­stri­erten.

Wer aber demon­stri­ert für das Recht auf männliche Sex­u­al­ität? Würde eine der Schlam­p­en an ein­er entsprechen­den Gegen­demon­stra­tion teil­nehmen, um sich zu sol­i­darisieren? Wahrschein­lich nicht, denn männliche Sex­u­al­ität ist böse, so lange sie nicht beim gesellschaftlichen Auf­stieg hil­ft. Die Sex­u­al­ität eines Per­son­alchefs etwa — ich erwäh­nte es oben bere­its — ist meist sehr gefragt.

Insofern ist es doch immer­hin zu begrüßen, dass auch der Posten des Per­son­alchefs in vie­len Unternehmen inzwis­chen der “Frauen­quote” unter­liegt. Es ist ein wichtiger Schritt zur Befreiung der männlichen Sex­u­al­ität. Schade ist es nur, dass die Gesellschaft dafür mehrere Jahrzehnte gebraucht hat. Das ist nachger­ade eine Schlam­perei.

Ich hoffe nur, wir Män­ner müssen nicht auch erst in aufreizen­der Klei­dung durch die Straßen marschieren und uns Schlam­p­en nen­nen, bevor dies die öffentliche Wahrnehmung erre­icht hat. Eines näm­lich haben wir den Schlam­p­en noch immer voraus: Unseren Stolz.

So war es und so soll es bleiben.

(Danke an L.!)