In den NachrichtenNerdkrams
Endlich: Onlineversionen von Offlineprogrammen jetzt auch offline!

(Vorbe­merkung: Nach eini­gen anfänglichen Tweets hierzu habe ich beschlossen, dann doch mal einen län­geren Text zu schreiben, um der ausufer­n­den WTFigkeit — Wort soeben erfun­den — gewiss­er Neuerun­gen angemessen Respekt zu zollen.)

Heute ist die erste deutsche Aus­gabe des Wired-Mag­a­zins erschienen, und ich würde es an dieser Stelle gern aus­giebig für blöd befind­en, allein schon deshalb, weil dort zahlre­iche Lobpreisun­gen ver­linkt sind und ich eine aus­ge­wo­gene Mei­n­ungsvielfalt im Inter­net für wichtig halte. Lei­der jedoch hat­te ich noch keine Gele­gen­heit, es zu erwer­ben, und ich befürchte, bis ich das nachge­holt habe, war ix schneller als ix ich. Also befinde ich stattdessen etwas anderes für blöd.

Und zwar was von Google.

Dass ich Google nicht mag und auch für die Arbeit mit Com­put­ern Drit­ter grund­sät­zlich erst mal eine andere Stan­dard-Such­mas­chine ein­stelle, ist hin­länglich bekan­nt. Das allein ist aber noch kein Grund, alles zu zerre­den, was von diesem Unternehmen stammt, denn da hätte ich wahrlich viel zu tun. Aktuell aber wird in den üblichen Tech­nikblogs mal wieder eine Google-Erfind­ung als drin­gend benötigte Lösung für ein wichtiges Prob­lem gepriesen, die ihren Nutzen eigentlich nur aus sich selb­st zieht.

Ein wenig Geschichte: Im Feb­ru­ar 2010 been­dete Google seine Unter­stützung für das Pro­jekt Gears, das mit­tels eines Plu­g­ins die Offli­nenutzung von Webin­hal­ten ermöglichen sollte. Unter anderem lieferte die Plat­tform Word­Press eine Unter­stützung für diese Tech­nik mit, so dass man zum Beispiel sein Blog auch offline pfle­gen kon­nte. Das war nur wenig ver­wun­der­lich, trieb Google doch zur gle­ichen Zeit die voll­ständi­ge Ver­net­zung jeglich­er anfal­l­en­den Auf­gaben und ihre Ver­lagerung in die cloud aktiv voran, wobei ins­beson­dere das Flag­gschiff “Google Mail” maßge­blich war, ver­suchte man doch dort, die Nutzung eines eigen­ständi­gen Mail­pro­gramms so über­flüs­sig wie möglich zu machen; über­wiegend sog­ar mit Erfolg, denn nur wenige Google-Mail-Nutzer ver­wen­den, wie eine Umfrage im Bekan­ntenkreis ergab, noch etwas anderes als die Webober­fläche.

Mit “Google Text & Tabellen” hat Google seit eini­gen Jahren auch eine Alter­na­tive zu inter­net­basiert­er Bürosoft­ware wie Think­Free Office oder zum Beispiel dem Piraten­pad im Reper­toire, aus­gerichtet auf gemein­schaftlich­es Bear­beit­en, etwa zur Besprechung von Pro­jek­tzie­len in größeren Teams. Für solch­es kol­lab­o­ra­tives Edi­tieren sind solche Plat­tfor­men tat­säch­lich eine grandiose Erfind­ung, ob nun von Google oder von sonst­wem umge­set­zt; dass man aber nicht seine kom­plette Kor­re­spon­denz in der cloud able­gen sollte, ist bekan­nt, und sei es nur auf­grund des nahe liegen­den Prob­lems, dass man manch­mal auch an seine Doku­mente gelan­gen kön­nen möchte, wenn man fernab von jeglich­er Inter­netverbindung herumgurkt.

Caschy zum Beispiel gurk­te der­art nicht nur per Verkehrsmit­tel, son­dern auch sprach­lich herum:

Ich war ja die Tage mit dem Zug durch die Pam­pa unter­wegs. Ich sage euch: mobiles Leben my ass! (…) Worauf ich hin­aus will: nicht immer haste Netz, wohl aber vielle­icht Dat­en in der Cloud – und auf eben diese kannste nicht zugreifen. Mööööp.

Tja. Mööööp. Zum Glück hat sich Google jet­zt etwas total Neues, Großar­tiges, Aufre­gen­des aus­gedacht:

Jau, [jet­zt] gibt es auch die Möglichkeit, die Google Docs offline zu nutzen.

Das Ganze funk­tion­iert so ähn­lich wie Gears, läuft aber nur noch unter Chrome/Chromium und mag Fire­fox, Safari und den Inter­net Explor­er nicht mehr. Es ist sozusagen eine unflex­i­ble Kopie von Gears; und darin beste­ht dann auch die wirk­liche Neuerung: Es kann weniger. Nichts­destotrotz ertö­nen die Jubel­rufe mit Ohren betäuben­der Inten­sität, als hätte Google ger­ade das Inter­net neu erfun­den.

Dabei umge­ht diese “Offline­funk­tion” eigentlich nur den Nachteil, den die diversen Dien­ste von Google gegenüber den Pro­gram­men, denen sie Konkur­renz machen sollen, bis heute immer noch hat­ten, näm­lich, dass ohne Inter­netverbindung alles zum Erliegen kommt. E‑Mails mehr oder weniger durch­such­bar archivieren kann meines Wis­sens jedes Mail­pro­gramm, und E‑Mail ist schon älter als das “World Wide Web” selb­st; und, um beim The­ma zu bleiben, bis zu erwäh­n­ter Ankündi­gung von Google scheinen einige Leute ja wirk­lich arge Schwierigkeit­en gehabt zu haben, wenn sie mal eben ohne Inter­ne­tan­schluss einen Brief oder eine Tabelle oder so etwas schreiben oder erstellen woll­ten. Offline genutzt ent­fällt näm­lich der Aspekt des kol­lab­o­ra­tiv­en Edi­tierens aus tech­nis­chen Grün­den. (Kein Inter­net = keine cloud, so ein­fach ist die Gle­ichung.)

“Hm, wie schön wäre es doch, gäbe es so etwas wie ‘Google Text & Tabellen’ auch für Com­put­er, die zeitweise oder dauer­haft nicht im Netz sind”, hat man sich da bei Google vielle­icht gedacht.
Wer weiß, vielle­icht ersin­nt man sog­ar längst den Nach­fol­ger von “Google Text & Tabellen” für ebendiese, der nicht mal mehr einen Brows­er benötigt?

Ander­er­seits: Gibt es ja schon.

Jau.

Senfecke:

  1. Besagtem URL kann der nor­mal denk­ende Leser nur ent­nehmen, dass mich manche Leute dazu nöti­gen, ihre (!) Stan­dard­such­mas­chine unverän­dert zu belassen.

  2. Google soll mal lieber auf­passen dass sie nicht von Apple verk­lagt wer­den auf­grund von Inter­net­nutzung, dies halt schließlich Apple erfun­den.

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