Eine doch etwas merkwürdige, unerwartete E‑Mail erhielt ich nächtlich, während ich schlief, von einem Herrn oder einer Frau E‑Mail Verifizierung. Das ist ein einigermaßen eigenartiger Vorname, aber andere Menschen heißen ja auch Jimi Blue, Cosma Shiva oder Dietmar. Diese E‑Mail gebe ich im Folgenden — selbstverständlich mit unbrauchbar gemachtem Link — im Klartext wieder, um den Leser an meinem Amusement teilhaben zu lassen.
Sehr geehrter Nutzer
Du hast Dich gerade bei einem Angebot im Internet registriert welches die Bestätigung Deiner eMail Adresse erfordert.
Bitte nutze folgenden Link um Deine eMail Adresse zu bestätigen:
http://emailverifizierung.de/verify.php?verify=(…)
Vielen Dank für Dein Vertrauen
eMailverifizierung.de — Der sichere Service für Deine Registrierung
Mit freundlichen Grüßen,
eMailverifizierung GmbH
Martin Kahn Str. 77
D‑28359 Bremen
Deutschland
Fax: +41 (0)421 6265 100
Email: support@emailverifizierung.de
Web: http://www.emailverifizierung.de/
Interpunktionsschwächen einmal beiseite: Ich soll also, dies verlangt der Schreiber von mir, einem Verweis auf eine Internetseite folgen, um zur Nutzung eines Angebotes unbekannter Identität, für das ich, dessen Namen oder wenigstens Pseudonym der Betreiber des Angebots offenbar nicht einmal kennt, mich schlafend, vielleicht im Schlafe wandelnd, registriert haben soll, zu bestätigen, dass die angegebene E‑Mail-Adresse (es heißt doch wohl immer noch E‑Mail und nicht eMail, zefix!) auch wirklich meine E‑Mail-Adresse ist oder zumindest von irgendjemandem abgerufen wird.
Es ist aber sehr nett, dass ein mittelmäßig ausführlicher Absender unten druntersteht, denn das unterscheidet bekanntlich seriöse von unseriöser E‑Mail: Man weiß, mit wem man es zu tun hat; zumindest wahrscheinlich.
Eine DENIC-Abfrage war es mir dann aber schon wert, denn ich wüsste ja schon gern, ob der Betreiber wirklich E‑Mail Verifizierung heißt. Und eiderdaus:

Es zeichnet keine Frau E‑Mail Verifizierung verantwortlich, sondern ein Herr Michael Beck (vermutlich nicht identisch mit Michael “Dee Jot Hausmarke” Beck), der trotz des Firmensitzes in Bremen in Stuttgart und/oder der Schweiz wohnt. Ich kann mir also zumindest schon mal sicher sein, dass es sich um keinen russischen Spambot handelt, sondern schlimmstenfalls um einen der Schizophrenie anheim gefallenen Geschäftsmann (oder drei Leute, die an völlig unterschiedlichen Orten wohnen, aber zufällig identisch heißen), denn die DENIC ist eigentlich bisher nicht dafür bekannt, beliebige Daten zu akzeptieren, die jeder wie auch immer gearteten Grundlage entbehren.
Dieser Herr Michael Beck jedenfalls bietet einen sicheren Service — klingt ja, wenn ihr mich fragt, schon ein bisschen nach Rotlicht — für Registrierung an, was auch immer da registriert werden soll. Vielleicht hilft mir ja die angegebene Internetseite — http://www.emailverifizierung.de/ — dabei, Licht in dieses unverändert nicht erhellte Dunkel zu bringen.
Nee, Pustekuchen:

Aber der erfahrene Internetbenutzer weiß: www. is deprecated — “www.” ist überflüssig. Um doppelten Inhalt (“duplicate content”) zu vermeiden, der einige Internetsuchmaschinen dazu verleiten könnte, die eigene Website für Spam statt hochqualitativen Journalismus zu halten, wird die in der Regel standardmäßig eingerichtete Umleitung auf die “www”-Subdomäne mitunter technisch unterbunden. Also gucken wir mal nicht dort, wohin die E‑Mail verweist, sondern schneiden das “www.” ab — und siehe da, es “funktioniert”:

Dies also ist die Internetseite des sicheren Services. Mein Lieblingsteil ist ja der hier:
Ihr sicherer und seriöser eMail Verifizierungs Dienstleister.
© Alle Rechte vorbehalten.
Sicher und seriös:
Fehlerhafte oder keine Parameter
Der Copyright-Hinweis — in Deutschland gibt es übrigens kein “Copyright” — ist natürlich immens wichtig; so wird verhindert, dass gleichfalls minderbegabte Dritte, die das mit dem Copyright auch nicht wissen, diesen Strokelschrott auch noch kopieren wollen. Was für “Parameter” diese Seite erwartet, war leider nicht ersichtlich, andere als die Datei verify.php, die ich laut der E‑Mail aufrufen sollte, sind es aber sicherlich, es sei denn, der Betreiber hat als “Indexseite” (heißt standardmäßig meist index.php oder ähnlich) ebendiese Datei verify.php angegeben und es also genau so vorgesehen, dass man seine Internetseite, über die er immerhin Dienstleistungen anbietet, gar nicht aufrufen kann, ohne erst in einer Mail wie der, die ich erhielt, herumzuklicken. Dann aber fragt sich, wie der Betreiber des mir übrigens immer noch unbekannten Angebotes in der Lage war, von dieser Dienstleistung überhaupt Gebrauch zu machen.
Versteht übrigens irgendeiner von euch, liebe Leser, worin diese Dienstleistung genau bestehen soll? Der Betreiber schickt eine womöglich unerwünschte E‑Mail an eine irgendwo — noch immer ist mir dieses “irgendwo” unbekannt — eingetragene E‑Mail-Adresse, um zu verhindern, dass irgendjemand anderes eine womöglich unerwünschte E‑Mail an diese Adresse schicken kann?
Das mag nach Spam klingen, aber es ist, so schreibt Michael Beck oder einer seiner Mitarbeiter, kein Spam, zumal Spammer unter deutscher Jurisdiktion (.de-Adresse) es alles andere als einfach haben, dass ihre Mails das Ziel erreichen, bevor die verlinkte Internetadresse im virtuellen Lokus gelandet ist. Und aber jedenfalls:
Es wird damit sichergestellt, dass kein Spam an eine eMail Adresse versendet wird mit der sich registriert wird.
Spamschutz mit Spammethoden also; willst du Frieden, bereite den Krieg. Es steht allerdings zu befürchten, dass auch diese lobenswerte Spamversender in Bälde seine letzte Schlacht schlagen wird, denn trotz all des Aufwandes, den er betrieben hat, um eine anschauliche Internetpräsenz wirkungsvoll zu vermarkten, fehlt ihm ein Impressum — für ein Gewerbe bewerbende Dienstleister (anders als zum Beispiel für uns Insinternetreinschreiber) ein unverzeihlicher Fehler. Sollte dies hier also einer dieser Abmahnanwälte, von denen man immer auf so Internetseiten hört, lesen, so bitte ich darum, Herrn Beck zu verschonen. Er ist ein leuchtendes Vorbild für alle Existenzgründer im Web 2.0.
Und zwar ein schlechtes.