NerdkramsNetzfundstücke
Kurz verlinkt LIX: Facebook / Senfautomatismen

Sascha Lobo, von dem man nicht viel hal­ten muss, hat eine trotz­dem eigentlich ganz inter­es­sante Kolumne auf SPIEGEL Online mit ziem­lich viel Text zum The­ma “Face­book ist an allem schuld” befüllt, um dieser These aus­führlich zu wider­sprechen. Ich nehme seine Pointe schon mal vor­weg:

Face­book ist nicht Treiber, son­dern Prof­i­teur ein­er all­ge­meinen Daten­begeis­terung. Und die ist die logis­che Folge der dig­i­tal­en Ver­net­zung.

Und das ist das eigentlich Erschreck­ende; dass die “all­ge­meine Daten­begeis­terung” als naturgegeben akzep­tiert wird, während Medi­en­schaf­fende unfass­bar viel Geld dafür bekom­men, die Symp­tome aus­führlich nicht gut zu find­en. Ander­er­seits: Ich benei­de sie ein biss­chen darum.


Noch ein kurz­er Hin­weis in, mehr oder weniger, eigen­er Sache:

ix hat ein Word­Press-Plu­g­in geschrieben, das Kom­men­ta­toren das immer wiederkehrende Schreiben von “Hätte von mir sein kön­nen”, “Volle Zus­tim­mung!” oder “LOL” erle­ichtern sollte, indem es sel­bige Bemerkun­gen als Schalt­flächen an das Kom­men­tar­feld anheftet.

Inspiri­ert von Nerd­core und einem mein­er Kom­men­ta­toren miss­brauche ich es nun­mehr für Albern­heit­en und poli­tis­che Zitate. Ergänzungswün­sche bitte ein­fach unten hinein­sen­fen!

Montagsmusik
Her Name is Calla — Maw

Da schau her, schon wieder ist “Tag der deutschen Ein­heit”. Viele mein­er Leser wis­sen schon gar nicht mehr, dass es so etwas wie eine Teilung mal gab, einige andere Leser meinen, es habe sich um eine “Wiedervere­ini­gung” gehan­delt, und so manch­er US-Amerikan­er, so will es das Klis­chee, ver­mutet, die Mauer sei immer noch da.

Passend zu diesem Tag graben Musik­blogs jed­er Couleur nor­maler­weise so Mauer­lieder aus; wis­senschon, “Anoth­er Brick In The Wall”, “I’ve Been Look­ing For Free­dom” oder, meinethal­ben, “Won­der­wall”.

Und weil wir den ganzen Mist alle schon lange nicht mehr hören kön­nen, hören wir stattdessen etwas anderes:

Her Name is Calla — Maw

Ist ja auch mal ganz schön.

Musik
“Regelrecht schlecht”

Sie der­weil, Chris Mar­tin von “Cold­play”, sprachen in ein unbe­dacht platziertes Reporter­mikro­fon hinein, Ihnen würde “regel­recht schlecht”, wenn Sie im Radio Ihre Lieder hörten:

Wenn ein Song im Radio läuft, habe ich das Gefühl, entwed­er gle­ich in Ohn­macht fall­en oder jeman­dem eine rein­hauen zu müssen.

Sie begrün­den das damit, dass Sie an den Liedern nichts mehr ändern kön­nen. Mit den Ergeb­nis­sen, mit denen Sie, Chris Mar­tin, Mil­lio­nen schef­feln, müssen Sie also eben­so leben wie wir alle, was wir alle, da kön­nen Sie sich sich­er sein, sehr bedauern.

Ich möchte nun keines­falls behaupten, dass wir, die ein­fachen Musik­fre­unde, die Pein eines Musik­ers beim Hören Ihrer Lieder nachvol­lziehen kön­nen, aber dass mir regel­recht schlecht wird, wenn ich sel­biges dann doch ein­mal verse­hentlich nicht unter­lasse, dies zumin­d­est kann ich Ihnen ver­sich­ern.

Und da haben wir sog­ar noch etwas gemein­sam: Auch ich würde gern etwas an Ihren Liedern ändern kön­nen, näm­lich Ihren, Chris Mar­tin, Gesang rauss­chnei­den. Vielle­icht ist das ja sog­ar der Aspekt, der auch Ihnen Unwohl­sein bere­it­et, so wäre sog­ar uns bei­den geholfen.

Nur so ein Vorschlag! Und gute Besserung.

KaufbefehleMusikkritik
broken.heart.collector: Sammelt gebrochene Herzen und Stile

Während ich also eben ger­ade die Sta­tis­tiken für Sep­tem­ber 2011 in einen akzept­ablen Text ein­fließen zu lassen ver­suchte, rotierte in der Musikan­lage das Album “broken.heart.collector” des öster­re­ichis­chen Quin­tetts sel­ben Namens, eigentlich ein um Sän­gerin und Bassklar­inet­tistin erweit­ert­er Abkömm­ling des Trios Bul­bul, von dem ich eben­falls nie zuvor gehört hat­te; das Quin­tett jeden­falls schaffte es auf den Baby­blauen Seit­en zum Tipp des Monats, und das ist eigentlich meist ein gutes Zeichen. Die Musik­er ste­hen übri­gens bei Dis­cor­po­rate Records unter Ver­trag, regelmäßige Leser meines Geschwafels ken­nen also einige ihrer Stücke bere­its vom Discorporate-Records-“Sampler” 2011.

Was mir da ger­ade gewalt­frei ins Ohr drang, war jeden­falls wirk­lich beein­druck­end. (Erwäh­nte ich schon, dass Gen­res und gute Musik miteinan­der nur sel­ten har­monieren?) Bere­its der eröff­nende “Love Recla­ma­tion Song”, etwas mehr als elfein­halb Minuten lang, über­rascht: Kam­mer­musikar­tig set­zen langsam und san­ft und aber auch ein biss­chen bedrohlich die Instru­mente ein, Sän­gerin Maja Oso­jnik intoniert mit Bedacht und melodisch in solch­er Form, dass man an die Stro­phen im Meis­ter­stück “The End” der leg­endären Doors denkt, stimm­lich dann auch an die deutsche Chanteuse Nico, die sel­biges Lied irgend­wann mal gecovert hat­te. Schön düster und nur vorder­gründig schlicht, denn die Instru­mente sind zwar zurück­hal­tend, aber doch abwech­slungsre­ich bedi­ent. Wer sich aber jet­zt verse­hentlich auf fast eine Stunde beschaulich­er Hin­ter­grundbeschal­lung ein­stellt, der sollte seine Ner­ven­pillen bere­it hal­ten, denn bei etwa 9:00 Minuten erfol­gt eine Zäsur und die fünf — plus, in eini­gen Stück­en, Didi Kern als Gast am Klavier — rock­en mit viel Bass und verz­er­rtem Gesang los. Ken­nt noch jemand “Open Your Eyes” von den Guano Apes? Ganz so lär­mend wird es nicht, aber so ähn­lich klingt es doch, bedenkt man, dass broken.heart.collector von denen, die auf Gen­reschubladen Wert leg­en, oft als “RIO/Avant”, exper­i­mentelle Avant­garde-Musik also, geführt wer­den.

Dabei geht es ihnen nicht nur um die Lust am Krach. Das zweite Stück, “Anoth­er Heart Bites The Dust”, eröffnet mit brum­menden Tieftö­nen, ist aber trotz des Titels keine Queen-Cov­erver­sion, son­dern fein­ster Alter­na­tive. Den Anfang habe ich schon mal irgend­wo gehört; nur wo? Andreas Hof­mann unter­stellt auf den Baby­blauen Seit­en klan­gliche Nähe zu Place­bo, das infer­nalis­che Gejaule von Bri­an Molko bleibt aber zum Glück fern, vielmehr kommt mir spon­tan ein Ver­gle­ich mit Belle & Sebas­t­ian in den Sinn.

Die Band untern­immt auf dem Album sozusagen einen Streifzug durch die Gen­res. Von den aufgelösten Avant­garde-Met­al-Kabaret­tis­ten Sleep­y­time Goril­la Muse­um (“Eisen­walz­er”) über The Kills (“Get The Dog”) und Dono­van (“Boatwischmusik”) bis hin zum Can­ter­bury und zeuhlschwan­geren Jaz­zrock (“Ces­t­ni črv”) reicht die stilis­tis­che Band­bre­ite. Das abschließende “Wolves” (ein Wolf ziert als den Kurz­fil­men im DDR-“Sandmännchen” nicht unähn­liche Zeich­nung auch das Titel­bild des Albums) run­det das Album schließlich ab: Der eingängige, unaufgeregte Pop steigert sich eben­so wie der Gesang allmäh­lich zu ein­er ger­adezu irren Kli­max in Form eines impro­visierten Lärms mit Gekreisch, sozusagen als eine nicht instru­men­tale Ver­sion der let­zten Sekun­den von “A Day In The Life” der über­be­w­erteten Bea­t­les und auch als eine Art Faz­it, Zusam­men­fas­sung des bis dahin Gehörten. All das — alle 10 Stücke — wird darge­boten in einem eigen­ständi­gen Klangge­wand aus Bass­flöte, Klar­inette, Gitarre, Bass, Schlagzeug und der­gle­ichen; wer also behauptet, das alles sei längst ein alter Hut, dem unter­stelle ich so lange Irrtum, bis er es belegt, denn mir ist es let­ztlich nicht wichtig, ob pri­ma Musik nun zum ersten oder zum hun­dert­tausend­sten Mal in dieser Form vor­liegt. Die Haupt­sache sollte doch, neben einem Min­dest­maß an Anspruch, immer sein, dass sie gefällt. Und das tut sie für­wahr.

“Schep­pern / Raunen / Avant-Noise” schreibt man im Mag­a­zin “Intro” und hat damit vol­lkom­men Recht. broken.heart.collector machen dort weit­er, wo Son­ic Youth längst aufge­hört haben. Und das ist auch gut so.

Internes
Statistiken September ’11

Da schreibt man mal einen Tag lang nichts und hofft, dass in der Zeit etwas passiert, über das man eben am übernäch­sten Tag schreiben kön­nte, aber Pustekuchen. Stattdessen erre­icht mich die Frage, wieso ein Nicht­blog, das the­ma­tisch mit Lin­ux nur spo­radisch zu tun hat, auf “tuxproject.de” liegt. Die Antwort ist sim­pel: Ich ersann die Adresse, als ich über eine Inter­net­seite nach­dachte, auf der ich meine damals aktuellen diversen Pro­jek­te vorstellen wollte. Als Nach­fol­ger mein­er ersten, mit­tler­weile auf­grund undurch­dacht­en Han­delns mein­er­seits nicht mehr exis­ten­ten ersten Inter­net­seite “The Sumpfkuh Project” erschien mir der Name nur kon­se­quent — von Sumpfkühen zu Pin­guinen ist der Schritt nicht weit. Eigentlich dient tuxproject.de immer noch dem­sel­ben Zweck, Dreh- und Angelpunkt ist aber das Nicht­blog gewor­den. Kon­nte damals noch kein­er ahnen, bleibt jet­zt aber auch dabei. Tja.

Und so wenig Leute lesen ja hier nun auch nicht mit. Sta­tis­tik­fre­un­den präsen­tiere ich im Fol­gen­den eine Rückschau auf den Sep­tem­ber. Der ist noch nicht vor­bei, aber viel passieren wird da wohl nicht mehr. Die Zahlen lieferte mir das großar­tige Piwik, daten­schutzfre­undlich und über­sichtlich auf­bere­it­et.

Die meis­ten Besuch­er schaut­en hier am 13. Sep­tem­ber 2011 vor­bei, ins­ge­samt 283 von ihnen. Ver­mut­lich hat da wieder irgend­je­mand einen Link in irgen­deinem Forum hin­ter­lassen, wahrschein­lich war ich es selb­st. Im ganzen Monat hat es bish­er für unge­fähr 3.000 ein­deutige Besuch­er genügt, wovon etwa die Hälfte mit Fire­fox unter­wegs ist. Der neue Fire­fox 7 ist noch nicht oft vertreten, in den let­zten Tagen stieg die Zahl sein­er Benutzer aber bere­its. Chrome ist bei meinen Lesern genau so beliebt wie der Inter­net Explor­er, näm­lich zum Glück pro Ver­sion nur im ein­stel­li­gen Prozent­bere­ich, was für ein gesun­des Urteilsver­mö­gen eur­er­seits, liebe Leser, spricht.

Mein Beitrag über die Betrugs­maschen von Streamin­gan­bi­etern — veröf­fentlicht immer­hin bere­its im Juni — führt immer noch die Liste der meist­ge­le­se­nen Beiträge an. Das ist gut, denn je mehr Leute ihn lesen, desto weniger fall­en auf Cine24.tv, KinoX.to und den Rest der Betrüger­bande here­in.

Worauf ich aber eigentlich hin­aus wollte: Etwa 70 Prozent mein­er Besuch­er benutzen Win­dows, nur neun Prozent Lin­ux oder Android. An meinen gele­gentlichen Com­put­er­beiträ­gen kann das nicht liegen, denn diese sind in der Regel nicht gezielt auf ein bes­timmtes Betrieb­ssys­tem zugeschnit­ten. Von eini­gen lin­uxbe­zo­ge­nen Inter­net­por­tal­en weiß ich, dass die Sta­tis­tik dort unge­fähr gegen­teilig aussieht. Ich fol­gere: Lin­uxnutzer inter­essieren sich eher für The­men, die Win­dows­nutzer aus­gren­zen, ander­sherum gilt das aber nicht.

Das kann ich selb­stver­ständlich nicht unter­stützen. Und deswe­gen wird es hier auch weit­er­hin nur am Rande um Lin­ux gehen.
Selb­st schuld.


(Nach­trag vom 14. Jan­u­ar 2012: Habe den ersten Absatz inhaltlich ver­voll­ständigt.)

Fotografie
Wenn der kleine Hunger kommt

Beein­druckt von dem Erfolg der Pro­duk­te eines großen US-amerikanis­chen Pro­duzen­ten unge­sun­den Fraßes, der, dessen war er sich sich­er, auch auf den präg­nan­ten Pro­duk­t­beze­ich­nun­gen fußte, beschloss Lebens­mit­tel­händler N. N., der seit einiger Zeit schwächel­nden Pro­duk­tsparte der Getränke neuen Aufwind zu geben.

(Na, dann prost Mahlzeit.)

PiratenparteiMir wird geschlecht
Die Rückkehr der Genderritter

Ich hat­te ja bere­its ange­merkt, dass die aktuell geführte Diskus­sion über die Klien­tel und wom­öglich masku­line Aus­rich­tung der Piraten­partei längst kalter Kaf­fee ist. Aus aktuellem Anlass möchte ich darauf nochmals etwas genauer einge­hen.

Vor anderthalb Jahren, lange vor den Wahlen in Berlin, beschäftigte sich die Presse bere­its aus­führlich mit dem The­ma Sex­is­mus in der Piraten­partei, aus­gelöst von der hier bere­its mehrfach erwäh­n­ten Mail­ingliste der “Piratin­nen”, die der ange­blichen Bevorzu­gung von Män­nern in der Piraten­partei mit­tels der Bevorzu­gung von Frauen in der Piraten­partei ent­ge­gen­wirken sollte. Hier­für ging die Vor­denkerin der “Piratin­nen”, Lena Simon, so weit, dass sie ihren sex­is­tis­chen Stand­punkt öffentlich als Mei­n­ung eines beträchtlichen Teils der Pirat­en verkaufte und diese Mail­ingliste nur Frauen zugänglich machte; was dann übri­gens auch die einzige Mail­ingliste im Piratenum­feld war und ist, die die Anmel­dung nur mit dem richti­gen Geschlecht zuließ, wom­it wir das mit der Geschlechter­feindlichkeit dann auch noch mal deut­lich vor Augen geführt bekom­men hät­ten. Dabei hat es Lena auch nicht son­der­lich inter­essiert, ob sich die Frauen in der Piraten­partei wirk­lich ange­fein­det vorkom­men oder nicht:

Es gibt noch zu wenige Frauen in der Piraten­partei, da sind wir ein­er Mei­n­ung. Aber diese Frauen sind in den Vorstän­den sog­ar über­repräsen­tiert, wo kannst du da Benachteili­gung sehen? Ich sehe Män­ner und Frauen, die ganz selb­stver­ständlich inte­gri­ert und als Men­schen beurteilt wer­den, nicht als Penisträger oder Nicht­penisträger, ich kann die von dir behauptete (und durch nichts belegte) Diskri­m­inierung nicht sehen.

Lange war es angemessen ruhig gewor­den um Lena und ihre “Piratin­nen”, so ruhig, dass man sich in der Piraten­partei endlich mal wieder auf inhaltliche Arbeit konzen­tri­eren kon­nte, statt ständig Fra­gen nach Lena und ihren Beweg­grün­den aus­ge­set­zt zu sein. “Ihr als Nerd­partei mögt doch sich­er eh keine Frauen, wa?”. (Das ist, natür­lich, eine verkürzte, aber inhaltlich übere­in­stim­mende Darstel­lung.) Das hat sich mit dem Tohuwabo­hu um den Frauenan­teil auf der Berlin­er Liste (14 Män­ner, eine Frau) dann nun endlich auch mal wieder geän­dert, Pirat­en haben ja nach so ein­er Wahl auch nichts inter­es­san­teres zu tun als Fra­gen zu beant­worten, die seit einem (Geschlechter­frage) bis zu fünf (“Einthe­men­partei”) Jahren in ermü­den­den Wieder­hol­un­gen unter­schiedlich­sten Mit­gliedern, Vorstän­den und Ver­bän­den immer wieder gestellt und immer wieder sehr ähn­lich beant­wortet wur­den. Recherche ist des Jour­nal­is­ten Leben­szweck dann wohl doch nicht.

Und während sie so olle Kamellen aufwärmten, fand die von dem Berlin­er Wahlergeb­nis auf unter­schiedliche Weise beein­druck­te Öffentlichkeit, die bis dahin noch keine Zeit oder keine Lust hat­te, sich mit den Pirat­en zu beschäfti­gen, dann natür­lich auch wieder Lena Simon und ihre “Piratin­nen”; “fand” ist vielle­icht das falsche Wort, zurück­hal­tend und unschein­bar sind die Beteiligten ja bish­er noch nicht aufge­treten. Das große medi­ale Inter­esse nun ver­an­lasste Lena zu einem großen Schritt, den sie in ihrer Mail­ingliste verkün­dete; ich zitiere aus der mir zuge­spiel­ten E‑Mail auszugsweise:

Irgend­wie scheint es uns keine® abzunehmen, dass nur “zufäl­lig” nur eine Frau auf der Liste ist.
Wir kön­nten uns ja gemein­sam auf die Suche nach der Ursache und möglichen Lösun­gen für dieses Prob­lem begeben.

Eine Mail­ingliste, die gegrün­det wurde, weil ihre Ini­tia­torin sich auf­grund ihres Geschlechts diskri­m­iniert fühlt, will Ursachen dafür suchen, dass “nur” eine Frau auf der Liste ist. Das ist selb­stver­ständlich ein uner­warteter Schritt, und auf das Ergeb­nis bin ich schon sehr ges­pan­nt. Ihr auch?

(…) jet­zt hier fol­gen­der Vorschlag:

Wir öff­nen die Liste für Män­ner (ein ver­trauensvoller Kreis ist das hier ohne­hin nicht), die an dem The­ma gen­der ein Inter­esse haben.

Was bedeutet dieser Vorschlag?

  1. Das einzige Organ der Piraten­partei, das Men­schen nach ihrem Geschlecht sortiert und Men­schen des falschen Geschlechts Zugang und Mitar­beit ver­wehrt, gibt diese Monopol­stel­lung auf und passt sich zum Beispiel der AG Män­ner an, in der selb­stver­ständlich auch Frauen mitar­beit­en dür­fen (und wollen). Damit ist die ursprüngliche Auf­gabe dieses Organs, einen virtuellen Raum zu schaf­fen, in dem Frauen, die sich über ihr Geschlecht und nicht über andere Eigen­schaften definieren wollen, unter sich sein kön­nen, Geschichte.
  2. Nichts­destotrotz betra­chtet Frau Simon Män­ner unverän­dert nicht als gle­ich­berechtigt, denn sie wer­den in ihrem Vorschlag nur geduldet (“zuge­lassen”); ob sie tat­säch­lich dieselbe Rang­folge bekom­men sollen, was sie ihnen ja bish­er ver­wehrte, lässt sie offen. Tat­säch­lich betra­chtet sie Män­ner impliz­it als “nicht ver­trauensvoll”: “Wenn hier eh Leute drin sind, denen man nicht trauen kann, kön­nen wir auch Män­ner rein­lassen.”
  3. Auch Frauen stößt sie so vor den Kopf, denn sie zeigt, dass sie auch ihren Mit­stre­i­t­erin­nen nicht ver­traut. Kom­mentare wie “ein ver­trauensvoller Kreis ist das hier ohne­hin nicht” sind zwar zutr­e­f­fend, wie ver­schiedentlich Blog­beiträge beteiligter “Piratin­nen” und Kri­tik­erin­nen an diesem Konzept bele­gen, aber nicht zielfördernd.

Die “Piratinnen”-Liste wird also aus ihrem Tief­schlaf erweckt, um belan­g­los zu wer­den. Sie möchte nie­man­den mehr repräsen­tieren, sie möchte eine weit­ere Liste sein, auf der Inter­essierte “über die Gen­der­frage reden” kön­nen; der verbleibende Unter­schied zu den anderen AG, die das­selbe bieten, ist ver­mut­lich der autoritäre, real­itäts­ferne Führungsstil von Frau Simon. Pro for­ma fragt sie immer­hin:

Seid ihr damit ein­ver­standen? Dann würde ich jet­zt auch Män­ner auf die Liste zulassen.

Es sollte mich nicht über­raschen, wenn die Mehrheit zus­timmt, denn die übri­gen mir bekan­nten “Piratin­nen” sind bish­er mit einem weniger sex­is­tis­chen Welt­bild aufge­fall­en, vom “Piraten­weib” ein­mal abge­se­hen.

Lena weiß wohl um diese Prob­lematik, denn sie schließt die Mail mit ein­er “Bitte”:

Antworten, die ich nicht möchte sind ein Wieder­aufkochen der deine-aktion-damals-war-total-scheiße-schimpfer­ei. Erstens sind dies­bezüglich die Argu­mente schon aus­ge­tauscht, zweit­ens sind wir darüber hin­weg, drit­tens ist das total unpro­duk­tiv und viertens kön­nt ihr die liste ja ver­lassen, wenn euch das so lange nicht los lässt.

“Nur, weil ich das alte The­ma wieder hochkoche, heißt das nicht, dass ihr das auch dürft. Kri­tik ist nicht erwün­scht, lebt damit und hal­tet die Klappe.” :mrgreen:

Es hat uns, Lena, seit Mitte 2010 “los gelassen”. Es wäre uns allen ganz recht, wenn es das wieder tun kön­nte. Wäre das wohl möglich?

Nein?

Schade!

Montagsmusik
Gravenhurst — Velvet Cell

Eine neue Woche begin­nt und bringt, wie jede Woche, vielfachen Irrsinn mit sich. In ein­er immer dekaden­teren Gesellschaft, deren Ide­al sie selb­st ist, möchte man ja schon manch­mal und tut es dann doch nicht.

Graven­Hurst — The Vel­vet Cell

And I had always thought
the desire to kill was a dis­ease you caught,
but it’s dor­mant in the hearts of every­one,
wait­ing for a spark, an emo­tion.

Gut ist, was bleibt. Tief­sin­nig und zeit­los.

Netzfundstücke
Schuh allein macht auch nicht glücklich

Kaum ist der Papst abgereist und auch noch vom let­zten Prov­inzblatt meist für eigentlich ganz gut befun­den wor­den, herrscht wieder Dürre in den Medi­en des Lan­des. Damit die über­bezahlten Schmierfinken aber trotz­dem irgend­wie ihr Pen­sum abliefern kön­nen, wech­seln sie vom so genan­nten “Jour­nal­is­mus” kurz zur Wer­bung und ver­suchen sich als Psy­cho­an­a­lytik­er.

Das kon­ser­v­a­tive Quatschblatt DIE WELT beschäftigt zu diesem Zweck min­destens eine Frau, und diese Frau darf dann heute auch mal Welt.de befüllen und behauptet auf der Basis irgendwelch­er kru­den Stu­di­en von “eBay-Wis­senschaftlern” (ich wusste nicht ein­mal, dass es solche Per­so­n­en gibt), dass Glück­lich­sein eigentlich gar nicht so schwierig ist.

Denn nichts hat bei Frauen so einen Ein­fluss auf die Zufrieden­heit wie der Kauf von neuen Schuhen. Und nichts hat bei Män­nern einen der­ar­ti­gen Ein­fluss auf die Zufrieden­heit wie zufriedene Frauen.

Glück­liche Paare: Män­ner, die ihren Frauen wöchentlich neue Schuhe kaufen.

Die Wis­senschaftler von Ebay (das klingt wie “Der Zauber­er von Oz”, find­et ihr nicht? A.d.V.) haben her­aus­ge­fun­den, dass der Bay­er (zufrieden) 18 Prozent mehr schwarze Schuhe kauft als der Bun­des­durch­schnitt. Schwarze Schuhe scheinen also schon mal etwas glück­lich zu machen.

Vielle­icht macht es auch glück­lich, einen alber­nen Dialekt zu sprechen oder auch ein­fach jeden Tag fränkisch zu früh­stück­en: Einen Tag, der mit Weiß­bier begin­nt, kann selb­st mir als einge­boren­em Nieder­sach­sen eigentlich nichts mehr ver­miesen. (Je mehr Weiß­bier, desto zufrieden­er werde ich. Gibt es dazu schon eine Studie?)

Und warum sind Ham­burg­er so zufrieden? Ganz ein­fach: Ham­burg­er tra­gen die höch­sten Absätze (mehr als acht Zen­time­ter). Und von oben betra­chtet sieht die Welt ein­fach schön­er aus.

Und sind Ham­burg­er also unglück­lich­er als Ham­burg­erin­nen, weil sie in diesen gesund­heitss­chädlichen “Schuhen” meist nicht laufen kön­nen und also auch keine tra­gen? Die Autorin schweigt dazu. Einen Anhalt­spunkt liefert vielle­icht das “Mod­ell Blow”, das als eines der Beispiele für weib­lich ori­en­tiertes Schuh­w­erk den Artikel “ziert”:

Das Mod­ell “Blow” stellt eine gebück­te Frau dar. Die angewinkel­ten Beine bilden den Absatz und die Zehen find­en in einem rot umran­de­ten Peep­toe Platz, welch­er den Mund darstellt.

Da gehen sie hin, die Jahrzehnte weib­lich­er Emanzi­pa­tion. Das Glück, heißt es, hat oft einen bit­teren Humor.

Genau wie ich.

Spaß mit Spam
Ein sicherer und seriöser E‑Mail-Verifizierungs-Dienstleister.

Eine doch etwas merk­würdi­ge, uner­wartete E‑Mail erhielt ich nächtlich, während ich schlief, von einem Her­rn oder ein­er Frau E‑Mail Ver­i­fizierung. Das ist ein einiger­maßen eige­nar­tiger Vor­name, aber andere Men­schen heißen ja auch Jimi Blue, Cos­ma Shi­va oder Diet­mar. Diese E‑Mail gebe ich im Fol­gen­den — selb­stver­ständlich mit unbrauch­bar gemachtem Link — im Klar­text wieder, um den Leser an meinem Amuse­ment teil­haben zu lassen.

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Mit fre­undlichen Grüßen,

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Mar­tin Kahn Str. 77
D‑28359 Bre­men
Deutsch­land

Fax: +41 (0)421 6265 100
Email: support@emailverifizierung.de
Web: http://www.emailverifizierung.de/

Inter­punk­tion­ss­chwächen ein­mal bei­seite: Ich soll also, dies ver­langt der Schreiber von mir, einem Ver­weis auf eine Inter­net­seite fol­gen, um zur Nutzung eines Ange­botes unbekan­nter Iden­tität, für das ich, dessen Namen oder wenig­stens Pseu­do­nym der Betreiber des Ange­bots offen­bar nicht ein­mal ken­nt, mich schlafend, vielle­icht im Schlafe wan­del­nd, reg­istri­ert haben soll, zu bestäti­gen, dass die angegebene E‑Mail-Adresse (es heißt doch wohl immer noch E‑Mail und nicht eMail, zefix!) auch wirk­lich meine E‑Mail-Adresse ist oder zumin­d­est von irgend­je­man­dem abgerufen wird.

Es ist aber sehr nett, dass ein mit­telmäßig aus­führlich­er Absender unten drun­ter­ste­ht, denn das unter­schei­det bekan­ntlich ser­iöse von unser­iös­er E‑Mail: Man weiß, mit wem man es zu tun hat; zumin­d­est wahrschein­lich.

Eine DENIC-Abfrage war es mir dann aber schon wert, denn ich wüsste ja schon gern, ob der Betreiber wirk­lich E‑Mail Ver­i­fizierung heißt. Und eider­daus:

Es zeich­net keine Frau E‑Mail Ver­i­fizierung ver­ant­wortlich, son­dern ein Herr Michael Beck (ver­mut­lich nicht iden­tisch mit Michael “Dee Jot Haus­marke” Beck), der trotz des Fir­men­sitzes in Bre­men in Stuttgart und/oder der Schweiz wohnt. Ich kann mir also zumin­d­est schon mal sich­er sein, dass es sich um keinen rus­sis­chen Spam­bot han­delt, son­dern schlimm­sten­falls um einen der Schiz­o­phre­nie anheim gefal­l­enen Geschäfts­mann (oder drei Leute, die an völ­lig unter­schiedlichen Orten wohnen, aber zufäl­lig iden­tisch heißen), denn die DENIC ist eigentlich bish­er nicht dafür bekan­nt, beliebige Dat­en zu akzep­tieren, die jed­er wie auch immer geart­eten Grund­lage ent­behren.

Dieser Herr Michael Beck jeden­falls bietet einen sicheren Ser­vice — klingt ja, wenn ihr mich fragt, schon ein biss­chen nach Rotlicht — für Reg­istrierung an, was auch immer da reg­istri­ert wer­den soll. Vielle­icht hil­ft mir ja die angegebene Inter­net­seite — http://www.emailverifizierung.de/ — dabei, Licht in dieses unverän­dert nicht erhellte Dunkel zu brin­gen.

Nee, Pustekuchen:

Aber der erfahrene Inter­net­be­nutzer weiß: www. is dep­re­cat­ed — “www.” ist über­flüs­sig. Um dop­pel­ten Inhalt (“dupli­cate con­tent”) zu ver­mei­den, der einige Inter­net­such­maschi­nen dazu ver­leit­en kön­nte, die eigene Web­site für Spam statt hochqual­i­ta­tiv­en Jour­nal­is­mus zu hal­ten, wird die in der Regel stan­dard­mäßig ein­gerichtete Umleitung auf die “www”-Subdomäne mitunter tech­nisch unter­bun­den. Also guck­en wir mal nicht dort, wohin die E‑Mail ver­weist, son­dern schnei­den das “www.” ab — und siehe da, es “funk­tion­iert”:

Dies also ist die Inter­net­seite des sicheren Ser­vices. Mein Liebling­steil ist ja der hier:

Ihr sicher­er und ser­iös­er eMail Ver­i­fizierungs Dien­stleis­ter.

© Alle Rechte vor­be­hal­ten.

Sich­er und ser­iös:

Fehler­hafte oder keine Para­me­ter

Der Copy­right-Hin­weis — in Deutsch­land gibt es übri­gens kein “Copy­right” — ist natür­lich immens wichtig; so wird ver­hin­dert, dass gle­ich­falls min­der­be­gabte Dritte, die das mit dem Copy­right auch nicht wis­sen, diesen Strokelschrott auch noch kopieren wollen. Was für “Para­me­ter” diese Seite erwartet, war lei­der nicht ersichtlich, andere als die Datei verify.php, die ich laut der E‑Mail aufrufen sollte, sind es aber sicher­lich, es sei denn, der Betreiber hat als “Index­seite” (heißt stan­dard­mäßig meist index.php oder ähn­lich) ebendiese Datei verify.php angegeben und es also genau so vorge­se­hen, dass man seine Inter­net­seite, über die er immer­hin Dien­stleis­tun­gen anbi­etet, gar nicht aufrufen kann, ohne erst in ein­er Mail wie der, die ich erhielt, herumzuk­lick­en. Dann aber fragt sich, wie der Betreiber des mir übri­gens immer noch unbekan­nten Ange­botes in der Lage war, von dieser Dien­stleis­tung über­haupt Gebrauch zu machen.

Ver­ste­ht übri­gens irgen­dein­er von euch, liebe Leser, worin diese Dien­stleis­tung genau beste­hen soll? Der Betreiber schickt eine wom­öglich uner­wün­schte E‑Mail an eine irgend­wo — noch immer ist mir dieses “irgend­wo” unbekan­nt — einge­tra­gene E‑Mail-Adresse, um zu ver­hin­dern, dass irgend­je­mand anderes eine wom­öglich uner­wün­schte E‑Mail an diese Adresse schick­en kann?

Das mag nach Spam klin­gen, aber es ist, so schreibt Michael Beck oder ein­er sein­er Mitar­beit­er, kein Spam, zumal Spam­mer unter deutsch­er Juris­dik­tion (.de-Adresse) es alles andere als ein­fach haben, dass ihre Mails das Ziel erre­ichen, bevor die ver­link­te Inter­ne­tadresse im virtuellen Lokus gelandet ist. Und aber jeden­falls:

Es wird damit sichergestellt, dass kein Spam an eine eMail Adresse versendet wird mit der sich reg­istri­ert wird.

Spam­schutz mit Spam­meth­o­d­en also; willst du Frieden, bere­ite den Krieg. Es ste­ht allerd­ings zu befürcht­en, dass auch diese lobenswerte Spam­versender in Bälde seine let­zte Schlacht schla­gen wird, denn trotz all des Aufwan­des, den er betrieben hat, um eine anschauliche Inter­net­präsenz wirkungsvoll zu ver­mark­ten, fehlt ihm ein Impres­sum — für ein Gewerbe bewer­bende Dien­stleis­ter (anders als zum Beispiel für uns Insin­ter­ne­trein­schreiber) ein unverzeih­lich­er Fehler. Sollte dies hier also ein­er dieser Abmah­nan­wälte, von denen man immer auf so Inter­net­seit­en hört, lesen, so bitte ich darum, Her­rn Beck zu ver­scho­nen. Er ist ein leuch­t­en­des Vor­bild für alle Exis­ten­z­grün­der im Web 2.0.

Und zwar ein schlecht­es.

Sonstiges
Medienkritik LVI: Gefährlich!

Ach, noch was, “Braun­schweiger Zeitung”:

Dich lese ich ja eher zur Unter­hal­tung als zur Infor­ma­tion, denn das kann deine Redak­tion nach­weis­lich bess­er. Aber in let­zter Zeit mache ich mir etwas Sor­gen. Dein Über­schrifte­naus­denker wurde doch nicht etwa gefeuert?

Man lebt schon gefährlich im Braun­schweiger Umland; dort gibt es sog­ar Löwen!

(Tut mir Leid, ich habe aus Protest den Pointe­naus­denker gefeuert.)

In den Nachrichten
Medienkritik LV: Der Papst und die Leute

Was für ein Aufwand: Der Papst kommt nach Deutsch­land und wird umwor­ben wie son­st nur Fidel Cas­tro und Barack Oba­ma, wenn sie sich dann mal hier im Reich der poli­tis­chen Mitte ein­find­en, das radikale Fundispin­ner nur allzu gern hofiert, so einige Vor­denker aus der Union erin­nern mich ohne­hin sehr an die Tea-Par­ty-Bewe­gung, nur eben mit Weiß­bier statt mit Tee.

Und er wird trotz all der Kinder­schän­dereien sein­er Kirche, sein­er moralis­chen Wertvorstel­lun­gen zum The­ma Homo­sex­u­al­ität (“eine Gefahr für die Men­schheit”), der ins­ge­samt dann doch erfreulich hohen Zahl an Kirchenaus­trit­ten und, ger­ade in Deutsch­land nicht zu vergessen, der mil­itärischen Jude­naus­rot­tung im Namen des Kreuzes bis noch vor weni­gen Jahrhun­derten (und kon­se­quent der geisti­gen Part­ner­schaft mit Her­rn Hitler höch­st­selb­st) nicht nur ein­ge­laden und unter­wür­fig gefeiert, als wäre er der wiederge­borene Jesus “Chris­tus” und hätte soeben die Deutschen in einem Rutsch wieder zu jubel­nden und vor allem gläu­big prak­tizieren­den Katho­liken gemacht, son­dern bekommt selb­stver­ständlich auch die höch­ste Sicher­heitsstufe, Fen­ster zu und Winkver­bot, damit nicht verse­hentlich Krümel vom Früh­stücks­brötchen auf des Heili­gen Vaters gewei­ht­es Haupt hinabrieseln mögen; wegen Atten­tätern kann’s nicht sein, denn Gott ist mit ihm und wird schon auf­passen, und wer würde unserem Papst schon Bös­es wollen?

Immer­hin: Demon­stra­tio­nen wer­den nicht polizeilich gesichert, son­dern von der Poli­tik aus­drück­lich gebil­ligt, was dur­chaus keine Selb­stver­ständlichkeit ist; nur wird’s den päp­stlichen Pri­mat­en eben nicht scheren, was so ein paar got­t­lose Gestal­ten von ihm und sein­er Kirche hal­ten, denn so recht gläu­big-katholisch sind sel­bige ver­mut­lich über­wiegend eh nicht.

Die Braun­schweiger Zeitung jeden­falls fragt ihre Leser, weniger sug­ges­tiv als üblich, knall­hart nach ihrer ehrlichen Mei­n­ung: Pap­st­be­such supergut, gut oder so mit­tel?

“Natür­lich ver­tritt er ein kon­ser­v­a­tiv-anachro­nis­tis­ches Welt­bild, natür­lich ist er Ober­haupt ein­er mafiös organ­isierten, Jahrtausende alten Struk­tur von Men­schen, die viel Falsches tun und ihre Anhänger ide­ol­o­gisch in eine Zeit zurück­w­er­fen, als Kant und Voltaire noch nicht mal geboren waren; aber er ist doch unser Papst!” — Was aber kön­nen wir nun eigentlich für eine Lehre daraus ziehen? Vielle­icht zumin­d­est diese: Hätte George W. Bush Deutsch statt Englisch gesprochen, sein let­zter Besuch in Deutsch­land wäre von jubel­nden Massen begleit­et wor­den. Das hat ja schon mehrfach funk­tion­iert.

“Wer Deutsch spricht, kann kein schlechter Men­sch sein.” (c/o “Die Simp­sons”)

Spaß mit Spam
Ihre Kreditkarte wird ausgesetzt.

Die Mas­ter­Card-Aktivier­er von der Sparkasse (“Sparkasee”) machen sich wieder Sor­gen um mich. Lieb von ihnen.

Allein — abge­se­hen von dem geän­derten Absender (“Sparkasee”) — der Adres­sat ist nun ein ander­er:

Sehr geehrte Sparkasse Card,

Ich finde ja, E‑Mails soll­ten auch für Leute, die nicht jeden ihrer Mailserv­er selb­st betreiben, eine Möglichkeit bein­hal­ten, den Emp­fang mit “Empfänger unbekan­nt ver­zo­gen” zu quit­tieren.

Was ist eigentlich aus dem “E‑Post-Brief” gewor­den?

PolitikNetzfundstückePiratenpartei
Piratenpartei: Nebenwirkung Meinungsbildung

Die gestrige Wahl in Berlin hat­te wie immer keinen Wahlver­lier­er, von der F.D.P. (1,8 Prozent der Stim­men und somit weniger als die NPD) ein­mal abge­se­hen. Auch Wahlver­lier­er Klaus Wow­ere­it, dessen SPD ohne jeglich­es Pro­gramm ange­treten ist und dafür im tra­di­tionell SPD-regierten Berlin nicht ein­mal 30 Prozent der Stim­men bekam, ließ sich wie selb­stver­ständlich als bestätigter Ober­motz feiern, immer­hin waren all die anderen Parteien noch schlechter.

Insofern gab es eigentlich nichts span­nen­des über die Wahl zu bericht­en, also wandten sich die Medi­en wie schon anlässlich der Bun­destagswahl 2009 der Piraten­partei zu, die mit Pauken, Trompe­ten und 8,9 Prozent der Stim­men ins Abge­ord­neten­haus ein­zog. Und als hätte man nicht das ganze Port­fo­lio an Unsinn über die Piraten­partei damals schon abge­feuert, macht man es gle­ich noch mal. Bei Nerd­core gibt es das Bull­shit-Bin­go für die heuti­gen Leitar­tikel, und ich nehme an, läse ich mehr als eine Tageszeitung, ich kön­nte den Zettel heute voll­ständig abhak­en:

Und immer wieder tauchen die längst zur Genüge beant­worteten Fra­gen auf. Die grüne “Lib­erale” Zora Hocke etwa hält es für ein Und­ing, dass die Piraten­partei keine Frauen­quote lanciert; sich mal ein wenig zu informieren und festzustellen, dass Frauen in der Piraten­partei sog­ar Lan­desvor­sitzende wer­den dür­fen, gar Bun­desvor­sitzende, wenn sie sich nur zur Wahl stell­ten, war wohl ger­ade nicht drin, so eine grüne Wahlpar­ty ist eben anstren­gend. In die gle­iche Kerbe schlug übri­gens Clau­dia Roth, die die Pirat­en “an Bord willkom­men” hieß, “Piratin­nen” gebe es ja nicht so viele; ganz anders bei den Grü­nen, die kon­se­quent Geschlechter tren­nen und somit einiger­maßen abstoßen­den Sex­is­mus prak­tizieren, übri­gens.

Unverän­dert ste­ht in der Bun­dessatzung der Pirat­en:

Die in der Piraten­partei Deutsch­land organ­isierten Mit­glieder wer­den geschlecht­sneu­tral als Pirat­en beze­ich­net.

Wer Poli­tik machen will, sollte dafür zunächst ein­mal Ahnung mit­brin­gen. Brüste statt Befähi­gung — nun, das mag bei den Grü­nen funk­tion­ieren, aber eine Wahl gewin­nt man so ja nicht. (Eigentlich ist es erstaunlich, dass ein Herr Fis­ch­er Außen­min­is­ter wer­den durfte, ohne auf jedem Parteitag der Grü­nen als Sex­ist beschimpft zu wer­den, der gefäl­ligst Platz für eine Frau machen soll, wis­senschon, Frauen­quote.)

Die, wir erin­nern uns, strahlen­den Sieger in der SPD, deren “wählt lieber uns statt irgendwelch­er Protest­parteien” den Pirat­en eini­gen Zus­pruch gegeben haben dürfte, machen sich der­weil darüber lustig, dass Kan­di­dat­en der Piraten­partei Fra­gen, auf die sie nicht vor­bere­it­et sind, nicht mit irgendwelchem leeren Geschwätz, son­dern ehrlich­er Unwis­sens­bekun­dung beant­worten, und stellen damit eher sich selb­st bloß, denn Schaden­freude ist keine Gegen­maß­nahme, ist die eigene Mehrheit in Gefahr. Ganz anders aber, und das erstaunt mich am meis­ten, die Hal­tung von Chris­t­ian Sick­endieck, dessen Het­zblog ich hier aus tra­di­tionellen und poli­tis­chen Grün­den auch weit­er­hin unver­linkt lasse, der am 10. Mai 2010 noch schrieb:

Die Piraten­partei wird eine kleine Split­ter­partei bleiben. (…) Die Piraten­partei segelte einen Som­mer durch das poli­tis­che Deutsch­land, nun ist die Titan­ic auf den Eis­berg der Irrel­e­vanz aufge­laufen.

Diese irrel­e­vante Split­ter­partei nun bedachte der­selbe Chris­t­ian Sick­endieck gestern Abend mit diesen Worten:

Der sozial-lib­erale Lan­desver­band der Berlin­er Pirat­en hat vielle­icht kein All-Inklu­sive-Ange­bot, aber sie bietet dur­chaus eine poli­tis­che Alter­na­tive. Diese heißt nicht Protest, son­dern ist eine neue Form der Poli­tik: Ehrlichkeit, Trans­parenz, Soziales und Bürg­er­rechte. (…) Die Berlin­er Pirat­en haben den Wäh­lerin­nen und Wäh­lern eine Alter­na­tive, keinen Protest, ein Pro­gramm ange­boten. Damit haben sie einen sen­sa­tionellen Erfolg errun­gen.

Der “sen­sa­tionelle Erfolg” ist hier vielle­icht vielmehr, dass Chris­t­ian Sick­endieck kurzzeit­ig vergessen hat, dass er die Piraten­partei eigentlich gar nicht mag.

Jet­zt gilt es, dem Wäh­ler zu zeigen, dass seine Stimme nicht “im Gul­ly” (Gui­do West­er­welle 2009 über die Piraten­partei) ist. Dass da ver­mut­lich Ent­war­nung gegeben wer­den kann, haben die Medi­en jet­zt immer­hin schon ver­standen.

Nach­dem wir die For­malien nun also fünf Jahre nach Parteigrün­dung endlich bei­seite schaf­fen kon­nten: Ein dreifach­es Arrr! für die 15 Enter­pi­rat­en — und allzeit eine Hand­bre­it Wass­er unterm Kiel!

KaufbefehleMontagsmusik
Pink Floyd — Careful With That Axe, Eugene

Und da wir ger­ade bei Pink Floyd waren:

Am Fre­itag erscheint das Gesamt­stu­diow­erk dieser doch nicht allzu üblen Musik­gruppe in ein­er Neuau­flage, und die ganz Harten unter ihren Hör­ern, denen es mehr um’s Prinzip geht, weil sie sowieso schon alles von Pink Floyd im Schrank haben, bekom­men natür­lich auch die Gele­gen­heit, eine Hyper­su­per­bonusedi­tion einzel­ner Alben zu erwer­ben, auf denen jedes Lied in ermü­den­der Vielfalt zu hören ist. The Dark Side of The Moon kommt dann auch schon mal auf sechs Scheiben und fast hun­dert Euro; “mon­ey”, san­gen sie einst, “it’s a gas: Grab that cash with both hands and make a stash.”

Da möchte man doch beina­he die Axt schwin­gen.

Care­ful with that axe, Eugene …

:twisted: