Wie jetzt …
… nicht mal Titten?
(Vorab: Dies ist die Wenigerkurzfassung eines Beitrags, den ich bereits anderswo veröffentlicht hatte. Wer ihn schon kennt, der möge anderswo weiterlesen.)
Im August 2011 habe ich zum ersten Mal etwas ausführlicher von der so genannten „Spackeria“, einer Ansammlung von Menschen mit der immerhin recht eigenwilligen Ansicht, Datenschutz sei nicht mehr zeitgemäß oder so, gehört, als Spackeria-Mitglied (oder heißt das „Spackerin“?) und Pirat Julia Schramm sich in ihrer Partei aufgrund der Ansicht besagter Ansammlung von Menschen einigermaßen unbeliebt machte. Das Thema ebbte allerdings wenig später ebenso ab wie das Thema „Staatstrojaner“; manches lässt sich eben ganz gut aussitzen. Abgesehen von Michael Seemann, besser bekannt als mspr0, dessen eines Blog ich manchmal lese, aber selten verstehe, verschwanden Julia Schramm und die Spackeria wieder aus meinem Wahrnehmungsfeld.
Ich weiß nun immer noch nicht so genau, wer Julia Schramm eigentlich ist, von obigen Eigenschaften einmal abgesehen, weil mich Klatsch und Tratsch nicht sonderlich interessieren; aber immer, wenn sie etwas schreibt, verstehe ich zumindest, wieso die Spackeristen beim einfachen Volk so unbeliebt sind: Sie verlieren sich in endlosem Geschwurbel ohne Hand und Fuß.
Die Spackeria hat ein Schwurbelproblem.
Der Michael Seemann hat manchmal interessante Ideen (die ich zum großen Teil allerdings nicht so toll finde und nicht verwirklicht sehen will – aber man darf ja durchaus auch andere Anschauungen interessant finden), nur hat er das Problem, dass er diese Ideen unter seitenweise Geschwurbel versteckt. Da schlägt dann fast immer TL;DR zu.
Heute nun hat sich Julia Schramm wieder zu Wort gemeldet; nicht allerdings als Vertreter der post-privacy, sondern als Mitglied der Piratenpartei. Für den „Freitag“ referierte sie über das vermeintliche „Geschlechterproblem“ der Piratenpartei.
Gegen die Einleitung habe ich, von der Interpunktion abgesehen, nicht einmal etwas einzuwenden:
Bei den Piraten kämpfen die männlichen gegen die weiblichen Nerds. Der gegenseitige Vorwurf: Frauen- bzw. Männerfeindlichkeit. Dass es um Teilhabe geht, vergessen alle
So weit, so richtig, und so wenig werden die Grünen das jemals verstehen. Und dann aber:
Vor allem Frauen, aber natürlich in erster Linie Männer, sträuben sich innerhalb der Partei mit erstaunlicher Heftigkeit gegen den Begriff Feminismus.
„Vor allem Frauen, aber natürlich in erster Linie Männer“, also insbesondere Mitglieder beider Geschlechter, nicht aber Hermaphroditen (?!), sträuben sich als Piraten gegen den Begriff Feminismus? Nein, gegen den Begriff hat niemand etwas, nur gegen Geschlechter- statt Kompetenzquoten, aber das kann man ja mal verwechseln, wenn man sich schon „Spackeria“ nennt. Wobei, nur wenige Sätze später, es heißt:
Für einige ist Feminismus synonym mit Quote.
Unter anderem anscheinend für einen Teil der Autorin, der andere Teil der Autorin hat es verstanden, behauptet er; oder behauptet es der andere? (Ihr merkt, liebe Leser: Texte von Julia Schramm zu verstehen ist nicht leicht.)
Während nun der Piraten-Nerd zum so verhassten Internetausdrucker beim Thema Feminismus wird, mutieren die durchschnittlichen FeministInnen zum Nerd und beschimpfen den Piraten-Nerd für den eklatant uninformierten Umgang mit feministischen Begriffen und dem dazugehörigen Denken.
Diesen Satz musste ich dreimal lesen. Wer schafft weniger? – Der Nerd also wird zum Antinerd und der/die/das Feminist/in/num zum Nerd, wenn es um Feminismus geht; bedeutet das im Umkehrschluss, dass die Nichtpiratennerds von allem außer Feminismus keinen Schimmer haben? Bedeutet das überhaupt irgendetwas?
Ich habe es immer noch nicht geschafft, besagten Text zu Ende zu lesen, ohne vollends den Faden zu verlieren. Hat es jemand geschafft und kann mir kurz die Vermutung bestätigen, dass der Text keinerlei weitere Informationen enthält?
Weiter unten – das fiel mir beim Überfliegen auf – schrieb Julia Schramm dies:
Denn nur über Exklusivwissen und gemeinsames Handeln wird die so lang ersehnte Inklusion vollzogen, die so viel gutes Gefühl, ja Anerkennung vermittelt.
Vielleicht schreibt man als Mitglied der Spackeria seine Veröffentlichungen ja deshalb immer so, dass keiner, der nicht aus dem gleichen Wissensfundus schöpft, noch versteht, worum es eigentlich geht: Dies gewährleistet eine Exklusivität der eigenen Interessensgemeinschaft, denn die Einstiegshürde, nämlich das nötige Abstraktionsvermögen, um den Sinn zu erkennen, erscheint für Außenstehende unüberwindbar.
Mein Kopf tut weh, ich mach‘ die Augen zu… (Nena)
Der Preis für größtmöglichen Realitätsabstand geht in diesem Monat traditionell wieder an die CDU, diesmal an das dortige Mitglied Katrin Vogel, die irgendjemand blöd genug war zu wählen und die deshalb folgenden Unsinn unredigiert in irgendein – zum Glück nur lokales – Quatschblatt drucken lassen durfte:
Wahr ist, dass die Piratenpartei sich für eine Lockerung des Betäubungsmittelgesetzes einsetzt, um so etwa der Drogenmafia das Geschäft zu ruinieren und sie so letztendlich überflüssig zu machen. Komplett daneben liegt sie aber mit der Behauptung, die Piratenpartei unterstütze den freien Zugang zu Kinderpornografie im Internet. Inzwischen habe sie das eingesehen, schreibt Frau Vogel:
Im Programm der Piraten habe ich viele Punkte zur Ablehnung der Zensur im Internet gefunden aber keine Äußerung zur Verurteilung von Kinderpornographie im Internet oder Vorschläge zur deren Bekämpfung.
Durch hunderte von emails, als Reaktion auf meinen Artikel, ist mir deutlich geworden, dass es offensichtlich Ziel vieler Mitglieder oder Anhänger der Piraten ist, kinderpornographische Seiten komplett zu löschen.
Sie wirkt ehrlich überrascht. Wie, die Piratenpartei steht gar nicht für kostenlose Kinderporno-Flatrates?!
Fünf Jahre Piratenpartei kann man eben schon mal verschlafen, wenn man in der CDU ist, und mit dem langweiligen Geschwätz, das Parteien von sich geben, die nicht mal im Bundestag sitzen, muss man sich ja ohnehin nicht beschäftigen. Da steht die Union drüber, gelle? – Ich frage mich, ob die Entschuldigung es ebenfalls in dasselbe Quatschblatt schafft. Ich bin kein Jurist, aber ich bezweifle, dass dieses halbherzige „hoppla!“ die bereits geschehene üble Nachrede nebst negativen Folgen für das Ansehen der Piratenpartei bei Lesern des Quatschblattes im Nachhinein aufhebt. Um es mit Katrin Vogel zu sagen:
Demokratie hat auch Grenzen.
Aber nur so ein Denkanstoß, Frau Vogel: Wofür genau steht eigentlich Ihre CDU, die Kinder für ihren Wahlkampf missbraucht und nicht davor zurückschreckt, entsprechendes Material auch öffentlich vorzuführen? Für angewandtes Arschlochtum?
Das wird man ja wohl noch fragen dürfen in diesem Land.
Nachtrag vom 30. November 2011: In den Kommentaren zu diesem Beitrag hat Katrin Vogel meine Vermutung, eine Korrektur würde ausbleiben, widerlegt. Danke hierfür.
Ihr kennt das sicher: Ihr wollt noch unterwegs ein Geschenk für liebe Wegbegleiter kaufen, aber findet einfach nicht das richtige Mitbringsel.
Zum Glück gibt es Geschäfte, die sich darauf spezialisiert haben, diesem Missstand ein Ende zu bereiten; zum Beispiel den „Überraschungs-Basar“ in einer nicht näher erwähnenswerten deutschen Kleinstadt, dessen Angebot bereits von Weitem zu bestechen weiß:
Da werden die lieben Weggefährten sicher überrascht sein!
Telefónica Germany hat die Zusammenarbeit mit dem Fotomodel Vanessa Hessler beendet. Die 23-Jährige hatte sich als Geliebte eines getöteten Gaddafi-Sohnes geoutet und das Gaddafi-Regime verharmlost.
(…)
Nach dem Sturz des Gaddafi-Regimes in Libyen hatte sich das 23-jährige Fotomodel in einem Interview mit der italienischen Frauenzeitschrift Diva e Donna laut Focus über ihre vierjährige Beziehung zu Mutassim al Gaddafi, einem der während der Kämpfe in Libyen getöteten Gaddafi-Söhne, geäußert.
„Seine Familie, seine Brüder sind nicht so, wie sie immer dargestellt werden. Das sind ganz normale Menschen“, sagte Hessler in dem Interview.
Was ist diese Frau Hessler nur für ein Mensch, dass sie so etwas behauptet? Selbstverständlich sind die Söhne eines diktatorischen ehemaligen Revolutionsführers selbst Diktatoren und wurden zu Recht von der Erde getilgt!
Man halte ihr zugute, dass sie selbst bemerkenswert weltfremd ist und behauptet, über die Zustände in Libyen besser Bescheid zu wissen als die Zuschauer der täglichen, selbstverständlich integren und objektiven Fernsehnachrichten:
Das Schicksal des Gaddafi-Clans bewegte das Model offenbar mehr als das des libyschen Volkes, das ihr nicht besonders arm und auch nicht fanatisch vorgekommen sei. „Man muss nicht alles glauben, was so gesagt wird“, sagte Hessler. Dass der Westen den Aufstand gegen Gaddafi unterstützt hat, gefiel ihr ebenfalls nicht: „Die Leute wissen nicht, was sie tun.“
Gut, dass man sie endlich aus dem Verkehr gezogen hat! Am Ende zweifelt noch jemand daran, dass der Auftragsmord in Libyen eine gute Idee war!
Und das wollen wir ja alle nicht, nicht wahr?
Apropos Rock, Alter: 2010 erschien das Album „342“ der französischen Avantgarde-Metaller Pin-up Went Down und geht so ab, dass man geneigt ist, von Mordsmäßigkeit zu sprechen, wäre Mord nicht so negativ behaftet.
Bei pin-ups denkt man womöglich an Spindposter mit Ikonen früherer Jahrzehnte und nicht an Metal. Nun, tatsächlich zelebrieren die Musiker die Ästhetik der 50-er Jahre. Das Album beginnt mit lauschigen Klängen, wie sie ungefähr zu hören sind, wenn man sich Klavierbegleitung in einem Café in einem klischeehaften Schwarz-Weiß-Spielfilm über die Vor- und frühe Nachkriegszeit vorstellt (oder wie jedenfalls ich sie mir vorstelle), Sängerin „Asphodel“ beherrscht ihr Handwerk vortrefflich. Duffy ist ein stimmlicher Vergleich, der unsereinem in den Sinn kommt.
Kaum aber hat man sich an die leicht entrückte, insgesamt nach The Cardigans und Belle and Sebastian und Bell, Book & Candle und Regina Spektor und Klischeefilmen klingende Einleitung gewöhnt, haut der Schlagzeuger kurz auf die Pauke, und der Metal bahnt sich seinen Weg ins Gehör des erwartungsvollen und plötzlich ziemlich überwältigten Hörers. Maskulines Growling, Gitarrengeschepper, irres Schlagzeug, dazu gibt „Asphodel“ die Tarja Turunen oder, je nach Generation, die „Columbia“ aus der Rocky Horror Picture Show. Eine neue Assoziation, die sich bei der von mir gehörten Musik nur selten anbietet: Haggard. (Die ebenfalls recht gut sind und mal gehört werden sollten, liebe Leser.)
Nach etwa drei Minuten folgt ein Folkstück mit mehrstimmigem Gesang, spärlich instrumentiert, der bereits erwähnte Bell, Book & Candle auch gesanglich in Erinnerung ruft. Lied 3, „Porcelain Hours“, ist beinahe schon „Pop“, stilecht mit diesem modernen Sprechgesang, den nach über 30 Jahren noch viele Jugendliche echt prima finden, in „Essence of I“ paart man Growling mit Shakira, und das klingt nicht einmal schlecht. Gelegentliche merkwürdige Choraleinwürfe, etwa in dem ebenfalls merkwürdig benannten „Murphy in the Sky with Daemons“ (da gab es doch mal was von den Beatles?), erinnern an Yes‘ merkwürdiges „Sound Chaser“ („cha cha cha / cha cha“) und belustigen und halten die Aufmerksamkeitsspanne des Hörers auf einem hohen Niveau. So muss das sein, so ist es fein.
Das gesamte Album und seinen Vorgänger „2 Unlimited“ von 2008 gibt es auf der Internetpräsenz des Trios zu hören, dauerhaften Spaß auch unterwegs bietet die CD-Version, die es zum Beispiel via Amazon oder zum Selbstbrennen auf Bandcamp.com zu erwerben gibt.
Man möge reichlich davon Gebrauch machen!
Morgens aufstehen, weil man noch müde ist.
Zur Arbeit gehen, weil es dort viel zu tun gibt.
Einer Feier beiwohnen, weil der Gastgeber ein Unsympath ist.
Bier trinken, weil man noch fahren muss.
Einfach öfter mal etwas tun, weil es eigentlich obwohl heißen müsste.
Das Leben kann so anders sein.
Apropos „anders“: Welt.de schafft es mal wieder, jede Freude über eine Überschrift im Text vergessen zu lassen.
So heißt es dort:
Die Bundesrepublik genießt bei jungen Migranten einen exzellenten Ruf. Und sowohl in Europa als auch in Übersee steigt das Interesse an der deutschen Sprache.
Das sind doch mal positive news Neuigkeiten, bedenkt man, dass die Benutzung der deutschen Sprache hierzulande nicht unbedingt beliebt ist. Blöderweise relativiert Welt.de das schon wenig später:
Umso erfreulicher, dass wir in Europa und Übersee ein steigendes Interesse an der deutschen Sprache registrieren dürfen. Und zwar nicht aus selbstloser Liebe zu Goethe, Schiller und Heine, sondern weil immer mehr gut ausgebildete, junge Ausländer in der Bundesrepublik ein Land sehen, in dem man sein Glück machen kann. Wir können diese Menschen gut gebrauchen. Immer mehr Branchen rufen verzweifelt nach Facharbeitern und Ingenieuren – und siehe da, sie kommen. (…) Als Einwanderungsland konkurrieren wir weltweit um die besten Köpfe.
Diesen Text empfehle ich nur in kurzen Abschnitten zu lesen, denn überhöhter Konsum kann schnell zu Brechreiz führen. Es sei, so Autor C.C. Malzahn von Welt.de, nicht etwa besonders wichtig, dass die deutsche Sprache sich verbreitet, sondern sie sei lediglich ein wichtiges Mittel zum Zweck; und zwar nicht etwa aus kulturellem Interesse, sondern aus bloßen wirtschaftlichen Überlegungen heraus: Je besser Ausländer Deutsch sprechen, desto eher seien sie befähigt, einen gut bezahlten Arbeitsplatz zu finden, denn die Wirtschaft suche dringend nach ausgebildeten Fachkräften, und im Inland seien die anscheinend – das schreibt C.C. Malzahn allerdings nicht – nur schwer zu finden, obwohl hier ebenfalls viele Menschen Deutsch sprechen. Die paar Millionen arbeitsloser deutschstämmiger Akademiker verlangen eben einfach zu viel Geld für ihre Arbeit. Mit „selbstloser Liebe“ kann man eben keine Familie ernähren.
Manchmal vergisst man fast, dass Welt.de ein konservatives Medium ist. Schön, dass man manchmal wieder daran erinnert wird.
Um den Freitag angemessen heiter in das Wochenende übergehen zu lassen, empfehle ich den Konsum dieses Artikels auf heise.de, demzufolge die meisten Parteien im Bundestag – mit Ausnahme der Grünen natürlich, denn die sind gerade in der Opposition und finden blöde Ideen (Stuttgart 21, Trojanereinsatz und so weiter) nur gut, bis sie abgewählt werden, um dann mit dem Finger auf die anderen Parteien zu zeigen, und der Linken – den fortgesetzten Einsatz des grundrechtswidrigen „Staatstrojaners“ befürworten. Eine wirklich beeindruckende Begründung hierzu kommt aus dem konservativen Lager:
Clemens Binninger sprach im Namen der CDU/CSU-Fraktion von einer „absurden Forderung“, die mit keinem Wort auf die ernste terroristische Bedrohungslage hierzulande eingehe.
„Ernste terroristische Bedrohungslage hierzulande“ in anderen Worten:
Gegen den Beschuldigten wurde ermittelt, weil er bei einem IT-Unternehmen arbeitete, das Handelsplattformen für Firmen programmierte, die in Deutschland ordentlich zugelassene Psychopharmaka ins Ausland vertreiben. Der Vorwurf lautete auf „gewerbsmäßige Ausfuhr von Betäubungsmitteln“.
Wenn wir uns sonst keinen ernsthaften Gefahren ausgesetzt sehen, etwa durch die ganze unschöne Geschichte mit dem Euro oder ähnliches, dann könnten wir uns eigentlich stattdessen auch zurücklehnen und uns freuen, dass es uns doch eigentlich ganz gut geht. Aber einige haben eben immer was zu meckern.
Dabei stört es sie auch nicht, quasi hintenrum eine Abwandlung der „Sippenhaft“ wieder einzuführen:
Es sei bekannt, dass Tatverdächtigte im Bereich des Terrorismus immer konspirativer vorgingen und verschlüsselt kommunizierten, erklärte Binninger. Der verdeckte Zugriff auf Festplatten und andere IT-Systeme sei daher unverzichtbar.
(„Unverzichtbar“ ist dabei, „alternativlos“ abzulösen, wie mir scheint; es bleibt aber derselbe Unsinn.)
Die Terroristen mit ihren fiesen Verschlüsselungen „erzwingen“ also den Einsatz grundrechtsfeindlicher Automatismen; und im Umkehrschluss haben alle, die auf derlei Maßnahmen verzichten, nichts zu befürchten, denn wer verschlüsselt, hat etwas zu verbergen, nicht wahr? (Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis irgendjemand aus der CDU/CSU oder vom BKA das genau so darstellen wird, wartet es ab!)
Und nächste Woche verbieten sie dann das Abschließen der Haustür beim Verreisen, denn das erschwert die heimliche Installation von Schadsoftware durch Unbefugte doch immens.
Ich kann diese Fressen nicht mehr sehen. Sie machen mit ihrer Scheiße alle Leute verrückt. (R. Pofalla, CDU, in anderem Zusammenhang)
Eine (meist) liebe Leserin machte mich vor einigen Monaten darauf aufmerksam, dass Tom Waits, seines Zeichens eigenwilliger Sangeskünstler, ziemlich aufregende Musik hervorbringt. Unter dem Eindruck von „Bone Machine“, dessen Schrägheit in wundersamer Weise mit meiner Affinität zu musikalischer Schrägheit harmoniert, stimmte ich in ihre Lobhudeleien ein; und erblickte heute im Zeitschriftenregal eines Supermarktes ebenjenen Tom Waits auf der Titelseite des normalerweise eher beliebigen Magazins „Rolling Stone“. Da ich noch ein wenig Zeit bis zum nächsten Termin hatte, wagte ich aufgrund des verheißungsvollen Titels den Kauf.
Es war undurchdacht von mir, trotz gegenteiliger Erfahrungen davon auszugehen, der „Rolling Stone“ hätte sich ausnahmsweise dazu entschlossen, seriös zu werden. Tatsächlich wird des Titelhelden Schaffen nur wenig erwähnt, das Album „Bone Machine“ kommt ebenso wie „Mule Variations“ und das Dreifachalbum „Orphans: Brawlers, Bawlers & Bastards“ je einmal, jeweils eher beiläufig erwähnt vor, das vorletzte Album „Real Gone“ immerhin zweimal. Hauptsächlich geht es um „Bad As Me“, das aktuelle Album von Tom Waits, und um die Person des Interpreten, als wäre das eigentlich auch schon alles, was man von Tom Waits wissen muss.
Für die, die noch nie etwas von Tom Waits gehört haben, erklärt es Jörn Schlüter, offenbar Schreiberling beim „Rolling Stone“, gern einmal am Beispiel des Stückes „Hell Broke Luce“ („brutale Militär-Persiflage“, J. Schlüter) von diesem aktuellen Album:
Das Lied schwankt durch die Schützengräben wie ein Panzer auf Stelzen.
Fünf Euro in die Wortspielkasse bitte.
Dass ich noch nie einen Panzer auf Stelzen gesehen habe, der durch Schützengräben schwankt, kann ich dem Autor nicht zum Vorwurf machen und führe es aus guter Absicht vorerst auf meine fehlende militärische Vergangenheit zurück. Eines würde mich dann jedoch schon interessieren: Nehmen wir an, ein Panzer auf Stelzen gerät auf dem Weg durch Schützengräben tatsächlich ins Schwanken – was genau hat das Lied damit zu tun?
Jörn Schlüter hätte diese Frage Tom Waits stellen sollen, denn diese Antwort hätte mich wirklich sehr interessiert: „Herr Waits, Ihr Lied ‚Hell Broke Luce‘ schwankt durch die Schützengräben wie ein Panzer auf Stelzen, warum ist das so?“ Das hat er natürlich nicht getan, sondern weiter an seiner Reputation gearbeitet. Wahrscheinlich möchte Jörn Schlüter nicht, dass ihn nur die Leser dieses Artikels für verkrampft peinlich und eigentlich gar nicht sehr an seinem zu beschreibenden Objekt (Tom Waits) interessiert halten, was er mehrfach zu verstehen gibt:
Mit „Orphans: Brawlers, Bawlers & Bastards“ erschien ein Dreifach-Album mit Ausgesondertem und Vergessenem. Man überlegte, ob Waits wohl in die Schlussrunde eingebogen war.
(Hervorhebung von mir.)
War er aber nicht, der Tom Waits, und so nutzte Jörn Schlüter die Gelegenheit, auch ihm, Tom Waits, gegenüber einmal zu zeigen, dass Musik mit Anspruch ihn, Jörn Schlüter, deutlich überfordert, und schaffte es in all seiner Naivität dann doch noch, mich zum Schmunzeln zu bringen, indem er fragte:
Ihre Lyrics lesen sich manchmal wie Gedichte – auch auf diesem Album erinnert mich einiges an Charles Bukowski, der Sie zu Beginn Ihrer Karriere beeinflusst hat. Haben Sie ihn jemals getroffen?
Charles Bukowski kennt er zumindest namentlich, vielleicht auch nur vom Hörensagen, und vielleicht ist der Umstand, dass sich Tom Waits‘ Liedtexte selten reimen, auch schon die einzige Parallele, die Jörn Schlüter zwischen Tom Waits, dem Musiker, und Charles Bukowski, dem Poeten, erkennt. Gratulieren sollte man Jörn Schlüter aber zu der großartigen Erkenntnis, dass man Liedtexte, häufig rhythmisch unterlegt, nicht nur als Prosa oder Busfahrplan (S. Gärtner), sondern auch als Gedicht, als Lyrik („lyrics“) eben, lesen kann. So sieht Musikjournalismus 2011 aus.
Und ich verstehe allmählich, wieso Jörn Schlüter dieses Gespräch führen durfte: Die Alternative, ein Interview mit dem Journalisten gegenüber selten toleranten Lou Reed und Metallica, hätte er nicht lange durchgestanden.
Ich gebe zu, ich habe von Ökonomie nur allzu wenig Ahnung. Als Geschäftsführer eines kundennahen Unternehmens würde ich wohl kläglich versagen, auch deshalb, weil Kunden mir im Arbeitsleben als der Hauptgrund für nicht eingehaltene Fristen und allgemein eher als Störquelle erscheinen.
Was mir weniger unwahrscheinlich Freude bereiten würde, wäre eine Tätigkeit als derjenige Unternehmenskasper, der für das öffentliche Auftreten zuständig ist. Mit Nonsensberufsbezeichnungen wie „public relationship manager“ oder sonstigem Firlefanz will ich mich dafür gar nicht unbedingt „schmücken“ können, aber die Aufgabe selbst ist inzwischen anscheinend lächerlich einfach geworden, gemessen an dem dafür in Aussicht gestellten Gehalt.
Die Firma Schlecker nämlich durfte in den letzten Wochen viel Kritik für ihr neues Unternehmensmotto „For you. Vor Ort.“ einstecken, die zusätzlich anschwoll, als Schlecker erklärte, man habe sich dem eher niedrigen Bildungsniveau des typischen Schleckerkunden angepasst. Anders ausgedrückt: Wer ständig Englisch quäkt, ist blöd.
Diese Paraphrasierung missfällt Schlecker aber ebenfalls, denn so habe man das gar nicht gemeint:
Nun kommentieren einige Internet-Nutzer den veröffentlichten Brief und setzen ein niedriges und mittleres Bildungsniveau mit „dumm“ oder „unterbelichtet“ gleich. Das ist in der Sache ebenso falsch und zynisch, (sic!) wie aus unserer Sicht unverschämt und arrogant. Es entlarvt letztlich diejenigen, die sich derart äußern.
Liebe Leser, liebe Firma Schlecker, man helfe mir doch bitte ein wenig auf die Sprünge:
„Unsere Kunden haben in der Regel ein bestenfalls durchschnittliches Bildungsniveau“ bedeutet nicht, dass man seine eigenen Kunden auf unverschämte und arrogante Weise für, nun, eher ungebildet hält? Aber was denn dann? Für „dümmlich“ nämlich hält man sie nicht:
Unsere Mitarbeiter, die zum überwiegenden Teil schon seit 15 und mehr Jahren im Unternehmen arbeiten, wie auch unsere Kunden sind es ganz sicher nicht.
Sie sind eben Prekarier, wat willste machen; aber dümmlich sind sie ganz sicher nicht!
Eigentlich sei die Aufregung aber auch völlig überzogen, heißt es im Hause Schlecker weiter, denn, meine Güte, so ein Unternehmensmotto sei ohnehin bedeutungslos:
Wir haben uns bewusst auch deshalb für das Motto entschieden weil es polarisiert, weil sich Menschen darüber austauschen und weil es in Erinnerung bleibt. Genau das ist die Kernaufgabe eines Unternehmensmottos.
Ach so – ich war bislang der Meinung, ein Unternehmensmotto solle das Selbstbild des Unternehmens und seine Werte reflektieren und nicht für billige Schlagzeilen herhalten.
Aber ich habe, wie erwähnt, natürlich auch keine Ahnung von Wirtschaft.
(Bonuspointe für Leser aus den schleckernahen Bildungsschichten: Das Schlecker-Blog ist zurzeit unter fäkaler Subdomäne zu erreichen.)
Der eine der beiden Hauptdarsteller von „Easy Rider“, Dennis Hopper, ist mittlerweile tot. Dafür ist der andere, Peter Fonda, nach wie vor quicklebendig und ist sich nicht zu blöd, sich ab und zu mal anerkennend auf die Schultern zu klopfen.
Zum Beispiel beantwortete er anlässlich der vom Magazin „GQ“ verliehenen Auszeichnung als „Mann des Jahres 2011“ so manche Frage und fügte auch eigene Anmerkungen hinzu. Dass er das getan hat, ist schön und dient ganz bestimmt nicht der publicity, denn Peter Fonda findet publicity doof.
Mein Lieblingsteil aus dem Verkündeten ist jedenfalls dieser hier:
Seinen Landsleuten, die aktuell gegen den Kapitalismus demonstrieren, rät der Schauspieler: „Wenn ihr wirklich Eindruck machen wollt, dann tragt keine Plakate, brüllt nicht und singt keine Protestlieder. Geht einfach hin, schweigt und schaut irre wütend drein. Das wirkt unkontrollierbar. Gefährlich. Der Staat wird sich fürchten.“
… oder vor Lachen nicht dazu kommen, sich zu wehren; je nachdem.
Aber warum wendet sich Peter Fonda an „seine Landsleute“ in zweiter Person, statt selbst aktiv zu werden, wenn ihm das doch ein ehrliches Anliegen ist?
Ach, ist es ja nicht:
Er selbst wolle sich jedoch nicht unter die Demonstranten mischen: „Nein, das wäre bescheuert. Nichts als Publicity. Ich schreibe lieber auf Twitter, was ich denke“, so Fonda.
„Ich lasse euch alle mal machen; wenn ihr die Aufmerksamkeit so nötig habt. Ich ja nicht! Wo ist die Kamera? Haben Sie mitgeschrieben? So als GQ-‚Mann des Jahres‘ hat man ja gewisse Verpflichtungen.“
Denn überhaupt sei Demonstrieren bescheuert. Die wahre Revolution finde anderswo statt, nämlich auf Twitter. Die neuen Autonomen: Schwer bewaffnet mit dem Internet.
Der „Easy Rider“ kennt das ja noch von früher, aus den wilden 60-ern. Damals, inmitten der „68er-Revolution“, war ihm die offene Demonstration sicher auch schon zuwider, er hat es vermutlich bevorzugt, wütende Briefe zu schreiben und dann aus Protest nicht abzusenden.
Born to be wild …
Anlässlich bekannter Lieder bekannter Pop- und Rockkünstler klatschen Konzertbesucher drei- bis viermal.
Die ersten klatschen, weil sie den Namen des Liedes kennen; die zweiten klatschen, weil sie die ersten Takte des Liedes erkennen; die dritten klatschen, wenn das Lied zu Ende ist, um die Leistung des Künstlers zu würdigen; die vierten, eine noch recht neue Gruppe, klatschen während des Liedes, um ihr vermeintliches Taktgefühl zu demonstrieren.
Von all diesen sind mir einzig die dritten willkommene Gesprächspartner. Den anderen würde ich gern eine klatschen.
Es setzt schon eine Menge künstlerische Qualität voraus, um stets taktfernes Publikum am Mitklatschen zu hindern; oder eine Menge an Respekt, den man sich erarbeitet hat, und das ist nicht leicht. Popgewohntes Publikum respektiert seine Künstler ohnehin nur selten, diese arbeiten allerdings auch nur sehr ungern daran, respektiert zu werden. Ein Album, vielleicht ein Nachfolgealbum, eine Abschiedstournee vor wenig Zuschauern und Auftritte in irgendwelchen Rückschauen auf RTL, das genügt zwar für den Lebensunterhalt, nicht aber für Respekt.
Wechselt man allerdings das Genre, wird das Klatschen womöglich zum tragenden statt zum störenden Element und fällt ansonsten nicht weiter ins Gewicht; vor allem dann, wenn die Musiker laut genug agieren. Man drehe also den Lautstärkeregler seiner Klangausgabe etwas höher, begebe sich in eine entspannte Sitzposition und nehme den Rhythmus in sich auf:
Wie angenehm doch so ein Montag sein kann, wenn man ihn mit groove beginnt!
Nur eine kurze Replik auf eine erfreulich kurze Müllmail:
Sie haben gewonne
Du habe gewonne? Iche habe gewonne! Welch Wonne.
Wir empfehlen Ihnen, pdf Attached Datei цffnen,und wenden Sie sich fьr Ihr Agent Lotteriegewinn.
Ich empfehle Ihnen, weniger Klebstoff zu trinken, bevor Sie Mails verfassen, und wenden Sie sich fьr Ihr Kopfarzt.
Mit freundlichen GrьЯen,
Management
Ab mit Schaden;
und bis bald.
Apropos Pop: Claudia „Frosch“ Roth, die lustige Dada-Animateurin der Grünen, hat anlässlich der aktuellen Steuerpolitik von Schwarz-GeldGelb eine seltsame Fantasie heraufbeschworen:
Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth hat Merkel heftig kritisiert. Es sei absurd, mitten in der europäischen Finanzkrise einen „Steuersenkungsballon“ steigen zu lassen, sagte Roth am Samstag bei einer Landesdelegiertenkonferenz der bayerischen Grünen in Bad Windsheim. Sie fügte hinzu: „Angela Merkel wird mehr und mehr zur Lady Gaga der deutschen Politik.“
Wie ist das gemeint? Dürfen wir bald Angela Merkels Konterfei in den einschlägigen Tonträgergeschäften erblicken? Wird die Musikbranche sie zur neuen „Königin des Pop“ erheben? Und erwarten uns dann in Zukunft weitere Einblicke in etwas, was wir eigentlich gar nicht so genau wissen wollten?

Claudia Roth schafft es immer wieder, mich zu erschüttern; wenn auch nur selten politischer Natur.
(Danke an L.!)
Die Veröffentlichung des neuen Coldplay-Albums „Mylo Xyloto“ ging erfreulicherweise beinahe unbemerkt an mir vorüber. Meine Medienkompetenz ist unerschütterlich. Die von mir konsumierten Medien aber widmeten sich stattdessen nicht etwa relevanten weltpolitischen Themen, sondern einer anderen überbewerteten Musikkapelle und preisen „50 Jahre Popmusik“, weil 1961 die erste Aufnahme der Beatles (als Begleitkapelle von Tony Sheridan intonierten sie das schreckliche „My Bonnie“) erschien.
Das war damals eine ziemlich große Angelegenheit, damals wie heute galt und gilt: Der deutsche Mainstream hört wie gehabt vorzugsweise Dreck. So genannte Popmusik. (Klar – deshalb heißt er ja „Mainstream“, weil er von Avantgardismus schnell überfordert ist.) Dass Peter von’en Schallgrenzen quasi als Gegenbeleg die eintönige Popknödlerin Leslie Feist anführt, die ungefähr so wenig „Mainstream“ ist wie Regina Spektor oder, sagen wir mal, Silbermond, erstaunt mich; aber vielleicht ist mein Gehör auch einfach überfordert von der Simplizität modernen Pops.
Apropos Moderne: „50 Jahre Popmusik“ und „50 Jahre Beatles“ haben nicht viel miteinander zu tun, abgesehen davon, dass beide Jubiläen nicht zutreffen.
Das mit den Beatles ist einfach erklärt; die nämlich wurden bereits 1960 gegründet und nannten sich bereits im August jenen Jahres „The Beatles“, eine nachträgliche Veröffentlichung im Folgejahr, zunächst unter dem Namen „The Beat Brothers“ verkauft, kann also unmöglich die Geburt der Popmusik bedeuten, wenn man allein die Geschicke dieser Combo als Rahmenhandlung für die Popgeschichte heranzieht.
Was aber ist „Pop“? „Pop“, das sagen die einschlägigen Wörterbücher, steht für „Populärmusik“. Klammern wir einmal die Comedian Harmonists und ähnliche Musikanten gewissen Ansehens aus und setzen – willkürlich – anglophone Beatmusik, wie sie die Beatles anfangs machten, als Auslöser des „Popgenres“ (beziehungsweise ja eigentlich des Rockgenres) fest, auch dann ist die Behauptung „Beatles = Begründer der Popwelle“ unsagbar dämlich, denn Bill Haley und die „Comets“ (kaum bekannter Fakt: „Bill Haley’s Original Comets“ sind noch immer musikalisch aktiv) hatten bereits fast zehn Jahre zuvor, im Jahr 1952, mit „Real Rock Drive / Stop Beatin‘ Round the Mulberry Bush“ ihre erste Veröffentlichung auf dem Markt, Bill Haley selbst bereits 1948 mit „Four Leaf Clover Blues / Too Many Parties and Too Many Pals“. Dass die „Beatles“ trotz aller Seichtigkeit bekannter wurden, ist nicht zuletzt ihrer Vermarktung zu verdanken, aber die „Popmusik“ haben sie ebensowenig geboren wie die „Rockmusik“ und die „Beatmusik“. Dass sich immer noch viele neu gegründete Musikgruppen auf die Beatles als Einflüsse beziehen, könnte indes daran liegen, dass sich das besser verkaufen lässt, denn die Beatles kennt jeder irgendwo her.
Wobei die Beatles sich nie in dem Genre verwurzelt sahen, das man heute schwammig „Pop“ nennt, weil man für feinziselierte Nuancen kein Ohr mehr hat und nach drei Minuten (oder 140 Zeichen) die Aufmerksamkeit rapide nachlässt, Pop(ulär)kultur sei’s geschuldet. Vom Beat der ersten Singles über den Psychedelic Rock von „Revolver“ und vor allem „Rubber Soul“ bis zu den gemächlichen Rockballaden von „Let It Be“ war sicher eine Menge Mist („Yesterday“) dabei, aber doch nie wirklich Pop. Wenn man „Pop“ aber im Wortsinne nimmt, „Pop“ also nur „populäre Musik“ bedeutet, dann sind die Beatles ebenso „Pop“ wie die Scorpions, Nickelback, Miley Cyrus, die Ärzte, eben die Comedian Harmonists, Genesis und sogar King Crimson, die sich nach einigen Jahrzehnten im Geschäft ja inzwischen auch gut besuchter Konzerte erfreuen dürfen.
Ich wage zu behaupten: Menschen haben zu aller Zeit Klänge zur Unterhaltung genutzt. Sind Buschtrommeln, wenn sie nicht gerade der Kommunikation dienen, ebenfalls klassische Popinstrumente? Andy Warhols Kunst nennt man auch Pop-Art. Ist Pop abstrakt? Das aber widerspräche der gängigen Regel „was Pop ist, ist mainstream“. Wenn Pop aber kein Genre ist, kein Sammelbegriff irgendwie zusammenhängender Genres und auch sonst eigentlich nur ein Schlagwort für beliebige Gedankenkonstrukte (Wissenschaft ist Pop, Spitzeln ist Pop, Ficken ist Pop, alles ist Pop?) – wäre es dann nicht für uns alle am einfachsten, würden wir dieses Wort künftig aus unserem aktiven Wortschatz tilgen?
Andererseits: Vermutlich ist Dagegensein nicht Pop genug.