KaufbefehleMusikkritik
Pin-up Went Down – 342

Apro­pos Rock, Alter: 2010 erschien das Album „342“ der fran­zö­si­schen Avant­gar­de-Metal­ler Pin-up Went Down und geht so ab, dass man geneigt ist, von Mords­mä­ßig­keit zu spre­chen, wäre Mord nicht so nega­tiv behaf­tet.

Bei pin-ups denkt man womög­lich an Spind­po­ster mit Iko­nen frü­he­rer Jahr­zehn­te und nicht an Metal. Nun, tat­säch­lich zele­brie­ren die Musi­ker die Ästhe­tik der 50-er Jah­re. Das Album beginnt mit lau­schi­gen Klän­gen, wie sie unge­fähr zu hören sind, wenn man sich Kla­vier­be­glei­tung in einem Café in einem kli­schee­haf­ten Schwarz-Weiß-Spiel­film über die Vor- und frü­he Nach­kriegs­zeit vor­stellt (oder wie jeden­falls ich sie mir vor­stel­le), Sän­ge­rin „Aspho­del“ beherrscht ihr Hand­werk vor­treff­lich. Duffy ist ein stimm­li­cher Ver­gleich, der unser­ei­nem in den Sinn kommt.

Kaum aber hat man sich an die leicht ent­rück­te, ins­ge­samt nach The Car­di­gans und Bel­le and Seba­sti­an und Bell, Book & Cand­le und Regi­na Spek­tor und Kli­schee­fil­men klin­gen­de Ein­lei­tung gewöhnt, haut der Schlag­zeu­ger kurz auf die Pau­ke, und der Metal bahnt sich sei­nen Weg ins Gehör des erwar­tungs­vol­len und plötz­lich ziem­lich über­wäl­tig­ten Hörers. Mas­ku­li­nes Grow­ling, Gitar­ren­ge­schep­per, irres Schlag­zeug, dazu gibt „Aspho­del“ die Tar­ja Tur­unen oder, je nach Gene­ra­ti­on, die „Colum­bia“ aus der Rocky Hor­ror Pic­tu­re Show. Eine neue Asso­zia­ti­on, die sich bei der von mir gehör­ten Musik nur sel­ten anbie­tet: Hag­gard. (Die eben­falls recht gut sind und mal gehört wer­den soll­ten, lie­be Leser.)

Nach etwa drei Minu­ten folgt ein Folks­tück mit mehr­stim­mi­gem Gesang, spär­lich instru­men­tiert, der bereits erwähn­te Bell, Book & Cand­le auch gesang­lich in Erin­ne­rung ruft. Lied 3, „Por­ce­lain Hours“, ist bei­na­he schon „Pop“, stil­echt mit die­sem moder­nen Sprech­ge­sang, den nach über 30 Jah­ren noch vie­le Jugend­li­che echt pri­ma fin­den, in „Essence of I“ paart man Grow­ling mit Shaki­ra, und das klingt nicht ein­mal schlecht. Gele­gent­li­che merk­wür­di­ge Choral­ein­wür­fe, etwa in dem eben­falls merk­wür­dig benann­ten „Mur­phy in the Sky with Dae­mons“ (da gab es doch mal was von den Beat­les?), erin­nern an Yes‘ merk­wür­di­ges „Sound Cha­ser“ („cha cha cha / cha cha“) und belu­sti­gen und hal­ten die Auf­merk­sam­keits­span­ne des Hörers auf einem hohen Niveau. So muss das sein, so ist es fein.

Das gesam­te Album und sei­nen Vor­gän­ger „2 Unli­mi­t­ed“ von 2008 gibt es auf der Inter­net­prä­senz des Tri­os zu hören, dau­er­haf­ten Spaß auch unter­wegs bie­tet die CD-Ver­si­on, die es zum Bei­spiel via Ama­zon oder zum Selbst­bren­nen auf Bandcamp.com zu erwer­ben gibt.

Man möge reich­lich davon Gebrauch machen!

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