Als ich letzte Woche spekulierte, Facebook werde in absehbarer Zeit den Weg aller “sozialen Netzwerke” gehen, deren größte Beliebtheit in der Regel einen Zeitraum von ungefähr drei Jahren umfasst, bevor sie vom nächsten “kommenden Ding” abgelöst werden, erntete ich vor allem ungläubiges Kopfschütteln. Facebook sei, schrieb zum Beispiel “Silencer”, mittlerweile schlicht zu bedeutend, um abgelöst werden zu können.
Ich hatte diese Diskussion längst wieder vergessen, wurde aber heute an sie erinnert, als ich zufällig die Meldung las, dass der Musikstreamingdienst Spotify, der in Deutschland aus Gründen nicht offiziell verfügbar ist, seit Ende September 2011 Neuanmeldungen nur noch per Facebook-Verbindung zulässt, soll heißen: Der Zugriff auf die eigene Musik — selbst, wenn man sich ein teures Premiumkonto dort geleistet hat — ist abhängig von der Gunst Facebooks. Das wiederum bedeutet: Wer bei Facebook für die Spotify-Nutzung ein zweites Profil anlegt, eine falsche Identität vorgibt oder sonstwie gegen die Richtlinien verstößt, könnte irgendwann ein Problem bekommen; zumal Facebook in Schulen und Büros oft schlicht nicht zugänglich ist.
Dass die Kritik an Facebook kein “typisch deutsches” Phänomen ist, zeigt sich nun anhand der zahlreichen Beschwerden interessierter oder ehemaliger Spotify-Nutzer. Zu Recht fragen dort manche: “Ist es verantwortungsvoll, die Nutzung von Facebook vorauszusetzen?” Offensichtlich steht Facebook auch in anderen Ländern in der Kritik. “Soziale Netzwerke”, so der Tenor, sollten eine private Spielerei und keine Zugangsvoraussetzung für irgendetwas sein, vor allem dann nicht, wenn sie sich wie Facebook gebärden. So fragt etwa “coronadoug”:
How do I purchase this for my young daughter? Do you think that I want her having a FB account?
Es ist schön, dass sich manche Eltern noch über die Internetnutzung ihrer Kinder Gedanken machen. Anonymus “iampetstone” trifft den Nagel jedenfalls auf den Kopf:
Get back to actually being social, you know, by seeing friends in person or picking up the PHONE!
Medienkompetenz setzt sich langfristig anscheinend durch. Platzhirsch Google, mit dem mit den übrigen Google-Diensten zusehends mehr verzahnten Google+ noch vergleichsweise neu im Rennen, aber recht erfolgreich, bereitet mit seiner Allgegenwart bislang noch weniger Unbehagen, Benutzer des Google Readers allerdings sind seit der letzten größeren Änderung dort tendenziell unzufrieden und suchen nach Alternativen, und es sollte mich erstaunen, träfe so etwas nicht auch früher oder später auf die anderen Google-Dienste zu.
“Silencer” irrte offensichtlich: Der Trend geht weg von der Monopolisierung des digitalen Lebens. Wir können inzwischen jeden Bereich unseres digitalen Lebens zwischen Google und Facebook aufteilen, aber wir sind immer weniger bereit, es zu tun. Das ist vielleicht den ungezählten aus dem Boden schießenden Alternativen zu verdanken, immerhin ist so ein “Web‑2.0”-Dienst nicht mit unmenschlich viel Arbeit verbunden (auch Microsoft arbeitet daran), vielleicht hilft es aber auch, dass die Nörgler, die Datenschützer sich häufiger in den Medien zeigen als noch vor wenigen Jahren, denn auch ein datenschutzkritischer Artikel veranlasst Menschen dazu, sich mit dem Thema zumindest oberflächlich zu beschäftigen.
Was das nächste Facebook wird, steht immer noch in den Sternen. Aber es wird kommen.










