In den NachrichtenNerdkrams
Soziale Differenzen

Als ich let­zte Woche spekulierte, Face­book werde in abse­hbar­er Zeit den Weg aller “sozialen Net­zw­erke” gehen, deren größte Beliebtheit in der Regel einen Zeitraum von unge­fähr drei Jahren umfasst, bevor sie vom näch­sten “kom­menden Ding” abgelöst wer­den, ern­tete ich vor allem ungläu­biges Kopf­schüt­teln. Face­book sei, schrieb zum Beispiel “Silencer”, mit­tler­weile schlicht zu bedeu­tend, um abgelöst wer­den zu kön­nen.

Ich hat­te diese Diskus­sion längst wieder vergessen, wurde aber heute an sie erin­nert, als ich zufäl­lig die Mel­dung las, dass der Musik­stream­ing­di­enst Spo­ti­fy, der in Deutsch­land aus Grün­den nicht offiziell ver­füg­bar ist, seit Ende Sep­tem­ber 2011 Neuan­mel­dun­gen nur noch per Face­book-Verbindung zulässt, soll heißen: Der Zugriff auf die eigene Musik — selb­st, wenn man sich ein teures Pre­mi­umkon­to dort geleis­tet hat — ist abhängig von der Gun­st Face­books. Das wiederum bedeutet: Wer bei Face­book für die Spo­ti­fy-Nutzung ein zweites Pro­fil anlegt, eine falsche Iden­tität vorgibt oder sonst­wie gegen die Richtlin­ien ver­stößt, kön­nte irgend­wann ein Prob­lem bekom­men; zumal Face­book in Schulen und Büros oft schlicht nicht zugänglich ist.

Dass die Kri­tik an Face­book kein “typ­isch deutsches” Phänomen ist, zeigt sich nun anhand der zahlre­ichen Beschw­er­den inter­essiert­er oder ehe­ma­liger Spo­ti­fy-Nutzer. Zu Recht fra­gen dort manche: “Ist es ver­ant­wor­tungsvoll, die Nutzung von Face­book vorauszuset­zen?” Offen­sichtlich ste­ht Face­book auch in anderen Län­dern in der Kri­tik. “Soziale Net­zw­erke”, so der Tenor, soll­ten eine pri­vate Spiel­erei und keine Zugangsvo­raus­set­zung für irgen­det­was sein, vor allem dann nicht, wenn sie sich wie Face­book gebär­den. So fragt etwa “coro­n­adoug”:

How do I pur­chase this for my young daugh­ter? Do you think that I want her hav­ing a FB account?

Es ist schön, dass sich manche Eltern noch über die Inter­net­nutzung ihrer Kinder Gedanken machen. Anony­mus “iampet­stone” trifft den Nagel jeden­falls auf den Kopf:

Get back to actu­al­ly being social, you know, by see­ing friends in per­son or pick­ing up the PHONE!

Medi­enkom­pe­tenz set­zt sich langfristig anscheinend durch. Platzhirsch Google, mit dem mit den übri­gen Google-Dien­sten zuse­hends mehr verzah­n­ten Google+ noch ver­gle­ich­sweise neu im Ren­nen, aber recht erfol­gre­ich, bere­it­et mit sein­er All­ge­gen­wart bis­lang noch weniger Unbe­ha­gen, Benutzer des Google Read­ers allerd­ings sind seit der let­zten größeren Änderung dort ten­den­ziell unzufrieden und suchen nach Alter­na­tiv­en, und es sollte mich erstaunen, träfe so etwas nicht auch früher oder später auf die anderen Google-Dien­ste zu.

“Silencer” irrte offen­sichtlich: Der Trend geht weg von der Monop­o­lisierung des dig­i­tal­en Lebens. Wir kön­nen inzwis­chen jeden Bere­ich unseres dig­i­tal­en Lebens zwis­chen Google und Face­book aufteilen, aber wir sind immer weniger bere­it, es zu tun. Das ist vielle­icht den ungezählten aus dem Boden schießen­den Alter­na­tiv­en zu ver­danken, immer­hin ist so ein “Web‑2.0”-Dienst nicht mit unmen­schlich viel Arbeit ver­bun­den (auch Microsoft arbeit­et daran), vielle­icht hil­ft es aber auch, dass die Nör­gler, die Daten­schützer sich häu­figer in den Medi­en zeigen als noch vor weni­gen Jahren, denn auch ein daten­schutzkri­tis­ch­er Artikel ver­an­lasst Men­schen dazu, sich mit dem The­ma zumin­d­est ober­fläch­lich zu beschäfti­gen.

Was das näch­ste Face­book wird, ste­ht immer noch in den Ster­nen. Aber es wird kom­men.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt LXVI: Internationales Ansehen

Ach du Schreck:

Erst­mals seit seinem Rück­tritt zeigt sich Karl-Theodor zu Gut­ten­berg der Öffentlichkeit. Bei einem Vor­trag in Kana­da will der ges­trauchelte Poli­tik­er nach SPIEGEL-ONLINE-Infor­ma­tio­nen über die Wirtschaft­skrise sprechen — angekündigt ist er als “ange­se­hen­er Staats­mann”.

In Kana­da, wo der ehe­ma­lige Feld­herr neb­st Fam­i­lie ver­mut­lich fast nie­man­dem näher bekan­nt ist, kann man so etwas natür­lich bess­er verkaufen als hierzu­lande. Aber schä­men sich die Ver­anstal­ter nicht für diese Falschetiket­tierung?

Alle Hoff­nun­gen, in Kana­da würde er so pos­i­tiv aufgenom­men, dass er for­t­an dort statt hier agieren wird, sind lei­der bere­its zer­streut: Seine Frau ist auch wieder da. Eins muss man ihnen lassen, behar­rlich sind sie ja. (Und die CSU braucht drin­gend wieder ein Maskottchen.)

Das wird noch übel enden.

(via Fefe)

PolitikIn den Nachrichten
Das rechte Ende der Demokratie

Der Reflex hat­te, wie immer, funk­tion­iert: Kaum war bekan­nt gewor­den, dass einige Morde auf das Kon­to ein­er ter­ror­is­tis­chen Vere­ini­gung gin­gen, nur eben dies­mal von Rechts statt von Links wie damals in den 70-ern, brüllte einem von allen Seit­en die übliche Forderung nach einem Ver­bot der NPD, wie es auch der ent­ge­genge­set­zten (und inzwis­chen wieder exis­ten­ten) KPD vor Jahrzehn­ten wider­fahren war, ent­ge­gen. Denn, so lautet die ein­hel­lige Mei­n­ung, rechts­gesin­nte Unter­grund­kämpfer wür­den ihr Tun kün­ftig unter­lassen, wenn man ihnen die Partei weg­n­immt.

Dabei stellt offen­bar nie­mand die Frage, ob die NPD und die drei “Ter­ror­is­ten” (dieses Wort ist längst abgenutzt, wer ken­nt ein besseres? Vorschläge sind erbeten) wirk­lich allzu viel miteinan­der zu tun haben. Rechts = NPD, NPD ver­bi­eten = rechts weg. So kann man sich die Welt auch ein­fachre­den.

Die NPD ist aber ein besten­falls zahn­los­er Tiger. Sie ist zum Beispiel im säch­sis­chen Land­tag vertreten und fällt dort vor allem dadurch auf, dass man sich über ihre Anträge lustig macht, nicht aber dadurch, dass sie die Integrität der demokratis­chen Struk­turen Sach­sens nach­haltig zu schwächen ver­suchte. Engage­ment gegen Gewalt seit­ens poli­tis­ch­er Extrem­is­ten lässt sich für Rufe nach einem Ver­bot ein­er Partei nicht bescheini­gen, denn dieses hätte kein­er­lei Ein­fluss auf extrem­istis­che Gewalt­tat­en.

Es gibt in Sach­sen anscheinend genug wahlberechtigte Bürg­er, die sich mit den Forderun­gen der NPD iden­ti­fizieren kön­nen. Die “deutsche Ver­fas­sung” — das Grundge­setz — lässt dies aus­drück­lich zu, und ob ein Ver­bot der NPD, von eige­nen poli­tis­chen Ide­alen abge­se­hen, mit demokratis­chen Ide­alen vere­in­bar wäre, möge ein Recht­skundi­ger­er als ich abschließend beant­worten. Die anhal­tenden Wahler­folge der NPD in manchen Bun­deslän­dern sind aber ein Symp­tom, dessen Bekämp­fung die Ursache nicht beseit­igt. Wenn man erkäl­tet ist, ver­schwindet die Erkäl­tung ja auch nicht durch’s Naseputzen.

Lassen wir die NPD als konkretes Objekt ein­mal bei­seite und konzen­tri­eren wir uns auf den Kern: Ein poli­tisch radikales Trio ermordet einige Per­so­n­en, darunter eine Polizistin (somit han­delt es sich — ein schwach­er Trost — nicht auss­chließlich um konkret recht­sradikale Tat­en), und die Öffentlichkeit fordert, man möge etwas gegen solche Tat­en unternehmen, indem man etwas ver­bi­etet. Mord, Totschlag, Tötung, Brand­s­tiftung sowie jew­eils der bloße Ver­such sind aber bere­its ver­boten. Schade, sagt die Öffentlichkeit, dann ver­bi­eten wir eben etwas anderes, denn das wird poli­tisch motivierte Gewalt­täter mit Sicher­heit davon abhal­ten, ihren Trieben nachzuge­hen.

Man ver­ste­he mich nicht miss: Gewalt gegen Lebe­we­sen und/oder Dinge ist keines­falls zu befür­worten, und es sollte viel weniger davon geben. Dieses Ziel lässt sich aber nicht erre­ichen, indem man ver­gle­ich­sweise gemäßigt agierende Poli­tik­er per Dekret in den Unter­grund drängt, denn die Ter­ror­is­ten, Massen­mörder und sonst­wie unfre­undlichen Per­so­n­en sind längst dort. Die scheren sich nicht mehr darum, ob sie die NPD wählen dür­fen oder nicht. “Wehret den Anfän­gen” oder wem auch immer? Die Anfänge sind, wie nun erwiesen ist, längst Geschichte — ganz ohne die NPD.

Poli­tis­chen Extrem­is­mus hat es zu allen Zeit­en gegeben, völ­lig egal, ob er genehmigt oder ver­boten war. Das macht solchen Extrem­is­mus aus: Beste­hende Gesellschaft­sor­d­nun­gen und Geset­ze lassen ihn vol­lkom­men kalt. Er liegt offen­sichtlich im Wesen des Men­schen begrün­det. Wer die NPD ver­bi­etet, beraubt die Demokratie um ihren äußeren recht­en Rand, Gesin­nun­gen aber wird er so nicht bekämpfen. Wer den “Kampf” “gegen Rechts” oder “gegen Links” oder meinetwe­gen “gegen den Scheißkap­i­tal­is­mus” aufn­immt und dabei nicht wil­lens ist, jeden Vertreter seines jew­eili­gen Feind­bildes im Zweifels­fall ein­fach zu meucheln, der wird ver­lieren.

Recht­sradikalis­mus ist kein Vere­in, den man ver­bi­eten kön­nte, er ist eine Idee; wenn auch sich­er nicht unbe­d­ingt die beste, die man haben kann. Natür­lich kann (und, bisweilen, sollte) man es ver­bi­eten, jede Idee unge­filtert in den öffentlichen Raum zu kra­kee­len, aber die Ideen der­er, die schweigen, ster­ben nicht von allein.

Poli­tisch Aktive, die sich für die Stärkung der Demokratie und des Gemein­wohls neb­st Bekämp­fung ter­ror­is­tis­ch­er Aktiv­itäten ein­set­zen, soll­ten keine Energie darauf ver­schwen­den, Ver­bote zu fordern. Was die Demokratie nach­haltig schädigt, ist hierzu­lande bere­its seit 1949 ver­boten, und das ist gut und richtig so. Die freie Energie soll­ten sie stattdessen dafür nutzen, Unter­stützer dieser Aktiv­itäten davon zu überzeu­gen, dass sie es bess­er kön­nen. Und so ein­fach kön­nte man auch das The­ma NPD aus der Welt schaf­fen: Man muss nur ihren Wäh­lern einen zum Beispiel pro­gram­ma­tis­chen Anlass geben, sich für eine andere Partei zu entschei­den.

Aber anscheinend beste­ht hier­an kein Inter­esse, oder man hat längst akzep­tiert, dass man in Sach­sen anscheinend nicht in der Lage ist, den Wahlberechtigten eine attrak­tive Poli­tik anzu­bi­eten. Und so dreht sich die Erde seit Jahrzehn­ten im Oval. Jed­er fragt “warum?” und nie­mand will es eigentlich wis­sen.

Und die Erkäl­tung wird auch weit­er­hin mit Taschen­tüch­ern bekämpft.

In den NachrichtenPolitik
Gefahren des Rauchens (EU-Version)

Zunächst ein wenig Sta­tis­tik:

2010 gab es EU-weit etwa 33.000 Unfall­tote, etwa 650.000 Men­schen star­ben an den Fol­gen des Tabakkon­sums, “min­destens 1.000″ EU-Bürg­er daran, dass sie auf­grund tem­porär­er (oder langfristiger, son­st wür­den sie wom­öglich nicht rauchen) geistiger Umnach­tung glim­mende Zigaret­ten zu löschen vergessen hat­ten, ein­schliefen und die Kon­se­quen­zen tra­gen mussten.

Was macht man als ver­ant­wor­tungsvoller Staaten­ver­bund, wie es die EU bekan­nter­maßen ist, aus diesen erschreck­enden Zahlen?

Ab Don­ner­stag dür­fen in den 27 EU-Mit­glied­staat­en nur noch solche “Zigaret­ten mit ver­min­dertem Zünd­poten­zial” verkauft wer­den.

(Die Tabakin­dus­trie will ja eben­falls irgend­wie über­leben.)

Ver|hält|nis|mä|ßig|keit, die (-, ‑en) f.: Her­aus­ra­gen­des Kri­teri­um beim Tre­f­fen von Entschei­dun­gen in poli­tis­chen Gremien. Siehe auch: ➔ Irakkrieg, ➔ Glüh­bir­nen, ➔ plem­plem.

Montagsmusik
Nirvana — Milk It

2011 markiert unter anderem auch 20 Jahre “Nev­er­mind”, zu Deutsch “Egal”.

Ich habe dazu aus einem bes­timmten Grund noch nichts geschrieben: “Nev­er­mind” ist das wohl belan­glos­es­te Album von Nir­vana. Dass es mit “Smells Like Teen Spir­it” einen ver­i­ta­blen “Hit” bein­hal­tet, bedeutet nicht viel; allen­falls, dass viel Geld in Wer­bung gesteckt wurde.

Dabei ist “In Utero” aus mein­er ganz per­sön­lichen, sub­jek­tiv­en und ein wenig arro­gan­ten Sicht das über­legene Album — sei es nun wegen “Heart-Shaped Box”, “Rape Me” oder des grandiosen “Milk It”:

1993 war ein ver­dammt gutes Jahr für Nir­vana. Schade, dass es das let­zte blieb.

Sonstiges
Kurze Notiz zu Domian.

Der Zufall und das Album des Jahres — mehr dazu am Jahre­sende -, anlässlich dessen die Musikheroen Metal­li­ca und Lou Reed gemein­sam auf­trat­en und dabei Zuschauer und Zuhör­er ver­wirrten (wer Metal­li­ca erwartet, kann mit Lou Reed meist nichts anfan­gen, und umgekehrt), ließen mich am gestri­gen Abend dem merk­würdi­gen Radiosender “1LIVE” lauschen.

Dem Konz­ert und der anschließen­den Fragerunde fol­gte die Sendung “Domi­an”. Den Anfang habe ich ver­passt, aber offen­bar ging es um das The­ma Tod.

“Domi­an” ist, dies kon­nte ich bis­lang in Erfahrung brin­gen, eine von einem Her­rn Domi­an mod­erierte Rat­ge­bersendung, bei der Leute anrufen kön­nen, denen son­st nie­mand zuhört, um über Dinge zu sprechen, die ihnen ger­ade so ein­fall­en. Die voyeuris­tis­che Ader des Men­schen bedankt sich, seine ratio wen­det sich angewidert ab.

Allein den schwarzen Humor wird’s freuen: Um kurz vor 2 Uhr mor­gens rief ein — seinem Idiom nach zu urteilen — junger Mann an, dem ein dementer Greis vor das Auto gelaufen und jüngst ver­stor­ben war und den darob ein schlecht­es Gewis­sen plagte. Herr Domi­an nun schlug vor, er solle sein Beileid schriftlich bekun­den; so über­rolle er die Ange­höri­gen nicht. Immer­hin!
Dass danach eine beschwingte Frau anrief, die nur ein­mal öffentlich ihre Freude über ihre ger­ade erfol­gte Schei­dung bekun­den wollte, gab der Sendung einen sur­realen Anstrich.

Anscheinend sollte ich das Schaf­fen von Her­rn Domi­an kün­ftig etwas aufmerk­samer ver­fol­gen.

PolitikIn den NachrichtenPiratenpartei
Kurz verlinkt LXV: Piraten stinken und Europa ist kopflos.

Andreas Baum, Berlin­er Pirat, wurde von der “ZEIT”, nur echt in Brüll­buch­staben, mit 99 Fra­gen kon­fron­tiert, die über die “ZEIT” sich­er mehr aus­sagen als über Andreas Baum; zum Beispiel:

Warum tra­gen Sie, obwohl rang­ho­hes Mit­glied der Pirat­en, keinen Pfer­de­schwanz?

Oder:

Gehört das zum Look eines Pirat­en, dass man ein biss­chen arm rüberkommt?

Oder:

Ist das wichtig, dass man als Pirat immer ein biss­chen unge­waschen aussieht?

Als hun­dert­ste Frage stelle ich nur eine einzige an die “ZEIT”: Wird es eigentlich zwin­gend voraus­ge­set­zt, min­destens ein biss­chen bescheuert zu sein, um für die “ZEIT” schreiben zu dür­fen?

(via netzpolitik.org)


Son­st so: Europa hat kein Par­la­ment, also kein valides; wie Deutsch­land eben auch kein valides Wahlrecht hat. Die Fünf­prozen­thürde ver­stoße näm­lich gegen die Grund­sätze der Wahlrechts­gle­ich­heit, befand das Bun­desver­fas­sungs­gericht, allerd­ings nur auf Europa‑, nicht auf Bun­de­sebene. Dazu passt vielle­icht die Mel­dung, dass die Deutschen im europäis­chen Durch­schnitt bezüglich ihres Anti­semitismus’ noch harm­los seien, behauptet die (trotz­dem linke) “taz”.

Dass Europa also bald wie einst die Weimar­er Repub­lik von einzeln nur bedeu­tungslosen, poli­tisch radikalen Split­ter­parteien wie der F.D.P. regiert wer­den kön­nte, soll uns in Deutsch­land dann nicht weit­er stören.

Obwohl “Die PARTEI” im Bun­destag sicher­lich nicht ganz unin­ter­es­sant wäre.

Sonstiges
Vorsicht: Koffein macht wach!

Ich wüsste ja schon gern, welche Umstände dazu geführt haben, dass die Her­steller von kof­fein­halti­gen Getränken, Zigaret­ten­her­stellern nicht unähn­lich, expliz­it darauf hin­weisen, dass das enthal­tene Kof­fein nicht nur die Wach­heit erhöht, son­dern oben­drein, völ­lig uner­warteter­weise, auch die Müdigkeit senkt:

(Ander­er­seits: Nein, lieber nicht.)

In den NachrichtenPiratenpartei
Wenn Journalisten ihre Prinzipien vergessen

Wäre ich Jour­nal­ist, ich hätte ger­ade wirk­lich schlimmes Sod­bren­nen.

Jahre­lang wurde die Piraten­partei als Einthe­men­partei dargestellt und belächelt; mit der bloßen Forderung nach einem zeit­gemäßen Urhe­ber­recht sei kein Staat zu machen, und würde jemals jemand die Piraten­partei in ein Par­la­ment wählen, so müsse sie sich bis dahin schon mehr über­legen, sofern sie dauer­haften Erfolg haben wolle. Dass es der Piraten­partei nicht um Macht, son­dern um eine Änderung poli­tis­chen Kon­sens­es ging und geht, hat schon damals nie­mand von der schreiben­den Zun­ft so recht ver­standen.

Dann kam die Berlin­er Abge­ord­neten­hauswahl 2011. Die Piraten­partei hat inzwis­chen ein umfassendes, weit­ge­hend sozial­lib­erales Pro­gramm, das die Forderung nach mehr dig­i­tal­en Bürg­er­recht­en, wie gewün­scht, beina­he zum Randthe­ma wer­den zu lassen scheint — und was schreibt man nun als so genan­nter “Jour­nal­ist” in zum Beispiel die Süd­deutsche Zeitung hinein?

[Die Partei] will die Zuschrei­bung des Dat­en- oder Musikpi­rat­en umdeuten und von sein­er krim­inellen Kon­no­ta­tion befreien.

Jet­zt, da sie erst­mals in einem deutschen Par­la­ment sitzen, scheinen sie genau das vergessen zu haben. Sie sprechen über fahrschein­losen Nahverkehr, aber nicht über das Urhe­ber­recht. Das ist erstaunlich, weil eine Pauscha­l­ab­gabe fürs S‑Bahnfahren genau auf dem urhe­ber­rechtlichen Mod­ell basiert, das Juris­ten unter dem Begriff “Kul­tur­fla­trate” für die Net­znutzung beschreiben.

Doch die Debat­te über eine dafür notwendi­ge Reform des Urhe­ber­rechts ist derzeit nicht oppor­tun, sie set­zt die Kraft voraus, auch gegen Wider­stände zu agieren. Diese Kraft kön­nen oder wollen die Pirat­en nicht auf­brin­gen.

Ja, wie denn nun — eine Piraten­partei als Urhe­ber­rechtspartei ist lächer­lich, eine Piraten­partei als Pauschal­partei soll sich gefäl­ligst mehr um das Urhe­ber­recht küm­mern? Lei­der lässt Autor Dirk von Gehlen offen, an welch­er Aus­rich­tung er nichts auszuset­zen hätte — wahrschein­lich fiele ihm die Antwort selb­st schw­er.

Nun kön­nte man natür­lich fra­gen, wieso die bekan­nt inkon­se­quente Hal­tung der Süd­deutschen Zeitung zur Piraten­partei irgend­je­man­den inter­essieren sollte, gilt doch für die dor­ti­gen Artikel das gle­iche wie für Ein­träge im Forum der Piraten­partei: Pri­vat­mei­n­un­gen sind jedem unbenom­men, und seien sie noch so albern. Allerd­ings hat die Süd­deutsche Zeitung eine Auflage, die wom­öglich allzu vie­len Leuten, die poli­tisch eben­so umfassend gebildet sind wie die dor­ti­gen Beschäftigten, ein völ­lig falsches Bild der Umstände ver­mit­teln kön­nte, daher schreibe ich mal etwas dazu:

Die längst notwendi­ge Reform des Urhe­ber­rechts ist ein Kern­the­ma der Piraten­partei und wird ein solch­es auch bis zu ebendieser Reform bleiben. Die AG Urhe­ber­recht ist unverän­dert aktiv und arbeit­et ständig an der Erweiterung des Parteipro­gramms. Dass diese Aktiv­itäten eingeschlafen seien, hätte Dirk von Gehlen leicht als Irrtum erken­nen kön­nen, hätte er nur ein­mal einen Blick in die öffentlich zugängliche Mail­ingliste der AG gewor­fen; aber für Recherchen wird man bei der Süd­deutschen Zeitung anscheinend zu schlecht bezahlt.

Mit ein wenig Recherche hätte Dirk von Gehlen auch erken­nen kön­nen, wieso sein ganz­er schön­er zwei­seit­iger Artikel in Gänze Mumpitz ist: Das Urhe­ber­recht ist ein Bun­des­ge­setz.

Die Berlin­er Frak­tion der Piraten­partei ist zwar dur­chaus poli­tisch in der Lage, den öffentlichen Per­so­nen­nahverkehr in dem Bun­des­land, in dessen Regierung sie gewählt wurde, mitzugestal­ten, sie kann aber keine rechts­gülti­gen Entschei­dun­gen über den Bah­n­verkehr in Bay­ern tre­f­fen; wie wir in Nieder­sach­sen ja zum Beispiel auch froh sind, dass die CSU hier nichts zu melden hat. Dirk von Gehlen wirft ein­er Partei in ein­er Lan­desregierung nun vor, dass sie keine Änderung der Bun­des­ge­set­ze anstrebt, und liegt damit selb­stver­ständlich vol­lkom­men daneben.

Die Piraten­partei selb­st set­zt sich unverän­dert für eine Reform des Urhe­ber­rechts ein. Wenn Dirk von Gehlen etwas daran liegt, dass diese Reform umge­set­zt wird, dann sollte er bei der näch­sten Bun­destagswahl seine Stimme der Piraten­partei geben. Von ein­er Lan­des­frak­tion aber zu erwarten, Bun­de­spoli­tik zu machen, zeugt von ein­er bemerkenswerten Bere­itschaft, sich von ver­mut­lich unnötig ver­wirren­den Fak­ten zu The­men, mit deren Beschrei­bung man sein Geld ver­di­ent, nicht bee­in­flussen zu lassen.

Zum Glück bin ich kein Jour­nal­ist.

NerdkramsIn den Nachrichten
Thilo Weichert und die Facebookaffäre

Thi­lo Weichert hat es nicht leicht. Als Daten­schutzbeauf­tragter des Lan­des Schleswig-Hol­stein ist es seine Auf­gabe, darauf zu acht­en, dass auch in Zeit­en totaler Ver­net­zung der Daten­schutz der Bürg­er gewahrt bleibt. Als größte Bedro­hung für diesen — von den eige­nen Behör­den natür­lich abge­se­hen — hat er, dur­chaus zu Recht, Face­book erkan­nt.

Das Blöde ist: Schleswig-Hol­steins Face­book­seit­en­be­treiber haben keine Lust, den Betrieb ihrer prak­tis­chen Wer­be­flächen einzustellen.

Obwohl mit Bußgeldern gedro­ht wird, habe von 15 Angeschriebe­nen bis­lang nur eine öffentliche Stelle reagiert und ihre Face­book-Seite deak­tiviert. (…) Anlass des Unge­hor­sams gegenüber dem Daten­schutzrecht seien keine hochw­er­ti­gen Motive, son­dern allein der Wun­sch, über einen Inter­net­di­en­stean­bi­eter, der meint, nicht durch deutsches Daten­schutzrecht gebun­den zu sein, für sich Wer­bung machen zu kön­nen.

Nun kön­nte man Thi­lo Weichert, der auch der Sch­u­fa schon Unverträglichkeit mit Daten­schutzbes­tim­mungen bescheinigte, für allzu kon­ser­v­a­tiv und rück­ständig hal­ten, und sei es nur für einen bil­li­gen, aber her­zlichen Lach­er:

Ja, ich bin befan­gen, ich habe Thi­lo Weichert mal auf ein­er Podi­ums­diskus­sion in Berlin gese­hen, und ich hat­te den Ein­druck, er trinkt Lack.

Aber danach sollte man sich doch ein­mal damit befassen, worum es eigentlich geht:

Die offen­sichtliche Frage, warum aus­gerech­net Behör­den eine Face­book-Fan­seite unter­hal­ten soll­ten, wird anscheinend von den betrof­fe­nen Behör­den selb­st gar nicht gestellt. Natür­lich nicht, man möchte ja mod­ern sein und sich diesem… diesem Dings… Inter­net da aus­re­ichend anbiedern, weil irgend­je­mand von irgend­je­man­dem ein Memo bekom­men hat, dass heutzu­tage eh alle Face­book nutzen oder so. Im Prinzip wäre daran nichts auszuset­zen, wäre es nicht Face­book.

Face­book spal­tet die Gesellschaft dabei auf ähn­lichem Niveau wie Google: Während gegen Google Street View in Massen protestiert wurde, hat eine Wieder­hol­ung der gle­ichen Proze­dur (Städte mit entsprechend aus­ges­tat­teten Auto­mo­bilen fil­men) durch Microsoft für das eigene Pro­dukt Bing nur wenig Aufmerk­samkeit auf sich gezo­gen. Klar, denn Microsoft ver­sucht nicht, den Lebens­mit­telpunkt sein­er Kun­den darzustellen; anders etwa als Google und Face­book, die seit Jahren darum konkur­ri­eren, wer seine Benutzer wohl am besten “ken­nt”.

Dabei treibt diese Spal­tung bisweilen skur­rile Blüten: Im Blog Netzpolitik.org etwa, aus dem unter anderem die frag­würdi­ge “Dig­i­tale Gesellschaft” her­vorg­ing, wird in kurzen Abstän­den immer wieder davon berichtet, dass Face­book als Gefahr ange­se­hen wird, das oblig­a­torische “Gefällt mir” aber lassen sich die Warn­er nicht nehmen, und es prangt weit­er­hin bunt unter jedem Artikel.

Das Prob­lem von Face­book wird oft auf die all­ge­gen­wär­ti­gen “Track­ing-But­tons”, also die von facebook.com einge­bun­de­nen Javascripts, die jeden Besuch­er, ob Face­book-Nutzer oder nicht, zu iden­ti­fizieren ver­suchen und auch über einen län­geren Zeitraum “wieder­erken­nen”, so dass Face­book in Prinzip weiß, wann er welche Inter­net­seite wie lange besucht hat, reduziert. (Face­book hat dies verneint, jedoch war das schlicht gel­o­gen. Ver­trauen zu schaf­fen sieht anders aus.) Insofern kön­nte man — und Thi­lo Weichert — zufrieden sein, dass mehr und mehr Seit­en­be­treiber auf eine Zweik­lick­lö­sung wie etwa die von heise.de set­zen, die die Javascripts nur lädt, wenn der Benutzer dem aus­drück­lich zus­timmt. Dies aber ist nur die halbe Wahrheit, all diese Daten­sicher­heit ist näm­lich beim Aufruf von Face­book, ob bewusst oder unbe­wusst, wieder dahin.

Bere­its das Bewer­ben von Face­book mit­tels wie auch immer geart­etem Ver­weis dor­thin, sei es als “Gefällt mir”, sei es als Lesetipp, gefährdet den Daten­schutz der­er, die diesen Ver­weis betäti­gen. Welch­er nor­male Inter­net­nutzer weiß schon, was “Track­ing”, also Ver­fol­gung, bedeutet? Wer weiß so genau, was Face­book über ihn weiß? Sich­er ist das kein Wel­tun­ter­gang, ver­mut­lich nie­mand wird daran ster­ben, dass Face­book 2013 noch weiß, welche Inter­net­seit­en er am 2. Sep­tem­ber 2011 besucht hat, aber das fällt auch nicht in den Zuständigkeits­bere­ich eines Daten­schützers.

Die Maxime eines Daten­schützers sollte es nicht sein, Bürg­er zu bevor­munden, son­dern eben solche Bevor­mundun­gen zu unterbinden. Die Hoheit über die eige­nen Dat­en ist ein wertvolles Gut, das ist nicht erst seit der Piraten­partei bekan­nt. Nie­mand kann es Bürg­ern ver­bi­eten, ihre Dat­en frei­willig jedem anzu­ver­trauen, der sie gern ein­se­hen würde; nie­mand aber darf sie auch dazu zwin­gen, dies zu tun, indem er unge­fragt solche Ver­fol­gungsmech­a­nis­men Drit­ter instal­liert. (Anders gesagt: Es möge Face­book nutzen, wer es denn unbe­d­ingt will, aber das zu entschei­den obliegt ihm selb­st und nicht den Wer­be­treiben­den.)

Thi­lo Weicherts Kampf gegen den sor­glosen Umgang mit Face­book ist berechtigt. Es ist seine Auf­gabe als Daten­schützer, diesem Ein­halt zu gebi­eten. Die meis­ten sein­er Kri­tik­er scheinen nur “Kampf gegen … Face­book” zu ver­ste­hen, und das wäre in der Tat ein nicht nur albern­er, son­dern die Infor­ma­tions­frei­heit gefährden­der Vorstoß. Davon hat aber auch nie­mand gere­det.

Mit etwas Glück wird Face­book eher früher als später das Schick­sal von Wer-ken­nt-wen und den anderen Net­zw­erken, die kein­er mehr haben will, ereilen; dann wird die Karawane weit­erziehen, vielle­icht zu Dias­po­ra (oder Despo­ra oder Geras­po­ra, völ­lig egal), vielle­icht zu irgen­det­was ganz anderem, und kein­er wird sich mehr ereifern, wenn jemand die Integrität von Face­book in Frage stellt. Bis dahin gilt es, wach­sam zu bleiben: Wer öffentlich lügt, dem sollte man nicht ver­trauen.

(Und trotz­dem wählen immer noch irgendwelche Leute die CDU.)

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Colosseum — Valentyne Suite

Mit der Euroret­tung sieht es düster aus, der deutschen Wirtschaft wird der Export von Meuchel­gütern schmack­haft gemacht, Israel und der Iran lassen es brodeln, und die meis­ten Men­schen scheint aber doch nur eines zu inter­essieren: Wer soll “Wet­ten, dass..?” übernehmen?

Die Welt wird alt und wird wieder jung, doch der Men­sch hofft immer auf Verbesserung, dichtete einst Friedrich von Schiller; und wäre er noch am Leben, er wäre ver­mut­lich ein her­vor­ra­gen­der Kabaret­tist.

Her­vor­ra­gend und immer noch am Leben sind der­weil die Musik­er von Colos­se­um:

COLOSSEUM — The Valen­tyne Suite (Live@Genova 05-07-2011)

Mal wieder: Zeit­los schön.


Apro­pos “Suite”: Die F.D.P. wurde gestern feier­lich an den Tropf gehängt. Merk­würdig — ich war bish­er der Mei­n­ung, lebenser­hal­tende Maß­nah­men trotz offen­sichtlich­er Todessehn­sucht des Patien­ten wären ver­boten.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Medienkritik in Kurzform: Kaufen Sie nicht verkäufliche Waren hier!

Ganz großes Ten­nis auch, CHIP.de:

All der Hick­hack um die aktuellen Entwick­lun­gen um Apple und ein Verkaufsver­bot oder Nichtverkaufsver­bot von iPhones in Deutsch­land auf­grund ver­fahren­stech­nis­ch­er Gegeben­heit­en kann euch nicht davon abhal­ten, noch ein wenig Kohle in Form von Pro­vi­sion zu schef­feln, der automa­tisierten Ein­blendung von irgendwelchem Wer­be­unfug sei “Dank”.

Das Landgericht Mannheim ver­bi­etet Apple für Deutsch­land mit sofor­tiger Wirkung den Verkauf von Geräten, die ein Mobil­funk-Patent von Motoro­la ver­let­zten (sic!).

Allerd­ings ver­weist Patent-Experte Müller zu Recht darauf, dass es Apple Inc. hierzu­lande nicht nur ver­boten ist “mobile Geräte zu liefern”, son­dern auch sie “anzu­bi­eten”.

Gün­stig kaufen: Apple iPhone 4 32GB ab 449,90 €

NetzfundstückeMir wird geschlecht
Kopfwehtexte: Julia Schramm und das Schwurbelproblem

(Vor­ab: Dies ist die Wenigerkurz­fas­sung eines Beitrags, den ich bere­its ander­swo veröf­fentlicht hat­te. Wer ihn schon ken­nt, der möge ander­swo weit­er­lesen.)

Im August 2011 habe ich zum ersten Mal etwas aus­führlich­er von der so genan­nten “Spack­e­ria”, ein­er Ansamm­lung von Men­schen mit der immer­hin recht eigen­willi­gen Ansicht, Daten­schutz sei nicht mehr zeit­gemäß oder so, gehört, als Spack­e­ria-Mit­glied (oder heißt das “Spack­erin”?) und Pirat Julia Schramm sich in ihrer Partei auf­grund der Ansicht besagter Ansamm­lung von Men­schen einiger­maßen unbe­liebt machte. Das The­ma ebbte allerd­ings wenig später eben­so ab wie das The­ma “Staat­stro­jan­er”; manch­es lässt sich eben ganz gut aus­sitzen. Abge­se­hen von Michael See­mann, bess­er bekan­nt als mspr0, dessen eines Blog ich manch­mal lese, aber sel­ten ver­ste­he, ver­schwan­den Julia Schramm und die Spack­e­ria wieder aus meinem Wahrnehmungs­feld.

Ich weiß nun immer noch nicht so genau, wer Julia Schramm eigentlich ist, von obi­gen Eigen­schaften ein­mal abge­se­hen, weil mich Klatsch und Tratsch nicht son­der­lich inter­essieren; aber immer, wenn sie etwas schreibt, ver­ste­he ich zumin­d­est, wieso die Spack­eris­ten beim ein­fachen Volk so unbe­liebt sind: Sie ver­lieren sich in end­losem Geschwurbel ohne Hand und Fuß.

Die Spack­e­ria hat ein Schwurbel­prob­lem.

Der Michael See­mann hat manch­mal inter­es­sante Ideen (die ich zum großen Teil allerd­ings nicht so toll finde und nicht ver­wirk­licht sehen will – aber man darf ja dur­chaus auch andere Anschau­un­gen inter­es­sant find­en), nur hat er das Prob­lem, dass er diese Ideen unter seit­en­weise Geschwurbel ver­steckt. Da schlägt dann fast immer TL;DR zu.

Heute nun hat sich Julia Schramm wieder zu Wort gemeldet; nicht allerd­ings als Vertreter der post-pri­va­cy, son­dern als Mit­glied der Piraten­partei. Für den “Fre­itag” referierte sie über das ver­meintliche “Geschlechter­prob­lem” der Piraten­partei.

Gegen die Ein­leitung habe ich, von der Inter­punk­tion abge­se­hen, nicht ein­mal etwas einzuwen­den:

Bei den Pirat­en kämpfen die männlichen gegen die weib­lichen Nerds. Der gegen­seit­ige Vor­wurf: Frauen- bzw. Män­ner­feindlichkeit. Dass es um Teil­habe geht, vergessen alle

So weit, so richtig, und so wenig wer­den die Grü­nen das jemals ver­ste­hen. Und dann aber:

Vor allem Frauen, aber natür­lich in erster Lin­ie Män­ner, sträuben sich inner­halb der Partei mit erstaunlich­er Heftigkeit gegen den Begriff Fem­i­nis­mus.

“Vor allem Frauen, aber natür­lich in erster Lin­ie Män­ner”, also ins­beson­dere Mit­glieder bei­der Geschlechter, nicht aber Her­maph­ro­diten (?!), sträuben sich als Pirat­en gegen den Begriff Fem­i­nis­mus? Nein, gegen den Begriff hat nie­mand etwas, nur gegen Geschlechter- statt Kom­pe­ten­zquoten, aber das kann man ja mal ver­wech­seln, wenn man sich schon “Spack­e­ria” nen­nt. Wobei, nur wenige Sätze später, es heißt:

Für einige ist Fem­i­nis­mus syn­onym mit Quote.

Unter anderem anscheinend für einen Teil der Autorin, der andere Teil der Autorin hat es ver­standen, behauptet er; oder behauptet es der andere? (Ihr merkt, liebe Leser: Texte von Julia Schramm zu ver­ste­hen ist nicht leicht.)

Während nun der Pirat­en-Nerd zum so ver­has­sten Inter­ne­taus­druck­er beim The­ma Fem­i­nis­mus wird, mutieren die durch­schnit­tlichen Fem­i­nistIn­nen zum Nerd und beschimpfen den Pirat­en-Nerd für den ekla­tant unin­formierten Umgang mit fem­i­nis­tis­chen Begrif­f­en und dem dazuge­höri­gen Denken.

Diesen Satz musste ich dreimal lesen. Wer schafft weniger? — Der Nerd also wird zum Anti­nerd und der/die/das Feminist/in/num zum Nerd, wenn es um Fem­i­nis­mus geht; bedeutet das im Umkehrschluss, dass die Nicht­pi­raten­nerds von allem außer Fem­i­nis­mus keinen Schim­mer haben? Bedeutet das über­haupt irgen­det­was?

Ich habe es immer noch nicht geschafft, besagten Text zu Ende zu lesen, ohne vol­lends den Faden zu ver­lieren. Hat es jemand geschafft und kann mir kurz die Ver­mu­tung bestäti­gen, dass der Text kein­er­lei weit­ere Infor­ma­tio­nen enthält?

Weit­er unten — das fiel mir beim Über­fliegen auf — schrieb Julia Schramm dies:

Denn nur über Exk­lu­sivwis­sen und gemein­sames Han­deln wird die so lang ersehnte Inklu­sion vol­l­zo­gen, die so viel gutes Gefühl, ja Anerken­nung ver­mit­telt.

Vielle­icht schreibt man als Mit­glied der Spack­e­ria seine Veröf­fentlichun­gen ja deshalb immer so, dass kein­er, der nicht aus dem gle­ichen Wis­sens­fun­dus schöpft, noch ver­ste­ht, worum es eigentlich geht: Dies gewährleis­tet eine Exk­lu­siv­ität der eige­nen Inter­essens­ge­mein­schaft, denn die Ein­stiegshürde, näm­lich das nötige Abstrak­tionsver­mö­gen, um den Sinn zu erken­nen, erscheint für Außen­ste­hende unüber­wind­bar.

Mein Kopf tut weh, ich mach’ die Augen zu… (Nena)