Als Angestellter im öffentlichen Dienst erlebt man so manche Überraschung.
Heute zum Beispiel erreichte mich neben dem gewohnten Informationsmaterial betreffs meiner Arbeitszeitvergütung auch ein Brief der niedersächsischen Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration (Männer interessieren eben niemanden), die treffenderweise Aygül Özkan heißt und somit für mindestens zwei ihrer fünf Ämter sogar ein wenig Fachkompetenz besitzen dürfte, in welchem sie — oder einer ihrer Bediensteten — mich bat, an einer Umfrage teilzunehmen. Den Brief habe ich im Dienst der Transparenz und der Information meiner Leser im Folgenden einmal kopiert und die bemerkenswerten Stellen hervorgehoben:
Es geht also in Kurzform darum, dass Frau Özkan im öffentlichen Dienst ihresgleichen vermisst. Etwa 17 Prozent der Niedersachsen sind nicht von hier, und da man im Amt für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration offenbar gerade die genauen Zahlen nicht finden kann, hat man dort beschlossen, einmal herumzufragen, ob diese Zahl sich auch im Verhältnis der vom Land Beschäftigten wiederfinden lässt. Bei ungefähr 17 Prozent “betroffenen” Niedersachsen ist es doch sicher möglich, eine Migrantenquote von min-des-tens 50 Prozent hinzubekommen, sofern das nicht mit der Frauenquote kollidiert. Besonders gern gesehen sind also, wahrscheinlich, behinderte weibliche Migranten; Verzeihung, es muss natürlich “behinderte weibliche Migrant/-innen” heißen. Kompetenz ist, wie üblich, zweitrangig. (Nur, falls sich noch jemand wundert, wieso niedersächsische Behörden nicht für ihre Effizienz bekannt sind.)
Warum ich das Anschreiben in der heutigen, zum Nachteil einheimischer Männer “politisch (und sexistisch) korrekten” Zeit überhaupt für erwähnenswert halte, erklärt die zweite Seite desselben:
Denn warum sollte man im öffentlichen Dienst auch arbeiten, wenn man stattdessen Umfragen ausfüllen kann? Sicher, “10 bis 15 Minuten” klingt nicht nach viel Verlust, aber man sollte nicht vergessen, dass nicht jeder von der Bedienung des Internets allzu viel Ahnung hat, so dass es auch etwas länger dauern kann. Die erwähnte Internetseite wird etwas konkreter und erwähnt neben dem Umstand, dass außer der Herkunft auch das Geschlecht und das Alter sehr wichtig sind, wenn man im öffentlichen Dienst zukünftig einen Arbeitsplatz bekommen möchte, auch dieses Detail:
Insgesamt werden rund 222.000 Bedienstete gebeten, bis zum 20. Januar 2012 Auskunft über ihren möglichen Migrationshintergrund und ihr Beschäftigungs-verhältnis zu geben sowie einige zusätzliche Angaben zu machen.
- Rund 222.000 Bedienstete werden offiziell dazu aufgerufen, durchschnittlich 15 Minuten ihrer Arbeitszeit damit zu verbringen, dem Ministerium ihre Person zu erläutern; klar: Woher sollte so ein Ministerium auch wissen, wer im Dienst des Landes steht? Das macht nach Adam Riese und calc.exe 3,3 Millionen Minuten, 55.500 Stunden oder 2.312,5 Tage (das sind einige Jahre), die auf Kosten des Steuerzahlers erwünscht verplempert werden.
- Rund 222.000 Ausfertigungen vorliegenden Schreibens kosten den Steuerzahler nach den üblichen Briefbeförderungspreisen insgesamt über 122.000 Euro.
Und das alles, nur noch einmal zur Erinnerung, nur, weil Frau Özkans Ministerium der Meinung ist, Migranten seien unabhängig von ihrer fachlichen Kompetenz oder sonstigen Qualitäten bei der Vergabe von Arbeitsplätzen zu bevorzugen. Arbeitslose Deutsche gibt es eben noch nicht genug — als Ministerin für Soziales weiß man so etwas ja meist.
“Auch lesbische schwarze Behinderte können ätzend sein.”
— Die Toten Hosen
(Für eifrige Leser: Wer alle Grammatikschnitzer in obigem Anschreiben findet, bekommt ein virtuelles Schulterklopfen von mir.)




Du hast vergessen, dass der ganze Scheiß am Ende auch ausgewertet werden muss. Das kostet auch nochmal ordentlich Steuergelder.
Aber gut, bevor man Langeweile bekommt, denkt man sich halt solche Befragungen aus.
Nein, nicht vergessen, unterschlagen. Es ist eine Onlineumfrage, da muss nur jemand ein Knöpfchen drücken. Was die dann allerdings mit den Ergebnissen anstellen, hängt vermutlich ohnehin nicht davon ab, wie sie ausfallen. 2012 wissen wir mehr,
also 1. habe ich nun gar keinen Respekt mehr vor dir, weil Beamter.
2. 55.500 Stunden…soso, wieviel bekommt ein Beamter als Stundenlohn? Die kosten für die Umfrage besteht also nicht nur aus Post, Porto sowie Endauswertung sondern auch aus der Zeit die die Beamten nicht fürs Volks arbeiten und somit ein Verlust darstellen (was sie ja allerdings sowieso rund um die Uhr sind).
Ich bin kein Beamter, ich bin im öffentlichen Dienst tätig. Als Beamter ginge es mir finanziell nicht schlecht, nehme ich an.
Du als Beamter…alleine die Vorstellung lässt mich würgen.
Weshalb dies?
Ich verweise auf meinen bisher von Dir nur zaghaft bestrittenen Eindruck: http://dietmarjanowski.bplaced.net/wordpress/?p=9265&cpage=1#comment-4771
Ich erkenne keinen Zusammenhang.
Dafür kann ich ja nichts.
Ich erhalte übrigens keine Emailbenachrichtigungen über neue Kommentare von Dir.
Ich schon, also ist es wohl noch intakt.
Wieder nichts erhalten. Nichts ist intakt.
Ich unterstelle, die Schuld liegt bei dir.
Ansonsten strebe ich gerade einen Wechsel des Anbieters an; das wird aber nicht vor Februar passieren.
Dich nimmt doch keiner.
Im Spamordner ist nichts.
Ich habe bereits einen neuen gefunden.
Einen Spamordner?
Einen, der mich nimmt.
Eine oder einen?
Einen. Anbieter.
um mal ein bisschen zu klugscheißen: das zitat ist fälschlicherweise den toten hosen zugeordnet, die das stück allerdings von funny van dannen gecovert haben.
Oh, das Original kannte ich nicht, danke