Netzfundstücke
Kurz verlinkt LXXII: Wecker für Frauen, Links für Rechte, Kultur für Einwohner der USA

Es ist schon Mitte Dezem­ber, und ihr wisst immer noch nicht, was ihr ein­er Frau eur­er Wahl schenken kön­ntet? Wie wäre es mit einem Vagi­nal­weck­er?

(via @IndigoDeLucca)


Von der klassenkämpferisch linken “taz” kann man hal­ten, was man möchte; über diese Bil­dun­ter­schrift musste ich dann doch ein wenig schmun­zeln:

(via @Weltregierung)


Dass sich US-Amerikan­er mitunter ziem­lich unbri­tisch benehmen, dass sie mit Waf­fen nicht umge­hen kön­nen, die englis­che Sprache ver­hun­zen und über­wiegend von Geografie keinen blassen Schim­mer haben, ist bekan­nt. Die Lösung ist ganz ein­fach: Man gliedere die USA wieder in den Herrschafts­bere­ich Großbri­tan­niens ein, und schon sind diese Prob­leme beseit­igt.

The let­ter U will be rein­stat­ed in words such as ‘favour’ and ‘neigh­bour’; skip­ping the let­ter U is noth­ing more than lazi­ness on your part. Like­wise, you will learn to spell ‘dough­nut’ with­out skip­ping half the let­ters.

(…)

The 2.15% of you who are aware that there is a world out­side your bor­ders may have noticed that no one else plays ‘Amer­i­can foot­ball’. You will no longer be allowed to play it, and should instead play prop­er foot­ball.

Großar­tige Lek­türe!

Fotografie
Ladies Night

Nein, Welt­geist, wie sub­til du heute wieder bist:

Eige­nar­tiger­weise haben wir heute, zwei Tage nach dem 10. Dezem­ber, sowohl den Wel­tun­ter­gang als auch die Ladies Night über­lebt. Ich bin mir noch nicht ganz sich­er, was davon mich mehr über­raschen sollte.

Sonstiges
Skandal: Justin Bieber nackt!

Wahrschein­lich jeden­falls, wenn er duscht. Da ich aber nun eure Aufmerk­samkeit habe, ihr per­versen Schweinchen von der Boule­vard­presse, hoffe ich, ihr verzei­ht mir diese List, denn ich hätte da mal ein paar Fra­gen an euch:

  1. Was ist eigentlich mit EHEC passiert? Sind die Erreger in den war­men Süden geflo­gen oder an eur­er Nicht­beach­tung zugrunde gegan­gen?
  2. Wur­den die für den Staat­stro­jan­er Ver­ant­wortlichen inzwis­chen zur Rechen­schaft gezo­gen oder hat dieses Ver­brechen am deutschen Volke mit der vorüberge­hen­den Aus­set­zung seines Ein­satzes seinen Nachricht­en­wert für euch ver­loren?
  3. Die Dik­tatur in Weißrus­s­land inter­essiert euch nur, wenn ein­er der Euren darunter lei­den muss, richtig?
  4. Wer­den in der Ukraine nach euren zaghaften Protesten immer noch massen­haft Hunde zu Tode gequält? Falls ja, warum endete eure Berichter­stat­tung darüber schon nach weni­gen Tagen?
  5. Apro­pos Ver­brech­er: Sind die über­führten Kinder­schän­der in den Dien­sten der katholis­chen Kirche mit­tler­weile alle­samt gestor­ben, oder genügt eine Straf­ver­set­zung für augen­blick­liche medi­ale Reha­bil­i­tierung?
  6. Habe ich die Rück­tritts­forderun­gen an den Ver­fas­sungs­feind Hans-Peter Uhl bish­er nur überse­hen, oder arbeit­et ihr noch daran?
  7. Worin, glaubt ihr, liegt der Unter­schied zwis­chen Jour­nal­is­mus und Pop­ulis­mus?

Ich bin schon sehr ges­pan­nt!

Montagsmusik
Die sechs von der Müllabfuhr

Ah, es ist wieder Mon­tag. Eine neue Woche begin­nt. Mit ihr kommt die all­wöchentliche, hochqual­i­ta­tive Musikschau mein­er­seits.

Diese Woche: Warum nicht ein­fach mal wieder YouTube guck­en?

Gestern wurd’ sich drum geris­sen,
heut’ wird’s auf den Müll geschmis­sen.

(Wo wir ger­ade bei Wei­h­nacht­en waren.)

(Mit dem üblichen Dank für die Empfehlung.)

Netzfundstücke
Tochter Zion

Fro­hes Fest:

Wenn Chris­ten trotz min­destens eines Jahrtausends der Pogrome und der Entrech­tung von Juden zum feier­lichen Hohn in der Wei­h­nacht­szeit „Tochter Zion, freue dich“ absin­gen, zeigt sich darin die ganze eiskalte Hirn- und Heil­losigkeit der christlichen Reli­gion.

Denn eigentlich ist es den Schäfchen — den treudoofen Schafen ja auch egal, was sie da eigentlich schief in den Raum kra­kee­len. Alle sin­gen mit, also singe ich mit. Alle jubeln mit, also jubele ich mit. Wie damals bei Goebbels. Die “stille Nacht, heilige Nacht” inter­essiert die Inter­pre­ten nor­maler­weise eben­so wenig wie sie Inter­esse daran haben, dass Kinder­lein zur Krippe kom­men.

Warum sollte man sich anlässlich des Festes der Liebe auch nur über irgen­det­was Gedanken machen wollen?

In den Nachrichten
Klackerdiklack.

Heda, Bahn,

in einem vor­wei­h­nachtlichen Anflug von Kun­den­nähe habt ihr beschlossen, euch zur Abwech­slung mal um das Wohlbefind­en statt nur um die Ver­grätzung eur­er jede eur­er unver­schämten Preis­er­höhun­gen nolens volens akzep­tieren­den und befol­gen­den Klien­tel zu küm­mern. Begin­nen wollt ihr erst ein­mal im Kleinen, näm­lich damit, etwaige Störun­gen der Pas­sagiere nach endlich vol­l­zo­gen­em Fahrtantritt zu ver­hin­dern.

Dabei ver­sucht ihr natür­lich, gewohnt fam­i­lien­fre­undlich vorzuge­hen, und schnappt euch erst ein­mal die weni­gen Übeltäter, die sich über­haupt eine Bah­n­Card 100 leis­ten kön­nen und also zum Teil absichtlich mehr Geld zahlen, um gewisse Vorteile zu genießen. (Bonzen, elende.) Denn was stört eure Kun­den wohl am meis­ten? Richtig: Das Geräusch von Tas­te­nan­schlä­gen.

“Mit Rück­sicht auf andere Reisende wurde die Nutzung von Lap­tops in der Bor­dgas­tronomie ver­boten.” Auch eine Begrün­dung liefert die Bahn mit: “Viele Kun­den fühlen sich durch das Tippgeräusch belästigt.”

Richtig?

Ach, Bah­n­er, nun fahre ich ja ziem­lich regelmäßig mit euren kom­fort­ablen (weiß) und weniger kom­fort­ablen (rot) Zügen durch die Gegend, wenn ger­ade kein Metronom oder ähn­lich lobenswerte Alter­na­tiv­en bere­it­ste­hen, und habe dann zwar sel­ten eine Tas­tatur, wohl aber stets einen Notizblock in der Nähe mein­er vor Geräuschbeläs­ti­gung (und Kaf­fee) schon ganz zit­tri­gen Fin­ger bere­itliegen. Als ein solch­er störungsarmer Teil­nehmer am Pas­sivverkehr möchte ich euch zur geneigten Ver­wen­dung noch einige Dinge nen­nen, die mich an Bah­n­fahrten stören: Stun­den­lang plär­rende Kleinkinder mit über­forderten Müt­tern, alko­holisierte Prekari­er, sich trotz räum­lich­er Nähe nur brül­lend miteinan­der unter­hal­tende Jugendliche, eben­falls recht geräuschvolle Senioren­grup­pen, mobil tele­fonierende Mode­bar­bi­es mit ihrem unter­brechungs­freien Geplap­per, der wider­liche Kaf­fee an Bord eur­er Züge und vor allem eure offenkundi­ge Unfähigkeit (oder Unlust), abzuse­hen­den Ver­spä­tun­gen oder ganzen Zugaus­fällen mit zeit­na­her Bere­it­stel­lung von Ersatz­zü­gen oder wenig­stens ein­er Zeitung und meinetwe­gen auch weit­er­hin wider­lichem Kaf­fee zu begeg­nen; von der Diskrepanz zwis­chen dem Titel “Ser­vicemi­tar­beit­er” und der Ver­füg­barkeit der­er, die ihn tra­gen, mal ganz zu schweigen.

Ihr habt es gut, ihr seid nur sel­ten auf eure Züge angewiesen, und wenn ihr dann doch mal mit ihnen durch die Gegend fahrt, dann immer in eurem eige­nen Abteil, abgeschot­tet vom tat­säch­lichen Geschehen. Den Tag, an dem mich das Geräusch von tip­pen­den Men­schen auf Bah­n­fahrten ern­sthaft echauffiert, werde ich hinge­gen wahrschein­lich nicht mehr erleben. Es ist mir ja beina­he unan­genehm, aber ich muss euch da etwas geste­hen. Und wisst ihr, was?

Ich benei­de euch ein biss­chen darum.

Netzfundstücke
Kurz verlinkt LXXI: Gutes Mobbing, schlechtes Mobbing

Es war ja eigentlich gut gemeint. SchülerVZ, der an jün­gere Men­schen gerichtete Ableger des “sozialen Net­zw­erks” Stu­di­VZ, hat jet­zt eine Bew­er­tungs­funk­tion bekom­men, auf der man andere Teil­nehmer der Plat­tform in “top” oder “flop” kat­e­gorisieren kann.

Selb­stver­ständlich gehen Eltern da auf die Bar­rikaden:

Damit über­schre­it­et SchülerVZ eine Gren­ze, die sie niemals hät­ten über­schre­it­en dür­fen. Hat von denen eigentlich irgend­je­mand Kon­takt zu Jugendlichen? Also im richti­gen Leben jet­zt? Mob­bing ist kein Kava­liers­de­likt. Mob­bing ist eine der schlimm­sten For­men von Gewalt, die im All­t­ag deutsch­er Schulen vorkommt.

Heute abend, wenn sie zu Hause sind, werde ich mich mit meinen (jugendlichen) Söh­nen hin­set­zen und sie wer­den ihre (selb­stver­ständlich ohne­hin inak­tiv­en) Accounts bei SchülerVZ löschen. So einen Dreck wie dieses Pausen­hof­mob­bing mache ich nicht mit, nicht mal pas­siv. Und ich rufe hier und via Twit­ter und Face­book alle Eltern auf, es eben­so zu machen.

Soso, via Face­book. Face­book, wir erin­nern uns, war die Plat­tform, die eben­falls als “Hot or Not?” ange­fan­gen hat.

Ein wenig Geschichte:

22. Sep­tem­ber 2009: Ein 15-jähriges Mäd­chen ist von ein­er Brücke in den Tod gesprun­gen, nach­dem sie monate­lang bei Face­book und MySpace gehänselt wor­den war.

28. April 2010: Ein beson­ders schlim­mer Fall von Face­book-Mob­bing lan­dete bei der Beratungsstelle Safer Inter­net: Drei Jahre lang war Cari­na den Attack­en ihrer Mitschüler aus­ge­set­zt. Mit 13 Jahren musste die Gym­nasi­astin die Schule wech­seln.

14. Feb­ru­ar 2011: Junge bege­ht nach Face­book-Mob­bing Selb­st­mord.

17. Sep­tem­ber 2011: Sie gaben ihrer 12-jähri­gen Tocher fiese Spitz­na­men und posteten Gemein­heit­en bei Face­book — also organ­isierte eine Mut­ter aus New York ein Tre­f­fen der Stre­i­thähne. (…) Doch zur Ver­söh­nung kam es nicht, stattdessen gab es eine wilde Prügelei.

6. Novem­ber 2011: “(…) meine Schwest­er hat mir eben gesagt, dass auf Face­book so ein paar Jungs mein Bild verun­stal­tet haben & nun Cyber­mob­bing machen.”

Bös­es, bös­es SchülerVZ.

NetzfundstückeNerdkrams
“Warum Linux besser ist” oder: PEBKAC!

(Vorbe­merkung: Ich set­ze neben Win­dows auch diverse Lin­uxdis­tri­b­u­tio­nen ein, entsprechende ver­bale Ent­gleisun­gen wer­den ihr Ziel also ver­fehlen.)

Gewün­scht wurde, dass ich mal wieder über Tech­nik und/oder Schnack­seln berichte. Wie es der Zufall so will, kon­fron­tierte man mich heute mit der Inter­net­seite “Warum Lin­ux bess­er ist”, die gar nicht erst ver­sucht, den Anschein zu erweck­en, objek­tiv die Vor- und Nachteile von Lin­ux abzuwä­gen — vielle­icht wäre “Warum ich Win­dows nicht mag” ein besser­er Titel. Vor­sicht: Ohne parat liegende Brechtüte sollte kein Klick erfol­gen.

Anstelle har­ter Fak­ten find­et man dort näm­lich zuvörder­st viele schöne bunte Bild­chen, die wohl von ihrer Inhalt­sleere ablenken sollen. Ins­ge­samt hat der Autor 27 The­sen zusam­menge­tra­gen, warum Lin­ux “bess­er” — als Win­dows — sein soll, wahrschein­lich, weil ihm partout keine 27 Unter­schiede zwis­chen Äpfeln und Bir­nen ein­fall­en woll­ten, aber auch eine Samm­lung von “FAQ für den Lin­ux-Geek” zusam­mengestellt, in der er unter anderem bekun­det, er selb­st habe nicht viel Ahnung von Lin­ux. So viel sei schon ein­mal ver­rat­en: Von Win­dows anscheinend auch nicht. ‘“Warum Lin­ux bess­er ist” oder: PEBKAC!’ weit­er­lesen »

Spaß mit Spam
Herzlichen Gl�ckwunsch Gewinner

Oh, was will denn die “Lote­ria Nacional” mit der täuschend echt ausse­hen­den E‑Mail-Adresse HilegESp23@wyf62j7a5.homepage.t‑online.de von mir?

Sie haben gewon­nen, fьr weit­ere Infor­ma­tio­nen rufen Sie

Ja, das ist der ganze Text. So sehr ich aber auch rufe, nichts geschieht.

Ah, jet­zt sehe ich es, die Mail geht ja noch weit­er.
Ange­hängt ist eine .zip-Datei. Enthal­ten ist eine .doc-Datei, in der ste­ht:

Wir sind erfreut, Sie zu informieren, das Sie ein gluck­lich­er Gewin­ner vom inter­na­tionalem Euro Mil­lion Spiel­pro­gramms sind, das am 09/11/2011, abge­hal­ten wurde.

Ich habe eine Mil­lion Spiel­pro­gramme gewon­nen?

Wir Sind sehr gluck­lich Sie ALS einen der Gewin­ner zu benachrichti­gen das Ihr Name mit der Kartense­ri­en­num­mer ubere­in­stimmte: 134–03650116-211 und die Stempfelzahl: 51225–0 gekauft durch Ihren Bear­beitungsagen­ten von den Kosten von zwei Euro, hat fol­glich den Preis in der 2. Kat­e­gorie mit den Gewinn­zahlen: 04–18-32–40-46+06:07.gewonnen Wir Entschuldigun­gen für die späte benachrich­ti­gung, da es zu Ver­wech­slun­gen von Namen und Adressen kam..

Dass ich einen Bear­beitungsagen­ten habe, wusste ich noch nicht. Das klingt auch ein biss­chen nach Stasi. Hof­fentlich will er seine zwei Euro nicht von mir ein­treiben, das wird erfahrungs­gemäß teuer.

Aber Sie sind für einen Pauschal­be­trag von €915.810, 00 NEUN HUNDERT FÜNFZEHN TAUSEND ACHTHUNDERT ZEHN EURO in bar aus­ge­sucht wor­den die, Sicher­heit­szahl lautet: EIK-547-K6-75. Dies IST von einem gesamt Geld­preis von 15.568.770, 00(FÜNFZEHN MILLIONEN FÜNFHUNDERT ACHTUNDSECHZIG TAUSEND, SIEBENHUNDERT SIEBZIG EURO) war­den geteilt unter den 14 Inter­na­tionalen Gewin­nern in dieser Kat­e­gorie.

15.568.770 geteilt durch 14 sind 1.112.055. Wenn jed­er der 14 Gewin­ner einen Pauschal­beitrag von 915.810 Euro bekommt, würde mich die genaue Gewin­ntabelle ja schon mal inter­essieren. Wobei: Da ste­ht, ich sei für einen Pauschal­beitrag “aus­ge­sucht wor­den”. Muss ich den jet­zt zahlen? Wenn ja: An wen?

Fur Ihren Anspruch bitte Kon­takt zu nehmen mit, DON JUAN PEREZ, Aus­ländis­ch­er Betriebe­m­an­ag­er der CLICK SEGUROS S.A. SPAIN Tel: +34645511480, Fax: +34 911 881 363 Email:clickseguros@aol.com für die Ver­ar­beitung und die Geldüber­weisung von Ihrem siegre­ichem Gewinn.

Mein Gewinn war siegre­ich? Da muss ich ihm gle­ich mor­gen eine Glück­wun­schkarte schreiben. Hof­fentlich erre­icht sie ihn noch rechtzeit­ig!

(…) Und die von Ihnen zu bezahlen­den 10 % Ihres Gewinnes an den Fond Ihres Bear­beitungsagen­ten, nach­dem Sie Ihren Gewinn erhal­ten haben.

An den Fond? Dort, wo seine Rück­bank ste­ht? Ah, ich ver­ste­he: Mein Agent möchte sich von meinem Gewinn ein neues Heck für sein Auto kaufen. Na, dem werde ich was erzählen.

Weit­er gibt es irgen­deine Änderung Ihrer Adresse, informieren Sie Ihren Bear­beitungsagen­ten sobald wie möglich.

Das klingt jet­zt sehr nach Telekom: “Irgend­was hat sich geän­dert, danke fürs Lesen.”
Aber wie informiere ich den Her­rn nun?

Bitte aus­ge­füllt an Ihren Bear­beitungsagen­ten fax­en: +34 911 881 363. Viele Glück­wün­sche noch ein­mal von allen Mitar­beit­ern unser­er Abteilung und wir freuen uns Sie als einen ‚Teil von unserem INTERNATIONALEN BEFÖRDERUNGS PROGRAMMS zu begrussen.

Ah, da ist der Hak­en. Ich besitze kein Faxgerät.

Dann bleibt mir wohl nur das Beförderung­spro­gramm:
Ger­adewegs in den dig­i­tal­en Lokus. Schade eigentlich.

Aber dieser Agent soll mir mal zwis­chen die FIn­ger kom­men!

In den Nachrichten
Heiteres Länderraten

Das ist ja furcht­bar:

Die US-Ratin­ga­gen­tur Stan­dard & Poor’s dro­ht nun mit ein­er Her­ab­stu­fung des Euro-Ret­tungss­chirms EFSF um zwei Stufen von “AAA” auf “AA”. Zuvor hat man Deutsch­land und 14 weit­ere Euro-Staat­en gewarnt.

Oi-oi-oi, das ist wirk­lich schlimm: US-amerikanis­che Ratin­ga­gen­turen ver­brin­gen die let­zten paar Monate anscheinend damit, Schul­noten für europäis­che Län­der und son­stige Insti­tu­tio­nen zu vergeben, die eine unge­fähre Aus­sage darüber darstellen sollen, ob das Bew­ertete nun liq­uide ist oder nicht. Dass Griechen­land auf­grund sein­er enor­men Kaufkraft ger­ade nicht ger­ade ein Fass auf­machen kann, hät­ten wir ohne solche Agen­turen sicher­lich nie ver­standen, denn das andauernde Herumhack­en der “BILD” auf den “Pleite-Griechen” wäre ohne die Her­ab­stu­fung durch die Agen­tur Moody’s wahrschein­lich nie­man­dem über­haupt aufge­fall­en.

Eine andere Lesart lautet so: Da sitzen also ein paar über­bezahlte Quark­nasen in großen, vol­lver­glas­ten Büros in irgen­dein­er teuren Gegend der seit dem Kalten Krieg qua­si expo­nen­ziell weniger finanzs­tarken USA herum, tip­pen die üblichen Berichte der Finanzmin­is­te­rien in ihren Com­put­er ein und bew­erten das Gele­sene von “supigut” bis “kannste abhak­en”. Das kann ich auch, aber ich würde nicht dafür bezahlt.

Dass da schon mal Fehler passieren, etwa die verse­hentliche Her­ab­stu­fung der Bonität Frankre­ichs, ist nicht etwa ein Anlass, keinen Pfif­fer­ling mehr auf die Bew­er­tun­gen jen­er Quark­nasen zu geben, son­dern ein “schw­er­wiegen­der Vor­fall”, der umfan­gre­iche Ermit­tlun­gen und viel Verzwei­flung nach sich zieht. Wenn man eben son­st keine Sor­gen hat.

Über­haupt bin ich wil­lens, die Rel­e­vanz der Ratin­ga­gen­turen mit dem eben­falls ziem­lich blödsin­ni­gen “ifo-Geschäft­skli­main­dex” zu ver­gle­ichen: Jeden Monat fragt das ifo-Insti­tut Unternehmen nach ihren Erwartun­gen für kom­mende Geschäfte und tippt das in Com­put­er ein, die das dann in Zahlen umwan­deln, die aus irgen­deinem Grund anscheinend irgend­je­man­den inter­essieren. Nun bin ich in Sachen Finanzwirtschaft unge­fähr so beflis­sen wie Hel­mut Schmidt im Nich­trauch­er­schutz und kön­nte mich also gewaltig irren, aber wenn ich jet­zt zum Beispiel bei Volk­swa­gen anrufe und frage, ob man bis Ende des Jahres eher mit Gewinn oder mit Ver­lust rech­net, dann ist die eventuelle Antwort genau so aus­sagekräftig wie der Wet­ter­bericht: Kann stim­men, muss aber nicht.

Es muss kein Zufall sein, dass die Ratin­ga­gen­turen aus den USA jet­zt ger­ade den Euro auf dem Kiek­er haben, behauptet Dr. Paul Craig Roberts:

Aus sein­er Sicht han­delte es sich um eine fein abges­timmte Aktion seit­ens des US-Finanzmin­is­teri­ums, der Europäis­chen Zen­tral­bank (EZB), EU-Behör­den und der pri­vat­en Banken, die faule Staatss­chulden in ihren Büch­ern führen. Sie wollen Deutsch­land in die Knie zwin­gen und dazu brin­gen, den Wider­stand gegen das Anwer­fen der Geld-Druck­mas­chine seit­ens der EZB aufzugeben. Damit soll das Über­greifen der europäis­chen Staatss­chuldenkrise auf die USA ver­hin­dert wer­den, was anson­sten wohl die Chan­cen von Präsi­dent Barack Oba­ma auf Wieder­wahl bei den Wahlen im näch­sten Jahr ver­min­dern würde.

In den USA hat man ja auch derzeit keinen Grund zur Sorge, alles läuft bestens, die Bankiers bekom­men wieder großzügige Bonuszahlun­gen für ihr “Engage­ment” und auch son­st hat man keine große Lust darauf, sich von so etwas wie ein­er Finanzkrise, an der man, wie schon 1929, nicht ganz unschuldig war, irgend­wie bee­in­flussen zu lassen:

Amerikanis­che Inve­storen zeigen sich unbeein­druckt von der Dro­hung der Ratin­ga­gen­tur Stan­dard and Poor’s (S&P), Län­der der Euro-Zone her­abzustufen.

“Die USA wer­den wohl kaum vor­erst größer auf die Dro­hung der US-Ratin­ga­gen­tur reagieren,” sagte Händler Markus Huber von ETX Cap­i­tal der FTD. “Die Amerikan­er konzen­tri­eren sich derzeit auf das Wei­h­nachts­geschäft. Der Wirtschaft geht es bess­er als erwartet.”

Käpt’n Offen­sichtlich ist anscheinend aus dem Urlaub zurück.

Putzig finde ich übri­gens den Hin­weis, man habe Euro-Staat­en zuvor vor der Her­ab­stu­fung “gewarnt”. Wäre ich ein Euro-Staat, ich krümmte mich angesichts der Aus­sicht darauf, mein “supigut” von irgen­dein­er Horde Pri­vatleute ohne beson­dere Priv­i­legien in ein “fast supigut” umge­wan­delt zu bekom­men, ver­mut­lich vor Lachen am Boden, aber ich bin kein Euro-Staat. Die Euro-Staat­en, die Euro-Staat­en sind, krüm­men sich aber nicht vor Lachen am Boden, son­dern laufen wie aufgeschreck­te Hüh­n­er durch die Gegend und find­en es nicht etwa voll dolle schlimm, dass ihre finanzielle Lage nicht rosig ist, son­dern, dass eine fiese, gemeine Ratin­ga­gen­tur dafür auch noch eine schlechte Note vergibt.

Ein Gutes haben diese Agen­turen jeden­falls an sich: Je mehr sie mit ihrem Quatsch beschäftigt sind, desto weniger Leute, die dort angestellt sind, sitzen arbeit­s­los auf der Straße herum und saufen sich ins Koma. Dafür kann man sie gar nicht genug loben.

(Danke an L.!)

Politik
Dauernd beschäftigt mit Hans-Peter Uhl

Hans-Peter Uhl, innen­poli­tis­ch­er Sprech­er der Frak­tion der CDU/CSU im Bun­destag, gab laut heutiger “Braun­schweiger Zeitung” zum The­ma NPD-Ver­bot zu Pro­tokoll:

[D]er Kampf gegen extrem­istis­chen Wahn bleibt eine Dauer­auf­gabe.

Extrem­istis­ch­er Wahn ist p.d. ein Zus­tand, der sich gegen die frei­heitlich-demokratis­che Grun­dord­nung richtet. Diese frei­heitlich-demokratis­che (auch: frei­heitliche demokratis­che) Grun­dord­nung hat das Bun­desver­fas­sungs­gericht bere­its 1952 fol­gen­der­maßen definiert:

Frei­heitliche demokratis­che Grun­dord­nung im Sinne des Art. 21 II GG ist eine Ord­nung, die unter Auss­chluß jeglich­er Gewalt und Willkürherrschaft eine rechtsstaatliche Herrschaft­sor­d­nung auf der Grund­lage der Selb­st­bes­tim­mung des Volkes nach dem Willen der jew­eili­gen Mehrheit und der Frei­heit und Gle­ich­heit darstellt.

In anderen Worten: Die frei­heitlich-demokratis­che Grun­dord­nung besagt, dass die Regieren­den nach der Pfeife des Wahlvolkes zu tanzen und sich an die Spiel­regeln zu hal­ten haben.

Anfang 2010 hat das Bun­desver­fas­sungs­gericht (die haben wohl viel zu tun dort) verkün­det:

Die Massen-Spe­icherung von Tele­fon- und Inter­net­dat­en zur Strafver­fol­gung ist unzuläs­sig. Das Bun­desver­fas­sungs­gericht in Karl­sruhe entsch­ied, dass die Vor­rats­daten­spe­icherung gegen die Ver­fas­sung ver­stößt.

Im Juli 2011 schwadronierte Herr Uhl unbeir­rt daher:

Im Vor­feld muss die Überwachung von Inter­netverkehr und Tele­fonge­sprächen möglich sein. Nur wenn die Ermit­tler die Kom­mu­nika­tion bei der Pla­nung von Anschlä­gen ver­fol­gen kön­nen, kön­nen sie solche Tat­en vere­it­eln und Men­schen schützen.

Anlässlich der Tat­en des “nation­al­sozial­is­tis­chen Unter­grun­des” insistierte er im Novem­ber 2011:

“Die ganze Repub­lik rät­selt, wie groß der braune Sumpf in Deutsch­land ist”, sagte der CSU-Poli­tik­er der Neuen Osnabrück­er Zeitung. Ohne Inter­net- und Tele­fon­verbindungs­dat­en der Mit­glieder der recht­sradikalen Zelle dürfte das schw­er zu klären sein. Der Bay­er appel­lierte an den Koali­tion­spart­ner FDP, seinen Wider­stand gegen die Vor­rats­daten­spe­icherung aufzugeben.

Im Sinne von Hans-Peter Uhl bleibt da nur noch eines: Auf in den Kampf!
Er bleibt eine Dauer­auf­gabe.

Spaß mit Spam
Deine prikelnd heisse Zone

Prick­el­nd wie son­st nur “Merkozy” — da sieht selb­st Car­la Bruni alt aus, Alter — ist dann auch die HTML-for­matierte Müll­mail, die mich heute erre­ichte und die außer dem üblichen Werbeschmonzes einen bemerkenswerten Auf­mach­er bein­hal­tet:

Dass das männliche Mod­ell auf mich eher wie die Inkar­na­tion eines Homo­sex­uellen-Klis­chees (und wie der eine Vam­pir da aus “Twi­light”) wirkt, ist nicht ein­mal der primär inter­es­sante Aspekt an diesem Auss­chnitt. Erwäh­nenswert­er ist der Text rechts daneben:

Deine pri­vate erotik Zone!

Total pri­vat; so pri­vat, dass die ersten tausend kosten­los reinkom­men. Meine pri­vate Erotik­zone war bis­lang eigentlich vor solchem Zulauf gefeit, allerd­ings wird sie auch nicht in mir bekan­nten Massen­mails bewor­ben. (Schade eigentlich.)

Gle­ich nach dem Anmelden wer­den dir deine gewün­scht­en Part­ner vorgestellt ohne lange zu suchen.

Ein­mal abge­se­hen davon, dass ich unter “einan­der vorstellen” in all mein­er rück­ständi­gen Spießigkeit dann doch etwas anderes ver­ste­he als “guck Bild, guck Tit­ten, jetz fick­en!”, ist das ganze Anliegen frag­würdig: Man möchte mir gern den Schrägstrich die gewün­scht­en Part­ner — woher auch immer man den Schrägstrich die “gle­ich nach dem Anmelden” ken­nen oder ermit­teln kön­nen soll — vorstellen, ohne lange zu suchen; also mir qua­si den erst­besten Schrott andrehen und ver­suchen, ihn mir bei eher ver­hal­tenem Inter­esse schönzure­den, oder wie?

Da kann ich auch in’ne Dis­co gehen.

Kreiere deine prikel­nd heisse Zone!

So sehr ich das lei­der aus der Mode ger­atene Wort “kreieren” auch schätze: Wenn etwas so heiß ist, dass es prick­elt, sollte man sich schle­u­nigst davon ent­fer­nen, denn son­st gibt es nach­haltige Ver­bren­nun­gen, die man nicht mit viel gutem Zure­den wieder loswird. Wer das nicht glaubt, der darf gern mal mit den Fin­gern in kochend heißem Wass­er rühren, bis die Nudeln gar sind.

Viel Glück!

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Blumfeld — Die Diktatur der Angepassten

Der ehe­mals grüne Josch­ka Fis­ch­er erk­lärt Krieg dann mal eben zur Josch­ka- statt Chef­sache:

Für Fis­ch­er ver­spricht das näch­ste Jahr nur fol­gende Optio­nen:

Krieg oder Nuk­lear­ma­cht Iran? Oder eine dur­chaus real­is­tis­che andere Vari­ante: Krieg und dann Nuk­lear­ma­cht Iran?”

Na Haupt­sache Krieg. Dass die Alter­na­tivlosigkeit des Bombens und Mor­dens durch den Auf­stieg Irans zur Atom­macht ger­ade eben durch­brochen sein kön­nte und unbe­d­ingt das Gegen­teil erfordert, sollte man doch meinen. Oder ist der Atom­krieg inzwis­chen eine Option unter anderen?

Die Medi­en helfen ihnen beim Dumm­sein, ein stark­er Staat hil­ft ihnen beim Stumm­sein…

14 — Blum­feld — Die Dik­tatur der Angepassten

In den Nachrichten
Kurz verlinkt LXX: Polizist sein macht Spaß, Kinder!

Achjeh:

Statt seinen vollen Namen zu nen­nen, springt Polizei­haupt­meis­ter W. aus dem Streifen­wa­gen und rammt Mar­ti­na S. unver­mit­telt seine Faust in den Bauch, dann greift er nach ihrem Arm, nimmt sie in den Polizeigriff und drückt ihren Kopf auf den Motorhaube. Die Hand­schellen klick­en. “Wegen Behin­derung der Polizeiar­beit”, schnaubt er.

(…)

Vor der Polizei­di­en­st­stelle erk­lärt die Frau den bei­den Polizis­ten, dass sie so lange im Fahrzeug warten werde, bis ihr Mann angekom­men sei. “Ich wollte sicherge­hen, dass noch eine weit­ere Per­son von dem Ver­hal­ten der Polizeibeamten Ken­nt­nis hat.” Haupt­meis­ter W. blafft: “Ich entschei­de, was hier geschieht”, und packt Mar­ti­na F. an den Haaren. Sie stolpert aus dem Auto. W. schleift sie mehrere Meter über den Boden.

(…)

Polizei­haupt­meis­ter W. (…) ste­ht schon wenige Tage später vor Hun­derten Schulkindern und erk­lärt, wieso er gerne Polizist sei: Es sei ein abso­lut span­nen­der Beruf. Jed­er Tag bringe etwas Neues.

Recht und Ord­nung, ein span­nen­der Beruf; und mit Schwächeren prügeln kön­nt ihr euch auch! Ist das nicht ein­fach fabel­haft?
(Die Reak­tion der Schulkinder ist nicht über­liefert.)

Fotografie
Wintertees’s

“Guck mal, Mami, ganz viele Teee!” — “Das heißt Tees’s, mein Kind!”

(Abt.: “Das schreibt man heute so.” und “Irgend­wo kam doch da ein s hin?”)

Nur für kurze Zeit, danach gibt es wieder Tees.