Eines der weniger ruhmreichen Kapitel in meinem Leben ist meine Konfession.
Ich gestehe, ich stamme aus einer überwiegend katholischen Familie. Gerade die Familie eines meiner Elternteile ist traditionell römisch-katholisch getauft und bis zur vorletzten Generation durchaus auch noch heute kirchlich rege aktiv, und so wurde auch ich katholisch getauft, ohne, dass mich jemand um mein Einverständnis gebeten hätte. Meinem Großvater zuliebe verbrachte auch ich in Kindheit und früher Jugend einige Zeit damit, der Kirche zu dienen; die Bedeutung des Wortes “dienen” war mir damals schlicht nicht bewusst, ich hielt das für etwas, was man halt so sagt, und so empfand ich es auch. Aus ähnlichem Grund nahm ich an Erstkommunion und Firmung teil. Dem hinzu kam der Aspekt, dass man das eben so machte, ob man nun die Wiederkunft des HErrn erwartete oder nicht. Katholisch getauft worden zu sein hieß für mich, sich auch firmen lassen zu müssen. Vielleicht lag es auch an den Geldgeschenken, die mich erwarteten.
Unter anderem wohl dem evangelischen anderen Elternteil und seiner Aversion gegen von Leuten, die sich außerhalb eines Kirchenhauses für christliche Gebote nur für einen Teil der zehn Gebote interessieren, vorgeschobenes Christentum ist es zu verdanken, dass sich mit der Zeit die ratio durchsetzen konnte und ich begann, meinen Einsatz für die katholische Kirche auf ein Minimum zu reduzieren, indem ich die Kirche nur noch in Ausnahmefällen betrat und mich auch dann den römisch-katholischen Leibesübungen (Aufstehen, Hinsetzen, Hinknien, Hinsetzen, Aufstehen, Hinsetzen, rauf, runter, rein, raus) entzog; nein, ich korrigiere mich — “rein, raus” war damals nicht an der Tagesordnung.
Wenn also irgendwann der Verstand einsetzt und man bemerkt, dass das, wofür man sich für Jahre seines Lebens (zeitweise halbherzig) eingesetzt hat, ethisch nicht mehr dem eigenen Weltbild entspricht, muss — nicht nur sollte — man, um sich selbst nicht zu belügen, die Konsequenzen ziehen. Ich bewundere Menschen, die trotz allem weiterhin an Weihnachten, Ostern oder Neujahr aus Prinzip in die Kirche gehen, für diese Fähigkeit. Ich habe sie längst verloren.
Der Zufall hat mich bisher davor bewahrt, die Kirchensteuer entrichten zu müssen. Ich hatte mir fest vorgenommen, den Austritt, im Geiste vor Jahren erfolgt, bald auch formell vorzunehmen, bevor sich dieser Zustand ändert. Ein Austritt, immerhin, kostet aus unerfindlichem Grund Verwaltungsgebühren, also eilte es bislang nicht. Nicht einmal die, wie erst später bekannt wurde, erstaunliche Häufung von Kinderfickern inmitten der Bediensteten dieser Sekte — das ist sicher, wie bei der “christlich-demokratischen” Union, nur Zufall — konnte für mich persönlich diesen Schritt beschleunigen.
Nun begab es sich, dass ein naher Verwandter nach langer Krankheit, also keinesfalls überraschend, abnippelte verstarb. Heute wohnte ich dem Trauergottesdienst bei, dem eine Trauerfeier folgen sollte, aber feierlich war mir nicht mehr zumute. So ein Trauergottesdienst unterscheidet sich ja von allen anderen Gottesdiensten offenbar nur darin, dass der Name des Toten während der Eucharistie genannt wird, und dann bittesehr weiter zur Tagesordnung.
Die besteht dann darin, dass man den Herrn lobt und preist und ihm selbstverständlich für seine guten Taten dankt. Dass sich niemand vernehmlich zu räuspern erlaubt, wenn zum Auszug des Priesters am Ende der Trauerveranstaltung die anwesende Schar an Menschen, ob nun eigentlich katholisch oder evangelisch oder buddhistisch oder satanistisch oder apathisch, im Chor ein altes Kirchenlied rezitiert, in dem es heißt:
Großer Gott, wir loben dich,
Herr, wir preisen deine Stärke,
vor dir beugt die Erde sich
und bewundert deine Werke.(…)
Alle Tage wollen wir
dich und deinen Namen preisen
und zu allen Zeiten dir
Ehre, Lob und Dank erweisen.
…, fühlt sich zwar für die Anwesenden vielleicht mystisch und tief gläubig an, aber es ist selbst für mich eine Spur zu zynisch.
Katholikenpack, beschämendes!
Eurem widerwärtigen Haufen kündige ich hiermit das letzte kümmerliche bisschen Freundschaft, das ihr noch nicht verspielt hattet. Möge ein gerechtes höheres Wesen euch lieber früher als später im Fegefeuer brennen lassen.
Arschlöcher.

Meine Konfirmation war Ausdruck meiner Habgier. Danach bin ich aus der Kirche, bevor ich Steuern zahlen musste, ausgetreten.
DIe Habgier verfolgt dich aber bis heute.
Ja. Mehr denn je.
Berufskrankheit, schätze ich.
Mach et, Ratze!
Was genau?
Ratzen,
Na dann — gute Nacht, Deutschland.
Gute Nacht, Bürger.
Würger?
Versteh das Problem mit dem LIed nicht (gibts übrigens auch bei den Evangelen…). Wer kann schon wissen, ob der Mensch, der einem gegenübersteht wirklich katholisch, buddhistisch oder pastafarisch glaubt? Man geht halt davon aus, daß der, der zum Gottesdienst kommt, irgendwas mit dem fraglichen Gott zu tun hat, so wie man davon ausgeht daß der, der ins Stadion geht, sich für Fußball interessiert. Wobei man beim Stadion immer zahlen muß, am Kircheneingang aber niemand seine Lohnsteuerkarte vorzeigen muß.
Das Problem ist, dass es nach dem Tod eines nahen Verwandten nicht viel zu loben gibt, hm?
Achso, ja Du glaubst nicht dran. Ja, dann nicht.
Wofür soll ich ihn loben?
Du sollst gar nichts, auch nicht loben, zumal Du ja nicht mal dran glaubst.
@.tux
Du solltest (trotz horrender Gebühr) aus der Kirche austreten, sonst kommen die in 20 Jahren auf dich zu und wollen alles Gels auf einmal — das wird dann richtig teuer.
Kleiner Trost: Die Gebühr für den Kirchenaustritt geht an die Gemeinde — da sieht die Kirche nichts von.
Ich weiß. Schwacher Trost jedoch!
Und Nochwas:
Solange du in der Kirche bist, nehmen die dich für ihre Zwecke als Geisel.
Dann heißt es immer: xxxMillionen Menschen hier im Land stehen hinter uns und wollen das, was wir wollen.
Da ist es nicht schön wenn die Zahl durch einen Selbst höher wird*.
*Der eigene Austritt bringt als solcher natürlich nicht viel, aber wenn jeder denkt “Mein Austritt bringt eh nichts”…
Das ist wie beim Wählen.