Persönliches
Wo ein Aas ist, da sam­meln sich die Gei­er. (Mat­thä­us 24,28)

Eines der weni­ger ruhm­rei­chen Kapi­tel in mei­nem Leben ist mei­ne Kon­fes­si­on.

Ich geste­he, ich stam­me aus einer über­wie­gend katho­li­schen Fami­lie. Gera­de die Fami­lie eines mei­ner Eltern­tei­le ist tra­di­tio­nell römisch-katho­lisch getauft und bis zur vor­letz­ten Gene­ra­ti­on durch­aus auch noch heu­te kirch­lich rege aktiv, und so wur­de auch ich katho­lisch getauft, ohne, dass mich jemand um mein Ein­ver­ständ­nis gebe­ten hät­te. Mei­nem Groß­va­ter zulie­be ver­brach­te auch ich in Kind­heit und frü­her Jugend eini­ge Zeit damit, der Kir­che zu die­nen; die Bedeu­tung des Wor­tes „die­nen“ war mir damals schlicht nicht bewusst, ich hielt das für etwas, was man halt so sagt, und so emp­fand ich es auch. Aus ähn­li­chem Grund nahm ich an Erst­kom­mu­ni­on und Fir­mung teil. Dem hin­zu kam der Aspekt, dass man das eben so mach­te, ob man nun die Wie­der­kunft des HErrn erwar­te­te oder nicht. Katho­lisch getauft wor­den zu sein hieß für mich, sich auch fir­men las­sen zu müs­sen. Viel­leicht lag es auch an den Geld­ge­schen­ken, die mich erwar­te­ten.

Unter ande­rem wohl dem evan­ge­li­schen ande­ren Eltern­teil und sei­ner Aver­si­on gegen von Leu­ten, die sich außer­halb eines Kir­chen­hau­ses für christ­li­che Gebo­te nur für einen Teil der zehn Gebo­te inter­es­sie­ren, vor­ge­scho­be­nes Chri­sten­tum ist es zu ver­dan­ken, dass sich mit der Zeit die ratio durch­set­zen konn­te und ich begann, mei­nen Ein­satz für die katho­li­sche Kir­che auf ein Mini­mum zu redu­zie­ren, indem ich die Kir­che nur noch in Aus­nah­me­fäl­len betrat und mich auch dann den römisch-katho­li­schen Lei­bes­übun­gen (Auf­ste­hen, Hin­set­zen, Hin­knien, Hin­set­zen, Auf­ste­hen, Hin­set­zen, rauf, run­ter, rein, raus) ent­zog; nein, ich kor­ri­gie­re mich – „rein, raus“ war damals nicht an der Tages­ord­nung.

Wenn also irgend­wann der Ver­stand ein­setzt und man bemerkt, dass das, wofür man sich für Jah­re sei­nes Lebens (zeit­wei­se halb­her­zig) ein­ge­setzt hat, ethisch nicht mehr dem eige­nen Welt­bild ent­spricht, muss – nicht nur soll­te – man, um sich selbst nicht zu belü­gen, die Kon­se­quen­zen zie­hen. Ich bewun­de­re Men­schen, die trotz allem wei­ter­hin an Weih­nach­ten, Ostern oder Neu­jahr aus Prin­zip in die Kir­che gehen, für die­se Fähig­keit. Ich habe sie längst ver­lo­ren.

Der Zufall hat mich bis­her davor bewahrt, die Kir­chen­steu­er ent­rich­ten zu müs­sen. Ich hat­te mir fest vor­ge­nom­men, den Aus­tritt, im Gei­ste vor Jah­ren erfolgt, bald auch for­mell vor­zu­neh­men, bevor sich die­ser Zustand ändert. Ein Aus­tritt, immer­hin, kostet aus uner­find­li­chem Grund Ver­wal­tungs­ge­büh­ren, also eil­te es bis­lang nicht. Nicht ein­mal die, wie erst spä­ter bekannt wur­de, erstaun­li­che Häu­fung von Kin­der­fickern inmit­ten der Bedien­ste­ten die­ser Sek­te – das ist sicher, wie bei der „christ­lich-demo­kra­ti­schen“ Uni­on, nur Zufall – konn­te für mich per­sön­lich die­sen Schritt beschleu­ni­gen.

Nun begab es sich, dass ein naher Ver­wand­ter nach lan­ger Krank­heit, also kei­nes­falls über­ra­schend, abnip­pel­te ver­starb. Heu­te wohn­te ich dem Trau­er­got­tes­dienst bei, dem eine Trau­er­fei­er fol­gen soll­te, aber fei­er­lich war mir nicht mehr zumu­te. So ein Trau­er­got­tes­dienst unter­schei­det sich ja von allen ande­ren Got­tes­dien­sten offen­bar nur dar­in, dass der Name des Toten wäh­rend der Eucha­ri­stie genannt wird, und dann bit­te­s­ehr wei­ter zur Tages­ord­nung.

Die besteht dann dar­in, dass man den Herrn lobt und preist und ihm selbst­ver­ständ­lich für sei­ne guten Taten dankt. Dass sich nie­mand ver­nehm­lich zu räus­pern erlaubt, wenn zum Aus­zug des Prie­sters am Ende der Trau­er­ver­an­stal­tung die anwe­sen­de Schar an Men­schen, ob nun eigent­lich katho­lisch oder evan­ge­lisch oder bud­dhi­stisch oder sata­ni­stisch oder apa­thisch, im Chor ein altes Kir­chen­lied rezi­tiert, in dem es heißt:

Gro­ßer Gott, wir loben dich,
Herr, wir prei­sen dei­ne Stär­ke,
vor dir beugt die Erde sich
und bewun­dert dei­ne Wer­ke.

(…)

Alle Tage wol­len wir
dich und dei­nen Namen prei­sen
und zu allen Zei­ten dir
Ehre, Lob und Dank erwei­sen.

…, fühlt sich zwar für die Anwe­sen­den viel­leicht mystisch und tief gläu­big an, aber es ist selbst für mich eine Spur zu zynisch.

Katho­li­ken­pack, beschä­men­des!

Eurem wider­wär­ti­gen Hau­fen kün­di­ge ich hier­mit das letz­te küm­mer­li­che biss­chen Freund­schaft, das ihr noch nicht ver­spielt hat­tet. Möge ein gerech­tes höhe­res Wesen euch lie­ber frü­her als spä­ter im Fege­feu­er bren­nen las­sen.

Arsch­lö­cher.

Senfecke:

  1. Mei­ne Kon­fir­ma­ti­on war Aus­druck mei­ner Hab­gier. Danach bin ich aus der Kir­che, bevor ich Steu­ern zah­len muss­te, aus­ge­tre­ten.

  2. Ver­steh das Pro­blem mit dem LIed nicht (gibts übri­gens auch bei den Evan­ge­len…). Wer kann schon wis­sen, ob der Mensch, der einem gegen­über­steht wirk­lich katho­lisch, bud­dhi­stisch oder pasta­fa­risch glaubt? Man geht halt davon aus, daß der, der zum Got­tes­dienst kommt, irgend­was mit dem frag­li­chen Gott zu tun hat, so wie man davon aus­geht daß der, der ins Sta­di­on geht, sich für Fuß­ball inter­es­siert. Wobei man beim Sta­di­on immer zah­len muß, am Kir­chen­ein­gang aber nie­mand sei­ne Lohn­steu­er­kar­te vor­zei­gen muß.

  3. @.tux
    Du soll­test (trotz hor­ren­der Gebühr) aus der Kir­che aus­tre­ten, sonst kom­men die in 20 Jah­ren auf dich zu und wol­len alles Gels auf ein­mal – das wird dann rich­tig teu­er.

    Klei­ner Trost: Die Gebühr für den Kir­chen­aus­tritt geht an die Gemein­de – da sieht die Kir­che nichts von.

      • Und Noch­was:
        Solan­ge du in der Kir­che bist, neh­men die dich für ihre Zwecke als Gei­sel.
        Dann heißt es immer: xxx­Mil­lio­nen Men­schen hier im Land ste­hen hin­ter uns und wol­len das, was wir wol­len.
        Da ist es nicht schön wenn die Zahl durch einen Selbst höher wird*.

        *Der eige­ne Aus­tritt bringt als sol­cher natür­lich nicht viel, aber wenn jeder denkt „Mein Aus­tritt bringt eh nichts“…

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