Montagsmusik
John Lennon — How do you sleep?

Zum 44. Jubiläum der Welt­premiere des Bea­t­les-Films “Mag­i­cal Mys­tery Tour” ist Paul McCart­ney der let­zte Bea­t­le, der noch regelmäßig in Föje­tong und Musik­presse auf­taucht. Das ist schade.

Dass seine Werke noch immer gepriesen wer­den, ist möglicher­weise Geschmackssache. Man sollte aber auch nicht vergessen, was John Lennon einst über ihn sang:

Those freaks was right when they said you was dead
The one mis­take you made was in your head

Guten Mor­gen!

In den Nachrichten
Kurz verlinkt LXXV: Geistig zu Fuß gehen

Die jährliche Wei­h­nacht­sansprache des Pap­stes war auch in diesem Jahr nicht gän­zlich frei von Komik.

Dass er die Kom­merzial­isierung von Wei­h­nacht­en bemän­gelte, mag man pos­i­tiv ausle­gen, obwohl so ein Papst ja nicht ger­ade für seinen schlicht­en Lebensstil bekan­nt ist. Ja, an Wei­h­nacht­en geht es eigentlich nicht um Laufen und Kaufen und Saufen, aber die niederen Gelüste wollen ja auch bedi­ent wer­den, nicht wahr?

Was der Papst sagt, ist manch­mal ja schön und gut, aber von der gesellschaftlichen Real­ität weit ent­fer­nt. Mit einem Satz jedoch hat er sozusagen den Nagel auf den Kopf getrof­fen:

Der niedrige Ein­gang der Geburt­skirche Jesu in Beth­le­hem lehre: “Wir müssen uns herun­ter­beu­gen, sozusagen geistig zu Fuß gehen, um durch das Por­tal des Glaubens ein­treten zu kön­nen.”

Wer zu viel darüber nach­denkt, stößt sich an dem niedri­gen geisti­gen Niveau des Chris­ten­tums eben gewaltig den Kopf. Amen.

Internes
Suchbegriffe, 24. Dezember 2011

Und als ich ger­ade so in mein­er Nicht­blogsta­tis­tik wühlte, schaute ich mal nach, wonach die Leute diese Woche so gesucht haben, als sie bei mir lan­de­ten, und ich kon­nte es nicht fassen.

Bemerkenswerte Auszüge:

justin bieber nackt

Beun­ruhi­gend: 39 Men­schen sind darauf hereinge­fall­en.

selb­st­mord emo

Oft.

amok­lauf lustig

Hihi.

bar­codes von lusti­gen sachen

Warum? Nein, ern­sthaft: Warum?!

brief der eine frau anmacht

“He, wun­der­schöne Frau! Typen wie dich kön­nen wir hier nicht beson­ders gut lei­den!”

daisy fickt don­ald

Wahrschein­lich — in den Comics wird es nur angedeutet. (Manch­mal aber sehr ein­deutig.)

fick deine mut­ter lesen

Aus der beliebten Rei­he: “Wenn ein Satz nicht so endet, wie er Kartof­fel”.

ich ficke keine gehirne

Beruhi­gend.

ich wün­sche mir eine tochter gibt es ein gerät

Ja, nen­nt sich “Penis”. Kein­er ver­füg­bar? Dann wird das kom­pliziert, fürchte ich.

samen­grüß in der nacht

Ein guter Titel für einen Schlager eigentlich.

win­dows zer­fick­en

Pur­er Sex.

Mir fröstelt’s.

KaufbefehleMusikkritik
Musik 12/2011 – Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 8 von 29 der Serie Jahres­rück­blick

Ley­diesendtschen­tel­men, her­zlich willkom­men am Jahre­sende und damit zur üblichen Ret­ro­spek­tive der pri­mas­ten Alben des Jahres, die es in die Hal­b­jahres­liste 2011 nicht mehr geschafft haben. Dabei ist das nicht ein­mal unbe­d­ingt eine Frage des Erschei­n­ungs­da­tums, denn wie üblich hat­ten sich wieder einige Alben aus dem ersten Hal­b­jahr geschickt vor mir ver­steckt.

Ich erhielt anlässlich der Rückschau 06/2011 vere­inzelte Kri­tik, es sei zu viel Mate­r­i­al zusam­men gekom­men, um sich in ein­er angemesse­nen Zeit damit beschäfti­gen zu kön­nen. Dies­mal aber kann Peter, der glaubt, drei Alben wür­den reichen, aufat­men: Diese Liste wird kürz­er als angenom­men. Hier­für gibt es einen guten und einen beschä­menden Grund: Das selb­st­betitelte Debü­tal­bum von broken.heart.collector etwa kann sich wie auch manch anderes inter­es­santes Musik­w­erk längst eines sep­a­rat­en Artikels erfreuen, vor allem aber hat noch während der Zusam­men­stel­lung der zu rezen­sieren­den Alben meine alte dig­i­tale Schreib­mas­chine beschlossen, die Priester­lauf­bahn einzuschla­gen, und ohne Umschweife etwas geseg­net, näm­lich das Zeitliche; und getreu Mur­phys immer­währen­dem Gesetz hat­te ich dies­mal keine Sicher­heit­skopie ange­fer­tigt.

Daher seht es mir nach, wenn euer per­sön­lich­es Album des Jahres dies­mal fehlt, und lasst es mich wis­sen: Vielle­icht gefällt es auch anderen Musik­fre­un­den, die dies hier zufäl­lig ent­deck­en. ‘Musik 12/2011 – Favoriten und Analyse’ weit­er­lesen »

Spaß mit Spam
Kim Jong-il Special…

Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich mal über tat­säch­lich erwün­schte Werbe­mails amüsieren würde.

Ger­ade traf aber eine solche von Max­CDN, meinem bevorzugten Las­ten­verteilungs­di­enst, ein, die mich darüber informierte, dass noch bis Sil­vester anlässlich des Todes des ehe­ma­li­gen Dik­ta­tors Kim Jong-Il — das war seit dem Ende von Gaddafi exk­lu­siv der mit der Son­nen­brille — ein beson­deres Ange­bot ver­füg­bar sei:

Mod­e­trends sind manch­mal wirk­lich erstaunlichen Ursprungs.

Schade, dass nicht nach Europa geliefert wird.

Persönliches
Wo ein Aas ist, da sammeln sich die Geier. (Matthäus 24,28)

Eines der weniger ruhm­re­ichen Kapi­tel in meinem Leben ist meine Kon­fes­sion.

Ich geste­he, ich stamme aus ein­er über­wiegend katholis­chen Fam­i­lie. Ger­ade die Fam­i­lie eines mein­er Eltern­teile ist tra­di­tionell römisch-katholisch getauft und bis zur vor­let­zten Gen­er­a­tion dur­chaus auch noch heute kirch­lich rege aktiv, und so wurde auch ich katholisch getauft, ohne, dass mich jemand um mein Ein­ver­ständ­nis gebeten hätte. Meinem Groß­vater zuliebe ver­brachte auch ich in Kind­heit und früher Jugend einige Zeit damit, der Kirche zu dienen; die Bedeu­tung des Wortes “dienen” war mir damals schlicht nicht bewusst, ich hielt das für etwas, was man halt so sagt, und so emp­fand ich es auch. Aus ähn­lichem Grund nahm ich an Erstkom­mu­nion und Fir­mung teil. Dem hinzu kam der Aspekt, dass man das eben so machte, ob man nun die Wiederkun­ft des HEr­rn erwartete oder nicht. Katholisch getauft wor­den zu sein hieß für mich, sich auch fir­men lassen zu müssen. Vielle­icht lag es auch an den Geldgeschenken, die mich erwarteten.

Unter anderem wohl dem evan­ge­lis­chen anderen Eltern­teil und sein­er Aver­sion gegen von Leuten, die sich außer­halb eines Kirchen­haus­es für christliche Gebote nur für einen Teil der zehn Gebote inter­essieren, vorgeschobenes Chris­ten­tum ist es zu ver­danken, dass sich mit der Zeit die ratio durch­set­zen kon­nte und ich begann, meinen Ein­satz für die katholis­che Kirche auf ein Min­i­mum zu reduzieren, indem ich die Kirche nur noch in Aus­nah­me­fällen betrat und mich auch dann den römisch-katholis­chen Leibesübun­gen (Auf­ste­hen, Hin­set­zen, Hinknien, Hin­set­zen, Auf­ste­hen, Hin­set­zen, rauf, runter, rein, raus) ent­zog; nein, ich kor­rigiere mich — “rein, raus” war damals nicht an der Tage­sor­d­nung.

Wenn also irgend­wann der Ver­stand ein­set­zt und man bemerkt, dass das, wofür man sich für Jahre seines Lebens (zeitweise halb­herzig) einge­set­zt hat, ethisch nicht mehr dem eige­nen Welt­bild entspricht, muss — nicht nur sollte — man, um sich selb­st nicht zu belü­gen, die Kon­se­quen­zen ziehen. Ich bewun­dere Men­schen, die trotz allem weit­er­hin an Wei­h­nacht­en, Ostern oder Neu­jahr aus Prinzip in die Kirche gehen, für diese Fähigkeit. Ich habe sie längst ver­loren.

Der Zufall hat mich bish­er davor bewahrt, die Kirchen­s­teuer entricht­en zu müssen. Ich hat­te mir fest vorgenom­men, den Aus­tritt, im Geiste vor Jahren erfol­gt, bald auch formell vorzunehmen, bevor sich dieser Zus­tand ändert. Ein Aus­tritt, immer­hin, kostet aus unerfind­lichem Grund Ver­wal­tungs­ge­bühren, also eilte es bis­lang nicht. Nicht ein­mal die, wie erst später bekan­nt wurde, erstaunliche Häu­fung von Kinder­fick­ern inmit­ten der Bedi­en­steten dieser Sek­te — das ist sich­er, wie bei der “christlich-demokratis­chen” Union, nur Zufall — kon­nte für mich per­sön­lich diesen Schritt beschle­u­ni­gen.

Nun begab es sich, dass ein naher Ver­wandter nach langer Krankheit, also keines­falls über­raschend, abnip­pelte ver­starb. Heute wohnte ich dem Trauer­gottes­di­enst bei, dem eine Trauer­feier fol­gen sollte, aber feier­lich war mir nicht mehr zumute. So ein Trauer­gottes­di­enst unter­schei­det sich ja von allen anderen Gottes­di­en­sten offen­bar nur darin, dass der Name des Toten während der Eucharistie genan­nt wird, und dann bitte­sehr weit­er zur Tage­sor­d­nung.

Die beste­ht dann darin, dass man den Her­rn lobt und preist und ihm selb­stver­ständlich für seine guten Tat­en dankt. Dass sich nie­mand vernehm­lich zu räus­pern erlaubt, wenn zum Auszug des Priesters am Ende der Trauerver­anstal­tung die anwe­sende Schar an Men­schen, ob nun eigentlich katholisch oder evan­ge­lisch oder bud­dhis­tisch oder satanis­tisch oder apathisch, im Chor ein altes Kirchen­lied rez­i­tiert, in dem es heißt:

Großer Gott, wir loben dich,
Herr, wir preisen deine Stärke,
vor dir beugt die Erde sich
und bewun­dert deine Werke.

(…)

Alle Tage wollen wir
dich und deinen Namen preisen
und zu allen Zeit­en dir
Ehre, Lob und Dank erweisen.

…, fühlt sich zwar für die Anwe­senden vielle­icht mys­tisch und tief gläu­big an, aber es ist selb­st für mich eine Spur zu zynisch.

Katho­liken­pack, beschä­mendes!

Eurem wider­wär­ti­gen Haufen kündi­ge ich hier­mit das let­zte küm­mer­liche biss­chen Fre­und­schaft, das ihr noch nicht ver­spielt hat­tet. Möge ein gerecht­es höheres Wesen euch lieber früher als später im Fege­feuer bren­nen lassen.

Arschlöch­er.

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt LXXIV: Dinosaurier und Mammuts

Manch­mal wüsste ich wirk­lich gern, was in den Köpfen der EU-Poli­tik­er eigentlich vorge­ht, wenn ich Nachricht­en wie diese lese:

Bankkun­den müssen vom 1. Feb­ru­ar 2014 an europaweit ein­heitliche Kon­ton­um­mern mit 22 Stellen (IBAN) ver­wen­den. Zu diesem Zeit­punkt wer­den nationale Über­weisun­gen und Lastschriften im europäis­chen Zahlungsraum (SEPA) vere­in­heitlicht.

Nehmen wir mal an, am 1. Feb­ru­ar 2014 ist so etwas wie eine europäis­che Ein­heit über­haupt noch bruch­stück­haft vorhan­den:

Um jet­zt Geld von Han­nover nach Hildesheim zu schick­en, muss man sich statt zwei lei­dlich kurz­er eine einzige, ziem­lich lange, europäisch ein­heitliche merken, weil die EU die Vorteile inner­staatlich­er Finanz­transak­tio­nen nicht zu schätzen weiß und ja bei­de Städte auch irgend­wo in Europa liegen?

Dieser EU-Appa­rat ist doch immer wieder für lustige Ideen gut. Zukün­ftig wird wahrschein­lich wieder mehr Geld per Briefum­schlag ver­schickt, seufz.

(Danke an L.!)

In den NachrichtenWirtschaft
Kurz verlinkt LXXIII: Mittelstand und Unverstand

Falls noch jemand dachte, dass die F.D.P. ihre witzi­gen Umfragew­erte zum Anlass nehmen kön­nte, ihre Stammk­lien­tel, die so genan­nten “Besserver­di­enen­den” aus dem so genan­nten “Mit­tel­stand”, kri­tisch zu über­denken und gegebe­nen­falls zu wech­seln, dann hat er nicht mit Patrick Döring gerech­net:

Gew­erkschaftschef Som­mer hat­te sich in der “Bild am Son­ntag” für die Ein­führung ein­er Reichen- und ein­er Ver­mö­gen­s­teuer, die Erhöhung der Erb­schaft­s­teuer sowie die Besteuerung von Finanz­transak­tio­nen aus­ge­sprochen. Döring kri­tisierte diese Vorschläge als “ein Pro­gramm gegen den deutschen Mit­tel­stand”, das auf Kosten der Arbeit­splätze und auch des Staat­shaushalts gehe.

Wir wollen ja die Ack­er­män­ner und Maschmey­er und ihr Geld nicht ver­graulen, nich’ wahr?


Ach, übri­gens, die Gle­ichung E = m*c² sollte jedem Men­schen bekan­nt sein, der hierzu­lande mal so was wie eine Schule besucht hat; auch, dass es “c Quadrat” und nicht “c zwei” am Ende heißt. Deshalb ist es eigentlich unverzeih­lich, dass der “Fre­itag” aus­gerech­net in der Rubrik “Wis­sen” bere­its am Don­ner­stag so etwas veröf­fentlichen ließ:

[Das Elek­tro­nen­volt] beschreibt die Masse m in Form der Energie E – errech­net aus Ein­steins Formel E=mc2, wobei c die Licht­geschwindigkeit ist[.]

Aber mon­tags ist man ja immer etwas milder ges­timmt. Immer diese Woch­enen­den.

Montagsmusik
The Toten Crackhuren im Kofferraum — Ich hab keinen Spaß

Zur Lage der Nation (und weil ich den Band­na­men so lustig finde) sowie im Dienst des schlecht­en Geschmacks schlage ich vor, die Woche mit “Ich hab keinen Spaß” von The Toten Crack­huren im Kof­fer­raum begin­nen zu lassen. Ich hoffe, dieser Vorschlag find­et Zus­tim­mung.

DIE TOTEN CRACKHUREN IM KOFFERRAUM — kein Spass (in Neukalen 27.11.2010)

Gegen­teilige Mei­n­un­gen sind zu spät.

Piratenpartei
Piraten und der Esoterror

Ach, das ist ja ger­adezu furcht­bar: Die Frak­tion­s­geschäfts­führerin der Berlin­er Piraten­partei, Daniela Scher­ler, hängt pri­vat eso­ter­isch­er Alter­na­tivmedi­zin an, worüber sie auch Büch­er schreibt, in denen sie ange­blich — ich habe das jet­zt aus Grün­den nicht selb­st über­prüft — schw­er Kranken (etwa Krebs- oder AIDS-Erkrank­ten) zu ver­ste­hen gibt, sie seien selb­st schuld an ihrem Zus­tand. Gut, bei AIDS kann man sich jet­zt darüber stre­it­en, inwieweit eine Erkrankung ver­mei­d­bar wäre.

SPIEGEL Online hat vorge­blich nachge­le­sen:

An ein­er Stelle schreibt sie etwa über das Fas­ten. Sie sei sich vorher sich­er gewe­sen, die Zeit lock­er zu über­leben. Es gebe aber Men­schen, die in ver­gle­ich­baren Sit­u­a­tio­nen ster­ben wür­den, “weil sie noch in ihrem begren­zten Ego-Denken gefan­gen sind”.

Als Beispiel zieht Scher­ler dafür eine Flugzeugkatas­tro­phe her­an: Sie habe davon gele­sen, dass nach dem Unglück in den Bergen einige der Über­leben­den gestor­ben seien, nach­dem sie drei Tage nichts zu essen hat­ten: “Und das, weil sie sich nicht vorstellen kon­nten, länger ohne Essen zu über­leben. Sie man­i­festierten so unbe­wusst ihr Ver­hungern.”

Die Ver­hungerten waren also selb­st schuld? Zu ganz ähn­lichen Ergeb­nis­sen kommt sie, wenn es um Krankheit­en geht. Diese seien die “ ‘Quit­tung für (falsches) Pro­jek­tionsver­hal­ten”, meint Scher­ler.

Tja, ihr bei SPIEGEL Online, Lesen und Ver­ste­hen sind eben zwei Dinge. Eure ganze Argu­men­ta­tion ste­ht und fällt mit der von mir hier her­vorge­hobe­nen, ver­meintlich rhetorischen Frage. Dabei hat Frau Scher­ler von “Schuld” über­haupt nichts geschrieben, nur von man­gel­nder Diszi­plin. Pro­vokant gefragt: Kön­nt ihr das wider­legen?

Nehmen wir an, die Inter­pre­ta­tion von SPIEGEL Online ist über­haupt auch nur ansatzweise richtig, woran es zu zweifeln gilt, so ist diese Hal­tung den Betrof­fe­nen gegenüber sicher­lich nicht nett. Die Welt der Eso­terik ist in der Regel in sich abgeschlossen: Wer nicht mitzieht, ist selb­st schuld. Was mir aber von den vie­len, die nach Parteiauss­chluss und Unwählbarkeit krähen, bis­lang nicht beant­worten kon­nten oder woll­ten: Inwiefern ist es poli­tisch rel­e­vant, wenn (und falls) die Frak­tion­s­geschäfts­führerin der Berlin­er Piraten­partei pri­vat irgendwelche absur­den eso­ter­ischen Meth­o­d­en der Alter­na­tivmedi­zin nicht schlecht find­et?

Die Frak­tion hat sich hin­ter Frau Scher­ler gestellt und ern­tet dafür Schelte: Sei man doch nicht so anders als die anderen Parteien?

Doch, natür­lich ist die Piraten­partei das, und darum verzichtet man auf einen Parteiauss­chluss. Es ist doch ganz ein­fach: So lange man nichts tut, was den Prinzip­i­en der Piraten­partei zuwider­läuft, ist alles erlaubt. Einen Pro­gramm­punkt, der besagt, die Piraten­partei stelle sich entschlossen gegen Alter­na­tivmedi­zin, Homöopathie und ähn­lich wirres Zeug, gibt es nun ein­mal nicht. (Dass Men­schen, die Alter­na­tivmedi­zin und Eso­terik ser­iös­er Wis­senschaft vorziehen, wohl doch nicht so ver­acht­enswert sind, zeigt der Fall von Steve Jobs, dessen Tod unter anderem seinem Ver­such, den Krebs mit eben­solchen Meth­o­d­en zu bekämpfen, geschuldet ist; und was sieht man auf Fotos von Pirat­en-Frak­tion­ssitzun­gen? Klar: Apple-Pro­duk­te.)

Es ist schlimm mit der Piraten­partei. Dort tum­meln sich geläuterte NPD-Aussteiger, Sci­en­tolo­gen und Eso­terik­er. Wenn jet­zt auch noch her­auskommt, dass trotz der welt­frem­den und Men­schen ver­ach­t­en­den Hal­tung des Pap­stes zur Sex­u­al­ität sog­ar Katho­liken in ihren Rei­hen sind — nicht auszu­denken!

Nerdkrams
DropIt: Dateien sortieren leicht gemacht

In der neuen Aus­gabe der Zeitschrift c’t wird kurz auf das quellof­fene Win­dowspro­gramm DropIt hingewiesen, das aus­re­ichend gut ist und daher hier Erwäh­nung find­et.

Dabei han­delt es sich um ein wid­get mit einem Pfeil­sym­bol, das auf Wun­sch stets im Vorder­grund bleibt und auf das man beliebige Dateien und Verze­ich­nisse ziehen kann. Diese Dateien und Verze­ich­nisse wer­den dann anhand von Dateina­men­regeln ver­ar­beit­et, zum Beispiel ent­packt, gelöscht oder ver­schoben.

Dabei kön­nen die Dateien beim Ver­schieben auch umbe­nan­nt wer­den. Zum Beispiel kön­nen so Fotos von der Dig­italk­a­m­era in nach Datum sortierte Unterord­ner aufgeteilt und herun­terge­ladene Dateien, etwa von Down­The­mAll! immer in dem­sel­ben Ord­ner gespe­ichert, je nach ihrer Art (OnlineTVRecorder-Auf­nah­men, zu tes­tende Pro­gramme, Musik­dateien, …) in einem Rutsch in die kor­rek­ten Verze­ich­nisse ver­schoben wer­den.

Was mir per­sön­lich noch fehlt: Reg­uläre Aus­drücke für Dateina­men (zum Beispiel die Möglichkeit, dass nur Dateien, die min­destens 2 Zif­fern am Ende ihres Namens tra­gen, berück­sichtigt wer­den sollen) und eine deutsche Sprach­datei, die all­t­agstauglich ist. Hier­für gibt es allerd­ings einen (englis­chsprachi­gen) Diskus­sion­sstrang, in dem Fehler­mel­dun­gen und Funk­tion­sid­een erwün­scht sind.

Is’ ganz nett, ja.


Kurze Ansage für meine poli­tisch inter­essierten Leser: Deutsch­land soll einen eige­nen “Cloud”-Dienst bekom­men, damit die US-amerikanis­chen Geheim­di­en­ste nicht mehr in den Dat­en der Bürg­er schnüf­feln kön­nen. Stattdessen können’s dann eben die deutschen. Für die Sicher­heit soll unter anderem das BSI sor­gen. Dann kann ja nichts mehr schiefge­hen.

Sonstiges
Medienkritik LX: Sag’s mit RTL

Seit eini­gen Tagen wirbt der blöde Fernsehsender RTL mit der RTL-Kam­pagne (“RTL Kam­pagne”) “Sag’s auf Deutsch” gemein­sam mit promi­nen­ten, aus­ländis­chstäm­mi­gen “Pat­en” dafür, dass Migranten hierzu­lande mehr Deutsch sprechen. Hier­für wur­den mehrere Kurz­filme (“Spots”) gedreht, deren Kern der fol­gende ist:

RTL Kam­pagne — Sag’s auf Deutsch

So wenig ich auch an dieser Kam­pagne auszuset­zen habe, bin ich doch recht über­rascht von dem Umstand, dass sie aus dem Hause RTL stammt. Ja, natür­lich sollte man die Sprache des Lan­des, in dem man lebt, irgend­wann ein­mal zumin­d­est zu ver­ste­hen ler­nen. Aber ist RTL dabei eine große Hil­fe?

Denn wie selb­stver­ständlich heißt der Stream­ing-Anbi­eter von RTL nicht etwa “RTL jet­zt”, was kurz, präg­nant und ver­ständlich wäre, son­dern RTLNOW, kon­se­quent in Brüll­buch­staben geschrieben. Nachricht­en präsen­tiert die Sparte “News”, auch in Vide­o­form (“Video-News”), lobenswert ist aber immer­hin, dass man bei RTL den Binde­strich noch aus der “Schule” ken­nt, nur die Abteilung für Klatsch und Tratsch (“Star News”) hat davon nicht viel mit­bekom­men. Natür­lich unter­hält man bei RTL auch eine “RTL Com­mu­ni­ty”.

Als Vor­läufer der Aktion “Sag’s auf Deutsch” hat RTL übri­gens vor drei Jahren einen Inte­gra­tionspreis erfun­den, der nicht etwa “Inte­gra­tionspreis”, son­dern com.mit Award heißt. Ein­er der hier­für Ver­ant­wortlichen, Chefredak­teur Peter Kloep­pel, hat sich im Jahr 2011 zum The­ma “Sag’s auf Deutsch” fol­gen­der­maßen geäußert:

Es geht dabei gar nicht unbe­d­ingt um steile Kar­ri­eren, son­dern vielmehr darum, dass die gemein­same Sprache Grund­vo­raus­set­zung für ein erfülltes Leben hier ist. (…)
Das konkrete Ziel der Kam­pagne ist, Men­schen jeden Alters davon zu überzeu­gen, wie wichtig es ist, dass man in Deutsch­land die deutsche Sprache spricht und ver­ste­ht.

Nun gibt es zwei Möglichkeit­en. Die erste ist es, dass Peter Kloep­pel kein erfülltes Leben in Deutsch­land führt und so impliz­it seinem Unmut hierüber Luft machte. Das wäre bedauer­lich. Die zweite, wahrschein­lichere ist es, dass Peter Kloep­pel ern­sthaft der Mei­n­ung ist, der Prekari­atssender RTL mit all seinen news und awards und spots und com­mu­ni­tys sei ein gutes Vor­bild. Das wäre eben­falls bedauer­lich.

Ich erlaube mir, den Wer­be­text für “Sag’s auf Deutsch” zu zitieren:

‘Sag’s auf Deutsch’ — so lautet der Titel ein­er Social-Kam­pagne, die ab Mon­tag, 24. Okto­ber, bre­it gefächert im RTL-Pro­gramm einge­set­zt wird. Zehn Promi­nente aus den Bere­ichen TV, Sport, Mode und Poli­tik, alle mit Migra­tionsh­in­ter­grund, geben in den 60- bzw. 90-sekündi­gen Spots klare State­ments dazu ab, wie wichtig gute Deutschken­nt­nisse für eine gelun­gene Inte­gra­tion in die Gesellschaft hierzu­lande sind.

Her­vorhe­bun­gen habe ich dies­mal nicht geson­dert vorgenom­men, der Text spricht für sich. Wer inte­gri­ert eigentlich die RTL-Mitar­beit­er in die Gesellschaft? Peter Kloep­pel jeden­falls nicht.

J’accuse …!

Fotografie
Merry ixmas.

Trotz allem ist es ja immer noch erstaunlich, was für eine See­lenkälte die wei­h­nachtliche Schaufen­s­ter­deko­ra­tion ausstrahlt:

Genau, mer­ry xmas, denn die gewei­hte Nacht ist diesen Jesusverkäufern schon lange eben­so egal wie dschieses kreist, den sie immer­hin kon­se­quent aus-x-en, auf dass jed­er verbliebene Zweifel an ihren Motiv­en ver­fliege. Nor­damerikanis­che Kul­tur ist eben echt pri­ma, nur dieser Glauben­skäse stört, gell?

PolitikIn den Nachrichten
Liberale Unfallflucht

Jet­zt mal ganz langsam zum Mitschreiben für Langsame wie mich:

Die F.D.P. ist seit der unsan­ften Ent­fer­nung der einzi­gen mit so etwas wie Charis­ma aus­ges­tat­teten Führungsper­sön­lichkeit in ihren Rei­hen, Gui­do West­er­welle, qua­si bedeu­tungs­los gewor­den. Im Rah­men ein­er For­sa-Umfrage wurde zulet­zt veröf­fentlicht, dass das deutsche Volk das Ver­trauen in diese so genan­nte Partei gän­zlich ver­loren hat, für mehr als null Prozent hat es nicht ein­mal in den Rei­hen der Ökonome und Hotelbe­sitzer genügt, was insofern erstaunlich ist, als diese ja seit eini­gen Jahren die primäre Klien­tel (und Lob­by) der F.D.P. darstell­ten.

Die weni­gen verbliebe­nen F.D.P.-Repräsentanten zeigen nicht nur, dass sie poli­tisch ahnungs­los durch das Leben tapsen, son­dern auch, dass sie pri­vat ander­er­seits ganz gut in die F.D.P. passen:

Sil­vana Koch-Mehrin kämpft weit­er­hin um ihren Dok­tor­grad. Am Mittwoch reichte die FDP-Europa­poli­tik­erin Klage gegen die Uni­ver­sität Hei­del­berg ein, die ihr den Titel im Juni aberkan­nt hat­te. (…) Sie erk­lärte, ihre Arbeit sei zwar “nicht frei von Schwächen, nicht sel­ten unge­nau, ober­fläch­lich und manch­mal ger­adezu fehler­haft”, die wis­senschaftlichen Ergeb­nisse ihrer Arbeit beruht­en jedoch auf ihrer eige­nen Leis­tung.

Glück­wun­sch zu dieser Leis­tung, Frau Koch-Mehrin, und eigentlich war damit zum The­ma “Flachköpfe in der F.D.P.” alles gesagt; dann trat­en Chris­t­ian Lind­ner als Gen­er­alsekretär der F.D.P. und Chris­t­ian Schmitt als saar­ländis­ch­er F.D.P.-Fraktionsvorsitzender zurück. Let­zter­er ist inzwis­chen bei der CDU, es wächst manch­mal eben zusam­men, was zusam­men gehört. Erster­er hat einen Nach­fol­ger bekom­men, einen gewis­sen Her­rn Göring Döring.

Gegen diesen Her­rn Döring nun wird bere­its vor Amt­santritt wegen Fahrerflucht ermit­telt. Fahrerflucht ist es, wenn man sich vor der Ver­ant­wor­tung für einen Unfall zu drück­en ver­sucht. Und an dieser Stelle hätte ich mal eine Frage: Wie nen­nt man das eigentlich, wenn man statt eines Kraft­fahrzeugs eine Partei gegen den Baum fährt und sich dann vor der Ver­ant­wor­tung drückt?

Falls es noch kein Verb dafür gibt, schlage ich “lib­eralen” vor, einen Inhalt hat­te das Wort “lib­er­al” ja schon lange nicht mehr. Gibt es Gegen­vorschläge?


Nach­trag, denn irgend­wie passt diese Mel­dung zum Nieder­gang der F.D.P.: Die Deutschen, heißt es, hät­ten jahre­lang über ihre Ver­hält­nisse gelebt; die Zeit des Massen­wohl­stands (sic!) sei jet­zt aber vor­bei. Schade, jet­zt hat­te ich gar nichts davon.