In den Nachrichten
Medienkritik in Kürze: FOCUS, Magazin der Selbstironie

Apro­pos FOCUS: Was ist eigentlich ein (Computer-)Nerd? Jemand mit umfan­gre­ichen Ken­nt­nis­sen von Funk­tion­sweise und Möglichkeit­en der Dig­i­tal­tech­nik, der, bepick­elt und bebrillt, im dun­klen Keller von kalter Piz­za lebt? Jemand, der typ­is­cher­weise den Unter­schied zwis­chen “Hack­en” und “Dinge kaputtmachen” ver­standen hat, der sich im CCC engagiert und dessen Lieblingsspielzeug als Kind der Lötkol­ben (nicht “Lötkol­ben”, ihr Fer­kel) war?

Weit gefehlt, behauptet man beim FOCUS, wo man den täglichen Umgang mit dem Inter­net für so wun­der­lich hält, dass man es sich nicht nehmen lässt, dem däm­lichen Artikel über die Piraten­partei, trotz sog­ar wörtlichen Zitats von Wilm Schu­mach­er (“Wir sind schon längst nicht mehr die soge­nan­nte Inter­net-Partei”) in der Über­schrift “Inter­net-Partei” genan­nt, einen weit­eren über Rain­er Lang­hans nachzuschieben, der der Inter­net-Partei nicht nur 20.000 Euro über­re­ichte, son­dern oben­drein auch ein­er von denen ist, und man liest die unver­hoh­lene Bewun­derung des Autors aus jed­er Silbe her­aus, wenn er schreibt:

„Ich kön­nte sich­er noch mehr machen, aber ich bin so fünf, sechs Stun­den am Tag im Netz“. Was er da mache? „Twit­ter, Face­book, das übliche“. Rain­er Lang­hans, der Nerd, und das mit 71 Jahren.

Twit­ter, Face­book. Was für ein Nerd! Wom­öglich hat er gar eine E‑Mail-Adresse?

FOCUS, du olles Inves­tiga­tivblatt, das ist doch eine gute Idee für einen Fol­geartikel. Ich “freue” mich darauf!

ProjekteNerdkrams
WP-PasteExtender: Kopierschutz mal anders

Ich kopiere manch­mal Tex­tauss­chnitte auf FOCUS.de und ähn­lichen Seit­en. FOCUS.de ver­wen­det nun aller­lei JavaScript-Spiel­ereien, unter anderem eine, die automa­tisch einen Ver­weis auf die Seite, von der man den Text kopiert hat, mitkopiert.

Das hat mich so sehr beein­druckt, dass ich das mal für Word­Press nachge­baut habe. Werte Damund­her­rn, ich präsen­tiere:

WP-Pas­te­Ex­ten­der, “Ver­sion” 20120102.

Der Text, der an den zu kopieren­den Text ange­hängt wer­den soll, ist frei kon­fig­urier­bar. Der Ver­wal­tungs­bere­ich sieht so aus:

Momen­tan habe ich nur wenig Zeit, ern­sthaft an dem Plu­g­in zu arbeit­en, weshalb kleinere Prob­leme nicht aus­geschlossen sind. Voll­ständig funk­tion­stüchtig ist das Plu­g­in derzeit nur mit WebKit-basierten Browsern. Unter Fire­fox funk­tion­iert die block­quote-Funk­tion noch nicht, der Inter­net Explor­er ver­weigert gän­zlich den Dienst. Ich hoffe, das irgend­wann beheben zu kön­nen.

Wenn jemand von euch Lust und Ahnung hat, um mir hier­bei zur Hand zu gehen, so wäre mir dies sehr willkom­men. Weit­ere Funk­tio­nen sind jedoch vor­erst nicht geplant.

PolitikIn den Nachrichten
SPD: Holzwurm beklagt Holzwurmbefall

Hihi:

SPD-Frak­tion­schef Stein­meier fürchtet grund­sät­zliche Fol­gen der Affäre Wulff. Er wirft dem Bun­de­spräsi­den­ten vor, mit seinem Ver­hal­ten die Poli­tik in Ver­ruf zu brin­gen.

Frank-Wal­ter Stein­meier, wir erin­nern uns, ist der SPD-Mann, der unsere­inem vor allem auf­grund seines notorischen Hangs zur Unwahrheit im Gedächt­nis geblieben ist:

Noch während ihrer Rück­reise, so der stern, teil­ten sie ihren Vorge­set­zten mit, die USA sähen “die Unschuld von Kur­naz als erwiesen” an und woll­ten ihn “in sechs bis acht Wochen” ent­lassen. Dieses war auch The­ma der soge­nan­nten Präsi­den­ten­runde der deutschen Sicher­heits­be­hör­den am 29. Okto­ber 2002 unter Leitung des dama­li­gen Kan­zler­amtschefs Frank-Wal­ter Stein­meier. Stein­meier hat­te am Dien­stag behauptet, er kenne ein solch­es Ange­bot an die Deutschen nicht. Während der Runde im Kan­zler­amt wurde auch beschlossen, Kur­naz die Ein­reise zu ver­bi­eten.

In gewiss­er Weise ist er also immer­hin Experte dafür, die Poli­tik in Ver­ruf zu brin­gen. Laut “Deutsch­landtrend” ist es auch keines­falls die Partei des Bun­de­spräsi­den­ten, die in Ver­ruf ger­at­en wäre:

CDU und CSU kon­nten gegenüber der let­zten Erhe­bung in der Wäh­ler­gun­st einen Prozent­punkt zule­gen und erre­icht­en 36 Prozent. Die SPD rutschte um einen Prozent­punkt auf 29 Prozent ab, auch die Grü­nen ver­loren einen Punkt und lagen bei 15 Prozent der Wäh­ler­stim­men. Die FDP legte einen Punkt zu und erre­ichte drei Prozent.

Wenn sich ein Ver­ruf so auswirkt, sollte Frank-Wal­ter Stein­meier vielle­icht schnell­stens einen Kred­it aufnehmen, damit es mit der SPD wieder aufwärts geht.

Apro­pos aufwärts: Es darf bekan­ntlich keinen SPIEGEL-Online-Bericht über die momen­tane Wäh­ler­stim­mung ohne einen Beleg dafür geben, dass man bei SPIEGEL Online das mit der Fünf­prozen­thürde nicht ver­standen hat. Bleibt es näm­lich bei den genan­nten Zahlen, bekom­men CDU/CSU also 36 Prozent und die F.D.P. drei Prozent der Wäh­ler­stim­men, würde let­ztere also den Reich­stag kün­ftig von außen betra­cht­en müssen, so entstünde eine Koali­tion mit …

Rot-Grün käme somit auf 44 Prozent, die Regierungskoali­tion (CDU/CSU + F.D.P., A.d.V.) hätte 39 Prozent der Bürg­er hin­ter sich.

…, nein, aber nah dran. Vielle­icht ja näch­stes Mal.

In den Nachrichten
Kein nahrhaftes Studium

Das war wohl eine Entschei­dung aus dem Bauch her­aus: “Dön­er-Morde” ist “Unwort des Jahres”.

Durch die Beschrei­bung der Ver­brechen als „Dön­er-Morde“ seien die Opfer „auf­grund ihrer Herkun­ft auf ein Imbiss­gericht reduziert“ und in höch­stem Maße reduziert wor­den“, sagte [Sprach­wis­senschaft­lerin Nina] Janich.

Dass Män­ner auf ihr Geschlecht­steil und Frauen auf ihren imposan­ten Vor­bau reduziert wer­den, ist ein bekan­ntes Phänomen. Das aber ist neu. (Ist das eigentlich jet­zt bess­er oder schlechter?)

Dabei geht es ja nicht mal um die Herkun­ft: Außer den acht türkischstäm­mi­gen Opfern wird auch ein Grieche als “Dön­er-Ermorde­ter” geführt, außer­dem eine deutsche Polizistin mit franzö­sis­chstäm­migem Vor­na­men. Vielle­icht wäre “Brot­morde” noch grif­figer gewe­sen.

Aber was wäre so eine Mel­dung ohne ein Wort­spiel vom Welt­geist? Das Zen­trum für Türkeis­tu­di­en fand die Entschei­dung näm­lich aus nachvol­lziehbaren Grün­den ziem­lich pri­ma. Und wo befind­et sich dieses Zen­trum? Natür­lich:

Das Zen­trum für Türkeis­tu­di­en in Essen begrüßte die Entschei­dung.

Ich habe tat­säch­lich eine Weile nach­denken müssen, bis mir klar wurde, dass ein Studi­um in Infor­matik und ein Studi­um in Essen nicht ver­gle­ich­bar sind. Eine schöne Schluss­pointe wäre es aber gewe­sen.

KaufbefehleMusikkritik
Discipline. — To Shatter All Accord

Heute ist ja bekan­ntlich der Tag des kollek­tiv­en Abschal­tens, anlässlich dessen sich jet­zt jedes kleine Hob­by­blog mal so richtig in Szene set­zen kön­nte. Diesen mir geschenk­ten Sta­tus als wegen der Nicht­teil­nahme an diesem Kinderkram heute wahrschein­lich über­durch­schnit­tlich viele Leser erhal­tender Insin­ter­netschreiber kön­nte ich jet­zt natür­lich aus­nutzen, um mich wortre­ich über SOPA, PIPA, LEGO und Teewurst auszu­lassen, aber die Innen­poli­tik der USA inter­essiert mich weniger als gute Musik, also nutze ich die Aufmerk­samkeit, um ein weit­eres gutes Musikalbum zu empfehlen.

Zu den Musikalben, die die Frech­heit besaßen, sich für die Auf­nahme in die Jahres­besten­liste 12/2011 nicht rechtzeit­ig bei mir zu melden, gehört außer Opeths eben­falls unbe­d­ingt hörenswertem, weil mit Gröl­met­al nicht mehr eng ver­bun­den­em “Her­itage” auch “To Shat­ter All Accord” von der US-amerikanis­chen Pro­gres­sive-Rock-Band Dis­ci­pline. (ganz diszi­plin­iert mit Punkt am Ende).

Nun ist das Album augen­schein­lich recht kurz, enthält es doch lediglich fünf Stücke. Allein die let­zten bei­den über­schre­it­en gemein­sam jedoch bere­its 30 Minuten. Radi­ogewohnte, schlichte Gemüter, denen die Geduld für Lieder jen­seits der drei bis vier Minuten fehlt, sind hier also wahrschein­lich über­fordert. Schade eigentlich.

Denn das Gehörte ist klasse. Seit dem Album “Unfold­ed Like Stair­case” sind immer­hin vierzehn Jahre ver­gan­gen, so hat­te das Quar­tett viel Zeit, den Nach­fol­ger zu per­fek­tion­ieren, und diese Zeit hat es wahrlich genutzt. Zu hören ist gitar­ren- und key­board­lastiger Retro-Prog, der die bedrohliche Atmo­sphäre von Van der Graaf Gen­er­a­tor (zu “Godbluff”-Zeiten) ein­fängt und mod­ernisiert. Dabei ist trotz häu­fi­gen Zitierens von “VdGG”-Melodien die Auf­nahme so klar und mod­ern, dass der Rück­griff auf die 1970-er Jahre kaum auf­fällt.

Aus­gedehnte Instru­men­tal­pas­sagen, in denen Key­boards und Gitarre sich duel­lieren, beson­ders beein­druck­end im 24-minüti­gen Abschluss “Rogue”, dem auch der Titel des Albums ent­nom­men ist, tre­f­fen auf her­vor­ra­gen­den Gesang. Gen­re­gren­zen sind hier völ­lig irrel­e­vant, zwis­chen Hard Rock, Jaz­zrock und Funk wird vari­iert, gele­gentlich (etwa fünf Minuten vor dem Ende von “Rogue”) winken auch die klas­sis­chen Gen­e­sis eben­so um die Ecke wie Rush und Led Zep­pelin. Rock, Alter.

Wie gesagt: Frech­heit, dass ich dieses Album erst jet­zt ent­decke. Das Warten hat sich aber alle­mal gelohnt.

Nachvol­lziehbar ist meine Freude an “To Shat­ter All Accord” auf Grooveshark.com. Viel Spaß!

In den Nachrichten
Kurz verlinkt LXXIX: Endstation.

Die Deutsche Bahn AG feiert momen­tan das zehn­jährige Jubiläum von “Olis Bah­n­welt”, des kindgerecht­en Indok­tri­na­tion­sportals, ander­weit­ig so erk­lärt:

Seit 2001 ist Oli die Iden­ti­fika­tions­fig­ur der Kinder- und Jugend­kom­mu­nika­tion der Deutschen Bahn. Mit seinen Pixi-Büch­er, die eine Auflage von über 2 Mil­lio­nen erre­icht haben, und mehreren Spie­len ist Oli mit­tler­weile in vie­len deutschen Kinderz­im­mern angekom­men.

Diese “Bah­n­welt” dient natür­lich nicht nur der Wer­bung, son­dern auch päd­a­gogis­chen Zweck­en:

Zudem bietet die Seite Spiele, News und Infos, die auch über den Teller­rand der Bahn hin­aus­blick­en – so ent­deck­en die Kinder beispiel­sweise die Hin­ter­gründe des Treib­haus­ef­fek­tes und find­en von der Stiftung Lesen, dem langjähri­gen Part­ner der DB, aus­gewählte Lesetipps. Darin zeigt sich das päd­a­gogis­che Konzept der Seite(…).

Aber die Bahn weiß: Päd­a­gogik bedeutet nicht nur Zucker­brot, son­dern auch Peitsche. Und wenn, dann richtig:

„Ich finde keine Worte dafür“, sagt die Frau anschließend im Inter­view. Eine Schaffner­in habe ihrem Sohn die Weit­er­fahrt ver­boten, weil ihm 6,30 Euro für ein regionales Anschlus­stick­et fehlten. „Er hat mich sog­ar im Bei­sein der Schaffner­in angerufen und wir haben ihr ange­boten, dass ich mit dem Geld am Bahn­steig auf ihn warte, aber sie ging nicht darauf ein. Stattdessen haben sie ihn sog­ar einges­per­rt.“

(…)

Der Junge sei in die Obhut eines Bun­de­spolizis­ten gegeben wor­den, der zufäl­lig im sel­ben Zug unter­wegs gewe­sen sei, sagt ein Sprech­er der Bun­de­spolizei auf Anfrage. (…) Große Sor­gen mache sie sich um die Ver­fas­sung ihres Kindes. „Ich kon­nte am Tele­fon gar kein Gespräch mit ihm führen – er war kom­plett fer­tig.“ Als ihr Mann ihn abge­holt habe, habe er geweint, sagt sie. „Er muss sich wie ein abge­führter Ver­brech­er gefühlt haben.“

“Meine Päd­a­gogik ist hart. Das Schwache muß wegge­häm­mert wer­den. (…) Beherrschung müssen sie ler­nen. Sie sollen mir in den schwierig­sten Proben die Todes­furcht besiegen ler­nen. Dies ist die Stufe der hero­is­chen Jugend.”
— Adolf Hitler

PolitikIn den Nachrichten
Entenhausen bleibt stabil

SPON so:

Nach Demon­stra­tio­nen gegen einen Auf­marsch von Recht­sex­tremen in Magde­burg ist es im Stadt­teil Stadt­feld zu Auss­chre­itun­gen gekom­men. Nach Angaben eines Polizeis­prech­ers war­fen am Sam­stagabend in der Puschkin­straße Unbekan­nte eine 40 Zen­time­ter große Beton­plat­te aus dem 5. Stock­w­erk nach einem Beamten. Die Plat­te ver­fehlte den Polizis­ten nur knapp. Er wurde leicht ver­let­zt.

Der Polizei zufolge sieht die Staat­san­waltschaft den Tatbe­stand des ver­sucht­en Totschlages als erfüllt an. Polizis­ten umstell­ten das Haus, in dem mehr als 50 Anhänger der linksau­tonomen Szene ver­mutet wur­den. (…)

SPD-Chef Sig­mar Gabriel, Grü­nen-Chefin Clau­dia Roth und die Vor­sitzende der Linken, Gesine Lötzsch, forderten in ihren Ansprachen ein Ver­bot der NPD und würdigten das Engage­ment der Magde­burg­er im Kampf gegen Rechts.

Ischa klar, so eine friedlich ver­laufende Demon­stra­tion, während der­er von recht­sex­tremer Gewalt keine Rede war, in deren Folge aber Linke ver­sucht­en Totschlag verüben, ist natür­lich ein weit­eres Argu­ment für ein NPD-Ver­bot: Hätte die NPD nicht demon­stri­ert, wären die Linken nicht in das Haus eingekehrt und der Polizist wäre unver­let­zt geblieben. Sim­ple Logik, wenn man links und ein biss­chen bal­la-bal­la ist. (Manche Anhänger der neuen Mauer­partei — meist die, die am lautesten brüllen — haben das mit der argu­men­ta­tiv­en Logik kon­se­quent seit Jahren immer weit­er per­fek­tion­iert: “Sie kön­nen nicht argu­men­tieren und müssen deshalb hier herumpö­beln, Sie feiges Nazis­chwein!” Ob das noch Zufall ist?)

Achjo, der Kampf gegen Rechts. Hat der CDU/CSU eigentlich inzwis­chen jemand erk­lärt, dass ein NPD-Ver­bot zur Folge hätte, dass sie zur recht­sex­tremen Partei in Deutsch­land würde, oder woran liegt es, dass sie in let­zter Zeit eher zurück­hal­tend mit dem The­ma umge­ht?

Apro­pos wirres Geschwätz: Die F.D.P., die ich für ihre Zuver­sicht, die sich darin äußert, dass sie anlässlich kom­mender Wahlen im Saar­land eine Kan­di­daten­liste — also wohl mehr als 1 Per­son — auf­stellen will, zumin­d­est respek­tiere, ist immer noch da.

Die FDP sei die Partei der leis­tungs­bere­it­en Mit­telschicht und mache wie keine andere mobil gegen Umverteilung und staatliche Bevor­mundung.

Natür­lich passt der F.D.P. eine Umverteilung von oben nach unten nicht ins Konzept: Wenn Möven­pick kein Geld mehr hat, wird der Etat irgend­wann knapp.

Schön, dass die F.D.P. noch da ist. Aber warum?

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Kurz verlinkt LXXVIII: Deutsche, Google, goldene Pos

Puh, so ein Glück:

Unter den Toten und Ver­let­zten des Schiff­sunglücks vor der toskanis­chen Küste sind nach Infor­ma­tio­nen des Ver­anstal­ters keine deutschen Pas­sagiere.

Dann ist ja alles in Ord­nung.


Apro­pos Duck­Duck­Go und Google-ver­plusst-eure-Welt: diplix, der’s auch ger­ade testet, bemerkt all­ge­mein eine gewisse Unzufrieden­heit mit Google und ver­weist auf Mat Honan, der sich stattdessen für Bing entsch­ieden hat:

I just switched the default search engine in my brows­er from Google to Bing. And if you care about work­ing effi­cient­ly, or get­ting the right results when you search, then maybe you should too. Don’t laugh!

Warum? Ganz ein­fach:

Google broke itself.

Wenn man zu gierig wird, ver­bren­nt man sich eben die Fin­ger. An Alter­na­tiv­en mangelt’s ja nicht.


Auch eine Art von Berühmtheit: Eine neu ent­deck­te Fliege­nart, Scap­ti­ca bey­on­ceae, wurde nach der “Sän­gerin” Bey­on­cé benan­nt. Warum aus­gerech­net sie? Die Fliege habe, solch­es sprach der Ent­deck­er, ein­ma­lige gold­ene Haare am Gesäß, und das erin­nerte ihn frap­pierend an Frau Knowles. Wenn’s halt für das Gesicht nicht reicht.

Lyrik
Romantik im Januar

Der Mor­gen erwacht,
und über der Nacht
liegt Schweigen.

Den Wölfen ihr Heulen
lud sie mit den Eulen
zum Reigen.

Sie g’nossen den Abend,
nach einan­der dar­bend,
am Meer.

Sie liebten den Hafen,
wo sie sich einst trafen,
d’rum sehr.

Er hörte das Tosen
und schenk­te ihr Rosen
und Wick­en.

Die Nacht brach here­in,
sie blieben allein,
um zu bum­sen.

(Abt.: Ist das nicht süß?)

In den NachrichtenNerdkrams
Die verlorene Neutralität der Suchmaschine G.

Dass Google seit eini­gen Wochen bestrebt ist, sein Kerngeschäft mit der hau­seige­nen Such­mas­chine hin­ten anzustellen, und dafür auch bere­it ist, selb­st diese Such­mas­chine nach­haltig zu beschnei­den, ist nun keine Neuigkeit mehr. Nun aber beschw­ert man sich im Hause Twit­ter darüber, dass man zugun­sten von Google+ ver­nach­läs­sigt wird, nach­dem der wie auch immer geart­ete Ver­trag zwis­chen Google und Twit­ter abge­laufen ist. (Ich sollte mich glück­lich schätzen, dass diese Webpräsenz hier laut Sta­tis­tik auch ohne einen Ver­trag über­haupt noch bei Google auf­taucht, schätze ich.)

Es sam­melt sich auf Google+ hämis­ches Geschnat­ter von überzeugten Google+-Nutzern, Twit­ter brauche halt eh’ kein­er mehr, weil sie den Unter­schied zwis­chen einem Mikroblog und einem sozialen Net­zw­erk eben noch nie so richtig ver­standen haben (gut, was ist von Google-Fre­un­den auch zu erwarten?); aber das Prob­lem liegt tiefer:

So bemän­gelte Twit­ter, dass Google durch die Änderun­gen keine neu­tralen Suchergeb­nisse mehr aus­lief­ere.

Neu­tral­ität? Will Google das?

Google ver­di­ent recht viel Geld damit (bzw. bekommt es dafür), dass Anzeigenkun­den gewün­schte Ver­weise oben in den Suchergeb­nis­sen platzieren kön­nen, und das nicht erst seit gestern. Der Weg­fall der Echtzeit­suche für aus­gerech­net Tweets, die nor­maler­weise ja eher unper­sön­lich gehal­ten sind, kann also noch irgendwelche “Neu­tral­ität” beschädi­gen?

Googles Such­mas­chine über­haupt noch als solche zu beze­ich­nen war schon lange frag­würdig, tat sie doch sel­ten das, was man ihr sagte, son­dern for­mulierte intern die Suchan­fra­gen so lange um, bis etwas her­auskam, was man ganz sich­er nicht gesucht hat­te. Natür­lich führte das so zu vie­len Tre­f­fern, die am Rande etwas mit dem zu tun hat­ten, was man eigentlich gesucht hat­te, aber Quan­tität und Qual­ität sind eben sel­ten deck­ungs­gle­ich.

Und nun also nicht nur “Suchen”, son­dern “Search, plus your world”. Suchen in der eige­nen kleinen Welt. Ist man bei Google+ reg­istri­ert und rege aktiv, aus­ge­fülltes und wahrheits­gemäßes Pro­fil inklu­sive, bekommt Google nicht nur einen großen Anteil am Datenkuchen, den das fet­tleibige Face­book son­st allein gefressen hätte, son­dern ist auch in der Lage, aus diesen Dat­en Ergeb­nisse zu liefern, die für das eigene reale Umfeld von hoher Pri­or­ität sind. (Ich nehme an, man sollte es also ver­mei­den, auf Google+ Porn­odarstel­lerin­nen “einzukreisen”; es sei denn, man sucht häu­figer mal nach, ähm, so Sachen bei Google.)

Tat­säch­lich gibt es Leute, die von ein­er Exis­tenz ander­er Such­maschi­nen gar nichts wis­sen; die verzweifelt sind, wenn Google ein­mal nicht erre­ich­bar ist. Diese Men­schen bere­it­en mir Sorge. Noch mehr Sorge aber bere­it­et mir diese mit san­ftem Druck erre­ichte Dom­i­nanz von Google+ in einem wichti­gen Teil des Inter­nets, näm­lich sein­er Durch­such­barkeit.

Mar­cel Weiss hat es schon richtig erkan­nt:

Google dage­gen ist es ‘rel­a­tiv’ egal, welch­es Social Net­work sich etabliert. Haupt­sache, es hat Zugriff auf die Dat­en und kann diese auswerten und durch­such­bar machen. (…) Je größer Face­books pri­vate Daten­schatzkam­mer wird, je mehr Social-Graph-Dat­en Twit­ter und co. anhäufen, desto größer die eben beschriebene Gefahr für Google und desto erpress­bar­er wird Google.

Es geht hier nicht um Kom­fort für die Benutzer; was sollte auch daran kom­fort­a­bel sein, wenn eine Such­mas­chine bevorzugt auf Seit­en des Betreibers ver­weist? Es geht einzig darum, den Mit­telpunkt des virtuellen Lebens ihrer Benutzer auf Google+ zu ver­lagern. Die Ver­heißung: Endlich mal wieder brauch­bare Suchergeb­nisse mit dem beson­deren Extra, näm­lich der noch per­sön­licheren Note als bish­er. (Wer glaubte, Google würde jedem Suchen­den auf die gle­iche Frage die gle­iche Antwort geben, den muss ich ent­täuschen. Pro­biert es ein­mal aus!)

Google ver­sucht Google+ neben dem allmäh­lich ver­welk­enden Face­book, das sich mit der “Time­line” ger­ade zum wahrschein­lich let­zten Mal aufge­bäumt hat, zu etablieren und geht dafür über die eigene Leiche. Dass Face­book sich eben­falls darüber beschw­ert, dass der einzig ernst zu nehmende Konkur­rent sich selb­st zum Invali­den macht, halte ich für unwahrschein­lich, aber die Befind­lichkeit­en der großen Konz­erne sind ger­ade auch nicht das, was mich als Endan­wen­der (zumal als momen­tan­er Duck­Duck­Go-Nutzer) inter­essieren sollte. Vielle­icht ist es aber auch deshalb gut, dass Twit­ter vor­erst nicht mehr mit Google zusam­me­nar­beit­et: Wenn alle “großen” Plat­tfor­men im Google-Pro­fil zusam­men­flössen, hätte das wahrschein­lich eher nicht so gute Kon­se­quen­zen.

Jeden­falls gilt: Die Google-Suche ist keine neu­trale Such­mas­chine und will es auch gar nicht sein. Dass das noch irgend­je­man­den so sehr über­rascht, dass mein RSS-Leser mit Aaaahs und Oooohs ob der neuen ver­plussten Suche befüllt ist, ist daher ziem­lich erstaunlich. Und ich wün­schte, dies­mal würde man dem Jun­gen, der “Wolf!” ruft, Gehör schenken. Er — der Wolf — kommt schneller als gedacht.

“Das Denken fand man bis heute nicht…”
— Hölder­lin, “Requiem für einen Wicht”

Nerdkrams
Diktat der Werbeakzeptanz

An das dun­kle Zeital­ter des Webs, als Geoc­i­ties und Beep­world noch große Namen tru­gen und ani­mierte GIF-Bilder noch den Flaschen­hals der Web­seit­enüber­tra­gung per 56-kbit-Leitung darstell­ten, erin­nert heute zum Glück kaum noch etwas. Nur Nos­tal­gik­er und Spaßvögel kom­men mit Gedenk­seit­en wie dem Geoc­i­ties-izer noch immer auf ihre Kosten. Das per­sön­liche Web, so hässlich es auch war, hat­te aber doch seine attrak­tiv­en Seit­en. Zusam­menge­fasst bedeuteten sie: Klein, aber mein.

Dann kam die “Dot-Com-Blase”, die Mon­e­tarisierung des WWW, als irgen­dein schus­seliger Prak­tikant einem Schlip­sträger verse­hentlich zu ver­ste­hen gegeben hat­te, dass dieses Web zwar kreis­chend bunt und voller Men­schen, jedoch noch weit­ge­hend frei von groß angelegten Wer­bekam­pag­nen war. Das sollte sich ändern: Urplöt­zlich, gle­ich­sam über Nacht, fie­len die Ver­mark­tungsstrate­gen wie einst die spanis­chen Erober­er in das nur mit dem Danc­ing Baby bewaffnete per­sön­liche Web ein und bracht­en ihm “Demokratie”, “Frei­heit” und den Tod. Es schien für sie unerträglich zu sein, dass da ein paar Leute ein­fach ihren Spaß haben kon­nte, ohne dass größere Geld­be­träge flossen.

Beein­druckt vom Erschei­n­ungs­bild des nun­mehr verblich­enen per­sön­lichen Webs ersan­nen die weni­gen Unternehmen, die das lei­der viel zu späte Blasen des Platzes Platzen der Blase über­lebt hat­ten, gle­ich­falls bunte, blink­ende, tönende Wer­bung, die ihren Platz auf Web­seit­en mit virtuellen Klauen und Zäh­nen vertei­digte. In ihrer Vor­freude auf die zu erzie­len­den Wer­beein­nah­men haben sie jedoch vergessen, dass Inter­net­nutzer auch nur Men­schen sind und nur wenige Men­schen es mögen, wenn sie arg­los einen Stadt­bum­mel machen und plöt­zlich ein Dudel­sack­spiel­er sich von hin­ten anschle­icht und ihnen ins Ohr trötet: Wer nervt, der macht sich eben unbe­liebt. (Ich empfehle an dieser Stelle nochmals den her­vor­ra­gen­den offe­nen Brief zum The­ma von Jan Schejbal.)

Und so schlossen sich die Stadt­bumm­ler zusam­men und entwick­el­ten aller­lei Abwehrmaß­nah­men. Erfol­gre­ich waren, auch auf­grund ihrer freien Ver­füg­barkeit, vor allem die Pro­jek­te Prox­omitron und Adblock. Während aber ersteres aus natür­lichem Grund, näm­lich dem Tod seines Pro­gram­mier­ers vor eini­gen Jahren, nicht mehr grundle­gend weit­er­en­twick­elt wer­den kann, erfuhr zweit­eres nach Zer­würfnis­sen eine Auf­s­pal­tung, und es ent­stand Adblock Plus.

Jahre­lang genoss Adblock Plus neben Ad Munch­er die Stel­lung eines Ref­eren­zpro­duk­ts bei einem großen Teil der Inter­net­nutzer. Im Jahr 2011 bemerk­te Wladimir Palant, maßge­blich Ver­ant­wortlich­er für die Entwick­lung von Adblock Plus, dass sein freies Pro­jekt sich zum Reich­w­er­den nur wenig eignete, und grün­dete gemein­sam mit Till Fai­da die Eyeo GmbH, deren Zweck es sein sollte, die Entwick­lung finanzieren zu helfen. Vor­erst war dies, so die Ankündi­gung, lediglich eine Umfir­mierung ohne weit­eren Ein­fluss auf das Pro­dukt selb­st. Beobachter beschworen den­noch umge­hend das Ende von Adblock Plus her­auf und rieten zu Alter­na­tiv­en.

Dann kam Ver­sion 2.0 und mit ihr die Klasse der “nicht auf­dringlichen Wer­bung”. Adblock Plus sollte sich so selb­st über­flüs­sig machen. Das Prinzip lautet: Wer­bung, die nicht nervt, erfordert nicht unbe­d­ingt jeman­den, der sie in die Schranken weist. Diese Idee erschien nur kon­se­quent, hat­te man doch die Wer­be­block­ier­er einst erdacht, um sich gegen immer auf­dringlichere Wer­bung zur Wehr set­zen zu kön­nen. Ein Inter­net, dessen Wer­bung wed­er auf­dringlich noch daten­schutztech­nisch frag­würdig ist, bedarf solch­er Maß­nah­men im Grunde genom­men nicht mehr, der Finanzierung größer­er Pro­jek­te mith­il­fe von Wer­beein­blendun­gen käme dies zugute.

Lei­der wurde diese Änderung offen­bar nicht aus­re­ichend kom­mu­niziert, die Inter­net­nutzer brüll­ten im Chor, es sei eine “Schweinerei”, dass eine Erweiterung zum Block­ieren von Wer­bung kün­ftig keine Wer­bung mehr block­ieren sollte. Dass das Abschal­ten der neuen Tol­er­anz nur eines ein­fachen Klicks im Ein­stel­lungs­bild­schirm bedarf, ist ihnen wohl meist völ­lig ent­gan­gen. (Zum Ver­gle­ich: Das ist unge­fähr so, als wenn man sein neues Auto reklamiert, weil man den Schlüs­sel herum­drehen muss, bevor es fährt.) Der wesentliche Kri­tikpunkt scheint darin zu beste­hen, dass Adblock Plus nicht in der Lage ist, automa­tisch einge­bun­dene Wer­bung anhand ihres Ver­hal­tens zu erken­nen, und somit auf eine von den Entwick­lern gepflegte “weiße Liste” zurück­greifen muss, auf die der Benutzer keinen aktiv­en Ein­fluss nehmen kann, vom Melden verse­hentlich freigeschal­teter Wer­bung ein­mal abge­se­hen.

Um in diese Liste aufgenom­men zu wer­den, muss ein Wer­be­treiben­der eine entsprechende Vere­in­barung einge­hen: Er verpflichtet sich, vom Schal­ten brül­len­der Nervereien als Wer­bung abzuse­hen, und bekommt dafür einen Ein­trag als Quelle unauf­dringlich­er Wer­bung. Dabei geben sich die Ver­ant­wortlichen nicht käu­flich, über­legen sich öffentlich lediglich die Ein­führung von Ver­wal­tungs­ge­bühren für die Freis­chal­tung eines neuen Lis­tenein­trags.

Die Redak­tion des reißerischen Com­put­er­magazins PC-WELT wider­spricht seit gestern ener­gisch und behauptet unter Beru­fung auf nicht näher genan­nte Quellen (“Besuch von Adblock Plus”), man könne sich Ein­träge auf der “weißen Liste” schlicht erkaufen.

Web­seit­en-Betreiber müssen voraus­sichtlich zahlen, um auf die Aus­nah­meliste mit den „accept­able ads“ zu kom­men. Anders for­muliert: Für Geld will Adblock Plus Wer­bung zum User durch­lassen. Wer nicht zahlt, kommt nicht auf die Liste und muss auf Wer­beein­nah­men verzicht­en. (…) Die Web­seit­en sollen zahlen. Die Wer­be­block­er-Nutzer sollen Wer­bung sehen.

Ja, das ist zutr­e­f­fend. So etwas wie jour­nal­is­tis­che Tätigkeit (zum Beispiel Hin­ter­grun­drecherchen) erwarte ich von den “Redak­teuren” der PC-WELT schon lange nicht mehr, aber für einen solchen schw­eren Vor­wurf (“Das sind schwere Vor­würfe.”) hätte man als Leser zumin­d­est erwartet, dass sich der Schreiber ein­mal mit den Aus­sagen “von Adblock Plus” befasst, denn diese Frage wurde, wie oben bere­its angedeutet, der­er­seits hin­re­ichend beant­wortet:

Wer­den Sie für Ein­träge in die Liste bezahlt?

Nein. (…) Es ist (…) wahrschein­lich, dass ab einem gewis­sen Zeit­punkt die Fir­men an den Kosten beteiligt wer­den, die in die Liste aufgenom­men wer­den möcht­en.

Vielle­icht müssen ab einem gewis­sen Zeit­punkt Anbi­eter akzept­abler Wer­bung ein wenig Geld investieren, um als solche gekennze­ich­net zu wer­den. Schlicht falsch ist aber offenkundig die Behaup­tung, es gäbe Pläne, diesen Sta­tus später ein­mal — oder gar bere­its jet­zt — erkaufen zu kön­nen. (Dass jemand die qui­etschbunte PC-WELT-Wer­bung als “nicht auf­dringlich” klas­si­fizieren würde, halte ich ohne­hin für ein Gerücht, das auch Unkundi­geren zu ver­ste­hen geben sollte, dass hier Unfug kol­portiert wird.)

Möglicher­weise ist die gegen­wär­tige Imple­men­tierung der “Liste akzept­abler Wer­bung” noch nicht das Gelbe vom Ei, möglicher­weise ist sie inkom­pat­i­bel mit dem Ver­ständ­nis viel­er Anwen­der vom Zweck eines Wer­be­block­ier­ers. Zeter und Mor­dio zu schreien und die Entwick­ler zu ver­fluchen ist aber der falsche Schritt, denn es zeugt allen­falls vom eige­nen Missver­ständ­nis.

Aber wer lieber den Aufwand auf sich nimmt, auf eine Alter­na­tive umzusteigen, statt ein­fach den entsprechen­den Hak­en in den Adblock-Plus-Fil­tere­in­stel­lun­gen zu ent­fer­nen, dem muss man mit sach­lichen Erk­lärun­gen wahrschein­lich gar nicht erst kom­men.

Sonstiges
“Bannt die Votze !”

Über das Spiel League of Leg­ends und seine Klien­tel habe ich an ander­er Stelle schon etwas geschrieben.

Eines möchte ich noch hinzufü­gen: Wie die meis­ten Spiele, in denen so Men­schen aufeinan­der tre­f­fen, besitzt auch League of Leg­ends ein Meldesys­tem, mith­il­fe dessen es möglich ist, Spiel­er, die sich daneben­benehmen, zu ver­pet­zen. Als Ergänzung gibt es das “Tri­bunal”, in dem Spiel­er ab Stufe 30 demokratisch darüber richt­en kön­nen, ob gemeldete “Fälle” sank­tion­iert wer­den soll­ten oder nicht.

Das sieht dann zum Beispiel so aus:

“Ich will nicht mehr auf diesem Plan­eten leben.”
— Hubert J. Farnsworth, c/o “Futu­ra­ma”

In den Nachrichten
Medienkritik LXI: Eine Währung, alle Preise

Und wieder ein­mal beschle­icht mich das Gefühl, die “Braun­schweiger Zeitung” sei die F.D.P. unter den Tageszeitun­gen, das neolib­erale Kampf­blatt, das seine eigene Bedeu­tungslosigkeit nicht zu akzep­tieren bere­it ist. Heute fand ich in diesem furcht­baren Druck­erzeug­nis fol­gen­den gle­ich­falls furcht­baren “Artikel”:

Als Zahlungsmit­tel ist der Euro für Wolfen­büt­tels mit­tel­ständis­che Unternehmen eine große Hil­fe.

Ja, als was denn son­st — als Klopa­pi­er? Die Begrün­dung für diese Behaup­tung finde ich aber noch famoser als ihre For­mulierung:

“Wech­selkurse sind Bar­ri­eren”, sagt [MKN-Geschäfts­führer Georg] Weber. (…) Man sei nicht den Gefahren von Währungss­chwankun­gen aus­ge­set­zt.

Dass der Umstand, dass man “sog­ar mit den USA” Geschäfte in Euro abschließen kann, hat natür­lich aber auf das Beste­hen von Wech­selkursen mal so über­haupt keinen Ein­fluss, wie ein Blick ins näch­ste Zeitschriften­re­gal bere­its ganz ein­fach demon­stri­eren würde:

Dass solche Alltäglichkeit­en den Schreiber­lin­gen der “Braun­schweiger Zeitung” nicht weit­er auf­fall­en, lässt sich nur damit erk­lären, dass sie ein­fach keine Zeitschriften lesen; aber das ist ja auch keine Voraus­set­zung, um dort zu arbeit­en. Und so zeu­gen auch die let­zten Sätze davon, dass man im Gespräch mit der Wirtschaft keine Zwis­chen­rufe aus dem blö­den Volk wün­scht:

Dass der Euro am Ende sei, befürchtet man in keinem der Unternehmen. “Kein­er hat ein Inter­esse daran”, meint [Sur­fac­tor-Geschäfts­führer Gun­ther] Mar­tin. (…) Wenn man zur D‑Mark zurück­kehre, bekomme man Schweiz­er Ver­hält­nisse. “Aber das ist schlechter als der Euro.”

Hier hat man min­destens eine Fußnote vergessen. “Kein­er” ist hier selb­stver­ständlich nicht iden­tisch mit “nie­man­dem”, son­dern bezieht sich nur auf die Mehrheit der Gewer­be­treiben­den und Neure­ichen, die vom Euro keine nen­nenswerten Nachteile haben. Der Bürg­er sieht das anders — aber lasst den Pöbel mal quatschen. Wenn er kein Brot mehr hat, soll er eben Kuchen essen, so lange er ihn bei uns kauft, nicht wahr?

Und das mit den Schweiz­er Ver­hält­nis­sen war vielle­icht nur ein Faux­pas und gar nicht so gemeint, in der Schweiz läuft’s näm­lich bestens:

Trotz schwieriger Wirtschaft­slage bekom­men viele Angestellte in der Schweiz für 2012 eine Lohn­er­höhung. Die Band­bre­ite der bish­er bekan­nten Lohn­ab­schlüsse reicht von 0 bis über 2%. (…) Laut Ökonomen­prog­nosen dürfte die Beschäf­ti­gung näch­stes Jahr sinken und die gesamtwirtschaftliche Lohn­summe um etwas unter 2% zule­gen.

Dass kein­er der befragten Unternehmer die Aussieht auf Lohn­er­höhung zu schätzen weiß, über­rascht mich nun nicht. Lohn­er­höhun­gen sind schlechter als der Euro?

Während der Franzö­sis­chen Rev­o­lu­tion hat­ten die Arbeit­er noch eine hand­feste Antwort auf so einen Blödsinn. Dum­mer­weise ist die Enthaup­tung von Emporkömm­lin­gen nach aktueller Recht­sprechung auch aus poli­tis­chen Grün­den nicht ges­tat­tet. Ander­er­seits: Die Fol­gen (Napoleon, Sarkozy) bleiben neg­a­tiv in Erin­nerung.