PolitikNetzfundstückePiratenpartei
Katrin (CDU): Vogel.

Der Preis für größt­möglichen Real­itätsab­stand geht in diesem Monat tra­di­tionell wieder an die CDU, dies­mal an das dor­tige Mit­glied Katrin Vogel, die irgend­je­mand blöd genug war zu wählen und die deshalb fol­gen­den Unsinn unredigiert in irgen­dein — zum Glück nur lokales — Quatschblatt druck­en lassen durfte:

Wahr ist, dass die Piraten­partei sich für eine Lockerung des Betäubungsmit­telge­set­zes ein­set­zt, um so etwa der Dro­gen­mafia das Geschäft zu ruinieren und sie so let­z­tendlich über­flüs­sig zu machen. Kom­plett daneben liegt sie aber mit der Behaup­tung, die Piraten­partei unter­stütze den freien Zugang zu Kinder­pornografie im Inter­net. Inzwis­chen habe sie das einge­se­hen, schreibt Frau Vogel:

Im Pro­gramm der Pirat­en habe ich viele Punk­te zur Ablehnung der Zen­sur im Inter­net gefun­den aber keine Äußerung zur Verurteilung von Kinder­pornogra­phie im Inter­net oder Vorschläge zur deren Bekämp­fung.
Durch hun­derte von emails, als Reak­tion auf meinen Artikel, ist mir deut­lich gewor­den, dass es offen­sichtlich Ziel viel­er Mit­glieder oder Anhänger der Pirat­en ist, kinder­pornographis­che Seit­en kom­plett zu löschen.

Sie wirkt ehrlich über­rascht. Wie, die Piraten­partei ste­ht gar nicht für kosten­lose Kinder­porno-Fla­trates?!

Fünf Jahre Piraten­partei kann man eben schon mal ver­schlafen, wenn man in der CDU ist, und mit dem lang­weili­gen Geschwätz, das Parteien von sich geben, die nicht mal im Bun­destag sitzen, muss man sich ja ohne­hin nicht beschäfti­gen. Da ste­ht die Union drüber, gelle? — Ich frage mich, ob die Entschuldigung es eben­falls in das­selbe Quatschblatt schafft. Ich bin kein Jurist, aber ich bezwei­fle, dass dieses halb­herzige “hop­pla!” die bere­its geschehene üble Nachrede neb­st neg­a­tiv­en Fol­gen für das Anse­hen der Piraten­partei bei Lesern des Quatschblattes im Nach­hinein aufhebt. Um es mit Katrin Vogel zu sagen:

Demokratie hat auch Gren­zen.

Aber nur so ein Denkanstoß, Frau Vogel: Wofür genau ste­ht eigentlich Ihre CDU, die Kinder für ihren Wahlkampf miss­braucht und nicht davor zurückschreckt, entsprechen­des Mate­r­i­al auch öffentlich vorzuführen? Für ange­wandtes Arschlochtum?

Das wird man ja wohl noch fra­gen dür­fen in diesem Land.


Nach­trag vom 30. Novem­ber 2011: In den Kom­mentaren zu diesem Beitrag hat Katrin Vogel meine Ver­mu­tung, eine Kor­rek­tur würde aus­bleiben, wider­legt. Danke hier­für.

Fotografie
Überraschung!

Ihr ken­nt das sich­er: Ihr wollt noch unter­wegs ein Geschenk für liebe Weg­be­gleit­er kaufen, aber find­et ein­fach nicht das richtige Mit­bringsel.

Zum Glück gibt es Geschäfte, die sich darauf spezial­isiert haben, diesem Miss­stand ein Ende zu bere­it­en; zum Beispiel den “Über­raschungs-Basar” in ein­er nicht näher erwäh­nenswerten deutschen Kle­in­stadt, dessen Ange­bot bere­its von Weit­em zu bestechen weiß:

Da wer­den die lieben Wegge­fährten sich­er über­rascht sein!

PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt LXIV: Keine Gnade für ganz normale Menschen

Unver­schämtheit!

Tele­fóni­ca Ger­many hat die Zusam­me­nar­beit mit dem Foto­mod­el Vanes­sa Hessler been­det. Die 23-Jährige hat­te sich als Geliebte eines getöteten Gaddafi-Sohnes geoutet und das Gaddafi-Regime ver­harm­lost.

(…)

Nach dem Sturz des Gaddafi-Regimes in Libyen hat­te sich das 23-jährige Foto­mod­el in einem Inter­view mit der ital­ienis­chen Frauen­zeitschrift Diva e Don­na laut Focus über ihre vier­jährige Beziehung zu Mutas­sim al Gaddafi, einem der während der Kämpfe in Libyen getöteten Gaddafi-Söhne, geäußert.

“Seine Fam­i­lie, seine Brüder sind nicht so, wie sie immer dargestellt wer­den. Das sind ganz nor­male Men­schen”, sagte Hessler in dem Inter­view.

Was ist diese Frau Hessler nur für ein Men­sch, dass sie so etwas behauptet? Selb­stver­ständlich sind die Söhne eines dik­ta­torischen ehe­ma­li­gen Rev­o­lu­tions­führers selb­st Dik­ta­toren und wur­den zu Recht von der Erde getil­gt!

Man halte ihr zugute, dass sie selb­st bemerkenswert welt­fremd ist und behauptet, über die Zustände in Libyen bess­er Bescheid zu wis­sen als die Zuschauer der täglichen, selb­stver­ständlich inte­gren und objek­tiv­en Fernsehnachricht­en:

Das Schick­sal des Gaddafi-Clans bewegte das Mod­el offen­bar mehr als das des libyschen Volkes, das ihr nicht beson­ders arm und auch nicht fanatisch vorgekom­men sei. “Man muss nicht alles glauben, was so gesagt wird”, sagte Hessler. Dass der West­en den Auf­s­tand gegen Gaddafi unter­stützt hat, gefiel ihr eben­falls nicht: “Die Leute wis­sen nicht, was sie tun.”

Gut, dass man sie endlich aus dem Verkehr gezo­gen hat! Am Ende zweifelt noch jemand daran, dass der Auf­tragsmord in Libyen eine gute Idee war!

Und das wollen wir ja alle nicht, nicht wahr?

KaufbefehleMusikkritik
Pin-up Went Down — 342

Apro­pos Rock, Alter: 2010 erschien das Album “342” der franzö­sis­chen Avant­garde-Met­aller Pin-up Went Down und geht so ab, dass man geneigt ist, von Mordsmäßigkeit zu sprechen, wäre Mord nicht so neg­a­tiv behaftet.

Bei pin-ups denkt man wom­öglich an Spindposter mit Iko­nen früher­er Jahrzehnte und nicht an Met­al. Nun, tat­säch­lich zele­bri­eren die Musik­er die Ästhetik der 50-er Jahre. Das Album begin­nt mit lauschi­gen Klän­gen, wie sie unge­fähr zu hören sind, wenn man sich Klavier­be­gleitung in einem Café in einem klis­chee­haften Schwarz-Weiß-Spielfilm über die Vor- und frühe Nachkriegszeit vorstellt (oder wie jeden­falls ich sie mir vorstelle), Sän­gerin “Aspho­del” beherrscht ihr Handw­erk vortr­e­f­flich. Duffy ist ein stimm­lich­er Ver­gle­ich, der unsere­inem in den Sinn kommt.

Kaum aber hat man sich an die leicht entrück­te, ins­ge­samt nach The Cardi­gans und Belle and Sebas­t­ian und Bell, Book & Can­dle und Regi­na Spek­tor und Klis­cheefilmen klin­gende Ein­leitung gewöh­nt, haut der Schlagzeuger kurz auf die Pauke, und der Met­al bah­nt sich seinen Weg ins Gehör des erwartungsvollen und plöt­zlich ziem­lich über­wältigten Hör­ers. Masku­lines Growl­ing, Gitar­rengeschep­per, irres Schlagzeug, dazu gibt “Aspho­del” die Tar­ja Turunen oder, je nach Gen­er­a­tion, die “Colum­bia” aus der Rocky Hor­ror Pic­ture Show. Eine neue Assozi­a­tion, die sich bei der von mir gehörten Musik nur sel­ten anbi­etet: Hag­gard. (Die eben­falls recht gut sind und mal gehört wer­den soll­ten, liebe Leser.)

Nach etwa drei Minuten fol­gt ein Folk­stück mit mehrstim­migem Gesang, spär­lich instru­men­tiert, der bere­its erwäh­nte Bell, Book & Can­dle auch gesan­glich in Erin­nerung ruft. Lied 3, “Porce­lain Hours”, ist beina­he schon “Pop”, stilecht mit diesem mod­er­nen Sprechge­sang, den nach über 30 Jahren noch viele Jugendliche echt pri­ma find­en, in “Essence of I” paart man Growl­ing mit Shaki­ra, und das klingt nicht ein­mal schlecht. Gele­gentliche merk­würdi­ge Choralein­würfe, etwa in dem eben­falls merk­würdig benan­nten “Mur­phy in the Sky with Dae­mons” (da gab es doch mal was von den Bea­t­les?), erin­nern an Yes’ merk­würdi­ges “Sound Chas­er” (“cha cha cha / cha cha”) und belusti­gen und hal­ten die Aufmerk­samkeitss­panne des Hör­ers auf einem hohen Niveau. So muss das sein, so ist es fein.

Das gesamte Album und seinen Vorgänger “2 Unlim­it­ed” von 2008 gibt es auf der Inter­net­präsenz des Trios zu hören, dauer­haften Spaß auch unter­wegs bietet die CD-Ver­sion, die es zum Beispiel via Ama­zon oder zum Selb­st­bren­nen auf Bandcamp.com zu erwer­ben gibt.

Man möge reich­lich davon Gebrauch machen!

SonstigesIn den Nachrichten
Trotzdem.

Mor­gens auf­ste­hen, weil man noch müde ist.

Zur Arbeit gehen, weil es dort viel zu tun gibt.

Ein­er Feier bei­wohnen, weil der Gast­ge­ber ein Unsym­pa­th ist.

Bier trinken, weil man noch fahren muss.

Ein­fach öfter mal etwas tun, weil es eigentlich obwohl heißen müsste.

Das Leben kann so anders sein.


Apro­pos “anders”: Welt.de schafft es mal wieder, jede Freude über eine Über­schrift im Text vergessen zu lassen.

So heißt es dort:

Die Bun­desre­pub­lik genießt bei jun­gen Migranten einen exzel­len­ten Ruf. Und sowohl in Europa als auch in Übersee steigt das Inter­esse an der deutschen Sprache.

Das sind doch mal pos­i­tive news Neuigkeit­en, bedenkt man, dass die Benutzung der deutschen Sprache hierzu­lande nicht unbe­d­ingt beliebt ist. Blöder­weise rel­a­tiviert Welt.de das schon wenig später:

Umso erfreulich­er, dass wir in Europa und Übersee ein steigen­des Inter­esse an der deutschen Sprache reg­istri­eren dür­fen. Und zwar nicht aus selb­st­los­er Liebe zu Goethe, Schiller und Heine, son­dern weil immer mehr gut aus­ge­bildete, junge Aus­län­der in der Bun­desre­pub­lik ein Land sehen, in dem man sein Glück machen kann. Wir kön­nen diese Men­schen gut gebrauchen. Immer mehr Branchen rufen verzweifelt nach Fachar­beit­ern und Inge­nieuren – und siehe da, sie kom­men. (…) Als Ein­wan­derungs­land konkur­ri­eren wir weltweit um die besten Köpfe.

Diesen Text empfehle ich nur in kurzen Abschnit­ten zu lesen, denn über­höhter Kon­sum kann schnell zu Brechreiz führen. Es sei, so Autor C.C. Malzahn von Welt.de, nicht etwa beson­ders wichtig, dass die deutsche Sprache sich ver­bre­it­et, son­dern sie sei lediglich ein wichtiges Mit­tel zum Zweck; und zwar nicht etwa aus kul­turellem Inter­esse, son­dern aus bloßen wirtschaftlichen Über­legun­gen her­aus: Je bess­er Aus­län­der Deutsch sprechen, desto eher seien sie befähigt, einen gut bezahlten Arbeit­splatz zu find­en, denn die Wirtschaft suche drin­gend nach aus­ge­bilde­ten Fachkräften, und im Inland seien die anscheinend — das schreibt C.C. Malzahn allerd­ings nicht — nur schw­er zu find­en, obwohl hier eben­falls viele Men­schen Deutsch sprechen. Die paar Mil­lio­nen arbeit­slos­er deutschstäm­miger Akademik­er ver­lan­gen eben ein­fach zu viel Geld für ihre Arbeit. Mit “selb­st­los­er Liebe” kann man eben keine Fam­i­lie ernähren.

Manch­mal ver­gisst man fast, dass Welt.de ein kon­ser­v­a­tives Medi­um ist. Schön, dass man manch­mal wieder daran erin­nert wird.

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz verlinkt LXIII: Der Terror und die Dilettanten

Um den Fre­itag angemessen heit­er in das Woch­enende überge­hen zu lassen, empfehle ich den Kon­sum dieses Artikels auf heise.de, demzu­folge die meis­ten Parteien im Bun­destag — mit Aus­nahme der Grü­nen natür­lich, denn die sind ger­ade in der Oppo­si­tion und find­en blöde Ideen (Stuttgart 21, Tro­janere­in­satz und so weit­er) nur gut, bis sie abgewählt wer­den, um dann mit dem Fin­ger auf die anderen Parteien zu zeigen, und der Linken — den fort­ge­set­zten Ein­satz des grun­drechtswidri­gen “Staat­stro­jan­ers” befür­worten. Eine wirk­lich beein­druck­ende Begrün­dung hierzu kommt aus dem kon­ser­v­a­tiv­en Lager:

Clemens Bin­ninger sprach im Namen der CDU/C­SU-Frak­tion von ein­er “absur­den Forderung”, die mit keinem Wort auf die ern­ste ter­ror­is­tis­che Bedro­hungslage hierzu­lande einge­he.

“Ern­ste ter­ror­is­tis­che Bedro­hungslage hierzu­lande” in anderen Worten:

Gegen den Beschuldigten wurde ermit­telt, weil er bei einem IT-Unternehmen arbeit­ete, das Han­del­splat­tfor­men für Fir­men pro­gram­mierte, die in Deutsch­land ordentlich zuge­lassene Psy­chophar­ma­ka ins Aus­land vertreiben. Der Vor­wurf lautete auf “gewerb­smäßige Aus­fuhr von Betäubungsmit­teln”.

Wenn wir uns son­st keinen ern­sthaften Gefahren aus­ge­set­zt sehen, etwa durch die ganze unschöne Geschichte mit dem Euro oder ähn­lich­es, dann kön­nten wir uns eigentlich stattdessen auch zurück­lehnen und uns freuen, dass es uns doch eigentlich ganz gut geht. Aber einige haben eben immer was zu meck­ern.

Dabei stört es sie auch nicht, qua­si hin­ten­rum eine Abwand­lung der “Sip­pen­haft” wieder einzuführen:

Es sei bekan­nt, dass Tatverdächtigte im Bere­ich des Ter­ror­is­mus immer kon­spir­a­tiv­er vorgin­gen und ver­schlüs­selt kom­mu­nizierten, erk­lärte Bin­ninger. Der verdeck­te Zugriff auf Fest­plat­ten und andere IT-Sys­teme sei daher unverzicht­bar.

(“Unverzicht­bar” ist dabei, “alter­na­tiv­los” abzulösen, wie mir scheint; es bleibt aber der­selbe Unsinn.)

Die Ter­ror­is­ten mit ihren fiesen Ver­schlüs­selun­gen “erzwin­gen” also den Ein­satz grun­drechts­feindlich­er Automa­tis­men; und im Umkehrschluss haben alle, die auf der­lei Maß­nah­men verzicht­en, nichts zu befürcht­en, denn wer ver­schlüs­selt, hat etwas zu ver­ber­gen, nicht wahr? (Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis irgend­je­mand aus der CDU/CSU oder vom BKA das genau so darstellen wird, wartet es ab!)

Und näch­ste Woche ver­bi­eten sie dann das Abschließen der Haustür beim Ver­reisen, denn das erschw­ert die heim­liche Instal­la­tion von Schad­soft­ware durch Unbefugte doch immens.

Ich kann diese Fressen nicht mehr sehen. Sie machen mit ihrer Scheiße alle Leute ver­rückt. (R. Pofal­la, CDU, in anderem Zusam­men­hang)

MusikSonstiges
Medienkritik LVIII: Tom Waits im Rolling Stone (wenigstens haben sie es versucht)

Eine (meist) liebe Leserin machte mich vor eini­gen Monat­en darauf aufmerk­sam, dass Tom Waits, seines Zeichens eigen­williger Sangeskün­stler, ziem­lich aufre­gende Musik her­vor­bringt. Unter dem Ein­druck von “Bone Machine”, dessen Schrägheit in wun­der­samer Weise mit mein­er Affinität zu musikalis­ch­er Schrägheit har­moniert, stimmte ich in ihre Lob­hudeleien ein; und erblick­te heute im Zeitschriften­re­gal eines Super­mark­tes eben­je­nen Tom Waits auf der Titel­seite des nor­maler­weise eher beliebi­gen Mag­a­zins “Rolling Stone”. Da ich noch ein wenig Zeit bis zum näch­sten Ter­min hat­te, wagte ich auf­grund des ver­heißungsvollen Titels den Kauf.

Es war undurch­dacht von mir, trotz gegen­teiliger Erfahrun­gen davon auszuge­hen, der “Rolling Stone” hätte sich aus­nahm­sweise dazu entschlossen, ser­iös zu wer­den. Tat­säch­lich wird des Titel­helden Schaf­fen nur wenig erwäh­nt, das Album “Bone Machine” kommt eben­so wie “Mule Vari­a­tions” und das Dreifachal­bum “Orphans: Brawlers, Bawlers & Bas­tards” je ein­mal, jew­eils eher beiläu­fig erwäh­nt vor, das vor­let­zte Album “Real Gone” immer­hin zweimal. Haupt­säch­lich geht es um “Bad As Me”, das aktuelle Album von Tom Waits, und um die Per­son des Inter­pre­ten, als wäre das eigentlich auch schon alles, was man von Tom Waits wis­sen muss.

Für die, die noch nie etwas von Tom Waits gehört haben, erk­lärt es Jörn Schlüter, offen­bar Schreiber­ling beim “Rolling Stone”, gern ein­mal am Beispiel des Stück­es “Hell Broke Luce” (“bru­tale Mil­itär-Per­si­flage”, J. Schlüter) von diesem aktuellen Album:

Das Lied schwankt durch die Schützen­gräben wie ein Panz­er auf Stelzen.

Fünf Euro in die Wort­spielka­sse bitte.

Dass ich noch nie einen Panz­er auf Stelzen gese­hen habe, der durch Schützen­gräben schwankt, kann ich dem Autor nicht zum Vor­wurf machen und führe es aus guter Absicht vor­erst auf meine fehlende mil­itärische Ver­gan­gen­heit zurück. Eines würde mich dann jedoch schon inter­essieren: Nehmen wir an, ein Panz­er auf Stelzen gerät auf dem Weg durch Schützen­gräben tat­säch­lich ins Schwanken — was genau hat das Lied damit zu tun?

Jörn Schlüter hätte diese Frage Tom Waits stellen sollen, denn diese Antwort hätte mich wirk­lich sehr inter­essiert: “Herr Waits, Ihr Lied ‘Hell Broke Luce’ schwankt durch die Schützen­gräben wie ein Panz­er auf Stelzen, warum ist das so?” Das hat er natür­lich nicht getan, son­dern weit­er an sein­er Rep­u­ta­tion gear­beit­et. Wahrschein­lich möchte Jörn Schlüter nicht, dass ihn nur die Leser dieses Artikels für verkrampft pein­lich und eigentlich gar nicht sehr an seinem zu beschreiben­den Objekt (Tom Waits) inter­essiert hal­ten, was er mehrfach zu ver­ste­hen gibt:

Mit “Orphans: Brawlers, Bawlers & Bas­tards” erschien ein Dreifach-Album mit Aus­geson­dertem und Vergessen­em. Man über­legte, ob Waits wohl in die Schlussrunde einge­bo­gen war.

(Her­vorhe­bung von mir.)

War er aber nicht, der Tom Waits, und so nutzte Jörn Schlüter die Gele­gen­heit, auch ihm, Tom Waits, gegenüber ein­mal zu zeigen, dass Musik mit Anspruch ihn, Jörn Schlüter, deut­lich über­fordert, und schaffte es in all sein­er Naiv­ität dann doch noch, mich zum Schmun­zeln zu brin­gen, indem er fragte:

Ihre Lyrics lesen sich manch­mal wie Gedichte — auch auf diesem Album erin­nert mich einiges an Charles Bukows­ki, der Sie zu Beginn Ihrer Kar­riere bee­in­flusst hat. Haben Sie ihn jemals getrof­fen?

Charles Bukows­ki ken­nt er zumin­d­est namentlich, vielle­icht auch nur vom Hören­sagen, und vielle­icht ist der Umstand, dass sich Tom Waits’ Lied­texte sel­ten reimen, auch schon die einzige Par­al­lele, die Jörn Schlüter zwis­chen Tom Waits, dem Musik­er, und Charles Bukows­ki, dem Poet­en, erken­nt. Grat­ulieren sollte man Jörn Schlüter aber zu der großar­ti­gen Erken­nt­nis, dass man Lied­texte, häu­fig rhyth­misch unter­legt, nicht nur als Prosa oder Bus­fahrplan (S. Gärt­ner), son­dern auch als Gedicht, als Lyrik (“lyrics”) eben, lesen kann. So sieht Musikjour­nal­is­mus 2011 aus.

Und ich ver­ste­he allmäh­lich, wieso Jörn Schlüter dieses Gespräch führen durfte: Die Alter­na­tive, ein Inter­view mit dem Jour­nal­is­ten gegenüber sel­ten tol­er­an­ten Lou Reed und Metal­li­ca, hätte er nicht lange durchge­s­tanden.

Netzfundstücke
Licker in front of the village!

Ich gebe zu, ich habe von Ökonomie nur allzu wenig Ahnung. Als Geschäfts­führer eines kun­den­na­hen Unternehmens würde ich wohl kläglich ver­sagen, auch deshalb, weil Kun­den mir im Arbeit­sleben als der Haupt­grund für nicht einge­hal­tene Fris­ten und all­ge­mein eher als Störquelle erscheinen.

Was mir weniger unwahrschein­lich Freude bere­it­en würde, wäre eine Tätigkeit als der­jenige Unternehmen­skasper, der für das öffentliche Auftreten zuständig ist. Mit Non­sens­berufs­beze­ich­nun­gen wie “pub­lic rela­tion­ship man­ag­er” oder son­stigem Fir­lefanz will ich mich dafür gar nicht unbe­d­ingt “schmück­en” kön­nen, aber die Auf­gabe selb­st ist inzwis­chen anscheinend lächer­lich ein­fach gewor­den, gemessen an dem dafür in Aus­sicht gestell­ten Gehalt.

Die Fir­ma Schleck­er näm­lich durfte in den let­zten Wochen viel Kri­tik für ihr neues Unternehmensmot­to “For you. Vor Ort.” ein­steck­en, die zusät­zlich anschwoll, als Schleck­er erk­lärte, man habe sich dem eher niedri­gen Bil­dungsniveau des typ­is­chen Schleck­erkun­den angepasst. Anders aus­ge­drückt: Wer ständig Englisch quäkt, ist blöd.

Diese Para­phrasierung miss­fällt Schleck­er aber eben­falls, denn so habe man das gar nicht gemeint:

Nun kom­men­tieren einige Inter­net-Nutzer den veröf­fentlicht­en Brief und set­zen ein niedriges und mit­tleres Bil­dungsniveau mit “dumm” oder “unter­be­lichtet” gle­ich. Das ist in der Sache eben­so falsch und zynisch, (sic!) wie aus unser­er Sicht unver­schämt und arro­gant. Es ent­larvt let­ztlich diejeni­gen, die sich der­art äußern.

Liebe Leser, liebe Fir­ma Schleck­er, man helfe mir doch bitte ein wenig auf die Sprünge:

“Unsere Kun­den haben in der Regel ein besten­falls durch­schnit­tlich­es Bil­dungsniveau” bedeutet nicht, dass man seine eige­nen Kun­den auf unver­schämte und arro­gante Weise für, nun, eher unge­bildet hält? Aber was denn dann? Für “dümm­lich” näm­lich hält man sie nicht:

Unsere Mitar­beit­er, die zum über­wiegen­den Teil schon seit 15 und mehr Jahren im Unternehmen arbeit­en, wie auch unsere Kun­den sind es ganz sich­er nicht.

Sie sind eben Prekari­er, wat will­ste machen; aber dümm­lich sind sie ganz sich­er nicht!

Eigentlich sei die Aufre­gung aber auch völ­lig über­zo­gen, heißt es im Hause Schleck­er weit­er, denn, meine Güte, so ein Unternehmensmot­to sei ohne­hin bedeu­tungs­los:

Wir haben uns bewusst auch deshalb für das Mot­to entsch­ieden weil es polar­isiert, weil sich Men­schen darüber aus­tauschen und weil es in Erin­nerung bleibt. Genau das ist die Ker­nauf­gabe eines Unternehmensmot­tos.

Ach so — ich war bis­lang der Mei­n­ung, ein Unternehmensmot­to solle das Selb­st­bild des Unternehmens und seine Werte reflek­tieren und nicht für bil­lige Schlagzeilen her­hal­ten.

Aber ich habe, wie erwäh­nt, natür­lich auch keine Ahnung von Wirtschaft.

(Bonus­pointe für Leser aus den schleck­er­na­hen Bil­dungss­chicht­en: Das Schleck­er-Blog ist zurzeit unter fäkaler Sub­domäne zu erre­ichen.)

PolitikIn den Nachrichten
Peter Fonda und die Publicity

Der eine der bei­den Haupt­darsteller von “Easy Rid­er”, Den­nis Hop­per, ist mit­tler­weile tot. Dafür ist der andere, Peter Fon­da, nach wie vor quick­lebendig und ist sich nicht zu blöd, sich ab und zu mal anerken­nend auf die Schul­tern zu klopfen.

Zum Beispiel beant­wortete er anlässlich der vom Mag­a­zin “GQ” ver­liehenen Ausze­ich­nung als “Mann des Jahres 2011” so manche Frage und fügte auch eigene Anmerkun­gen hinzu. Dass er das getan hat, ist schön und dient ganz bes­timmt nicht der pub­lic­i­ty, denn Peter Fon­da find­et pub­lic­i­ty doof.

Mein Liebling­steil aus dem Verkün­de­ten ist jeden­falls dieser hier:

Seinen Land­sleuten, die aktuell gegen den Kap­i­tal­is­mus demon­stri­eren, rät der Schaus­piel­er: “Wenn ihr wirk­lich Ein­druck machen wollt, dann tragt keine Plakate, brüllt nicht und singt keine Protestlieder. Geht ein­fach hin, schweigt und schaut irre wütend drein. Das wirkt unkon­trol­lier­bar. Gefährlich. Der Staat wird sich fürcht­en.”

… oder vor Lachen nicht dazu kom­men, sich zu wehren; je nach­dem.

Aber warum wen­det sich Peter Fon­da an “seine Land­sleute” in zweit­er Per­son, statt selb­st aktiv zu wer­den, wenn ihm das doch ein ehrlich­es Anliegen ist?

Ach, ist es ja nicht:

Er selb­st wolle sich jedoch nicht unter die Demon­stran­ten mis­chen: “Nein, das wäre bescheuert. Nichts als Pub­lic­i­ty. Ich schreibe lieber auf Twit­ter, was ich denke”, so Fon­da.

“Ich lasse euch alle mal machen; wenn ihr die Aufmerk­samkeit so nötig habt. Ich ja nicht! Wo ist die Kam­era? Haben Sie mit­geschrieben? So als GQ-‘Mann des Jahres’ hat man ja gewisse Verpflich­tun­gen.”

Denn über­haupt sei Demon­stri­eren bescheuert. Die wahre Rev­o­lu­tion finde ander­swo statt, näm­lich auf Twit­ter. Die neuen Autonomen: Schw­er bewaffnet mit dem Inter­net.

Der “Easy Rid­er” ken­nt das ja noch von früher, aus den wilden 60-ern. Damals, inmit­ten der “68er-Rev­o­lu­tion”, war ihm die offene Demon­stra­tion sich­er auch schon zuwider, er hat es ver­mut­lich bevorzugt, wütende Briefe zu schreiben und dann aus Protest nicht abzusenden.

Born to be wild …

Montagsmusik
Groove und Applaus: Herbie Hancock — Chameleon

Anlässlich bekan­nter Lieder bekan­nter Pop- und Rock­kün­stler klatschen Konz­ertbe­such­er drei- bis vier­mal.

Die ersten klatschen, weil sie den Namen des Liedes ken­nen; die zweit­en klatschen, weil sie die ersten Tak­te des Liedes erken­nen; die drit­ten klatschen, wenn das Lied zu Ende ist, um die Leis­tung des Kün­stlers zu würdi­gen; die vierten, eine noch recht neue Gruppe, klatschen während des Liedes, um ihr ver­meintlich­es Tak­t­ge­fühl zu demon­stri­eren.

Von all diesen sind mir einzig die drit­ten willkommene Gesprächspart­ner. Den anderen würde ich gern eine klatschen.

Es set­zt schon eine Menge kün­st­lerische Qual­ität voraus, um stets tak­t­fernes Pub­likum am Mitk­latschen zu hin­dern; oder eine Menge an Respekt, den man sich erar­beit­et hat, und das ist nicht leicht. Popge­wohntes Pub­likum respek­tiert seine Kün­stler ohne­hin nur sel­ten, diese arbeit­en allerd­ings auch nur sehr ungern daran, respek­tiert zu wer­den. Ein Album, vielle­icht ein Nach­fol­geal­bum, eine Abschied­s­tournee vor wenig Zuschauern und Auftritte in irgendwelchen Rückschauen auf RTL, das genügt zwar für den Leben­sun­ter­halt, nicht aber für Respekt.

Wech­selt man allerd­ings das Genre, wird das Klatschen wom­öglich zum tra­gen­den statt zum stören­den Ele­ment und fällt anson­sten nicht weit­er ins Gewicht; vor allem dann, wenn die Musik­er laut genug agieren. Man drehe also den Laut­stärk­ere­gler sein­er Klan­gaus­gabe etwas höher, begebe sich in eine entspan­nte Sitz­po­si­tion und nehme den Rhyth­mus in sich auf:

Her­bie Han­cock & Tal Wilken­feld — Chameleon — Mon­treux Jazz Fes­ti­val 2010

Wie angenehm doch so ein Mon­tag sein kann, wenn man ihn mit groove begin­nt!

Spaß mit Spam
Sie haben gewonne

Nur eine kurze Rep­lik auf eine erfreulich kurze Müll­mail:

Sie haben gewonne

Du habe gewonne? Iche habe gewonne! Welch Wonne.

Wir empfehlen Ihnen, pdf Attached Datei цffnen,und wen­den Sie sich fьr Ihr Agent Lot­teriegewinn.

Ich empfehle Ihnen, weniger Kleb­stoff zu trinken, bevor Sie Mails ver­fassen, und wen­den Sie sich fьr Ihr Kop­farzt.

Mit fre­undlichen GrьЯen,
Man­age­ment

Ab mit Schaden;
und bis bald.

PolitikIn den Nachrichten
Gaga.

Apro­pos Pop: Clau­dia “Frosch” Roth, die lustige Dada-Ani­ma­teurin der Grü­nen, hat anlässlich der aktuellen Steuer­poli­tik von Schwarz-GeldGelb eine selt­same Fan­tasie her­auf­beschworen:

Die Grü­nen-Vor­sitzende Clau­dia Roth hat Merkel heftig kri­tisiert. Es sei absurd, mit­ten in der europäis­chen Finanzkrise einen “Steuersenkungs­bal­lon” steigen zu lassen, sagte Roth am Sam­stag bei ein­er Lan­des­delegiertenkon­ferenz der bay­erischen Grü­nen in Bad Wind­sheim. Sie fügte hinzu: “Angela Merkel wird mehr und mehr zur Lady Gaga der deutschen Poli­tik.”

Wie ist das gemeint? Dür­fen wir bald Angela Merkels Kon­ter­fei in den ein­schlägi­gen Ton­trägergeschäften erblick­en? Wird die Musik­branche sie zur neuen “Köni­gin des Pop” erheben? Und erwarten uns dann in Zukun­ft weit­ere Ein­blicke in etwas, was wir eigentlich gar nicht so genau wis­sen woll­ten?

Clau­dia Roth schafft es immer wieder, mich zu erschüt­tern; wenn auch nur sel­ten poli­tis­ch­er Natur.

(Danke an L.!)

Musik
Pop ist Pop (na naaa na na na).

Die Veröf­fentlichung des neuen Cold­play-Albums “Mylo Xylo­to” ging erfreulicher­weise beina­he unbe­merkt an mir vorüber. Meine Medi­enkom­pe­tenz ist uner­schüt­ter­lich. Die von mir kon­sum­ierten Medi­en aber wid­me­ten sich stattdessen nicht etwa rel­e­van­ten welt­poli­tis­chen The­men, son­dern ein­er anderen über­be­w­erteten Musikkapelle und preisen “50 Jahre Pop­musik”, weil 1961 die erste Auf­nahme der Bea­t­les (als Begleitkapelle von Tony Sheri­dan intonierten sie das schreck­liche “My Bon­nie”) erschien.

Das war damals eine ziem­lich große Angele­gen­heit, damals wie heute galt und gilt: Der deutsche Main­stream hört wie gehabt vorzugsweise Dreck. So genan­nte Pop­musik. (Klar — deshalb heißt er ja “Main­stream”, weil er von Avant­gardis­mus schnell über­fordert ist.) Dass Peter von’en Schall­gren­zen qua­si als Gegen­be­leg die ein­tönige Pop­knöd­lerin Leslie Feist anführt, die unge­fähr so wenig “Main­stream” ist wie Regi­na Spek­tor oder, sagen wir mal, Sil­ber­mond, erstaunt mich; aber vielle­icht ist mein Gehör auch ein­fach über­fordert von der Sim­pliz­ität mod­er­nen Pops.

Apro­pos Mod­erne: “50 Jahre Pop­musik” und “50 Jahre Bea­t­les” haben nicht viel miteinan­der zu tun, abge­se­hen davon, dass bei­de Jubiläen nicht zutr­e­f­fen.

Das mit den Bea­t­les ist ein­fach erk­lärt; die näm­lich wur­den bere­its 1960 gegrün­det und nan­nten sich bere­its im August jenen Jahres “The Bea­t­les”, eine nachträgliche Veröf­fentlichung im Fol­ge­jahr, zunächst unter dem Namen “The Beat Broth­ers” verkauft, kann also unmöglich die Geburt der Pop­musik bedeuten, wenn man allein die Geschicke dieser Com­bo als Rah­men­hand­lung für die Popgeschichte her­anzieht.

Was aber ist “Pop”? “Pop”, das sagen die ein­schlägi­gen Wörter­büch­er, ste­ht für “Pop­ulär­musik”. Klam­mern wir ein­mal die Come­di­an Har­monists und ähn­liche Musikan­ten gewis­sen Anse­hens aus und set­zen — willkür­lich — anglo­phone Beat­musik, wie sie die Bea­t­les anfangs macht­en, als Aus­lös­er des “Pop­gen­res” (beziehungsweise ja eigentlich des Rock­gen­res) fest, auch dann ist die Behaup­tung “Bea­t­les = Begrün­der der Pop­welle” unsag­bar däm­lich, denn Bill Haley und die “Comets” (kaum bekan­nter Fakt: “Bill Haley’s Orig­i­nal Comets” sind noch immer musikalisch aktiv) hat­ten bere­its fast zehn Jahre zuvor, im Jahr 1952, mit “Real Rock Dri­ve / Stop Beat­in’ Round the Mul­ber­ry Bush” ihre erste Veröf­fentlichung auf dem Markt, Bill Haley selb­st bere­its 1948 mit “Four Leaf Clover Blues / Too Many Par­ties and Too Many Pals”. Dass die “Bea­t­les” trotz aller Seichtigkeit bekan­nter wur­den, ist nicht zulet­zt ihrer Ver­mark­tung zu ver­danken, aber die “Pop­musik” haben sie eben­sowenig geboren wie die “Rock­musik” und die “Beat­musik”. Dass sich immer noch viele neu gegrün­dete Musik­grup­pen auf die Bea­t­les als Ein­flüsse beziehen, kön­nte indes daran liegen, dass sich das bess­er verkaufen lässt, denn die Bea­t­les ken­nt jed­er irgend­wo her.

Wobei die Bea­t­les sich nie in dem Genre ver­wurzelt sahen, das man heute schwammig “Pop” nen­nt, weil man für feinzise­lierte Nuan­cen kein Ohr mehr hat und nach drei Minuten (oder 140 Zeichen) die Aufmerk­samkeit rapi­de nach­lässt, Pop(ulär)kultur sei’s geschuldet. Vom Beat der ersten Sin­gles über den Psy­che­del­ic Rock von “Revolver” und vor allem “Rub­ber Soul” bis zu den gemäch­lichen Rock­bal­laden von “Let It Be” war sich­er eine Menge Mist (“Yes­ter­day”) dabei, aber doch nie wirk­lich Pop. Wenn man “Pop” aber im Wortsinne nimmt, “Pop” also nur “pop­uläre Musik” bedeutet, dann sind die Bea­t­les eben­so “Pop” wie die Scor­pi­ons, Nick­el­back, Miley Cyrus, die Ärzte, eben die Come­di­an Har­monists, Gen­e­sis und sog­ar King Crim­son, die sich nach eini­gen Jahrzehn­ten im Geschäft ja inzwis­chen auch gut besuchter Konz­erte erfreuen dür­fen.

Ich wage zu behaupten: Men­schen haben zu aller Zeit Klänge zur Unter­hal­tung genutzt. Sind Buschtrom­meln, wenn sie nicht ger­ade der Kom­mu­nika­tion dienen, eben­falls klas­sis­che Popin­stru­mente? Andy Warhols Kun­st nen­nt man auch Pop-Art. Ist Pop abstrakt? Das aber wider­spräche der gängi­gen Regel “was Pop ist, ist main­stream”. Wenn Pop aber kein Genre ist, kein Sam­mel­be­griff irgend­wie zusam­men­hän­gen­der Gen­res und auch son­st eigentlich nur ein Schlag­wort für beliebige Gedankenkon­struk­te (Wis­senschaft ist Pop, Spitzeln ist Pop, Fick­en ist Pop, alles ist Pop?) — wäre es dann nicht für uns alle am ein­fach­sten, wür­den wir dieses Wort kün­ftig aus unserem aktiv­en Wortschatz tilgen?

Ander­er­seits: Ver­mut­lich ist Dage­gen­sein nicht Pop genug.

PolitikIn den Nachrichten
Endlich Mord! (2)

Und der näch­ste Staats­mann, dessen Tod bejubelt wird (Vor­sicht, Ver­weis zeigt Leiche; die niederen Gelüste per­vers­er Per­so­n­en werden’s danken):

Aus­ge­lassene Freude auf den Straßen von Tripo­lis, tri­um­phierende Rebellen in Sirt: In Libyen feiern Men­schen die Mel­dung vom Tod Gaddafis. Der Ex-Dik­ta­tor wurde offen­bar beim Gefecht um seine Heimat­stadt tödlich ver­let­zt, sein Leich­nam soll nach Mis­ura­ta gebracht wor­den sein. (…) Der ara­bis­che Fernsehsender al-Dschasira zeigt Bilder aus Tripo­lis, auf denen die Men­schen in den Straßen feiern. Autos hupen, Kämpfer jubeln. Auch in Sirt herrscht aus­ge­lassene Stim­mung. Im Inter­net schlägt sich die Euphorie der Liby­er nieder. “Es ist vor­bei”, schreiben sie. “Endlich ist er weg.”

Und wer ern­sthaft glaubte, noch mehr zitierte Wider­lichkeit bringt nicht mal der SPIEGEL zusam­men, der irrt:

Deut­lich­er wur­den die Spitzen­vertreter der Europäis­chen Union: Sie sprachen vom “Ende der Ära von Gewaltherrschaft und Unter­drück­ung, unter der das libysche Volk zu lange gelit­ten hat”.

Der Sieg ein­er bewaffneten “Rebellen”-Armee, die den Bürg­erkrieg im Land wesentlich mit­trägt, ist ein klares Zeichen für das Ende irgen­dein­er Gewaltherrschaft; das lässt sich zum Beispiel daran erken­nen, dass Libyens let­zter Gewaltherrsch­er Muam­mar al-Gaddafi als “Rev­o­lu­tions­führer” und führen­des Mit­glied ein­er Mil­itär­jun­ta an die Macht gekom­men war und seit­dem für Demokratie und Frieden im Land stand.

Da hat Libyen ja noch mal Glück gehabt.


Nach­trag vom 21. Okto­ber 2011: Ich empfehle, auf Tele­po­lis weit­erzule­sen.

Wenn der Dik­ta­tor gestürzt wird, lechzen Medi­en und die Öffentlichkeit nach Bildern.

Und mir dünkt, die Öffentlichkeit besäße da nur wenig Eigenantrieb, würde er nicht von aufla­gen­in­ter­essierten Ver­la­gen kraftvoll erhöht.

PolitikIn den Nachrichten
Medienkritik in Kurzform: Dreimal Politik

Poli­tik zum Ersten:

FOCUS Online berichtet heute über einen gewalt­samen Über­griff in ein­er Berlin­er U‑Bahn. Dabei gab es natür­lich keine Gewalt­täter, son­dern nur unglück­liche Umstände:

Als das Pärchen dann den Platz wech­seln wollte, erhielt der 21-Jährige mehrere Faustschläge ins Gesicht und brach sich das Nasen­bein.

(Her­vorhe­bung von mir beziehungsweise Götz Wieden­roth.)

Warum hat er das nur getan?


Poli­tik zum Zweit­en:

Miroslav Klose find­et es voll gemein, dass ein Plakat mit der Auf­schrift “Klose mit uns” zwei Sigrunen enthielt; zwar nicht nebeneinan­der, aber er ver­bitte es sich doch bitte­sehr, ein Sta­dion mit zwei Sigrunen teilen zu müssen, vol­lkom­men unab­hängig davon, ob das über­haupt Absicht war oder nur stilis­tis­che Gründe hat­te. (Mir zum Beispiel ist min­destens ein griechis­ches Restau­rant bekan­nt, das in seinem Logo ins­ge­samt drei dieser bösen Buch­staben beherbergt. Immer diese Nazi­griechen.)


Poli­tik zum Drit­ten:

Am 23. Okto­ber 2011 find­en in der Schweiz wieder ein­mal Nation­al­ratswahlen statt, und dort lassen sich die Parteien, ähn­lich wie in Deutsch­land, ihren Wahlkampf eine Menge kosten. Selb­st den Wahlun­ter­la­gen liegt mitunter Parteien­wer­bung bei. Wohl wis­send, dass man so nur die Verzweifel­ten erre­ichen kann, sind es dann auch entsprechend eher die kleinen Parteien, die der­lei Aufwand betreiben:

Und noch etwas haben wir mit den Schweiz­ern gemein: Man legt uns gern unge­fragt nahe, irgendwelchen Schweinen unsere Stim­men zu geben. Mit Tier­schutz allerd­ings haben sie hierzu­lande nicht viel zu tun.