Der Zufall und das Album des Jahres — mehr dazu am Jahresende -, anlässlich dessen die Musikheroen Metallica und Lou Reed gemeinsam auftraten und dabei Zuschauer und Zuhörer verwirrten (wer Metallica erwartet, kann mit Lou Reed meist nichts anfangen, und umgekehrt), ließen mich am gestrigen Abend dem merkwürdigen Radiosender “1LIVE” lauschen.
Dem Konzert und der anschließenden Fragerunde folgte die Sendung “Domian”. Den Anfang habe ich verpasst, aber offenbar ging es um das Thema Tod.
“Domian” ist, dies konnte ich bislang in Erfahrung bringen, eine von einem Herrn Domian moderierte Ratgebersendung, bei der Leute anrufen können, denen sonst niemand zuhört, um über Dinge zu sprechen, die ihnen gerade so einfallen. Die voyeuristische Ader des Menschen bedankt sich, seine ratio wendet sich angewidert ab.
Allein den schwarzen Humor wird’s freuen: Um kurz vor 2 Uhr morgens rief ein — seinem Idiom nach zu urteilen — junger Mann an, dem ein dementer Greis vor das Auto gelaufen und jüngst verstorben war und den darob ein schlechtes Gewissen plagte. Herr Domian nun schlug vor, er solle sein Beileid schriftlich bekunden; so überrolle er die Angehörigen nicht. Immerhin!
Dass danach eine beschwingte Frau anrief, die nur einmal öffentlich ihre Freude über ihre gerade erfolgte Scheidung bekunden wollte, gab der Sendung einen surrealen Anstrich.
Anscheinend sollte ich das Schaffen von Herrn Domian künftig etwas aufmerksamer verfolgen.

Der Mann ist seit Jahren Kult und seine Sendung wird seit ewigen Zeiten im WDR Frensehen live übertragen.
Frensehen = TV
“Kult” = “etwas von einer kleinen Gruppe verschwörerisch, insgeheim Verehrtes”, sagt das Wörterbuch meines Vertrauens.
Von solcher Erbsenzählerei abgesehen: Ich schaue nur selten fern — es lohnt sich zu selten.