Sonstiges
Beliebige Gewinne

Ja, Fir­ma APC™, zur Wei­h­nacht­szeit wer­den oft die merk­würdig­sten Ange­bote ange­priesen, namhafte Her­steller schleud­ern ihre Pro­duk­te zu, nun ja, Schleud­er­preisen auf den Markt wie zur Ver­höh­nung der­er, die ihr sauer erspartes Geld für diese Pro­duk­te aus­gegeben hat­ten.

Dass die poten­ziellen Kun­den im Marken­rausch eigentlich gar nicht mehr so viel Wert auf die Unter­schei­dung leg­en, was sie da eigentlich in Aus­sicht gestellt bekom­men, so lange es nur teuer ist und sich also zum Prahlen eignet, haben eure, Fir­ma APC™, Werbe­strate­gen schnell erkan­nt und für eure neue Wer­bekam­pagne, die mir in der aktuellen Aus­gabe der Zeitschrift c’t auffiel, das Prinzip des rus­sis­chen Prämien­roulettes erdacht:

Mit etwas Glück gewin­nt man einen dieser neu­modis­chen all-in-one PCs — nur echt mit Dep­pen Leerze­ichen — des Unternehmens Leno­vo, obwohl man eigentlich nur an der Ver­losung eines iPods teil­nimmt; oder ander­sherum oder bei­des oder gar nichts, je nach Lust und Laune.

Aber immer­hin kosten­los.

NetzfundstückePiratenpartei
Krüppelkeile: Wichtige Blogger gegen Onlineparteien

Vor etwas über einem Jahr ließ ich mich schon über das Selb­stver­ständ­nis der “Blo­gosphäre” aus, konkret über Leute, die sich für sonst­wie wichtig hal­ten, weil sie es geschafft haben, ein Word­Press aufzuset­zen. Wer glaubt, ich hätte damals über­trieben, dem lief­ere ich gern ein aktuelles Beispiel, das mir ger­ade im RSS-Leser erschien.

Blog­ger “Weltherrsch­er” näm­lich hat­te für den anste­hen­den Bun­desparteitag der Piraten­partei eine Presseakkred­i­tierung beantragt und scheit­erte damit, und statt ein­mal darüber nachzu­denken, ob sein Ver­ständ­nis von Presse vielle­icht nicht von der Mehrheit geteilt wird, gibt es ver­bale Keile wie zum Beweis dafür, dass die Ablehnung keine schlechte Idee war:

Anscheinend sind Blog­ger in Deutsch­land, immer wenn es um irgend­was geht, immer noch die Arschlöch­er, die zwar Online (sic!) längst die Mei­n­ung­shoheit erlangt haben, aber Offline als “Bäh” ange­se­hen wer­den. (…) Liebe Pirat­en, es ist ger­ade zu (sic!) grotesk, dass ihr Online (sic!) so völ­lige Ver­sager seid! (…) Die Tat­sache, dass die Piraten­partei bzgl. der Unter­schei­dung zwis­chen “Presse” und “Blog­gern” so was von Mit­te­lal­ter­lich (sic!) denkt, ist eigentlich ein Trep­pen­witz. Und selb­st nach Jahren blickt ihr es immer noch nicht: Wenn ihr irgend­wo Stim­men “machen” kön­nt, dann Online (sic!). Denn die Offline-Welt braucht keine Piraten­partei, weil sie euch schlicht nicht ken­nen!

Besagter Artikel ste­ht exem­plar­isch für eine ganze Gen­er­a­tion von Blog­gern, die glauben, der Umstand, dass sie bekan­nte “Kol­le­gen” wie Sascha Lobo und Anke Grön­er in ihre blogroll wie in ein Sam­me­lal­bum kleben, recht­fer­tige ihr Selb­st­bild als essen­zieller Bestandteil der deutschen Nachricht­en­welt.

Natür­lich gibt es Blog­ger, die in deutschen Medi­en gele­gentlich Erwäh­nung find­en, außer Her­rn Lobo etwa Fefe, John­ny Haeusler, Markus Beckedahl und der­gle­ichen. Auch diese aber haben keine “Mei­n­ung­shoheit”, wen­ngle­ich sie von vie­len Men­schen als Nachricht­en­fil­ter genutzt wer­den. Ich lese zum Beispiel regelmäßig die Blogs der let­zteren drei Her­ren, ihre Mei­n­ung jedoch entspricht sel­ten der meinen. Der erste zitierte Satz ist also nichts mehr als nei­dis­ches Geplärre eines Blog­gers, der nicht wahrhaben will, dass “Bloggen ist Jour­nal­is­mus” von Wieder­hol­ung nicht richtiger wird, zumal man “richtig” eigentlich nicht steigern kann.

Zu Jour­nal­is­mus gehört eben ein biss­chen mehr als “Zeug ins Inter­net tun”, ger­ade auch zu weniger ser­iösem Jour­nal­is­mus. An jeman­den, der sich “Weltherrsch­er” nen­nt und ein wenig bekan­ntes Blog namens “Die Welt ist Scheisse” (sic!) führt, wer­den natür­lich auch keine lock­er­eren Bedin­gun­gen gestellt als an tat­säch­liche Presse­or­gane. Ein wichtiges Instru­ment des Jour­nal­is­mus’ ist Recherche, und wer die Piraten­partei schon ein­gangs als “Inter­net­partei” beze­ich­net und das wahrschein­lich auch noch abw­er­tend meint (“die wollen mich nicht akkred­i­tieren, jet­zt beschimpfe ich sie, das haben sie jet­zt davon”, so geht es halt auch bzw. nicht), der hat da was nicht ver­standen.

Wie er halt selb­st seine Inten­tio­nen nicht zu ver­ste­hen scheint: Eine “Inter­net­partei”, die offline, so schrieb der “Weltherrsch­er” offenkundig ohne vorheri­gen Blick ins Parteipro­gramm, keine Rel­e­vanz besitze, ist ihm doch wichtig genug, dass er als Onlinetyp an ein­er Offlinever­anstal­tung, über die selb­stver­ständlich die meis­ten Offlinemedi­en des Lan­des bericht­en wer­den (die er, “Weltherrsch­er”, allerd­ings offen­bar alle­samt nie gele­sen hat), unbe­d­ingt teil­nehmen möchte. Dass ihm das nur als Gast, nicht aber als wichtige Presse ges­tat­tet wor­den ist, wertet er nicht etwa als einen akzept­ablen Kom­pro­miss, son­dern als “Online-Ver­sagen” der Partei. Klar: Einem x‑beliebigen Blog­ger gegenüber jedem anderen Gast auf einem Parteitag keinen Son­der­sta­tus einzuräu­men ist so was von Mit­te­lal­ter, nur der “Weltherrsch­er” lebt im Hier und Jet­zt in sein­er kleinen, gemütlichen Blog­ger­welt und freut sich einen Ast darauf, dass ihm die CeBIT jedes Jahr Presseausweise spendiert, und kann nicht ver­ste­hen, dass ihn das noch nicht zu einem Pres­sev­ertreter macht, denn dazu braucht es mehr, und sei es nur ein richtiger Presseausweis.

Kon­fron­tiert mit diesen Ein­wän­den reagierte der “Weltherrsch­er” lediglich mit “blablabla..”; klar, so ein Luftschloss kostet eben Miete, und es wäre doch zu schade, sich eingeste­hen zu müssen, dass man sich das Geld eigentlich auch hätte sparen kön­nen.

Nichts­destotrotz verbleibt er mit ein­er Ehrung:

Ich über­re­iche euch hier­mit den Absoluten-Online-Los­er-Voll­horst-Preis!

Die Qual­i­fika­tion für das Stiften dieses Preis­es möchte ich Her­rn “Weltherrsch­er” keines­falls absprechen; aber ein wenig beschä­mend ist das ja schon.

PersönlichesFotografie
Impressionen: Romantische Betrachtung eines Nachmittags in der Adventszeit (Versuch 6)

Man latscht bedächtig durch die engen Straßen der Stadt, vor­bei an Men­schen, deren Hek­tik der offen gelebten Besinnlichkeit zuwider­läuft. Bere­its von Weit­em ist der Wei­h­nachts­markt zu erah­nen, zwar noch nicht mit Wei­h­nacht­sliedern beschallt, aber von vielfachen Stim­men und Imbiss­duft umwölkt. Nach­den­klich sieht sich der stille Beobachter inmit­ten unecht lächel­nder Zeitgenossen ste­hen und hört aus den zwis­chen Tand und Tin­nef sowie Wurst- und Fis­chverkäufern nur lei­dlich gut ver­steck­ten Glüh­wein­bu­den das leiernde Lachen offen­bar enger Fre­unde des Wei­h­nachts­festes, dem auch das Karus­sell gegenüber nicht viel ent­ge­gen­zuset­zen ver­mag.

“Ein Fest für die ganze Fam­i­lie”, denkt man und verzieht sein zweites Gesicht zu einem gequäl­ten Lächeln, sieht man doch ganze Fam­i­lien hier beim Ver­such, ihre wei­h­nachtliche Stim­mung um keinen Preis zu ver­lieren. Glück­lich sehen hier eher die Augen der Budenbe­sitzer als die der Kinder aus, aber vielle­icht täuscht dieser Ein­druck auch, ziehen doch die Rauch­schwaden der Imbisse unver­min­dert vorüber.

Nach eini­gen Minuten erwacht man aus sein­er Gedanken­welt und tritt, noch immer beein­druckt, den Rück­zug durch die fes­tlich geschmück­te Stadt an, in der sich doch nicht vieles geän­dert hat.

Wie damals in Alas­sio begin­nt auch hier die Luft sich mit Ben­zin und Tabakqualm zu füllen, je weit­er man sich vom Ort des Geschehens ent­fer­nt. Das “quack-quack-quack” der Enten klingt, als lacht­en sie den Vorüberge­hen­den aus.

Vielle­icht tun sie das.

PolitikIn den Nachrichten
Vorerst erfolgreich

Sollte es in all dem Trubel um die wankelmüti­gen Stuttgarter (sie liefern sich Gefechte mit der Polizei und wählen die Regierung ab, weil sie keinen Bahn­hof wollen, nur um dann der neuen Regierung, die das Pro­jekt Stuttgart 21 ablehnt, den Auf­trag zum Weit­er­bau des­sel­ben zu erteilen; das ver­ste­he, wer will) unterge­gan­gen sein: Die Gefahr der Rück­kehr des Her­rn Frei­herr von und zu Gut­ten­berg ist längst nicht geban­nt.

Dass er Fehler in seinem Tun erken­nt, behauptet er zwar gele­gentlich, aber er wird nicht müde, neue Schuldige zu find­en. An seinem Ver­sagen sei derzeit der Uni­ver­sität Bayreuth gele­gen:

Die Hochschule sei in dem Pla­giats­fall “lei­der nicht unab­hängig” gewe­sen, son­dern habe offen­bar aus Angst vor dem Ver­lust von Forschungs­geldern vorschnell ge- und verurteilt, sagte Gut­ten­berg in dem Inter­view-Buch “Vor­erst gescheit­ert”, das am Dien­stag erscheint.

Na, so was — ein Buch. Wer ihm das wohl geschrieben hat?

Auch bei einem Anse­hensver­lust hätte die Wis­senschaft­sein­rich­tung “nicht Regeln und den Schutz von Per­sön­lichkeit­srecht­en über Bord wer­fen” dür­fen, betonte Gut­ten­berg in dem Buch. Er sei schließlich kein “Betrüger”. (…) Erneut ver­sicherte Gut­ten­berg, er habe bei sein­er Dis­ser­ta­tion “selb­stver­ständlich” keinen Ghost­writer gehabt.

Richtig, die Uni­ver­sität durfte nicht Regeln, etwa das Ver­bot des Plagi­ierens, und den Schutz von Recht­en, etwa der Urhe­ber­rechte der Autoren der Texte, aus denen seine Dis­ser­ta­tion zusam­menkopiert war, mis­sacht­en; und hat genau deshalb das Richtige getan. Ihm ist immer­hin anzurech­nen, dass er keinen ghost­writer hat­te, son­dern in mühevoller Kleinar­beit aus jed­er Quelle mit sein­er eige­nen Hände Arbeit abgeschrieben hat. Ob sein Tun juris­tisch als Betrug zu werten ist, ist mir nicht bekan­nt, seine Ver­suche aber, die Fol­gen als Ver­schwörung von Nei­dern darzustellen, zeigen fehlende Ein­sicht und sind zumin­d­est von Ruf­schädi­gung nicht weit ent­fer­nt. Ein Betrüger mag er nicht sein, ein Blender wird er bleiben, da helfen keine Pillen; und als ein solch­er ist er im Politzirkus sicher­lich nicht verkehrt.

Das weiß er selb­st:

Eine Rück­kehr nach Deutsch­land und auch in die Poli­tik schloss Gut­ten­berg nicht aus.

Da freuen sich Deutsch­land und die Poli­tik natür­lich sehr. Was dieses Land braucht, sind inte­gre Poli­tik­er mit strahlen­der Per­sön­lichkeit. Nur: Wohin mit dem ollen Gut­ten­berg? In der CSU möchte er anscheinend nicht weit­er­ma­chen:

Die CSU ste­he vor der Gefahr, zu ein­er Region­al­partei abzusteigen.

Vielle­icht sollte mal jemand Her­rn Frei­herr von und zu Gut­ten­berg darauf hin­weisen, dass die CSU außer­halb des Freis­taates Bay­ern nicht existiert und Bay­ern lediglich eines von über zehn Bun­deslän­dern in Deutsch­land ist. Man sehe es ihm aber nach, dass ihm das bis­lang nicht bekan­nt war: So ein deutsch­er Vertei­di­gungsmin­is­ter hält sich eben auch in sein­er Amt­szeit nur sel­ten im Inland auf.

Beim SPIEGEL, wo man auch die Abschaf­fung des Adels­standes noch nicht bemerkt hat und ihn, Frhr. v.u.z. Gut­ten­berg, weit­er­hin einen “Adli­gen” nen­nt, bestätigt man die Befürch­tung:

Er selb­st will Ende Jan­u­ar erst­mals wieder vor großem Pub­likum in Deutsch­land auftreten: Aus­gerech­net beim Karneval.

Und zwar nicht etwa als Beruf­s­clown, wie es Nor­bert Blüm nach sein­er Tätigkeit in der Bun­de­spoli­tik zu prak­tizieren beschloss, son­dern als Lauda­tor, denn so eine Lau­da­tio braucht ja immer jeman­dem, der über den zu Ehren­den wahre, weise Worte spricht. Weil der SPIEGEL im Rest des Artikels eben­so wie auch N24 reich­lich auf die Wer­be­trom­mel für des “Adli­gen” Buch schlägt, ist es der­weil nicht ver­wun­der­lich, dass sel­biges in der Erstau­flage bere­its “fast ver­grif­f­en” ist.

Den Erlös kann er, Frhr. v.u.z. Gut­ten­berg, ja zum Beispiel nutzen, um die Lizen­zrechte an seinen hand­ver­lese­nen Quellen zu erwer­ben. Aber warum sollte er das tun?

(Danke an L.!)

Montagsmusik
Erste Allgemeine Verunsicherung: Ihr Kinderlein kommet (verdammt noch einmal)

Nach­dem die meis­ten mein­er Leser wahrschein­lich bere­its die Nase voll haben von Lebkuchen und Domi­nos­teinen, kann die Adventszeit ja nun sin­nvoll ver­bracht wer­den; zum Beispiel mit nach außen hin zele­bri­ert­er Besinnlichkeit, obwohl man sich eigentlich gar nicht besinnlich fühlt, und den let­zten hek­tis­chen Wei­h­nacht­seinkäufen, denn man hat zwar eigentlich ger­ade nicht viel Geld oder auch nur Lust, ern­sthaft von Herzen ein Geschenk auszusuchen, aber es muss ja sein, denn bald ist Wei­h­nacht­en, und da macht man das halt so; wenn die Liebe zur eige­nen Fam­i­lie während der anderen 11 Monate im Jahr schon nicht genügt, um ein Fest der Fam­i­lie zu feiern oder den Men­schen, denen man viel ver­dankt, hin und wieder etwas materielle Aufmerk­samkeit zu schenken.

Es ist jedes Jahr das­selbe: Elf Monate im Jahr verge­hen ohne einen Gedanken an das Chris­ten­tum zu ver­schwen­den, wom­öglich gar, ohne sich um die Gebote als Grund­satz der Chris­ten zu scheren, im zwölften Monat dann ist man dankbar für den Ablasshan­del, den die Kaufhäuser gewähren. Die Seele wird rein von der Nach­läs­sigkeit, die man ihr angedei­hen ließ, wenn man drei Tage lang Zeit und Geld für nahe Men­schen aufwen­det. Chris­ten­tum? Ach, i wo. Aber Wei­h­nacht­en, das macht man eben so.

Sagt jeden­falls die Wer­bung, und die muss es ja wis­sen.

Man möchte nicht darüber nach­denken, man möchte nicht aus der Rei­he fall­en. Alle schenken, also schenke ich mit, auch denen, die ich eigentlich nicht mag; mit einem falschen Lächeln im Gesicht und Ebbe in der Geld­börse, aber es kommt ja von Herzen, redet man sich und dem Gegenüber ein.

Hört den Klang der Glock­en, kauft und singet Hal­lelu­ja!

Das befre­it von der See­len­last und ret­tet den Euro. Amen, Brud­er.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Kurz verlinkt LXIX: … aber für’s Fernsehen niemals!

Achwat, Sarah Kut­tner?

Sich selb­st find­et Kut­tner “viel harm­los­er, als alle glauben: anständig, nicht ern­sthaft rabaukig”, und sie sage “nicht am laufend­en Band fick­en, kack­en, kotzen. Ich bin nicht anstren­gend, und nack­ig mach ich mich im TV schon gar nicht”, so die Autorin (…).

Das wäre bekan­ntlich unter ihrer Würde. Sie weiß, wovon sie spricht, sollte man meinen:

Im Juli 2003 erschienen von ihr Akt­fo­tos in der deutschen Aus­gabe des Play­boy.

Und Frau Kut­tner dann so:

“(…) Besten­falls muss man auf sein eigenes Wertesys­tem verzicht­en. Ein erfol­gre­ich­er Mod­er­a­tor ist sich für kaum etwas zu schade.”

Außer halt fürs Fernse­hen.

(via @chriszim (via @janboehm))

In den NachrichtenPiratenpartei
Hilfe, schon wieder Unterwanderung!

Pos­i­tiv: Der Vor­wurf, die Piraten­partei würde von der NPD unter­wan­dert, ist inzwis­chen beina­he ver­hallt.

Neg­a­tiv: Stattdessen muss sich die Piraten­partei nun den Vor­wurf gefall­en lassen, ihre Trans­parenz sei von Nachteil.

Der Hin­ter­grund: Das Piraten­pad, eine kol­lab­o­ra­tive Plat­tform, die unter anderem als virtueller AG-Tagungsraum inner­halb der Piraten­partei dient, aber auch von den Auf­ständis­chen in eini­gen dieser neu­modis­chen Rev­o­lu­tion­slän­der zur Koor­di­na­tion genutzt wurde und wird, bein­hal­tete kür­zlich Ver­weise auf Kinder­pornografie, nach aktuellem Ken­nt­nis­stand von Mit­gliedern des Kollek­tivs Anony­mous im Rah­men der­er Bemühun­gen, aktiv gegen eben­solche vorzuge­hen, eingestellt, und wurde daraufhin herun­terge­fahren. Dass sich die Aufmerk­samkeit jet­zt auf die Piraten­partei konzen­tri­ert, ist erstaunlich, denn ob die fraglichen Seit­en inzwis­chen erfol­gre­ich bekämpft wor­den sind, scheint nie­man­den zu inter­essieren; “erschlagt den Boten!” lautet das Mot­to.

Tat­säch­lich ist die Piraten­partei fein her­aus: Die unverzügliche Abschal­tung nach Ken­nt­nis­nahme der Sach­lage sollte juris­tis­che Kon­se­quen­zen ver­mei­den, zumal nicht nachvol­l­zo­gen wer­den kann, wer die fraglichen Inhalte eingestellt hat. Selb­stver­ständlich verzichtet man als EDV-Ver­ant­wortlich­er bei der Piraten­partei auf die Spe­icherung per­so­n­en­be­zo­gen­er Dat­en wie der IP-Adresse.

Und in der Presse klingt das dann so:

Es ist nicht das erste Mal, dass der Anspruch auf Trans­parenz und Durch­läs­sigkeit für die Partei zum Eigen­tor wird. Der Lan­desver­band Nor­drhein-West­falen warnte kür­zlich vor ein­er Unter­wan­derung durch Sci­en­tol­ogy, auch hat­te die Partei Ärg­er wegen Neu­mit­gliedern mit NPD-Ver­gan­gen­heit.

Zu der Unter­wan­derung durch Sek­ten, Ver­harm­los­er linken Extrem­is­mus’ und die NPD kommt nun auch noch eine Unter­wan­derung durch Leute, die Kinder­pornografie bekämpfen wollen. Man hat es nicht leicht als Piraten­partei.

Und weil jed­er Artikel eine gute Über­schrift braucht, greift man tief in die Kom­posi­tak­iste der “BILD” …

Kinder­porno-Panne erschüt­tert Piraten­partei

…, auf dass die Leser­schar, deren kon­ser­v­a­ti­vere Ele­mente grund­sät­zlich bei jedem pro­gres­siv­en Gedanken den Wel­tun­ter­gang her­auf­beschwören, sich gar nicht erst mit dem Text befassen, son­dern gle­ich wieder die Causa Tauss zitieren möge, “war ja auch irgend­was mit Kinder­pornos”.

Dass “Anony­mous” inzwis­chen die Urhe­ber­schaft der fraglichen Ver­weise zugegeben und sich entschuldigt hat, nimmt man in der Öffentlichkeit eben­so wenig wahr wie den eigentlichen Inhalt des mit­tler­weile gelöscht­en Pads:

Allerd­ings haben die auf dem Pad vorhan­de­nen Links _nichts_ mit Kinder­pornogra­phie direkt zu tun. Es waren Links zu Foren, in welchen sich pädophile Men­schen tre­f­fen und aus­tauschen. Zudem wurde eines der genan­nten Foren in Schwe­den gehostet, was wir nicht tolerieren.

Es ist wirk­lich eine Schweinerei von der Piraten­partei, es zuzu­lassen, dass sich anonyme Inter­net­be­nutzer mith­il­fe ihrer Infra­struk­tur über Meth­o­d­en zur Unterbindung kinder­pornografis­ch­er Aktiv­itäten im Inter­net aus­tauschen. Da sieht man mal wieder, wohin diese Frei­heit im Inter­net führt.

Mit der Vor­rats­daten­spe­icherung wäre das alles nie passiert!

(Danke an M.!)

PersönlichesPolitik
Quotenkompetenz

Als Angestell­ter im öffentlichen Dienst erlebt man so manche Über­raschung.

Heute zum Beispiel erre­ichte mich neben dem gewohn­ten Infor­ma­tion­s­ma­te­r­i­al betr­e­ffs mein­er Arbeit­szeitvergü­tung auch ein Brief der nieder­säch­sis­chen Min­is­terin für Soziales, Frauen, Fam­i­lie, Gesund­heit und Inte­gra­tion (Män­ner inter­essieren eben nie­man­den), die tre­f­fend­er­weise Aygül Özkan heißt und somit für min­destens zwei ihrer fünf Ämter sog­ar ein wenig Fachkom­pe­tenz besitzen dürfte, in welchem sie — oder ein­er ihrer Bedi­en­steten — mich bat, an ein­er Umfrage teilzunehmen. Den Brief habe ich im Dienst der Trans­parenz und der Infor­ma­tion mein­er Leser im Fol­gen­den ein­mal kopiert und die bemerkenswerten Stellen her­vorge­hoben:

Es geht also in Kurz­form darum, dass Frau Özkan im öffentlichen Dienst ihres­gle­ichen ver­misst. Etwa 17 Prozent der Nieder­sach­sen sind nicht von hier, und da man im Amt für Soziales, Frauen, Fam­i­lie, Gesund­heit und Inte­gra­tion offen­bar ger­ade die genauen Zahlen nicht find­en kann, hat man dort beschlossen, ein­mal herumzufra­gen, ob diese Zahl sich auch im Ver­hält­nis der vom Land Beschäftigten wiederfind­en lässt. Bei unge­fähr 17 Prozent “betrof­fe­nen” Nieder­sach­sen ist es doch sich­er möglich, eine Migranten­quote von min-des-tens 50 Prozent hinzubekom­men, sofern das nicht mit der Frauen­quote kol­li­diert. Beson­ders gern gese­hen sind also, wahrschein­lich, behin­derte weib­liche Migranten; Verzei­hung, es muss natür­lich “behin­derte weib­liche Migrant/-innen” heißen. Kom­pe­tenz ist, wie üblich, zweitrangig. (Nur, falls sich noch jemand wun­dert, wieso nieder­säch­sis­che Behör­den nicht für ihre Effizienz bekan­nt sind.)

Warum ich das Anschreiben in der heuti­gen, zum Nachteil ein­heimis­ch­er Män­ner “poli­tisch (und sex­is­tisch) kor­rek­ten” Zeit über­haupt für erwäh­nenswert halte, erk­lärt die zweite Seite des­sel­ben:

Denn warum sollte man im öffentlichen Dienst auch arbeit­en, wenn man stattdessen Umfra­gen aus­füllen kann? Sich­er, “10 bis 15 Minuten” klingt nicht nach viel Ver­lust, aber man sollte nicht vergessen, dass nicht jed­er von der Bedi­enung des Inter­nets allzu viel Ahnung hat, so dass es auch etwas länger dauern kann. Die erwäh­nte Inter­net­seite wird etwas konkreter und erwäh­nt neben dem Umstand, dass außer der Herkun­ft auch das Geschlecht und das Alter sehr wichtig sind, wenn man im öffentlichen Dienst zukün­ftig einen Arbeit­splatz bekom­men möchte, auch dieses Detail:

Ins­ge­samt wer­den rund 222.000 Bedi­en­stete gebeten, bis zum 20. Jan­u­ar 2012 Auskun­ft über ihren möglichen Migra­tionsh­in­ter­grund und ihr Beschäf­ti­gungs-ver­hält­nis zu geben sowie einige zusät­zliche Angaben zu machen.

  • Rund 222.000 Bedi­en­stete wer­den offiziell dazu aufgerufen, durch­schnit­tlich 15 Minuten ihrer Arbeit­szeit damit zu ver­brin­gen, dem Min­is­teri­um ihre Per­son zu erläutern; klar: Woher sollte so ein Min­is­teri­um auch wis­sen, wer im Dienst des Lan­des ste­ht? Das macht nach Adam Riese und calc.exe 3,3 Mil­lio­nen Minuten, 55.500 Stun­den oder 2.312,5 Tage (das sind einige Jahre), die auf Kosten des Steuerzahlers erwün­scht ver­plem­pert wer­den.
  • Rund 222.000 Aus­fer­ti­gun­gen vor­liegen­den Schreibens kosten den Steuerzahler nach den üblichen Brief­be­förderung­spreisen ins­ge­samt über 122.000 Euro.

Und das alles, nur noch ein­mal zur Erin­nerung, nur, weil Frau Özkans Min­is­teri­um der Mei­n­ung ist, Migranten seien unab­hängig von ihrer fach­lichen Kom­pe­tenz oder son­sti­gen Qual­itäten bei der Ver­gabe von Arbeit­splätzen zu bevorzu­gen. Arbeit­slose Deutsche gibt es eben noch nicht genug — als Min­is­terin für Soziales weiß man so etwas ja meist.

“Auch les­bis­che schwarze Behin­derte kön­nen ätzend sein.”
— Die Toten Hosen

(Für eifrige Leser: Wer alle Gram­matikschnitzer in obigem Anschreiben find­et, bekommt ein virtuelles Schul­terk­lopfen von mir.)

In den NachrichtenWirtschaft
Kurz verlinkt LXVIII: Anständiger Aufstand

In den USA so:

Eine US-Lob­by­fir­ma bietet amerikanis­chen Banken Hil­fe bei der Demon­tage der Occu­py-Protestler an. Die Aktivsten gel­ten in Wash­ing­ton als ern­sthafte poli­tis­che Bedro­hung.

(Quelle)

Weil vorher in den USA so:

Die Stim­mung zwis­chen Polizei und der Occu­py-Bewe­gung heizt sich auf. In New York wur­den 250 Men­schen festgenom­men. Polizis­ten und Demon­stran­ten sind ver­let­zt.

(Quelle)

Während in Deutsch­land so:

(…) das Ver­hal­ten der Demon­stran­ten gibt den städtis­chen Ord­nung­shütern keinen Grund zur Klage, im Gegen­teil: “Wenn jede Demon­stra­tion so angenehm und friedlich ver­laufen würde, hät­ten wir weniger Arbeit”, sagte der Chef des Frank­furter Ord­nungsamts (…). Der Platz vor der Europäis­chen Zen­tral­bank (EZB) sei eben “ein Platz, an dem man nicht aneckt”. Dort campiert “Occu­py Frank­furt” seit dem weltweit­en Aktion­stag vom 15. Okto­ber.

(Quelle)

Und dann das Ord­nungsamt so:

Das Frank­furter Ord­nungsamt hat den Occu­piern am Willy-Brandt-Platz ger­ade erneut die Protest­genehmi­gung ver­längert, dies­mal bis zum 27. Novem­ber. (…) “Wenn es so weit­er geht, wer­den wir das auch den Win­ter hin­durch ver­längern.”

(Quelle)

Ihr seid mir ein paar Rev­o­lu­tionäre. Eure 68er-Eltern sind jet­zt sich­er sehr stolz auf euch.

“In Deutsch­land wird es keine Rev­o­lu­tion geben, weil man dazu den Rasen betreten müsste.”
(wahrschein­lich) Wladimir Iljitsch Uljanow

Netzfundstücke
Obama: Rechts im Bild.

Nun kann man bei diesem Artikel auf n24.de schon die Über­schrift amüsant find­en:

Oba­ma beg­nadigt “Peace” und “Lib­er­ty”

Die Todesstrafe für Frieden und Frei­heit wird also auf unbes­timmte Zeit aus­ge­set­zt; das ist erfreulich. Tat­säch­lich aber han­delt es sich bei “Peace” und “Lib­er­ty” um Truthähne.

Und weil man so einen Truthahn nur schw­er von US-amerikanis­chem Nach­wuchs unter­schei­den kann, bin ich der Redak­tion von N24 für die wichtige Bil­dun­ter­schrift natür­lich sehr dankbar:

Beina­he hätte ich sie ver­wech­selt.

(Danke an L.!)

NetzfundstückeIn den NachrichtenPolitik
Kurz verlinkt LXVII: Was wirklich gegen Terrorismus hilft, …

… der nicht nur aktiv gefördert, son­dern auch tatkräftig unter­stützt wird vom so genan­nten “Ver­fas­sungss­chutz”, der die Ver­fas­sung unge­fähr so erfol­gre­ich schützt wie der “schwarze Block” die Demokratie, ist nicht etwa ein NPD-Ver­bot, son­dern es sind mehr Kom­pe­ten­zen.

Mit der Vor­rats­daten­spe­icherung näm­lich wäre das alles nie passiert. Weil das mit der Vor­rats­daten­spe­icherung nicht so leicht ist, muss stattdessen eine andere Lösung her, sagte schon Ehrhart Kört­ing von der (Achtung!) SPD (Tusch!) im Jahr 2004; die sich allerd­ings auch nicht entschei­den kann, ob die Vor­rats­daten­spe­icherung nun gut oder nicht so gut ist.

Er brachte sein­erzeit einen Vorschlag ein, der sich schon eher nach der SPD anhört und den jet­zt vor dem Hin­ter­grund der Geschehnisse um den “Nation­al­sozial­is­tis­chen Unter­grund” auch Innen­min­is­ter Friedrich auf­greift.

Wie näm­lich ver­hin­dern wir in Zukun­ft, dass der Ver­fas­sungss­chutz die Aktiv­itäten ter­ror­is­tis­ch­er Vere­ini­gun­gen (ein scheußlich­er Ter­mi­nus) nicht nur nicht bekämpft, son­dern auch noch aktiv unter­stützt oder gar ini­ti­iert; dass also eine Bande gewalt­bere­it­er “Ver­fas­sungss­chützer” bis dahin eher gemäßigte Bürg­er zu Neon­az­i­tum ans­tiftet und so Ter­ro­ror­gan­i­sa­tio­nen im Unter­grund errichtet, über die sich hin­ter­her alle wun­dern?

Klar:

Nach den Ermit­tlungspan­nen im Fall der Neon­azi-Mord­serie will Bun­desin­nen­min­is­ter Hans-Peter Friedrich den Ver­fas­sungss­chutz auf Bun­de­sebene stärken.

“Ermit­tlungspan­nen”; kann ja mal passieren. Wir kön­nen beruhigt sein, dass die CSU sich jet­zt endlich mal darum küm­mert.
Dann kann näm­lich nichts mehr schiefge­hen.

Spaß mit Spam
du magst sie jung und dumm?

Wen jet­zt? Ach so, “junge Girls”, wie auch der Absender lautet, wahrschein­lich. Nein, eigentlich wäre es mir lieber, es gäbe mehr gebildete als dumme “junge Girls”, und wer das nicht ver­ste­ht, den lade ich gern auf eine Wochenkarte für den ÖPNV in ein­er Kle­in­stadt sein­er Wahl ein, auf dass sich das ändere, Aldah, ey, fick­disch.

Insofern muss ich die ein­gangs gestellte Frage lei­der verneinen. Darf ich trotz­dem weit­er­lesen? Ja? Gut:

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junge Tee­nies sind auf der Suche nach Fick­er­fahrun­gen

Aber so richtig “junge Tee­nies”, nicht etwa alte Tee­nies oder solche mit­tleren Alters, nein, junge Tee­nies. Nur, falls der Leser das an dieser Stelle schon wieder vergessen haben sollte.

Schau dir an wie ihre Löch­er das erstemal weit gedehnt wer­den
und sie Sper­ma schluck­en bis der Rachen voll ist.
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Ach, nein, gedehnte Löch­er (das nen­nt man doch heute “Tun­neln”, oder?) sind nicht son­der­lich inter­es­sant oder auch nur attrak­tiv. Inter­es­sant ist aber die Ankündi­gung, besagte “junge Tee­nies” wür­den Ejaku­lat schluck­en, bis der Rachen voll ist. Ist das nicht ziem­lich gefährlich, die Atemwege zu block­ieren?

In gewiss­er Hin­sicht klingt das nach einem Zirkus­plakat. “Sehen Sie die Frau mit den Witzen mit dem läng­sten Bart der Welt, die unglaublichen siame­sis­chen Zwill­inge und junge Tee­nies, die an frem­dem Ejaku­lat erstick­en! Kom­men Sie zahlre­ich!”

Aber eigentlich geht es ja gar nicht ums Schluck­en, son­dern ums Schnack­seln:

Blutjunge sexy Teens fick­en jeden um den Ver­stand!

Anscheinend hält das bewor­bene Ange­bot eine reich­liche Auswahl an Pro­tag­o­nis­ten vor, denn außer “jun­gen Tee­nies” gibt es dort auch “blutjunge sexy Teens”, qua­si als Gegen­satz zu den “nicht mehr ganz blutjun­gen Teens eher durch­schnit­tlichen Ausse­hens” und vor allem den “jun­gen Girls”, Abwech­slung muss ja sein, nicht wahr? Jeman­den um den Ver­stand zu brin­gen, und sei es mit solchen Mit­teln, kann ich allerd­ings nicht gutheißen. Am Ende klauen die einem noch die Kred­itkarte.

Diese jun­gen dauer­feucht­en Tee­nie Muschis brauchen
Schwänze in alle Löch­er und als Beloh­nung nur
eine Ladung warmes Sper­ma zum schluck­en!

Junge Muschis, soso, zu mein­er Zeit hat man denen noch eine Schale Wass­er hingestellt, aber die Zeit­en ändern sich anscheinend. Oder ist etwa das weib­liche Geschlecht­steil gemeint? Falls ja: Wie viele Löch­er hat so eine “Muschi” nor­maler­weise, und wie genau darf man sich das “Schluck­en” vorstellen?

Ist Dr. Som­mer zufäl­lig anwe­send?

Schau jet­zt den geilen Girlies zu oder chat­te live
vor der Web­cam und bring den Gören noch was bei.

Oh, da kann ich mich ja gar nicht entschei­den: Zuzuguck­en reizt mich nicht, für das Lehren fehlt mir die Geduld.

Möchte das jemand für mich übernehmen?

PersönlichesMontagsmusik
Die Toten Hosen — Nichts bleibt für die Ewigkeit

… und dann ertappt man sich manch­mal dabei, nachzu­denken über sich und sein Leben und ob man seine Zukun­ft, die man sich einst so rosig aus­ge­malt hat­te, auch ver­wirk­lichen kon­nte, und man würde gern das Fen­ster aufreißen und schreien, aber man bekommt kein Wort her­aus. Man schafft es nicht ein­mal, aufzuste­hen, die Last der Gedanken drückt mit Gewalt zurück in den Ses­sel. Etwas durch­strömt den Kör­p­er, von dem man sich wün­scht, man kön­nte es hier und jet­zt ein für alle­mal aus­rot­ten.

War es immer rat­sam, den gut gemein­ten Ratschlä­gen zu fol­gen, das unbeschw­erte Leben in den Tag hinein einzu­tauschen gegen eine ungewisse Zukun­ft? Ist es jet­zt zu spät, noch etwas zu ändern?

Und warum fragt man sich all das erst jet­zt?

Wenn du nachts hellwach in deinem Bett liegst,
hörst du, wie es leise tickt;
es ist ’ne Uhr in dir, die läuft nur für dich,
sie erin­nert dich dran, wie spät es ist…

In den Nachrichten
Medienkritik LIX: Provinzjournalist Michael Naumann ist überfordert.

Volk­er Kaud­er, Vor­sitzen­der der Unions­frak­tion im Bun­destag, hat sich für mehr gemein­same Poli­tik in Europa aus­ge­sprochen und dabei den Fehler began­gen, sich bildlich auszu­drück­en, denn mit so etwas kön­nen deutsche Jour­nal­is­ten bekan­ntlich nicht umge­hen. Unter dem Ein­druck der starken Europa­poli­tik von (aus­gerech­net) Angela Merkel sprach er unter anderem dies:

Kaud­er dek­lin­ierte den Beschluss noch ein­mal durch und bezog sich mehrfach auf die Rede von CDU-Chefin und Bun­deskan­z­lerin Angela Merkel am Mon­tag. Er fügte hinzu: “Auf ein­mal wird in Europa Deutsch gesprochen.” Nicht in der Sprache, aber in der Akzep­tanz der Merkel-Poli­tik, sagte der CDU-Poli­tik­er.

(Her­vorhe­bung von mir.)

Ein­mal davon abge­se­hen, dass der rel­a­tivierende Nach­satz mir deplatziert erscheint, denn Deutsch ist nach wie vor eine wichtige Amts- und Arbeitssprache in der Europäis­chen Union, rief diese Rede Cicero-Chefredak­teur Michael Nau­mann auf den Plan, der Spott und Häme über Volk­er Kaud­er auss­chüt­tete und bei der Gele­gen­heit auch gle­ich zeigte, dass Cicero, seines Rufs ungeachtet, auch nicht unbe­d­ingt hellere Köpfe beschäftigt als die “Bild”, zumal Kai Diek­mann sich dort mitunter zu Wort melden darf.

Michael Nau­mann näm­lich hat offenkundig bei seinen, wie üblich, gründlichen Hin­ter­grun­drecherchen kurzzeit­ig den Faden und die Beherrschung ver­loren und stam­melt also unter der Über­schrift “Prov­inzpoli­tik­er Kaud­er und die deutsche Sprache” unter anderem fol­gen­den Unsinn in sein virtuelles Heim­blatt:

“In Europa wird wieder Deutsch gesprochen”, rief der CDU-Frak­tion­schef Volk­er Kaud­er seinen Parteifre­un­den beim jüng­sten Well­ness-Kongress (sic!) der Union zu. “Oh, real­ly?” antwortete die britis­che Presse mit der insel­typ­is­chen Empörung.

Die “insel­typ­is­che Empörung” hat übri­gens einen deutschen Fach­be­griff, er lautet “Sarkas­mus”.

Sind wir also wieder im Nation­al­is­mus des frühen 19. Jahrhun­derts mit­samt seinem Sprachen­stre­it und Sprachen­hochmut gelandet?

Wen Michael Nau­mann mit “uns” meint, bleibt offen. Her­rn Kaud­er jeden­falls nicht, denn das The­ma “Sprache in Europa” war kein Teil sein­er Rede. Eventuell möchte Herr Nau­mann sich selb­st damit an die Öffentlichkeit wagen. Tapfer!

Unvergessen ist der Hochmut deutsch­er His­torik­er, als sie ent­deck­ten, dass pein­licher­weise Deutsch die “Arbeitssprache” im ersten panslaw­is­tis­chen Kongress zu Moskau (1867) war.

Unvergessen ist auch der Hochmut des Michael Nau­mann, der wed­er mit den europäis­chen Arbeitssprachen der Gegen­wart noch mit der Rede, über die er sich aus­lässt, ver­traut zu sein scheint. Aber bekan­ntlich kommt Hochmut vor dem Phal­lus Fall.

Wann also wird Herr Kaud­er beim irgend­wann fäl­li­gen Gespräch mit dem neuen Vor­stand der Deutschen Bank, dem indis­chen Briten Anshu Jain, darauf behar­ren, dass der Vielfach­mil­lionär doch bitte die Lan­dessprache benutzen möge?

Nun, wahrschein­lich nie; erstens, weil Indi­en kein europäis­ches Land ist, zweit­ens, weil hierzu keine Verpflich­tung beste­ht. Aber ich bin beein­druckt, dass Michael Nau­mann den Umstand, dass Herr Jain Vielfach­mil­lionär ist, für erwäh­nenswert hält; als habe er als ein solch­er selb­stver­ständlich jedes Recht auf eine Son­der­be­hand­lung. Cicero, das kap­i­tal­is­tis­che Blatt für Stammtis­chbrüder.

“Prov­inz” begin­nt im Kopf: Volk­er Kaud­er, der offen­sichtlich stolz darauf ist, dass mit deutschen Steuergeldern und deutschen Haushalts-Vorschriften europäis­che Ret­tungs­maß­nah­men verknüpft wer­den, ist ein Prov­inzpoli­tik­er, gegen den — im Ver­gle­ich — der Europäer Hel­mut Kohl aus Ogger­sheim ein strahlen­der Kos­mopolit war.

Dabei hat Hel­mut Kohl doch viel dafür getan, dass ger­ade Deutsch­land wieder Deutsch­land sein darf, die deutsche Ein­heit eingeschlossen. Von welchem Hel­mut Kohl spricht Herr Nau­mann hier?

Eben­so kön­nte man sich fra­gen, von welch­er deutschen Sprache er eigentlich spricht:

Was hülfe es (Luther-Deutsch), ihm zu erk­lären, (…)

“Was hülfe es” ist näm­lich genau so “Luther-Deutsch” wie “ihm zu erk­lären”, aber Prov­inzjour­nal­ist Michael Nau­mann ken­nt den Kon­junk­tiv II vielle­icht nur aus den Erzäh­lun­gen sein­er Großel­tern und hält ihn daher für ein Anze­ichen eigen­er Sprach­be­herrschung. Ich stelle mir ger­ade vor, wie Herr Nau­mann beim Schreiben dieses Satzes auf­springt, in die Hände klatscht und aus­ruft: “Welch form­schönes Hochdeutsch!”. Meinen Glück­wun­sch, Herr Nau­mann.

Nein, wir leben im 21. Jahrhun­dert, und die Arbeitssprache der inter­na­tion­al und wis­senschaftlich täti­gen Europäer ist Englisch. Europa spricht wed­er finnisch, noch deutsch.

Das ist einem Her­rn Nau­mann vielle­icht auch ganz recht, denn die deutsche Sprache, die zum Beispiel zwis­chen “wed­er” und “noch”, von eingeschobe­nen Rel­a­tivsätzen abge­se­hen, kein Kom­ma vor­sieht, scheint ihn zu über­fordern. Ein wenig Recherche aber hätte ihm aus­nahm­sweise sich­er nicht geschadet, denn Deutsch ist, wie bere­its ange­führt, Amts- und Arbeitssprache nicht nur der Europäis­chen Union, son­dern auch recht viel­er ihrer Mit­gliedsstaat­en, zumal die Beherrschung des britis­chen Idioms auch hierzu­lande sel­ten ist. Englisch und Englisch ist eben nicht das­selbe.

Jet­zt hat Herr Nau­mann also zwei “Seit­en” im Inter­net mit Gift und Galle wegen eines Satzes, der so nie gefall­en ist, vollgeschrieben.

Man wun­dert sich und fragt sich, was das heißen kön­nte.

Vielle­icht das Buhlen um Aufmerk­samkeit, wohl wis­send, dass pop­ulis­tis­ches Geifern bei den Massen bess­er ankommt als ein­fach mal die Klappe zu hal­ten. Man muss dafür ja nicht unbe­d­ingt wis­sen, worüber man spricht, die “Bild” immer­hin verkauft sich mit wenig tat­säch­lichem Hin­ter­grund­wis­sen ja eben­falls nicht schlecht, und auch Michael Nau­mann schätzt sie dafür, immer­hin zitiert er sie ein­gangs sog­ar.

Vielle­icht aber liege ich da auch völ­lig falsch, und Herr Nau­mann hat­te ehren­werte Absicht­en. Das allerd­ings wer­den wir wohl nie erfahren.

Noth­ing for ungood.
— Urban Pri­ol, “Neues aus der Anstalt”

Nerdkrams
Regelvernetzung: ifttt

Infor­matik­er sind ja eine naturgemäß eher bequeme Spezies. Der “Com­put­er”, später zum “PC” und zum “Mac” per­vertiert, wurde ursprünglich erschaf­fen, um tägliche Auf­gaben zu vere­in­fachen; dass heute zum Teil mehr Arbeit durch ihn entste­ht als bewältigt wird, lässt mich als iro­nis­chen Men­schen sehr bedeu­tungsvoll guck­en.

Nun kann man inzwis­chen ja fast alles automa­tisieren, was außer­halb des Inter­nets vor sich geht. Dort aber galt es bis­lang noch Schranken zu über­winden.

Der Dienst “if this then that”, kurz “ifttt”, den ich vor eini­gen Monat­en schon ein­mal in der geschlosse­nen Betaver­sion kurz aus­pro­biert hat­te, ver­spricht dieses Prob­lem zu lösen. Mit­tler­weile ist die Anmel­dung für jeden Inter­net­nutzer offen und frei zugänglich. ifttt ver­fol­gt dabei eine lobenswerte Datensparsamkeit: Benutzer­name, E‑Mail-Adresse, zweimal das Pass­wort — fer­tig. (Eine Weg­w­er­fadresse genügt übri­gens, sofern man später auf die Benachrich­ti­gung bei Prob­le­men verzicht­en kann.)

Was einige mein­er Leser vielle­icht abschreckt: ifttt ist derzeit nur in englis­ch­er Sprache ver­füg­bar. Ja, das ist ja alles schön und gut, sagt ihr jet­zt vielle­icht, aber was tut ifttt über­haupt? Wie der Name — “wenn dies, dann das” — schon andeutet, ist ifttt ein Dienst, der bei bes­timmten Ereignis­sen bes­timmte Aktio­nen aus­löst, etwa so wie der Auf­gaben­plan­er von Win­dows oder die Unix-/Lin­ux-Crontabs (“immer, wenn es 3 Uhr ist, for­mati­er die Fest­plat­te”, zwar blöd, aber geht), nur eben mit Inter­net.

Falls jemand von euch Twit­ter nutzt, hat er vielle­icht schon in irgen­dein­er time­line Tweets von YouTube oder Word­Press gese­hen: “Ich habe ger­ade einen neuen Artikel geschrieben: …” oder “Mir gefällt ein YouTube-Video: …”, jew­eils mit der Adresse dahin­ter. Diese Tweets stam­men direkt von YouTube und Word­Press (mit entsprechen­den Plu­g­ins); aber sie kön­nten eben­so gut von ifttt stam­men. Dabei ist noch weit mehr möglich als bloßes Twit­tern. Ich zum Beispiel habe derzeit zwei aktive Auf­gaben ein­gerichtet:

  1. Wenn ich via Twit­ter einen URL bewerbe, kopiere diese Adresse automa­tisch auch in meine Leseze­ichen­samm­lung bei Zootool.
  2. Wenn ich auf Last.fm ein Lied mit einem Herzen verse­he, kündi­ge dies auf Twit­ter an.

Das klingt jet­zt alles nach kom­pliziert­er Pro­gram­mierung, intern ist es das wahrschein­lich auch, aber der Benutzer bemerkt davon nichts:

Dabei ist das nur eine sehr kleine Auswahl dessen, wozu ifttt imstande ist, hat es doch unter anderem auch Zugriff auf den Notiz­di­enst Ever­note, das furcht­bare Face­book, den Spe­icher­platz in der eige­nen Drop­box, den Google Read­er, beliebige RSS-Feeds und E‑Mail-Kon­ten; es ist sog­ar möglich, ifttt per SMS anzus­teuern. Natür­lich benöti­gen alle unter­stützten Dien­ste eine erst­ma­lige Freis­chal­tung, das bedeutet, wenn man sie in seinen “Chan­neln” aktiviert (“Acti­vate”), muss man sich zunächst zum Beispiel auf Twitter.com anmelden und ifttt den Zugriff gewähren, damit man keinen Schind­lud­er mit dem Twit­terkon­to Drit­ter treibt.

Das Erstellen ein­er neuen Auf­gabe erfol­gt dann per Klick auf “Cre­ate task”, oben rechts im Bild, grafisch und ziem­lich kom­fort­a­bel: Zu jedem “Chan­nel” wer­den jew­eils die erkan­nten Ereignisse oder die möglichen Aktio­nen aufge­lis­tet. Möchte man zum Beispiel auf Ereignisse in sein­er Drop­box reagieren, präsen­tiert sich ifttt so:

Die ver­füg­baren “Chan­nel” wer­den ständig erweit­ert, unter anderem kann ifttt auch bere­its auf Google+-Einträge reagieren. Einige Anwen­dungs­beispiele für unter­schiedliche Zwecke gibt es auf der Seite “Recipes” (“Rezepte”) zu sehen.

Natür­lich ist vieles, was ifttt bish­er zu bieten hat, nicht viel mehr als eine amüsante Spiel­erei. Wenn man aber zum Beispiel häu­figer mal auf inter­es­sante Inter­net­seit­en ver­weisen möchte, wie es etwa diplix tut, oder etwa Face­book nutzt, um Ein­träge aus anderen sozialen Net­zw­erken und RSS-Feeds auf der Pin­nwand zusam­men­z­u­fassen, ist ifttt ein mächtiges, hil­fre­ich­es Werkzeug.

Ein Blick ist vielle­icht für jeden inter­es­sant, der sich oft und gern im “Web 2.0” aufhält, wie auch für jeden, der, wie ich, ein­fach nur gern neue Dinge aus­pro­biert. Eine effiziente Verknüp­fung der ver­schiede­nen Dien­ste, die sich im Laufe der Jahre in den täglichen Arbeitsablauf eingliedern lassen, kann viel Zeit sparen; und Zeit ist manch­mal Geld. (Nur wir Stu­den­ten haben bei­des nur sel­ten. Das ist der Lohn für Wis­sens­durst.)