Heda, Bahn,
in einem vorweihnachtlichen Anflug von Kundennähe habt ihr beschlossen, euch zur Abwechslung mal um das Wohlbefinden statt nur um die Vergrätzung eurer jede eurer unverschämten Preiserhöhungen nolens volens akzeptierenden und befolgenden Klientel zu kümmern. Beginnen wollt ihr erst einmal im Kleinen, nämlich damit, etwaige Störungen der Passagiere nach endlich vollzogenem Fahrtantritt zu verhindern.
Dabei versucht ihr natürlich, gewohnt familienfreundlich vorzugehen, und schnappt euch erst einmal die wenigen Übeltäter, die sich überhaupt eine BahnCard 100 leisten können und also zum Teil absichtlich mehr Geld zahlen, um gewisse Vorteile zu genießen. (Bonzen, elende.) Denn was stört eure Kunden wohl am meisten? Richtig: Das Geräusch von Tastenanschlägen.
“Mit Rücksicht auf andere Reisende wurde die Nutzung von Laptops in der Bordgastronomie verboten.” Auch eine Begründung liefert die Bahn mit: “Viele Kunden fühlen sich durch das Tippgeräusch belästigt.”
Richtig?
Ach, Bahner, nun fahre ich ja ziemlich regelmäßig mit euren komfortablen (weiß) und weniger komfortablen (rot) Zügen durch die Gegend, wenn gerade kein Metronom oder ähnlich lobenswerte Alternativen bereitstehen, und habe dann zwar selten eine Tastatur, wohl aber stets einen Notizblock in der Nähe meiner vor Geräuschbelästigung (und Kaffee) schon ganz zittrigen Finger bereitliegen. Als ein solcher störungsarmer Teilnehmer am Passivverkehr möchte ich euch zur geneigten Verwendung noch einige Dinge nennen, die mich an Bahnfahrten stören: Stundenlang plärrende Kleinkinder mit überforderten Müttern, alkoholisierte Prekarier, sich trotz räumlicher Nähe nur brüllend miteinander unterhaltende Jugendliche, ebenfalls recht geräuschvolle Seniorengruppen, mobil telefonierende Modebarbies mit ihrem unterbrechungsfreien Geplapper, der widerliche Kaffee an Bord eurer Züge und vor allem eure offenkundige Unfähigkeit (oder Unlust), abzusehenden Verspätungen oder ganzen Zugausfällen mit zeitnaher Bereitstellung von Ersatzzügen oder wenigstens einer Zeitung und meinetwegen auch weiterhin widerlichem Kaffee zu begegnen; von der Diskrepanz zwischen dem Titel “Servicemitarbeiter” und der Verfügbarkeit derer, die ihn tragen, mal ganz zu schweigen.
Ihr habt es gut, ihr seid nur selten auf eure Züge angewiesen, und wenn ihr dann doch mal mit ihnen durch die Gegend fahrt, dann immer in eurem eigenen Abteil, abgeschottet vom tatsächlichen Geschehen. Den Tag, an dem mich das Geräusch von tippenden Menschen auf Bahnfahrten ernsthaft echauffiert, werde ich hingegen wahrscheinlich nicht mehr erleben. Es ist mir ja beinahe unangenehm, aber ich muss euch da etwas gestehen. Und wisst ihr, was?
Ich beneide euch ein bisschen darum.

Den besten Reiseplatz hat immernoch der “Triebfahrzeugführer”. Weder Tastaturen noch telefonierende Bitches
Aber gelegentlich Menschenmatsch an der Scheibe.
aber ist dies die Ruhe nicht wert?!
Meine schon, aber seine?
wahrscheinlich auch, sonst würde niemand den hier (und nur hier!) in Deutschland völlig unterbezahlten Beruf ausüben.
Künstler?
nein, Triebfahrzeugführer
Künstler sind noch überbezahlt?
nichtbezahlt.
Immer noch zu viel! Denk doch mal an die Wirtschaft und so.
Junge, und wie du wieder Aussiehst, Löcher in dem Haushalt und ständig dieses Büro, was soll’n die Beamten sagen?
Wahrscheinlich “Eh, hinten anstellen!”
eh, junge, sach noch einmal junge, dann klatscht et aber echt, junge
*klatsch*