Volker Kauder, Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag, hat sich für mehr gemeinsame Politik in Europa ausgesprochen und dabei den Fehler begangen, sich bildlich auszudrücken, denn mit so etwas können deutsche Journalisten bekanntlich nicht umgehen. Unter dem Eindruck der starken Europapolitik von (ausgerechnet) Angela Merkel sprach er unter anderem dies:
Kauder deklinierte den Beschluss noch einmal durch und bezog sich mehrfach auf die Rede von CDU-Chefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag. Er fügte hinzu: “Auf einmal wird in Europa Deutsch gesprochen.” Nicht in der Sprache, aber in der Akzeptanz der Merkel-Politik, sagte der CDU-Politiker.
(Hervorhebung von mir.)
Einmal davon abgesehen, dass der relativierende Nachsatz mir deplatziert erscheint, denn Deutsch ist nach wie vor eine wichtige Amts- und Arbeitssprache in der Europäischen Union, rief diese Rede Cicero-Chefredakteur Michael Naumann auf den Plan, der Spott und Häme über Volker Kauder ausschüttete und bei der Gelegenheit auch gleich zeigte, dass Cicero, seines Rufs ungeachtet, auch nicht unbedingt hellere Köpfe beschäftigt als die “Bild”, zumal Kai Diekmann sich dort mitunter zu Wort melden darf.
Michael Naumann nämlich hat offenkundig bei seinen, wie üblich, gründlichen Hintergrundrecherchen kurzzeitig den Faden und die Beherrschung verloren und stammelt also unter der Überschrift “Provinzpolitiker Kauder und die deutsche Sprache” unter anderem folgenden Unsinn in sein virtuelles Heimblatt:
“In Europa wird wieder Deutsch gesprochen”, rief der CDU-Fraktionschef Volker Kauder seinen Parteifreunden beim jüngsten Wellness-Kongress (sic!) der Union zu. “Oh, really?” antwortete die britische Presse mit der inseltypischen Empörung.
Die “inseltypische Empörung” hat übrigens einen deutschen Fachbegriff, er lautet “Sarkasmus”.
Sind wir also wieder im Nationalismus des frühen 19. Jahrhunderts mitsamt seinem Sprachenstreit und Sprachenhochmut gelandet?
Wen Michael Naumann mit “uns” meint, bleibt offen. Herrn Kauder jedenfalls nicht, denn das Thema “Sprache in Europa” war kein Teil seiner Rede. Eventuell möchte Herr Naumann sich selbst damit an die Öffentlichkeit wagen. Tapfer!
Unvergessen ist der Hochmut deutscher Historiker, als sie entdeckten, dass peinlicherweise Deutsch die “Arbeitssprache” im ersten panslawistischen Kongress zu Moskau (1867) war.
Unvergessen ist auch der Hochmut des Michael Naumann, der weder mit den europäischen Arbeitssprachen der Gegenwart noch mit der Rede, über die er sich auslässt, vertraut zu sein scheint. Aber bekanntlich kommt Hochmut vor dem Phallus Fall.
Wann also wird Herr Kauder beim irgendwann fälligen Gespräch mit dem neuen Vorstand der Deutschen Bank, dem indischen Briten Anshu Jain, darauf beharren, dass der Vielfachmillionär doch bitte die Landessprache benutzen möge?
Nun, wahrscheinlich nie; erstens, weil Indien kein europäisches Land ist, zweitens, weil hierzu keine Verpflichtung besteht. Aber ich bin beeindruckt, dass Michael Naumann den Umstand, dass Herr Jain Vielfachmillionär ist, für erwähnenswert hält; als habe er als ein solcher selbstverständlich jedes Recht auf eine Sonderbehandlung. Cicero, das kapitalistische Blatt für Stammtischbrüder.
“Provinz” beginnt im Kopf: Volker Kauder, der offensichtlich stolz darauf ist, dass mit deutschen Steuergeldern und deutschen Haushalts-Vorschriften europäische Rettungsmaßnahmen verknüpft werden, ist ein Provinzpolitiker, gegen den — im Vergleich — der Europäer Helmut Kohl aus Oggersheim ein strahlender Kosmopolit war.
Dabei hat Helmut Kohl doch viel dafür getan, dass gerade Deutschland wieder Deutschland sein darf, die deutsche Einheit eingeschlossen. Von welchem Helmut Kohl spricht Herr Naumann hier?
Ebenso könnte man sich fragen, von welcher deutschen Sprache er eigentlich spricht:
Was hülfe es (Luther-Deutsch), ihm zu erklären, (…)
“Was hülfe es” ist nämlich genau so “Luther-Deutsch” wie “ihm zu erklären”, aber Provinzjournalist Michael Naumann kennt den Konjunktiv II vielleicht nur aus den Erzählungen seiner Großeltern und hält ihn daher für ein Anzeichen eigener Sprachbeherrschung. Ich stelle mir gerade vor, wie Herr Naumann beim Schreiben dieses Satzes aufspringt, in die Hände klatscht und ausruft: “Welch formschönes Hochdeutsch!”. Meinen Glückwunsch, Herr Naumann.
Nein, wir leben im 21. Jahrhundert, und die Arbeitssprache der international und wissenschaftlich tätigen Europäer ist Englisch. Europa spricht weder finnisch, noch deutsch.
Das ist einem Herrn Naumann vielleicht auch ganz recht, denn die deutsche Sprache, die zum Beispiel zwischen “weder” und “noch”, von eingeschobenen Relativsätzen abgesehen, kein Komma vorsieht, scheint ihn zu überfordern. Ein wenig Recherche aber hätte ihm ausnahmsweise sicher nicht geschadet, denn Deutsch ist, wie bereits angeführt, Amts- und Arbeitssprache nicht nur der Europäischen Union, sondern auch recht vieler ihrer Mitgliedsstaaten, zumal die Beherrschung des britischen Idioms auch hierzulande selten ist. Englisch und Englisch ist eben nicht dasselbe.
Jetzt hat Herr Naumann also zwei “Seiten” im Internet mit Gift und Galle wegen eines Satzes, der so nie gefallen ist, vollgeschrieben.
Man wundert sich und fragt sich, was das heißen könnte.
Vielleicht das Buhlen um Aufmerksamkeit, wohl wissend, dass populistisches Geifern bei den Massen besser ankommt als einfach mal die Klappe zu halten. Man muss dafür ja nicht unbedingt wissen, worüber man spricht, die “Bild” immerhin verkauft sich mit wenig tatsächlichem Hintergrundwissen ja ebenfalls nicht schlecht, und auch Michael Naumann schätzt sie dafür, immerhin zitiert er sie eingangs sogar.
Vielleicht aber liege ich da auch völlig falsch, und Herr Naumann hatte ehrenwerte Absichten. Das allerdings werden wir wohl nie erfahren.
Nothing for ungood.
— Urban Priol, “Neues aus der Anstalt”

Kauder ist eigentlich auch ein Brite.…Kauderwelsh.
Ein Kauderwels ist ein seltsamer Fisch.
“Nothing for ungood” wurde nicht von Urban Priol geprägt, sondern von Jan Henrik Stahlberg. Do your research, fuckwad.
Es gibt nichts, was nicht irgendjemand schon vorher gesagt hätte. Von “geprägt” steht in obigem Artikel jedenfalls nichts. Lern lesen.
Was du so Artikel nennst.
Bedeutet das, dass du die Qualität des Textes als minderwertig erachtest und dich dennoch dazu herablässt, ihn nicht nur zu lesen, sondern obendrein mittels des Kommentarfeldes darüber mit mir diskutierst? Ein Wendehals also? Ich verstehe!