In den NachrichtenNerdkrams
Soziale Differenzen

Als ich let­zte Woche spekulierte, Face­book werde in abse­hbar­er Zeit den Weg aller “sozialen Net­zw­erke” gehen, deren größte Beliebtheit in der Regel einen Zeitraum von unge­fähr drei Jahren umfasst, bevor sie vom näch­sten “kom­menden Ding” abgelöst wer­den, ern­tete ich vor allem ungläu­biges Kopf­schüt­teln. Face­book sei, schrieb zum Beispiel “Silencer”, mit­tler­weile schlicht zu bedeu­tend, um abgelöst wer­den zu kön­nen.

Ich hat­te diese Diskus­sion längst wieder vergessen, wurde aber heute an sie erin­nert, als ich zufäl­lig die Mel­dung las, dass der Musik­stream­ing­di­enst Spo­ti­fy, der in Deutsch­land aus Grün­den nicht offiziell ver­füg­bar ist, seit Ende Sep­tem­ber 2011 Neuan­mel­dun­gen nur noch per Face­book-Verbindung zulässt, soll heißen: Der Zugriff auf die eigene Musik — selb­st, wenn man sich ein teures Pre­mi­umkon­to dort geleis­tet hat — ist abhängig von der Gun­st Face­books. Das wiederum bedeutet: Wer bei Face­book für die Spo­ti­fy-Nutzung ein zweites Pro­fil anlegt, eine falsche Iden­tität vorgibt oder sonst­wie gegen die Richtlin­ien ver­stößt, kön­nte irgend­wann ein Prob­lem bekom­men; zumal Face­book in Schulen und Büros oft schlicht nicht zugänglich ist.

Dass die Kri­tik an Face­book kein “typ­isch deutsches” Phänomen ist, zeigt sich nun anhand der zahlre­ichen Beschw­er­den inter­essiert­er oder ehe­ma­liger Spo­ti­fy-Nutzer. Zu Recht fra­gen dort manche: “Ist es ver­ant­wor­tungsvoll, die Nutzung von Face­book vorauszuset­zen?” Offen­sichtlich ste­ht Face­book auch in anderen Län­dern in der Kri­tik. “Soziale Net­zw­erke”, so der Tenor, soll­ten eine pri­vate Spiel­erei und keine Zugangsvo­raus­set­zung für irgen­det­was sein, vor allem dann nicht, wenn sie sich wie Face­book gebär­den. So fragt etwa “coro­n­adoug”:

How do I pur­chase this for my young daugh­ter? Do you think that I want her hav­ing a FB account?

Es ist schön, dass sich manche Eltern noch über die Inter­net­nutzung ihrer Kinder Gedanken machen. Anony­mus “iampet­stone” trifft den Nagel jeden­falls auf den Kopf:

Get back to actu­al­ly being social, you know, by see­ing friends in per­son or pick­ing up the PHONE!

Medi­enkom­pe­tenz set­zt sich langfristig anscheinend durch. Platzhirsch Google, mit dem mit den übri­gen Google-Dien­sten zuse­hends mehr verzah­n­ten Google+ noch ver­gle­ich­sweise neu im Ren­nen, aber recht erfol­gre­ich, bere­it­et mit sein­er All­ge­gen­wart bis­lang noch weniger Unbe­ha­gen, Benutzer des Google Read­ers allerd­ings sind seit der let­zten größeren Änderung dort ten­den­ziell unzufrieden und suchen nach Alter­na­tiv­en, und es sollte mich erstaunen, träfe so etwas nicht auch früher oder später auf die anderen Google-Dien­ste zu.

“Silencer” irrte offen­sichtlich: Der Trend geht weg von der Monop­o­lisierung des dig­i­tal­en Lebens. Wir kön­nen inzwis­chen jeden Bere­ich unseres dig­i­tal­en Lebens zwis­chen Google und Face­book aufteilen, aber wir sind immer weniger bere­it, es zu tun. Das ist vielle­icht den ungezählten aus dem Boden schießen­den Alter­na­tiv­en zu ver­danken, immer­hin ist so ein “Web‑2.0”-Dienst nicht mit unmen­schlich viel Arbeit ver­bun­den (auch Microsoft arbeit­et daran), vielle­icht hil­ft es aber auch, dass die Nör­gler, die Daten­schützer sich häu­figer in den Medi­en zeigen als noch vor weni­gen Jahren, denn auch ein daten­schutzkri­tis­ch­er Artikel ver­an­lasst Men­schen dazu, sich mit dem The­ma zumin­d­est ober­fläch­lich zu beschäfti­gen.

Was das näch­ste Face­book wird, ste­ht immer noch in den Ster­nen. Aber es wird kom­men.

Senfecke:

  1. Jo, meinst du bei Google+ mit “recht erfol­gre­ich” die ueber 80% inak­tiv­en Benutzer?

    > “Get back to actu­al­ly being social, you know, by see­ing friends in per­son or pick­ing up the PHONE!”

    Ist Bull­shit. Soziale Net­ze sind der naech­ste logis­che Stufe auf der Leit­er der Entwick­lung men­schlich­er Kom­mu­nika­tion. Ich hab mal irgend­wo gele­sen, dass man nicht mit mehr als 20–30 Leuten regel­maes­sig in Kon­takt bleiben kann. Mehr gehe ange­blich nicht. Nun, viel vergnue­gen dabei die alle immer anzu­rufen. :roll:

    Im uebri­gen ist Tele­fonieren auch ein­fach nur von vorgestern. Wir stellen uns vor du willst dein Woch­enende mit fuenf anderen Leuten pla­nen:

    Du ruf­st zuerst mal A an, um zu fra­gen was denn jet­zt wo los ist. Du sollst bitte B und C anrufen. D ist grad nicht erre­ich­bar, E ruft dich wahrschein­lich irgend­wann mal zurueck, dein­er Erfahrung nach eher nicht. Cool, ich glaub meine Mum hat ihre Woch­enende frue­her so geplant. Nein danke, dann lieber eine Face­book Kon­ver­sa­tion mit allen gle­ichzeit­ig, ueber­all abzu­rufen und alle wis­sen bescheid.

    Wie gesagt, die naech­ste logis­che Stufe und Face­book macht es hier, im Moment, am allerbesten. Wenn es mal etwas geben sollte, auf dem alle meine Kon­tak­te vertreten sind, dass ich von ueber­all erre­ichen kann und noch prak­tis­ch­er ist als Face­book: nur her damit. Bis dahin ist es fuer mich Face­book. Und wenn die dafuer im Gegen­zug meinen Musikgeschmack und meine “ich war ger­ade scheissen”-Statusupdates an irgendwelche Agen­turen verkaufen wollen, deren Wer­bung ich ohne­hin aus­blende — gern.

    Ich liebe es mich mit anderen auf ein­er Plat­form auszu­tauschen. Ich liebe es anderen mitzuteilen wo ich ger­ade bin. Ich liebe es mit anderen Leuten unver­mit­telt eine Kon­ver­sa­tion zu starten — egal wo sie sind — zu etwas das ihnen durch den Kopf geht (sofern nicht zu belan­g­los). Ich liebe es jed­erzeit erre­ich­bar zu sein, und wenn ich das mal nicht will, dann, glaubt es oder nicht, kann man auch ein Smart­phone auschal­ten. Ich liebe es ein Pro­fil aufzubauen, zu zeigen was mir gefaellt und was nicht — das lieben Men­schen generell, “Social Engage­ment”. Deshalb ist Face­book auch so erfol­gre­ich. Und wenn ich nicht will, dass jemand weiss dass ich die Wendy lese oder mir Poke­mon im TV anschaue, dann geb ich das auch nicht in mein Pro­fil ein. Klar macht Face­book es mir sehr schmack­haft wirk­lich alles zu teilen, aber nach wie vor: man darf teilen, man muss nicht.

  2. Ich kenne Google+ nicht gut genug, lese dort nur ab und zu mit. Deutsch­lands Vorzeige­blog­ger sind dort jeden­falls rege aktiv. Apro­pos, glaub­st du, bei Face­book gäbe es weniger nicht genutzte Kon­ten als bei Google+? Man kann seine Dat­en dort ja nicht ein­mal endgültig löschen, also wer­den viele es gar nicht erst ver­suchen.

    Die “naech­ste logis­che Stufe auf der Leit­er der Entwick­lung men­schlich­er Kom­mu­nika­tion” find­et im Inter­net statt? So eine Geburt­stags­feier im Face­book-Chat (mit mehr als 30 Leuten) stelle ich mir unaufre­gend vor. Aber wenn dir das Freude bere­it­et: Meinen her­zlichen Glück­wun­sch. Tauschen möchte ich trotz­dem nicht.

    Tele­fonieren war ein Beispiel. Auch bei Face­book redest du sich­er nur sel­ten mit mehr als ein­er Per­son gle­ichzeit­ig, son­dern immer abwech­sel­nd, nicht wahr? Übri­gens: Was ist eigentlich mit Men­schen, die aus irgendwelchen Grün­den nicht bei Face­book sind? Dür­fen die nicht mehr an deinem Fre­un­deskreis teil­nehmen, wer­den sie aus deinem Sozialleben aus­geschlossen? Wer deine Pin­nwand nicht liest, hat halt Pech gehabt? Spricht nicht für dich (oder dein Ver­ständ­nis von Fre­und­schaften). Alter­na­tiv: Was passiert mit den anderen? Anrufen willst du nicht, Face­book wollen sie nicht, und etwas anderes sche­inst du ja nicht zu ken­nen. Oje.

    Das Prob­lem bei den Sta­tus­nachricht­en ist übri­gens zweier­lei:
    1) Face­book ist inzwis­chen laut Bericht­en unerträglich. Vor lauter Spiele-Müll find­et man beina­he kaum noch Infor­ma­tio­nen auf der Start­seite.
    2) Dass du Wer­bung aus­blend­est, ändert an der Daten­er­fas­sung null.

  3. “Übri­gens: Was ist eigentlich mit Men­schen, die aus irgendwelchen Grün­den nicht bei Face­book sind? Dür­fen die nicht mehr an deinem Fre­un­deskreis teil­nehmen, wer­den sie aus deinem Sozialleben aus­geschlossen? Wer deine Pin­nwand nicht liest, hat halt Pech gehabt? Spricht nicht für dich (oder dein Ver­ständ­nis von Fre­und­schaften). Alter­na­tiv: Was passiert mit den anderen? Anrufen willst du nicht, Face­book wollen sie nicht, und etwas anderes sche­inst du ja nicht zu ken­nen. Oje.”

    Genau dieses Prob­lem beobachte ich bei der “Social-Net­work-Frak­tion”. Die die als noch einzig gültiges Kom­mu­nika­tion­s­mit­tel Face­book & Co. anerken­nen, sind dann die Freunde/Bekannte etc. denen man ständig selb­st hin­ter­her­laufen muss, wenn man den Kon­takt nicht ver­lieren möchte. Ich mei­de diese Datensammler/Verkäufer und erlebe es selb­st : Wer nicht mit­macht, hat eben Pech gehabt. Durch Face­book & Co. wer­den die Leute Fauler (Warum jet­zt noch eine Mail schreiben oder den Mes­sen­ger starten).

    Zudem lässt sich nicht Kon­trol­lieren, wer welche Dat­en über einen selb­st Preis­gibt, selb­st wenn man selb­st ein Anonymisiertes Pro­fil hat. Wer für sich selb­st die Pri­vat­sphäre aufgibt, tut dies gle­ich für alle anderen mit. Ein­fach nur Furcht­bar…

    “Ich liebe es ein Pro­fil aufzubauen, zu zeigen was mir gefaellt und was nicht – das lieben Men­schen generell, “Social Engage­ment”.”

    Sor­ry, aber das ist nicht “Social Engage­ment”, son­dern ein Zwang­haftes auf sich Aufmerk­sam machen “Seht her, ich bin so toll”.

    So bleibt es bei mir weit­er­hin bei der Weigerung, jemals eines dieser Net­ze zu nutzen und lieber einen Fre­un­deskreis auszubauen der dies eben­falls tut.
    Soziale Net­zw­erke kön­nen auch Jahre­lange Fre­und­schaften zer­brechen lassen.

    P.S. Selb­st mein Sohn (11 Jahre) ver­ste­ht, das Soziale Net­zw­erke nichts gutes bedeuten und hält sich davon fern, und das obwohl seine gesamten Fre­unde sich bei FB aufhal­ten.
    Er hat für sich erkan­nt, das die Pri­vat­sphäre, der Daten­schutz und die Frei­heit wichtiger sind.

  4. > “Get back to actu­al­ly being social, you know, by see­ing friends in per­son or pick­ing up the PHONE!”

    Ist Bull­shit. Soziale Net­ze sind der naech­ste logis­che Stufe auf der Leit­er der Entwick­lung men­schlich­er Kom­mu­nika­tion.
    Ich hab mal irgend­wo gele­sen, dass man nicht mit mehr als 20–30 Leuten regel­maes­sig in Kon­takt bleiben kann.
    Mehr gehe ange­blich nicht. Nun, viel vergnue­gen dabei die alle immer anzu­rufen.”

    Es sind sog­ar 150 Kon­tak­te! Nur muss man nicht jeden ständig Anrufen. Es gibt ja noch E‑Mail, Mes­sen­ger, Foren, IRC etc.
    Für eine Umfan­gre­iche Kom­mu­nika­tion braucht man keine Plat­tfor­men, die gegen Pri­vat­sphäre und Anonymität ist und sämtliche
    Dat­en (wahrschein­lich) niemals wieder löscht.

    Im uebri­gen ist Tele­fonieren auch ein­fach nur von vorgestern. Wir stellen uns vor du willst dein Woch­enende mit fuenf anderen Leuten pla­nen:
    Du ruf­st zuerst mal A an, um zu fra­gen was denn jet­zt wo los ist. Du sollst bitte B und C anrufen. D ist grad nicht erre­ich­bar,
    E ruft dich wahrschein­lich irgend­wann mal zurueck, dein­er Erfahrung nach eher nicht.
    Cool, ich glaub meine Mum hat ihre Woch­enende frue­her so geplant.
    Nein danke, dann lieber eine Face­book Kon­ver­sa­tion mit allen gle­ichzeit­ig, ueber­all abzu­rufen und alle wis­sen bescheid.

    Wie gesagt, es gibt ja noch E‑Mail, Mes­sen­ger, Foren, IRC etc.

    Wie gesagt, die naech­ste logis­che Stufe und Face­book macht es hier, im Moment, am allerbesten. Wenn es mal etwas geben sollte,
    auf dem alle meine Kon­tak­te vertreten sind, dass ich von ueber­all erre­ichen kann und noch prak­tis­ch­er ist als Face­book: nur her damit.
    Bis dahin ist es fuer mich Face­book. Und wenn die dafuer im Gegen­zug meinen Musikgeschmack und meine
    “ich war ger­ade scheissen”-Statusupdates an irgendwelche Agen­turen verkaufen wollen, deren Wer­bung ich ohne­hin aus­blende – gern.

    Das KANN nicht die näch­ste Stufe sein, ein Anbi­eter der das gesamte Leben spe­ichert, ver­w­ertet, verkauft und allein die
    Bedin­gun­gen vorschreibt und das unter Klar­na­men­zwang ist ein­fach nicht der richtige Weg.

    Ich liebe es mich mit anderen auf ein­er Plat­form auszu­tauschen. Ich liebe es anderen mitzuteilen wo ich ger­ade bin.
    Ich liebe es mit anderen Leuten unver­mit­telt eine Kon­ver­sa­tion zu starten – egal wo sie sind – zu etwas das ihnen durch den Kopf geht
    (sofern nicht zu belan­g­los). Ich liebe es jed­erzeit erre­ich­bar zu sein, und wenn ich das mal nicht will, dann, glaubt es oder nicht,
    kann man auch ein Smart­phone auschal­ten. Ich liebe es ein Pro­fil aufzubauen, zu zeigen was mir gefaellt und was nicht –
    das lieben Men­schen generell, “Social Engage­ment”. Deshalb ist Face­book auch so erfol­gre­ich.
    Und wenn ich nicht will, dass jemand weiss dass ich die Wendy lese oder mir Poke­mon im TV anschaue,
    dann geb ich das auch nicht in mein Pro­fil ein.

    Wenn du das “lieb­st”, bitte. Jedem das seine. Wenn aber Inten­sive Benutzer anfan­gen diese Plat­tfor­men als einzig­stes
    Kom­mu­nika­tion­s­mit­tel zu benutzen und andere die sich dage­gen entsch­ieden haben, was passiert dann? Es fol­gt die
    Aus­gren­zung von Nicht-Benutzern durch die “Social-Net­work-Frak­tion”, die zu Faul wer­den weit­er­hin andere
    Wege nutzen, was bitte daran ist Sozial?

    Was Passiert denn wenn ein­er dein­er Kon­tak­te weis das du gerne die Wendy ließt und das Postet? Wie willst du das ver­hin­dern?
    Das kannst du gar nicht.

    Klar macht Face­book es mir sehr schmack­haft wirk­lich alles zu teilen, aber nach wie vor: man darf teilen, man muss nicht.

    Schon ein­mal über­legt, weshalb FB es Dir so Schmack­haft macht? FB geht es alleine um’s Geld ver­di­enen. Je mehr ein Nutzer
    unter seinem echt­en Namen von sich Preis­gibt, desto mehr Geld kann FB ver­lan­gen. Face­book & Co. Inter­essiert es nicht ob
    du dadurch irgendwelche Nachteile hast.

    Ich sehe kaum Vorteile in “Sozialen Net­zw­erken”, jedoch umso mehr Nachteile:

    Spe­icherung, Auswer­tung, Verkauf pri­vater, per­sön­lich­er Dat­en, Klar­na­men­zwang, Gesicht­serken­nung, Kon­trol­lver­lust, Benutzerver­dum­mung,
    geschlossene Sys­teme, Webpro­tokolle, Stan­dort­pro­file, Ein­schränkung, Bevor­mundung, Zen­sur, Manip­u­la­tion, totale Überwachung,
    Daten­weit­er­gabe an Behör­den & Geheim­di­en­ste, Umsatz­dat­en, Aufhe­bung der Pri­vat­sphäre, Aus­gren­zung, Abhängikeit uvm…

    Diese “Sozialen Net­zw­erke” sind die Pest des Infor­ma­tion­szeital­ters

  5. P.S. Selb­st mein Sohn (11 Jahre) ver­ste­ht, das Soziale Net­zw­erke nichts gutes bedeuten und hält sich davon fern, und das obwohl seine gesamten Fre­unde sich bei FB aufhal­ten.
    Er hat für sich erkan­nt, das die Pri­vat­sphäre, der Daten­schutz und die Frei­heit wichtiger sind.

    Das ist lobenswert, lei­der längst nicht Stan­dard: Ohne “das muss ich gle­ich bei Face­book posten!” verge­ht kaum ein Gespräch zwis­chen Jugendlichen im Bus. Es weckt meine Hoff­nung, auch mal so etwas zu lesen — danke!

    Ich sehe kaum Vorteile in “Sozialen Net­zw­erken”, jedoch umso mehr Nachteile:

    Soziale Ver­wahrlosung hast du vergessen. ;)

  6. Face­book hat schon lange angestrebt, zur Online-Iden­tität für alle Nutzer zu wer­den — qua­si der Inter­net-Pass. Diese Idee, und das damit Ver­bun­dene Konzept, eines Tages zum einzi­gen Login für alle Inter­net-Dien­ste zu wer­den, war schon ganz zu Beginn bei der Face­book-Grün­dung vorhan­den — jeden­falls, wenn man den Aus­sagen der FB-Grün­der glaubt (und das muss man natür­lich nicht).

    Wenn ein Face­book-Login nicht mehr option­al, son­dern verpflich­t­end ist, finde ich das auch nicht OK. Ich würde es wahrschein­lich wie mit diesem Google-Kon­to hand­haben: Ver­schiedene Kon­ten für ver­schiedene Dien­ste anle­gen. Ist das eine Lösung für Leute, die nichts mit Face­book zu tun haben wollen? Nee, natür­lich nicht. Aber Du weißt ja, ich bin da generell eher prag­ma­tisch.

    Was die Zukun­ft von Face­book ange­ht — ich denke, die Wahrheit ist, dass nie­mand weiß, was passieren wird. Wenn’s den Nutzern lang­weilig wird, kann ein Prozess in Gang kom­men, bei dem immer mehr Leute der Rei­he nach absprin­gen. Und dann nützt die mark­t­be­herrschende Stel­lung über­haupt nichts mehr.

    Aber das *muss* nicht ein­treten.

  7. “Silencer irrt offen­sichtlich”
    ich lese Dein Blog sehr gerne. Du bist clever und bringst Deine Gedanken in gut les­bar­er Form rüber. Das Du mit diesem Artikel voll daneben haust muss Dir abso­lut klar sein, deshalb bin ich ger­ade am über­legen ob Du ihn nur der Pro­voka­tion wegen geschrieben hast.

    Um mal Analo­gien zu bemühen: Die Sit­u­a­tion ist die gle­iche als wenn ich behauptet hätte, dass die näch­ste Gen­er­a­tion iPhones sich gut verkaufen wird und Du nun drei Leute gefun­den hast, die das Gerät lieber in blau oder rosa oder mit Spoil­er haben möcht­en, und Du daraus den Schluss ziehst, das Apple zum Unter­gang ver­dammt ist. Das ist ein niedlich­es Ver­hal­ten und erin­nert mich ein wenig an einen Lin­ux­er, der schon mal den Cham­pag­n­er kalt­stellt, weil er annimmt, dass es Win­dows in Kürze nicht mehr geben wird, weil die Leute darüber fluchen.

    Um nochmal eines klarzustellen: Ich per­sön­lich halte Face­book für das pure Böse, denke aber, dass es kurz- und mit­tel­fristig durch nichts anderes erset­zt wer­den wird.

    Deine gesamten Aus­führun­gen fußen auf der Annahme, dass die Karawane weit­erziehen wird. Warum? Weil sie es früher schon getan hat. Diese Annahme lässt aber eine fun­da­men­tale Änderung der let­zten Jahre außer Acht. Während die Karawane früher aus jun­gen, flex­i­blen und schnell adap­tieren­den Pio­nierbeduinen bestand, laufen heute Mut­tis, Alte und Kinder in der Karawane mit. Um es mal deut­lich zu sagen: Face­book sitzt mit seinem dick­en Hin­tern in der Main­stream­sahne.

    Face­book auf ein soziales Net­zw­erk zu reduzieren verken­nt die wahre Größe. Sie haben Kinder, Haus­frauen und über­haupt irgend­wie alle gekriegt. Mit sozialen Funk­tio­nen, klar, aber auch mit Spie­len, Authen­tifizierungs­di­en­sten und what­knot. Face­book ist Infra­struk­tur, und das zum einen als Soft­ware­frame­work, zum anderen im Bere­ich Hard­ware. Die Anzahl der Rechen­zen­tren, die Face­book unter­hält, wächst ständig. #

    Genau wie die Nutzer­schaft. Ich komme ger­ade von einem Tre­f­fen, auf dem “Medi­a­ber­ater” und “Social Con­sul­tants” herum­sprangen und von nichts anderem sprachen als Face­book. Jed­er Kegel­club, jed­er Turn­vere­in, jedes Unternehmen MÜSSE doch unbe­d­ingt auf Face­bok vertreten sein, son­st würde man die Ziel­grup­pen nicht erre­ichen. Die dort präsen­tieren Zahlen waren ganz schön beängsti­gend.

    Nochmal zusam­mege­fasst: Meine These lautet: Face­book wird kurz- und mit­tel­fristig nicht durch irgend­was anderes erset­zt, weil 1. es vieles ist, u.a. Social Net­work, busi­ness, Infra­struk­tur und 2. die Karawane unbe­weglich gewor­den ist. IRGENDWANN wird face­book abgelöst wer­den, das stimmt. IRGENDWANN wird auch nie­mand mehr Win­dows benutzen. Aber das kann dauern. Kor­rigi­er mich ruhig, wenn ich hier wieder offen­sichtlich falsch liege.

  8. deshalb bin ich ger­ade am über­legen ob Du ihn nur der Pro­voka­tion wegen geschrieben hast.

    Wie kommst du denn auf so etwas?!
    Ich und Pro­voka­tion! …

    Um nochmal eines klarzustellen: Ich per­sön­lich halte Face­book für das pure Böse, denke aber, dass es kurz- und mit­tel­fristig durch nichts anderes erset­zt wer­den wird.

    Ob es “erset­zt” wird oder nur “ver­schwindet”: Die Leute ver­lassen das sink­ende Kanu anscheinend (anscheinend!) rei­hen­weise.

  9. “Das ist lobenswert, lei­der längst nicht Stan­dard: Ohne “das muss ich gle­ich bei Face­book posten!” verge­ht kaum ein Gespräch zwis­chen Jugendlichen im Bus. Es weckt meine Hoff­nung, auch mal so etwas zu lesen – danke!”

    Ich wün­sche mir auch das mehr Eltern Ihre Kinder zumin­d­est Aufk­lären. Dabei ist das Recht ein­fach, man kann auch einen 11-jähri­gen Frei entschei­den lassen ob er diese Plat­tfor­men nutzen möchte. Frei­willig statt Ver­bote.

    Lei­der winken die meis­ten Eltern ab “Ist doch alles nicht so schlimm”.

  10. “Ist nicht so schlimm” ist weniger das Prob­lem; vielmehr inter­essiert es die meis­ten Eltern schlicht nicht, ob ihr Nach­wuchs ger­ade Nack­t­bilder von sich ver­bre­it­et, “sieht ja eh kein­er”. “Was machst du denn da eigentlich?” wird zu sel­ten gefragt.

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