Der Reflex hatte, wie immer, funktioniert: Kaum war bekannt geworden, dass einige Morde auf das Konto einer terroristischen Vereinigung gingen, nur eben diesmal von Rechts statt von Links wie damals in den 70-ern, brüllte einem von allen Seiten die übliche Forderung nach einem Verbot der NPD, wie es auch der entgegengesetzten (und inzwischen wieder existenten) KPD vor Jahrzehnten widerfahren war, entgegen. Denn, so lautet die einhellige Meinung, rechtsgesinnte Untergrundkämpfer würden ihr Tun künftig unterlassen, wenn man ihnen die Partei wegnimmt.
Dabei stellt offenbar niemand die Frage, ob die NPD und die drei “Terroristen” (dieses Wort ist längst abgenutzt, wer kennt ein besseres? Vorschläge sind erbeten) wirklich allzu viel miteinander zu tun haben. Rechts = NPD, NPD verbieten = rechts weg. So kann man sich die Welt auch einfachreden.
Die NPD ist aber ein bestenfalls zahnloser Tiger. Sie ist zum Beispiel im sächsischen Landtag vertreten und fällt dort vor allem dadurch auf, dass man sich über ihre Anträge lustig macht, nicht aber dadurch, dass sie die Integrität der demokratischen Strukturen Sachsens nachhaltig zu schwächen versuchte. Engagement gegen Gewalt seitens politischer Extremisten lässt sich für Rufe nach einem Verbot einer Partei nicht bescheinigen, denn dieses hätte keinerlei Einfluss auf extremistische Gewalttaten.
Es gibt in Sachsen anscheinend genug wahlberechtigte Bürger, die sich mit den Forderungen der NPD identifizieren können. Die “deutsche Verfassung” — das Grundgesetz — lässt dies ausdrücklich zu, und ob ein Verbot der NPD, von eigenen politischen Idealen abgesehen, mit demokratischen Idealen vereinbar wäre, möge ein Rechtskundigerer als ich abschließend beantworten. Die anhaltenden Wahlerfolge der NPD in manchen Bundesländern sind aber ein Symptom, dessen Bekämpfung die Ursache nicht beseitigt. Wenn man erkältet ist, verschwindet die Erkältung ja auch nicht durch’s Naseputzen.
Lassen wir die NPD als konkretes Objekt einmal beiseite und konzentrieren wir uns auf den Kern: Ein politisch radikales Trio ermordet einige Personen, darunter eine Polizistin (somit handelt es sich — ein schwacher Trost — nicht ausschließlich um konkret rechtsradikale Taten), und die Öffentlichkeit fordert, man möge etwas gegen solche Taten unternehmen, indem man etwas verbietet. Mord, Totschlag, Tötung, Brandstiftung sowie jeweils der bloße Versuch sind aber bereits verboten. Schade, sagt die Öffentlichkeit, dann verbieten wir eben etwas anderes, denn das wird politisch motivierte Gewalttäter mit Sicherheit davon abhalten, ihren Trieben nachzugehen.
Man verstehe mich nicht miss: Gewalt gegen Lebewesen und/oder Dinge ist keinesfalls zu befürworten, und es sollte viel weniger davon geben. Dieses Ziel lässt sich aber nicht erreichen, indem man vergleichsweise gemäßigt agierende Politiker per Dekret in den Untergrund drängt, denn die Terroristen, Massenmörder und sonstwie unfreundlichen Personen sind längst dort. Die scheren sich nicht mehr darum, ob sie die NPD wählen dürfen oder nicht. “Wehret den Anfängen” oder wem auch immer? Die Anfänge sind, wie nun erwiesen ist, längst Geschichte — ganz ohne die NPD.
Politischen Extremismus hat es zu allen Zeiten gegeben, völlig egal, ob er genehmigt oder verboten war. Das macht solchen Extremismus aus: Bestehende Gesellschaftsordnungen und Gesetze lassen ihn vollkommen kalt. Er liegt offensichtlich im Wesen des Menschen begründet. Wer die NPD verbietet, beraubt die Demokratie um ihren äußeren rechten Rand, Gesinnungen aber wird er so nicht bekämpfen. Wer den “Kampf” “gegen Rechts” oder “gegen Links” oder meinetwegen “gegen den Scheißkapitalismus” aufnimmt und dabei nicht willens ist, jeden Vertreter seines jeweiligen Feindbildes im Zweifelsfall einfach zu meucheln, der wird verlieren.
Rechtsradikalismus ist kein Verein, den man verbieten könnte, er ist eine Idee; wenn auch sicher nicht unbedingt die beste, die man haben kann. Natürlich kann (und, bisweilen, sollte) man es verbieten, jede Idee ungefiltert in den öffentlichen Raum zu krakeelen, aber die Ideen derer, die schweigen, sterben nicht von allein.
Politisch Aktive, die sich für die Stärkung der Demokratie und des Gemeinwohls nebst Bekämpfung terroristischer Aktivitäten einsetzen, sollten keine Energie darauf verschwenden, Verbote zu fordern. Was die Demokratie nachhaltig schädigt, ist hierzulande bereits seit 1949 verboten, und das ist gut und richtig so. Die freie Energie sollten sie stattdessen dafür nutzen, Unterstützer dieser Aktivitäten davon zu überzeugen, dass sie es besser können. Und so einfach könnte man auch das Thema NPD aus der Welt schaffen: Man muss nur ihren Wählern einen zum Beispiel programmatischen Anlass geben, sich für eine andere Partei zu entscheiden.
Aber anscheinend besteht hieran kein Interesse, oder man hat längst akzeptiert, dass man in Sachsen anscheinend nicht in der Lage ist, den Wahlberechtigten eine attraktive Politik anzubieten. Und so dreht sich die Erde seit Jahrzehnten im Oval. Jeder fragt “warum?” und niemand will es eigentlich wissen.
Und die Erkältung wird auch weiterhin mit Taschentüchern bekämpft.


Zum Unwort “Terrorist” sind wir ausnahmsweise mal einer Meinung. Fast schon wie die (selbsternannten) Experten ist doch heute fast jeder Terrorist. Das Wort hat keine Bedeutung mehr, als die dunkle, nicht greifbare, orwell’sche Gefahr, welche uns alle an die Gurgel will.
Sie haben Morde begangen. Nenn’ sie Mörder.
Das hebt sie nicht genügend von den deutschen Soldaten in, äh, Friedenseinsätzen ab.
WTF +1 Ich mag Wurst. Wo ist eigentlich der Knopf für Textwand geblieben?
Desweiteren ist es doch sowieso der Zeitgeist alles zu verbieten was einem nicht toll erscheint… Im “Scheißkapitalismus” wäre die Analogie dass Apple Samsung, Apple Motorolla, Apple HTC und sowieso quasi alles und jeden etc. verklagt.
Jemand hat ein besseres Produkt? Verklagen, verbieten! Jemand hat nen ansprechenderes Wahlprogramm? Verklagen, verbieten!
Auch ist es doch lächerlich in Deutschland nun alle 5 Jahre mal das NPD-Verbot aus’m Keller zu holen, da Deutschland im internationalen Vergleich ein so erbärmlich und unheimlich schwaches rechtes politisches Lager hat. Was ist mit den USA? Was ist mit Frankreich? Was ist mit Großbritannien? Was ist mit Italien? Was ist mit den Skandinaviern? Was ist mit Russland und den Ostblockstaaten? Und was zum Teufel ist dann erst mit den Österreichern?
Nationalisten gibt es überall, dass Deutschland aufgrund der Geschichte völlig davon Aus- und Weichgespült und den Stolz aus der Nation herausoperiert wurde, hat uns und wird uns sowie unseren Nachkommen in Zukunft mehr Nachteile bringen als Vorteile.
Aber Merkel macht das schon…die senkt ja schließlich auch die Steuern! Merkel wählen bitte!
Danke für den Hinweis, der Textwandknopf ist zurück.
In anderen Ländern würde man die NPD “konservativ” nennen, selbst in den erbärmlichen USA; aber die haben ohnehin nur zwei Parteien, Problem gelöst. Sollte es hier auch geben, damit sich die Leute die NPD wieder zurückwünschen… schon, weil das Wahlprogramm der NPD das ansprechendere ist in Sachsen.
Frankreich hat eine starke nationale Identität, dennoch arbeitet man als Deutscher nur allzu gern mit diesem Land zusammen, denn es ist ein “verlässlicher Partner” oder so ein Unfug. Hier wird schon der Aufstand geprobt, wenn jemand es wagt, eine Landessprache gesetzlich festzutackern. Die sonstigen Gesetze, selbst die EU-weiten, finden hier natürlich alle prima. Zum Glück ist Deutsch noch eine wichtige Weltsprache, sonst müssten wir uns ernsthaft Sorgen machen.
Die Steuern haben übrigens die von der F.D.P. gesenkt. Kennt die eigentlich noch wer?
ja, mindestens 1,8% kennen diese Splitterpartei
Pft, immer diese kriminellen Zwergorganisationen.
Liberalterroristen?
* kriminelle